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And the Sylvester 2019 goes to…

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Natürlich verzichte ich darauf, die besten Spiele der Dekade auszuzeichnen. Die besten Spiele des Jahrgangs (der mit Essen 2018 begann) sind schon schwer genug. Wie man an meiner Top “3” sieht:

Der Sylvester in Gold geht an Q.E. von Gavin Birnbaum / Boardgametables

Der Sylvester in Silber geht an die gesamte Sherlock-Reihe von Francisco Gallego Arredondo, Martí Lucas Feliu, Josep Izquierdo Sánchez bei Abacus

Den Sylvester in Bronze teilen sich Kung Fu von Zong-Hua Yang bei Good Game Design und Cryptid von Hal Duncan und Ruth Veevers bei Osprey

Glückwunsch an die Beteiligten!

Q.E.” steht für “Quantitaive Easing” und das ist ein Begriff aus der Finanzwirtzschaft. Das Spiel hat damit eines der trockensten Themen, die man sich vorstellen kann. Zudem ist es ein rein abstraktes Versteigerungsspiel. Und dennoch habe ich selten in einem Spiel so gelacht wie bei diesem Spiel. Das geniale an dem Spiel ist Zweierlei: 1, scheidet der Spieler aus, der insgesamt am meisten Geld ausgegeben hat. und 2. Ansonsten gibt es kein Limit, was man ausgeben will. Es gibt kein Spielgeld in dem Sinne. Zudem ist das Spiel eine Art “Blind Bidding” – Nur ein Gebot ist bekannt, quasi als Orientierung. Nur der wechselnde Auktionator kennt alle Gebote. Dass es überhaupt funktioniert fühlt sich jedes Mal wie ein mittleres Wunder an. Und es funktioniert super – und fühlt sich sogar noch thematisch an: Wie bei echter globaler Wirtschaftspolitik ist es wuppe, was der einzelne absolut geboten hat, wichtig ist nur, was relativ zu den anderen geboten wurde – und das ist gerade vage genug um spannend zu sein und gleichzeitig konkret genug, um sein Gebot einigermaßen einschätzen zu können. Vermutlich das einzige Versteigerungsspiele, bei der in derselben Partie 60.000 und 666 MIllionen geboten wurden.

Über die Sherlock-Reihe habe ich schon mehrmals geschrieben. Nicht jeder Fall mag toll sein, aber das Konzept ist einfach klasse und intuitiv und immer für eine schnelle Partie zwischendurch gut.

Ich konnte mich beim besten Willen zwischen Cryptid und Kung Fu entscheiden: Ersteres ist ein anhezu perfektes Deduktionsspiel, dass in kleiner Besetzung absolut gehirnschmelzend ist und in großer Besetzung zum Wettspiel mutiert. Streng genommen eine Essen-18-Neuheit, habe ich leider es erst in diesem Jahr gespielt und es war lange Zeit meine Nummer 1. Kung Fu ist so ziemlich das Gegenteil: Ein kurzes Kartenspiel, dass man sogar ohne Drafting -Phase spielen kann, wenn man bock auf eine zehnminütige Prügelei hat. Es spielt sich schön flott und intuitiv und ist eine gute Umsetzung des Themas und bietet gleichzeitig genügend Tiefe, wenn man denn will. Beides Spiele, die ich absolut empfehlen kann und ich möchte keines davon aus  meiner Top-3 rauswerfen.

Honorable Mentions:

Twilight Imperium 4 ist ein super Spiel, es ist technisch gesehen auch auf Deutsch im letzten Jahr erschienen, aber als vierte Version wollte ich es nichr berücksichtigen. Aber auf meine Rezi will ich dennoch gerne verweisen.

In Punkto Kartenspielen hat mich Tricks and the Phantom vollends überzeugt (und ist auf der Zielgraden an Pikoko vorbeigezogen) – Oink Games weiß einfach wie man gute Bluffspiele macht! Dies ist fast so genial wie In a grove / Hattari  funktioniert aber in der Siegbedingung besser. Es bietet die richtige Mischung aus Bluff, Deduktion und Glück, dass es spannend aber nicht beliebig wird. Wieder ein Gewinnerspiel bei Oink (und das in dem Jahr, in dem ich ob Mr. Face und Nine Tile Panic beschlossen habe, nicht mehr alle kompromisslos kaufen zu müssen…)

Was klassische Eurogames betrifft war dieses Jahr wenig dabei, dass ich wirklich klasse fand, was auch daran liegt, dass ich eben mehr die 90er-style Euros mag als die modernen komplexeren. Von den letzteren hat mit Das tiefe Land am besten gefallen (von den wenigen, die ich gespielt habe), aber das war ja beim besten Willen nicht mehr aus diesem Jahrgang. Aber aus Fernost kam dann noch ein wirklich schöner, klassischer Euro, den ich bedenkenlos empfehlen kann: Electropolis.

Wenn man etwas mehr Zeit für ein Familienspiel hat und stört sich die Familie nicht daran, dass es ein paar Regeln gibt, so lange die jemand übernimmt, der ohnehin eine Sonderrolle im Spiel hat, dann haben wir gerne Mysterium gespielt – und dieses Jahr ist Treasure Island hinzugekommen. Etwas hakelig aber wegen des Systems absolut erwähnenswert.

Gloomhaven habe ich auch im ersten Halbjahr regelmäßig gespielt. Wäre ich bei Facebook, wäre mein Facebookstatus bezüglich Gloomhaven “Es ist kompliziert”. Es gibt vieles das ich mag, es gibt vieles dass ich nicht mag. Ohne Appunterstützungen hätten wir nach drei Partien abgebrochen. Mit Appunterstützung ist das Spiel gut, aber auch oft frustrierend, weil es hätte so viel besser sein können, wenn jemand etwas konsequenter geschnitten hätte. Keine Partie, wo ich nicht das System gelobt habe, kaum eine, wo ich nicht Designentscheidungen verflucht habe. Wie gesagt, es ist kompliziert.

Dieses Jahr habe ich zudem wieder meine Kinder gefragt, was denn ihre Lieblinge waren:

Arwen (11) nannte das wunderbar zielgruppenangepasste Hundreds of Horses, das schön ärgerliche Böde Kuh und -ganz aktuell – das neue Similo:Märchen als ihre Lieblinge

Bei Malaya (7) setzte sich LAMA und die narrativen Der Herr der Träume und Talisman: Legendäre Abenteuer durch – einer Rollenspielkarriere steht jetzt nichts mehr im Wege

Guten Rutsch!

ciiao

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Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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