Liebe und Hass sind beides Spieler

Der Uli Blennemann kann gut schimpfen und sich freuen. Er jubelt für seinen Eishockey-Verein und schimpft über die Fußballvereine, welche in seinen Augen die falschen sind. Und er schimpft über die SPIEL in Essen. Nicht weil er die Messe nicht mag, aber er mag diese Art von Messe wohl nicht. Wobei schimpfen ist verkehrt. Er mag wohl einfach nur seinen Unmut äußern. So erkläre ich es mir.

Ich habe schnell gelernt, dass es verschiedene Arten von Messen, Events und Conventions gibt. Auf der einen Seite sind die großen fast schon anonymen, für mich persönlich nur noch auf Meetings und Verkauf gestalteten, wie die SPIEL in Essen, die Spielwarenmesse in Nürnberg oder auch vergleichbare Veranstaltungen. Auf der anderen Seite sind die kleinen Veranstaltungen wo es vor allem ums Spielen geht. Da wären Ratingen, Willingen, Braunschweig oder Baesweiler genauso erwähnenswert wie die BGG.CON in Dallas oder Leiria in Portugal, wo ich dieses Wochenende bin.

Ich kannte am Anfang auch nur die SPIEL und ich habe sie genossen. Sie war allerdings schnell groß und Spielen war oft nicht mehr vernünftig möglich, aber ich mag sie. Ich mag es Alle zu treffen und gerade abends in Ruhe mit Freunden abzuhängen und was zu spielen oder einfach nur zu quatschen. Die SPIEL wird immer größer und das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Der größte Nachteil für mich: Ich treffe viele nicht mehr. Man sieht sich nicht, verpasst sich oder übersieht sich. Nürnberg ist dagegen schon ruhig. Vielleicht zu ruhig.

Ich habe mit Oberhof vor ein paar Jahren eine andere Art von Con kennengelernt, die ich schon lange nicht mehr kannte. Man sitzt einfach nur zusammen und spielt von morgens bis abends. Und je mehr man von den Leuten kennt, desto schöner. Ich war im Januar auf einer kleinen Con mit nur 10 Teilnehmern, aber das waren grandiose 4 Tage, die wiederholt gehören. Leiria ist mit seinen 70 Teilnehmern auch überschaubar und vermutlich die größte Veranstaltung im Land, aber der Flair stimmt. Keine Arbeit und viel Freizeit. Kein Stand auf den man aufpassen muss, aber viele Tische an denen man auch testen kann und Arbeit rausholt, wenn es passt.

Es gibt auch andere Veranstaltungen. Die in Stuttgart oder die Modell-Hobby-Spiel in Leipzig fallen mir da ein. Ein großer Teil der Veranstaltung hat nicht mal was mit Spielen zu tun. Da geht es um andere Hobbies. Für die Veranstalter funktioniert die Messe nur auf Grund der Mischung. Für jeden Teil alleine würden nicht genug Besucher zusammenkommen, dass es sich lohnt überhaupt seine Zeit zu investieren, aber in der Summe sind dann die Veranstalter und die Messe zufrieden. Ob es auch die Aussteller sind, mag ich nicht so abschätzen. Beide leiden seit einer Weile gefühlt. Dass Kosmos zu der Veranstaltung vor der eigenen Haustür nicht da ist, sollte einen stutzig machen. Die Spielwiesn in München macht mir echt Spaß, aber auch diese wird jedes Jahr teurer und wenn eine ganze große Ecke mit Fressständen gefüllt sind, dann denkt man sich seinen Teil, ohne zu wissen was da genau los ist.

Und doch, ich liebe es all diese Seiten an Veranstaltungen zu sehen. Ich liebe es nur Spieler um einen zu haben, welche wie wild an Tischen spielen oder welche durch Gänge laufen und kaufen. Ich liebe es Fremde zu sehen, die Spiele kennenlernen wollen oder einen Partner für einen Kracher suchen. Die Abwechslung macht das Spielejahr rund für mich und ich brauche die Mischung, um mich auf etwas anderes wieder einzulassen. Und daher freue ich mich auf die nächste Con in Bochum genauso wie auf die SPIEL. Und vor allem, dass mir Uli von seinen Roosters erzählt und warum er nächstes Jahr nicht in Essen sein will.

016 Brettspielradio mit Pierre Schwan

Der „normale“ Messebesucher der Spiel in Essen bekommt von vielen Dingen, die eher im Hintergrund des Messetrubels stattfinden, gar nicht so viel mit. Z.B. auch, was die Verlage an Logistik-Leistung im Hintergrund erbringen. Pierre Schwan verantwortet die Logistik bei Pegasusspiele in Friedberg und erzählt in unserem Interview zum einen vom Verlagsstandort und dem, was dort in seinem Job alles anfällt. Wir sprechen aber auch über die Messe in Essen und von den LKW-Ladungen voller Spiele und Equipment, die dorthin und auch wieder zurück transportiert werden.

Datum der Aufnahme: 7. Oktober 2017
Online seit: 13. Dezember 2017

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Credits Intro/Outro:
Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
Lizenz: CC BY NC
Veröffentlicht: 2017-08-19
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A Wee Tipple von Scott Holmes: http://freemusicarchive.org/music/Scott_Holmes/Music_For_Media_Vol_2/Scott_Holmes_-_03_-_A_Wee_Tipple_1169

015 Brettspielradio PEEP No 1

Auf Knut Michael Wolfs Spielplatz, später auf spielbox.de, gab es mal ein wunderbares Forum, welches Anlaufstelle für alle am Hobby Brettspiele Interessierten war. Eine Kategorie der dortigen Postings waren die PEEPs, die Persönlichen ErstEindrucks-Postings. Diese Idee will ich heute aufgreifen und meinen Ersteindruck nach wenigen gespielten Partien zu den folgenden Spielen geben. Für eine Rezension ist der Eindruck also noch zu frisch, aber immerhin ein Spielgefühl möchte ich vermitteln:

00:00:00 Intro
00:00:23 Begrüßung
00:01:07 Photosynthesis (Blue Orange, Hjalmar Hach)
00:03:02 Conex (Haba, Prospero Hall)
00:04:26 Istanbul – Das Würfelspiel (Pegasusspiele, Rüdiger Dorn)
00:06:10 Azul (Plan B Games, Michael Kiesling)
00:06:55 Minute Realms (dv Giochi, Stefano Castelli)
00:08:29 Funkelschatz (Haba, Günter und Lena Burkhardt)
00:10:30 Montana (White Goblin Games, Rüdiger Dorn)
00:12:23 Kodama (Kosmos, Daniel Solis)
00:13:37 Majesty (Hans im Glück, Marc André)
00:16:00 Nomaden (Ludonaute, Gary Kim)
00:18:56 Rausschmeißer
00:20:18 Feedback-Block
00:20:49 Outro

Datum der Aufnahme: 6. Dezember 2017
Online seit: 6. Dezember 2017

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Künstler: Scott Holmes
Song: A Wee Tipple
Album: Music for Media 2
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Veröffentlicht: 2017-08-19
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Heather Chandler underlined many words in her copy of Moby Dick

Ich erinnere mich in den letzten Jahren den Jürgen mitgezwungen zu haben, etwas nach der Messe zu schreiben. Inzwischen greift der aber einfach zum Mikro und spricht was ein. Stattdessen bin ich derjenige der gezwungen wird, weil ich noch nichts geliefert habe. Ich sitze also schon seit ein paar Tagen vor einer leeren Schreibprogrammseite und überlege was ich tippen soll.

Es ist ja nicht so, dass es nichts zu tun gibt. Man drängt das Problem nach hinten und kümmert sich um die vielen anderen Dinge, die man die ganze Zeit eh machen muss und die man nicht vernachlässigen möchte. Und dann fällt mir auf, das es vor allem daran liegt das gefühlt alles schon gesagt wurde. Peer hatte es sehr gut erschlagen und Jürgen hat die Lücken gefüllt. Die Messe ist gegessen. Oder nicht?

Und dann dachte ich mir, es gibt ja noch die Sichtweise, eines Menschen der auf der Messe gearbeitet hat. Mit einem eigenen Stand. Aber die ist auch langweilig. Es war voll. Es wurde viel gekauft und man war froh, dass man den Stand nicht verlassen musste. Natürlich hätte man gerne mehr Platz gehabt um mehr Demos geben zu können, aber das Geld dafür hat man auch nicht.

Aber die Deadlines hatten wir noch nicht. Vor 2 Jahren hatten wir alle geschimpft, dass Essen so früh ist. Viele viele Jahre war Essen immer am dritten Wochenende im Oktober. Zumindest erinnere ich mich immer so. Wenn man nachsieht wird man feststellen, dass es auch etliche gab, welche am zweiten Wochenende waren. Vor zwei Jahren war es aber gefühlt das erste Wochenende. In dem Jahr hatte der Oktober fünf Wochenenden und es war in Wahrheit das zweite, aber es war halt ganz am Anfang des Monats. Das erzeugte Stress bei allen Verlagen und die Deadlines waren ein Graus. Aber es klappte.

Dieses Jahr war Essen sehr spät. So spät, dass es wirklich an den Letzen Tagen des Monats lief. Statt also entspannt zu sein, kam die Anstrengung in Form des auf die leichte Schulter Nehmens. Ich habe persönlich ein Problem mit so einem späten Termin, wenn ich ein zeitkritisches Produkt auf den Markt bringe, dass dann schon früher raus muss und nicht auf der Messe als Neuheit gezeigt werden kann. Aber auch andere werden da übersehen und die Deadlines nützen alles nichts.

Wir Verleger sind da wie die Autoren. Und auch die Buchautoren. Gib mir mehr Zeit und ich fülle die zusätzliche Zeit. Es wird nicht fertiger, sondern nur bearbeiteter. Deadlines sind ein wichtiges Instrument, aber sie nützen nichts, wenn die Frage nach der Dead-Deadline und der Dead-Dead-Deadline schon logischerweise kommen. Und es ist echt ein Problem, wenn die Puffer nicht eingebaut werden, um Katastrophen wie gesunkene Container mit einzuplanen.

Für mich war die Messe in der Richtung zum größten Teil entspannt. Und je mehr ich mich weg bewege davon für eine Messe zu planen, sondern mich darauf konzentriere es einfach fertig zu planen, desto entspannter bin ich. Und dennoch mache ich gerade solch Zeitkritischen Projekte jedes Jahr, wo ich den Kribbel der Deadlines wieder spüre. Und die Freude, wenn das alles klappt oder den Frust, wenn was schiefgeht. Ich fühle mich lebendig. So lebendig wie in der Masse in Halle 3 festzustecken oder seinen Stand nicht verlassen zu können, weil die Schlange davor einen nicht rauslassen kann, selbst wenn sie es möchte. Und dieses Gefühl hatte ich auch dieses Jahr. Und auch wenn sich immer alles ändert, so bleibt das Gefühl diese Änderungen als positiv zu empfinden und die Freude das genießen zu können.

Ich freue mich auf die Spiel 18. Egal welche Probleme da kommen. Egal welche Deadlines verpasst werden. Egal welche Trends übersehen wurden. Egal welche Menschen ich verpasst habe, weil wir in der Masse uns nicht getroffen haben. Egal welche anderen verrückten Ideen mir in der Phase des Lebens beglücken. Dieses Essen wird nicht das beste oder coolste gewesen sein. Aber es wird auch nicht das schlechteste gewesen sein. Man muss es als Erlebnis verarbeiten und auf dieses Erlebnis freue ich mich auch nächstes Jahr wieder. Und auf das Feedback anderer die das ganze kritischer betrachten können, wie der Peer.

010 Brettspielradio Rückblick Spiel 17

Ein völlig subjektiver Messerückblick auf die Internationalen Spieltage 2017 in Essen. Aufgenommen mit dem üblichen grippalen Infekt nach der Messe. Podcasting geht also auch aus dem Bett heraus…

Datum der Aufnahme: 1. November 2017
Online seit: 1. November 2017

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Veröffentlicht: 2017-08-19
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008 Brettspielradio Spiel’17

In jedem Jahr kurz vor der Messe Spiel in Essen geht die eine Frage um: Was werden die 5 Top-Spiele des Jahrgangs auf der Messe sein. Das kann natürlich nur rein subjektiv beantwortet werden. Konnte es mir früher nicht speziell und “kleinverlagig” genug sein, schaue ich aktuell insbesondere auf schöne, kurzweilige Spiele, die auch gerne im “Familien-Segment” liegen dürfen. In der Episode geht es um…

die 5 Top-Kandidaten der Spiel 2017

Calimala
ADC Blackfire
Fabio Lopiano

Istanbul – Das Würfelspiel
Pegasus
Rüdiger Dorn

Codenames Duett
Czech Games Edition (Vertrieb Asmodee)
Vlaada Chvátil und Scot Eaton

Azul
Plan B Games
Michael Kiesling

Majesty
Hans im Glück
Marc André

Daneben sollen aber die vergessenen Giganten nicht zu kurz kommen:

NMBR9
Abacusspiele
Peter Wichmann

Mein Traumhaus
Pegasus
Klemens Kalicki

The Lost Expedition
Osprey Games
Peer Sylvester

Memoarrr!
Edition Spielwiese
Carlo Bortolini

13 Tage
Frosted Games
Asger Harding Granerud und Daniel Skjold Pedersen

Ebensowenig die blinden Vorbestellungen. Nur dass ich da kaum etwas zu sagen kann. Sind ja blinde Vorbestellungen:

Mystery of the Temples
EmperorS4
Wei-Min Ling

Petrichor
APE Games
David Chircop und Dávid Turczi

John Company
Sierra Madre Games
Cole Wehrle

Montana
White Goblin Games
Rüdiger Dorn

Keyper
R&D Games
Richard Breese

Und zum Schluß noch einige Spiele außer der Reihe:

London – Neuauflage
Osprey Games
Martin Wallace

Pandemic Legacy Season 2
Z-Man
Rob Daviau, Matt Leacock

Exit – ??? Das Haus der Rätsel
Kosmos
Inka und Markus Brand

Queendomino
Pegasus
Bruno Cathala

Mask of Moai
Gift 10 Industry
Takashi Hamada

Datum der Aufnahme: 13. Oktober 2017
Online seit: 18. Oktober 2017

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Veröffentlicht: 2017-08-19
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Da sein oder nicht da sein – Das ist leider eine Frage des Geldes

Alle paar Wochen darf ich hier in die Tasten hauen und etwas an die werten Lesen auf spielbar.com schreiben. Heute ist der verlängerte Tag vom Wochenende, denn mit Messevorbereitungen und dem Anbinden von Pandemic Legacy Season 2 an selbigen Zeitplan ist meine Zeit deutlich knapper gestreut als mir lieb ist. Dennoch will ich am fünften Tag des Wochenendes noch ein paar Worte zum Besten geben.

Wenn man derzeit über eines redet, dann über die Spiel in Essen. Die ganze Spiele-Welt dreht sich um diese Veranstaltung und um die Spiele, die dort vorgestellt werden. Die Ganze Spiele-Welt? Nein. Es gibt auch Leute im Spielebereich die nicht in Essen sind, aus den unterschiedlichsten Gründen. Vielleicht ist das auch gut so, denn die Veranstaltung ist so schon kaum überblickbar und wenn ich den Berichten über die GenCon trauen darf, ist es einfach unmöglich auch nur ansatzweise alles zu sehen, was einen interessiert. Muss man aber auch nicht.

Ich bin ein großer Fan von Heavy Cardboard. In ihrer Vorschau zu Essen zusammen mit Punching Cardboard haben sie den Begriff etwas weiter gefasst und alle Spiele mit reingenommen die in dem Zeitraum erscheinen. Und da war einiges dabei, was gar nicht in Essen dabei ist. Es zeigt deutlich, dass die Zahl der Verlage größer wird, die nach Essen kommt, aber im selben Maße auch Verlage entstehen, die nicht nach Essen kommen. Der Markt wächst und gedeiht.

Die Frage stellt sich für mich auch als Verlagsmensch. Man wird zu vielen Veranstaltungen eingeladen, zu denen man doch auch kommen soll. Die GenCon lädt nicht ein, die hat genug Leute, die freiwillig kommen. Aber sämtliche anderen Veranstalter fragen bei einem an. Man soll nach Birmingham und Cannes kommen. Das sind die größten Messen der Branche in UK und in Frankreich. Auch Lucca und Modena in Italien fragen an. Die Veranstaltungen, die Wien hatte, haben auch angefragt und dann sind sie jetzt leider weg. Aber auch die kleinen Veranstaltungen in Deutschland fragen nach. Sei es Ratingen, Bremen, Bielefeld, Darmstadt, Rostock, Braunschweig, sogar die Berlin-Con und viele viele mehr. Sogar Nürnberg will mich oder die Frankfurter Kreativmesse und da sehe ich mich nicht mal als Zielgruppe.

Natürlich sollte man auf allen Spielemessen sein, denn auf jeder sind Spieler, denen man seine Spiele näherbringen kann. Je mehr Präsenz man zeigt, desto mehr wird man wahrgenommen. Leider ist das auch immer mit einem entsprechend hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Dabei mag der Stand noch günstig sein, aber wenn da noch einer helfen soll mit dem Erklären, wenn da noch die Anreise dazukommt und die Übernachtungen, dann sprengt das sehr schnell den Rahmen, den jeder sich leisten kann. Und dennoch ist jede einzelne dieser Veranstaltungen wichtig. Jede einzelne ist eine Hilfe, das Spielen wieder weiter in das Zentrum der Freizeitgestaltung für viele zu rücken.

Und nun kommt der Nostheide Verlag und macht auch noch mit einer Veranstaltung mit. Die Spiel Doch! in Duisburg will mich auch als Aussteller gewinnen.

Ich hatte eigentlich vor, einen langen Rant zu schreiben, was dabei alles falsch gemacht wird. Vor allem in der bisherigen Kommunikation der Veranstaltung. Aber wem ist damit geholfen? Weder dem Nostheide-Verlag noch den Spielern. Ich habe einfach mal die ganzen Argumente in eine Schublade gepackt und kann sie dann rausholen, falls die Messe im März ein Reinfall wird, mit den Worten, ich habe es vorher gewusst. Und falls sie ein großer Erfolg wird, dann freue ich mich, dass es noch mehr Anziehungspunkte gibt und habe mich nicht peinlich gemacht.

Natürlich sollte ich auch da hin, aber das sprengt den Rahmen, den ich als 1-Mann-Verlag leisten kann, leider deutlich. Eigentlich tut dies auch Essen, aber ein Aushängeschild muss ich mir dann doch gönnen. Zu wichtig sind die ganzen Kontakte dort. Es ist Business und nicht nur Vergnügen. Aber als Selbständiger ist das so verschwommen, das ich da oft nicht unterscheiden kann, nicht muss und auch nicht möchte.

Gedankengut Spiel ’16

Ach herrje, womit kommt der denn jetzt noch? Andere haben längst die Neuheitenliste für die Spielwarenmesse in Nürnberg 2017 abgearbeitet, jetzt kommt der hier mit so altem Kram um die Ecke.
Aber Peer und Matthias haben mich ja gezwungen. Und da lasse ich mich gerne ein wenig anstupsen. Nur musste ich beruflich schauen, dass ich den Beitrag irgendwo zeitlich schaffe unterzubekommen. Voilà.

Womit fange ich denn da am besten an? Falls ich Leser vergraulen will, wohl zunächst einmal mit dem Erlebnis auf der Messe mit Kindern unterwegs zu sein: Was soll ich sagen, im großen und ganzen hat das prima geklappt. Unsere Mädels (4,5 und 2,5) sind am Samstag früh mit Mama nach Essen gekommen und bis Sonntagnachmittag mit dabei gewesen. Wir Eltern hatten also den Donnerstag und Freitag zur freien Erkundung der Messe. Dadurch wird diese Messezeit aber auch gleichzeitig weniger von Spielen denn von Erlebnissen geprägt. Und ja, die Galeria, die ich früher immer wahnsinnig nervig fand, ist dann plötzlich ein Highlight. Falls Ihr meine Kinder mal trefft, wäre ich übrigens dankbar, falls Ihr bestätigen könntet, dass die Trampoline erst für ab 10-jährige Kinder sind ;-) Ihr vernichtet sonst meine Credibility. Die Messehighlights kamen für die Mädels eindeutig von Heidelberger und Schmidt: Eine große Entschuldigung an den jungen Mann oder die junge Frau, die am Sonntagfrüh im Heidelbär-Kostüm steckte. Ja, das war meine Tochter, die Dich beim Rausgehen aus der Galeria geschlagene 15 Minuten zugetextet hat und Dir Geschichten aus ihrem Leben erzählt hat. Danke, dass Du so nett stehengeblieben bist. Der Kaffee, den ich in der Zeit getrunken habe, war der wohl entspannteste des Tages. Und pardon, dass Dir die Mädels dann den ganzen Tag suchend durch die Hallen gefolgt sind. Wir spielen dafür jetzt nur noch Heidelberger-Spiele mit ihnen. Gut, bis auf Schmidts Bibi&Tina – Das große Rennen. Das spielerische Highlight der Messe für die Mädels. Und ein großer Dank an Schmidt, das wir dass Spiel am Stand erwerben durften, da die umliegenden Händler es überraschenderweise nicht im Sortiment hatten. Die Packung davon ist zwar groß, aber ich habe das gerne geschleppt, sind darin doch zwei Steckenpferde, die noch am Abend im Hotel bespielt wurden. Außerdem war der Karton bei weitem nicht so groß wie der von PlayMais, der anderen Entdeckung der Messe. Aber der Karton kam glücklicherweise per Post wenige Tage nach der Online-Bestellung. Apropos Online-Bestellung, kennt jemand eine Bezugsquelle für die Einhornkopfbedeckungen aus Halle 2? Sahen bescheuert aus, stehen aber auf dem Weihnachtswunschzettel der Mädels…

So, dann mache ich direkt beim letzten Adjektiv weiter. Ich bin jedes Jahr auf’s neue überrascht, mit welcher Naivität Kleinverleger hier an den Start gehen. War es letztes Jahr (oder vorletztes?) das eigenproduzierte Black Hole (engl. Bezeichnung für ein rundes Leiterspiel), setzte dem in diesem Jahr Stephan Daniel die Krone auf. Besagter Autor, Verleger, Ernährungsexperte und (!) Skilehrer sprach mich bereits vor der Neuheitenschau komisch von der Seite an, obschon ich gerade im Gespräch mit Tom Werneck vertieft war. Nun gut, Flyer entgegengenommen, gelächelt, zurück zum Gespräch. Dann kam aber während der Messe am Freitagabend das an Absurdität nicht zu übertreffende Ereignis: Wir schlenderten gerade von einem Termin zum nächsten als besagter Motivationskünstler aus seinem Stand heraus gesprungen kam (wirklich, wortwörtlich), um sich uns in den Weg zu stellen. Ohne große Vorstellung kam die Frage: ‚Hey, für welches Medium arbeitet Ihr denn?’ Man muss dazu sagen, dass wir neben spielbar noch die Spielevorstellungen für das Libelle-Magazin schreiben, z.B. gerade aktuell Krazy Wordz. Nun gut, ich war froh, dass ich ihn nicht umgerannt habe, so spontan kam der Sprung vor meine Füße (Anm. d. Red.: nein, aufgrund seiner kräftigen, tollen, männlichen Statur – erwähnten wir das mit dem Skilehrerschein – wär‘ das natürlich nicht, ach, ich schweife ab…), dennoch nett geantwortet und auf seinerseitiges Nachbohren versprochen, dass ich um 18 Uhr, nach unseren sonstigen Terminen, nochmal vorbeikomme. Gesagt, getan und @AttilaProducts einfach direkt mal mitgenommen. Und was dann geschah ist für mich immer noch unfassbar, auch in der Retrospektive. Wir also hin und freundlich gesagt ‚Da sind wir, dann zeig uns mal Dein Spiel‘. Dann folgte eine minutenlange Erläuterung, dass Trumpf ja nicht Quartett sei und dass da erhebliche Unterschiede bestehen. Die habe ich bis heute nicht verstanden, aber in dem Moment auf der Messe dachte ich nur ‚ok, was erklärst Du da, Du wirst doch hier nicht ein Trumpf-Spiel vorstellen wollen…‘. Weeeeeeit gefehlt. Die Erläuterung des Spiels begann dann mit den Worten ‚50% der Deutschen wollen mehr über Ernährung erfahren. Mit dem Spiel ‚jeu-d’œuvre‘ will ich zur Bildung beitragen.‘ Dann kam nochmal die Erklärung von Trumpf, verbunden mit dem Hinweis, dass das für die meisten Menschen als Spiel ja schon viel zu kompliziert sei (Anm.: was ich nicht hoffe). Er habe sich daher einen tollen Kniff ausgedacht, mit dem das Spiel noch viel toller wird: Die Schwierigkeit besteht ja bei Trumpf in der Entscheidung für eine Kategorie, die man Vorlesen möchte. Das nimmt einem jeu-d’œuvre ab. Hier steht oben auf der Karte, welche Kategorie man wählen muss. Hmm. Erst mal Schweigen. Dann kamen wir darauf zu sprechen, ob man dann noch von Spiel sprechen kann. Immerhin fällt damit alles weg, was man an Trumpf noch als Spiel bezeichnen könnte. Und wir waren echt nett und höflich, haben aber dennoch unserer Skepsis Ausdruck verliehen. Und das war offensichtlich Anlass genug, uns dann so was von persönlich anzugehen: Was wir doch für Journalisten seien, unsere Aufgabe sei doch wohl ihm zuzuhören und dann sofort über seine Worte zu berichten. Unser Einwand, dass weder spielbar noch Spielbox, für die Atti schreibt, wohl einen Leserkreis hätten, der sich für ein Trumpf-Spiel interessiert, wurde dann mit der Gegenfrage konterkariert, wieviele Leser wir denn hätten. Seine Zielgruppe sei immerhin eine andere, denn 50% der Deutschen hätten Interesse an Ernährung, er strebe also einen Markt von 40 Mio. Kunden an. (Anm.: Wenn ich mich nicht täusche, dann also knapp doppelt so viele, wie es Käufer für das Catan Grundspiel weltweit gab.) Da könnten wir mit unseren paar Tausend Lesern wohl kaum eine Relevanz für ihn haben. Bämm. Das saß. Ich wusste echt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Beides aus Erheiterung.
Aber ich will eines zugeben: Die Aquarelle, die er nach eigenen Angaben selbst erstellt hat, sind toll. Hier könnten Verlage auf der Suche nach einem Illustrator ja mal vorbeischauen.

Leider konnten wir aufgrund der Kinder nicht zum Bloggertreffen am Samstagabend. Aber wir hätten vermutlich auch den Dienstaltersdurchschnitt gesprengt. Ich bin in dem Kontext über twitter gefragt worden, wie lange es spielbar.com schon gibt. Die Überraschung, dass wir am 22.02.2000 gestartet sind, war schon interessant. Webseiten gibt es also nicht erst seitdem Social Media en vogue sind :-)

Dann noch ein paar vermischte Eindrücke:

Ein steter Anlaufpunkt war der Stand von Rathskellers. Die Tische von den Jungs sind echt grandios. Zwei davon stehen bei @AttilaProducts und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Partie darauf (zum Zeitpunkt, wo ich dies hier schreibe, sieht es so aus als würde das Elisabeth I. werden, wunderbares Spiel).

Es gab vereinzelt Ärger um rationierte Spiele. Für mich nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man das mal in Ruhe betrachtet, ärgert sich niemand mehr als ein Verleger, falls er nicht genügend Spiele mit in Essen hat, weil einfach nicht mehr zu produzieren oder transportieren waren. Egal, welchen Verteilmechanismus man dann wählt, irgendjemand wird sich immer aufregen. Und entgangenen Gewinn hat er auch noch. Für die Kaufinteressenten: Wenn ein Spiel wirklich richtig gut ist, dann kommt es irgendwann zu einer Neuauflage oder einem weiteren Printrun.

Spannend fand ich die Vorankündigung des Paketversands direkt von der Messe. Überrascht war ich dann von der winzigen Größe des Stands. Ich hatte einen mindestens 4x so großen Stand erwartet. Aber das Geschäftsmodell scheint funktioniert zu haben und daher möchte ich fast wetten, dass im nächsten Jahr noch mehr Paketanbieter auf der Messe präsent sein werden. Die von weiter her angereisten Besucher haben zumindest lange Schlangen gebildet.

In den letzten Wochen habe ich eine spannende App immer häufiger genutzt: Boardgame Stats App, mit der einige Statistiken von BGG ausgelesen und Daten für BGG eingegeben werden können. Ein feines Ding. Und im krassen Kontrast zu twiddle auch ein Konzept, von dem ich auch vorab gesagt hätte, dass es funktioniert. Zu twiddle, einer anderen mobilen App, gab es hingegen trotz vermutlich großem Investment seitens Spieleverlage e.V. lediglich eine dünne Pressemitteilung. Vielleicht war zu dem Zeitpunkt bereits der Glaube an das Projekt verloren. Wenn alles gut läuft, werde ich in den kommenden Wochen hierzu nochmals etwas intensiver schreiben.

Na gut, und als ultimativer Nachschlag noch der Blick auf die Neuerwerbungen (= Pile of Shame des kommenden Jahres).

Spiel 2016 (= Pile of Shame 2017)
Spiel 2016 (= Pile of Shame 2017)

So, Peer und Matthias, das war’s von meiner Seite zu Essen. Euch fehlt noch was? Gut, dann hier noch ein kleiner Nachschlag: Nette Leute treffen – Spielen im Hotel – Bloggertreffen – Tolle Leute wiedersehen – Kasse geklaut, Kickstarter gemacht – Messe überfüllt – Wir wollen mehr Spielfläche! – Unfassbar hohe Preise – Ramschpreise – Waffeln – Crepes – Kaffee – Hotel Bredeney.

Helter Schelte – Die Nacht der langen Medien-Kultur

Peer will, dass ich auch über Essen schreibe. Und ich mache das gerne. Vor allem weil ich auch will, dass Jürgen zu Essen was schreibt. Aber so einfach mache ich das eigentlich nicht für meine Leser, daher werde ich hier mal etwas ausholen und erstmal über einen Umweg dazu kommen.

Fangen wir also mit der aktuellen Situation an: Die Wahl in Amerika! Man kann sie von vielen Seiten betrachten, aber eins wird deutlich. Das irgendwie keiner den Sieg deutlich vorhergesagt hatte. Zumindest niemand in den Medien. Um so erschütterter sind sie jetzt und ringen um Erklärungen. Der Mensch auf der Strasse kann wieder sagen, ich wusste es vorher, und natürlich gibt es das auch in den Medien. Denn Das Ergebnis ist nun langweilig. Egal wer gewinnt, das Schauspiel ist langweilig und wirkliche Änderungen wird es nicht geben.

Dabei ist das eigentlich nicht so verwunderlich. Jeder lebt in seiner eigenen Blase. Wer alle Trump-Supporter aus seiner Facebook-Timeline wirft, der darf sich nicht wundern, wenn er nur die coolen Nachrichten zu Hillary bekommt. Auf der anderen Seite verstehe ich jeden, der die sexstischen, rassistischen und sonstwie gearteten Kommentare nicht sehen mag. Mein Umgang mit der AfD ist nicht anders.

Aber die Medien machen das schon länger. Die meisten im Fernsehen und im Radio leben in ihrer eigenen Welt. Wer sich FOX-News zum ersten Mal ansieht, fragt sich schon, was da abgeht. Und hier in Deutschland ist mir das Privatfernsehen in weiten Teilen auch nur ein heftiges Kopfschütteln wert, wenn ich mal meine Lebenszeit darauf verschwenden möchte. Aber die, die das Programm machen, die leben dieses Leben als Produzenten, Regisseure und die etlichen anderen Rollen die es da gibt. Wer einen Hammer hat sieht jedes Problem als Nagel. Für diese Menschen gibt es nur Hammer und Nägel in ihrer Weltsicht, und alles passt nur in dieses Schema.

Besonders deutlich geworden ist das erneut bei der Medienberichterstattung zur Spiel in Essen dieses Jahr, die zum Teil an Unbrauchbarkeit kaum zu überbieten war. Die Leute aus dem Fernsehen oder Radio müssen bestimmt an die 100 bis 300 Themen im Jahr im Programm erschlagen, sie können nicht von allem eine Ahnung haben. Und da sie selber können kaum was zu dem Thema beitragen können, aber wissen wie Programm gemacht wird, müssen sie nun andere zu Wort kommen lassen. Ein guter Moderator würde also Fragen stellen und den Experten zu Wort kommen lassen. Abe bei Spielen sehe ich, dass sie sich dennoch befleißigt fühlen, ihre eigene Meinung zu diesem Thema kund zu tun und sich damit für jeden in der Branche zu disqualifizieren. Aber der normale Medienkonsument kann das nicht unterscheiden. Würden sie ruhig bleiben und einfach nur wertfrei moderieren wäre das Problem nicht so ein Problem.

Der WDR hatte im Fernsehen einen Beitrag gebracht der unterirdisch war. Da wird der Deutsche Spielepreisträger als Spiel des Jahres genannt, weil der Laie mit dem Mikro den Unterschied nicht versteht, nicht kennt und es ihn auch nicht interessiert. Da wird fürstlich auf der Webseite gesagt, dass man sich einig ist dass es Klassiker auch tun würden, weil man sich so die Zeit spart und nicht mit den Neuheiten beschäftigen will, schnell produzierter Quatsch, denn die Zeit hat man im persönlichen Leben nicht. Und der Vergleich den Peer dazu gebracht hat, fand ich erschreckend gut: Als würden sie zur Buchmesse sagen, dass es Goethe auch tut. Die ganze Branche als unwichtig abtun Deluxe.

Aber Bücher sind ja noch Kulturgut, denn dafür muss man gebildet sein. Und Spiele sind was für Kinder. Eine Ecke aus der es sogar Computerspiele raus geschafft haben. Ich versteh Snyes Ernst wenn er sich gleich zu Beginn der Sendung WDR Arena darüber aufregt, dass die guten alten Spiele eigentlich nicht gut sind. Wer es nicht gelesen hat, hier der Lesebefehl: http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/Der-Spieler-Das-gute-alte-Brettspiel-ist-tot1

Wenn wir also das Problem haben Spiele als Kultur in manchen Bereichen wahr genommen zu bekommen, dann vermutlich, weil diejenigen die darüber entscheiden, was im Fernsehen, im Radio, in der Zeitung und woanders ist, sich einfach dafür nicht interessieren. In ihrer Blase gibt es das nicht. und solange das so bleibt wird es nie besser werden.

Hoch lebe das Internet, Die Möglichkeit seine eigenen Blogs zu machen und seinem Hobby und seiner Nische den Raum zu geben, zeigt, dass da noch einiges gibt und jeder seine Freunde und gleichgesinnten findet. Und die Menge an Blogs allein im Deutschsprachigen Raum ist ja schon weit über 100. Als ich die Liste gerade dem Udo Bartsch zugeschickt hate, war er auch schockiert. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht alle kenne. Wer also sicher gehen will, auch von mir für zukünftige Bloggertreffen wahrgenommen zu werden, sollte mir bitte mal schreiben.

Das das Internet hilfreich ist zeigen Will Wheaton Tabletop Show, die steigenden Zuschauerzahlen in Essen und auf der GenCon und der UK Games Expo und Cannes und noch viele mehr. Wir haben uns unsere eigene Blase aufgebaut. Und das ist auch wichtig, damit wir uns wohl fühlen können und damit wir mit unserem Hobby weitermachen. Und unsere Blase wächst und hat eigene kleine Blasen. Da sind die Cosim-Spieler, die Expertenspieler, die Familienspieler, die Partyspieler, und noch viele weitere.

Und vielleicht wird mal eine ganze Generation an Fernsehmachern und Radioprogrammgestaltern und Zeitungsredakteuren aus dieser Blase nachwachsen. Dann wird es da auch wieder Spiele in den Medien geben. Falls es diese Medien dann noch gibt.

Und meine Blase? Die ist auch schon wieder eine andere als die von manch anderem Spieler. Ich nehme Essen schon lange nicht mehr als Spielerparadies war, obwohl es genau das dennoch für mich ist. Zum Spielen komme ich in der Zeit wenig bis kaum. Selbst die Menschen die ich gerne treffe schaffe ich nicht mehr alle zu treffen. Essen ist für mich so vieles aber nichts davon richtig. Es gibt eine lange Liste na spannenden Spielen die es nur dort gibt, wo ich sicherstellen muss diese zu bekommen, wenn ich sie mal spielen will, aber ich verpasse davon immer wieder rund 90%. Ich will mit etlichen Leuten mich treffen und mit ihnen reden, aber wenn ich mich nicht direkt mit ihnen verabrede und es in meinen Kalender sicherstelle, die 15 Minuten zu haben, verpasst man sich. Und Essen ist dennoch das Klassentreffen auf das ich mich wieder freue.

Und dennoch: Es ist die Veranstaltung die ich mit viel Elan betrete und mit genauso veil Elan wieder verlasse, und mich wundere warum ich eigentlich nach sechs Tagen so KO bin, wobei das ja eigentlich nicht wirklich verwunderlich ist, oder? Denn statt mich zu ärgern, was ich alles nicht geschafft habe, freue ich mich über alles das, was ich geschafft habe. Denn ich habe etliche Leute getroffen. Ich habe an den verwunderlichsten Stellen gute Meetings gehabt. Und ich habe die meiste, nein eigentlich die ganze Zeit ein tolles Grinsen im Gesicht gehabt. Und viel Spielen habe ich nun zum Glück in München nachgeholt.

Daher hier nun mein Essenbericht: Es war geil.

Nicht-Nicht-Werkstattbericht oder auch wie es liebte Entscheidungen zu treffen

Dies wird eine Art Nicht-Werkstattbericht. Peer hat gesagt, dass dies tatsächlich interessant sein könnte für unsere Leser, daher will ich es mal probieren, ohne dabei die Autoren Tätigkeiten zu betrachten, sondern eher die Verleger-Seite. Es geht um mein Osternest. Wen das eher langweilt, kann hier schon aussteigen, denn was anderes kommt jetzt nicht.

Nach dem gefühlt offensichtlichen Adventskalender, dessen Prinzip so einfach und simpel und auch einleuchtend ist, haben einige ordentlich Witze gemacht, als ich im Januar das Osternest angekündigt habe. Dabei kam die Idee gefühlt sehr spät auf. Und mit sehr Spät meine ich Ende Juli letzten Jahres. Zu dieser Zeit fragt mich ein Verlag, ob er noch in den Adventskalender mit reinkönnte. Zu diesem Zeitpunkt war aber alles schon beim Drucker und so gut wie gedruckt. Der Inhalt war angekündigt. da noch was zu ändern war einfach zu spät. Keine Chance. Ich sagte, er könnte ja nächstes Jahr rein, wenn es erfolgreich genug wäre (Spoiler: Ist es zum Glück). Aber das war dem Redakteur zu spät. Die Idee entstand etwas dazwischen noch zu machen.

Zwischeninfo: Wer trotz der vielen Witze noch andere Feiertagspäckchen erwartet, sei es für Halloween, Valentinstag, Pfingsten, oder auch den Geburtstag seiner Großmutter sollte jetzt bitte enttäuscht sein. Ist nicht geplant.

Das Ganze hängt also mit dem fürchterlich schnellen Produktzyklen zusammen. Früher konnte die Spielbox von den Neuheiten ein ganzes Jahr lang berichten. Wer heutzutage im Februar über ein Spiel aus Essen redet, redet über was gestriges. Die Nürnberg-Berge warten doch schon. Dabei konnten die meisten Sachen aus Essen bis dahin noch gar nicht ausreichend gespielt werden. Zumindest ich habe noch so einiges was ich gerne spielen möchte. Auch aus Jahrgängen davor. Ich habe zum Beispiel gestern in Braunschweig die Gelegenheit genutzt und ein paar Spiele von Nürnberg 15, und Essen 14 gespielt.  Ich kannte sie ja noch nicht. Und ich bin froh einen Eindruck davon gewinnen zu können.

In einem schnellen Markt gibt es aber auch zwischen zwei Essen den Bedarf etwas zu bewerben. Im Gespräch mit dem Redakteur kam mir da der irrwitzige Gedanke des Osternests. Es ist ungefähr in der Mitte der Zeit dazwischen. Und eigentlich auch eine gute Gelegenheit nochmals an den Deutschen Spielepreis zu erinnern. Und natürlich würde es sich auch anbieten, um sich selber da ein Geschenk zu machen. Wobei es dafür ja keinen Anlas geben sollte.

All die Sachen die dann kamen, flogen mir zu, wie sich Ideen bei Autoren entspinnen, wen sie ein passendes Thema gefunden haben. Es sollte nicht zu groß sein. Es sollte sich verstecken lassen. Der Inhalt muss gut geschützt sein, wir hatten erst vor ein paar Jahren einen Schneehasen gebastelte, weil Ende März noch ein Meter Schnee lag. Und so vieles weitere Elemente kommen mir in den Sinn.

Die wichtigste Frage war, wieviel Erweiterungen sollten rein. Es sollten weniger sein, denn ich wollte nicht dieselbe Menge an Arbeit, wie mit dem Adventskalender haben, welcher echt verdammt viel Koordination erforderte (und derzeit auch wieder erfordert). ein guter Ansatz, war zu wissen, das ich pro Erweiterung mit einem Preis von 2 Euro rechnen konnte. Da die Box nicht zu teuer werden sollte, hatte ich mir ein Limit von 10 Erweiterungen gesetzt. Unterm Strich sind es dann 8 und ein Kartenpack geworden. Eine Zahl die ich sehr angenehm finde.

Selbst die Größe der Stanzteile war sehr früh fix. Wir wollten die Anleitungen drum machen, damit der Inhalt nicht sofort ersichtlich ist, und die Box auch geöffnet werden kann um die Teile einzeln im Garten zu verstecken. Einzig bei Colt Express gab es das Problem das dies nicht passte. Wir planten mit 2 Puzzleteilen, welche dann zusammengesetzt werden sollen. Das ist aber gar nicht so einfach, das dies immer perfekt funktioniert, was damit zusammenhängt, das die Stanzen selber immer noch zum Teil von Hand hergestellt werden. Die Lösung dann einfach die doppelte Größe zu nehmen und dies zu falten war dann eine erhellende Einsicht, die den ganzen Prozess einfacher machte. Leider ist so die Kontur des Millenniumfalkens weggefallen. Zumindest war das die erste Assoziation von Klemens, als er die Puzzleteile sah.

Jetzt wo das Osternest durch ist, bin ich sehr Glücklich mit dem Inhalt. Bis auf die Tatsache, dass ich vor lauter Stress vergessen habe, den Namen der beiden Autoren des Kartenspiels auf die Anleitung zu packen. Dabei ist doch der Jürgen Karla der Inhaber von dieser Seite und der Oliver Grimm auch ein langer Freund vom Jürgen und ein fleißiger Schreiberling drüben auf attila-products.

Fun Fact am Rande. Der Redakteur von dem ich am Anfang erzählte, hatte dann am Ende doch nicht mitgemacht, und so ist die angedachte Erweiterung nicht im Osternest gelandet. Leider.