beeple-Programm – #SPIEL18 – Halle 3 Stand C 104

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Essen Previews

Aus verschiedenen Gründen habe ich eine Reihe von Essen-Neuheiten schon spielen können. Hier meine Ersteindrücke:

Alea: Carpe Diem von Stefan Feld: Prinzipiell weiß man schon was man aus der Kombination Stefan Feld/ Alea zu erwarten hat: Astreines Regelheft, altbackende, rein zweckmäßige Graphik, eine thematische Einbindung, die nur dazu dient, den Gebäuden Namen zu geben, aber auch clevere Mechanismen und potentiell herausforderndes Gameplay. Tonnen von Siegpunkte und eine Startspielerleiste, die enorm wichtig ist. Das alles trifft auch auf Carpe Diem zu – auch wenn die Graphik hier leider das Spiel erschwert (zwei Gebäude sehen sehr ähnlich aus), doch die Frage ist: Macht es denn Spass?
Nun, hier gibt es im Wesentliche zwei Mechanismen, die ineinandergreifen (sollen): Einen cleveren Wertungsmechanismus, bei dem man immer zwei nebeneinanderliegende Auftragskarten erfüllen muss (aber jede Kombination aus zwei Karten, immer nur von einem Spieler pro Spiel erfüllt werden kann). Und einen Legemechanismus, bei der man nach einem elaborierten Verfahren Plättchen legt und diese in seine Auslage einbaut. Leider ist dieser Teil etwas zu herausfordernd geworden: Zahlreiche Zwänge wollen beachtet werden, die aber m.E. die Sache nicht interessanter machen sondern nur schwerer zu überschauen und zum Teil auch einfach nerven. Oft kommt es zudem vor, dass bestimmte Plättchen benötigt werden, aber ob man da rankommt bestimmt zu einem nicht unwesentlichen Grad der Zufall bzw. die Mitspieler (letztere aber kaum gezielt). Dadurch ist man hier bereits so beschäftigt, dass man kaum vor Ablauf einer Runde auf die Wertung schielt. Dadurch laufen die beiden Mechanismen eher nebeneinander her als zusammen.
Carpe Diem ist kein schlechtes Spiel – das ist bei Autor und Redaktion auch nicht zu erwarten gewesen – es ist aber auch kein wirklich gutes Spiel. Es ist irgendwie einfach da. Das ist schade, denn das Potential wäre vorhanden gewesen.

Iron Games: Pandoria von Jeffrey Allers und Bernd Eisenstein: Mit beiden Autoren bin ich befreundet, daher ein kleiner Disclaimer. aber auch daher habe ich einen Prototypen spielen können. Viel hat sich seitdem wohl nicht mehr verändert, wenn ich mir das Video von Eric Martin ansehe. Wie Eric sagt, ist Pandoria ein ziemlich komplexes Legespiel, mit einigen Kniffs. Der zentrale: Du willst mit deinen Leuten Felder umzingeln, das bedeutet gleichzeitig aber auch automatisch, dass man selbst schnell umzingelt wird und seine Figur wieder vom Brett nehmen muss. Daher lebt man risikoreich und die Interaktion ist hoch. Diesen Mechanismus fand ich super! Drumrum gibt es ein Karten/Spezialeffektsystem, dass mir persönlich für eine erste Partie einen Tacken zu komplex war, aber zweifelsfrei gut funktionierte – Jeff hat uns ziemlich abgezogen. Ich denke, dies wäre ein sehr viel besseres Alea-Spiel gewesen als Carpe Diem und das soll als Lob für Pandoria verstanden werden! Das Spiel kann je nach Mitspielerverhalten total unterschiedlich laufen und bietet zudem genug randomisierte Effekte, dass der Langspielreiz hoch sein dürfte. Man hat es allerdings mit einer gewissen Einstiegshürde zu tun, aber die ist nicht höher als bei anderen “komplexen Euros” auch – und immer noch deutlich niedriger als etwas aus der Lisboa-Gewichtsklasse.

Hobby games:

Sunflower Valley (W. van Strien) ist ein ordentliches Roll ´n´Write für Fans des Genres. Hier eine Rezension.

Bronze von Konstantin Domashev spielt im Bronzezeitalter, aber zu sehr sollte man sich im Thema nicht verlieren – wir haben es mit einem an sich abstrakten Einsetzspiel zun tun, bei dem es um Siegpunkte geht. Das klingt nicht besonders, aber ich fands recht gut, weil das Spiel durchaus runde   Mechanismen bietet: Im Prinzip wählt man eine von vier Karten und baut diese in seine Auslage ein. Die Karte selbst, die Karten links und rechts daneben (sofern vorhanden) sowie alle Karten desselben Typs in derselben Spalte erlauben uns das Einsetzen eines Würfels auf das Spielbretts (Ja, ist abstrakt. Ich glaube es waren Siedlungen. Oder so). Die Karte gibt vor in welcher der 7 Reihen des Spielplans wir einsetzen dürfen und welche Felder (es gibt 3 Typen) verwendet werden dürfen. Der Twist: Man besiedelt von links nach rechts. Man darf vorweg springen, aber niemals zurück. Es geht erst einmal um das Bilden ununterbrochener Linien innerhalb eines der sieben Streifen und um Mehrheiten auf Spalten des Spielplanes. Ja, ist abstrakt. Aber knifflig, denn natürlich will man Kartenkombis nutzen, also oft dieselbe Karte legen. Aber viel Einszusetzen nützt nicht viel, wenn die Orte einem nichts bringen – wer immer in derselben Reihe baut verschenkt Punkte. Das ist schon einmal ein interessantes Dilemma. Das wird noch verstärkt, denn für jede der Streifen gibt es einen Spezialauftrag – wobei der erste im Streifen auch die erste Wahl hat. Jetzt müssen plötzlich bestimmte Felder besiedelt werden oder die Karten in der Auslage müssen bestimmten Bedingungen gehorchen etc. Im Laufe des Spieles kommen immer mehr Dinge hinzu, die man erreichen will, und das puzzlen wird immer kniffliger und spannender – zumal das Spiel recht plötzlich enden kann. Bislang nur zu viert gespielt, aber definitiv ein Spiel, mit dem ich mich noch mehr beschäftigen will und das vermutlich auch ausgezeichnet zu zweit oder zu dritt funktioniert. Rezension kommt dann irgendwann wenn ich das Spiel weiter ausgelotet habe.

Mind Fitness Games:

Quinque von József Dorsonczky hat zwar ein Fallschirmspringerthema, ist aber prinzipiell ein rein abstraktes Spiel – so wie Vikingdoms ein abstraktes Spiel mit aufgesetzer thematischer Einkleidung war. Es geht schlicht darum 5 Steine in einer Reihe zu platzieren. Der Twist ist hier, dass es kein festes Spielbrett gibt, sondern viele  Plättchen, auf denen jeweils 2×2 Steine Platz haben. Die Plättchen kommen nach und nach ins Spiel und können vor allem auch in gerader Linie an eine andere Stelle umgelegt werden. Dadurch wird das Spiel sehr dynamisch, denn es können ja so gleich mehrere Steine völlig woanders stehen. Die empfehlenswerte fortgeschrittene Variante schränkt diese Bewegung ein, so dass das Spiel etwas planbarer wird. Die große Stärke des Spieles, ist dass es schnell erklärt ist und auch herrlich flott geht – 15 Minuten Maximum. Allerdings endeten die Partien bei uns immer weil einer nicht aufgepasst hat (insbesondere, dass man eine Plättchenbewegung einfach rückgängig machen kann, mit dieser Bewegung alleine also nicht blocken kann), nicht weil einer überlegen gespielt hat. Das trifft nicht ganz meinen Geschmack und hängt natürlich auch von der Spielerfahrung ab. Für Fans des Genres ist Quinque sicherlich einen Blick wert, auch wenn es das Rad nicht neu erfindet.

Nun, Verona Twist (ebenfalls von József Dorsonczky) dagegen ist der Grund, warum ich mir Mind Fitness Spiele immer gerne ansehe: Absolut originelles Spiel (ich kenne kein vergleichbares) mit einfachen Regeln, bei dem das Hirn schmilzt. Es ist ein asymmetrisches Spiel, bei der beide Seiten dieselben Figuren bewegen können. Der eine Spieler (“Die Amme”) legt fest welche beiden der 8 Figuren Romeo und Julia in Verkleidung sind. Der andere Spieler (“Capolet”) muss diese enttarnen. Aber es ist kein Deduktionsspiel! Wirklich nicht! Keinerlei Deduktion! Vermutlich könnte die Amme vermutlich sogar verraten, um welche beiden Steine es geht und es würde sich recht wenig am Spiel ändern. Tatsächlich werden alle möglichen Kombinationsmöglichkeiten nach und nach automatisch entfernt, wenn diese nicht mehr zutreffen können – und Capolet muss innerhalb 7 Runden dafür sorgen, dass nur eine Kombi übrig bleibt, egal ob er die Lösung kennt oder nicht. Das funktioniert so: Der Spielplan ist in einen Innen- und einen Außenbereich geteilt. Die Spieler setzen abswechselnd einen beliebigen Stein, wobei jeder Stein in jeder Runde genau einmal bewegt werden muss (sofern möglich). Anschließend gibt die Amme bekannt ob sich das gesuchte Paar im selben Bereich oder in unterschiedlichen Bereichen aufhalten und alle Kombis, die nicht möglich sind werden entfernt. Capolet hat also ein Interesse daran, immer möglichst so zu ziehen, dass in jedem Fall möglichst viele Kombis aus dem Spiel gehen – mathematisch heruntergebrochen in dem möglichst genau die Hälfte der Steine ihren Bereich wechselt und die andere Hälfte nicht. Für die Amme gilt das Gegenteil: Wenn alle Steine in ihrem Bereich bleiben oder alle Steine ihren Bereich wechseln, werden keine weiteren Kombinationen entfernt. Später geht es dann oft um ganz bestimmte Steine, die in entgegengesetzten (oder gemeinsamen) Bereichen liegen müssen. Daher ist das Spiel kein Deduktions- sondern ein Positionsspiel. Da sich die Steine gegenseitig blockieren und jeder Stein pro Runde nur einmal bewegt werden darf, ist das Spiel unglaublich spannend. Ich freu mich Verona Twist hier vorstellen zu können, denn dieses Spiel ist ohne Zweifel eines, wenn nicht sogar DAS Highlight dieser Liste und ein Spiel, dass beim Spielen derart viel Hirnschmalz verbraucht hat es auf der lauten, stressigen Messe vermutlich schwer. Wer sich gerne das Hirn zerbricht – Kaufen!

Travellin´ von Eli Lester ist dagegen kein typisches Mind Fitness Game, sondern ein einfaches Kartenspiel, bei dem man durch Europa reist. Die Regeln sind simpelst: Karte ziehen (2 verdeckte oder eine offene), eine Aktionskarte spielen oder ein Land aus der Hand auslegen und Reisekosten bezahlen (Die hängen von der Entfernung zwischen dem zuletzt ausgespielten und dem aktuellen  Land ab) oder die Spezialfähigkeit eines ausgelegten Landes nutzen. Ziel ist es möglichst punkteträchtige Länder auszulegen. Man beendet seinen Zug in dem man eine Karte abwirft. Dieses Spiel ist ein merkwürdiger Mix: Einerseits versucht man die Länder geschickt zu spielen, so dass die Reisekosten nicht zu hoch werden, andererseits wollen die Aktionskarten richtig genutzt werden. Und da bin ich mir nicht sicher, ob das Spiel jetzt eher locker sein will – darauf deuten die witzigen Karten und viele “Take That”-Elemente hin (der Grund warum ich Travellin für kein typisches Mind Fitness Spiel halte) – oder doch für ein anspruchsvoleres Sammelspiel, worauf die konstruktiven Fähigkeiten, die Sonderfähigkeiten der Länder und das Reisesystem hindeuten. Der Mix macht es mir auch schwer eine richtige Runde zu finden: Für meine Kinder ist das Spiel noch einen Tacken zu anspruchsvoll (Laut Packung ist es auch erst ab 14), zumal die echt auch jedes Land auf der kleinen Karte finden müssen. Bei meiner regulären Runde ist der hohe Anteil an englischsprachigen Textkarten ein Problem, insbesondere in Kombination mit dem Gameplay, das etwas zwischen den Stühlen steht. Ich bin noch total ambivalent und muss es noch mal spielen, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Die gute Nachricht ist aber: Travelin´ ist definitv ein Spiel, dass man gut auf einer lauten, stressigen Messe mit Fremden probespielen kann, weil die Grundregeln so einfach sind. Und ihr kommt ja eh am Stand vorbei, wenn ihr Verona Twist kauft! Wenn ich eine Runde finde, bei der die Probleme meiner beiden anderen Testrunden nicht auftauchen * , werde ich wohl eine Rezi nachschieben – aber erst nach der Messe.

Frosted Games: Dies ist ja Matthias Verlag und daher nur kurz: Paper Tales hatte ich bereits letztes Jahr für sehr gut befunden. Trick ´n´Trouble ist eine neue Version von Familiar´s Trouble. Das kooperative Stichspiel für drei Personen habe ich letztes Jahr (?) mit Matthias gespielt. Jetzt hat er es rausgebracht. Mir hat es genauso gefallen wie ihm, ich mag aber auch Stichspiele wirklich sehr gerne und dies ist ein ziemliches typisches – nur eben kooperativ. Und das ändert alles.

Korea Boardgames:Nein, Eco-Links von Günter Burkhardt hat trotz ähnlicher Optik und Tierrettethema nichts, aber auch rein gar nichts mit Rescue Polar Bears zu tun! Das Thema von Eco-Link ist aufgesetzt und das Spiel absolut nicht kooperativ, sondern ein  Geschwindigkeitspuzzlespiel. Mich erinnert es stark an Friedemann Frieses Flickwerk/Turbo Taxi, da auch hier bestimmte (zufällige) Ecken verbunden werden wollen und alle Felder des Spielplans besetzt sein müssen. Diesmal sind es allerdings Hexfelder, die man legt und das Wegenetz ist etwas kniffliger. Das Wertungssystem ist auch etwas diffizieler als “Der schnellste gewinnt” – diesmal gewinnt der schnellste nämlich Siegpunkte. Und der zweitschnellste auch, wobei die Anzahl der Punkte durchaus nett über die Aufgabenkarten geregelt werden. Dennoch: Spielgefühl ist ähnlich; Ein Wettpuzzlen halt. Recht anspruchvoll, durchaus wie Flickwerk oder auch Ubongo. Hier besteht tatsächlich im Eifer des Gefechts eine reelle Möglichkeit, dass der eine oder andere wegen Fehler im System (z.B. müssen alle Wege verbunden werden) aus der Wertung fliegt. Ich bin nun ein großer Flickwerk-Fan und mag Eco-Links daher ebenfalls. Aber ich besitze Flickwerk eben schon und weiß nicht ob ich ein ähnliches Spiel in meiner Sammlung daneben noch brauche. First World Problems, ja ich weiß. Andere haben Flickwerk nicht, mögen aber Geschwindigkeitspuzzles. Diese anderen sollten sich die Eco-Link-Lage in Essen mal anschauen.

Queen Games:

Franchise von Christward Conrad ist eine neue Version des alten Pfeffersäcke, nur dass es weniger schön ist als das Original. Das gilt nicht zu Unrecht als klassischer Euro, der durchaus gut genug ist, wieder aufgelegt zu werden. Ich habe Pfeffersäcke schon ewig nicht mehr gespielt, daher verweise ich auf Luding.

Skylands ist eine Neue Version von The King of Frontier von Shun, nur das es weniger schön ist als das Original. King of Frontier hat ein bisschen einen Kultstatus unter einigen Amerikanischen Rezensenten, ein bisschen davon liegt daran, dass man es in Japan direkt bestellen musste, ein bisschen aber auch daran, dass es durchaus seine Qualitäten hat: Es benutzt einen Rollenmechanismus á la Puerto Rico (einer wählt, alle profitieren, aber alle anderen etwas schwächer als der Zugspieler) und kombiniert ihn mit einem Landschaftsbau, der an Carcassonne erinnert, aber mit Sondergebäuden und mehr Stadt. Mit der Erweiterung kommen weitere Spezialgebäude ins Spiel und die sind das Salz in der Suppe, sonst ist m.E. das Nachziehglück zu stark (meines Wissens ist diese Erweiterung bei Skylands bereits enthalten). Ich mag es als Absacker durchaus – aber jetzt auch nicht der absolute Überflieger schlechthin.

Expedition Luxor von Rüdiger Dorn ist übrigens eine neue Ausgabe von Raubritter und graphisch auf einem Level mit dem Original. Spielerisch mochte ich es früher sehr gerne, aber es ist schon sehr abstrakt und ich habe schon häufiger gehört, dass es auf Dauer nicht viel neues bietet. Ich spiele es alle paar Jahre mal und kann das daher nicht beurteilen. Wie gesagt, ich finde es immer mal wieder ganz pfiffig, aber ja, ich würde nachts auch nicht weinend im Bett liegen, wenn es das morgen nicht mehr gäbe.

Rudy Games: Ich mag es nicht, wenn bei einem Spiel keine Regel beiliegt, da ich eine Partie gerne vorbereite. Bei Lost Galaxy: The intergalactic Card game (keine Autorenangabe) liegt keine Regel bei, weil das Spiel appgesteuert daherkommt und diese ins Spiel einführen soll. Komischerweise konnten wir die Sprache nicht von Englisch auf Deutsch umstellen, aber das war nicht das größte Problem mit dem Spiel. Das liegt irgendwo zwischen einem Rundenbasierten Ligretto und Uno (Das Spiel nicht das Problem. Oder?): Wer dran ist, kann (wenn er kann) Karten auf Stapel spielen (wie bei einem rundenbasierten Ligretto, nur dass man sowohl auf- als auch absteigend legen kann). Wer die letzte Karte spielen kann (Quasi die Nummer 5), der bekommt den Stapel. Das bringt 5 Siegpunkte ein, ansonsten zählt jede Karte für ihren Besitzer gemäß ihrer Zahl. Das klingt vielleicht sogar noch interessanter als es ist, in der Praxis ist man sehr von seiner Karten abhängig und man wird in der Regel das machen, was man kann, denn das bringt Punkte. Und wer nichts macht, tauscht seine Kartenhand aus, weil er es muss. Wer also Pech hat und zwar gute Karten, aber die alle nicht legen kann, hat Pech. Hinzu kommen noch ein paar Aktionskarten á la Uno, inklusive des Klassikers “Setze eine Runde aus!”. Ja, sowas gibt es noch. Und die App? Die sorgt als Timer, denn man muss eine feste Zeit lang spielen, bevor man aufhören darf und der Sieger ermittelt wird. Dadurch könnte man besonders schnell spielen, wenn man möchte dass man häufiger dran ist und theoretisch gar nicht spielen, wenn man gerade führt. Zum Glück macht das kein anständiger Spieler, aber die Möglichkeit alleine ist schon etwas fragwürdig. Außerdem sorgt die App für ein paar Spezialeffekte, aber die haben so minimalen Einfluss auf das Spiel und sind so größtenteils so unoriginell, dass die nichts rausreißen können. Kaum ein Spiel ist dieses Jahr so bei uns durchgefallen wie Lost Galaxy. Schade um die recht schicken Karten.

Oink Games: Gilt Moneybags (Jun Sasaki und Yoshiteru Shinohara) als Essenneuheit? Keine Ahnung, bei Oink weiß man nie, wann was wo offiziell erscheint. Das Spiel ist orginell: Prinzipiell werden Metallmünzen (und ein Diamant) auf Geldsäcke verteilt, von denen jeder einen bekommt. Niemand darf in die Säcke reinschauen. Wer dran ist kann passen, den Sack zumachen (und damit aussteigen) oder -und das wird man am häufigsten tun – von jemand anderem klauen. Tut man das, so darf man sich geheim beliebig viele Münzen nehmen. Aber: Der andere darf – wie etwa bei Bluff – anzweifeln. Und wenn der Dieb mehr Münzen in seinem Beutel hat, als der Bestohlene, muss er seinem Opfer alle Münzen geben und ist raus! Umgekehrt muss jemand, der zu Unrecht anzweifelt dem Angezweifelten seine Münzen schicken – und so hat auf jedem Fall ein Spieler einen Sack voll Geld und ein anderer ist raus. Nur: Das ganze ist nicht nur ein Bluffspiel: Die Münzen sind schwer und so kann man am Gewicht abschätzen, ob der Sack stark zu- oder abgenommen hat. “Gewicht schätzen” ist ein revht selten verwendeter Mechanismus… Da Spieler ausscheiden und auch ein bisschen was passieren muss am Tisch, ist Moneybags eher ein Spiel für größere Gruppen (5 oder 6) – es ist ein durchaus lustiges Spiel mit viel Table-Talk. Ich mag es aber nicht so sehr wie Troika oder Startups und nicht so sehr wie ich es gerne würde. Vielleicht liegt es daran, dass die Spielverläufe schon sehr ähnlich sind. Dennoch kein Spiel von dem ich mich trennen wollen würde, dazu ist es zu originell – und ja auch schnell ausprobiert. Einen Blick auf der Messe ist es allemal wert.

Helvetiq:

Helvetiq-Spiele sind überwiegend cool gestaltet, haben oft angenehm platzsparende Verpackungen und sind ein bisschen “Hit & Miss”. Das gilt auch für die beiden Neuerscheinungen Kartel und Kariba  von Reiner Knizia (Die drei Essen-Neuheiten Winston, Haute Fondue und Deal Maker lagen mir noch nicht vor). Beginnen wir mit dem “Miss”, obgleich das Label vielleicht für Kariba etwas zu hart ist. Immerhin ist das Spiel ein Knizia! Kariba ist ein kleines Kartenspiel, bei dem man immer Karten einer Sorte ausspielt (mindestens eine, aber man darf auch mehr ausspielen). Die Karten kommen gemäß Zahl an einen Kreis. Liegen anschließend mindestens 3 Karten an derselben Zahl, so bekommt der Spieler alle ausliegenden Karten an der nächstniedrigeren Stelle, wo überhaupt Karten liegen. Die 1 darf nur die höchste Stelle abräumen, wenn denn dort etwas liegt. Das its durchaus etwas tricky, denn wer mehrere Karten an eine Stelle platziert, der erlaubt natürlich jemand anderen genau diese Stelle abzuräumen. Kann man selbst nichts sinnvolles machen, dann kann man durchaus eine einzelne Karte spielen, um zu verhindern das jemand anderes viele Karten bekommt (man bekommt nur die Karten an de nächstniedrigeren Stelle). Insgesamt war das Spiel aber etwas zu banal um wirklich interessant für uns zu sein und emotional nicht packend genug für einen wirklich guten Absacker. Ich musste die ganze Zeit an Skyjo denken, auch wenn die Spiele eigentlich nicht viel gemein haben – aber Skyjo bedient dieselbe Zielgruppe und spielt sich besser. Also kein echter “Miss”, sondern eher ein Schulterzucken.

Dagegen gefällt mir Kartel recht gut. Dies ist ein Lauf/Sammelspiel und hier merkt man Knizias Handschrift deutlich! Das Spiel ist leicht: Man würfelt und setzt vor (wobei die gewürfelte Zahl die maximale Zugweite angibt, man darf also auch weniger weit setzen). Dann nimmt man sich den Chip auf dem man gelandet ist und der nächste ist dran. Chips zeigen entweder 1-3 Ganoven oder 3 Geldsäcke oder einen “Boss”, jeweils in einen von sieben Farben. Wird ein Boss genommen, wird er ins Gefängnis gesteckt, der Spieler geht in diesem Zug also leer aus – aber: Die Ganoven werden nur dann 1:1 in Siegpunkte umgewandelt, wenn der Boss bei Spielende im Knast sitzt – das Spiel endet aber beim fünften Boss, so dass zwei Farben keine Punkte bringen! Und das zu kontrollieren könnte den Zugverlust wert sein…  Bei den Geldchips ist es umgekehrt: Sitzt der Boss im Gefängnis, zählen diese Null, sonst 3 SP. Im Prinzip wettet man also beim Laufen auf Farben, wobei die Zugweite einen natürlich einschränkt. Manchmal sollte man auch die Mitspieler im Blick haben, denn die haben je nach Chips vielleicht Interesse an einem Boss und man kann sich dann da anhängen. Zudem wird der Weg ja immer kürzer, wenn Chips weggenommen werden, so dass ein schon übersprungener Boss durchaus nicht immer sicher ist – was auch davon abhängt, ob die Spieler die anderen Bosse nicht vielleicht ebenso überspringen. Kein Spiel mit dem ganz großem Tiefgang, aber wirklich pfiffig und mit einer sehr kurzen Spieldauer, die durchaus “Nochmal!” schreit – auch weil Kinder schon noch eine Partie brauchen, bis es geklickt hat. Die Regeln sind zwar einfach, aber die Wertung mit ihren Implikationen zu verstehen erfordert schon ein bisschen Spielerfahrung. Ein typischer “leichter” Knizia, den ich durchaus auch in meiner regulären Runde als Absacker auf den Tisch legen kann.

Osprey Games: Nur kurz, weil ich ja ich ja Geld vom Verlag bekomme:  Fountain of Youth, die Erweiterung von Lost Expedition, erscheint natürlich. Und Wildlands von Martin Wallace, von dem ich nur die Regel kenne – es ist ein Prügelspiel, bei dem man gewinnen kann, wenn man Gegner plättet, aber auch wenn man Steine aufsammelt. Dadurch ist dieses Tabletop-ähnliche Spiel für bis zu vier taktisch recht interessant. Zudem hat jede Fraktion ihr eigenes Deck und damit potentiell sehr unterschiedliche Stratgien zur Verfügung. Wie taktisch oder wie glücksabhängig das Ganze ist, lässt sich aus den Regeln natürlich nicht ableiten.

Schmidt: Auch von Schmidt bekomme ich Geld (für Stadt, Land, Fluß Extreme), daher ebenfalls ein kleiner Disclaimer. Ich habe Brikks (von Wolfgang Warsch) alleine gespielt, also solo quasi. Das macht nicht viel, denn Brikks ist eines dieser Roll ´n´Writes ohne Interaktion, bei denen jeder eh vor sich hinpuzzelt (Das war kein Werturteil meinerseits). In diesem Fall spielt man Tetris. Die beiden Würfel bestimmten Stein UND Ausrichtung und den baut man (wie bei Tetris) ein, mit dem Ziel möglichst viele lückenlose Reihen zu schließen und das möglichst auch noch auf einmal (wegen Bonuspunkten!). Außerdem gibt es Bonuspunkte wenn man bestimmte Felder mit bestimmten Farben überdeckt. Bonuspunkte bringe, nunja, Punkte, aber auch die Möglichkeit den Stein zu drehen (gleicher Stein, andere Ausrichtung) oder gar einen beliebigen Stein zu setzen, was man aber wohl eher nur machen sollte, wenn sonst gar nichts mehr geht oder wenn der große Punkteregen lockt. Also ganz “Tetris mit Würfeln”. Wie Glücksabhängig das ganze ist, vermag ich noch nicht einzuschätzen. “Ziemlich”, würde ich jetzt erst einmal sagen, aber das muss nichts schlechtes sein. Bei meinen Punkten war jedenfalls noch eine Menge Luft nach oben, was nicht nur an den Würfeln lag – insbesondere lohnt es sich die Farben mit den Steinsorten zu korrelieren, ich habe mich da ein paar Mal selbst verbaut, weil der Stein in der Farbe gar nicht mehr passen konnte. Auch der richtige Einsatz der Hilfsoperationen “Drehen”, “beliebiger Stein” und (3x einsetzbar) “Gar nicht setzen” ist glaub ich Übungssache. Und auch das Punktebalancing zwischen “vollen” und “fast vollen” Reihen und Überdecken von Punkten will gelernt sein. Lange Rede, wenig Inhalt: Wenn der Gedanke eines “Würfel-Tetris ohne Interaktion” gut klingt: Man bekommt genau das! Kompetent designed!

Ich bedanke mich bei Mind Fitness Games, Hobby Games, Rudy Games, Helvetiq  und Korea Boardgames für die Voarbexemplare!

Viel Spaß auf der Messe!

ciao

peer

 

*(*hüstel,. Georgios, *hüstel)

026 Brettspielradio Beginn von Staffel 2

avatar Jürgen Karla

Endlich geht der Sendebetrieb des Brettspielradios wieder los. Nach beruflich intensiven Monaten freue ich mich nun auf Staffel 2 des Brettspielradios. In dieser sehr kurzen einleitenden Episode erzähle ich ein wenig von dem, was im kommenden Herbst 2018 passieren wird. Außerdem würde ich mich über eine Teilnahme an einer Postkarten-Aktion freuen:
Schickt mir Eure Geheimnisse, Erlebnisse oder einfach eine Erzählung von etwas Besonderem, was Euch rund um Brett- und Kartenspiele passiert ist zu. Und das ganze als Postkarte! So richtig analog. Wie früher. Und gerne anonym. In kommenden Episoden des Brettspielradios berichte ich dann von dem, was mich postalisch unter der folgenden Adresse erreicht hat:
Brettspielradio
Jürgen Karla
Anna-Klöcker-Str. 13
52134 Herzogenrath

00:00:00 Intro
00:00:23 Beginn von Staffel 2
00:08:28 Outro
00:09:07 Insider

Datum der Aufnahme: 3. September 2018
Online seit: 3. September 2018

Shownotes

Wer das Brettspielradio unterstützen möchte: Die Freude ist groß, falls ihr den Podcast bei iTunes rezensiert oder bewertet. Für alle jene, die kein iTunes verwenden, gibt es die Plattform Panoptikum, auch dort kann eine Empfehlung ausgesprochen und bewertet werden, aber auch ein eigenes Podcasthörerprofil erstellt werden.
Ganz toll ist natürlich auch, falls Ihr Euren Mitspielern vom Brettspielradio erzählt.

Über das Brettspielradio:
Das Brettspielradio findet sich unter dem folgenden Link. Ziel ist es, kurze Episoden rund um Brett- und Kartenspiele zu machen, häufig mit dem Fokus auf die Menschen, die hinter den Brettspielen stehen.
Brettspielradio – Der Brettspiel-Podcast von spielbar.com:
https://www.spielbar.com/podcast

Auf neue Episoden wird regelmäßig auf Twitter hingewiesen
spielbar.com auf twitter:
https://twitter. com/ spielbar_com

Natürlich findet sich das Brettspielradio auf den bekannten Plattformen für Podcasts, insbesondere iTunes
Brettspielradio auf iTunes:
https://itunes.apple.com/us/podcast/brettspielradio-mp3-feed/id1277686061

aber auch über panoptikum.io ist das Brettspielradio erreichbar.
Brettspielradio auf panoptikum.io:
https://panoptikum.io/podcasts/24511

Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
Quelle:
A Wee Tipple von Scott Holmes

Liebe und Hass sind beides Spieler

Der Uli Blennemann kann gut schimpfen und sich freuen. Er jubelt für seinen Eishockey-Verein und schimpft über die Fußballvereine, welche in seinen Augen die falschen sind. Und er schimpft über die SPIEL in Essen. Nicht weil er die Messe nicht mag, aber er mag diese Art von Messe wohl nicht. Wobei schimpfen ist verkehrt. Er mag wohl einfach nur seinen Unmut äußern. So erkläre ich es mir.

Ich habe schnell gelernt, dass es verschiedene Arten von Messen, Events und Conventions gibt. Auf der einen Seite sind die großen fast schon anonymen, für mich persönlich nur noch auf Meetings und Verkauf gestalteten, wie die SPIEL in Essen, die Spielwarenmesse in Nürnberg oder auch vergleichbare Veranstaltungen. Auf der anderen Seite sind die kleinen Veranstaltungen wo es vor allem ums Spielen geht. Da wären Ratingen, Willingen, Braunschweig oder Baesweiler genauso erwähnenswert wie die BGG.CON in Dallas oder Leiria in Portugal, wo ich dieses Wochenende bin.

Ich kannte am Anfang auch nur die SPIEL und ich habe sie genossen. Sie war allerdings schnell groß und Spielen war oft nicht mehr vernünftig möglich, aber ich mag sie. Ich mag es Alle zu treffen und gerade abends in Ruhe mit Freunden abzuhängen und was zu spielen oder einfach nur zu quatschen. Die SPIEL wird immer größer und das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Der größte Nachteil für mich: Ich treffe viele nicht mehr. Man sieht sich nicht, verpasst sich oder übersieht sich. Nürnberg ist dagegen schon ruhig. Vielleicht zu ruhig.

Ich habe mit Oberhof vor ein paar Jahren eine andere Art von Con kennengelernt, die ich schon lange nicht mehr kannte. Man sitzt einfach nur zusammen und spielt von morgens bis abends. Und je mehr man von den Leuten kennt, desto schöner. Ich war im Januar auf einer kleinen Con mit nur 10 Teilnehmern, aber das waren grandiose 4 Tage, die wiederholt gehören. Leiria ist mit seinen 70 Teilnehmern auch überschaubar und vermutlich die größte Veranstaltung im Land, aber der Flair stimmt. Keine Arbeit und viel Freizeit. Kein Stand auf den man aufpassen muss, aber viele Tische an denen man auch testen kann und Arbeit rausholt, wenn es passt.

Es gibt auch andere Veranstaltungen. Die in Stuttgart oder die Modell-Hobby-Spiel in Leipzig fallen mir da ein. Ein großer Teil der Veranstaltung hat nicht mal was mit Spielen zu tun. Da geht es um andere Hobbies. Für die Veranstalter funktioniert die Messe nur auf Grund der Mischung. Für jeden Teil alleine würden nicht genug Besucher zusammenkommen, dass es sich lohnt überhaupt seine Zeit zu investieren, aber in der Summe sind dann die Veranstalter und die Messe zufrieden. Ob es auch die Aussteller sind, mag ich nicht so abschätzen. Beide leiden seit einer Weile gefühlt. Dass Kosmos zu der Veranstaltung vor der eigenen Haustür nicht da ist, sollte einen stutzig machen. Die Spielwiesn in München macht mir echt Spaß, aber auch diese wird jedes Jahr teurer und wenn eine ganze große Ecke mit Fressständen gefüllt sind, dann denkt man sich seinen Teil, ohne zu wissen was da genau los ist.

Und doch, ich liebe es all diese Seiten an Veranstaltungen zu sehen. Ich liebe es nur Spieler um einen zu haben, welche wie wild an Tischen spielen oder welche durch Gänge laufen und kaufen. Ich liebe es Fremde zu sehen, die Spiele kennenlernen wollen oder einen Partner für einen Kracher suchen. Die Abwechslung macht das Spielejahr rund für mich und ich brauche die Mischung, um mich auf etwas anderes wieder einzulassen. Und daher freue ich mich auf die nächste Con in Bochum genauso wie auf die SPIEL. Und vor allem, dass mir Uli von seinen Roosters erzählt und warum er nächstes Jahr nicht in Essen sein will.

016 Brettspielradio mit Pierre Schwan

Der „normale“ Messebesucher der Spiel in Essen bekommt von vielen Dingen, die eher im Hintergrund des Messetrubels stattfinden, gar nicht so viel mit. Z.B. auch, was die Verlage an Logistik-Leistung im Hintergrund erbringen. Pierre Schwan verantwortet die Logistik bei Pegasusspiele in Friedberg und erzählt in unserem Interview zum einen vom Verlagsstandort und dem, was dort in seinem Job alles anfällt. Wir sprechen aber auch über die Messe in Essen und von den LKW-Ladungen voller Spiele und Equipment, die dorthin und auch wieder zurück transportiert werden.

Datum der Aufnahme: 7. Oktober 2017
Online seit: 13. Dezember 2017

Shownotes:

Links:
Brettspielradio – Der Brettspiel-Podcast von spielbar.com: https://www.spielbar.com/podcast
spielbar.com auf twitter: https://twitter.com/spielbar_com
Brettspielradio auf iTunes: https://itunes.apple.com/us/podcast/brettspielradio-mp3-feed/id1277686061
Brettspielradio auf panoptikum.io: https://panoptikum.io/podcasts/24511
Pegasusspiele: http://www.pegasus.de

Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
Quelle:
A Wee Tipple von Scott Holmes: http://freemusicarchive.org/music/Scott_Holmes/Music_For_Media_Vol_2/Scott_Holmes_-_03_-_A_Wee_Tipple_1169

015 Brettspielradio PEEP No 1

Auf Knut Michael Wolfs Spielplatz, später auf spielbox.de, gab es mal ein wunderbares Forum, welches Anlaufstelle für alle am Hobby Brettspiele Interessierten war. Eine Kategorie der dortigen Postings waren die PEEPs, die Persönlichen ErstEindrucks-Postings. Diese Idee will ich heute aufgreifen und meinen Ersteindruck nach wenigen gespielten Partien zu den folgenden Spielen geben. Für eine Rezension ist der Eindruck also noch zu frisch, aber immerhin ein Spielgefühl möchte ich vermitteln:

00:00:00 Intro
00:00:23 Begrüßung
00:01:07 Photosynthesis (Blue Orange, Hjalmar Hach)
00:03:02 Conex (Haba, Prospero Hall)
00:04:26 Istanbul – Das Würfelspiel (Pegasusspiele, Rüdiger Dorn)
00:06:10 Azul (Plan B Games, Michael Kiesling)
00:06:55 Minute Realms (dv Giochi, Stefano Castelli)
00:08:29 Funkelschatz (Haba, Günter und Lena Burkhardt)
00:10:30 Montana (White Goblin Games, Rüdiger Dorn)
00:12:23 Kodama (Kosmos, Daniel Solis)
00:13:37 Majesty (Hans im Glück, Marc André)
00:16:00 Nomaden (Ludonaute, Gary Kim)
00:18:56 Rausschmeißer
00:20:18 Feedback-Block
00:20:49 Outro

Datum der Aufnahme: 6. Dezember 2017
Online seit: 6. Dezember 2017

Shownotes:

Links:
Brettspielradio – Der Brettspiel-Podcast von spielbar.com: https://www.spielbar.com/podcast
spielbar.com auf twitter: https://twitter.com/spielbar_com
Brettspielradio auf iTunes: https://itunes.apple.com/us/podcast/brettspielradio-mp3-feed/id1277686061
Brettspielradio auf panoptikum.io: https://panoptikum.io/podcasts/24511

Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
Quelle:
A Wee Tipple von Scott Holmes: http://freemusicarchive.org/music/Scott_Holmes/Music_For_Media_Vol_2/Scott_Holmes_-_03_-_A_Wee_Tipple_1169

Heather Chandler underlined many words in her copy of Moby Dick

Ich erinnere mich in den letzten Jahren den Jürgen mitgezwungen zu haben, etwas nach der Messe zu schreiben. Inzwischen greift der aber einfach zum Mikro und spricht was ein. Stattdessen bin ich derjenige der gezwungen wird, weil ich noch nichts geliefert habe. Ich sitze also schon seit ein paar Tagen vor einer leeren Schreibprogrammseite und überlege was ich tippen soll.

Es ist ja nicht so, dass es nichts zu tun gibt. Man drängt das Problem nach hinten und kümmert sich um die vielen anderen Dinge, die man die ganze Zeit eh machen muss und die man nicht vernachlässigen möchte. Und dann fällt mir auf, das es vor allem daran liegt das gefühlt alles schon gesagt wurde. Peer hatte es sehr gut erschlagen und Jürgen hat die Lücken gefüllt. Die Messe ist gegessen. Oder nicht?

Und dann dachte ich mir, es gibt ja noch die Sichtweise, eines Menschen der auf der Messe gearbeitet hat. Mit einem eigenen Stand. Aber die ist auch langweilig. Es war voll. Es wurde viel gekauft und man war froh, dass man den Stand nicht verlassen musste. Natürlich hätte man gerne mehr Platz gehabt um mehr Demos geben zu können, aber das Geld dafür hat man auch nicht.

Aber die Deadlines hatten wir noch nicht. Vor 2 Jahren hatten wir alle geschimpft, dass Essen so früh ist. Viele viele Jahre war Essen immer am dritten Wochenende im Oktober. Zumindest erinnere ich mich immer so. Wenn man nachsieht wird man feststellen, dass es auch etliche gab, welche am zweiten Wochenende waren. Vor zwei Jahren war es aber gefühlt das erste Wochenende. In dem Jahr hatte der Oktober fünf Wochenenden und es war in Wahrheit das zweite, aber es war halt ganz am Anfang des Monats. Das erzeugte Stress bei allen Verlagen und die Deadlines waren ein Graus. Aber es klappte.

Dieses Jahr war Essen sehr spät. So spät, dass es wirklich an den Letzen Tagen des Monats lief. Statt also entspannt zu sein, kam die Anstrengung in Form des auf die leichte Schulter Nehmens. Ich habe persönlich ein Problem mit so einem späten Termin, wenn ich ein zeitkritisches Produkt auf den Markt bringe, dass dann schon früher raus muss und nicht auf der Messe als Neuheit gezeigt werden kann. Aber auch andere werden da übersehen und die Deadlines nützen alles nichts.

Wir Verleger sind da wie die Autoren. Und auch die Buchautoren. Gib mir mehr Zeit und ich fülle die zusätzliche Zeit. Es wird nicht fertiger, sondern nur bearbeiteter. Deadlines sind ein wichtiges Instrument, aber sie nützen nichts, wenn die Frage nach der Dead-Deadline und der Dead-Dead-Deadline schon logischerweise kommen. Und es ist echt ein Problem, wenn die Puffer nicht eingebaut werden, um Katastrophen wie gesunkene Container mit einzuplanen.

Für mich war die Messe in der Richtung zum größten Teil entspannt. Und je mehr ich mich weg bewege davon für eine Messe zu planen, sondern mich darauf konzentriere es einfach fertig zu planen, desto entspannter bin ich. Und dennoch mache ich gerade solch Zeitkritischen Projekte jedes Jahr, wo ich den Kribbel der Deadlines wieder spüre. Und die Freude, wenn das alles klappt oder den Frust, wenn was schiefgeht. Ich fühle mich lebendig. So lebendig wie in der Masse in Halle 3 festzustecken oder seinen Stand nicht verlassen zu können, weil die Schlange davor einen nicht rauslassen kann, selbst wenn sie es möchte. Und dieses Gefühl hatte ich auch dieses Jahr. Und auch wenn sich immer alles ändert, so bleibt das Gefühl diese Änderungen als positiv zu empfinden und die Freude das genießen zu können.

Ich freue mich auf die Spiel 18. Egal welche Probleme da kommen. Egal welche Deadlines verpasst werden. Egal welche Trends übersehen wurden. Egal welche Menschen ich verpasst habe, weil wir in der Masse uns nicht getroffen haben. Egal welche anderen verrückten Ideen mir in der Phase des Lebens beglücken. Dieses Essen wird nicht das beste oder coolste gewesen sein. Aber es wird auch nicht das schlechteste gewesen sein. Man muss es als Erlebnis verarbeiten und auf dieses Erlebnis freue ich mich auch nächstes Jahr wieder. Und auf das Feedback anderer die das ganze kritischer betrachten können, wie der Peer.

010 Brettspielradio Rückblick Spiel 17

Ein völlig subjektiver Messerückblick auf die Internationalen Spieltage 2017 in Essen. Aufgenommen mit dem üblichen grippalen Infekt nach der Messe. Podcasting geht also auch aus dem Bett heraus…

Datum der Aufnahme: 1. November 2017
Online seit: 1. November 2017

Shownotes:

Links:
Brettspielradio – Der Brettspiel-Podcast von spielbar.com: https://www.spielbar.com/podcast
spielbar.com auf twitter: https://twitter.com/spielbar_com

Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
Quelle:
A Wee Tipple von Scott Holmes: http://freemusicarchive.org/music/Scott_Holmes/Music_For_Media_Vol_2/Scott_Holmes_-_03_-_A_Wee_Tipple_1169

008 Brettspielradio Spiel’17

In jedem Jahr kurz vor der Messe Spiel in Essen geht die eine Frage um: Was werden die 5 Top-Spiele des Jahrgangs auf der Messe sein. Das kann natürlich nur rein subjektiv beantwortet werden. Konnte es mir früher nicht speziell und “kleinverlagig” genug sein, schaue ich aktuell insbesondere auf schöne, kurzweilige Spiele, die auch gerne im “Familien-Segment” liegen dürfen. In der Episode geht es um…

die 5 Top-Kandidaten der Spiel 2017

Calimala
ADC Blackfire
Fabio Lopiano

Istanbul – Das Würfelspiel
Pegasus
Rüdiger Dorn

Codenames Duett
Czech Games Edition (Vertrieb Asmodee)
Vlaada Chvátil und Scot Eaton

Azul
Plan B Games
Michael Kiesling

Majesty
Hans im Glück
Marc André

Daneben sollen aber die vergessenen Giganten nicht zu kurz kommen:

NMBR9
Abacusspiele
Peter Wichmann

Mein Traumhaus
Pegasus
Klemens Kalicki

The Lost Expedition
Osprey Games
Peer Sylvester

Memoarrr!
Edition Spielwiese
Carlo Bortolini

13 Tage
Frosted Games
Asger Harding Granerud und Daniel Skjold Pedersen

Ebensowenig die blinden Vorbestellungen. Nur dass ich da kaum etwas zu sagen kann. Sind ja blinde Vorbestellungen:

Mystery of the Temples
EmperorS4
Wei-Min Ling

Petrichor
APE Games
David Chircop und Dávid Turczi

John Company
Sierra Madre Games
Cole Wehrle

Montana
White Goblin Games
Rüdiger Dorn

Keyper
R&D Games
Richard Breese

Und zum Schluß noch einige Spiele außer der Reihe:

London – Neuauflage
Osprey Games
Martin Wallace

Pandemic Legacy Season 2
Z-Man
Rob Daviau, Matt Leacock

Exit – ??? Das Haus der Rätsel
Kosmos
Inka und Markus Brand

Queendomino
Pegasus
Bruno Cathala

Mask of Moai
Gift 10 Industry
Takashi Hamada

Datum der Aufnahme: 13. Oktober 2017
Online seit: 18. Oktober 2017

Shownotes:

Links:
Brettspielradio – Der Brettspiel-Podcast von spielbar.com: https://www.spielbar.com/podcast
spielbar.com auf twitter: https://twitter.com/spielbar_com

Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
Quelle:
A Wee Tipple von Scott Holmes: http://freemusicarchive.org/music/Scott_Holmes/Music_For_Media_Vol_2/Scott_Holmes_-_03_-_A_Wee_Tipple_1169

Da sein oder nicht da sein – Das ist leider eine Frage des Geldes

Alle paar Wochen darf ich hier in die Tasten hauen und etwas an die werten Lesen auf spielbar.com schreiben. Heute ist der verlängerte Tag vom Wochenende, denn mit Messevorbereitungen und dem Anbinden von Pandemic Legacy Season 2 an selbigen Zeitplan ist meine Zeit deutlich knapper gestreut als mir lieb ist. Dennoch will ich am fünften Tag des Wochenendes noch ein paar Worte zum Besten geben.

Wenn man derzeit über eines redet, dann über die Spiel in Essen. Die ganze Spiele-Welt dreht sich um diese Veranstaltung und um die Spiele, die dort vorgestellt werden. Die Ganze Spiele-Welt? Nein. Es gibt auch Leute im Spielebereich die nicht in Essen sind, aus den unterschiedlichsten Gründen. Vielleicht ist das auch gut so, denn die Veranstaltung ist so schon kaum überblickbar und wenn ich den Berichten über die GenCon trauen darf, ist es einfach unmöglich auch nur ansatzweise alles zu sehen, was einen interessiert. Muss man aber auch nicht.

Ich bin ein großer Fan von Heavy Cardboard. In ihrer Vorschau zu Essen zusammen mit Punching Cardboard haben sie den Begriff etwas weiter gefasst und alle Spiele mit reingenommen die in dem Zeitraum erscheinen. Und da war einiges dabei, was gar nicht in Essen dabei ist. Es zeigt deutlich, dass die Zahl der Verlage größer wird, die nach Essen kommt, aber im selben Maße auch Verlage entstehen, die nicht nach Essen kommen. Der Markt wächst und gedeiht.

Die Frage stellt sich für mich auch als Verlagsmensch. Man wird zu vielen Veranstaltungen eingeladen, zu denen man doch auch kommen soll. Die GenCon lädt nicht ein, die hat genug Leute, die freiwillig kommen. Aber sämtliche anderen Veranstalter fragen bei einem an. Man soll nach Birmingham und Cannes kommen. Das sind die größten Messen der Branche in UK und in Frankreich. Auch Lucca und Modena in Italien fragen an. Die Veranstaltungen, die Wien hatte, haben auch angefragt und dann sind sie jetzt leider weg. Aber auch die kleinen Veranstaltungen in Deutschland fragen nach. Sei es Ratingen, Bremen, Bielefeld, Darmstadt, Rostock, Braunschweig, sogar die Berlin-Con und viele viele mehr. Sogar Nürnberg will mich oder die Frankfurter Kreativmesse und da sehe ich mich nicht mal als Zielgruppe.

Natürlich sollte man auf allen Spielemessen sein, denn auf jeder sind Spieler, denen man seine Spiele näherbringen kann. Je mehr Präsenz man zeigt, desto mehr wird man wahrgenommen. Leider ist das auch immer mit einem entsprechend hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Dabei mag der Stand noch günstig sein, aber wenn da noch einer helfen soll mit dem Erklären, wenn da noch die Anreise dazukommt und die Übernachtungen, dann sprengt das sehr schnell den Rahmen, den jeder sich leisten kann. Und dennoch ist jede einzelne dieser Veranstaltungen wichtig. Jede einzelne ist eine Hilfe, das Spielen wieder weiter in das Zentrum der Freizeitgestaltung für viele zu rücken.

Und nun kommt der Nostheide Verlag und macht auch noch mit einer Veranstaltung mit. Die Spiel Doch! in Duisburg will mich auch als Aussteller gewinnen.

Ich hatte eigentlich vor, einen langen Rant zu schreiben, was dabei alles falsch gemacht wird. Vor allem in der bisherigen Kommunikation der Veranstaltung. Aber wem ist damit geholfen? Weder dem Nostheide-Verlag noch den Spielern. Ich habe einfach mal die ganzen Argumente in eine Schublade gepackt und kann sie dann rausholen, falls die Messe im März ein Reinfall wird, mit den Worten, ich habe es vorher gewusst. Und falls sie ein großer Erfolg wird, dann freue ich mich, dass es noch mehr Anziehungspunkte gibt und habe mich nicht peinlich gemacht.

Natürlich sollte ich auch da hin, aber das sprengt den Rahmen, den ich als 1-Mann-Verlag leisten kann, leider deutlich. Eigentlich tut dies auch Essen, aber ein Aushängeschild muss ich mir dann doch gönnen. Zu wichtig sind die ganzen Kontakte dort. Es ist Business und nicht nur Vergnügen. Aber als Selbständiger ist das so verschwommen, das ich da oft nicht unterscheiden kann, nicht muss und auch nicht möchte.