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Blöde Kuh

Verlag: Drei Hasen in der Abendsonne
Autor: Florian Racky
Spieleranzahl: 3-6
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 15-25 Minuten

Nach meinem Artikel über Uno-Killer im Sommer bekam ich gleich mehrere Hinweise auf Blöde Kuh. Und mit Recht – Es ist klein, einfach und gemein, ergo: Uno-Killer!.

Wie bei vielen Uno-Killern geht es auch hier darum, seine Karten loszuwerden, denn damit beendet man die Runde und bekommt dann keine zusätzlichen Strafpunkte. Wie bei anderen Uno-Killern auch, haben die gespielten Karten auch hier Effekte: So zwingt das Schwein den Nachfolger eine Karte zu ziehen und das Pferd löst einen kleinen Draft aus. Die Blöde Kuh ist in der Tat blöde, zwingt sie einen doch, selbst eine Karte zu ziehen. Das ist wohl etwas was man vermeiden wird, sofern irgend möglich. Ist das möglich? Einen Moment Geduld bitte!

Anders als bei anderen Uno-Killern, rettet das Loswerden der Handkarten einen aber nicht immer: Böse Minus-Punkte-Tiere wandern von Spieler zu Spieler und treffen denjenigen, bei dem sie am Ende landen. So kann es durchaus inopportun sein, Schluss zu machen, obwohl man es könnte – wenn ich eine Tonne Minuspunkte kassieren würde, hoffe ich doch lieber, jemand anderes würde zumindest eines der Minustiere weiterjagen. Bewegt wird die fiese Fauna durch das Spielen eines entsprechenden Pärchens- Pärchen loszuwerden sind so doppelt gut, denn man wird zwei Karten los und nicht nur eine. Und man bewegt die Tiere eine Person weiter im Uhrzeigersinn, was gut ist, wenn man die dabei loswird, neutral, wenn sie auf der anderen Seite des Tisches umherwandert und ein Schuss ins eigene Knie, wenn man die dadurch selbst bekommt – außer man spekuliert darauf, dass jemand anderes eh noch ein passendes Pärchen spielt, bevor die Runde endet. Das kann funktionieren. Genauso wie man hoffen wird, beim Pferde-Draft einzelne Kühe entweder loszuwerden oder zum Paar zu machen. Auch das kann klappen.

Blöde Kuh fühlt sich durch die freien Ausspielregeln frisch an, obgleich es “nur” ein weiteres Kartenablegespiel ist, ist es doch tatsächlich bemerkenswert ungewöhnlich, dass man einfach irgendeine Karte ablegen kann und nicht an den Vorgänger gebunden ist. Ähnliches lässt sich über das Umherwandern der Strafpunkttiere sagen: Erst dadurch dass ein Spiel herauskommt, bei dem die Minuspunkte unabhängig vom Auslösenden Spieler bewegt werden – ja sogar diesen selbst treffen können! – bemerkt man, wie eingeschliffen die meisten Ärgerkartenspiele doch sind, bei denen Auslöser und Opfer immer direkt zusammenhängen (entweder, weil ersterer letteren aussucht oder weil immer der Nachfolger/Vorgänger getroffen wird). Damit schafft Blöde Kuh es gemein zu sein, ohne dass es böswillig wird. Unfälle passieren eben…

Uno-Killer sind sicherlich nicht das größte Kino in der Brettspielstadt; Es ist unwahrscheinlich, dass man in 10 Jahren noch über Uno Killer X sprechen wird. Sie sind aber die Spiele, die potentiell ohne jeglichen Wiederstand von irgendwen auf den Tisch kommen werden und Blöde Kuh war (obgleich keine echte Messeneuheit) das am meisten gespielte Spiel in der Postmessezeit in meiner Familie. Blöde Kuh bringt alles mit, was man von diesem Genre erwartet: Schnell gespielt, schnell erklärt, genügend Ansätze von Kontrolle, dass man sich einbilden kann, es könnte der bessere (=ich) gewinnen und die richtige Portion Schadenfreude, wenn das mal wieder irgendwie nicht geklappt hat. Das einzige, was sich Blöde Kuh vorwerfen lassen muss, ist dass es das Pech hatte, im selben Jahrgang erschienen zu sein, wie das noch einen Tick bessere und eben auch dank Nominierung in der Welt präsentere LAMA.

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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