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Jenseits des Tellerrandes: Delicious in Dungeon

Heute mal was anderes: Fernsehen!

Ich bin generell kein großer Fan von Anime oder auch Western Animation. Das ist einfach eine Filmform die mich nicht sonderlich anspricht, ich mag lieber „echte“ Darsteller. Wie das mit dem Geschmack so ist, heißt das nicht, dass ich alles, was Cartoon-ish ist ablehne, die Hürde, bis ich mir etwas, dass mir empfohlen wird, auch tatsächlich ansehe, ist halt deutlich höher.

Bei der Netflix-Serie Delicious in Dungeon ist das anders. Da wusste ich bereits nach einer Kurzbeschreibung, dass ich dieser Serie eine Chance geben muss! Es ist eine herrlich nerdige Serie über eine klassiche D&D-Truppe: Krieger, Zwerg, Halfling-Dieb und Elfen-Zauberin, die in einem klassischen Dungeon unterwegs sind. Dieses Setting ist auch die Ausrede der Grund, warum ich hier über die Serie schreibe. Doch einfaches Dungeon Crawling wäre für mich jetzt kaum ein Grund über die Serie zu schwärmen. Das liegt daran, dass die Serie (bzw. die Mangas, auf denen die Serie basiert), sich mehr Gedanken über Dungeons macht, als Gygax oder Arnesen es vermutlich je taten.

Der Einstieg ist folgender: Im Kampf wird die Schwester des Kriegers von einem Drachen verschluckt, just als ein Last-Minute-Rettungsteleportzauber losging und den Rest der Truppe an die Oberfläche beamte. Die Ausrüstung blieb zurück, aber der Krieger muss seine Schwetser befreien, bevor diese verdaut wird, damit sie wiederbelebt werden kann. Das Problem: Es ist kein Geld für essen da, also müssen die Monster unterwegs in den Topf wandern. Zum Glück treffen sie den Zwerg Senshei, der im Dungeon wohnt und ein ausgezeichneter Koch ist. Der bereitet Küchenschlacht-mässig die besten Gerichte aus den Monstern (basierend auf der japanischen Küche).

Die ersten Folgen sind vor allem witzig. Was sehr düster hätte sein können, wird hier leicht und locker präsentiert. Es hilft auch, dass Essen in Anime sehr lecker aussehen kann (und man könnte vieles wohl auch mit angepassten Nahrungsmitteln nachkochen). Doch nach einigen Folgen hebt die Serie ab. Zum einen weil man die Charaktere besser kennen lernt, vor allem aber, weil die Formel „Monstergericht der Woche“ gekonnt immer wieder variiert und gebrochen wird.

Nichtsdetsortrotz : Die Stärke ist das World Building. Der Dungeon in Delicious in Dungeon ist nicht einfach nur ein Dungeon. Er existiert in einer (Fantasy-) Welt und ist dort zum einen Wirtschaftsfaktor (Abenteurer ziehen in den Dungeon, auf der Suche nach Schätzen, die sie dann in der Stadt oben ausgeben) und zum anderen ein waschechtes Ökosystem. Ich will nichts spoilern, aber klassische Rollenspielmonster wie Mimics bekommen hier eine so realistische Erklärung, dass ich mich gefragt habe, ob ein:e Biolog:in beratent zur Seite stand. Auch der Dungeon Architektur (anscheinend ein Universitätsfach in dem Land, in dem die Serie spielt) und -logistikwird praktisch nebenher Rechnung getragen. Das ist nicht nur witzig, sondern auch herrlich nerdig.Das Konzept des Dungeons ist ja eigentlich sehr unlogisch und kaum eine Rollenspielrunde, die sich nicht gelegentlich darüber lustig macht. Ich kenne kein anderes Medium, dass dieses Konzept so überlegt bearbeitet – schon deshalb sollten alle, die Rollenspiele spielen, sich diese Serie antun. Man bekommt eine neue Vorstellung, wie D&D auch aussehen könnte

Aber es ist nicht nur der Nerd in mir, der von der Serie begeistert ist – In der zweiten Hälfte der Staffel kommt es immer wieder zu wirklich überraschenden Wendungen, Wendungen, wie ich ie lange nicht in einer Serie gesehen habe. Anders ausgedrückt: Delicious in Dungeon ist wirklich gut.

ciao

peer

Peer Sylvester