Stars of Ilumeia
Autoren: Christian Peter Schäfer-Scheidtweiler, Stefan Scheidtweiler
Illustration: Lars Besten
Verlag: Ornament Games
1 – 4 Personen
120 – 180 Minuten
ab 12+ Jahre

Die Kernidee des Spiels ist, dass wir Sternbilder aus einer Kombination von Handkarten zusammenstellen. Diese Handkarten zeigen jeweils eine Konstellation von unterschiedlichen Sternen und Kometen sowie deren gedachter Verbindungslinien, wie wir sie von der Visualisierung von Sternbildern kennen (großer Wagen, kleiner Bär,…).
Allerdings möchten wir nicht einfach nur Sternbilder bauen, sondern diese so zusammenbauen, dass sie zu den sogenannten Prophezeiungen passen; das sind Aufgaben, für deren Erfüllung wir belohnt werden. Davon gibt es auf dem Spielplan 10 bzw. 11 Stück, fest aufgedruckt, bzw. variabel über Karten von Spiel zu Spiel veränderlich.

Wir sollen also ein visuelles Puzzle ausarbeiten und dabei möglichst viele Aufgaben erfüllen. Die Hauptbedingung ist dabei, dass ein Sternbild abgeschlossen sein muss, also keine offenen Enden mehr hat.
Viele der Nebenbedingungen verleiten uns dazu, möglichst große Sternenbilder zusammenzustellen. Hier dürfen wir uns jedoch nicht zu sehr verstricken, manchmal sind auch die kleinen Sternbilder zielführender.

Gespielt wird über 4 Runden, die sogenannten Zeitalter. Hier erhalten wir einen Grundvorrat an Handkarten, bilden eine offene Auslage für weitere Karten und legen die für diese Runde gültigen Prophezeiungen, also die Aufgaben, aus. Wir bekommen zunächst je Runde 5 Aktionsmarker, mittels deren wir die Spielzüge festhalten können. Im Verlauf des Spiels können wir uns weitere Marker für zusätzliche Aktionen erarbeiten.
Reihum führen wir dann jeweils eine Aktion durch, dazu zählen:
– drei verdeckte Sternenkarten nachziehen,
– eine offene Sternenkarte nehmen oder
– ein Sternbild aus Handkarten auslegen
Haben wir unsere Aktionsmarker verbraucht, sind wir nicht mehr aktiv beteiligt. Sollten die Mitspielenden jedoch noch weitere Spielzüge durchführen können, erhalten wir als Ausgleich eine Handkarte, die wir in die nächste Runde mitnehmen können. Ein sehr schön gelungener Aufholmechanismus, den ich gerne in anderen Spielen aufgegriffen sehen würde.
Am Ende einer Runde folgt dann noch eine kurze Aufräumphase zur Vorbereitung der nächsten Runde. Nach der 4. Runde erfolgt stattdessen direkt die Schlusswertung.
Jetzt ist die Frage: Macht das Spiel das gut? Insgesamt kann ich festhalten: ja. Jedoch müssen wir uns bewusst sein, dass wir hier kein nettes Familienspiel vor uns haben. Es handelt sich um einen sehr denklastigen Expertenkracher. Die zur Verfügung stehenden Aktionen je Spielzug sind sehr übersichtlich. Kein unnötiger Ballast. Aber die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind sehr weit gesteckt. Wir sollten dabei nicht davor zurückscheuen, Zusatzaktionen wie das Erneuern der Kartenauslage zu nutzen. Ansonsten habe ich es schon erlebt, dass man in einer Sackgasse landet und zu lange auf die “eine Karte” mit dem einen Sternenmuster, das doch so toll passen würde, wartet. Gleichzeitig ist es natürlich immens befriedigend, mal ein großes Sternenbild zu schaffen.

Richtig clever ist das Design der Spielkarten. Die mittig in groß aufgedruckten Sternenkonstellationen finden sich in den Ecken der Karten auch in klein wieder, so dass darüber in und mit der Kartenhand kräftig experimentiert werden kann.
Hervorragend ist auch die Spielregel aufgebaut. Die Struktur ist einem Expertenspiel angemessen und die Erläuterungen sind ausführlich. Allerdings liest sich auch eine gute Regel für ein Expertenspiel nicht in 20 Minuten. Die ersten Spielerläuterungen haben daher ca. 45 Minuten in Anspruch genommen.
Zurück fällt dabei die letzte Doppelseite mit der Regel für den Solo-Modus. Hier fällt auf, dass das auf zwei Seiten passen musste (sonst wären weitere vier Seiten für den Broschürendruck notwendig geworden). Das ist das schon ein wenig Bleiwüste. Die Struktur ist aber auch hier prima. Und wer das Mehrpersonenspiel dann schon gespielt hat, kommt auch mit den beiden Seiten für das Solo-Spiel bestens zurecht.
A propos Solo-Spiel: Hier wird kein komplizierter Bot eingesetzt, sondern ein eingängiger und zufallsgesteuerter Mechanismus gestaltet, der dem virtuellen Gegenüber in jedem Spielzug Karten in Sternbilder packt. Ich habe mich regelmäßig verprügeln und mit Schimpf und Schande vom Hof jagen lassen. Den Hauch einer Chance habe ich dabei nie verspürt. Das ist eine tolle Herausforderung für Solo-Spielende, hat mich zwischendurch aber auch dazu verleitet zu denken, dass ich gerne im Mehrpersonenspiel so spielen würde, wie der virtuelle Solo-Gegener das tut.

Das Erstellen der Sternbilder ist extrem befriedigend und macht Spaß; dennoch hätte ich mir gewünscht, dass der Weg dahin ein wenig vom Ballast des intensiven Denkens und Planens befreit worden wäre. Das war aber nicht die Intention des Spiels. Die variablen Prophezeiungen sind extrem gut aufeinander abgestimmt, so dass nicht rein zufällig eine Person ganz viele auf einmal abräumen kann, während andere nur einzelne bedienen können. Hier ist mit Sicherheit sehr viel Konstruktionsarbeit seitens der Autoren eingeflossen.
Fantastisch sind die Illustrationen im Spiel von Lars Besten. Einzig die Anordnung der Prophezeiungen auf dem zentralen Spielplan hätte ich mir etwas übersichtlicher gewünscht. Dafür, dass wir hier 10 bzw. 11 verschiedene immer im Blick haben wollen, hätte mehr Struktur in der Anordnung geholfen. Auch die Schachtel und ihr Einsatz sind hervorragend gestaltet. Überraschend, dass ein so umfangreiches Spiel so kompakt und logisch sinnvoll in eine Schachtel passt.

Also, für wen ist das was? Knobeln, Optimieren und das Zusammenstellen der Sternbilder mittels der Karten ist in dieser Kombination sehr herausfordernd. Wer nicht auf Kopfschmerzen steht, sollte also erst eine Probepartie wagen. Das Anordnen der Sternenkonstellationen gelingt mit ansatzweisem räumlichen Denkvermögen besser (auch wenn hier nur zwei Dimensionen gegeben sind). Auch das grenzt den Kundenkreis ein wenig ein. Gleiches giilt für die Spielzeit, die wir noch nie unter zweieinhalb Stunden drücken konnten.
Stars of Ilumeia ist jedoch definitiv etwas besonderes. In der Kombinationen der Mechanismen bietet es etwas wirklich Neues. Gäbe es noch den innoSPIEL Preis, ich hätte das Spiel wohl auf der Liste.
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