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So spielt man in Vietnam

In Ost- und Südostasien etablieren sich moderne Brettspiele immer mehr und flächendeckender. So konnte man auf der diesjährigen Spiel Verlage aus Südkorea, Japan, Thailand, Taiwan, China, und Singapur finden und auch wenn die Philippinen, Indonesien und Malaysia m.W. dieses Jahr keine Stände hatten, bildet sich auch dort eine Spieleszene heraus. Vietnam war dieses Jahr bereits im zweiten Jahr mit Everjoy Publishing vertreten und ich konnte mich mit An vom Verlag über Vietnam und Vietnamesische Spiele unterhalten – ich bin ihr zu großem Dank verpflichtet, was diesen Artikel betrifft!

Ähnlich wie in Japan, begann die Szene mit der Überlegung, die Kinder von digitalen Endgeräten fernzuhalten und wieder „analoge“ Spiele zu fördern. Wie oft begann alles mit dem Import von anderen Titeln, vor allem über Boardgames VN, aber auch Boardgame Viet. Zumindest Boardgames VN produzieren jetzt auch eigene Spiele und zwar unter dem Namen everjoy Publishing, die, wie bereits erwähnt, in Essen ihre Spiele vorstellten – oder genauer ein Spiel, und zwar eines, das nicht nur auf Vietnamsisch, sondern auch in Englisch verfügbar ist: Zodiac Rush.

Der vietnamesische Spielemarkt ist ein Boommarkt: Brettspiele sind ungeheuer erfolgreich. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Spiele eher leichter Natur sind. Zuc Zac z.B. ist ein Würfelspiel, bei dem man versucht Zahlenkombinationen zu erwürfeln, um Karten zu gewinnen.

Zuc Zac boxBesonders erfolgreich sind Spiele, die auf dem vietnamesischen Comic Lớp Học Mật Ngữ basieren, deren Protagonisten auf den 12 Tierkreiszeichen bestehen. Das neuste der Spiele Lớp Học Mật Ngữ: Siêu Thú Ngân H ist ein Monster-Verürügelspiel, mit der schönen BGG-Beschreibung „Nutzt Hühnerkeulen, um Monster in der Galaxis zu bekämpfen. In Lớp Học Mật Ngữ: Khu Rừng Kim Cương muss man Bäume  pflanzen und in Zodiac Rush Kisten sammeln, bevor die Stadt durch Meteroiten zerstört wird.

Zodiac Rush ist das meistverkaufteste Spiel in Vietnam und man sieht schnell warum: Optisch ist das Spiel total niedlich gestaltet (was auch an der Vorlage liegt), vor allem ist es aber sehr zugänglich. Die Regeln sind nicht sehr schwierig und werden vor allem durch einen kleinen Comic sehr stilecht eingeführt. Eine Schnellregel liegt auch noch bei, falls man gleich in media res gehen möchte. Das wünscht man sich auch hierzulande von Spielen (vor allem auch von einfachen Spielen). Das Spiel selbst ist eine Kreuzuing aus Roll&Move und Ärgerkartenspiel: Man läuft herum und sammelt Kisten ein und spielt Aktionskarten gegen die anderen. Dabei ist es durchaus clever, dass man in seinem Zug garantiert eine solche Karte bekommt; Viele Ärgerkartenspiele sind nicht zuletzt deswegen ärgerlich, weil einige Leute mehr Karten zum ärgern haben als andere. Der Glücksfaktor verhindert zudem, dass jemand das Spiel dominiert oder jemand chancenlos zurückbleibt. Jede Spielrunde wird mit einem Meteroiten beendet, der ein Geschäft (wo es die Kisten gibt) aus dem Spiel nimmt. Auch deswegen steuert das Spiel gegen ein Ende zu. Zodiac Rush mag einfach daherkommen, doch es erzeugt Emotionen. Meine Kinder (15 und 10) waren nach anfänglicher skeptisch jedenfalls sehr angetan von dem Spiel, gerade auch, weil es Raum fürs Ärgern und für Racheakte lässt (wie gesagt, bekommt man immer eine Karte, nicht alles sind allerdings Ärgerkarten). Dass alle ihr Sternzeichen spielen können und damit eine Sonderfähigkeit erlangen ist ein netter Bonus, der zusätzliche Identifikation bietet. Auch wenn es sicherlich keine Vielspielerkost ist, überrascht mich der Erfolg des Spieles keineswegs und meine Kinder sind gespannt auf weitere Titel der Reihe.

Der Glücksfaktor überrascht auch nicht, wenn man sich ansieht, dass XĂM HƯỜNG als traditionelles Spiel sehr beliebt ist. Dieses Spiel ist die lokale Variante des chinesisches Bo Bing Spiel, bei dem man versucht mit Würfelkombinationen Preise oder Figuren zu gewinnen. In Vietnam wird das schon mindestens seit dem 17. Jahrhundert gespielt und immer noch erscheinen sehr schöne Sets, wie dieses hier (auf das ich angemessen neidisch bin):

Die einzelnen Figuren sind die Figuren, die man durch Würfeln gewinnen kann, wobei es vor allem auf Viererkombinationen ankommt. In China wird das Spiel vor allem beim Mooncake-Fest gespielt, um Mooncakes zu gewinnen und es hat seinen Weg durch die ganze Region gemacht – insofern ist es kein Wunder, dass es auch in Vietnam gespielt wird. Auch wenn sich dabei die Story gewandelt hat und es jetzt um einen könoglichen Hof geht. Das Café Cafe Runam produziert jedes Jahr tradiotionelle Geschenkesets, darunter neben einigen Lottospielen (die Art, die man hierzulande von Kinder-Lotto kennt, die aber auch als Glücksspiel gespielt werden können) eben auch jenes XĂM HƯỜNG.

Vietnam ist insgesamt also ein hochinteressanter Boom-Markt, wieder mit einem sehr eigenständischem Spielegeschmack, in diesem Fall geprägt durch einfachere Spiele. Ich bin gespannt, wie es dort in den nchsten Jahren weitergeht!

ciao

peer

 

Peer Sylvester