Messesplitter – Peer

Eigentlich wollte ich heute über Spekulatiuskekse schreiben. Spekulatius gibt es jetzt überall zu kaufen, was mir sehr gefällt, denn ich mag die (In Indonesien gibt es die übrigens ganzjährig). Und wenn man Butterspekulatius kauft, fühlt sich das auch noch nicht so nach Weihnachten an.

Ich nehme aber an, dass sich über die gerade vergangene Spiel etwas mehr schreiben lässt. Dafür schreiben weniger Blogs über Spekulatiuskekse (heißen in Holland übrigens Speculaas). Vermute ich jedenfalls. Vielleicht gibt es eine Blogkultur über Spekulatiuskekse, mit Rezensionen der neuesten Marken, Podcasts-Diskussionen über Rezepturänderungen und Unboxing-Videos. Ich weiß es nicht. Ich bin aber ziemlich sicher, dass auch die größeren Spekulatiiusmessen keine 190.000 Zuschauer anlocken. Ja, dieses Jahr, waren mehr Leute auf der Spiel als je zuvor und die Ausstellungsfläche ist ebenfalls weiter gewachsen.

Aber was heißt das konkret?

Das heißt nicht einfach nur, dass die Messe jedes Jahr größer und größer wird, wie ein Hefekloß, sondern auch, dass sich das Hallenlayout jedes Jahr ändern muss. Dieses Jahr war die Rollenspielhalle am Ende eines Schlauches, eine echte Sackgasse und damit zum Teil etwas verlassen. Bis Samstag zumindest. Denn mehr Leute heißt eben auch: Mehr Gedränge. Praktisch jeder Platz am Samstag war besetzt. Daher immer wieder die Rufe nach einem zusätzlichen Tag – aber ganz ehrlich, von den Problemen für Kleinverlage (die oft nur 1-3 Helfer haben) ganz abgesehen: Viele, viele Spiele sind auch so ausverkauft. Mehr Tage bedeuten längere Gesichter. Ich kann mir allenfalls vorstellen, den Mittwoch auch offiziell zu einem Pressetag zu machen, an dem nur Fachpublikum und Presse Zutritt haben (analog Nürnberg).

Mehr Leute bedeutet leider auch eine Zunahme krimineller Energie. Vor zehn Jahren waren Ladendiebstähle noch das größte Problem, einzelnen Besuchern wurden Brieftaschen geklaut. Vorletztes Jahr gabs den ersten Fall, dass eine Kasse entwendet wurde. Letztes Jahr gab es schon einen versuchten Raub bei Schwerkraft und dieses Jahr scheinen mehrere Räuber unterwegs gewesen zu sein und haben mindestens zwei Kassen gestohlen. Ein Täter wurde gefasst – weitere Infos habe ich nicht. Ich vermute aber stark, dass nächstes Jahr die Security etwas hochgefahren werden könnte. Was nicht schlecht wäre, denn für viele Verlage kann ein solcher Raub den finanziellen Ruin bedeuten.

Eine größere Messe bedeutet natürlich aber in erster Linie positives: Mittlerweile trifft sich fast die gesamte internationale Brettspielszene in Essen und bietet so die einzigartige Möglichkeit Autoren oder Blogger aus aller Welt persönlich zu treffen. Für mich mittlerweile der Hauptgrund jedes Jahr zu fahren!

Vor allem aber geht es natürlich um Spiele und das werden immer mehr. Und es ist wirklich für jeden etwas dabei und wer Spiel X verpasst, kann Spiel Y entdecken – egal was man mag. Dieses Jahr gab es sogar Überraschungen bei Fairplay: Mit Belratti oder City of Rome hatte wohl niemand im Vorfeld gerechnet (Die üblichen Verdächtigen waren eher Coimbra, Lift Off, Carpe Diem etc.). Beide habe ich noch nicht gespielt, ich bin also gespannt, ob sich der Eindruck bestätigt…

Persönlich esse ich gerne Spekulatiuskekse, aber ich gehe nach wie vor gerne auf die Messe. Dieses Jahr war wieder keine Ausnahme. Und es hat sich in jeder HInsicht gelohnt: Ich habe viele, viele Leute getroffen und mit vielen davon gespielt (und dass Cole “Roots” Wehrle mir gesagt hat, dass er ein Fan meiner Spiele ist, war vielleicht mein Messehighlight). Ich habe Termine mit 4 Verlagen gehabt, die 5 und 7 Prototypen mitgenommen haben – und ein Verlag, mit dem ich am Mittwoch abend ein bisschen gequatscht habe, hat spontan ebenfalls einen mitgenommen. Wenn 1-2 davon zur Veröffentlichung führen, war es ein gutes Jahr. :-) Ich habe viel gespielt und einiges gekauft, wenn auch deutlich weniger als in den letzten Jahren. Das lag aber nicht unwesentlich daran, dass es immer weniger gibt, was ich noch haben müsste und das ich dieses Jahr fats nichts blidn gekauft habe. Aber es waren schon coole Spiele zu sehen und zu spielen, wo ich stellvertretend Crossroads of Heroes und First Contact nennen möchte. Optisch nehmen die Spiele auch immer weiter zu – das schönste Artwork hatte in meinen Augen A pleasant journey to Neko von Wood Games. Und meine Kinder freuen sich über Concept Kids.Das schrägste (gespielte) Spiel war wohl Sovjet kitchen, ein Appunterstütztes Spiel, bei dem man versucht die Farbvorgabe von Speisen zu erreichen, in dem man Karten spielt. Dazu muss man die Farben beschreiben, was bemerkenswert schwierig ist. Zudem sind einige der Farben “giftig” und zu viele Gäste dürfen nicht sterben, sonst ist das Spiel aus. Sehr schräges Thema und witzige Idee, aber leider spielerisch für mich nicht fesselnd genug… Aber ausprobieren sollte man es mal :-) Ich bleibe aber lieber bei meinen Spekulatius. Auch wenn die der Messe nicht das Wasser reichen können.

ciao

peer

 

Essen Previews

Aus verschiedenen Gründen habe ich eine Reihe von Essen-Neuheiten schon spielen können. Hier meine Ersteindrücke:

Alea: Carpe Diem von Stefan Feld: Prinzipiell weiß man schon was man aus der Kombination Stefan Feld/ Alea zu erwarten hat: Astreines Regelheft, altbackende, rein zweckmäßige Graphik, eine thematische Einbindung, die nur dazu dient, den Gebäuden Namen zu geben, aber auch clevere Mechanismen und potentiell herausforderndes Gameplay. Tonnen von Siegpunkte und eine Startspielerleiste, die enorm wichtig ist. Das alles trifft auch auf Carpe Diem zu – auch wenn die Graphik hier leider das Spiel erschwert (zwei Gebäude sehen sehr ähnlich aus), doch die Frage ist: Macht es denn Spass?
Nun, hier gibt es im Wesentliche zwei Mechanismen, die ineinandergreifen (sollen): Einen cleveren Wertungsmechanismus, bei dem man immer zwei nebeneinanderliegende Auftragskarten erfüllen muss (aber jede Kombination aus zwei Karten, immer nur von einem Spieler pro Spiel erfüllt werden kann). Und einen Legemechanismus, bei der man nach einem elaborierten Verfahren Plättchen legt und diese in seine Auslage einbaut. Leider ist dieser Teil etwas zu herausfordernd geworden: Zahlreiche Zwänge wollen beachtet werden, die aber m.E. die Sache nicht interessanter machen sondern nur schwerer zu überschauen und zum Teil auch einfach nerven. Oft kommt es zudem vor, dass bestimmte Plättchen benötigt werden, aber ob man da rankommt bestimmt zu einem nicht unwesentlichen Grad der Zufall bzw. die Mitspieler (letztere aber kaum gezielt). Dadurch ist man hier bereits so beschäftigt, dass man kaum vor Ablauf einer Runde auf die Wertung schielt. Dadurch laufen die beiden Mechanismen eher nebeneinander her als zusammen.
Carpe Diem ist kein schlechtes Spiel – das ist bei Autor und Redaktion auch nicht zu erwarten gewesen – es ist aber auch kein wirklich gutes Spiel. Es ist irgendwie einfach da. Das ist schade, denn das Potential wäre vorhanden gewesen.

Iron Games: Pandoria von Jeffrey Allers und Bernd Eisenstein: Mit beiden Autoren bin ich befreundet, daher ein kleiner Disclaimer. aber auch daher habe ich einen Prototypen spielen können. Viel hat sich seitdem wohl nicht mehr verändert, wenn ich mir das Video von Eric Martin ansehe. Wie Eric sagt, ist Pandoria ein ziemlich komplexes Legespiel, mit einigen Kniffs. Der zentrale: Du willst mit deinen Leuten Felder umzingeln, das bedeutet gleichzeitig aber auch automatisch, dass man selbst schnell umzingelt wird und seine Figur wieder vom Brett nehmen muss. Daher lebt man risikoreich und die Interaktion ist hoch. Diesen Mechanismus fand ich super! Drumrum gibt es ein Karten/Spezialeffektsystem, dass mir persönlich für eine erste Partie einen Tacken zu komplex war, aber zweifelsfrei gut funktionierte – Jeff hat uns ziemlich abgezogen. Ich denke, dies wäre ein sehr viel besseres Alea-Spiel gewesen als Carpe Diem und das soll als Lob für Pandoria verstanden werden! Das Spiel kann je nach Mitspielerverhalten total unterschiedlich laufen und bietet zudem genug randomisierte Effekte, dass der Langspielreiz hoch sein dürfte. Man hat es allerdings mit einer gewissen Einstiegshürde zu tun, aber die ist nicht höher als bei anderen “komplexen Euros” auch – und immer noch deutlich niedriger als etwas aus der Lisboa-Gewichtsklasse.

Hobby games:

Sunflower Valley (W. van Strien) ist ein ordentliches Roll ´n´Write für Fans des Genres. Hier eine Rezension.

Bronze von Konstantin Domashev spielt im Bronzezeitalter, aber zu sehr sollte man sich im Thema nicht verlieren – wir haben es mit einem an sich abstrakten Einsetzspiel zun tun, bei dem es um Siegpunkte geht. Das klingt nicht besonders, aber ich fands recht gut, weil das Spiel durchaus runde   Mechanismen bietet: Im Prinzip wählt man eine von vier Karten und baut diese in seine Auslage ein. Die Karte selbst, die Karten links und rechts daneben (sofern vorhanden) sowie alle Karten desselben Typs in derselben Spalte erlauben uns das Einsetzen eines Würfels auf das Spielbretts (Ja, ist abstrakt. Ich glaube es waren Siedlungen. Oder so). Die Karte gibt vor in welcher der 7 Reihen des Spielplans wir einsetzen dürfen und welche Felder (es gibt 3 Typen) verwendet werden dürfen. Der Twist: Man besiedelt von links nach rechts. Man darf vorweg springen, aber niemals zurück. Es geht erst einmal um das Bilden ununterbrochener Linien innerhalb eines der sieben Streifen und um Mehrheiten auf Spalten des Spielplanes. Ja, ist abstrakt. Aber knifflig, denn natürlich will man Kartenkombis nutzen, also oft dieselbe Karte legen. Aber viel Einszusetzen nützt nicht viel, wenn die Orte einem nichts bringen – wer immer in derselben Reihe baut verschenkt Punkte. Das ist schon einmal ein interessantes Dilemma. Das wird noch verstärkt, denn für jede der Streifen gibt es einen Spezialauftrag – wobei der erste im Streifen auch die erste Wahl hat. Jetzt müssen plötzlich bestimmte Felder besiedelt werden oder die Karten in der Auslage müssen bestimmten Bedingungen gehorchen etc. Im Laufe des Spieles kommen immer mehr Dinge hinzu, die man erreichen will, und das puzzlen wird immer kniffliger und spannender – zumal das Spiel recht plötzlich enden kann. Bislang nur zu viert gespielt, aber definitiv ein Spiel, mit dem ich mich noch mehr beschäftigen will und das vermutlich auch ausgezeichnet zu zweit oder zu dritt funktioniert. Rezension kommt dann irgendwann wenn ich das Spiel weiter ausgelotet habe.

Mind Fitness Games:

Quinque von József Dorsonczky hat zwar ein Fallschirmspringerthema, ist aber prinzipiell ein rein abstraktes Spiel – so wie Vikingdoms ein abstraktes Spiel mit aufgesetzer thematischer Einkleidung war. Es geht schlicht darum 5 Steine in einer Reihe zu platzieren. Der Twist ist hier, dass es kein festes Spielbrett gibt, sondern viele  Plättchen, auf denen jeweils 2×2 Steine Platz haben. Die Plättchen kommen nach und nach ins Spiel und können vor allem auch in gerader Linie an eine andere Stelle umgelegt werden. Dadurch wird das Spiel sehr dynamisch, denn es können ja so gleich mehrere Steine völlig woanders stehen. Die empfehlenswerte fortgeschrittene Variante schränkt diese Bewegung ein, so dass das Spiel etwas planbarer wird. Die große Stärke des Spieles, ist dass es schnell erklärt ist und auch herrlich flott geht – 15 Minuten Maximum. Allerdings endeten die Partien bei uns immer weil einer nicht aufgepasst hat (insbesondere, dass man eine Plättchenbewegung einfach rückgängig machen kann, mit dieser Bewegung alleine also nicht blocken kann), nicht weil einer überlegen gespielt hat. Das trifft nicht ganz meinen Geschmack und hängt natürlich auch von der Spielerfahrung ab. Für Fans des Genres ist Quinque sicherlich einen Blick wert, auch wenn es das Rad nicht neu erfindet.

Nun, Verona Twist (ebenfalls von József Dorsonczky) dagegen ist der Grund, warum ich mir Mind Fitness Spiele immer gerne ansehe: Absolut originelles Spiel (ich kenne kein vergleichbares) mit einfachen Regeln, bei dem das Hirn schmilzt. Es ist ein asymmetrisches Spiel, bei der beide Seiten dieselben Figuren bewegen können. Der eine Spieler (“Die Amme”) legt fest welche beiden der 8 Figuren Romeo und Julia in Verkleidung sind. Der andere Spieler (“Capolet”) muss diese enttarnen. Aber es ist kein Deduktionsspiel! Wirklich nicht! Keinerlei Deduktion! Vermutlich könnte die Amme vermutlich sogar verraten, um welche beiden Steine es geht und es würde sich recht wenig am Spiel ändern. Tatsächlich werden alle möglichen Kombinationsmöglichkeiten nach und nach automatisch entfernt, wenn diese nicht mehr zutreffen können – und Capolet muss innerhalb 7 Runden dafür sorgen, dass nur eine Kombi übrig bleibt, egal ob er die Lösung kennt oder nicht. Das funktioniert so: Der Spielplan ist in einen Innen- und einen Außenbereich geteilt. Die Spieler setzen abswechselnd einen beliebigen Stein, wobei jeder Stein in jeder Runde genau einmal bewegt werden muss (sofern möglich). Anschließend gibt die Amme bekannt ob sich das gesuchte Paar im selben Bereich oder in unterschiedlichen Bereichen aufhalten und alle Kombis, die nicht möglich sind werden entfernt. Capolet hat also ein Interesse daran, immer möglichst so zu ziehen, dass in jedem Fall möglichst viele Kombis aus dem Spiel gehen – mathematisch heruntergebrochen in dem möglichst genau die Hälfte der Steine ihren Bereich wechselt und die andere Hälfte nicht. Für die Amme gilt das Gegenteil: Wenn alle Steine in ihrem Bereich bleiben oder alle Steine ihren Bereich wechseln, werden keine weiteren Kombinationen entfernt. Später geht es dann oft um ganz bestimmte Steine, die in entgegengesetzten (oder gemeinsamen) Bereichen liegen müssen. Daher ist das Spiel kein Deduktions- sondern ein Positionsspiel. Da sich die Steine gegenseitig blockieren und jeder Stein pro Runde nur einmal bewegt werden darf, ist das Spiel unglaublich spannend. Ich freu mich Verona Twist hier vorstellen zu können, denn dieses Spiel ist ohne Zweifel eines, wenn nicht sogar DAS Highlight dieser Liste und ein Spiel, dass beim Spielen derart viel Hirnschmalz verbraucht hat es auf der lauten, stressigen Messe vermutlich schwer. Wer sich gerne das Hirn zerbricht – Kaufen!

Travellin´ von Eli Lester ist dagegen kein typisches Mind Fitness Game, sondern ein einfaches Kartenspiel, bei dem man durch Europa reist. Die Regeln sind simpelst: Karte ziehen (2 verdeckte oder eine offene), eine Aktionskarte spielen oder ein Land aus der Hand auslegen und Reisekosten bezahlen (Die hängen von der Entfernung zwischen dem zuletzt ausgespielten und dem aktuellen  Land ab) oder die Spezialfähigkeit eines ausgelegten Landes nutzen. Ziel ist es möglichst punkteträchtige Länder auszulegen. Man beendet seinen Zug in dem man eine Karte abwirft. Dieses Spiel ist ein merkwürdiger Mix: Einerseits versucht man die Länder geschickt zu spielen, so dass die Reisekosten nicht zu hoch werden, andererseits wollen die Aktionskarten richtig genutzt werden. Und da bin ich mir nicht sicher, ob das Spiel jetzt eher locker sein will – darauf deuten die witzigen Karten und viele “Take That”-Elemente hin (der Grund warum ich Travellin für kein typisches Mind Fitness Spiel halte) – oder doch für ein anspruchsvoleres Sammelspiel, worauf die konstruktiven Fähigkeiten, die Sonderfähigkeiten der Länder und das Reisesystem hindeuten. Der Mix macht es mir auch schwer eine richtige Runde zu finden: Für meine Kinder ist das Spiel noch einen Tacken zu anspruchsvoll (Laut Packung ist es auch erst ab 14), zumal die echt auch jedes Land auf der kleinen Karte finden müssen. Bei meiner regulären Runde ist der hohe Anteil an englischsprachigen Textkarten ein Problem, insbesondere in Kombination mit dem Gameplay, das etwas zwischen den Stühlen steht. Ich bin noch total ambivalent und muss es noch mal spielen, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Die gute Nachricht ist aber: Travelin´ ist definitv ein Spiel, dass man gut auf einer lauten, stressigen Messe mit Fremden probespielen kann, weil die Grundregeln so einfach sind. Und ihr kommt ja eh am Stand vorbei, wenn ihr Verona Twist kauft! Wenn ich eine Runde finde, bei der die Probleme meiner beiden anderen Testrunden nicht auftauchen * , werde ich wohl eine Rezi nachschieben – aber erst nach der Messe.

Frosted Games: Dies ist ja Matthias Verlag und daher nur kurz: Paper Tales hatte ich bereits letztes Jahr für sehr gut befunden. Trick ´n´Trouble ist eine neue Version von Familiar´s Trouble. Das kooperative Stichspiel für drei Personen habe ich letztes Jahr (?) mit Matthias gespielt. Jetzt hat er es rausgebracht. Mir hat es genauso gefallen wie ihm, ich mag aber auch Stichspiele wirklich sehr gerne und dies ist ein ziemliches typisches – nur eben kooperativ. Und das ändert alles.

Korea Boardgames:Nein, Eco-Links von Günter Burkhardt hat trotz ähnlicher Optik und Tierrettethema nichts, aber auch rein gar nichts mit Rescue Polar Bears zu tun! Das Thema von Eco-Link ist aufgesetzt und das Spiel absolut nicht kooperativ, sondern ein  Geschwindigkeitspuzzlespiel. Mich erinnert es stark an Friedemann Frieses Flickwerk/Turbo Taxi, da auch hier bestimmte (zufällige) Ecken verbunden werden wollen und alle Felder des Spielplans besetzt sein müssen. Diesmal sind es allerdings Hexfelder, die man legt und das Wegenetz ist etwas kniffliger. Das Wertungssystem ist auch etwas diffizieler als “Der schnellste gewinnt” – diesmal gewinnt der schnellste nämlich Siegpunkte. Und der zweitschnellste auch, wobei die Anzahl der Punkte durchaus nett über die Aufgabenkarten geregelt werden. Dennoch: Spielgefühl ist ähnlich; Ein Wettpuzzlen halt. Recht anspruchvoll, durchaus wie Flickwerk oder auch Ubongo. Hier besteht tatsächlich im Eifer des Gefechts eine reelle Möglichkeit, dass der eine oder andere wegen Fehler im System (z.B. müssen alle Wege verbunden werden) aus der Wertung fliegt. Ich bin nun ein großer Flickwerk-Fan und mag Eco-Links daher ebenfalls. Aber ich besitze Flickwerk eben schon und weiß nicht ob ich ein ähnliches Spiel in meiner Sammlung daneben noch brauche. First World Problems, ja ich weiß. Andere haben Flickwerk nicht, mögen aber Geschwindigkeitspuzzles. Diese anderen sollten sich die Eco-Link-Lage in Essen mal anschauen.

Queen Games:

Franchise von Christward Conrad ist eine neue Version des alten Pfeffersäcke, nur dass es weniger schön ist als das Original. Das gilt nicht zu Unrecht als klassischer Euro, der durchaus gut genug ist, wieder aufgelegt zu werden. Ich habe Pfeffersäcke schon ewig nicht mehr gespielt, daher verweise ich auf Luding.

Skylands ist eine Neue Version von The King of Frontier von Shun, nur das es weniger schön ist als das Original. King of Frontier hat ein bisschen einen Kultstatus unter einigen Amerikanischen Rezensenten, ein bisschen davon liegt daran, dass man es in Japan direkt bestellen musste, ein bisschen aber auch daran, dass es durchaus seine Qualitäten hat: Es benutzt einen Rollenmechanismus á la Puerto Rico (einer wählt, alle profitieren, aber alle anderen etwas schwächer als der Zugspieler) und kombiniert ihn mit einem Landschaftsbau, der an Carcassonne erinnert, aber mit Sondergebäuden und mehr Stadt. Mit der Erweiterung kommen weitere Spezialgebäude ins Spiel und die sind das Salz in der Suppe, sonst ist m.E. das Nachziehglück zu stark (meines Wissens ist diese Erweiterung bei Skylands bereits enthalten). Ich mag es als Absacker durchaus – aber jetzt auch nicht der absolute Überflieger schlechthin.

Expedition Luxor von Rüdiger Dorn ist übrigens eine neue Ausgabe von Raubritter und graphisch auf einem Level mit dem Original. Spielerisch mochte ich es früher sehr gerne, aber es ist schon sehr abstrakt und ich habe schon häufiger gehört, dass es auf Dauer nicht viel neues bietet. Ich spiele es alle paar Jahre mal und kann das daher nicht beurteilen. Wie gesagt, ich finde es immer mal wieder ganz pfiffig, aber ja, ich würde nachts auch nicht weinend im Bett liegen, wenn es das morgen nicht mehr gäbe.

Rudy Games: Ich mag es nicht, wenn bei einem Spiel keine Regel beiliegt, da ich eine Partie gerne vorbereite. Bei Lost Galaxy: The intergalactic Card game (keine Autorenangabe) liegt keine Regel bei, weil das Spiel appgesteuert daherkommt und diese ins Spiel einführen soll. Komischerweise konnten wir die Sprache nicht von Englisch auf Deutsch umstellen, aber das war nicht das größte Problem mit dem Spiel. Das liegt irgendwo zwischen einem Rundenbasierten Ligretto und Uno (Das Spiel nicht das Problem. Oder?): Wer dran ist, kann (wenn er kann) Karten auf Stapel spielen (wie bei einem rundenbasierten Ligretto, nur dass man sowohl auf- als auch absteigend legen kann). Wer die letzte Karte spielen kann (Quasi die Nummer 5), der bekommt den Stapel. Das bringt 5 Siegpunkte ein, ansonsten zählt jede Karte für ihren Besitzer gemäß ihrer Zahl. Das klingt vielleicht sogar noch interessanter als es ist, in der Praxis ist man sehr von seiner Karten abhängig und man wird in der Regel das machen, was man kann, denn das bringt Punkte. Und wer nichts macht, tauscht seine Kartenhand aus, weil er es muss. Wer also Pech hat und zwar gute Karten, aber die alle nicht legen kann, hat Pech. Hinzu kommen noch ein paar Aktionskarten á la Uno, inklusive des Klassikers “Setze eine Runde aus!”. Ja, sowas gibt es noch. Und die App? Die sorgt als Timer, denn man muss eine feste Zeit lang spielen, bevor man aufhören darf und der Sieger ermittelt wird. Dadurch könnte man besonders schnell spielen, wenn man möchte dass man häufiger dran ist und theoretisch gar nicht spielen, wenn man gerade führt. Zum Glück macht das kein anständiger Spieler, aber die Möglichkeit alleine ist schon etwas fragwürdig. Außerdem sorgt die App für ein paar Spezialeffekte, aber die haben so minimalen Einfluss auf das Spiel und sind so größtenteils so unoriginell, dass die nichts rausreißen können. Kaum ein Spiel ist dieses Jahr so bei uns durchgefallen wie Lost Galaxy. Schade um die recht schicken Karten.

Oink Games: Gilt Moneybags (Jun Sasaki und Yoshiteru Shinohara) als Essenneuheit? Keine Ahnung, bei Oink weiß man nie, wann was wo offiziell erscheint. Das Spiel ist orginell: Prinzipiell werden Metallmünzen (und ein Diamant) auf Geldsäcke verteilt, von denen jeder einen bekommt. Niemand darf in die Säcke reinschauen. Wer dran ist kann passen, den Sack zumachen (und damit aussteigen) oder -und das wird man am häufigsten tun – von jemand anderem klauen. Tut man das, so darf man sich geheim beliebig viele Münzen nehmen. Aber: Der andere darf – wie etwa bei Bluff – anzweifeln. Und wenn der Dieb mehr Münzen in seinem Beutel hat, als der Bestohlene, muss er seinem Opfer alle Münzen geben und ist raus! Umgekehrt muss jemand, der zu Unrecht anzweifelt dem Angezweifelten seine Münzen schicken – und so hat auf jedem Fall ein Spieler einen Sack voll Geld und ein anderer ist raus. Nur: Das ganze ist nicht nur ein Bluffspiel: Die Münzen sind schwer und so kann man am Gewicht abschätzen, ob der Sack stark zu- oder abgenommen hat. “Gewicht schätzen” ist ein revht selten verwendeter Mechanismus… Da Spieler ausscheiden und auch ein bisschen was passieren muss am Tisch, ist Moneybags eher ein Spiel für größere Gruppen (5 oder 6) – es ist ein durchaus lustiges Spiel mit viel Table-Talk. Ich mag es aber nicht so sehr wie Troika oder Startups und nicht so sehr wie ich es gerne würde. Vielleicht liegt es daran, dass die Spielverläufe schon sehr ähnlich sind. Dennoch kein Spiel von dem ich mich trennen wollen würde, dazu ist es zu originell – und ja auch schnell ausprobiert. Einen Blick auf der Messe ist es allemal wert.

Helvetiq:

Helvetiq-Spiele sind überwiegend cool gestaltet, haben oft angenehm platzsparende Verpackungen und sind ein bisschen “Hit & Miss”. Das gilt auch für die beiden Neuerscheinungen Kartel und Kariba  von Reiner Knizia (Die drei Essen-Neuheiten Winston, Haute Fondue und Deal Maker lagen mir noch nicht vor). Beginnen wir mit dem “Miss”, obgleich das Label vielleicht für Kariba etwas zu hart ist. Immerhin ist das Spiel ein Knizia! Kariba ist ein kleines Kartenspiel, bei dem man immer Karten einer Sorte ausspielt (mindestens eine, aber man darf auch mehr ausspielen). Die Karten kommen gemäß Zahl an einen Kreis. Liegen anschließend mindestens 3 Karten an derselben Zahl, so bekommt der Spieler alle ausliegenden Karten an der nächstniedrigeren Stelle, wo überhaupt Karten liegen. Die 1 darf nur die höchste Stelle abräumen, wenn denn dort etwas liegt. Das its durchaus etwas tricky, denn wer mehrere Karten an eine Stelle platziert, der erlaubt natürlich jemand anderen genau diese Stelle abzuräumen. Kann man selbst nichts sinnvolles machen, dann kann man durchaus eine einzelne Karte spielen, um zu verhindern das jemand anderes viele Karten bekommt (man bekommt nur die Karten an de nächstniedrigeren Stelle). Insgesamt war das Spiel aber etwas zu banal um wirklich interessant für uns zu sein und emotional nicht packend genug für einen wirklich guten Absacker. Ich musste die ganze Zeit an Skyjo denken, auch wenn die Spiele eigentlich nicht viel gemein haben – aber Skyjo bedient dieselbe Zielgruppe und spielt sich besser. Also kein echter “Miss”, sondern eher ein Schulterzucken.

Dagegen gefällt mir Kartel recht gut. Dies ist ein Lauf/Sammelspiel und hier merkt man Knizias Handschrift deutlich! Das Spiel ist leicht: Man würfelt und setzt vor (wobei die gewürfelte Zahl die maximale Zugweite angibt, man darf also auch weniger weit setzen). Dann nimmt man sich den Chip auf dem man gelandet ist und der nächste ist dran. Chips zeigen entweder 1-3 Ganoven oder 3 Geldsäcke oder einen “Boss”, jeweils in einen von sieben Farben. Wird ein Boss genommen, wird er ins Gefängnis gesteckt, der Spieler geht in diesem Zug also leer aus – aber: Die Ganoven werden nur dann 1:1 in Siegpunkte umgewandelt, wenn der Boss bei Spielende im Knast sitzt – das Spiel endet aber beim fünften Boss, so dass zwei Farben keine Punkte bringen! Und das zu kontrollieren könnte den Zugverlust wert sein…  Bei den Geldchips ist es umgekehrt: Sitzt der Boss im Gefängnis, zählen diese Null, sonst 3 SP. Im Prinzip wettet man also beim Laufen auf Farben, wobei die Zugweite einen natürlich einschränkt. Manchmal sollte man auch die Mitspieler im Blick haben, denn die haben je nach Chips vielleicht Interesse an einem Boss und man kann sich dann da anhängen. Zudem wird der Weg ja immer kürzer, wenn Chips weggenommen werden, so dass ein schon übersprungener Boss durchaus nicht immer sicher ist – was auch davon abhängt, ob die Spieler die anderen Bosse nicht vielleicht ebenso überspringen. Kein Spiel mit dem ganz großem Tiefgang, aber wirklich pfiffig und mit einer sehr kurzen Spieldauer, die durchaus “Nochmal!” schreit – auch weil Kinder schon noch eine Partie brauchen, bis es geklickt hat. Die Regeln sind zwar einfach, aber die Wertung mit ihren Implikationen zu verstehen erfordert schon ein bisschen Spielerfahrung. Ein typischer “leichter” Knizia, den ich durchaus auch in meiner regulären Runde als Absacker auf den Tisch legen kann.

Osprey Games: Nur kurz, weil ich ja ich ja Geld vom Verlag bekomme:  Fountain of Youth, die Erweiterung von Lost Expedition, erscheint natürlich. Und Wildlands von Martin Wallace, von dem ich nur die Regel kenne – es ist ein Prügelspiel, bei dem man gewinnen kann, wenn man Gegner plättet, aber auch wenn man Steine aufsammelt. Dadurch ist dieses Tabletop-ähnliche Spiel für bis zu vier taktisch recht interessant. Zudem hat jede Fraktion ihr eigenes Deck und damit potentiell sehr unterschiedliche Stratgien zur Verfügung. Wie taktisch oder wie glücksabhängig das Ganze ist, lässt sich aus den Regeln natürlich nicht ableiten.

Schmidt: Auch von Schmidt bekomme ich Geld (für Stadt, Land, Fluß Extreme), daher ebenfalls ein kleiner Disclaimer. Ich habe Brikks (von Wolfgang Warsch) alleine gespielt, also solo quasi. Das macht nicht viel, denn Brikks ist eines dieser Roll ´n´Writes ohne Interaktion, bei denen jeder eh vor sich hinpuzzelt (Das war kein Werturteil meinerseits). In diesem Fall spielt man Tetris. Die beiden Würfel bestimmten Stein UND Ausrichtung und den baut man (wie bei Tetris) ein, mit dem Ziel möglichst viele lückenlose Reihen zu schließen und das möglichst auch noch auf einmal (wegen Bonuspunkten!). Außerdem gibt es Bonuspunkte wenn man bestimmte Felder mit bestimmten Farben überdeckt. Bonuspunkte bringe, nunja, Punkte, aber auch die Möglichkeit den Stein zu drehen (gleicher Stein, andere Ausrichtung) oder gar einen beliebigen Stein zu setzen, was man aber wohl eher nur machen sollte, wenn sonst gar nichts mehr geht oder wenn der große Punkteregen lockt. Also ganz “Tetris mit Würfeln”. Wie Glücksabhängig das ganze ist, vermag ich noch nicht einzuschätzen. “Ziemlich”, würde ich jetzt erst einmal sagen, aber das muss nichts schlechtes sein. Bei meinen Punkten war jedenfalls noch eine Menge Luft nach oben, was nicht nur an den Würfeln lag – insbesondere lohnt es sich die Farben mit den Steinsorten zu korrelieren, ich habe mich da ein paar Mal selbst verbaut, weil der Stein in der Farbe gar nicht mehr passen konnte. Auch der richtige Einsatz der Hilfsoperationen “Drehen”, “beliebiger Stein” und (3x einsetzbar) “Gar nicht setzen” ist glaub ich Übungssache. Und auch das Punktebalancing zwischen “vollen” und “fast vollen” Reihen und Überdecken von Punkten will gelernt sein. Lange Rede, wenig Inhalt: Wenn der Gedanke eines “Würfel-Tetris ohne Interaktion” gut klingt: Man bekommt genau das! Kompetent designed!

Ich bedanke mich bei Mind Fitness Games, Hobby Games, Rudy Games, Helvetiq  und Korea Boardgames für die Voarbexemplare!

Viel Spaß auf der Messe!

ciao

peer

 

*(*hüstel,. Georgios, *hüstel)

026 Brettspielradio Beginn von Staffel 2

avatar Jürgen Karla

Endlich geht der Sendebetrieb des Brettspielradios wieder los. Nach beruflich intensiven Monaten freue ich mich nun auf Staffel 2 des Brettspielradios. In dieser sehr kurzen einleitenden Episode erzähle ich ein wenig von dem, was im kommenden Herbst 2018 passieren wird. Außerdem würde ich mich über eine Teilnahme an einer Postkarten-Aktion freuen:
Schickt mir Eure Geheimnisse, Erlebnisse oder einfach eine Erzählung von etwas Besonderem, was Euch rund um Brett- und Kartenspiele passiert ist zu. Und das ganze als Postkarte! So richtig analog. Wie früher. Und gerne anonym. In kommenden Episoden des Brettspielradios berichte ich dann von dem, was mich postalisch unter der folgenden Adresse erreicht hat:
Brettspielradio
Jürgen Karla
Anna-Klöcker-Str. 13
52134 Herzogenrath

00:00:00 Intro
00:00:23 Beginn von Staffel 2
00:08:28 Outro
00:09:07 Insider

Datum der Aufnahme: 3. September 2018
Online seit: 3. September 2018

Shownotes

Wer das Brettspielradio unterstützen möchte: Die Freude ist groß, falls ihr den Podcast bei iTunes rezensiert oder bewertet. Für alle jene, die kein iTunes verwenden, gibt es die Plattform Panoptikum, auch dort kann eine Empfehlung ausgesprochen und bewertet werden, aber auch ein eigenes Podcasthörerprofil erstellt werden.
Ganz toll ist natürlich auch, falls Ihr Euren Mitspielern vom Brettspielradio erzählt.

Über das Brettspielradio:
Das Brettspielradio findet sich unter dem folgenden Link. Ziel ist es, kurze Episoden rund um Brett- und Kartenspiele zu machen, häufig mit dem Fokus auf die Menschen, die hinter den Brettspielen stehen.
Brettspielradio – Der Brettspiel-Podcast von spielbar.com:
https://www.spielbar.com/podcast

Auf neue Episoden wird regelmäßig auf Twitter hingewiesen
spielbar.com auf twitter:
https://twitter. com/ spielbar_com

Natürlich findet sich das Brettspielradio auf den bekannten Plattformen für Podcasts, insbesondere iTunes
Brettspielradio auf iTunes:
https://itunes.apple.com/us/podcast/brettspielradio-mp3-feed/id1277686061

aber auch über panoptikum.io ist das Brettspielradio erreichbar.
Brettspielradio auf panoptikum.io:
https://panoptikum.io/podcasts/24511

Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
Quelle:
A Wee Tipple von Scott Holmes

Liebe und Hass sind beides Spieler

Der Uli Blennemann kann gut schimpfen und sich freuen. Er jubelt für seinen Eishockey-Verein und schimpft über die Fußballvereine, welche in seinen Augen die falschen sind. Und er schimpft über die SPIEL in Essen. Nicht weil er die Messe nicht mag, aber er mag diese Art von Messe wohl nicht. Wobei schimpfen ist verkehrt. Er mag wohl einfach nur seinen Unmut äußern. So erkläre ich es mir.

Ich habe schnell gelernt, dass es verschiedene Arten von Messen, Events und Conventions gibt. Auf der einen Seite sind die großen fast schon anonymen, für mich persönlich nur noch auf Meetings und Verkauf gestalteten, wie die SPIEL in Essen, die Spielwarenmesse in Nürnberg oder auch vergleichbare Veranstaltungen. Auf der anderen Seite sind die kleinen Veranstaltungen wo es vor allem ums Spielen geht. Da wären Ratingen, Willingen, Braunschweig oder Baesweiler genauso erwähnenswert wie die BGG.CON in Dallas oder Leiria in Portugal, wo ich dieses Wochenende bin.

Ich kannte am Anfang auch nur die SPIEL und ich habe sie genossen. Sie war allerdings schnell groß und Spielen war oft nicht mehr vernünftig möglich, aber ich mag sie. Ich mag es Alle zu treffen und gerade abends in Ruhe mit Freunden abzuhängen und was zu spielen oder einfach nur zu quatschen. Die SPIEL wird immer größer und das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Der größte Nachteil für mich: Ich treffe viele nicht mehr. Man sieht sich nicht, verpasst sich oder übersieht sich. Nürnberg ist dagegen schon ruhig. Vielleicht zu ruhig.

Ich habe mit Oberhof vor ein paar Jahren eine andere Art von Con kennengelernt, die ich schon lange nicht mehr kannte. Man sitzt einfach nur zusammen und spielt von morgens bis abends. Und je mehr man von den Leuten kennt, desto schöner. Ich war im Januar auf einer kleinen Con mit nur 10 Teilnehmern, aber das waren grandiose 4 Tage, die wiederholt gehören. Leiria ist mit seinen 70 Teilnehmern auch überschaubar und vermutlich die größte Veranstaltung im Land, aber der Flair stimmt. Keine Arbeit und viel Freizeit. Kein Stand auf den man aufpassen muss, aber viele Tische an denen man auch testen kann und Arbeit rausholt, wenn es passt.

Es gibt auch andere Veranstaltungen. Die in Stuttgart oder die Modell-Hobby-Spiel in Leipzig fallen mir da ein. Ein großer Teil der Veranstaltung hat nicht mal was mit Spielen zu tun. Da geht es um andere Hobbies. Für die Veranstalter funktioniert die Messe nur auf Grund der Mischung. Für jeden Teil alleine würden nicht genug Besucher zusammenkommen, dass es sich lohnt überhaupt seine Zeit zu investieren, aber in der Summe sind dann die Veranstalter und die Messe zufrieden. Ob es auch die Aussteller sind, mag ich nicht so abschätzen. Beide leiden seit einer Weile gefühlt. Dass Kosmos zu der Veranstaltung vor der eigenen Haustür nicht da ist, sollte einen stutzig machen. Die Spielwiesn in München macht mir echt Spaß, aber auch diese wird jedes Jahr teurer und wenn eine ganze große Ecke mit Fressständen gefüllt sind, dann denkt man sich seinen Teil, ohne zu wissen was da genau los ist.

Und doch, ich liebe es all diese Seiten an Veranstaltungen zu sehen. Ich liebe es nur Spieler um einen zu haben, welche wie wild an Tischen spielen oder welche durch Gänge laufen und kaufen. Ich liebe es Fremde zu sehen, die Spiele kennenlernen wollen oder einen Partner für einen Kracher suchen. Die Abwechslung macht das Spielejahr rund für mich und ich brauche die Mischung, um mich auf etwas anderes wieder einzulassen. Und daher freue ich mich auf die nächste Con in Bochum genauso wie auf die SPIEL. Und vor allem, dass mir Uli von seinen Roosters erzählt und warum er nächstes Jahr nicht in Essen sein will.

Die Ludoimpischen Spiele

Mir ist so kurz vor der Zielgerade, der Spiel ’16 in Essen, dieses Jahr aufgefallen, dass es gar nicht so sehr die Zeit vor Ort ist, welche die Arbeit ausmacht, sondern die 12 Monate davor. Die Zeit in der alle Neuheiten geplant, bearbeitet und irgendwie gehandelt werden. Der Vergleich der mir dabei durch den Kopf ging, war einer der sich anbot, weil hier in Berlin vor 2 Wochen der Marathon war.

Die Spiel ist ein Marathon. Genauer gesagt sind die 12 Monate bis zur Spiel der Marathon. Der Sommer ist Kilometer 35, wo die Puste gefühlt etwas nachlässt, und die Spiel selber ist die Zielgerade, wo ich nur noch 4 Tage drauf schaue um das Ergebnis zu erfahren. Man ist erschöpft und trotzdem noch voller Energie. Wie bei Ecstasy. Da ist man auch sofort Tod, kann aber noch 3 Tage durchtanzen.

Wir sind also beim Sport. Und so, wie die Olympiade der Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen darstellt, ist dieses Jahr aber auch die Zeit zwischen Ludoimpischen Spielen. Und ich dachte dann kann ich hier noch ein paar andere Sportarten vorstellen, die vor Ort von vielen ob gewertet oder ungewertet gespielt werden.

Hindernisganglauf – Der Weg durch die Gänge ist voller Leute mit Koffern, Sackkarren, Hubwagen, und so manch anderem Gefährt um die Masse an Spielen abzutransportieren, die andere mühsam hingeschleppt haben. Zum Glück sind es dieses Jahr 6 Hallen und so verteilt sich die Masse deutlich mehr als letztes Jahr, was zu einer Entspannung führen sollte. Mancher wird sich beschweren, dass es leerer sein wird, aber der war halt noch nicht bei der Halle 1 bei der zweiten Sportart.

Schnäppchencatchen – Eingesperrt in einem Käfig werden die Leute durch einen engen Gang gequält, wo sie die günstigsten Spiele ergattern können. Man will früh da sein um manche Schnäppchen zu machen, bevor sie alle sind, aber auch wiederum nochmal spät, wenn die letzten Spiele nochmal günstiger werden. Manche Perlen sieht man leider Jahrelang, für einen pervers niedrigen Preis. Was uns aber gleich zu Kategorie 3 bringt.

Neuheitenjagen – Natürlich will jeder die besten Spiele, aber bei solch einer Masse kann es nicht nur die besten geben. Je weniger man kennt, desto weniger kann man mit den Spielen die man hat unzufrieden sein. Was leider stimmt, wenn der nächsten im Handel ein Monopoly kauft, führt aber auch dazu, dass es welche gibt die sich gegen diese Tatsache währen. Sie studieren ihre Opfer seit Wochen und Monaten um sie dann gleich am ersten Tag alle an ihren jeweiligen Ständen zu erlegen und mitzunehmen. Ich kann selber sagen, wie wenig davon tatsächlich ordentlich behandelt und präpariert wird, und wie viel davon Zu Hause im Schrank anfängt zu modern. Man merkt es nur nicht, weil sie noch eingeschweißt sind.

Es gibt noch viele andere Sportarten in der Nische der Ludoimpischen Spiele, aber ehrlich gesagt so viel Platz habe ich hier auch nicht, ohne auch nur die letzten meiner 23 Leser zu verlieren. Der Vollständigkeithalber erwähnen wir sie aber natürlich. Trendhinterherlaufen, Schlangestehen, Preistiefwurf und gerade immer beliebter Staffel-Verlags-Übernahme.

Frohe Spiele.

Essen Nachgedanken

Peer hat es gefordert. Challenge accepted.
Essen war in diesem Jahr für uns anders. Zunächst einmal zum Organisatorischen: Wie bereits im letzten Jahr sind wir wieder im Hotel Bredeney untergekommen. Wobei ‘wir’ nur eingeschränkt gilt, da meine liebste Gattin der Kinder wegen dann doch abends und morgens gependelt ist. Das Hotel ist prima für alle Messebesucher geeignet, ist allerdings ein typisches Messe-Hotel. Immerhin sind die Wege zu den Hallen sehr kurz und das Frühstück gut. Und abends darf auf der ersten Etage in mehreren Konferenzräumen frei gespielt werden. Besonders gute Eignung hat das Hotel daher in Bezug auf das Kennenlernen neuer Mitspieler.
Dank unserer Aktivitäten für das Libelle-Magazin durften wir auch in diesem Jahr wieder bereits am Mittwoch zur Pressekonferenz kommen. Diese ging in diesem Jahr auch sehr flüssig von statten – auch wenn sich darin für intensive Spieler nicht wirklich große Neuigkeiten verstecken. Interessanter ist da schon da anschließende Neuheitenschau. Diese darf man sich so vorstellen, dass viele Verlage dort einen Tisch für die Präsentation Ihrer Neuheit(en) buchen und die Pressevertreter umherlaufen und alles in Augenschein nehmen. Faszinierend war dabei, dass in diesem Jahr selbst die Fensterbänke belegt waren. (Dazu eine Frage: Im kleinen Neuheitenraum hinten durch rechts lag ganz in der Fensterecke ein ‘erotisches’ Kartenspiel für Zwei – hat da jemand einen Link für mich? Frage für einen Freund.) ;-)
Ansonsten ist der Mittwoch auf der Messe völlig unspannend. Viele Verlage bauen noch an ihren Ständen, warten auf ihre Spielelieferung – und verkaufen darf noch niemand. Wer also Ambitionen hegt, diesen Tag unbedingt mal zu erleben, sollte nicht enttäuscht sein ob dem, was dort passiert. Einzig die netten Plaudereien mit vielen Spielern, die vor Vorfreude fast platzen machen den Tag zu einem Erlebnis. Am Mittwochabend im Hotel hatten wir ‘nur’ ein Spiel verfügbar – The Game. Das war aber auch völlig ausreichend. Erst nach fast einem Dutzend Partien sind wir ins Bett gekrochen. Hach, was wäre das für ein tolles und verdientes Spiel des Jahres gewesen.
Am Donnerstag ging dann die Messe so richtig los. Und am Donnerstag haben wir auch schon das absolute Highlight der Messe entdeckt: Die Tische von Rathskellers. Die sind wirklich genial – so genial, dass ich nach unserem Umzug vor einem Jahr fast ein wenig bedauere, dass wir schon mit einem tollen Spieletisch ausgestattet sind. Die haben aber auch tolle Würfeltürme; wir jetzt auch. Ein zweites Highlight war natürlich Matthias’ Adventskalender, der mittlerweile unser Esszimmer verschönert und nach Plünderung als Werkzeugschrank in die Garage gehängt wird. Gespielt haben wir am ersten Tag natürlich auch tatkräftig. Nur gekauft haben wir wenig – und das sollte sich letztlich bis zum Sonntag durchziehen. Faszinierend war übrigens der Blick in die Siedler-Halle. So viel tolle Spielfläche – und dann doch nur am Samstagnachmittag genutzt.
Die Gänge waren am Donnerstag auch noch durchaus angenehm passierbar. Insgesamt gilt das auch für die gesamte Messe. Ich bin mir nicht sicher, ob durch eine leicht veränderte Standplazierung ein besserer Besucherdurchfluss erzielt wurde oder ob die ergänzende Halle 7 zu einer angenehmeren Verteilung geführt hat. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl einer bedrängenden Enge.
Letztlich haben wir dann auch die anderen Messetage so verbracht wie den Donnerstag: Durch die Hallen geschlendert; falls irgendwo ein Plätzchen frei war auch mal gerne etwas gespielt; und ansonsten einfach entdeckt. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass aufgrund akut recht hoher beruflicher Belastung eine Messevorbereitung bei uns quasi ausgefallen ist? Keine Neuheitenlisten, keine Goodie-Listen, keine Raritäten-Listen, keine Vorbestellungen. Herrlich war das. So wie 1997 oder 1998 auf unserer ersten Messe (wir sind bzgl. des Jahres nicht mehr ganz sicher). Kein Abhaken in irgendeiner Datenbank, kein ‘jetzt hier lang, danach dort lang’. Einfach nur: Erkunden, neugierig sein, sich überraschen lassen. Und tolle Spiele haben wir trotzdem entdeckt – auch wenn sich bei uns ganz langsam ein gewisser Sättigungsgrad einstellt. Ab einem gewissen Alter muss man anscheinend keine 200 Spiele mehr von der Messe heimschleppen, um glücklich zu sein. In diesem Jahr waren es gerade einmal 13 Spiele.
Und noch etwas war schön: Da es kein wirkliches Forum mehr gibt, in dem ich mich wohl fühle, ist an den Abenden und morgens direkt deutlich mehr Zeit zum Schlafen, Plaudern, Netzwerken gegeben. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das mal so formuliere…
Das Hotel für das kommende Jahr ist jedenfalls bereits gebucht – und das mit den Neuheitenlisten überlege ich mir vielleicht sogar mal bewusst so zu machen wie 2015.
Für die Zukunft gibt es ja anscheinend erste Gedanken, die Messe um verschiedene Service-Aspekte zu erweitern. Den Lieferdienst für gekaufte Spiele schätzen vermutlich internationale Gäste höher als ich. Den Gedanken, die Messe abends in geeigneter Form zu einem Spieleevent werden zu lassen, finde ich hingegen extrem spannend. Da hätte ich auch viele kreative Ideen, mal schauen, was beim Merz Verlag hier für ein Konzept entwickelt wird. Ich zähl jedenfalls schon die Tage bis zum 13. Oktober 2016, wenn die Pforten wieder öffnen.

Der Handel mit dem Handel

Heute will ich über die GTS reden. Etwas was euch hoffentlich genauso interessiert wie mich. Und mit GTS meine ich nicht etwa einen Gran Turismo Sport oder so manch andere Autotechnik. Nein es geht um Spiele also bleiben wir bei Spielen. Wobei wir auch nicht über die Game Theory Society reden wollen. Auch wenn das furchtbar spannend wäre und deren nächste Konferenz in 2016 mit Maastricht auch Nahe genug ist, um da vorbeizufahren, wollen wir heute weniger über solche Singe reden. Ich will über die GAMA Trade Show reden.
Die GAMA ist die Game Manufacturers Association. Eine Gruppierung die die Interessieren der Spielverlage repräsentiert. Das tut sie in den USA inzwischen seit deutlich über 30 Jahren Sie wurde im Zusammenhang mit der Origins 1977 gegründet, hat aber außer dem Origins Award nicht mehr viel damit zu tun. Ihre Hauptveranstaltung ist die Trade Show, die einmal im Jahr im März in Las Vegas stattfindet. Dafür treffen sich Verlage und Distributeure und laden alle Händler ein sich vor Ort über alles informieren zu lassen. Ein bisschen ist das wie Nürnberg, aber statt zu allem was Spiele betrifft was zu bieten wie Kuscheltiere und Holzspielzeug und Modelleisenbahn und Feuerwerkskörper und etliches anderes geht es hier nur um den Hobbymarkt. Es geht um Brett- und Kartenspiele, um Rollen- und Würfelspiele, um Sammelbare Spiele und alles was so einen US Hobby-Laden ausmacht. Und auch wenn ein paar von den Firmen vor Ort auch auf der Toy Fair in New York ausstellen, die allermeisten tun das nicht. Aber sie präsentieren sich auf der GTS.
Und hier gibt es ein großartiges Paket. Die Händler bekommen von den großen Firmen Präsentationen, was in den nächsten 6-12 Monaten geplant ist. Infos die zwar 2min später dank der Präsentation auf Twitter sind, aber nicht jeder Händler ist auf Twitter. Hier werden Deals geschlossen zwischen Kleinen Verlagen und Vertrieben. Hier werden Deals gemacht zwischen Vertrieben und Händlern und natürlich auch zwischen Verlagen und Händlern. Hier wird über Marketingmaßnahmen geredet, Händler sagen was bei ihnen funktioniert und was nicht und natürlich seit den letzten Jahren auch was alles auf Kickstarter gerade passiert. Und natürlich sind dazwischen auch Produktionsfirmen, die bei Verlagen um Aufträge buhlen. Das sind wichtige Eindrücke und Meetings. Die Messe ist wichtig.
Warum gibt es sowas eigentlich nicht in Europa? Gerade in Deutschland würde es sich doch anbieten auch für den Hobbymarkt sowas zu veranstalten. Doch wer soll das in die Hand nehmen? Als ich auf der UK Games Expo vor 2 Jahren war fand dort eine Präsentation von Esdevium statt und Verlage konnten kommen und ihre Neuheiten den Händlern präsentieren. Das alles fand am Vortag der Expo statt und dauerte auch nur den Tag, aber so konnten die Händler das mit dem Rest der Messe in einem Rutsch nutzen. Für die Stores in UK war das cool.
Aber gibt es eigentlich den Deutschen Hobby-Markt? Natürlich kann ich bei Pegasus etliche kleine Hobby-Läden finden. Aus dem Metier ist der Verlag gewachsen. Auch Heidelberger hat mit seinen Flagshipstores eine große Übersicht dieser Läden auf seiner Seite. Und Heidelberg macht auch einmal im Jahr solch eine Veranstaltung für seine Stores. Aber das ist nur zwischen Heidelberger, seinen Vertragsverlagen und seinen Läden. Keine anderen Verlage, keine anderen Vertriebe. Für Heidelberger gibt es den Vorteil, dass sie die volle Aufmerksamkeit haben. Auf der anderen Seite würde es sich gerade für die Händler lohnen, wenn sie bei solch einem Zusammentreffen gleich mehr rausziehen könnten, und mit anderen Verlagen auch gleich reden könnten.
Vielleicht ist es auch wieder ein Vorteil der USA, dass sie eine Einwohnerzahl in Höhe der Gesamteuropäischen haben, ohne irgendwelche Sprachbarrieren. Was dort in letzter Zeit gewachsen ist, ist beeindruckend. Die Gen Con hat an Größe zugenommen in einem Maße die schon an Essen-Verhältnisse heranreicht, wenn nicht gerade übertrifft. DIE GTS übernimmt Aufgaben, die in Europa auch gebraucht werden. Vielleicht ist es auch das dezentrale Denken, dass wir gerade in Deutschland haben. Wir haben sämtliche Bundesministerien über das gesamte Land verteilt und haben Vergleichsweise jede Aufgabe einem anderen Teil des Landes gegeben. Für Nürnberg wäre der Wegfall der Spielwarenmesse gefühlt schon ein Todesstoß (Ich weiß etwas übertrieben, aber bei den Preisunterschieden für Hotelzimmer in der Messe-Woche und während des Rests des Jahres kommt jeder auf die Idee).
Was mir gedanklich bleibt ist die Liste der Verlage und Händler die Jahr für Jahr sich zu den anderen dazugesellen und die GTS besuchen. Die Wachstumszahlen auch dieser Messe sind beachtlich und dürfen als Selbstläufer gelten. Was den Amerikanern jetzt noch fehlt sind mehr Verlage die so groß sind wie die Deutschen Verlage.

Einspruch, Euer Ehren!

Alle Jahre wieder wird über Zahlen geredet und dabei wird immer wieder erneut eine Sicht geäußert, die für mich sehr gestrig ist. Eine Sicht, wie sie noch vor 20 Jahren funktioniert hat und inzwischen nicht mehr haltbar ist. Und wir reden hier nicht über den Kampf der Printmedien gegen Internet-Journalismus. Nein, wir reden von den Neuheiten aus Essen. Wir reden über die Geschäftspolitik der Verlage. Wir reden über den Schrei der Ohnmacht der Alles-Woller.

Es wird wieder über die Zahl gegängelt, dass diese viel zu hoch ist. Es wird darüber gemeckert, dass keiner das alles spielen kann, und dass die Spiele zu wenig Luft zum Atmen haben, weil sie nach einem Jahr wieder aussortiert werden. Dabei werden viele Kleinigkeiten übersehen, denn die eigene Sichtweise wird bedient. Eine Sichtweise in der es logischerweise nötig ist alles zu sichten, alles kennenzulernen und alles beurteilen zu können was auf den Markt kommt. Ein Umstand, der vor 20 Jahren vielleicht noch machbar war, der aber inzwischen weit davon entfernt ist nicht als Utopie bezeichnet zu werden.

Das Rekordjahr

Fangen wir mit den einfachen Zahlen an. 850 Spiele sind laut der Messe Essen auf der Spiel 14 neu vorgestellt worden. Die Spielbox hat ihre eigene Zahl, die ein bisschen abweicht, genauso wie Cliquenabend, BGG und jede andere Seite die versucht da eine Zahl zu zaubern und eine volle Übersicht über alle Neuheiten zu liefern. Und wie viele waren es im letzten Jahr? Vielleicht 800, um eine Zahl zu nennen, die im Raum war. TricTrac Frankreich hatte letztes Jahr 863 gezählt. Spielbox, Cliquenabend und BGG hatten wieder andere Zahlen. Es funktioniert irgendwie gar nicht. Gefühlt war es aber eigentlich nur genauso viel wie letztes Jahr. Da ist keine Steigerung mehr zu sehen. Wozu auch? Wozu sich in der großen Zahl versuchen. Es waren halt viele, verdammt viele.

Versuchen wir es mit anderen Zahlen. BGG hat in seiner Datenbank an Neuerscheinungen für 2013, volle 3800 Einträge. Für 2014 sind es bisher rund 3500. Vielleicht wird die Zahl noch um 300 steigen, denn auch in den kommenden 2 Monaten werden noch Einträge dazukommen, aber ist das wichtig? Diese Zahl zeigt auch eine gewisse Konsistenz. Und sie zeigt noch etwas, was alle anderen Liste gemein haben. Sie zählt alles. Waren es wirklich 850 neue Spiele? Da kam ein Spiel bei einem Verlag raus und der deutsche Vertrieb war auch vor Ort. Bei beiden wurden die Spiele gelistet und zack waren es zwei Spiele statt einem. Hochgerechnet auf die Masse an Spielen die Heidelberger, Pegasus und Asmodee vertreiben und deren Partnerverlage auch Stände hatten, kann die Zahl fast schon gefühlt halbiert werden. Sind wir mal nicht so kritisch, sagen wir es waren nur noch 550 Spiele.

Aber es geht noch weiter. Zum Teil wurden Spiele gelistet, die auch schon letztes Jahr gelistet waren, wie Machi Kori und Das Vermächtnis. Die sind jetzt auf deutsch raus. Das ist für manche Spieler neu, denn sie konnten es vorher nicht spielen, aber für die Akribiker ist das nichts neues. Und dann kommen noch die Erweiterungen mit rein. Dazu zählen große Erweiterungen wie Babel genauso rein, wie die kleinen Goodies, etwa die Haustiere für Brügge. Sind das neue Spiele oder nur Gründe, alte Spiele wieder zu spielen? BGG schließlich führt noch jede Menge weitere Projekte auf, die es nie über den Teich schaffen oder gar in die Veröffentlichungen oder sie sind eh nur Fan-Projekte. Was übrig bleibt sind etwa 300 neue Spiele. Eine Zahl, die weder zu hoch noch zu erdrückend erscheint. Aber immer noch mehr als der Normalsterbliche spielen kann, der gerne alles spielen will.

Der Blick über den Tellerrand: Im Buchgeschäft erscheinen übrigens deutlich mehr Titel im Jahr, dadrunter Wälzer die nicht an einem Tag gelesen sind. Aber auch Fortsetzungen, Neuerscheinungen, Taschenbuch-Ausgaben von vorher nur gebunden Büchern uvm. Und im Musikgeschäft ist es auch nicht viel weniger. In beiden Sparten kenne ich keinen der sagt, dass da zu viel rauskommt. Und genauso wie in diesen Sparten finanzieren sich die Spiele auch gegenseitig quer.

Der Allesspieler

Die nächste falsche Annahme ist, alles spielen zu müssen. Basierend darauf, den Verlagen den Vorwurf zu machen nicht so viel auf den Markt zu werfen, sondern lieber Klassiker zu pflegen, statt nach einem Jahr wieder zu verramschen. Das ist, als würde man die Parteien auffordern nicht mehr Politik für jeden zu machen sondern sich auf ihr Kernthema zu konzentrieren. Was mit der letzten Partei passiert ist, die das getan hat, kann man sehr gut erkennen, sie wurde nicht für voll genommen.

Gerade die großen Verlage sind Vollsortierer. Sie müssen viele Zielgruppen bedienen, um auch als großer Verlag genommen zu werden. Sie bieten auch Perlen an, die vielleicht wirklich nur für 1000 Spieler sind, und diese sind dann zufrieden, wenn sie das Spiel haben. Ein Spiel muss nicht ewiglich bestehen, so wie auch nicht jeder Mensch unsterblich ist. Aber warum für diese Menge produzieren statt mehr für die Masse? Und ich dachte Spiele sind Kulturgut und dazu gehören auch Spiele für die Randgruppen die nur 1000 Stück verkaufen.

Es gibt Spiele für Kinder, Familien, Erwachsene, Freaks, Kenner, Experten, Erzähler und Miniaturbemaler. Es gibt Karten-, Würfel-, Brett-, Rollen- und neuerdings sogar Beutelspiele. Es gibt Spiele mit einfachen, normalen und schweren Regeln. Es gibt thematische, abstrakte, Euro-, Ameritrash- und auch masochistische Spiele. Und diese Aufzählungen waren weit davon entfernt vollständig zu sein. Alleine die Schnittmengen für die Kombinationen aufzuzählen würde zu einer Grafik im fünfdimensionalen Raum führen und den Rahmen einer Essen-Show sprengen. Und jedes Spiel hat seine Berechtigung.

Aber nicht jeder muss alles spielen. Ich weiß, dass mich Wargames, Cosims und inzwischen auch wieder Kinderspiele nicht interessieren. Ich kann sie von meiner Liste streichen. Ich muss mich nicht mit abstrakten Holzspielen beschäftigen, weil ich oft keinen Spaß daran habe. Die 2er-Spiele ignoriere ich auch oft. Und sollte da doch eine Perle dabei sein, so wird man es mir näher bringen und ich kann dann immer noch drauf schauen. Ich habe mich dieses Jahr das erste Mal sehr ausführlich mit den Neuheuten beschäftigt und bin dabei an rund 140 Spiele inkl. Erweiterungen gekommen die einen Blick für mich wert sind. Muss ich alles spielen? Nein!

Der Blick über den Tellerrand: Keiner liest alle Bücher, und keiner hört jede CD da draußen. Es gibt Bücher die nur von einer kleinen Gruppe von Menschen gelesen werden, und es gibt sie in kleinen Auflagen. Gepflegt werden die Bestseller und dennoch bringt jeder Verlag jede Menge neue Bücher raus. Denn wenn etwas gut ist fliegt es nicht raus. Und bei Musikern habe ich auch noch keine Plattenfirma gehört die darauf verzichtet neue Talente zu finden und auf den Markt zu bringen, weil die alten sich schon so gut verkaufen.

Die Pyramide

Es wird immer wieder geäußert das schlechte Spiele verboten gehören, so wie schlechte Werbung verboten gehört. Dabei gilt für manche schon das Gute als Schlecht, denn es ist ja schlechter als das Bessere. Es kann nie alles gut sein, etwas ist immer besser als etwas anderes. Selbst wenn man die jeweils besten 20 Spiele der letzten 10 Jahre nehmen würde, würden da Gurken im Vergleich zu anderen Spielen sein.

In dem Umfeld aufzurufen weniger zu produzieren und sich lieber auf weniges zu konzentrieren, erscheint mir völlig verkehrt. Wenn die Zahl der Spiele, die mich interessieren, sinkt, wirkt es so, als würde der Markt schrumpfen und alle wären einfallslos. Herr Hutter würde darüber klagen, dass der Umsatz zurückgeht und eh wir uns versehen geben Menschen das Hobby auf, weil nichts mehr für sie interessantes dabei ist. Die Menschliche Psyche will immer mehr und immer neuer. Wer neu einsteigt findet nicht nur cooles Neues in unbegrenzter Zahl, sondern kann auch damit leben, dass es alt ist. Das White Album von den Beatles ist immer noch eine Perle. Und die Lizenzgurke ist ein Geldbringer, so wie das Buch zum Film bei Teenagern.

Aber wären wir wo wir sind, wenn wir bei 100 Neuerscheinungen im Jahr geblieben wären? Wie in der Evolution wird die Entwicklung durch die Masse vorangetrieben. Wären die Spiele denn heute so gut, wenn es nicht so viele geben würde, an denen die Verlage und Autoren sich reiben, neue Ideen finden und Verfeinerungen ausmachen könnten? Und ein Blick auf die Masse der unveröffentlichten Spiele oder welche lieber hätten unveröffentlicht bleiben sollen, aber dank Kickstarter leider den Weg in die Produktion gefunden hat, ist da nur ein Teilaspekt. Die Verlage sind schon sehr konservativ. Wer nur 12 Spiele veröffentlicht, obwohl ihm 700 angeboten wurden, hat schon stark gesiebt.

Und was ein Klassiker wird, bestimmt an der Stelle wieder der Markt. Die Zahl der Spieler steigt auch jedes Jahr. Wenn ein Spiel des Jahres nicht nur 300.000 mal verkauft wird, sondern 700.000 mal dann ist das ein deutliches Signal für eine wachsende Käuferschicht. Und mit der wachsenden Käuferschicht kommt auch mehr Verlangen. Es ist wie eine Pyramide. Oben sind die Freaks, die sehr viel spielen und einen Blick auf den Markt haben. Und die Kollegen von der Jury, die alles anspielen müssen. Ganz unten ist das breite Fußvolk, das nur wenig spielt, und dem es egal sein kann, ob es 10, 100, 1000 oder auch eine Millionen neue Spiele gibt. Aber nur durch ständige Veröffentlichungen die oben in den kleinen Trichter geworfen werden, kommen unten die besten Spiele an, aber die halten sich lange. Welche Spiele das sind, hängt sehr stark davon ab wie gut jeder arbeitet. Aber die Chancen steigen, je mehr reingeworfen wird. Sonst hätten wir weiterhin nur Monopoly, Scrabble und ein Leiterspiel. Viele gute Spiele stehen auch in unserer Branche für einen guten Jahrgang.

Der Blick über den Tellerrand: So mancher Bestsellerautor ist gezwungen ein neues Buch jedes Jahr abzuliefern, um im Gespräch zu bleiben. Und eine Band die nach 18 Monaten noch kein neues Album rausgebracht hat, erscheint unwichtig geworden. Nur wenige Bücher und Alben werden Klassiker. Warum sollte ein Verlag auf eine Neuheit verzichten, nur um was voranzutreiben, was es bisher nicht geschafft hat?

Mein Fazit

Statt also über die Menge zu stöhnen, sollten wir alle uns wieder an den Spieltisch setzen und spielen. Ich erfreue mich an dem, was ich spiele. Tut das doch auch alle. Und ich werde bestimmt nicht alles spielen wollen, das kann keiner und das sollte auch (fast) keiner. Hier zu sortieren macht Sinn und wer das nicht kann braucht die Expertise von anderen, wie der Jury, die das in hervorragender Art und Weise seit über 30 Jahren macht. Vielleicht sollten wir mehr Schubladen einbringen. Nicht nur Kinder, Familien, Kenner und Expertenspiele, sondern auch Schubladen, die es für andere einfacher machen. Es gibt mehr als 4 Musikrichtungen, es gibt mehr als 4 Romangruppen.

Aber wer jammert, verpasst die Entwicklung und die ist nicht aufzuhalten. Gestaltet sie lieber mit!

PS: Dieser Artikel ist ein Widerspruch gegen die Ansichten von Michael Weber und Synes Ernst.

Die goldrunde Messe

Noch zwei Wochen bevor DIE Messe in Essen losgeht. Und während alle überlegen, was sie sich wann wo ansehen (wie auch ich im Rahmen meiner freien Zeit vor Ort), gibt es auch diejenigen, die einfach durch die Hallen schlendern und sich überraschen lassen, was auf sie zukommt. Es gibt die, die sich ansehen was Mainstream ist, und die, die versuchen, das zu finden, was weit ab davon ist, wobei es sich streiten lässt, ob z.B. Japon Brand noch zum Abseits gehört. Die Zeit wird hoffentlich aber für jeden super. Ich bin zumindest noch nie enttäuscht gewesen.

Aber ein Blick nach vorn ist auch immer ein Blick zurück. Da der neue Spielejahrgang mit Essen beginnt, könnte dies also ein Jahresrückblick sein. Ich will jedoch nicht in dieses Jahr zurückblicken, sondern auf das, was einigen in meiner Spielrunde aufgefallen ist als wir zurückgeblickt haben. Wir saßen die Woche beisammen und überlegten, welches Spiel wir als nächsten auf den Tisch bringen könnten. Ich bin dabei vermutlich der genügsamste, weil ich viele Spiele mag und für mich der Jahrgang mal wieder mehr war als nur die 5 Spiele, die ich beim Deutschen Spielepreis wählen darf. Für mich ist es selbstverständlich, dass nicht jeder Jahrgang nur nach oben zeigen kann, sondern das es gute und weniger gute Jahrgänge gibt. Aber auch die weniger guten haben klasse Spiele.

Aber eine Freundin saß bei uns am Tisch und sagt, dass die meisten Spiele nur ganz nett sind. So viele hätte sie nicht als wiederspielenswert empfunden. Wir gehen also durch die Liste der Spiele von Essen 2013 und Nürnberg 2014 und sie sagt bei gerade mal drei Spielen, die sie kennt, dass die wieder auf den Tisch dürfen. Ein erschreckender Jahrgang in ihren Augen. Also gehen wir an den großen Schrank der noch aufzuarbeitenden Spiele. Ein Schrank, der eigentlich deutlich abgebaut werden sollte als ich mir Vorsätze fürs neue Jahr nahm, und an dessen Vorhaben ich restlos gescheitert bin. Das Leben ist grausam.

Wir packten also ein Spiel auf den Tisch, das schon 6 Jahre alt war, aber noch eingeschweißt. Die Regeln wurden schnell gelesen, die Runde wurde angefangen und meine Frau kam sofort in den AP-Modus wo sie über jeden Zug lange überlegte. Diese Perle war also 6 Jahre in meinem Schrank gestaubt, weil ich es nicht geschafft habe alles zu spielen. Vor allem aber auch, weil ich die meisten Spiele noch öfter spielen möchte und dabei manche Spiele zwar gekauft sind, aber doch auf der Strecke bleiben. Und dabei ist mir wieder deutlich bewusst geworden wie groß der kulturelle Unterschied zwischen Brettspielen auf der einen Seite und Büchern und Filmen auf der anderen Seite ist. Die allermeisten Filem werden von den meisten nur 1x gesehen. Die meisten Bücher sogar 0x gelesen. Den Verlagen kann es egal sein, denn gekauft ist gekauft.

Für Spielesammler kann es egal sein. Denn Sammeln hat nichts mit Spielen zu tun, auch wenn es einigen Puristen widerstrebt, dass unser Hobby durchaus mehrere Hobbies sind. So gibt es die Mainstream-Sammler, die Sammler von exotischen Spielen, die Leute, die alte Spiele sammeln, diejenigen, die einfach nur Spielen wollen und natürlich auch die, die einzelne Spiele ergründen wollen, solange sie nur gut genug sind. Genauso gibt es aber Leute denen es ausreicht ein Spiel einmal gespielt zu haben als es wirklich zu ergründen. Es macht sie deswegen nicht zu weniger Spielern.

Und Essen ist DIE Messe für fast alle von ihnen. Da gibt es Spiele für die meisten Geschmäcker und auch die Möglichkeit, diese zu spielen. Auf der Messe und auch im Anschluss in Gaststätten, Hotels Jugendherbergen Zügen und an vielen anderen Orten in der Stadt. Die Messe bietet Wettkämpfe und LARP-Materialien und es gibt sogar Comics und Rollenspiele. Es gibt Presseshows im Hotel nebenan und es gibt eine Podiumsdiskussion. Es gibt Geschäftsgespräche zwischen Verlagen und Verlagen mit Autoren und zwischen Autoren und zwischen jedem mit dem Kunden. Stück für Stück gibt es immer wieder etwas Neues. Natürlich könnte es noch mehr geben: Workshops, Seminare, Vorlesungen, aber hier ist jemand anderes gefragt. Sagt der Messe was ihr auch noch sehen wollt.

Letzte Gedanken vor dem Fest

Noch 4 Tage bis Essen. Zumindest für die meisten. Für mich sind es noch zwei Tage. Dienstag früh um 5 verlasse ich Berlin. Dieses Jahr ist Essen mal wieder anders für mich. Und damit meine ich nicht die neuen Hallen. Statt an einem Stand für alle Fragen offen zu stehen oder nur von Meeting zu Meeting zu tingeln werde ich dieses Mal eine bunte Mischung haben. Vor allem aber werde ich das erste Mal mit Auf- und Abbau auch beschäftigt sein.

Die Masse an Infos mit denen man inzwischen vor der Messe bombardiert wird ist dabei auch offensichtlich stark gestiegen. Vor ein paar Jahren war man für jeden fetzen dankbar und konnte sich entsprechender Aufmerksamkeit sicher sein. Ein Spiel das schon vorher getestet wurde erhielt ordentlich Aufmerksamkeit und war entsprechend in aller Munde. Inzwischen ist das Angebot an Infos so unüberschaubar geworden, dass die Masse auf der Messe dem Ganzen nur noch einen draufsetzt.

Verlage wie Kosmos, Amigo, Ravensburger und Schmidt haben alle Händler schon vorher mit Waren beliefert und betrachten Essen nur noch als zusätzliche Marketing-Aktion. Die richtigen Slots bei den Druckereien haben sichergestellt auch in entsprechender Stückzahl liefern zu können. Die meisten wissen, dass sie nicht im Bereich der Highlights für die Vielspieler agieren. Ein in meinen Augen daher völlig logisches Vorgehen.

Hans im Glück hingegen verhindert aktuell die Veröffentlichung der vollen Regeln für Russian Railroads im Vorfeld so gut es geht. Bestimmt nicht aus Angst, die Leute könnten das neue Spiel nicht mögen, eher aus einer Art Firmenpolitik. Ich kann nicht einschätzen ob es ein sinnvolles Vorgehen ist, da ich aber sicher bin, dass das Spiel klasse ist, mache ich mir wenig sorgen um deren Verkaufszahlen oder die Akzeptanz der Spieler. Beides wird schon stimmen.

Noch ein Unterschied dieses Jahr für mich: Ich werde dieses Jahr kaum nach Goodies schauen, vor allem weil ich kaum Zeit dafür habe. Ich habe auch das Gefühl, dass ich zu viele dieser Kleinigkeiten im Schrank zum verstauben habe. Versteht mich nicht falsch, die Idee der Goodies finde ich immer noch gut und richtig, aber die Informationen dazu sind mir zu verstreut und unübersichtlich. Da sagt etwas in mir, dass ich nicht mehr will. Wenn das Goodie tatsächlich gut und wichtig für ein Spiel ist, werde ich da schon rankommen. Aber das x-te Tier für Zooloretto, das fast dasselbe tut wie die der letzten fünf Jahre ist nur noch Sammlerdrang. Ich will es dennoch, aber ich sterbe nicht, wenn es in der eh schon lückenhaften Sammlung fehlt.

Aber es gibt nicht nur Essen, sondern immer noch den aktuellen Spieltisch. Und der war in letzter Zeit regelmäßig bis Nachts mit Descent belegt. Ich würde gerne Peer und seiner Rezension in der Spielbox die Schuld daran geben, aber in Wahrheit ist es einfach ein gutes Spiel, das mindestens als ausgereiftes und besseres HeroQuest oder WarhammerQuest durchgeht. Die Knights of the Dinner Table wären stolz auf das Gefühl gegen ihren Spielleiter spielen zu können, und ein bisschen ist es schon auch für den Overlord das Gefühl auch gegen die Spieler eine Harte Nuss spielen zu dürfen. Freude inklusive.