Die Spasstheorie

Anscheinend ein Standardwerk in Sachen Spieldesign ist das Buch “A theory of fun for Game design” von Ralph Koster. Es ist von einem Computerspielentwickler geschrieben und Computerspiele stehen im Fokus, aber das Buch hat den Anspruch universeller zu sein und eine allgemeine “Spaßtheorie” zu bieten, explizit als Hilfe für Autoren. Das Thema ist interessant genug für eine kleine Kritik:

Das Hauptproblem des Buches ist dasselbe wie bei anderen Büchern, die für sich den Anspruch stellen eine “Theorie für alles” aufgestellt zu haben (z.B. Humor – Code, Tipping point, Anti-Fragality….): Die Theorie, dass ein Spiel Spaß macht, weil es das Gehirn Überlebensskills zu trainieren hilft ist einerseits zu allgemein und wenig erklärt (Warum “Lernen” an sich nicht immer Spaß macht, wird nicht groß thematisiert) und ist andererseits aus meiner Sicht zu einseitig. Beim reduzieren der Spiele auf die unterliegenden formalen Systeme, wischt er alle möglichen anderen Ursachen für Spaß vom Tisch – so bietet aus seiner Sicht die pure Story des Spieles keinen Spaß; ich behaupte einmal es gibt genug Gegenbeispiele, z.B. die reinen Erzählspiele, bei denen es außer einer Geschichte kein übergeordnetes Spielziel gibt. Tatsächlich ist er der Auffassung, dass ja, Planetfall durchaus emotionalen “Punch” hat, doch dieser nicht dem Einfluss des Spielers unterliegt, weil die Schlüsselszene gescriptet ist. Hier verennt sich Koster ein bisschen in der angestrebten Universalität seiner Theorie.

Die Stärke des Buches ist aber, dass Koster -im Gegensatz zu den oben genannten anderen Büchern – sich nicht darauf beschränkt seine Theorie nur auf alle möglichen Fällen anzuwenden, um die Gültigkeit zu betonen. Stattdessen schneidet er interessante Themen rund um  den Komplex “Spaß und Spieldesign” an und benutzt seine Theorie als Basis – was ja auch der Sinn einer Theorie ist. Hier wird es durchaus lesenswert! So leitet er von seiner Lernthese ab, dass das Gehirn auf einem bestimmten Niveau gefordert werden will: Nicht so schwer und nicht so leicht und er geht davon aus, dass daher die meisten Spieler Spiele bevorzugen, dessen Grundstruktur sie wiedererkennen, die aber neue Herausforderungen bieten. Insbesondere neigt man auch dazu, das gut zu finden, was einem irgendwo liegt – hiermit  erklärt er auch die Genderunterschiede beim Spielegeschmack, aber diese Erklärung greift m.E. zu kurz und passt auch nicht so richtig ins Buch. Aus seinen Erkenntnissen wiederum baut er eine kleine Liste aus Dingen, die Spiele haben sollten, damit sie mehr oder überhaupt Spaß machen. Dazu gehören u.a. ein Feedback-System und die Möglichkeit aus Fehlern zu lernen und das Spiel quasi zu üben. Mir neu ist in diesem Zusamenhang das sogenannte “Mastery-Problem”, das besagt, dass Gute Spieler neigen, schwächere anzugreifen, statt gleich starke. Das ist frustrierend für die Schwächeren und auf lange Sicht nicht herausfordernd -und damit langweilig! –  für die Stärkeren. Aus diesem Problem leiten sich natürlich die Aufholmechanismen ab, aber das Problem selbst war mir so nicht präsent. Das zumindest Spiele mit hoher Interaktion dieses Problem auf dem Schirm haben sollten, ergibt natürlich absolut Sinn. Insgesamt umfasst die Liste 11 Punkte und alle sind valide, wenn auch der eine oder andere Punkt bei Computerspielen vielleicht wichtiger ist als bei Brettspielen.

Sehr gelungen ist in meinen Augen auch das Kapitel über Kunst und Spiele und nicht nur, weil er im wesentlichen meiner Meinung ist :-) Hier erwähnt er, dass Kunstformen immer zwischen “stark formal” und “extravagant” schwingen, Spiele sich aber erst seit sehr kurzem aus dem formalen Bereich leicht wegbewegt haben. Er zeigt auch deutlich, dass Spiele dazu neigen, bekanntest einfach komplexer zu machen, statt anders (etwas was lange Zeit auch bei Brettspielen zu beobachten war, es hier jetzt aber dank der Internationalisierung auch viele Gegentrends gibt) und warum sich das jetzt sehr nach “Massenmarkt” anfühlt und was damit überhaupt gemeint ist. Auch kritisiert er – wie Georgios – dass Spiele auf eine einzelne Emotion (“Spaß”) festgelegt werden, wo andere Medien doch viel freier sind und damit auch mehr Möglichkeiten haben. Der Aspekt “Kunst und Spiel” nimmt einen relativ großen Raum in dem Buch ein und wer sich so gar nicht für diesen Themenbereich begeistern kann, braucht dieses Buch auch nicht zu lesen.

Etwas unentschlossen bin ich beim Themengebiet “Story und Spiel”, dass immer wieder hochpoppt und nicht immer einheitlich, meiner Meinung nach. Die Kernthese,  Spiele seinen formale Systeme und die Story nur der Deckmantel , der ohne System nicht funktioniert, ist mir zu wenig hilfreich. Er erklärt damit die Dissonanz bei ethischen Diskussionen (“Nur ein Spiel” vs “Überzogene Gewalt ist ein valider Kritikpunkt”) und auch bei anderen Überlegungen kann er überzeugen, aber die spieldesignaspekte sind nicht darunter.

Ohne Frage bietet das Buch viel Interessantes und viel Gesprächsstoff und einiges kann ich auch ohne Frage in dem einen oder andern Blogpost verwursten. Der gute Kern ist aber etwas verschüttet – Einleitung und der lange Epilog haben nichts zum Thema beizutragen, die Kernthese wird lange eingeführt um dann nicht vollends zu überzeugen. Zudem besteht jede zweite Seite aus einer kleinen Skizze und einem kurzen Statement, der mehr oder minder zum Text passt. Von den ca 240 Seiten sind also nur etwa 100 Seiten (ohne Register, Fussnoten) Lesestoff und davon etwa 60 wirklich gutes. Diese 60 Seiten würde ich jeden, der sich mit Spielen auch etwas intellektueller auseinandersetzen will, durchaus empfehlen. Aber diesen Directors Cut gibt es leider nicht.

Wer den Abspann im Kino nicht nur wegen einer Hidden Szene schaut

(Vorneweg ein kleiner Disclaimer. Dieser Artikel beschäftigt sich mit etwas was mir seit ein paar Wochen deutlich vor der Nase rumgeistert. Ich habe da eine sehr deutliche Meinung, kann sie aber leider nicht völlig frei formulieren.)

Als die SAZ sich gegründet hat und ihre berühmte Bierdeckelproklamation gemacht hat, dass jeder Autor auf dem Schachteldeckel zu stehen hat, da waren die Zeiten andere. Inzwischen sehen wir es als selbstverständlich an, dass der Autor erwähnt wird. Er kann ein Zugpferd sein vom Namen. Ein Stefan Feld oder ein Eric M Lang, hilft vielen einzuschätzen wie ein Spiel wohl sein könnte.

Das ist eigentlich kein Wunder. Bei Büchern und Filmen funktioniert die gesamte Marketing Maschinerie oft in diese Richtung. Ein neuer Stephen King-Roman oder ein neuer Sandra Bullock-Film. Da wird viel mit den Personen geworben. Und die Personen können daraus Kapital schlagen. Auch ein Reiner Knizia kann das. Er handelt alle seine Spiele ziemlich genau und selbst bei den App-Umsetzungen seiner Brettspiele ist sein Name im Namen der App drin.

Inzwischen schreiben auch immer mehr Verlage den Illustrator drauf. Die Franzosen haben damit angefangen und ein Vincent Dutrait oder ein Michael Menzel sind Personen die sich das ordentlich bezahlen lassen, so wie vor 20 Jahren fast nur Doris Matthäus und Franz Vohwinkel zu sehen waren. Ein Name ist wichtig und kann garant sein.

Dasselbe passiert aber auch bei Verlagen. Einige haben einen Namen für sich gemacht, weil sie jahrelang immer wieder Arbeit abgeliefert haben, die viele Spieler begeisterten. Sei es Alea, Hans im Glück, oder auch neuerdings Feuerland. Es macht einen Unterschied ob ein Stefan Feld bei Alea rauskommt oder bei Queen Games und das liegt am Verlag. Da kommen Speile für ganz unterschiedliche Zielgruppen raus, ohne dass eins der Spiele besser oder schlechter sein muss.

Diese Unterscheidung hat viel damit zu tun, wer die Verlage sind und wofür sie stehen. Aber auch damit, wer dort arbeitet. Uwe Mölter in Rente geht und weniger für Amigo macht, dann wird seine Handschrift auf den Spielen fehlen. Es gibt zwar Nachwuchs, aber die machen es halt doch etwas anders. Nicht besser oder schlechter, halt nur etwas anders. Diese Feinheiten muss man verstehen.

Ich selber hatte mal vor vielen Jahren gewollt das der Redakteur mit auf die Schachtel gehört. Etliche Verlage schreiben ihn inzwischen auf die Rückseite und/oder die Anleitung. Da hat sich was bewegt.

Wenn berühmte Sängerinnen wie Aretha Franklin sterben, dann wird das im Fernsehen breitgetreten, denn es war eine Persönlichkeit, die uns alle berührt hat und für eine Generation stand. Wenn ein Schauspieler wie Alan Rickman von uns geht, dann steht oft das Gesamtwerk dahinter was geht. Er war vielleicht nur ein Teil der Filme, in denen er mitgespielt hatte, weil viele andere auch eine Super-Leistung gebracht haben, aber es war seine Leistung die in Erinnerung bleibt.

Die Brettspielszene ist noch jung und wir haben deutlich weniger Verluste miterleben dürfen bisher. Sei es Sid Sackson oder Alex Randolph an Autoren. Aber auch Reiner Müller und Fritz Gruber haben eine Arbeit geleistet, die viele nicht mehr kennen. Mir wurde neulich wieder deutlich, dass ich seit über 3 Jahren versuche ein Interview über das Wirken von TM-Spiele für die Bretterwisser aufzunehmen. Da haben beide noch gelebt. Ein Reiner Müller war ein Redakteur der neues erschuf. Und die TM Redaktion hatte etliche Erfolge vorzuweisen. Sie stampften mit Goldsieber etwas aus dem Boden, und als sie den Verlag verließen, passierte da nichts mehr Spannendes. Spielworxx ist Uli Blennemann. Er weiß das seine Spiele nicht immer gefallen. Aber sie stehen für ihn. Man bekommt was man erwarten sollte. Die Menschen sind der Schlüssel.

Was ich mir wünsche, wäre dass ihr euch in Essen anschaut, welche Spiele sind von dem Autor, dem Illustrator und auch dem Redakteur, der euren Geschmack trifft. Vielleicht ist dann die Enttäuschung nicht zu groß. Und wenn euch das Spiel zweitrangig ist, dann spielt mit den Menschen, mit denen ihr gerne spielt. Denn die sind auch wichtig, damit euch ein Spiel gefällt. Und hoffentlich auch für euch im Leben.

Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett

Kriminalfälle zu lösen macht Spaß! Im Brettspielbereich gibt es entsprechend viele Spiele, aber prinzipiell nur zwei Kernmechanismen (einen dritten Mechanismus stelle ich weiter unten vor, und erkläre warum der eigentlich nicht zählt): Zufälliges muss deduktiv ermittelt werden und fertig geschriebene Fälle.

Der Archetyp des Deduktionsspieles ist natürlich Cluedo (Hier sogar eine Rezension); Es ist immerhin einer der wenigen Klassiker, den man durchaus spielen kann, ohne dass man das Gefühl hat, man würde seine Zeit verplempern. Sicher, es gibt „reinere“ Deduktionsspiele, aber Cluedo schafft durchaus den Spagat zwischen „Deduktion“ und „Familienspiel“.

Es ist aber ebenso natürlich nicht das einzige Spiel, bei dem man deduktiv herausfinden muss, was niemand auf der Hand hat oder alternativ was ein Mitspieler auf der Hand hat. Nicht alle haben einen Krimithema.

Deduktionsspiele mit aufgesetztem Krimithema

Das Hauptproblem aus Krimisicht: Ja, man deduziert, aber jede Partie wendet man prinzipiell dieselben Denkmuster an. Und das Krimithema ist oft aufgesetzt. Die große Reichweite, die ganz großen „Aha!“-Erlebnisse können so nicht stattfinden. Deduktionsspiele sind interessante Puzzles, aber die Immersion ist meistens eher gering. Und auch wenn sich Autoren immer neue Möglichkeiten ausdenken, wie man die Informationen ermitteln kann, wie die Informationen eventuell eingeschränkt oder verschlüsselt sind oder wie komplex die zu erratenden Muster werden: Das Grundprinzip ähnelt sich oft. Zudem ist die Kunst der richtigen Buchführung in vielen Vertretern mindestens ebenso wichtig, wie der eigentliche Deduktionsvorgang – ein Vorwurf, den sich auch Cluedo gefallen lassen muss. Vor allem gilt aber: Am Ende des Tages sind die meisten Deduktionsspiele unabhängig von deren thematischer Einkleidung, keine Spiele, bei denen man Kriminalfälle löst, sondern Spiele, in denen man Logikrätsel löst (Das war jetzt keine Wertung, ich mag so manches Deduktionsspiel)

FunFakt: Eigentlich spricht man den Titel Klu-Do (von “Clue”-Hinweis) aus, nicht Klu-E-Do, aber die Werbung hat die Deutsche Aussprache verwendet (wie bei Colgate übrigens). Würde heute auch keiner mehr machen. 

Hier treten die Fallbasierten Spiele auf den Plan.

1985 wurde Sherlock Holmes Criminal Cabinet Spiel des Jahres und es ist eigentlich kaum zu glauben, wie weit das Spiel seiner Zeit voraus war – es ist so absolut eigenständig und originell, dass es auch heute noch beeindruckend „frisch“ daherkommt. Vor allem aber war das praktisch freie Lösen eines Falls in einem Brettspiel so neu, dass Vergleiche in damaligen Rezensionen eigentlich nur mit Computeradventures oder gar Rollenspielen gezogen wurden – beides ebenfalls eher neue Spielformen war.

Wer es nicht kennt: Prinzipiell bekommen die Spieler einen Fall vorgelegt, den es (kooperativ) zu lösen gilt (man könnte prinzipiell auch jeder für sich gegeneinander spielen, aber das macht eigentlich keinen großen Sinn, da dann jeder wortwörtlich einfach nebenher spielt und das Spiel so einfach nur in die Länge gezogen wird). Tatsächlich sind ab Spielbeginn die Spieler relativ auf sich alleine gestellt. Dem Spiel liegen nun drei wesentliche Dinge bei: Ein Stadtplan, ein Adressbuch und ein „Zeitungsarchiv“. Letzteres ist genau das: Viele fiktive Zeitungsseiten. Hier lassen sich Informationen finden – und das Lesen ist kein Spielzug, sondern läuft nebenbei. Wie vieles in diesem Spiel.  Eigentlich macht man einen Zug, in dem man sich ein Haus auf dem Stadtplan aussucht (normalerweise aufgrund einer gefundenen Adresse) und dann den entsprechenden Absatz im Szenariobuch liest. Das kann ein „Der Laden ist geschlossen sein“, aber auch „Mr. Monore öffnet dir die Tür und erzählt, er kennt Herrn Hutmacher aus dem Friseursalon. Die fällt auf, dass Monore Linkshänder ist und eine große Streitaxt über dem Kamin hängt“ (fiktives Beispiel). Was die Spieler mit der Information machen, ist ihnen überlassen. Sie sind im Prinzip völlig frei, wobei das Spiel vieles antizipiert. So könnte es im Beispiel von eben sinnvoll sein, den Barbiershop auf der Karte oder im Adressbuch zu suchen oder in der Zeitung nachzuschlagen ob gerade irgendwo Streitäxte versteigert wurden.  Wenn die Spieler meinen, die Lösung zu kennen, so gehen sie zu Sherlock Holmes und sagen „Ich möchte Lösen“ Sie bekommen dann noch ein paar Bonusfragen und erfahren ob sie richtig lagen oder nicht und haben dann gewonnen oder nicht. Außerdem bekommen sie den kürzest möglichen Lösungsweg präsentiert, vor allem um ihnen unter die Nase zu reiben, dass Sherlock Holmes alles besser weiß.

Damals noch ungewöhnliches Buchformat, ungewöhnliches Spiel

Überraschend ist nicht nur, wie weit Sherlock Holmes seiner Zeit voraus war, sondern auch, dass es die Jury damals zum Spiel des Jahres machte – denn das Spiel muss damals viele Leute ratlos zurückgelassen haben – dieses Spiel nimmt einen eben nicht an die Hand und bietet (wie die Deduktionsspiele á la Cluedo) keinen Lösungsalgorythmus. Zudem sind die Fälle auch nicht ohne (Besonders der erste Fall war recht knackig, schwieriger als die beiden nächsten jedenfalls – oder ich hatte das System besser verinnerlicht. Wer weiß). Immerhin war die Lösung ausführlich und ließ keine Fragen offen. Vor allem aber ist Sherlock Holmes ein Spiel für eine bestimmte Stimmung; Man muss sich schon Zeit lassen und man braucht die nötige Ruhe alle Informationen aufzunehmen, ggf. zu notieren und zu verarbeiten. Ganz so wie bei einem modernen Escape-Room-Spiel, nur dass es eben im Prinzip nur ein Rätsel gibt, dessen Lösung aber die volle Spielzeit verschlingt. Nicht jedermanns Sache fürwahr – am richtigen Ort zur richtigen Zeit aber etwas ganz besonderes! Wie bei allen Spielen mit vorgefertigten Fällen ist auch hier die Lebensdauer begrenzt: Hat man die zehn Fälle einmal durch, muss man zur Erweiterung greifen oder ca. 25 Jahre warten, bis man alles wieder vergessen hat und beruhigt von vorne anfangen kann.

Nun ist so ein ikonisches Spiel wie  Sherlock Holmes auch immer Vorbild für neue Spielideen (*) und gerade hier bot es sich an aus der Kernidee ein Spiel machen, bei denen man gegeneinander, also im Wettbewerb Fälle löst. Wie üblich ist eine Idee („Gegeneinander Fälle lösen“) noch kein fertiges Spiel und diese Diskrepanz zwischen „Gleicher Grundidee“ und „Unterschiedliches Spiel“  lässt sich an zwei Beispielen wunderbar zeigen:

Tatort Nachtexpress erschien 1986 und wurde von der Jury damals auf die Auswahlliste gesetzt.

Watson&Holmes erschien letztes Jahr in Essen in deutscher Sprache, wird von Asmodee vertrieben und flog m.E. hierzulande weitestgehend unter dem Radar durch.  Beide sind in meinen Augen klar vom Criminal Cabinet inspiriert, beide übertragen die Idee auf ein Wettbewerbsspiel und beide sind klare Kinder ihrer Zeit.


Die Schachteln verraten schon, welches Spiel aus den 80er stammt. Bei Tatort Nachtexpress wird der Autor auf der Schachtel übrigens nicht genannt – Es ist Jeff Smets. Der Sonderpreis “Schönes Spiel” für Tatort Nachtexpress sagt auch vieles über den damaligen Graphikstandard aus.

Tatort Nachtexpress hieß im Original “Orient Express” und gehört thematisch daher eigentlich eher zu Hercule Poirot. Es gab aber gar keine “offizielle” literarische Vorgabe – das hatte auch damit zu tun, dass Sherlock Holmes damals noch lizensiert werden musste, da Sir Conan Doyle noch keine 70 Jahre tot war. Und Agatha Christie (aus deren Feder “Mord im Orient Express” stammte) starb sowieso erst 1976. Der Verlag sparte sich also die nötigen Lizenzzahlungen, wählte aber ein Setting, mit dem eh jeder das “richtige” schon zu verbinden wusste. Watson & Holmes hatte das Problem nicht – seit 2000 sind Doyle Werke Gemeingut (Das heißt auch, dass Sherlock Holmes Criminal Cabinet ein Lizenzprodukt war, was möglicherweise erklärte, warum es sehr lange Zeit nicht verfügbar war). Die Fälle sind entsprechend dem Stil und Setting der literarischen Vorlage angepasst.

Als Produkt der 80er ist es vielleicht keine Überraschung, dass der Hauptmechanismus von Tatort Nachtexpress der Würfel ist: Die Spieler würfeln ihre Pöppel (und hier sind es noch echte Halmakegel) durch den Zug und können je nach Zielfeld Personen befragen (sowohl die verdächtigen Reisenden als auch das stets unverdächtige Zugpersonal) oder Räume durchsuchen, mit dem Ziel den Mörder zu ermitteln – wobei man meist die Umstände (vor allem das Motiv) des Mordes mit erfährt. Dabei sind die Informationen fast immer öffentlich, außer bei einer Sechs, wo man alleinigen Zugriff auf eine Karte hat. Dies ist auch die Hauptschwäche des Nachtexpresses: Da die Fälle in der Regel nicht allzu schwer sind (jedenfalls kein Vergleich zu Sherlock Holmes, zudem z.T. viel Redundanz bei den Karten) , die Kerninformationen meistens schnell allen bekannt sind (Liest ein Spieler dank einer Sechs mal eine Karte alleine, dauert es in der Regel nicht lange, bis der erste Mitspieler, eben jene Karte dann auslöst und öffebtlicht macht), haben oftmal mehrere Spieler den Fall gleichzeitig gelöst und am Ende entsprechend gleichzeitig gewonnen. Das muss nichts schlechtes sein, zumal das Knobeln ja die Hauptaufgabe ist und die ist gelungen – aber der Kernmechanismus und die damit enthaltene Abhängigkeit vom Würfel, die ganz zwangsläufig dafür sorgt, dass man oft einige Züge lang nichts sinnvolles beizutragen hat, wirkt für heutige Spieler doch etwas altbacken.

Watson & Holmes ist ebenfalls ein Kind seiner Zeit, ist der Kernmechanismus doch im Prinzip ein Worker-Placement mit einem einzelnen “Arbeiter”, den man an die verschiedenen Räumlichkeiten schickt. Dabei darf an den für den Fall relevanten Orten immer nur ein Spieler stehen der dann auch als einziger die Karte liest. Anders als bei Tatort Nachtexpress ist die Informationslage daher stehts asymmetrisch, was deutlich interessanter ist und sich auch deutlich mehr nach Wettbewerb anfühlt. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, denn anders als beim Nachtexpress haben die Spieler hier auch Möglichkeiten sich gegenseitig in die Suppe zu spucken, in dem sie bestimmte Karten absperren oder Zugriff auf weitere Informationen erlangen oder sich gegenseitig zwingen, Karten vorzulesen. Zum Teil ist dafür die Spielwährung nötig, die auch verwendet wird, um nach Amun-Re-Manier zu bestimmen, wer wohin gehen darf. Und wie bei einem echten WP-Spiel, gibt es Orte, die für Nachschub an dieser Währung sorgen. Auch wenn dieses Gegeneinander nicht jedem passen dürfte, macht W&H einen sehr viel moderneren Eindruck und bietet neben dem Lösen von Krimifällen auch tatsächlich eine taktische Ebene. Allerdings kommen die Elemente erst so ab drei, besser vier Spielern zur Geltung; zu zweit läuft man doch eher nebeneinander her.

Die Fälle sind naturgemäß etwas weniger komplex (wobei ich noch nicht alle durchhabe) als bei Sherlock Holmes Criminal Cabinet, aber deutlich anspruchsvoller als beim Nachtexpress – zumal man hier nicht nur den Täter finden muss, sondern oft auch Details zum Tatvorhergang ermitteln muss, die es z.T. in sich haben. Es gibt leichte Redundanzen, aber nicht bei allen Fällen und so ist es auch ein bisschen Glückssache, ob man schnell die richtigen Orte erwischt und gerade bei der Vollbesetzung (bis zu sieben sind laut Schachtel möglich) dürfte der Plan sehr voll werden. Hier gibt es übrigens -wenn nicht gerade alle verlieren, was durchaus passieren kann – immer einen klaren Sieger, da die Reihenfolge, in der man Lösen darf, klar geregelt ist.

Watson & Holmes schafft es in meinen Augen wirklich gut den Spagat zwischen “Krimifall lösen” und “Gegeneinander spielen” zu schaffen, während Tatort Nachtexpress hier etwas unbefriedigend sein kann. Allerdings ist ersteres ein klares Kennerspiel und letzteres eher im Familienbereich angesiedelt und daher ist der direkte Vergleich vielleicht auch nicht ganz angebracht. Moderner ist W&H aber auf jeden Fall…

Noch einmal betonen möchte ich, dass die Krimifälle bei Watson & Holmes kein Fallobst sind – selbst kooperativ würde man geistig durchaus gefordert werden, durch den Wettrenncharakter ist das Lösen noch einmal eine Ecke schwieriger.

 Ganze fünf Fälle (5 weniger als im Grundspiel) gab es bei der Erweiterung von Tatort Nachtexpress. Die brachten aber keinerlei neue Kniffe, sondern waren nach demselben Muster gestrickt wie das Urspiel. Für Watson & Holmes gibt es noch keine Erweiterung in Deutscher Sprache (für das spanische Original gab es eine, ob die noch kommt, wird vom Erfolg des Grundspieles abhängen)

Das zwischen Tatort Nachtexpress und Watson & Holmes fast 30 Jahre lagen, ist kein Zufall. Nur sehr wenig Mainstream-Spiele in diesem Zeitraum arbeiteten mit vorgefertigten Szenarien, die prinzipiell nur einmal spielbar waren. Das mag an dem hohen redaktionellen Aufwand gelegen haben (es müssen alle Szenarien ausführlich getestet werden, Hohe Anforderungen an Sprache und interner Logik) oder vielleicht dachten Verlage auch, dass Spiele “mit begrenzter Haltbarkeistdauer” sich nicht verkaufen würden. Das änderte sich im Prinzip erst mit modernen Spielen, insbesondere natürlich T.I.M.E Stories oder den Escape-Room- Spielen. Ein Grund für die Renaissance dieser Spielform wird auch der große Erfolg der englischsprachigen Neuauflage von Sherlock Holmes Criminal Cabinet gewesen sein – das Spiel stand so quasi zweimal als Vorbild für andere Spiele – Ein wahrer Trendsetter!

Eines der wenigen Beispiel für ein fallbasiertes Spiel – aber die Fälle sind sehr einfach gehalten und beschränken sich auf das richtige Filtern der Verdächtigen. Außerdem muss ich mich immer zurückhalten nicht “Peking-Akne” zu schreiben.

Apropos: Escape-Spiele: Escape Rooms für den Spieltisch bewegen sich zunehmend auch im Krimigenre – Der Tote im Orient Express bei Exit oder Murder Mystery bei Escape Room – The Game gelten als mit beste Fälle ihrer Reihe, auch weil sie mit den Möglichkeiten ihres Genres spielen und diese um eine Story erweitern – und weil Krimi lösen einfach Spaß macht. Da diese sowieso nur einmal gespielt werden, ist dies hier kein besonderer Nachteil. Allerdings sind gelegentliche mechanische Verrenkungen zu verzeihen, die zwangsläufig auftreten, wenn ein Escape-Room plötzlich einen Krimifall simulieren soll.

Einer meiner absoluten Lieblings-Escape-Rooms – Absolut empfehlenswert!

Dieser Blogpost ist jetzt schon sehr lang und määndert etwas hin und her, insofern will ich eigebtlich kurz schließen – mehr als ein paar Punkte kann ich eh nicht beleuchten. Aber ich habe oben versprochen noch einen Krimispiel-Mechanismus zu erwähnen und löse das Versprechen natürlich auch noch ein. Sind ja alle ganz gespannt hier (oder eingeschlafen. Oder längst auf einer anderen Webseite): In manchen Krimispielen wird kein Fall rekonstruiert (wie auch immer), sondern entsteht erst beim Spielen. Beispiele für diese Spielart sind Schinderhannes von Clicker oder Android, das Dreipersonenspiel von FFG. Hier liegen die relevanten Informationen bei Spielbeginn nicht fest. Vielmehr führen die Spieler Handlungen durch und dadurch entsteht quasi ein Bild, dass bei Spielende den Krimifall darstellt.

 Auf der Schachtel steht “3-5”, aber wenn man das nicht gerade wöchentlich spielt, sind eigentlich nur drei Spieler eine sinnvolle Anzahl

Ich zähle das nicht als echten Krimispielmechanismus, weil man nichts löst. Es fühlt sich auch nicht so an, als würde man etwas lösen – der Krimifall, der dabei entsteht ist eher so etwas wie die Kirche im Mittelalteuro: Ein MacGuffin, der mich dazu bringt etwas zu tun. Das Spielgefühl kann sogar quer zum Krimigedanken stehen: Bei Android fühlt es sich eher an, als würde man das Verbrechen jemanden anhängen, als es aufzuklären.

Und das ist doch wieder etwas ganz anderes…

ciao

peer

 

 

 

(*) OK, es gibt Spiele, welche die Mechanismen schon ziemlich genau verwendet haben, z.B. Gumshoe oder Mythos Tale – aber keines m.W. in Deutsch erschienen. Ich glaube aber durchaus, dass die Idee “Wir lösen einen klassischen Kriminalfall” und mit “vorgefertigten Szenarien” schon ausreicht, als das Sherlock Holmes hier als geistiger Vater dient – bei Tatort Nachtexpress aufgrund der zeitlichen Nähe und bei W&H aufgrund des Herumreisens zu den Tatorten. Mag gewagt sein, aber was solls.

Das Kulturgut Spiel

Wenn man Spiele als Kulturgut akzeptiert, und ich das setze ich hier mal ohne Diskussion voraus, dann muss man sich früher oder später auch die Frage stellen, welche man als besonders wertvoll versteht. Entgegen der landläufigen Meinung, dass das alles subjektiv wäre und allein eine Frage des Geschmacks, kann man zumindest zwei Eigenschaften festmachen, die ein Kulturprodukt als wertvoll auszeichnen: es führt zu einer Form der Gemeinschaftlichkeit und es weckt ein Gefühl der Empathie.

Schaut man sich Brettspiele unter diesen zwei Gesichtspunkten an, fällt auf dass die Frage der Gemeinschaftlichkeit beinahe schon trivial ist. Selbstverständlich drückt sich im Spiel eine Gemeinschaft aus. Selbst in Spielen in denen die Interaktion praktisch nicht vorhanden ist, und die mit dem Begriff „Multiplayer Solitaire“ abgekanzelt werden, bildet sich durch die Gleichzeitigkeit und den indirekten Wettstreit eine Art Gemeinschaft. Dabei ist diese meist präsenter und lebhafter als etwas das Publikum einer Kinovorstellung, deren Gemeinschaft längst außer Frage steht. Das Publikum im Kino erfährt den Film zusammen und lacht gemeinsam, fiebert mit den Figuren mit, weint um ihr Schicksal und so weiter. Mit Ende des Films löst sich auch die Gemeinschaft auf, und auch hier lässt sich eine Parallele zum Ende eines Spiels ziehen. Wobei sich die Frage stellt, ob das

Damals wie heute sitzen wir alle in einem Boot

Kinopublikum nicht auch die eigene Gemeinschaft in Gefahr bringt, wenn manche Zuschauer an den falschen Steleln lachen oder schweigen. Bröckelt auch die Gemeinschaft des Spiels, wenn andere spieler an den falschen Stellen zögern und hadern, oder gedankenlos und unüberlegt entscheiden?

Aber um die Gemeinschaft während des Spielens geht es heute nicht. Viel interessanter scheint mir die Frage zu sein wie Spiele die Möglichkeit liefern Empathie zu erfahren und auch zu erlernen. Können sie das überhaupt? Wenn ja, mit welchen Mitteln findet das statt? Und wie weit muss die Gruppe ihren Teil dazu beitragen, um eben dieses Empathiepotential zu entfalten?

Anders als bei der Frage der Gemeinschaftlichkeit ist Empathie keine notwendige Bedingung, um das Spiel zu beginnen. Man kann kein Spiel spielen, ohne vorher klare Grenzen zwischen Spielenden und Nicht-Spielenden zu ziehen, und zwischen Spiel und Nicht-Spiel zu unterscheiden. Es ist aber durchaus möglich ein Spiel gänzlich ohne Empathie zu spielen. Ein Spiel ist nicht aus sich selbst heraus ein Mittel um Empathie zu nutzen.

Hier unterscheiden sich Spiele auch nicht weiter von Büchern oder Filmen. Nicht jedes Buch oder jeder Film hat sich dem Anspruch verschrieben dem Publikum Empathie und Verständnis zu vermitteln. Viele zielen darauf zu unterhalten und für gute Laune zu sorgen. In diesem Zusammenhang wird Mitgefühl und emotionales Investment als Technik und Erzählmittel genutzt, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Wenn ich mit Ethan Hunt mitfühle, so erlebe ich die Katharsis am Ende des Films umso intensiver und verlasse den Kinosaal mit dem Gefühl besser unterhalten worden zu sein als wenn ich das Spektakel mit deutlicher emotionaler Distanz zu den Figuren betrachte.

Bei Brettspielen ist das häufigste Werkzeug um emotionales Investment zu erreichen der Wettbewerb zwischen Spielern. Wir sind am Ausgang das Spiels interessiert, weil wir unsere Gegenspieler besiegen wollen. (Interessant auch hier, dass manche Spiele das Mittel zum Zweck machen und den Wettbewerb zur reinsten Form des Spiels erklären, siehe Diplomacy-Fanboys).

Aber so ironisch es auch klingen mag, selbst Wettbewerb kann dabei helfen Empathie beim Spieler zu wecken. Die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, kann eine große Hilfe sein um Strategien zu verfeinern und taktisch klüge Züge zu erkennen. Zumindest wenn es darum geht, den Spieler einzuschätzen, statt die Situation auf dem Spielbrett mit Hilfe der vorhandenen Informationen fehlerfrei zu analysieren. Ich muss nicht auf Empathie zurückgreifen, wenn es genügt die mathematischen Zusammenhänge auf dem Spielbrett korrekt auszulesen. Muss ich jedoch die Denkweise meines Gegenübers verstehen, mich hineinfühlen und abwägen wie hoch die Risikobereitschaft wirklich ist, so greife ich auf die selbe Fähigkeit und die selbe Art der emotionalen Intelligenz zurück, die sich in Empathie ausdrückt.

Hier wird bei The Mind noch nach alter Schule geschummelt

Sehr viel schneller, da häufiger, kommt Empathie bei kooperativen und semi-kooperativen Spielen zum Einsatz, welche oft Aspekte ihrer spielerischen Herausforderungen in den Bereich des empathischen Handelns und Denkens legen. Oft ist es die Einschränkung der Kommunikation zwischen den Spielern, die einen zwingt andere Wege zu suchen, um seine Mitstreiter zu verstehen. Bei einem Spiel wie „The Mind“ heißt das, ich muss auf Körpersprache, Mimik und sogenannte Mikroexpressionen ausweichen. Ein Spieler muss hier Fähigkeiten üben und einsetzen, die in vielen anderen Spielen kaum bis überhaupt nicht berücksichtigt werden.

Es gibt aber auch Spiele, die dem Ganzen noch einen drauf setzen. So muss ein geheimer Spieler bei „Insider“ seine Mitspieler subtil auf die richtige Fährte locken und so als Gruppe den richtigen Begriff erraten, ohne dass sie es bemerken. Aber auch der Rest der Gruppe muss ihre eigenen Gedankengänge und -sprünge in Frage stellen. Wie kam ich eigentlich auf die Idee diese Frage zu stellen? Gleichzeitig muss man herausfinden, ob die Person, die einen zur richtigen Frage inspiriert hat, dies absichtlich oder zufällig getan hat? In diesem Spiel wird man gezwungen unterschiedliche, gedankliche Perspektiven einzunehmen und legt Empathie als geeignetes Mittel nahe, um seine Aufgabe zu bewältigen.

Damit lässt sich Empathie als taktisch einzusetzendes Instrument im Repertoire des erfahrenen Spielers verorten. Aber Empathie als Wirkung des Spiels ist damit nicht wirklich erreicht. Vielmehr macht man sich etwas zu Nutze, um einen anderes Ziel zu erreichen.

Will man Empathie als Spielwirkung anstreben, so hat sich die Kombination zweier bestimmter Stilmittel als wirkungsvoll und verlässlich erwiesen. Im Zusammenspiel ermöglichen sie Spielern eine tieferes Verständnis und eventuell sogar eine Form des Mitgefühls für Andere. Diese Stilmittel sind Immersion und Identifikation.

Der Begriff Immersion ist im Rahmen von Brettspielen leider nicht klar

Immersion für Anfänger

umrissen, und wird oft mit Flow gleichgesetzt. Dem würde ich aber entschieden widersprechen. Flow beschreibt das Eintauchen in einen Arbeitsablauf, wie z.B. ein Spiel. Wenn ein Spieler durch die Komplexität und Tiefe eines Spiels ausreichend in Anspruch genommen wird, so dass er sich im Abarbeiten der einzelnen Schritte verliert, so kann man von einem Flow-Zustand im Spiel sprechen. Immersion muss damit jedoch nicht zwingend erreicht worden sein. Diese stellt nämlich nicht den Spielablauf in den Mittelpunkt, sondern die fiktive Umwelt, in der das Spiel eingebettet ist.

Dieses Eintauchen in die Spielwelt wird oft damit umschrieben, dass man sich so „fühlt“ als würde man die Dinge wirklich tun, von der die Spielschachtel spricht. Wenn die eigenen Spielhandlungen, Illustrationen des Spiels und Folgen einzelner Entscheidungen einer schlüssigen Symbollogik folgen ebnet das den Weg für Immersion. Mit etwas Kreativität und Vorstellungskraft fühlt es sich dann so an als würde man wirklich Schiffe bauen, oder wirklich über ein Imperium herrschen, oder wirklich ein Geheimdienstagent sein.

Das Sächliche am Tisch wird in seine symbolische Funktion übersetzt. Der schwarze Holzwürfel wird zur Ladung Kohle. Das Plättchen aus Pappe zu einem Trupp Soldaten. Eine Karte auf dem Tisch zu einem noch unkolonisierten Planeten. Der Moment wenn diese Übersetzung nicht mehr bewusst getan wird, sondern fast schon reflexartig stattfindet, zeichnet den Beginn der Immersion aus. Dabei wird das natürlich deutlich vereinfacht, wenn man sich des entsprechenden Wortschatzes bedient, statt auf das prosaische „ich kaufe 2 Gelb, 1 Schwarz und 4 Rot“ zurückzufallen. Gerade für Vielspieler ist das unter anderem eine deutliche Hürde, eben da das Vokabular oft zwischen sperrig und austauschbar hin- und herpendelt. Das Zurückfallen in oberflächliche Bezeichnungen ist da nur recht und billig. Im Gegenzug dazu werden Spiele, die mit Hilfe der implizierten Logik des Spielhintergrundes weitere Regeln einbringen und erläutern, oft als thematisch dicht empfunden.

Nun ist aber Immersion noch nicht gleichbedeutend mit Empathie. Immersion ist sehr hilfreich um komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen, zu verinnerlichen oder auch nur zu verstehen. Ein Umstand der kürzlich erst an Hand von Wargames (Kosims für die Alteingesessenen hier) erneut gezeigt wurde. Um mit Hilfe von Immersion an Empathie zu kommen, braucht es jedoch noch einen menschlichen (oder zumindest vermenschlichten) Fokus. Durch das Eintauchen in eine fremde Situation wird uns die Komplexität der Sache veranschaulicht. Aber erst wenn wir innerhalb dieser Situation auch eine neue Perspektive einnehmen müssen, eröffnet sich die Möglichkeit zur Empathie.

Dabei ist Empathie selbst in hochwertigen und wertvollen Spielen alles Andere als zwingend oder selbstverständlich. Wie auch in jedem anderen Medium müssen die Teilnehmer dafür empfänglich sein, d.h. sich emotional dafür öffnen. Dabei gilt es auch den naheliegenden Fallen aus dem Weg zu gehen. Abstraktion ist dabei eines der vielen Mittel mit denen man das Potential zur Empathie in einem Spiel gezielt aushöhlen kann. Der Schritt in Richtung Abstraktion läuft damit der symbolischen Lesart des Spielmaterials und des Spielablaufs direkt zuwider.

Je abstrakter und damit reduktiver das Spiel wahrgenommen wird, desto schwieriger ist es Immersion und damit auch Empathie zu ermöglichen. Gerade durch Wettbewerb motivierte Spieler geraten hier schnell in einen inneren Konflikt, da es weit einfacher ist die Spielobjekte pragmatisch zu betrachten und auf ihre Funktion in Bezug auf den eigenen Spielsieg zu reduzieren. Der Spielstein, der wie eine menschliche Silhouette geformt ist, stellt dann nicht mehr einen Menschen, sondern ein Werkzeug für Siegpunkte dar.

Abstraktion und „compartmentalization“ ist damit die Gegenbewegung zur im Spiel erfahrenen Empathie. Ein Punkt, den Brenda Romeros Train immer wieder veranschaulicht, wenn Menschen auch nachdem ihnen erklärt wurde was sie tun, keine Schwierigkeiten damit hatten ihre Aufgabe weiterhin effizient zu verfolgen. Trotz Immersion und Identifikation ist es möglich mit Hilfe der Abstraktion des eigenen Handelns und dessen Auswirkungen eine empathische Reaktion auf das Erlebte vollständig zu unterbinden.

Um das Kulturgut im Spiel hervorzuholen muss man die Sache aus zwei Richtungen angehen. Zum einen muss das Spiel die Möglichkeit zur Immersion bieten. Durch ansprechende Präsentation, ausreichender Komplexität und einer in sich schlüssigen Symbollogik muss eine Spielwelt umrissen werden. Der Spieler muss innerhalb dieser Spielwelt eine Perspektive einnehmen können, die es ihm erlaubt die Ereignisse in einen bewertbaren und emotional zugänglichen Kontext zu setzen. Es muss Dinge geben die gut sind und solche die schlecht sind. Vor allem müssen sie sich auch so „anfühlen“.

In diesem Sinne muss die Spielgruppe gleichermaßen gewillt sein Gefühle auch zu erlauben. Sie muss gewillt sein, die rationale und effektive Entscheidung nicht als die einzig „richtige“ Vorgehensweise zu akzeptieren. Emotionale gefällte Entscheidungen, die aus dem Spielerlebnis heraus entstehen, müssen genauso zum Spielinhalt gehören, wie die strategisch fundierte Wahl. Zusätzlich muss man die individuelle Neigung zur Abstraktion aufs Nötigste beschränken. Zumindest muss man sich darüber im Klaren sein, dass jeder Schritt in Richtung Abstraktion das Spielerlebnis effektiv… abstumpft.

Der kulturelle Wert des Spiels eröffnet sich eben nicht durch einfaches Zurücklehnen und Auf Sich Wirken lassen. Auch wenn ich der Sprache mächtig war, musste ich doch erst lernen Bücher zu lesen. Auch wenn ich seit Kindesbeinen Filme schaue, musste ich auch erst lernen Filmsprache zu verstehen. Warum sollten Spiele anders sein? Warum sollte Regelkenntnis und strategisches Denken ausreichen, um sich die gesamte Tiefe eines Spiels zu erschließen?

Traurige Hunde und Publikumspreise

Ich hatte es einmal in einem Nebensatz erwähnt: Originis Game fair hat Larry Correia erst ein- udn dann wieder ausgeladen. Correira ist ein recht erfolgreicher Autor von einer Reihe von “Monster Hunter Nation”-Büchern und das wird der Grund sein, warum er eingeladen wurde. Er ist aber auch einer der federführenden Figuren hinter der “Sad Puppies” – Bewegung und das wird der Grund gewesen sein, warum sie ihn wieder ausgeladen haben (das hätten sie aber auch schon vorher wissen können) – wobei seine Aussagen über Frauen oder Minderheiten auch ihren Teil beigetragen haben dürften. Die Sad Puppies wurden ursprünglich gegründet, weil Correira keinen Hugo (der mit wichtigstre SF-Preis)  gewinnen konnte und damit sehr frustriert war und einige konservative Schreiber im SF-Bereich das Gefühl hatten, sie seien endlich mal dran. Also organisierten sie sogenannte “Slates”, also Listen von Büchern/Werken für alle Kategorien, für die ihre Fans gezielt abstimmen sollten – in erster Linie nominierten sie dabei sich gegenseitig. Da in der Nominierungsphase naturgemäß in der Regel wenig zielgerichtet gevotet wird, ging diese Taktik auf. Das ist stark vereinfacht dargestellt (So gibt es noch eine weitere Gruppierung von rechtsradikalen Internetrollen, die auf den Zug aufgesprungen sind und es lustig fanden, Dinosaurierpornos zu nominieren).  Wer einige Wochen nichts zu tun hat und sich einlesen möchte, findet hier so ziemlich alles wichtige.

Nun vergibt Origin Game fair ja auch einen Preis und es wäre ziemlich schräg jemanden einzuladen, der mehrmals versucht hat, einen Preis so zu manipulieren, dass er gewinnt. Insofern überrascht die Ausladung nicht – die Einladung aber schon. An dieser kann man schon sehen, dass selbst Organisatoren von Großßevents selten die Personen hinter Werken kennen, nicht einmal solche Gruppierungen, wie die Sad Puppies, die über Jahre hinweg aktiv waren. Was das für die noch unbekannteren Spielautoren bedeutet oder die Frage ob und wie kaputt man seine Karriere machen kann, wenn man sich daneben benimmt, sind spannende Themen.

Doch hier gehts um die Manipulation von Publikumspreisen.

Jede Abstimung vom Publikum lässt sich manipulieren. In meiner Schulzeit habe ich zusammen mit zwei Klassenkameraden “Jesus built my hotrod” (Ministry) und “Polka your eyes out” (Weird Al Yankovic) in die Radio Hamburg Top 800 gewählt – mit Hilfe von Aufklebern und vielen Postkarten. Es gab einfach keine Kontrolle seitens der Veranstalter (da es aber auch um eine Playlist ging, nicht um einen Preis, war das vielleicht auch gewollt – jedenfalls haben die DJs die Aufkleber sogar erwähnt). Wer das abstimmende “Publikum” ist, kann man naturgemäß nicht scharf definieren, zumindest nicht, wenn die Anzahl Abstimmender groß genug ist, um überhaupt aussagekraft zu entwickeln. Wer einen Publikumspreis ins Leben ruft, dem muss dies klar sein.

Nun wurde die Abstimmung des Deutschen Spielepreises ja aufgrund eines Manipulationsversuches vorzeitig unterbrochen. Ich will hier gar nicht auf den Fall an sich eingehen, sondern nur, ob und wie man das in Zukunft erschweren kann.

Nun, der erste Schritt wäre in den Geschäftsbedinungen, die man mit einer Einsendung unterschreibt, abzudecken, dass keine Sach- oder Geldgeschenke die Stimemnwahl beeinflusst haben (oder ähnlich anders). Das ist zwar keine Kontrolle – die wäre tatsächlich zu aufwendig – aber eine klare Regelpräzisierung, die verhindert, dass so etwas “versehentlich” passiert. Außerdem gibt es dann eine klare Vorgabe wie mit so einem Fall umzugehen ist, was den Veranstaltern gegen “Willkür”-Vorwürfe helfen sollte.

Die zweite Regel ist dann simpel: Es werden nur Stimmen gezählt, bei denen tatsächlich 5 mögliche Spiele genannt werden. Warum hilft das?

Machen wir uns nichts vor: Wenn ich hier schreibe: “Wählt X!” dann wird das kaum einer meiner Leser tatsächlich tun, ohne X gespielt zu haben. Tatsächlich waren die Slate-Voter beim Hugo praktisch ausnahmslos Leser, die vorher nie für den Hugo abgestimmt hatten, denen der Preis weitestgehend egal war und nur abstimmten, weil die Macher den Kulturkampf “konservativ gegen modern” ausgerufen haben. Ähnlich dürfte es beim DSP sein: Wenn ich meine Reichweite nutze, um Wahlen zu manipulieren erreiche in erster Linie Leute, denen der Preis nicht wichtig genug ist, um ihre eigene Stimme zu verschenken (oder zu verkaufen, wenn ein Gegenwert versprochen wird). So lange aber nur ein Spiel gewählt werden soll (wie im vorliegenden Fall geschehen), muss der Abstimmer zumindest den Rest ebenso mit Spielen füllen – und wird da hoffentlich dann nach seinem eigenen Geschmack gehen, wodurch die Liste wieder etwas aussagekräftiger wird.

Natürlich: Dieser Fix verhindert kein “Slate-Voting” und er kann unterlaufen werden, in dem z.B. gezielt Chancenloses auf den Stimmzettel geschrieben wird. Aber er verhindert m.E. dieses etwas gedankenloses Manipulieren, wie es hier geschehen ist. Der DSP hat im Moment noch nicht die Reichweite des Hugos und da sollte dies vermutlich ausreichen. Der Vorteil ist: Dieser Fix lässt den DSP in der jetzigen Form im wesentlichen unangetastet. Alles was weitergehend wäre, wäre sehr viel aufwendiger (Von Registrierungen bis zu einer Punktevergabe, wie sie bei den Hugos nach den Sad Puppies eingeführt wurden). Dabei besteht die  Gefahr, dass die Hürden für die regulären Abstimmenden so hoch gesetzt werden, dass die Wahlbeteiligung sinkt.

Natürlich könnte man an dieser Stelle über eine Generalüberholung des DSPs nachdenken. So könnte man über einen zweistufigen Prozess einführen: Erst eine Nominierungsphase und dann wird der Gewinner unter den Nominierten gekürt (wobei auch eine der beiden Abstimmungen durch eine Jury geschehen könnte). Das würde das ganze noch etwas robuster gegenüber Manipulationen machen – und auch etwas spannender. Zudem würde nach der ersten Phase die Möglichkeit bestehen, dass sich Spieler gezielt die Nominierten kaufen, was die Spiele etwas stärker bewirbt. Der DSP hat m.E. auch das Problem, dass nur Spiele mit großer Verbreitung und Bekanntheitsgrad gewinnen können, eine Vorauswahl könnte dies etwas anpassen – wenn neben den Publikums-Nominierungen noch eine Handvoll Spiele von einer Jury auf die Liste gesetzt werden. Bleibt die Frage, ob dies gewollt wäre .

Vielleicht sehen wir zum 30. jährigen Jubiläum  (2020) ja einen neuen DSP.

ciao

peer

Deine Wahl war … Einzigartig

Ich habe Matrix schon oft zitiert. Am Ende vom zweiten Teil wenn der Architekt sagt: „The Problem is choice“, dann wissen wir, dass wir über Grübler reden. Die Spieler die sich nicht entscheiden können. Die Spieler die alle Mitglied sein müssten im Verein für Zweifler und Zögerer, einem Verein ohne Mitglieder, denn die Leute können sich einfach nicht entscheiden beizutreten. Aber es gibt nicht nur Spieler die sich nicht entscheiden können. Es gibt auch Autoren die es nicht können. Die sitzen vor ihrem Prototypen und entwickeln fröhlich vor sich hin und schicken dann ein Spiel ein, welches nicht nur ein Regelwerk enthält, sondern gleich 10. Man kann ja mit dem Material so vieles machen.

Sogar auf der Berlin-Con wollte mir ein Autor ein Spiel zeigen, wo mit demselben Material gleich etliche Spiele gespielt werden können. Er wertete das als das tolle Element, welches ich so noch nie gesehen hätte. Und diese Autoren glauben wirklich was neues entdeckt zu haben. Was ich ihnen glaube. Dabei reicht eine Standard Spiele-Sammlung auf der groß die Zahl 300 oder 400 oder 500 oder eine beliebige andere noch größere Zahl prangert. Da fallen allein 200 Spiele auf verschiedene Regeln für 5 Standard-Würfel. Vom Material unterscheiden sich diese Sammlungen ja nicht so sehr. Welcher Autor schafft es denn auf diese Menge mit seinem Material.

Aber das sei natürlich was völlig anderes. Es wäre doch schon eher ein großes Spiel. Eins welches mit den modernen mithalten könnte. Aber auch wenn man es natürlich etwas anders machen will, so zeigt doch das groß aufgezogene Stonehenge, dass die meisten Spieler sowas nicht wollen. Die Spieler bekommen einen Haufen Material und müssen sich dann noch entscheiden, welches Spiel sie damit spielen. Für Leute die sich nicht entscheiden können also schon ein Alptraum. Es gibt etliche die auch deswegen auf Erweiterungen verzichten, weil sie sich nicht entschieden können mit welchen sie spielen wollen und welchen nicht. Aber ein Spiel zu erweitern empfinde ich zumindest als was anderes als ein komplett anderes Spiel mit dem selben Material zu machen.

Auch ein neues Spiel wie es der Mücke-Verlag gemacht hat in dem er nur dasselbe Material vorgegeben hat etwa bei der Bohrturm-Reihe ist was anderes. Denn es gibt ein neues Brett und in der Schachtel steckt nur ein Spiel. Man kann es natürlich auch anders angehen, so wie es Friedemann Friese in 504 gemacht hat. Das ganze ist aber eher ein Kunstprojekt und damit doch irgendwie auch was anderes. Aber wirklich auf den Tisch kommt es bei den meisten nicht mehr und alle Welten durchgespielt hat wohl auch keiner.

Den neusten Ansatz dazu hat nun Fantasy Flight Games gebracht. Auf der Gen Con haben sie KeyForge vorgestellt und gleich mal angefangen zu verkaufen. Hier wird den Spielern ein Spiel präsentiert, wo die Spieler in einer Art Sammelkartenspiel vorgesetzt bekommen. Nur ohne Sammelkarten. Bzw ohne Tauschkarten. Also, die Spieler kaufen ein Deck und aus dem können sie weder einzelne Karten dazukaufen noch vertauschen. Jedes Deck ist einzigartig. Es macht nur im ganzen als Deck Sinn. Den Spielern werden also die Optionen des Deckbaus genommen, welcher sehr viele Entscheidungspunkte hat. Aber Decks bauen kann ich doch zu Hause in Ruhe. Da störe ich doch keinen anderen. Es wird halt ersetzt durch die Entscheidung, welches Deck ich nehme.

Nun ist das natürlich etwas böswillig formuliert. Eigentlich finde ich die Idee grandios und bin froh dass sich ein Verlag traut, sowas zu machen. Unzählige Decks zu drucken, welche alle Unterschiedlich sind. Jedes hat eine eigene Rückseite, damit die Karten nicht mit Karten aus anderen Decks gemischt werden können. Und das ganze noch so zu designen, dass jedes dieser zufälligen Decks auch noch funktioniert und nicht komplett umbalanciert ist. Das ist auch schon Kunst.

Was mich eigentlich stört ist eher die Tatsache, wie es verkauft wird. Es wird als tolles großes Plus verkauft, dass Netdecking entfällt. Netdecking ist, wenn ich mir online die tollen Decks ansehe und dann nachbaue. Aber was ist denn daran bitte toll, das als doof hinzustellen. Nachbauen ist das was kleine Kinder machen. Wenn ich anfange mich mit einem TCG/LCG zu beschäftigen, dann will ich nachbauen, um aus den Decks was zu lernen. Ich will begreifen wie Sachen funktionieren. Und wenn ich gut bin, kann ich ablesen was andere nachbauen und das Perfekte Gegendeck entwickeln. Das ist das Metagame. Ein entscheidender Punkt bei einem TCG/LCG. Den zu nehmen nimmt einem Spiel seine Fülle. Auch der Sekundärmarkt für TCGs ist wichtig für dessen Leben. Bei LCGs ist das nur noch der Markt mit Provokanten. Bei diesem Spiel dürfte auch das wegfallen. Die einzige Option mehr Abwechslung reinzubekommen ist es also immer wieder neue Decks zu kaufen und zu hoffen, dass ich was tolles bekomme. Oder ganze Decks zu tauschen.

Ich möchte nicht beurteilen wie es spielerisch ist. Kann ich ja auch nicht, da ich es nicht gespielt habe. Die Idee finde ich toll und als Versuch auch sehr mutig. Wie es mir allerdings verkauft wird, finde ich nicht so toll. Ich gehe davon aus, die meisten werden sich einen Starter und/oder 2 Decks kaufen. Mehr wird es wohl nicht. Aber das ist ok. Die meisten Brettspiele haben nicht mehr. Wenn sie aber mit Turnieren kommen, bleibe ich eher neugierig, wie das funktionieren soll und wie die Spieler darauf reagieren. Und spannend wird, wie es vielleicht erweitert werden soll. Denn wenn es dafür OP gibt wie angekündigt, dann kann es nicht bei einem Set bleiben. Aber diese Entscheidung wurde von FFG schon getroffen, damit haben sie kein Problem. Die zögern nicht.

Das Alpha-Spieler-Problem und wie man es beheben kann

Da schau an, das Sommerloch ist da! Es gibt so viele Möglichkeiten wie man versuchen könnte dem beizukommen. Man kann etwa völlig unnötig online einen Streit vom Zaun brechen, um die Monotonie zwischen den Spielrunden zu überbrücken. Aber diesen geschickten Schachzug hebe ich mir für den Moment auf, wenn ich mit meiner eigenen Irrelevanz als Brettspielkommentator hadere. So bleibt mir die etwas unliebsame Aufgabe die alten Kamellen wieder rauszukramen und versuchen ihnen zumindest bis zur nächsten Woche noch etwas Leben einzuhauchen.

Sind gute Regeln oder ein gutes Thema wichtiger? Viel zu belanglos.

Was bringt eigentlich Kickstarter? Die Frage ist redundant.

Wieviel zahlen mir Verlage für meine positiven Rezensionen? Darf ich aus Vertragsgründen nicht sagen.

Kooperative Spiele und der Alpha-Spieler? … Hmm, ja. Meinetwegen.

Also das Themenwahlrad hat gesprochen. Ich werde diese Hitzewelle nutzen, um die Gemüter mit golden Oldies und einem leckeren Frappé zu beruhigen:

Das Alpha-Spieler-Problem, und wie man es beheben kann.

Falls ihr in letzter Zeit eine schwere Kopfverletzung erlitten habt, und deshalb sämtliche Erinnerung daran verloren habt, was die Schwierigkeiten mit einem solchen Spieler in einem kooperativen Spiel sind, hier eine kleine Auffrischung. Kooperative Spiele zeichnen sich dadurch aus, dass alle Spieler das gleiche Ziel verfolgen. Mehr noch, sie erreichen dieses Ziel sogar nur gemeinsam. Das heißt Sieg oder Niederlage tritt für alle Teilnehmer gleichermaßen ein. Entweder alle Spieler gewinnen oder alle verlieren. Es gibt keinen Einzelnen, der sich aus der Maße hervorhebt. Zumindest differenzieren die Regeln hier nicht. Zwar gibt es durchaus Spiele, die das kooperative Spielkonzept aufbrechen um doch noch Wettbewerb zwischen den Spielern einzubringen, aber das ist für diese ad-hoc Definition erstmal unerheblich.

Für viele ist Pandemie die Mutter aller Alpha-Spieler-Probleme

Der Alpha-Spieler positioniert sich innerhalb dieser Runde derart, dass er (und in 95% der Fällen ist es ein Er) alle Fäden zusammenführt und die Gruppe zu lenken sucht mit dem Ziel den Sieg für alle Beteiligten zu holen. Bevor ich hier jedoch weiter aushole, muss ich gleich zu Beginn  zwischen dem Alpha-Spieler und der Alpha-Spieler-Rolle differenzieren. Während ersteres einen Persönlichkeitstypen beschreibt, der sich herausnimmt bestimmte Entscheidungen für das Wohl der Gruppe zu fällen; so ist die Rolle das Alpha-Spielers etwas, das manche Spieler anderen aufsetzen und auf sie projezieren. Wenn man den generell schlechten Ruf des Alpha-Spielers noch einwirft, ist der Streit beinahe vorprogrammiert.

Am Rande: mir wird bei der Begrifflichkeit „alpha gamer“ generell eher unwohl. Weckt sie doch Assoziationen zu zutiefst ignoranter und halbgarer Pop-Psychologie rund um das Konzept des Alpha-Mannes, inklusive all der schädlichen und schändlichen Männlichkeitskonzeptionen, die sich danach ausrichten. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung werde ich sie aber, trotz Unbehagens, hier weiter nutzen.

Ein zu Unrecht ignorierter Koop-Klassiker

Die Rolle des Alpha-Spielers steht, gerade bei kooperativen Spielen, schnell im Raum wenn der Spielvorstellende, oder auch der Gastgeber des Spieleabends ein weit größeres Hintergrundwissen aufweisen kann als die restliche Runde. Den Aussagen des erfahrensten Spielers wird hier weit mehr Gewicht beigemessen. Mehr Erfahrung bedeutet in vielen Fällen ein besseres Gespür dafür, welche Entscheidung schneller zum Erfolg führt. So entsteht schnell ein Gefälle, wenn es darum geht gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Statt auf Augenhöhe zu spielen, wird zum „Experten“ hinaufgeblickt. Wer der Falle entgehen will unbeabsichtigt die gesamte Gruppe zu kommandieren, der hat ein paar Optionen. Man kann etwa versuchen die Unvorhersehbarkeit der nächsten Ereignisse deutlich zu machen. Zusätzlich kann man immer wieder die Entscheidung auf die Gruppe zurückwerfen – wo es denn möglich ist – um sich so mehr oder minder dezent aus dieser Erwartungshaltung zu entfernen. Es gibt aber auch vereinzelt Spiele, in denen das Mehrwissen und die zusätzliche Erfahrung zum Vorteil werden kann. So ist etwa bei Space Cadets die Möglichkeit gegeben als „Captain“ Regelfeinheiten, Unklarheiten und Logistik zu handhaben und es so den anderen Spielern zu überlassen, wie sie sich am besten koordinieren und absprechen. Der erfahrenste Spieler kann hier den Zugang zum Spiel schneller und glatter machen, und damit eine sehr wichtige, spielspaß-fördernde Rolle übernehmen (bzw. die Versäumnisse des Spielentwicklers ausgleichen.) Die vielleicht beste Möglichkeit eine gut funktionierende Alpha-Spieler-Rolle zu verstehen, ist sich als Vermittler und Unterstützer zu sehen. Und ausdrücklich nicht als Entscheider oder gar Stratege der Gruppe. Eine gut ausgeübte Alpha-Spieler-Rolle ist wie eine kompetente Führungspersönlichkeit: sie überlässt jedem anderen eine tragende und wichtige Rolle, und sieht sich vor allem dafür verantworlich, den anderen Spielern den Rücken frei zu halten und sie dabei zu unterstützen das Team voranzubringen.

Diese Kniffe helfen natürlich nur, wenn die Gruppe einen in diese Ecke stellt. Die Sache sieht entschieden anders aus, wenn man das eigene Können für den Spielsieg als unverzichtbar versteht. Eben weil die eigene Persönlichkeit dazu neigt das metaphorische Ruder in die Hand nehmen zu wollen. Aber an genau diesem Punkt setzt der erste Irrtum ein. Der Alpha-Spieler fühlt sich dafür verantwortlich den Sieg zu holen. Ob für sich selbst oder für die gesamte Gruppe ist dabei vollkommen unerheblich. Der Fehler des Alpha-Spielers besteht nämlich nicht darin, dass er über die Köpfe anderer Spieler entscheidet. Das ist lediglich das eklatante Überschreiten wichtiger Grenzen des spielerischen Miteinanders. Der Fehler besteht darin, dass der Alpha-Spieler das kooperative Spiel nur aus der Sicht des kompetitiven Spiels begreifen kann. In diesen Spielen ist klar, dass der Zweck des Spiels gleichbedeutend ist mit dem Sieg über die Gegenspieler. Die Regeln und Mechanismen, die die Herausforderung des Spiels formen, sind dabei lediglich Mittel zum Zweck. Jedes kompetitive Spiel fragt: wer wird gewinnen und präsentiert Regeln und Mechanismen, mit Hilfe man diese Frage beantworten soll. Bei kooperativen Spielen ist das zwar ähnlich, aber auf fundementale Weise auch anders. Regeln und Mechanismen dienem ebenfalls einem Zweck. Nur lautet dieser Zweck eben Kooperation und nicht Sieg.

Hier abgebildet: ein erfolgloser Sieg im Koop-Spiel (Rocky)

Das ist der Irrtum, den Alpha-Spieler beim kooperativen Spiel machen. Sie verstehen Kooperation, Absprache und Kommunikation als Werkzeug, um die Niederlage abzuwenden; statt die drohende Niederlage als Werkzeug des Spiels zu sehen, um zu kooperieren, um sich abzusprechen und miteinander zu kommunizieren. Deshalb ist die unscheinbare Regel bei Pandemie, dass man seine Karten den Mitspielern nicht offen zeigen darf, auch so wichtig, um das Spiel und das Genre zu begreifen. Natürlich wäre es effizienter und würde die Koordination immens vereinfachen, wenn alle Karten offen auf dem Tisch lägen. Aber das würde ja dem Zweck des Spiels zuwider laufen.

Deshalb ist das Alpha-Spieler-Problem auch kein Designproblem. Es ist genaugenommen auch kein Problem der Gruppendynamik. Es ist im Kern ein Missverständis darüber, warum man ein kooperatives Spiel spielt. Es ist eine Fehleinschätzung welches Spielerlebnis das Design vorbereitet und wie man sich am Besten darauf einlassen kann. Der Alpha-Spieler sucht und richtet sein Spielverhalten nach einem Spielerlebnis aus, auf dass das kooperative Spiel gar nicht ausgerichtet ist. Für ein kooperatives Spiels ist Gewinnen/Verlieren nur Mittel zum Zweck.

Um das Alpha-Spieler-Problem anzugehen, haben sich jedoch einige Designer (und Alpha-Spieler) der Sache angenommen und kooperative Spiele entwickelt, die eben diese Besonderheit des Genres wieder abschleifen. Man kann in der Regel davon ausgehen, dass jedes kooperative Spiel, welches damit zu punkten versucht, das Alpha-Spieler-Problem zu unterbinden, die Grundproblematik dieser Spielrunden nicht verstanden hat. Zumindest diagonistizieren sie die Ursache für diese Situationen an der falschen Stelle. Es ist nicht Aufgabe des Spiels zu verhindern, dass einzelne Spieler den Dialog am Tisch dominieren und über andere Spieler entscheiden. Es liegt auch nicht unbedingt in der Verantwortung der Gruppe einzelne Querschläger in ihre Schranken zu weisen.

Das Kernprinzip des kooperativen Spiels in einem Bild (Toy Story 3)

Der potentielle Alpha-Spieler muss selbst die Erkenntnis erlangen, dass der Erfolg im kooperativen Spiel nicht im Sieg, sondern in der flüssigen Kooperation liegt. Das gemeinsame Spielerlebnis und der gemeinsame, gelegentlich zum Scheitern verdammte, Versuch eine Niederlage zu verhindern, ist Herz und Seele des kooperativen Spiels.

Vor Ort – Spiel des Jahres 2018

Es ist 10 Uhr. Draußen brennt die Sonne und wir haben uns, wie es dem Brettspieler-Klischee entspricht, in die schattigen, kühlen und gediegenen Räumlichkeiten des Swissôtel Berlin zurückgezogen. Die Preisverleihung des Spiel des Jahres steht an. Der prestige-trächtigste Preis, den dieses Hobby bzw. diese Industrie vorzuweisen hat. Auch wenn einige sich im Vorfeld nicht zurückhalten können ihre digge Gleichgültigkeit zum Thema ungefragt zu erwähnen. Oder auch die geringe Relevanz, die der Preis für den einzelnen Vielspieler oder Kenner darstellt. Auch das ist naheliegend, denn wer nicht in der Branche arbeitet ist, der wird von den direkten Folgen des Preises auch nicht berührt werden. Aber so ein roter Pöppel auf der Schachtel (und der schwarze in geringerem Ausmaß ebenfalls) macht für einen Verlag und einen Autor schon sehr viel aus. „Die Druckerei ist schon vorgewarnt. Wenn der Preis kommt, geht heute noch das Go, um die nächste Auflage in den Druck zu schicken.“ vertraut mir Thorsten Gimmler von Schmidt Spiele an. Er gibt zu nervös zu sein, auch wenn Schmidt Spiele mit zwei Nominierungen im Kennerspiel gute Karten hat. Letztendlich hat sich Asmodee 2016 mit zwei Nominerungen ähnliche Hoffnungen gemacht, die dann doch zerschlagen wurden. Gimmler und Autor Wolfgang Warsch können sich aber freuen. Die Quacksalber von Quedlinburg erhält die Auszeichnung und schlägt damit Heaven & Ale, welches vielen schon zu tief im Expertensegment liegt; aber auch das leichtere Roll & Write Spiel Ganz Schön Clever (ebenfalls von Warsch bei Schmidt Spiele). Aus der vordersten Sitzreihe der Autoren entweicht Warsch sogar ein kurzer Aufschrei, als sein Spiel auf dem großen schwarzen Siegerpöppel in Erscheinung tritt. Die Emotionen sind da. Warum auch nicht? Schließlich ist das die Anerkennung der Fachpresse, als auch der Fuß in der Tür für weitere Spielideen, die man großen Verlagen anbieten will.

Ein Punkt, den auch Matt Leacock wiederholt. Natürlich ist diese Auszeichnung etwas Besonderes, selbst wenn seine Pandemie-Spiele oder die Forbidden-Reihe (Verbotene Insel, Vergessene Stadt und später dieses Jahr Forbidden Sky) viele Preise und hohe Verkaufszahlen verbuchen konnte. Er ist zum vierten Mal nach Berlin gekommen und kann erstmalig mit dem schweren Holzpöppel für den Sonderpreis 2018 für Pandemic Legacy Season 2 zurückreisen. (Ein Objekt, dass man dem Zollschutz erstmal erklären muss. Schließlich ist er schwer und groß genug, um jemanden damit zu erschlagen.) Er ist, wie er sagt, noch immer sehr stolz darauf mit kooperativen Spielen in Verbindung gebracht zu werden. Einen großen Wurf wie Pandemie muss man auch erst mal leisten. Rob Daviau, sein Partner in der Aufsehen erregenden und uneingeschränkt empfehlenswerten Pandemic Legacy-Reihe, sieht das ähnlich. Er hatte noch nicht den Leonard Nimoy-Moment in dem er sich von seiner erinnerungswürdigsten und bekanntestn Kreation distanzieren will. Er ist der Mann, der das Legacy-Konzept bekannt gemacht hat. Er hatte zwar eine lange Karriere bevor er damit zu Bekanntheit kam, aber für die meisten Interviewer bleibt er der „Legacy“-Typ. Wir sprechen kurz über sein letztes Spiel „Mountains of Madness“ und warum es vielleicht nicht so gut ankam wie erwartet. Das liegt zum einen sicherlich an der großen Flut an neuen Spielen jedes Jahr. Aber viele schienen auch überfordert vom ungewöhnlichen Tonfall des Spiels: die Mischung aus solidem kooperativen Spiel und „whimsy“. Ein Begriff, für den es im Deutschen keine direkte Übersetzung gibt, was Daviau so lustig findet, dass er es gleich in einen Tweet setzt. Whimsy liegt irgendwo zwischen verspielt, humorvoll und wechselhaft oder launisch. Das passte nicht ganz in die Erwartungen. Lovecraft ist schließlich bierernst, wie kann ein solches Spiel Leichtigkeit und Humor erzeugen? Zu widersprüchlich erscheinen die erlebten Emotionen. Denn darum geht es in einem Spiel in Wirklichkeit: Emotionen, die es zu wecken gilt und die Regeln, Komponenten und Konzepte, die die Gruppe dahin führen. Zumindest geht Leacock so an die Sache heran und der Erfolg von Pandemie und der Sonderpreis der Spiel des Jahres Jury scheint das zu bestätigen.

Der große Sieger ist jedoch Azul von Michael Kiesling. Beinahe einhellig als Gewinner vorhergesagt, haben doch viele – mich eingeschlossen – gehofft, dass der Underdog namens The Mind vielleicht noch das Rennen macht. Denn gerade wenn es um Emotionen geht, scheint dieses Spiel – wie auch der kurze Videoeinspieler bei der Preisverleihung zeigt – genau diese zu wecken. Gelächter, Freude und gemeinsames Aufheulen, wenn die falsche Karte gespielt wurde. Eine Vertreterin des NSV Verlags erwähnt, dass die Lizenzen in ganz Europa bereits vor der Nominierung verkauft waren. So schnell hat sich der Ruf dieses Spiels verbreitet. Nach der Nominierung gab es Abnehmer in den USA und sogar Taiwan. The Mind braucht also kaum den Verkaufsschub, den der Sieger heute den Rest des Jahres (und vielleicht sogar darüber hinaus) verbuchen darf. Aber auch Luxor von Rüdiger Dorn (bei Queen Games erschienen) geht leer aus. So beeindruckend und genial das Kartensystem von Jury-Mitglied Martin Klein empfunden wurde, so kann es dann doch nicht gegen die geschliffene Präsentation von Azul antreten. Das Gleichgewicht aus Spieltiefe und Zugänglichkeit konnte überzeugen. Die zwei Stufen des Spiels vom friedlichen Nebeneinander bei dem jeder Spieler seine Auslage zu optimieren versucht, wie auch die des geschickten Ausbootens seiner Mitspieler weil man ihnen ganz dreist Minuspunkte einbrockt, ist repräsentativ für das moderne Brettspiel 2018. Aber so will Martin Klein das nicht stehen lassen. Der Spiel des Jahres Preis geht nicht an das repräsentative Spiel dieses Jahres, oder an das Beste. Dafür hat der Markt jedes Jahr zu viele Facetten. Der Preist hat vielleicht etwas davon den Zeitgeist einzufangen. Ziel der Jury ist es das Spiel zu finden welches als Aushängeschild für das Hobby dienen kann. Es soll dem orientierungslosen Neuspieler einen Einstieg in das Hobby liefern. Es soll das Spiel sein von dem sich die Jury am ehesten verspricht, dass es Interesse am Spiel weckt, Lust auf mehr macht und – wie es immer so hochtrabend heißt – das Kulturgut Brettspiel verbreitet. So ist die Entscheidung für Azul nur konsequent, wenn auch wenig gewagt. Aber es ist ein Spiel, welches Anfänger kaum verschrecken wird. Es erlaubt Entdeckungen und Überraschungen, auch bei mehrmaligem Spiel. Die Unbefangenheit mit der man an Azul gehen kann, nimmt dem neuen Spieler vielleicht die Unsicherheit sich an die vielen anderen, bunten und geheimnisvollen Schachteln zu wagen, die beim Händler im Regal stehen und so viel Spaß versprechen.

Im Presseraum nach der Verleihung ist Azuls Autor Michael Kiesling kaum aufzufinden. Er tritt für ein paar Interviews mit der Presse auf und ist dann später, sehr zum Ärgernis der Podcaster, Blogger und Videomenschen, kaum aufzufinden. Es ist nicht ganz klar warum er fehlt. Vielleicht ist ihm das Theater um sein Spiel zu groß. Vielleicht hat er auch nur etwas Schlechtes gegessen. Aber während die ersten wieder abreisen müssen, da manchen stundenlange Fahrten bevorstehen, bleiben noch einige zurück um die Veranstaltung auf sich wirken zu lassen. Die etablierten Medien reiben sich hier die Schultern mit den de facto Volontären. Natürlich kommt da ein klein wenig Unmut auf, wenn Rezensionsexemplare abgeholt werden, das Buffet kurz goutiert und dann der Rückweg angetreten wird. Es ist ein ganz hobby-spezifischer Konflikt, der sich hier äußert. Einer der jede Zusammenarbeit mit Rezensenten fast auf eine Stufe mit Betrug stellt, wenn das Rezensionsexemplar nicht ausdrücklich in der Besprechung erwähnt wird. Schon allein die Anwesenheit an einer solchen Veranstaltung weckt bei manchen die Angst, dass da zwischen Presse und Verlagen Absprachen stattfinden. Oder dass sich ein Insider-Club der coolen Leute bildet, bei denen andere außen vor bleiben. Als Brettspieler ist man auf solche Gruppenbildungen und Ausschlüssen oft sehr schlecht zu sprechen. Damit kann man natürlich hadern und etwas bitter werden.

Oder man kann sich von diesem Ballast lösen und erkennen, dass hier Produkte gelobt werden, weil sie Menschen erlauben sich kennen zu lernen, wie Matt Leacock es sieht oder man über seine Arbeit als Rezensent seine besten Freunde kennenlernt, wie es Martin Klein erlebt hat. Beim Spiel geht es zwar um Emotionen, aber beim Spielen sind es die Menschen, die eigentlich im Mittelpunkt stehen. Jede dieser Interaktionen, ob am Tisch, auf einer solchen Veranstaltung, im Interview oder in Online-Kommentaren… ist eine Chance die Verbindung mit anderen zu suchen. Der Spiel des Jahres Preis ist für Autoren und Verlage ein wichtiger Meilenstein für die professionelle Entwicklung. Für die Fachpresse ist es ohne Frage eine Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, um in Zukunft besser und umfangreicher berichten zu können. Aber für den Spieler in jedem von uns, ist dieser Preis ein Fixpunkt an dem man sich treffen kann. Drei nominerte Spiele, die man den Menschen, die abseits des Hobbies leben, nahe legen kann und Spiele über die man vorzüglich debattieren, sinnieren und, ja, auch streiten kann. Weil sie ein Vorhängeschild für und eine Einladung in das Hobby darstellen.

In diesem Sinne… wir sehen uns demnächst am Spieltisch!

Sozialexperiment, Betrug oder ein Fall für Plagiatswatch?

In meiner Kolumne bekommen ja auch mal Nachrichten ihren Platz. So auch diesmal: Kickstarter hat beim Projekt Overturn Rising Sands den Stecker gezogen.

Beginnen wir mit dem Projekt selbst: Bereits kurz nach Einstellung war die Kampagne unglaublich erfolgreich: Ein potentiell interessantes Setting für ein Descent-ähnliches Spiel und vor allem viele detallierte Miniaturen für einen relativ günstigen Preis lockten Backer in Scharen an. Die Leute hinter dem Projekt, Foxtale Studios, waren Neulinge und machten ein paar Anfängerfehler zu Beginn und es gab leichte Bedenken, weil die Verlag angeblich in Kanada sitzt, die drei Leute hinter dem Projekt aber nicht. Na gut, ungewöhnlich und vielleicht auch ein Grund zur Vorsicht, aber nichts dramatisches. Dann erschien endlich das Regelheft… und stellte sich als nahezu 1:1 – Kopie des Regelheftes von Massive Darkness (CMON) heraus (Hier findet man einen Vergleich – auf englisch). Die Graphiken sind ausgetauscht, aber die Regeln sind praktisch identisch! Dies ist nun schon ziemlich deutlich ein Urheberrechtsverstoß gegenüber dem Regelheft von CMON – es ist abber auch ein deutliches Zeichen, dass das Spiel ein Plagiat ist. Ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass sich Overturn Rising Sand mit denselben Regeln anders spielt als Massive Darkness. Geschweige denn dass es ein “unique Gameplay” bietet, wie es in der Kickstarter-Beschreibung heißt (unter diesen Umständen schon fast ein Hohn).

Neil Amnswych, der das Regelheft bearbeitete stellte daraufhin den Verlag zur Rede und dieser meinte sinngemäß: “ja, das ist nur das Alpha-Regelwerk, damit wir was für die Backer haben. Das Beta-Regelwerk ist dann wirklich von uns. Das bekommst du bald!” Wir Amnswych selbst sagt, macht das keinen Sinn – wieso gibt man demjenigen, der das Regelheft bearbeiten soll, nicht das Regelheft, das er bearbeiten soll? Er schmiss hin. Gegenüber den Backern war der Verlag merkwürdig defensiv und schrieb unter anderen, dass Spiele nun einmal in den Grundzügen sehr gleiche Regeln haben und man deswegen so ein Regelheft schon als Muster verwenden kann. Nochmal: “Einzigartiges Spielgefühl”? Auch andere Teile – wie zum Beispiel die Beschreibung der Klassen wurden übrigens von Massive Darkness übernommen, allerdings mit anderen Klassennamen.

Bislang ein klarer Plagiatsfall. Aber vielleicht nicht einmal das.

Die Beschreibung des Verlages wurde von Mythic Games kopiert. Die “Terms & Conditions” von Mythic Games  Time of Legends: Joan of Arc (wobei sogar die Währung fälschlicherweise mitkopiert wurde). Und die Versand-Zeilen stammen vom Conan-Kickstarter (Hier ein Link mit allen direkten Vergleichen, inklusive -und jetzt wirds  schon fast bizarr- wie man aus dem Firefox-Logo das Verlagslogo bastelt).

Da die Miniaturenbilder auf der Kickstarterseite computergeneriert sind und es keinen Hinweis gibt, wie, wo oder von wem die Miniaturen wann geschnitzt werden sollen, steht mittlerweile der Verdacht im Raum, dass hier ein elaborierter Betrug stattfinden sollte – Geld einsacken und nicht liefern (können), mit einem böhmischen Dorf als Kampagne. Dann wäre das Spiel kein Plagiat, sondern schlicht nichtexistent. Wir werden es aber wohl nie erfahren, denn CMON hat die Urheberrechtsverletzung am Regelheft angezeigt (die ist so deutlich, da muss niemand diskutieren, was an einem Spiel jetzt geschützt ist und was nicht) und illegale Kampagnen werden von Kickstarter schnell gestoppt – so auch hier. Erst wurde die Kampagne eingefroren und intern untersucht, jetzt ist sie “suspendend”, also ganz gestoppt. Ha, die Gerechtigkeit siegt! Allerdings ist den Machern selbst erst einmal kein Schaden entstanden (außer der Zeit, die sie in ihre Scheinkampagne gesteckt haben) – und wir werden wohl nie erfahren, ob Overturn existiert oder nicht und wenn ja in welcher Form.

Aber die Geschichte hat noch einen kleinen Twist parat, den ich für fast so interessant halte, wie den Fall an sich: Wäre das Projekt nicht gestoppt worden, so hätte es immer noch mehrere 100.000 kanadische Dollar über dem Fundingziel gewesen. Trotz Abwanderung von wirklich VIELEN Backern, hätten die Macher einen Erfolg verbucht. Klar, nicht jeder bekommt die ganzen Kontroversen mit, nicht jeder guckt in die Kommentare oder auf die BGG-Seite, wenn er sich bereits für ein Unterstützen entschieden hat. Insofern ist es klar, dass ein gewisser Prozentsatz hängen bleibt. Das Interessante ist eigentlich, dass dieser Kickstarter vor der Regelbuchgeschichte so supererfolgreich war, obwohl der Verlag unbekannt war und vor allem bevor es eben überhaupt irgendwelche Hinweise aufs Gameplay gab. Viel mehr als “Miniature-Kampfspiel” “Semikoop” und “irgendwas mit Story” gab es ja nicht. Dennoch dauerte es keine zwei Stunden bis die Finanzierung stand. Wow!

Im Prinzip sehe ich das als Sozialexperiment: Wie viel bringen Miniaturen bei einer Kampagne wirklich? Und die Antwort: Finanzierung innerhalb von 1 Stunde und 45 Minuten. Dieser Zeitraum kann noch angepasst werden, je nach Preis und Qualität der Figuren und dem Namen des Verlages, aber die Moral von der Geschicht, Unterschätze die Miniaturenliebhaber nicht!

Das meine ich in keiner Weise despiktierlich. Ganz überraschend sollte diese Erkenntnis nicht kommen: CMON hat sein Geschäftsmodell nicht zuletzt auf Miniaturenspiele gesetzt und auch bekloppte Kampagnen wie die von Hate waren unterm Strich große Erfolge. Hey, Games Workshop hat zahlreiche Geschäfte überall in der Welt, finanziert durch Miniaturen. Die Kleinkindgroße Chthulhu-Statue, eien Add-On, des neuesten CMON-Kickstarter war innerhalb einer Stunde ausverkauf. Es ist daher eine ziemlich sichere Sache, dass es viele Miniaturenliebhaber im Spielebereich gibt. Im Prinzip zeigt dieser Fall eher, dass man gar kein Spiel braucht, wenn man günstige Miniaturen in angemessener Qualität (theoretisch zumindest) anbietet. Auch das ist nicht ganz überraschend, denn es gab schon sehr erfolgreiche “Miniatur-only” – Kickstarter, aber in dieser Deutlichkeit ist das Signal natürlich auch nicht zu überhören: Egal was das Spiel taugt, Hauptsache, die Miniaturen stimmen! Zumindest kurzfristig ist es also ein varitables Geschäftsmodell tolle Miniaturen mit halbgaren Regeln auf den Markt zu werfen  zumindest solange die Miniaturen gut und originell sind. Und das Regelheft nicht so deutlich kopiert, dass der Kickstartergott höchstselbst einschreitet.

ciao

peer

Der Luxus des Notwendigen

Es gibt einige Themen, die in Spielerkreisen immer wieder an die Oberfläche kommen. Wie ein alter Filmklassiker, ein falscher Fuffziger, oder halt ein großes Mißgeschick im Freibad. Eines dieser Themen, welches erfahrene Spielefans schon bei der ersten Andeutung die Augen verdrehen lassen, sind Spielepreise. Wie viel kostet ein Spiel? Wie viel darf ein Spiel eigentlich kosten und warum? Ist es Wucher wenn ein Spiel eine bestimmte Preisgrenze überschreitet? Ich bin zwar der Ansicht, dass die Branche einen gesunden Umsatz erreichen sollte, damit Menschen die darin arbeiten auch davon leben können; bin aber auch der Meinung, dass Spiele zugänglich sein müssen und damit auch immer innerhalb eines bestimmten Preissegmentes bleiben sollten. Aber das ist heute nicht das Thema. Viel bemerkenswerter fand ich einen Kommentar, den ich schon oft gehört habe und den viele Spieler mittlerweile schon präventiv in den Raum werfen, nur um sich in ihren Meinungsäußerungen nicht gleich wieder rechtfertigen zu müssen.

Spiele sind Luxusgüter.

Es ist ein mittlerweile gut abgenutzter und auch vielseitiger Holzhammer, mit dem man jeglichen Versuch einer Debatte schnell und effizient zerschlagen kann. Spiele sind Luxusgüter, also ist schon der Ansatz differenziert darüber zu reden, vermessen und lächerlich. Wie jedes Argument, das Menschen einsetzen um anderen den Mund zu verbieten, steckt ein Funken eines Splitters eines Hauchs einer angemessenen Beobachtung darin: wer über Spiele spricht, sollte sie auch in den richtigen Kontext setzen. Über diesen angemessenen Kontext sollten wir vielleicht mal sprechen.

Der Begriff Luxus trägt bereits vielerlei Annahmen und unausgesprochen Wertungen mit sich. Die vielleicht offensichtlichste ist, dass ein Luxusobjekt im Kern etwas Überflüssiges ist. Man würde von heute auf morgen sofort darauf verzichten, wenn etwas irgendwie bedeutsameres daherkommen würde. Mehr noch, Luxus steht für etwas latent Dekadentes und Verschwenderisches. Wer seinen Luxusgüter zu viel Bedeutung beimisst, legt ein beinahe schon anstößiges Verhalten an den Tag. Diese Dinge hat man sich zu gönnen. Sie haben neben und unter der täglichen Schufterei und den schweren Lasten des Alltags zu existieren. Die Nähe zum Eskapismus bedeutet auch, dass ein Spiel etwas frivoles und Unsittliches mit sich trägt, wenn man wagt es nicht als triviale Nichtigkeit abzutun.

Ich fühle mich bezüglich Spielen eher Bill Shankly verbunden, der mal über den Fußball sagte:

Manche halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es viel ernster ist.

Meine Sicht auf Spiele ist stark von Johan Huizinga geprägt, und ich halte die enge Verbindung zwischen Spiel und Kultur für absolut nicht anzweifelbar. Das Verspielte ist ein Grundbestandteil des menschlichen Wesens. Das macht es zu einem wichtigen Einfluß in unserer Kultur und in unserer Gesellschaft. Man muss sich nur anschauen wie sehr das Konzept des Spiels sich durch alle Facetten unserer Gesellschaft zieht. Angefangen bei den allgegenwärtigen Aufgaben vor die uns digitale Spiele auf Handy und Konsolen stellen. Über die stark formalisierten und ritualisierten Formen wie wir sie in verschiedenen Fiktionsmedien im Theater oder Film genießen. Bis hin zu den unterschiedlichen Rollen in die wir schlüpfen, wenn wir uns von einer sozialen Gruppe in die nächste bewegen. (Sorry to Bother You greift diese Idee des Code-Switching auf und nutzt das als zentrale Metapher.)

Der Grund dafür ist, dass Spielen eben nicht nur daraus besteht Ziele gesetzt zu bekommen und diese dann zu erfüllen. Auch wenn unreflektierte Gamification-Ansätze versuchen das so in den Alltag zu quetschen. Das Spiel ist auch eine Art Gemeinschaften zu bilden. Der Magic Circle (Huizinga) trennt nicht nur das Spiel vom Alltag. Es verwandelt die einzelnen Spielenden für kurze Zeit in eine eingeschworene Truppe die zusammengehört, gemeinsam handelt und in der Gruppe erlebt. Das Spiel gibt uns eine Form der Gruppenzugehörigkeit und damit eine weitere Facette unserer Identität. Wir sind Spieler. Wir sind Teil der Spielgruppe. Wir sind Teil eines größeren Hobbies. Wir „gehören dazu“. Genau das ist und genau so entsteht Kultur.

Hier abgebildet: spät-römische Dekadenz

Wenn Menschen als Spiele als dekadente Luxusobjekte abtun, dann wirkt das auf mich immer zutiefst lust- und kulturfeindlich. Wenn leidenschaftliche Spieler diese Begrifflichkeiten übernehmen und ihr Hobby so unter den Scheffel stellen, dann mutet es schon fast an Selbstgeißelung. Als müsste man sich dafür entschuldigen, die Verbindung mit anderen Menschen zu suchen und zu pflegen. Als wäre es schamvoll die Zugehörigkeit zu anderen Menschen zu benötigen, statt jeden wachen Moment mit Arbeit und Produktivität zu verbringen.

Spielen ist in meinen Augen ein menschliches Grundbedürfnis, welches überall eine Gelegenheit sucht ausgelebt zu werden. Auf unseren Handys, mit unseren Freunden oder in den kleinen Momenten auf der Arbeit, wenn wir den zerknüllten Notizzettel von der Drei-Punkte-Linie hinter dem Schreibtisch in den Papierkorb werfen wollen. Aber auch Grundbedürfnisse kann man über lange Zeit hin ignorieren, bis sie evtl. sogar verkümmern. Das beweist nicht, dass sie lediglich Luxus sind, sondern nur dass wir Menschen enorm anpassungsfähig sind. So kann man zum Beispiel auf eine vielfältige Ernährung, regelmäßigen Sport und menschlichen Kontakt verzichten. Das ist nicht gesund, aber man bleibt dennoch am Leben. Spiele sind da nicht anders. Man kann sie von heute auf morgen aus seinem Alltag entfernen. Das ist nicht gesund. Aber man wird es überleben. Vermutlich.

Daher überzeugt mich das Argument Spiele wären Luxus aus dieser Richtung mit Sicherheit nicht. Es hat meiner Meinung nach nur den Zweck eine nähere oder leidenschaftlicher Betrachtung des Themas abzuwiegeln. Aber auch der profit-orientierte Ansatz stößt bei mir aus ähnlichen Gründen auf wenig Gegenliebe. Der Versuch Spiele als Luxusgüter zu präsentieren, um so Preiserhöhungen dem Käufer schmackhaft zu machen *husthustasmodeehusthust *stößt mir auf ganz eigene Art auf. Das einzig Dekadente an diesen vermeintlichen Luxusobjekten ist der Preis. Es scheint viel mehr darum zu gehen Menschen dazu zu verführen mit ihren Errungenschaften zu prahlen. Die Kickstarter-Welle der letzten Jahre hat dieses Phänomen leider maßgeblich beschleunigt und nach vorne gebracht. Die Vorbestell-Boutique für Brettspiele hat den freien Investorenmarkt für ungewöhnliche und unerprobte Spieleideen mittlerweile so gut wie abgelöst.

Jetzt da die Convention-Saison langsam losgeht, wird auch vielerorts gestöhnt, dass es jedes Jahr zu viele neue Spiel gibt. Dass man sich gar nicht alles anschauen kann. Aber darin sehe ich eher die Chance Spiele endlich als alltägliche Gebrauchsgegenstände zu etablieren und nicht mehr ulkige Kuriositäten mit Kindercharme. Ich wünsche mir Spiele würden weniger als wertvolle Kunstobjekte für den Kenner oder kultiges Indie-Kleinod für den hippen Individualisten gelten. Stattdessen könnten wir Spiele doch auch als Hilfsmittel für Gemeinschaftlichkeit nutzen. So wie ein Ausflug mit der Familie, ein Abendessen mit Freunden oder ein Kinobesuch mit Kollegen.

Nichts davon sollte Luxus sein.