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And the Sylvester 2021 goes to

Ein weiteres Jahr geht zu Ende, über dass sich sagen lässt, es ist gut, dass es zu Ende geht. Wird 2022 besser? Ich bin vorsichtig optimistisch, aber ich verliere bei Pandemie auch immer.

Wie schon im Podcast gestern angesprochen, war dieses Jahr lediglich ein halbes Spielejahr, wegen alledem und alledem. Vielleucht fehlte deshalb der ganz große Wurf dieses Jahr, vielleicht ist es auch die Stimmung, die gedrückt war. Dennoch es gab natürlich gute Spiele. Und ein paar will ich hier hervorheben, wie es seit alther Sitte ist:

Der Sylvester in Gold geht an Der perfekte Moment von Anthony Nouveau, erschienen bei Corax Games

Der Sylvester in Silber geht an Regicide von Paul Abrahams, Luke Badger, Andy Richdale, erschienen bei Badger from Mars (oder als Download)

Der Sylvester in Bronze geht an Fiesta de los Muertos   von Antoni Boccara, erschienen bei Game Factory

Der perfekte Moment ist eines der Opfer von 2019 gewesen und ich bin froh, dass ich das dieses Jahr auf den Tisch bringen konnte: Es ist ein schönes Knobelspiel, dass mich an eines meiner Favoriten – Timbuktu von Dirk Henn – erinnert. Auch hier geht es in erster Linie darum Schadensbegrenzung zu betreiben und um die Informationen, die man nicht hat, herumzuarbeiten. Dabei ist es spielerisch durchaus als Familienspiel geeigent (Timbuktu weniger), weil es so schön plastisch dargestellt ist und sich Kinder zudem besser die Infos merken können. Das man durch minimales verschieben von Figuren noch Punkte rausholen kann, wirft einen zusätzlichen Aspekt ins Spiel. Trotz des Vergleiches:  Der perfekte Moment ist vor allem auch eines: Originell. Und zudem eine schöne Umsetzung des Themas „fotographieren“. Ich habe übrigens die Ausgabe mit den Pappaufstellern, die Luxusausgabe ist also keineswegs Pflicht, Jürgen :-)

Regicide pflutschte kurz mal in der Deutschen Brettspielblase hoch und ward ebenso schnell weider verschwunden: Es ist halt ein Spiel, dass man mit einem Standardkartensatz spielt (Regeln gibts hier das Verwenden ist ausdrücklich erlaubt) und wie das so ist: Sich das Spiel aus Neuseeland zu besorgen ist zu teuer und einem Umsonst-Spiel traut man nicht so. Es ist ein kooperatives Spiel, bei dem man versucht die Bildkarten mit den anderen Handkarten um die Ecke zu bringen. Das Spiel ist unglaublich elegant, jede Regel hat Auswirkungen auf das Spiel. Das Spiel ist zudem ziemlich herausfordernd und ja, trotz hohem Glücksfaktor kann man eine Menge lernen und sein Spiel verbessern. Da eine Partie selten länger als 10 Minuten dauert (wenn blöd läuft sogar deutlich weniger), sind mehrere Partien locker drin. Keines der drei von mir mit dem Sylvester beglückten Spiele ist ein typisches Vielspielerspiel. Für Regicide gilt das besonders. Es ist eine sehr interaktive Patience mit Königsmord. Sowas hat die Welt noch nicht gesehen.

Der dritte Platz war hart umkämpft aber nach langem Überlegen hat sich Fiesta de los Muertos durchgesetzt – noch ein kooperatives Spiel, diesmal aus dem „Partyspiel“-Bereich Die Entscheidung viel dann nach dem Kriterium: Welches Spiel von den dreien habe ich denn am häufigsten gespielt? Und Fiesta konnte sich da durchsetzen, obwohl es minmal 4 Spielende braucht und richtig gut erst ab 5 oder 6 wird. Im Prinzip macht es aus Stille Post Extrem (endlich) ein „richtiges“ Spiel, also eines mit einer Siegbedingung. Nicht falsch verstehen: Ich spiele mit meinen Kindern immer noch ausgespochen gerne Mutabo. Aber Fiesta macht aus dem Prinzip eben ein Spiel, dass ich auch bedenkenlos in meinen Erwachsenenrunden auf den Tisch bringen kann. Es geht darum, eine Figur so zu beschrieben, dass auch wnach einer Assioziatskette die ursprünglichen Figuren zuordbar sind. Das ist lustig, aber auch heruasfordernd – und gerade mit einer Vorgabenkarte vom Schwierigkeitsgrad perfekt. Das „Partyspiel“ dieses Jahres für mich.

Honorable Mentions:

Ein Trend für mich waren dieses „kleine kooperative Kartenspiele mit kurzer Spieldauer“. Irgendwie ist diese Spielgenre dieses Jahr fast explodiert – und zahlreiche Vertreter habe ich als Absacker nach etwas größerem Schätzen gelernt. Regicide zum Beispiel. Aber die Spannbreite war deutlich größer: Da ist einmal Yōkai (Julien Griffon bei Game Factory), bei dem man versucht eine Auslage zu sortieren, die aber immer zusammenhängt und von der jeder nur wenige Karten kennt (über die man nicht reden darf) – ich habs allerdings tatsächlich immer nur online gespielt und weiß nicht, ob das „in echt“ vielleicht zu fummelig ist. Auch bei Tranquility (James Emmerson bei Hobby World) geht es ums sortieren, hier muss eine Auslage mit aufsteigenden Zahlen gefüllt werden, wobei große Sprünge Karten kosten. Der Name passt, ist dies doch ein eher entspannendes Spiel, in meinen Augen das bessere The Game. KamiMaï (Masakazu Takizawa bei GRRRE Games) ist dagegen etwas ganz anderes: Ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem man Karten rauszupfen (nicht zapfen!) muss und einer leicht an Flip-And-Writes-erinnernde Wertung. Geballte Inkompetenz ist oft lustig, so auch hier – dabei ist das Spiel durchaus schaffbar, auch weil der Schwierigkeitsgrad nur langsam steigt. Originell und lustig – Was will man eigentlich noch? In letzter Minute kam noch Lap Sus (Eugeni Castano bei Do it) hinzu, dessen größtes Problem ist, dass es auf spanisch ist (ich habe eine Kartenübersetzung für mich angefertigt). Lap Sus ist -wie Fiesta – eines der Partyspiele, die vor einigen Jahren noch kompetetiv gewesen wären und jetzt aber einfach nach dem Motto funktionieren: „Probiert was ihr rausfinden könnt und am Ende ist das Abschneiden eh egal“. Hier muss man mit seinen Karten ein Wort legen, dass irgendwie zur geheimen Kategorie passt (später muss jemand die Wörter den Kategorien zuordnen können). Das Problem ist, dass die Karten immer zwei Buchstaben passen und nicht die man braucht. Man darf aber Teile abdecken und vor allem auch völlig falsch schreiben. Ich hab mal Arct geschrieben, um auf Krankenhaus hinzuweisen. Sowas schafft Kreativität und es ist cool wenn es erraten wird (wurde es) und lustig wenn nicht.

Aber es gab auch nicht-kooperative Kartenspiele, dieses Jahr. So hätte es mit Photograph (aka Wind the film) von Saashi (erschienen bei Matagot= fast erneut ein Saashi-Spiel in die Top-3- geschafft. Dieses Spiel verknüft das „Nicht-Karten sortieren“ mit dem aus Lost Cities bekannten Ablegen von Zahlenreihen, wobei hier die Sprünge nicht zu groß werden dürfen. Hinzu kommt ein extrem gut passendes Thema und man bekommt ein spannendes Kartenspiel, mit einer grandiosen Dynamik (da man selbst entscheiden kann, wie viele Karten man aufnehmen will – aber auch so viele wieder ablegen muss). Wer es traditioneller mag: Honey Scouts ( Saishraddha bei Dice Toy Labs) ist ein Stichspiel, vielleicht das beste in diesem Jahr. Aber was heißt schon „traditionell“? Hier muss man die Karten für seine Stiche erst einmal in einem Legespiel gewinnen. Da beides parallel läuft muss man ständig abwägen. Übrigens mein erstes indisches Spiel.

Und aus dem „normalen“ Segment: Das m.E. leider unterschätzte Calico (Kevin Russ bei Ravensburger), dass mit unglaublicher (Regel-)Einfachheit knifflige Lege-Zwänge schafft und Sequioa (Chad DeShon bei Boardgametables), mein wohl meistgespieltestes Spiel dieses Jahr. Es verwendet den Würfel-Aufteilungsmechanismus aus Can´t Stop und benutzt ihn für ein „alle-Gleichzeitig-Entscheiden“-Spiel. Das ergibt einen sehr flotten Mehrheitswettkampf, der in jeder Besetzung Laune macht.

Außerdem würde ich noch Verlinkt ( Joël Gagnon und Marie-Eve Lupien bei Asmodee) erwähnen wollen, dass wohl den Quizspielpreis gewonnen hätte, wenn ich den noch vergeben würde.

Last aber so gar nicht least: Paleo (Peter Rustemeyer bei Hans im Glück) ist tatsächlich so gut, wie alle sagen und schön immersiv. Vielleicht knapp die Top-3 verpasst (was vielleicht auch daran liegt, dass ich noch nicht so weit fortgeschritten bin), aber definitiv in meinen Top-5!

Dann gebe ich das Mikrophon ab an meine Kinder, die natürlich auch mal was sagen dürfen:

Arwen (13): The Key: Sabotage im Lucky Llama Land (thomas Sing bei Haba) vor Paranormal Detectives (Szymon Maliński, Adrian Orzechowski und Marcin Łączyński bei Lucky Duck Games) und auf Platz 3 Die Abenteuer des Robin Hood (Michael Menzel bei Kosmos)

Malaya (9): Paranormal Detectives vor Showdown Tactics (Paul JH Bang bei Korea Boardgames) und auf der Drei Tucano (Théo Rivère bei Helvetiq)

Um das einzige nicht rezensierte/verlinkte Spiel kurz anzureißen: Die Key-Reihe ist ein Detektivspiel, bei der alle gleichzeitig versuchen einen  Fall zu lösen. Da die Auflösung lediglich eine Kombination aus „Welche der drei Personen betrat wann mit was den Park?“ besteht, sind nicht nur genügend Fälle für mehrere Partien enthalten, man kann auch nach dem Durchspielen wieder von vorne anfangen, denn die genaue Kombination merkt sich niemand. Was Arwen daran so schätzt ist, dass es viele verschiedene Hinweisarten gibt: So müssen z.B. Fussbadrücke identifiziert oder Papierschnipsel richtig zugeordnet werden. Das erinnert insgesamt eher an die „Das Geheimnis der schwarzen Hand“-Bücher von Hans-Jürgen Press (und die Fortsetzungen von Julian Press). Da meine Tochter die Bücher liebt rief sie bei der ersten Partie spontan aus: „Ich liebe dieses Spiel!“ und daran hat sich nichts geändert…

Gratulation an alle, die tolle Spiele gemacht haben!

Fürs nächste Jahr hoffe ich u.a. auf die liegen gebliebenden Nightmare, Pandemic Season 0 und City of Angeles, die alle bei mir leider an MItspielerzahlen und/oder -zusammensetzungen und/oder Zeit scheiterten, an die ich aber hohe Erwartungen setze…

Schönes Neues!

 

Peer Sylvester
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