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Manila oder Macao, Hauptsache Italien

Wenn alles klappt und ich nichts mit diesem Beitrag “jinxe”, unterschreibe ich demnächst einen Vertrag für ein Eurogame, dass in den Philippinen spielt. Meine Frau ist von den Philippinen, insofern war mir das Spiel eine Herzensangelegenheit. Ganz ursprünglich sollte das Spiel während der “Conquista” (spanischen Kolonialzeit) spielen (auf Vorschlag meiner Frau übrigens), aber ich hatte immer Bauchschmerzen mit dem Thema und daher gab es eine thematische Anpassung auf die Vorkolonie-Zeit und die Entstehung der Barangays -quasi Königreiche-dort. Doch dazu später mehr, wenn die Realisierung sicher und ein Termin für den “Launch”, wie man das heute nennt, bekannt ist.

Weil mir das Spiel am Herzen liegt, kenne ich auch meine Grenzen und ich habe mit dem potentiellen Verlag vereinbart, dass die Graphik von Filipinos stammen soll. Zum einen bin ich zwar mit der Kultur verbunden, aber ja nicht selbst Bestandteil derer und ich finde es schon wichtig, dass Leute der Kulturkreise, dessen Kultur man darstellt auch daran teilhaben sollen, insbesondere auch monetär. Zum anderen möchte ich vermeiden, dass mir ein Schnitzer passiert, wie bei König von Siam, wo Richard und ich im Redaktionsprozess eine Provinz abänderten und den Namen wechselten – und einen Namen wählten, der zwar nicht falsch ist, aber wohl ein bisschen so, als hätte man für eine Stadt an der Elbe Stade und nicht Hamburg gewählt.

Manila BoxSolche Fehler sind aus mehreren Gründen ärgerlich. Ganz persönlich habe ich dadurch schlicht das Gefühl, meinen Job nicht zufriedenstellend gemacht zu haben. Setting gehört zu einem Spiel ebenso dazu wie die Mechanismen. Ich würde mich nicht damit zufriedengeben, wenn ein Mechanismus “so in etwa” funktioniert, genausowenig darf das Thema und das Setting nur so in etwa funktionieren. Und natürlich: Ich wähle das Setting ja nicht beliebig aus, sondern aus Gründen, z.B. um die Philippinen etwas zu ehren. Das sollte dann auch fehlerfrei geschehen und vor allem von Leuten aus dem Kulturkreis auch als Würdigung zu verstehen sein – und nicht als Aneignung, als purer Ausverkauf kulureller Werke.

Manilakarten
Die Schrift oben bedeutet “Manila”. Die untere? Keine Ahnung

Unter diesem Kontext hatte ich das Glück, dass am letzten Wochenende eine Philippinische Künstlerin bei uns zu Besuch war und ich mit Ihr über das Projekt, Spielenentwicklung und Philippinische Kunst sprechen konnte. Insbesondere auch über die traditonelle philippinische Schrift, die Baybayin – sie ist Spezialistin für diese Schrift. Unter anderen haben wir uns das m.W. einzige in Deutschland erschienende Eurogame angesehen, dass in den Philippinen spielt: Franz-Benno Delonges Manila (erschienen bei Zoch). Ich habe es lange nicht mehr gespielt, mich aber damals schon ein wenig über das Setting gewundert, insbesondere weil es vom Gameplay her eigentlich eine Art Wettspiel ist, was von der Art her eher nach Macau passen würde. Aber egal, das sind Interpretationen und vielleicht geht da auch mein eigener Bias mit durch. Was wir aber schnell festgestellt haben: Das Cover macht keinen sinn. Es zeigt (wie ich schon vorher festgestellt habe), nicht wirklich Manila. Sondern ist eine Mischung aus Palawan und Bicol. Das sind immerhin zwei Philippinische Gebiete aber zwei recht weit voneinander und auch jeweils von Manila entfernte Gebiete. Das ist so ein bisschen so, als würde das Cover eines Spiels namens “Hamburg” die Alpen und die Berliner Mauer zeigen. Es sind mehr die Vibes die transportiert werden, aber die sind halt “China” und weniger “Philippinen” (Das betrifft auch die Kopfbedeckungen und die Boote). Auf den Rohstoffkarten ist zudem Baybayan zu sehen. Einmal auf der Rück- und Oberseite, einmal auf der Unterseite. Der erste Schriftzug heißt schlicht “Manila”, was der zweite bedeutet konnten wir nicht herausfinden – die Spezialistin der Sprache meinte, die Zeichenkombi ergibt keinen Sinn. Auch ist einer der Rohstoffe Jade und zeigt einen kleinen Budda- den es auf den Philippinen zu der Zeit praktisch nicht gab. Das deutet wieder mehr auf Macau (bzw. China) hin. So sehr ich das dekorative Element der alten Sprache auch als kleine Verbeugung der philippinischen Kultur an der Stelle schätze, kann ich nicht umhin an die zahlreichen Japanischen oder Chinesischen Tatoos von Touristen denken, die alles mögliche bedeuten, aber nicht das, was die tragende Person denkt, was sie bedeuten.

Ich schreibe das nicht, um das Zoch-Team bloßzustellen. Immerhin ist das Spiel über 20 Jahre alt (wobei das “neue” Manila von Queen Games auf den ersten Blick auch nicht gerade gut recherchiert wirkt – das Boot ist definitv chinesisch nicht philippinisch, ich bin auch relativ sicher, dass es um Manila herum keine Reisterassen gab, ich habe mich aber nicht damit beschäftigt – ich besitze das Spiel nicht). Es ist aber wenn schon nichts anderes im Zuge der Internationalisierung der Spieleszene schon ein bisschen peinlich, wenn ein Spiel, dass nach einer Stadt benannt ist, diese Stadt nicht einmal einigermaßen korrekt auf dem Cover abbildet – und wir reden hier wie gesagt von Fehlern der Kategorie “Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien”. Das Setting wird so sofort stark verwässert. Bei Eurogames heißt es zwar oft, dass das Thema “austauschbar” wäre, aber diese Wahrnehmung kommt ja eben auch daher, dass sich die Themen und Settings nicht im Spiel selbst wiederfinden. Wenn dann nicht einmal die Gaphik stimmt, wie kann das Thema dann einen Einfluß auf das Spielgefühl haben? Ein gutes, passendes Thema kann die Spielathmosphäre erhöhen. Spielspaß entsteht aus verschiedenen Quellen und das konstruieren von thematisch passenden Narrativen gehört definitv dazu. Wer als Spieleschaffender diese Quelle bewusst versiegen lässt, tut einen Beitrag dazu, die falsche Wahrnehmung bezüglichen Themen in Spielen zu verstärken. Und grenzt nebenbei alle diejenigen aus, für die das Setting wichtig ist. Daher hoffe ich diese Fehler vermeiden zu können. Und bin so lange nervös, bis mir jemand bestätigt, keinen ganz schlechten Job gemacht zu haben.

ciao

peer

Peer Sylvester