spielbar.com

Extremes Only / Priorities

Ein kleiner Softlaunch unserer #Spiel2026-Berichterstattung: Gleich zwei Spiele sind auf meinem Tisch gelandet, bei denen man Dinge in eine Reihenfolge bringt, also je nach Sprachgebraucht eine Tier List erstellt, eine Topliste bastelt oder schlicht rankt. Beides sind Neuheiten, beide werden in die Arena geworfen und -so viel sei vorweggenommen – nur eines davon wird in meiner Sammlung verbleiben.

Extremes Only

Autor: Kasper Lapp

Verlag: Korea Boardgames

Für 3-8 Personen ab 14 Jahren (weiß nicht warum man das nicht schon ab 10 spielen können sollte)

Spieldauer: 30 Minuten

Sprache zur Zeit noch Englisch und Koreanisch, aber spielbar auf Deutsch, wenn jemand -z.B. das Smartphone – die Kategorien übersetzt.

 

Priorities

Ohne Autorenangabe (sie wissen schon warum)

Verlag: Hasbro

Ab 2 Personen ab 14 Jahren (aus logistischen Gründen würde ich die obere Grenze bei 8 anlegen. Bei einer Vorauswahl der Karten auch ab 10 Jahren, Priorities Family ab 8 Jahren)

Sprache: Deutsch

Beiden Spielen ist gemein, dass eine wechselnde Person Dinge in eine persönliche  Reihenfolge bringt, sie also rankt, wie das so schön auf Neudeutsch heißt.

Karten von Priorities warten darauf gerankt zu werden.

Beim kooperativen Priorities sind dies schlichtweg Karten mit mehr oder weniger zufälligen Begriffen darauf. Das funktioniert so ziemlich genauso wie man sich ein kooperatives „Ordne zufällige Begriffe“-Spiel vorstellt: Einer ordnet, die anderen versuchen zu raten, was die Reihenfolge sein könnte. Die kreative Arbeit wurde vermutlich in erster Linie für die beiden alternativen Wertungsmöglichkeiten verrichtet: Bei der einen muss man nicht nur richtig ranken, sondern auch hoffen, dass man zufällig Karten mit den richtigen Buchstaben auf der Rückseite gezogen hat, bei der anderen wundert man sich, warum man bei diesem Spiel so viel rechnen muss, nur um dann eine Wertung á la „Hey, ihr habt wirklich gut geraten!“ zu bekommen. Etwas was man zu diesem Zeitpunkt auch schon vorher gewusst hat.

Beim kompetitiven Extremes only ist die Wertung einfacher, denn hier ist das Ranking nur ein Mechanismus, um eben jene Punkte zu verteilen – der Kern des Spieles liegt woanders. Hier gibt es keine festen Begriffe, sondern nur Kategorien wie „Fiktionale Waffen und Gegenstände, die ich gerne hätte“ (siehe Bild), „Zutaten mit denen ich gerne koche“ oder „Lieder die man der/dem Ex widmet“. Alleine in den Kategorien steckt mehr kreative Arbeit als in den Begriffen von Priorities, die zumindest in meiner Ausgabe wohl zu einem nicjt unerjeblichen Teil aus Twitter-Ragebait-Schlagwörtern generiert wurden. Zur gewählten Kategorie schreiben alle Nicht-Ordnenden Personen nun die Begriffe auf, die dann zu ranken sind. Das Ziel: Möglichst in den Top-3 oder auf den drei letzten Plätzen zu landen, denn nur dort gibt es Punkte. Das ist insofern ein genialer Kniff, als dass man eben nicht wissen muss, welche Superkraft die Person nun gerne hätte, sofern einem eine Anti-Superkräft einfällt, die niemand will(König Midas anyone?). In dieser Kreativ- Aufgabe liegt das eigentliche Spiel, das ordnen ist nur die Wertung.

Von oben nach unten fiktionale Waffen und Gegenstände (aus einer mehrsprachigen Runde)

Insbesondere ist das Ausdenken passender Kategorien auch die sehr viel interessantere Aufgabe, gegenüber der Entscheidung, ob jetzt die Deutsche Bahn mehr oder weniger nervt als Memes. Da zudem die Begriffe bei Extremes Only ja zur selben Kategorie passen, sind auch die daraus entstehenden Listen spannender und persönlicher – Wird mein Gegenüber eher Gandhi auf Geldscheine drucken oder sich selbst?

Würde man Spiele einzig und allein nach der Einstiegshürde bewerten, wäre Priorities ganz zweifellos das bessere Spiel: Es ist eine einfache Idee die -vielleicht außer der Wertung – so umgesetzt wurde, wie man es absolut erwartet. Es gibt praktisch keine Möglichkeit Priorities falsch zu spielen.  Es ist das ultimative Mass-Appeal-Spiel. Bei Extreme Only dagegen könnten ambitionierte Vielspielende die (wichtige) Regel, dass die ordnende Person Begriffe auch disqualifizieren kann, wenn sie nicht zur Kategorie passen, nutzen, um die eigenen Siegchancen zu optimieren. Wer schon bei Dito bedauert hat, dass man erst genau abklären muss, wann ein Synonym synonym ist, wird auch hier ähnliche Fragen fragen.

Auch wenn prominente Kritiker:innen-Gruppen anderes glauben mögen, ist die Einstiegshürde nicht der einzige Maßstab der Bewertung; Tatsache ist: Priorities ist deswegen so einfach, weil es eine Spielidee ist, wo Extremes Only ein Spiel ist. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass Extremes Only entwickelt wurde, um Spaß zu machen, während Priorities mit einer Schöpfungshürde im Nanometerbereich generiert wurde, um verkauft zu werden. Als Resultat produziert das eine Spiel Listen, über die man noch Tage danach spricht und das andere wirbt mit „Keine lästigen Kleinteile“ auf der Packung.

 

Peer Sylvester