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Die Nekromantie der Zahlen

Von je her haben die Menschen Zahlen gebraucht um Sachen zu begreifen und einzuordnen. Währungen, Gewichte, Tage, Entfernungen und noch vieles Mehr. Zahlen sind Klasse. Wer die Mathematik liebt kann dieser Verfallen und wer nicht, der hat meist ein Problem mit fast allem wo Mathematik drin ist. Zahlen haben auch früh geholfen uns in einem Context zu sehen. Der Zusammenhang ist wichtig, wird uns im Deutschuntersicht erklärt. Und in Mathe sagen sie einfach das 5 größer als 4 ist. Und während Professoren mit Zahlen selber kaum noch hantieren sondern mehr mit Formeln die Beziehungen dazu hergeben sind die simplen Zahlen für uns normale Menschen nicht wegzudenken.

Zahlen helfen auch im normalen Umgang miteinander. Kinder lernen früh sich selbst kennen und ab dem Moment wo sie begreifen das es nicht nur sie gibt, sondern auch andere Individuen, müssen sie sich selber besser begreifen lernen und tun dies in dem sie sich in einem Verhältnis zu den anderen Befinden. Wer ist der Größte, wer der Kleinste? Wer kann am schnellsten laufen und wer am schnellsten reden? Das alle ist in einer Relation die uns hilft und er Welt zurechtzufinden. Zu wissen wo ich steh hilft dabei immer. Denn dann kann ich auch versuchen das zu ändern. Wer dabei feststellt das er in etwas besonders gut ist und Spaß daran hat, der versucht dies auch weiter zu verbessern mit Training. Ein Bereich in den fast alle Sportler fallen und wo Zahlen nicht nur durch Platzierungen, sondern auch durch Geld ausgedrückt werden.

Die einfachen Zahlen sind auch bei Spielkritiken eine große Hilfe. Während ich auf meinem Blog darauf verzichte und am Ende einfach nur den Daumen sprechen lasse, sind es effektiv aber auch nur Zahlen. Andere haben ein komplizierteres System und Teilen das in 3 (Das-SpielEn.de), 7 (Rezensionen für Millionen), 10 (Spielbox) oder gar 15 (Fairplay) Stufen ein. Welches Prinzip am Ende angelegt wird ist dabei gar nicht entscheidend. Die Noten helfen vielen einzuschätzen ob ein Spiel gut oder schlecht ist. Vor allem, je mehr eine Note abgeben. Manche entwicklen eine Liebe zu gewissen Rezensenten, weil deren Benotung am ehesten dem eigenen Geschmack entspricht. Vielleicht soll eine Note Objektiv Sachen einsortieren, aber das tut sie nicht. Sie kann es auch nie In Wahrheit nie, wie wir es schon in Deutsch gelernt haben. sie existieren in einem Context.

Eine Meldung diese Woche war, dass Joystick ihre Noten ab sofort weglassen und auf reine Textrezensionen setzen. Die Meldung ging zwar rum, aber es wird die meisten nicht interessieren. Wer sich einen Übersicht schaffen will, liest eh oft nicht mehr die Texte sondern nur die Noten. Und im Computerspielbereich gibt es dafür die Seite Metacritic, die die Noten von allen möglichen Bereichen nimmt und diese zusammenfasst. Auf diese Weise kann sie auf einer Metaebene einen Kontext schaffen, der einem hilft die Seite zu finden, die vielleicht am ehesten den eigenen Geschmack trifft. Oder vielleicht reicht es auch zu sehen, wer und wie einfach so welche Punkte vergeben. Für die Meisten könnte das reichen. Das die Seite das auch für Filme und Serien macht ist jetzt nicht so spannend, gibt es doch für diese Bereiche mit Rotten Tomatoes und IMDB und sogar trakt.tv genug andere Seiten die ebenfalls solch einen Service bieten. Nur halt nicht von der Presse sondern oft von den Nutzern selber.

Ich gehöre auch zu denen die statt Noten in der Spielbox lieber Meinungsboxen lesen wollen würden. Dabei wäre das doch so einfach. Einer stellt das Spiel in einer Spalte dar, und der Rest lässt sich darüber aus, was daran gut oder schlecht ist. Eine Note in einen Text zu verwandeln ist spannend und viel hilfreicher um ein Spiel einzuschätzen meiner Meinung nach. Die Fairplay hat solch Einzeiler bei vielen Texten dabei, aber es könnten ruhig fünf Sätze sein. Die Spielbox ist dafür nicht zu haben, außer Tom Felber schreibt, der sich weigert Noten zu geben. Vermutlich bin ich weiterhin ein Teil der Minderheit, doch zum Glück gibt das Internet gibt mir die Freiheit einfache meine Meinung in die Welt zu blasen. BGG gibt einem auch die Möglichkeit dies in Form einer Note festzuhalten und sammelt diese Noten von allen Benutzern und erstellt daraus einen Durchschnittswert. Zusammen mit einer Ansammlung von Durchschnittsnoten um Missbrauch zu verhindern, entsteht dabei ein interessantes Bild, welches aber auch im Context der Masse nur Widerspiegelt, was die Mehrheit der Nutzer gerne spielt. Auch dies lässt sich in einen Context setzen, in dem Geekbuddies genommen werden, die denselben Geschmack haben und dann daran Werte verglichen werden können.

Und da ist es doch nur konsequent, wenn so viele lieber Noten als Text wollen, dass auch in einem Spiel zu machen. Statt also auf irgendwelche Ziele hinzuarbeiten gibt es Siegpunkte. Und alles in Siegpunkte umzuwandeln macht es auch wieder vergleichbar. Keiner muss sich fragen wer besser ist und was wichtiger ist, denn der Autor hat dies schon in Zahlen erfasst und diese für alle in einen Kontext gesetzt. Nur auf einmal kommen die Leute und meckern. Sie reden von Punktsalat und einer traurigen Art das alles irgendwie sich gleich spielt. Dabei ist es doch nur eine Entwicklungskonsequenz. Ob das wirklich die Masse ist oder vielleicht nur die Gruppe die sich mehr Textrezensionen wünscht und zu faul ist auf BGG Noten zu geben kann ich nicht einschätzen. Aber die Masse an Siegpunktespielen zeigt, dass der Bedarf wohl da zu sein scheint und es vielleicht auch wieder nur eine stille Masse ist.

Wie die Problematik zu betrachten ist, hat Peer schon letzte Woche aufgegriffen. Es gibt auch Spiele die aus diesem Bereich ausbrechen. Funkanschlag hat auch einen Siegpunktemechanismus, aber er fühlt sich nicht so an. Selbst Love Letter hat einen ganz einfachen Siegpunkteteil, aber es fühlt sich nicht danach an, denn es werden nur abgeschlossene Spiele gezählt. Und vor allem helfen die Punkte bei einem Solospiel sich wieder mit anderen zu messen. Wer einmal gelesen hat mit welche Strategie in Agricola die meisten Punkte zu machen sind, kann das Messen ergreifen. Sogar Spiele wie Snake Oil und Concept haben ein Siegpunktesystem, aber ich könnte es nicht erklären. Denn wer will kann es weglassen.

Wird es so bleiben, oder schlimmer werden? Mark Rosewater hat für solche Elemente immer einen passenden Spruch von einem Pendel. Heute sind Siegpunkte überall. In Fünf Jahren sind sie vielleicht wieder die Ausnahme und die Spieler freuen sich auf ein Spiel mit solch einem Element. Vielleicht wird es auch noch heftiger und wir werden viel mehr Excel-Tabellen spielen, weil diese auf einmal so genial sind. Wir werden es wohl erst in der Zukunft sehen. Bis dahin schaue ich mir einfach viele Spiele an und freue mich auf den Spaß.

Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.
Matthias Nagy