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Messe – Der Tag danach

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Die größte angst etwas zu verpassen, habe ich nicht während oder gar vor einer Messe, sondern danach. Wenn dann Leute posten, was sie gespielt oder gekauft haben, denke ich schnell “Oh Gott! Warum habe ich das nicht mitgenommen!” Dabei bin ich zufrieden mit meiner Zurückhaltung – ich habe nur wenig, was ich gespielt habe, auch gekauft. Nicht weil die Spiele schlecht gewesen wären, sondern schlicht, weil ich schon sehr viele Spiele haben und ein neues Spiel mich schon überzeugen muss. Und wirklich hervorgestochen aus der Masse ist eben wenig – von Spiele die ich schon vorher kannte (wie Electropolis) einmal abgesehen. Was ich mitgenommen habe, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit demnächst in der einen oder anderen Form hier vorstellen – erwähnt sei deshalb nur City Blox, ein Bauspiel mit Lego-Klötzen, das sowohl Taktik als auch ein gewisses Auge benötigt und dass sich min. 3/4 der Spielbar-Crew unabhängig voneinander gekauft hat. Und dann ist natürlich da mein meistgespieltestes Spiel der Messe, dasss allerdings gar nicht in Essen verfügbar war, sondern mir nur aus den USA mitgebracht wurde: Hundreds of Horses – Prinzipiell Die Üblichen Verdächtigen nur mit Pferden statt Vorurteilen und so albern das ist, hat jeder beim Spielen ein Grinsen auf dem Gesichts. Und meine Kindern haben es gleich mehrmals am Stück gespielt, also: MIssion erfolgreich!

Bei so vielen Spielen kann man schon kaum noch von Trends sprechen, abei zwei Themen sind doch überdurchschnittlich präsent gewesen: Ökologische Themen und natürlich Katzen. Letzteres ist ein Symptom für die (nur langsam abschwellende) Welle der Roll and Writes – da kamen erste rein abstrakte Zahleneintrage-Spiele, dann Pentaminos und jetzt RnWs mit irgendwelchen Theman und da bieten sich Katzen eben an, da nicht sehr thematisch aber ansprechend gestaltbar. Ersteres finden wir vor allem in kooperativen Spielen, aber ich habe auch das eine oder andere Spiel gesehen, wo man um die Wette Tiere rettet. Wer jetzt an Fridays for Future denkt: Die Bewegung ist zu neu, um bereits zynische “Springen wir auf den Zug auf”-Produkte hervorzubringen. Aber es sind zwei Seiten derselben Medaille: Das Bewusstsein für Umwelt- und Tierschutz steigt in der Bevölkerung und nicht nur in Deutschland. Damit steigt auch die Anzahl der Spieleentwickler, die Umweltthemen umsetzen wollen – zumal diese gute Graphische Möglichkeiten bieten und so Aufmerksamkeit (z.B. bei Kickstarter) auf sich ziehen. Und als Thema gerade für Koops bietet sich “Die Welt retten” nun einmal an. Ich erwarte, dass der Trend anhält.

Die Messe selbst hat mittlerweile eigentlich nur noch dass Problem, dass sie schneller wächst, als die Stadt, in der sie stattfindet. Restaurants und Hotels sind um das Gelände herum voll, die Hotelpreise steigen schneller und höher als die Berliner Mieten. Ich habe schon Messebesucher getroffen, die jeden Tag aus Hannover gependelt sind, weil die Zugfahrt günstiger ist, als das Hotel. Innerhalb des Geländes merkt man wie professionell mittlerweile alles aufgezogen ist: Mehr Hallen, mehr Eingänge, mehr Foodtrucks (es könnten noch ein paar mehr auf den Freigeländen stehen). Hinzu lesitet sich die Messe mit der Educators Fair auch einen akademischen Anstrich, was der Messe guttut und das Messeangebot auf willkommende Weise ergänzt. Dann ein großer Saal für die Bloggerspähre am Meet and Play, der Kuchenverkauf #Brettspielcake für einen guten Zweck… Ja, die Messe wächst, aber sie entwickelt sich auch weiter. Da fällt es mir schwer, zynisch zu bleiben.

ciao

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Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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