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Dewan

Autoren: Johannes Goupy und Yoann Levet

Verlag: Space Cowboys / Asmodee

Für 2-4 Personen ab 10 Jahren

Spieldauer: 40 Minuten

Was ist ein gutes Einstiegsspiel („Gateway Game“) in unser Hobby? Wilmots Warehouse? Boss Fighter QR? Dito?

Natürlich hängt die Frage davon ab, wen man wie wozu bringen möchte. Ein starkes Thema kann zum Beispiel ein guter Türöffner sein – ich hätte wohl Schwierigkeiten gehabt ein recht langes Spiel wie Das Schicksal der Gemeinschaft meinen Töchtern schmackhaft zu machen, wenn es kein sehr thematisches Herr der Ringe – Spiel gewesen wäre. Aber dieser Weg steht nicht immer offen.

Wenn es darum geht, die Gemeinschaft am Spieletisch, die Freude des Miteinanders zu zeigen, ermöglichen die oben genannten Spiele genau das. Aber wenn es darum geht zu zeigen, warum es „unsere“ Spieleszene gibt und warum es Spaß machen kann über Würfel, Brett und Karten zu grübeln, sind die Spiele weniger geeignet. Sie funktionieren doch gänzlich anders und haben auch andere Spaßquellen. In

Hase und Igel box
 Ein Klassiker (Symbolbild)

meinen regulären Vielspielenden-Runden landet doch zumeist andere Kost auf den Tisch.

Es gibt einen Grund warum eher Catan, Flügelschlag oder Carcassonne als Türöffner genannt werden: Es sind vor allem gute Spiele, die zudem schnell vermitteln, warum es Spaß machen kann, sich mit diesen zu befassen. Die Regeln sind nicht nur eingängig, sie geben auch sofort eine Richtung vor – Wer diese Spiele erstmalig spielt, kann gleich loslegen und weiß worauf man spielen kann und warum die Überlegungen Spaß machen (können).

Dewan unternimmt nun den Versuch, ebenfalls als ein solcher Türöffner, als „Gateway Game“ zu dienen. Dabei gehen die Autoren glücklicherweise nicht den oft beschrittenen Weg, oft beschrittene Wege zu benutzen und einfach eine noch einfachere Wertung zu verwenden oder interessantere Aspekte rauszuschneiden, weil das Publikum, diese nicht verstehen könnte. Stattdessen steht ein einfacher aber doch relativ neuer Mechanismus im Zentrum des Spieles: Ausgehend von einer Hütte bauen wir irgendwo eine neue. Dabei muss nicht nur jeder Schritt, sondern auch der Ausgangs- und Endpunkt mit einer Karte bezahlt werden, die zudem farblich dem Untergrund entsprechend passen muss. Das klingt durchaus vage bekannt – man denke an Zug um Zug – aber das originelle hier ist die völlig Wahlfreiheit des Weges, die es erlaubt, den Weg an die Karten anzupassen statt umgekehrt. Zumindest ein bisschen. Da das Zielfeld frei sein muss, kommt ein potentieller Ärgerfaktor ins Spiel, der jedoch dadurch ausgeglichen wird, dass es in der Regel mehrere Alternativen gibt. Und wer ein fremdes Haus überfliegt, zahlt den entsprechenden Preis an die übersprungene Person. Da weht fast ein Catanisches Zusammensein über den Spieltisch, aber nur fast, denn natürlich vermeiden Krawallgebürstete diese Felder wie der Teufel das Weihwasser.

Von Hütte zu Hütte… bewegt man sich nicht. 

Der Mechanismus funktioniert deswegen für ein potentielles Einstiegsspiel, weil man schnell erfassen kann, wohin man eigentlich will: Ein paar Bonuspunkte liegen herum, aber vor allem gibt es gleich eine Auftragskarte und potentielle Wertungen und man möchte das alles haben und macht daher sofort schöne Pläne! Für diese Pläne braucht man Karten und die zu nehmen ist ein alternativer Zug. Hier gibt es die schöne Einschränkung, dass man immer zwei nebeneinanderliegende Karten nehmen muss. Und damit im Schnitt nur 50% der genommenen Karten so wirklich wollte. Und schon wird improvisiert und Pläne angepasst, auch weil jemand anderes den „eigenen“ Platz besetzt gehalten hat und vielleicht ist das andere Ziel jetzt doch attraktiver, wo man eine solche Karte auf die Hand bekommen hat…. Das ist flexibler als bei Zug um Zug, wo man gezielter sammelt und somit auf ganz bestimmte Verbindungen zockt. Mechanisch mögen die beiden Spiele verwand sein, auf dem Spieltisch spielen sich die beiden durchaus anders. Dewan ist weniger strategisch, auch weil das Tempo hochgehalten wird: Mit jeder gesetzten Hütte passiert was: Mal bekommt man zusätzliche Aufträge (die ihrerseits Bonuskarten generieren können), mal darf man sich einen Landschaftstyp für seine Aufträge sichern, ohne eine Hütte bauen zu müssen, mal endet das Spiel. Diese ganzen Ketten- und Bonusreaktionen wirken dabei nicht überfordernd, da das Material in vorbildhafterweise die Mechanismen unterstützt: Jede Hütte ist mit dem entsprechenden Bonus verbunden, der dann quasi sichtbar wird, wenn die Hütte weggenommen wird. Statt das Spiel simpler zu machen, wird nur die Einstiegshürde gesenkt. Das hat ja bei Catan (damals mit Losspielregel) schon mal recht gut geklappt, wie man so hört.

Auch gelegentliche Sondereffekte, die bei späteren Szenarien triggern können, sind absolut intuitiv ins Spiel eingebunden: Immer wenn eine bestimmte Anzahl Karten weg ist, wird der Effekt sichtbar und dann geht’s weiter. Knizia hat einmal gesagt, dass er versuch immer zwei Probleme mit einer Regel zu lösen, statt jedes Problem einzeln. Hier sieht man eine schöne Anwendung dieses Prinzips: Nicht nur sorgt der Mechanismus dafür, dass der Effekt nicht vergessen wird, die Verknüpfung mit dem Nehmen der Karten sorgt auch für einen taktischen Kniff: Das Spiel wird interessanter. Allerdings ist der Effekt der Kartensteuerung erst mit etwas Erfahrung wahrnehmbar, insofern ist es sinnvoll, dass die Sondereffekte für die späteren Spiele vorgesehen sind.

Tableau Dewan
Die Hütten unten lösen alle irgendwas aus.

Es sollte deutlich geworden sein, dass Dewan viel dafür macht ‑und auch richtig macht ‑  um das begehrte (?) Siegel des Einstiegsspiel zu bekommen. Spielerisch bietet es zudem durchaus auch die taktischen Knobeleien, die wir am Spieltisch zu schätzen wissen. Dewan ist ein guter Repräsentant. Diese Türöffnerspiele werden generell auch von Vielspielenden geschätzt und Dewan ist da keine Ausnahme. Allerdings ist das Spielprinzip schon sehr auf Tempo ausgelegt. Zug um Zug baut über die Spieldauer länger Spannung auf, alles läuft auf einen Höhepunkt hin. Bei Dewan geht es mitunter -gerade zu zweit – etwas zu schnell:Takataka-Taka-Taka-Taka-Fertig! Das Bauen von Hütten macht Spaß, aber das Spielende wird durch das Bauen von Hütten eingeleitet und so wirkt eine Partie bisweilen wie ein Speed-Run: Hauptsache eine Hütte bauen! Denn da gibt’s Boni, Krams, und niemand nimmt mir mein Ziel weg und außerdem kann man sich nicht wirklich leisten, das Spiel mit deutlich weniger Hütten auf dem Brett zu beenden als die anderen. Und so wirkt Dewan bisweilen etwas gehetzter als die genüsslichen Komplettbauer unter den Spielenden es vielleicht gerne hätten. Aber nicht jedes Einstiegsspiel muss ja auch gleich ein Klassiker sein.

Oh, den Titel spricht man übrigens Dee-wahn aus (und nicht etwa wie das englische „Tau“).

 

 

Peer Sylvester
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