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And the Sylvester 2020 goes to…

Äh, Ja.

Ich hatte schon immer beim Sylvester die Regel, dass auch Spiele aus dem Vorjahr berücksichtigt werden konnten, wenn diese in Essen erschienen sind und ich noch keine Gelegenheit hatte, die auszuprobieren. Ich ahne, dass ich nächstes Jahr diese Regel etwas strecken muss. Seit Anfang November hatte ich keine Spielerunde mehr, die nicht im Wesentlichen aus Kindern bestand und/oder mit aus mehr als zwei Personen bestand. Immerhin habe ich mehr im Sommer gespielt als sonst, ins Wasser gefallener Urlaub sei “dank”.

Aber ich will nicht meckern. Mir geht es gut. Ich habe einen stabilen Job und im unmittelbaren Familienkreis ist auch alles bislang gesund. Allen Escapismusgedanken zum Trotz sollte man ausgefallene Spieleabende in Beziehung zu dem setzen, was andere im gleichen Zeitraum erleiden mussten und müssen. Und selbst im Spieleland ging es mir gut: Einen Podcast ins Leben gerufen und 3 Spiele veröffentlicht sowie 2 Verträge unterschrieben (und ein weiterer in Aussicht) – Das ist schon positives. Und aufs Positive will ich mich einmal konzentrieren:

Der Sylvester in Gold geht an: The Kings Dilemma (Hjalmar Hach und Lorenzo Silva bei Horrible Guild)
Der Sylvester in Silber geht an Natsumemo (Kaya Miyano bei Cosaic)
Der Sylvester in Brone geht an Remember our Trip (Daryl Chow und Saashi bei Saashi&Saashi – Deutsche Ausgabe von dlp Games)

Der Sylvester in Gold sollte niemanden überraschen, der die verlinkte Rezi von Kings Dilemma gelesen hat – Es ist nicht nur das mein lieblingsspiel von diesem Jahr, sondern auch das beste seit Jahren. Kaum ein Spiel hat für mich eine so gelungene Verknüpfung von Mechanismen, Thema und Spielgeschichte. Es ist das einzige Legacy-Spiel, dass ich sogar zweimal (mit unterschiedlichen Runden) durchgespielt habe und ich besitze sogar eine weitere Ausgabe, die ich hoffe in ein paar Jahren wieder anzupacken. ´Nuff said!

Natsumemo ist ein Exot. Stand jetzt gibt es das Spiel nur auf japanisch (von Coleco) und Italienisch (von Fever Games). Es sollte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis das Spiel auch seinen Weg hierher findet – alles andere wäre auch eine Tragödie! Es ist ein Roll and Write im weitesten Sinne, aber sehr viel thematischer als alle anderen Vertreter. Es geht darum als Schulkind seine Ferien zu planen. Dazu werden Vorschläge in Kartenform aufgedeckt, der Zugspieler schlägt einen Tag vor (pro Tag nur ein Termin!) und dann entscheiden alle gleichzeitig ob sie mitmachen wollen (wobei auch der Vorschläger nicht selbst teilnehmen muss). Vorraussetzung ist natürlich ein freier Platz im Kalender. Für das Mitmachen gibt es Siegpunkte, wobei die Menge von der Anzahl der Teilnehmer und der Aktivität abhängt. Freie Termine werden zum Hausaufgaben machen genutzt und da man da nicht zu faul sein darf, sorgt das Spiel für absolut lustige Situationen: “Wer will mit in den Zoo am Donnerstag?” “Da ist doch Studiengruppe!!!” Mit anderen Worten: Nicht nur originell (“Blind Bidding” quasi als Zufallsmechanismus) sondern auch thematisch – und auch per Videokonferenz spielbar, wenn alle Zugriff auf ein passendes Google Doc haben.

Über Remember our Trip haben Georgios und ich schon während der Spiel digital im Beeple Radio geschwärmt. Wer es verpasst hat: Es ist ein sehr originelles Legespiel, dass auch thematisch witzig ist. Auf seinem Tableau muss man mittels Einschränkungen einen Stadtplan nachbauen. Wer zuerst bestimmte Gebäude fertig hat, bekommt Punkte und legt gleichzeitig fest, wo diese Gebäude auf dem Zentralplan stehen. Da es für Übereinstimmungen mit diesem Extrapunkte gibt, hat der schnellste natrülich einen Vorteil. Schön Puzzliges und auch witzig.

Honorable Mentions:

Über Furnace (Ivan Lashin beim Kobold Verlag) habe ich ja gerade erst geschrieben. Ich mag Versteigerungsspiele sehr gerne und ich knifflige und originelle Spiele. Dies ist herrlich puzzlig mit kniffligen Entscheidungen in jedem Zug!

Wer eine Gehirnmassage braucht, kommt um King Thief Minister(Javad Abdian, Mohammed Zarei, Reza Agharahimi, Sohrab Mostaghim bei Reality Game) kaum herum. Sechs Dinge im Kopf behalten, die hin und herrotieren und dann zuschlagen – das ist ein ziemlich einzigartiges Spielgefühl. Ich kann nicht sagen, dass ich das gut könnte, aber es hat mich immer wieder überrascht und das ist selten in einem Spiel.

Unter Vorbehalt habe ich hier Eine wundervolle Welt (Frederic Guerad beim Kobold Verlag) mit eingepackt – ich habe es nur einmal gespielt und da zu zweit. Aber die Partie hat mir schon sehr gefallen, obwohl ich schrecklich gespielt habe :-) Prinzipiell fährt die wundervolle Welt im Fahrwasser von 7 Wonders, konzentriert sich aber ganz auf den Rohstoffgewinn und die Konkurrenz darum. Da jede Karte entweder ein (dauerhaftes) Gebäude ist, dass gebaut werden kann (was u.U. mehrere Runden dauert) oder abgeworfen wird um einen Rohstoff zu gewinnen, mit dem eine andere Karte gebaut wird, konzentriert sich alles auf das Kartenmanagement. Hinzu kommen Mehrheitenboni für jeden der 5 Rohstoffe, die man natürlich auch gerne abgreifen will. Ich weiß mangelns Partien noch nicht, ob ich neben 7 Wonders und Paper Tales (wo ich mir gerade die Erweiterung besorgt habe) noch ein Drafting-Spiel brauchem aber der Ersteindruck ist prima :-)

Picto Rush (Edward Chan bei Goliath Games) erschien ursprünglich in Fernost als “Scribble Time” und als solches habe ich es lange gesucht. Zufällig habe ich dann gesehen, das Goliath Toys das Spiel gerade neu veröffentlich hat und gleich zugegriffen – Zu witzig die Idee: 20 Begriffe werden in etwa 20 Sekunden genannt und dann gibt es einen Test. Einzige Gedächtnishilfe: Man darf für jeden Begriff einen kurzen Dudel zeichnen – eben 1 Sekunde pro Begriff (plusminus). Das ist zu wenig. Und so hängt man bald hinterher und fragt sich: Was habe ich mit diesem Dreieck gemeint? Und wofür soll der Knäuel da stehen? Super Witzig – auch wenn die Ausgabe von Goliath redaktionell nicht gut ist und zudem der Fall, wer im Falle eines Fehlers antworten darf schlecht geregelt ist. Das Spiel ist dennoch ein Highlight und eines meiner meistgespieltesten Spiele dieses Jahr!

Auch die Kinder haben Ihre Lieblingsspiele benannt:

Arwen (12): Ninja Academy (Antoine Bauza, Corentin lebrat, Ludovic Maublanc Theo Rieviere bei IEllo)  vor MicroMacro: Crime City (Johannes Sich bei Edition Spielwiese) und Nebuta Beat (Nagisa Kujira bei Kujiradama)

Malaya (8) : MicroMacro vor Dodo (Frank Bebenroth, Marco Teubner bei Kosmos) und Krazy Pix (Sophia Wagner bei Ravensburger)

Ninja Academy ist eine witzige Minispielsammlung – so eine Art Mini- “Schlag den Raab”. Micromacro ist ein Krimiwimmelbild (siehe Rezi) und Nebuta Beat ist so eine Art “Kakerlakensalat mit Tanzen”. Also eines der Fehlervermeidspiele, nur dass es hier darum geht einen Reim zu singen und dabei herumzuhüpfen – aber eben nur dann, wenn man das muss.

Dodo und Krazy Pix bekommen beide in naher Zukunft eine Rezi von mir. Ersteres ist ein kooperatives Memospiel mit sehr nettem Gimmick, das für Stress sorgt und letzteres ein gelungener Vertreter des Genres “Dinge mit Krams darstellen”.

Für das nächste Jahr hoffe ich endlich meinen Sack japanischer Spiele ausprobieren zu können, den ich im Lockdown als Übersprungshandlung bestellt habe. Außerdem warten Pax Pamir und Der perfekte Moment auf mein kritisches Urteil. Am meisten freue ich mich aber vielleicht auf ein kleines Spiel: Den Sherlock-Nachfolger Instacrime.

Bleibt gesund und so!

Peer

Peer Sylvester

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