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And the Sylvester 2023 goes to

Es ist wieder soweit! Ein Spielejahrgang geht zu Ende und ich küre meine Lieblingsspiele aus dem letzten Jahr, wobei ich 2022 auch noch berücksichtige, wenn ich sie erst dieses Jahr spielen konnte; Das Trio aus Essen – Geburtstag – Weihnachten beschert einfach so viel neues, das einiges ins nächste Jahr rutscht.

Es ist komisch, ich hatte gedacht, dass ich dieses Jahr gar keinen so richtigen Überfliegen hätte (wann gibt es den auch schon), nicht zuletzt, weil Descent: Legenden der Dunkelheit mein intensivstes Spieleerlebnis war. Aber beim Zusammensuchen stelle ich fest, dass ich mehr wirklich gute Spiele gespielt habe, als ich hier erwähnen könnte. Aber einschränken ist ja gut, also die gewohnten Drei Preise und die Sonderpreise die ich immer schon vergeben habe, und die keineswegs nur für dieses Jahr erfunden wurden.

Also kommen wir zu den Preisträgern (alle Links führen zu Besprechungen auf der Spielbar, keine Affiliate Links):

Der Sylvester in Gold geht an KuZOOka von Leo Colovini, erschienen bei Pegasus

Der Sylvester in Silber geht an Infiltraitors von John und Liam Kean, erschienen bei Broadway

Der Sylvester in Bronze geht an Trio vom Kaya Miyano, erschienen bei Cocktail Games /Asmodee.

Der Sylvester Sonderpreis für das beste Rätselspiel teilen sich Stilleben (Lukas Setzke, Martin Student, Verena Wiecherns bei Noctis/Kosmos) und The Heist (Georgij Shugol, Igor Korotky, Alexander Krys bei IDVenture)

Und der andere ganz und gar nicht spontane Sonderpreis für das beste Stichspiel teilen sich 12 chip trick (root bei Mandoo Games) und Cat in the box (Muneyuki Yokouchi bei Pegasus)

Anfangs des Jahres gab es ein Spiel, dass wir bei fast jeder Runde mit eingebracht haben: Kuzooka. Im Prinzip ist Kuzooka eigentlich ein kooperatives Bluff. Aber das Wörtchen „kooperativ“ ändert tatsächlich hier alles. Plötzlich geht es nicht ums bluffen, sondern im Gegenteil, um das weitergeben von Informationen. Dadurch hat jede Runde ihre eigene Dynamik und auch jede Spieleranzahl erfordert leicht andere Herangehensweisen. Es ist eines der Spiele, in der die Spannung am Tisch so greifbar ist, wie sonst nur beim Liveticker einer SdJ-Verleihung (wo es mMn sträflich vernachlässigt wurde).

Meine Essenneuheit dieses Jahres wähle ich auf Platz 2: Auch Infiltraitors ist kooperativ. Außerdem ist es ein Deduktionsspiel, was sonst eher ein Nischengenre ist. Aber hier ist das Spiel so transparent und so, ja, spielerisch, dass ich es für das Deduktions-Äquivalent von The Crew halte. Deduktion für Jedermann. Und dabei auch noch spannend!

Trio ist vermutlich mein meistgespieltestes Spiel 2023: Es ist klein, es ist einfach und doch nicht trivial. Ein bisschen Merken, ein bisschen Deduktion und etwas Zock hebt es über den Klassiker SkyJo hinaus. Es begeistert mich vielleicht nicht ganz so wie die anderen beiden Titel, aber alleine die Tatsache, dass man es fast überall mit fast allen spielen kann, hebt es unter die Top Drei.

Stilleben ist das bislang beste Spiel aus dem Noctis-Verla, die logische Zuspitzung aus den vorherigen drei Spielen. Das etablierte Prinzip wird gekonnt weiterentwickelt, um einen dynamischen Raubzug in zwei Akten entstehen zu lassen – wirklich originell und topp! Und Appropos Raubzug: Auch in The Heist geht man auf einen solchen und auch dieser ist dynamisch (wenn auch ein Einakter, weil die Vorbereitung wegfällt). Der Clou ist, dass man per Telegram mit seinen „Teammitgliedern“ (eigentlich Bots) kommuniziert. Das ist eigentlich nur eine elaborierte Methode die Lösungen für die Rätsel abzufragen, aber sie lässt eine schöne Athmosphäre entstehen – als wäre man der Hacker, der Tom Cruise in Mission Impossible die Informationen zukommen lässt.

2022 hat eine neue Stichspielwelle gesehen, die sich bereit in den Jahren zuvor angekündigt hat. Entsprechend viel habe ich in diesem Jahr gespielt. Zwei Spiele haben es mir besonders zugetan, leider konnte ich beide bislang (aus unterschieldichen Gründen) nur einmal spielen: Da wäre einmal Cat in the box, bei dem man beim Ausspielen seiner Zahlenkarten festlegt, welche Farbe die Karte hat – mit Einschränkungen. Das Spiel schafft den spannenden Spagat aus „Ich muss etwas riskieren, um Punkte zu machen“ und „Wenn ich zu offensiv spiele, kann ich keine Karte mehr regelgerecht spielen und bekomme tonnenweise Minuspunkte“. Ich liebe das! 12 Chip trick ist ein Stichspiel für 3 Personen (mit Extraregeln für 2 und 4), dass mit Chips gespielt wird. Es gibt hier keine Einschränkung, welchen Chip man spielen will. Aber der Stichgewinner bekommt einen Chip als Auslage fest, die anderen bekommen gespielte Chips wieder auf die Hand. Wenn einer 4 Stiche gewonnen hat, dann wird die Gesamtsummer aller Chips bestimmt und nun sollte man nicht über 21 kommen, weil man dann raus ist – außer alle sind raus, dann gewinnt die höchste Summe. 12 Chip Trick fühlt sich an wie ein fieses Zockspiel. Man hat freie Auswahl (allerdings nicht immer beim Wählen der gewonnenen Chips) aber dennoch ist jedes Ausspiel knifflig. Ein perfekter Absacker!

Außerdem wollte ich unbedingt noch 21x (Leo Samson/Naylor Games), The same game (Wolfgang Warsch/Edition Spielwiese), Thunder Road Vendetta (Dave Chalker, Brett Myers und Restoration Games Team) und Return to dark tower (Restoration Game Team) erwähnen. Weil ich es kann.

21x ist ein mathematiches, herrliches nerdisches Blackjack. The same game ist ein kooperatives Partyspiel, mit dem schönen neuen Kniff, dass man versucht zu einem zufälligem Ding ein anderes Ding zu finden, dass sich in allen bis auf eine Kategorie unterscheidet, in der einen Kategorie aber möglichst gleich ist. Das schafft tolle Diskussionen und ich rechne zu diesem Zeitpunkt mit einer SdJ Nominierung. Restoration Games machen weiterhin tolle Arbeit: Ich war überrascht, dass Return to dark Tower erst 2022 erschienen ist und ich es erst dieses Jahr gespielt habe: Ein App-unterstütztes, kooperatives  Fantasyspiel, bei dem es ständig brennt – mehr Pandemie als Dungeon Crawler, aber ein Pandemie, wo man regelmäßig per kongenialen Kampfsystem Monster plätten muss. Leider exorbitant im Preis. Und Thunder Road Vendetta ist vielleicht die Überraschung des Jahres, ich hätte nicht gedacht, dass mit das zufällige Auto-Geprügel so viel Spaß macht – es ist aber sehr cineastisch, vergleichbar in der Hinsicht nur mit Vengeance und macht mir deutlich mehr Spaß als das ganz OKe Heat. Beide Restoration Games hätte ich auch in meine Top-3 wählen können, hätte Trio nicht meine Spieltische dominiert.

Auch meine Kinder durften wieder ihre Top-Drei benennen:

Malaya (11) wählt:Robo Alarm (keine Autorenangabe bei Schmidtspiele), Trio (siehe oben) und Challengers (Johannes Krenner und Markus Slawitschek by 1 More time / Asmodee)

Arwen (15) wählt auch Trio, Crazy Pilot (Matteo Cimenti, Carlo Rigon, Chiara Zanchetta bei Helevetiq) und ebenfalls Challengers, mit der Fußnote, dass sie Marble Bobsleigh (Justin Oh bei Gemblo) gewählt hätte, wäre es nicht bereits 2018 erschienen.

Robo Alarm ist ein Versteckspiel, bei dem einer sich eine maske auf dem Kopf setzt und mit der er alle 10 Sekunden für 1 Sekunde sehen kann. Die anderen müssen derweil Karten aus dem Raum klauen, ohne erwischt zu werden. Ein richtiges Aktionsspiel mit richtigen Bewegungen in einem richtigen Raum, bei dem man auch richtig außer Atem geraten kann also – potentieller (bzw, definitiver) Kinderspiel des Jahres-Kandidat. Challengers ist ein kleines, kaum beachtes Spiel, dass wir glücklicherweise rezensiert haben, sonst würde es vermutlich niemand kennen. Crazy Pilot ist ein schnelles, originelles Kartenablegespiel, die erste richtige Verbesserung von Ligretto. Und Marble Boblseigh ist zwar alt, aber sowieso völlig beknackt: Ein überproduzierter Reaktionstest wo man auf Kugeln pusten muss. Das beste Koreanische Spiel seit Coconuts.

Und nächstes Jahr freue ich mich endlich e-mission , RoboTrick und Persepctives ausprobieren zu können…und was alles sonst noch so erscheint. Mehr Aus- und Rückblicke vielleicht im Podcast nächstes Jahr ;-)

Guten Rutsch!

Peer

 

 

Peer Sylvester