Autor: Donald X. Vaccarino
Verlag: Alea
Für 1-5 Personen ab 14 Jahren (Vermutlich könnte man mit zwei Boxen auch bis zu 10 Personen bedienen, wenn man die Kartenstapel mischt. Außerdem sollte das Spiel auch schon ab 12 funktionieren)
Spieldauer: 45-90 Minuten (eher 30-60 Minuten)
Der Titel eines Spieles ist wichtig. Es ist oft der erste Kontakt mit dem Spiel und soll interessieren und idealerweise den Ton des Spieles setzen. Moon Colony Bloodbath versucht den absurden Humor des Spieles und das Thema Trash-SF zu transportieren, aber ich bezweifel ob das wirklich gelingt. Ich würde eher an ein Kriegspiel denken oder vielleicht noch an ein Splatterhorrorspiel . Hätte ich bei Alea etwas zu sagen gehabt, hätte das Spiel Good luck! Have fun! Dont Die! genannt. Den Titel habe ich mir ganz alleine ausgedacht. Ich bin Moe. Das ist mein Titel.
Good Luck!

Die Mondkolonie ist ein Deckbauspiel mit einem einzigen, gemeinsamen Deck. In dieses werden sukzessive mehr und mehr Karten reingelegt, manche gut, die meistens schlecht, ein paar ganz schlecht, gerade einmal vier lassen die Spielenden eine Handlung ihrer Wahl durchführen. Zwar sind von den Karte in der Regel immer alle betroffen, doch das Timing wann eine Karte auftaucht, ist ziemlich entscheidend -. Ein Gebäude auf meiner Hand schützt mich vielleicht vor einem negativen Ereignis, aber da nützt es wenig, wenn ich vorher keine Chance hatte es zu aktivieren. Und wenn’s ganz blöd läuft, zwingt mich ein anderes Negativereignis die Gebäudekarte aus meiner Hand abzuwerfen, bevor ich es überhaupt bauen konnte. Umgekehrt muss ich vielleicht eine Chance auf eine Sonderaktion verstreichen lassen, weil eine Karte, die mir die dafür nötige Ressource generiert nach der Karte mit der Sonderaktion im Deck lag und nicht davor.
Dont Die!

Erwähnte ich Negativereignisse? Ja, es gibt Negativereignisse. Eine Menge. Und sie kommen praktisch automatisch ins gemeinsame Deck. Am Anfang läuft alles noch tufte: Alles ist konstruktiv, alles flutscht, man wundert sich, dass alles so einfach ist, obwohl das Spiel doch so brutal sein soll, dass man so viel gebaut bekommt, mit so tollen Fähigkeiten… Und dann geht alles plötzlich und fast exponentiell schnell den Bach runter. Schuld sind Negativereignisse.
Die meisten Ereignisse dezimieren schlicht Bevölkerung – daher das erwähnte „Bloodbath“ im Titel. Dabei geschieht das so unblutig, wie etwa in Dragon Parks. Man gibt halt Marker ab. Hat man keine mehr, muss man Gebäude abreißen, die man so quasi gegen neue Marker eintauscht. Damit ist die Kolonie definitiv schwächer, denn das schicke Gebäude ist ja nun weg. Die Abwärtsspirale beginnt. Tatsächlich besteht ein wesentlicher Bestandteil des Spieles nicht darin, diese Spirale zu verhindern, sondern darin, sie zu verlangsamen oder zumindest ihren Start zu verzögern. Oder zumindest etwas länger aufzuhalten, als es die anderen am Tisch vermögen, denn bei Spielende zählt nur die überlebende Bevölkerung. Manchmal ist man sogar versucht, die Spirale für die anderen zu beschleunigen, wenn man sich etwas immuner sieht. Wer nicht am absteigenden Ast sägt, der werfe das erste Gebäude.
Have Fun!

Moon Colony Bloodbath zu spielen heißt, am Meer der Stille Sandburgen zu bauen, die zwangsläufig erst langsam und dann immer schneller zerfallen, während wir dabei zusehen und vielleicht ab und an einen kleinen Turm wieder aufrichten, eine Muschel vor eine besonders große Welle werfen: Alles was wir tun, ist irgendwie vergebens. Und ich denke mir, das ist nun mal der Lauf des Lebens Mal geht es dir schlecht, mal geht’s dir wieder gut, ich jedenfalls trage jetzt meistens einen Hut (Urlaub, 1983)
Dieser Fatalismus könnte sehr schnell sehr frustrierend sein, vor allem wenn man aufgrund von ein, zwei ungünstigen Kombinationen der Karten (siehe oben) unverschuldet in die Abstiegsspirale gelingt. Deswegen hat Vaccarino das Spiel als Spektakel angelegt: Man zieht den Kreisel auf und erfreut sich daran, wie er läuft. Das funktioniert gerade weil die berühmten Schmetterlingsschläge große Auswirkungen irgendwann später im Spiel haben können.
Auch das Thema hilft: Wir bauen eben nicht Mondbasis Alpha, sondern eher so eine Mondrumpelkammer Gamma, wobei „kostengünstig“ das entscheidende Element ist. Die Graphik mag im 50er-Jahre Retrostil gehalten sein, das Setting wirkt aber eher wie Muskischer Weltraumkapitalismus, mit frei drehenden Robotern, von denen niemand weiß, wie man sie abschaltet. Allerdings ist der Humor, der durch die Karten entsteht, wie bei vielen Spielen mit lustigen Karten (Ich habe fertig, Munchkin etc) nicht mit der längsten Halbwertszeit gesegnet, zumal sich die Effekte der meisten Karten sehr stark ähneln. Die Möglichkeiten einer Mondkolonie im Blutbadhausen sind begrenzt, damit sind auch die Möglichkeiten, wie diese verhindert werden überschaubar (Etwas seltsam ist daher, dass es zwar einen großen Stapel von „Twist“-Karten mit einzigartigen Karten gibt, aber dieser während der wenigsten Partien wirklich genutzt wird). Gewisse Wiederholungen sind die Folge und das ist für ein Spiel, dass nicht unwesentlich vom Zuschauen und Ergründen, was diesmal alles passiert, lebt, ungünstig. Moon Colony Bloodbath ist bereits ab Werk auf Erweiterungen ausgelegt, auf neue Staffeln, die noch wilder und unberechenbarer sind als die vorliegende Kolonie. Ich würde sie kaufen, den gelegentlich sehe ich gerne Mondbasen beim Zerfallen zu.
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