To Spiel or not to Spiel, das kommt hier auf die Liste

Die Spiel in Essen ist schon drei Wochen her, aber sie steckt einem noch in den Knochen. Es wird eine Woche lang unterwegs gearbeitet. Ein Stand aufgebaut, Ware bewegt, vor allem Kisten gewuchtet, dann Menschenmassen bewältigt und am Ende übrige Ware zurückbewegt und die ganzen Ergebnisse ausgewertet. Und wenn ich Montagabends ins Bett falle, denke ich mir das war eine echt anstrengende Woche und ich habe so wenig gesehen und so wenige Menschen getroffen.

Die Menschen, die ich getroffen habe waren alle gut drauf. Das Thema auf der Messe ist ja immer welches Spiel denn so ein Highlight ist. Aber das wird in der Masse ja immer schwerer. Währen dich die Menge an Spielen persönlich als etwas Positives sehe, denn durch die Menge und Vielfalt entwickeln sich viele Spiele auch schneller, fühlen sich etliche davon schon seit Jahren überfordert. So sehr, dass die Aussage „Wer soll das schaffen?“ umgeschlagen ist in „Da ist ja gar nichts spannendes dabei!“

Da ich gefühlt 95+% des Jahrgangs nicht nur nicht gespielt, sondern zum Teil mich auch nicht mit beschäftigt habe, mag ich mir dieses Urteil nicht erlauben. Ich bin aber in vielen Bereichen auch einfacher zufrieden zu stellen. Ich betrachte die Spiele nicht als Teilnehmer in einem Wettkampf um meine Regalfläche. Wenn mir ein Spiel gefällt dann bleibt es und wenn es mir nicht gefällt, dann muss es gehen und manchmal, muss einfach mal ein großer Schwung gehen, weil ich Platz brauche und dann auch Spiele gehen, die ich gut finde, aber vermutlich nicht mehr spielen werde. Für mich ist da aber auch kein Wettkampf mit anderen Spielen auf einer Veranstaltung, welche mir das Geld aus der Tasche zaubern dürfen. Wenn ich auf einer Messe bin und mir gefällt ein Spiel, dann möchte ich es haben.

Das ist natürlich ein Luxus, den sich viele andere nicht leisten können. Das kann ich sehr gut nachvollziehen und würde dafür auch niemanden verurteilen wollen. Aber das hat für viele Auswirkungen auf andere Elemente. Im Konkreten um Bewertungen bei der Fairplay Scout Wertung oder dem BGG Hotness Ranking

Die Fairplay hatte mir gegenüber gesagt, das sie mit den Teilnehmerzahlen dieses Jahr zufriedener sind als vom Jahr zuvor. Gleichzeitig merke ich aber, dass es schon krass ist, wenn 75% der Spiele keine einzige Note erhalten haben und es gerade mal etwas mehr als ein Dutzend sind, welche 30 oder mehr Noten erhalten haben. Selbst den Leuten zu sagen, sie sollen zum Fairplay-Stand gehen und dort eine Note hinterlassen, egal welche es ist, hat nur beschränkte Wirkungen. 2013 waren die 3 neuen Hallen noch überschaubarer. Inzwischen ist die Messe auf das doppelte angewachsen und die meisten haben keine Lust mehr die entsprechenden Wegstrecken zurückzulegen. In der Theorie würde es reichen morgens einen Zettel mitzunehmen und abends wieder abzugeben. Aber wieviel bekommt man in den 9 Stunden gespielt?

Nun erhebt die Fairplay kein Ziel irgendetwas bestimmtes auszusagen, außer als kleiner Gradmesser für ein paar Interessierte zu dienen. Und dennoch wünschte ich mir da würden mehr mitmachen.

Bei BGG sieht es aber eigentlich schlimmer aus. Die Zahl der Bewertungen von Ständen im Umkreis des BGG Standes in Halle 5 ist um einiges größer und durch die Art wie bewertet wird, ist die Aussagekraft gefühlt auch nur beschränkt. Das ist mir schon im Vorfeld aufgefallen mit deren Previewliste. Diese konnte nach Must, Interested+Must, Thumbs oder so manch anderem Element sortiert werden und jeder nahm sich die Liste die ihm am genehmsten war. Da nehme ich mich nicht aus.

Aber das Spiel mit Listen ist eine Solobeschäftigung für gelangweilte Buchhalter sagt meine Frau so gerne. Da ist kein Mehrwert drin. Sie will mich damit aufziehen, aber sie hat recht. Ein Blick auf die Hotness- oder die Fairplay-Listen der letzten 10 Jahre ergibt den bekannten Ersteindruck, der sich nach der Messe oft auch etwas verschiebt.

Um so mehr freue ich mich auf die vielen Berichte, wenn die Leute ein Spiel dann mit Ruhe auf den Tisch bringen. Sei es wie derzeit im Sauerland oder auf einer der vielen anderen Veranstaltungen wie Bielefeld, Darmstadt, München, Stuttgart oder im trauten Eigenheim.

Ich habe übrigens von den Essen-Neuheiten erst fünf gespielt und dazu zählen solch schnellen Spiele wie Foppen. Ich bin noch mit Aufarbeiten und Prototypen beschäftigt, und das ist auch nach drei Wochen noch nicht erledigt.

Zehntausend BGG-Nutzer können sich nicht irren

Wenn mich etwas derzeit nervt, dann ist es das Wort Hype. Sonja hatte das auf ihrem Blog schon sehr gut zerlegt, aber zeigt auch, dass viele das Wort anders verwenden, als es gedacht war. Was mir daran besonders aufstößt ist die Tatsache, dass scheinbar manche so cool sein wollen, dass sie genau das nicht mögen, was alle anderen mögen. Der Massengeschmack ist falsch und jeder, der wie die anderen denkt, ist ein Fanboy. Noch so ein Wort, das oft abschätzig verwendet wird. Das ist hier natürlich eine sehr vereinfacht gehaltene Gemeinheit, wo sich keiner drin wiederfinden wird. Das ist auch ok.

Als vor 22 Jahren Catan das Licht der Welt erblickte war es auch etwas, was wir heutzutage wohl als Hype bezeichnen würden. Als vor etwas über 6 Jahren 7 Wonders richtig abräumte, wäre der Begriff Hype bestimmt auch korrekt gewesen. Und was Pandemic Legacy vor über einem Jahr abzog, hätte neben diesem Wort bestimmt auch mit einem Ausbruch und einem Vergleich mit den Viren, welche im Spiel vorkommen, verglichen werden können. Hat vielleicht der eine oder andere seine Viren im Spiel nach anderen Spielen benannt?

Das sind alles Phänomene mit denen ich gut leben kann. Da draußen gibt es etliche, die sich immun zeigen sowohl für die Hypes als auch für die Meinung der Leute, die es hypen. Sie schauen sich jedes Spiel selber an und bilden sich ihre Meinung. Ob diese allerdings völlig offen ist, ist schwer zu sagen. Auch ich bin manchmal überrascht, was mir gefällt und was nicht, obwohl ich viel oder wenig von einem Spiel höre. Wir alle versuchen dabei unvoreingenommen zu sein. Ob es gelingt, kann ich nicht sagen.

Im unknowns-Forum ist im Bereich Hype ein Nebendiskussionsobjekt aufgetreten. Die BGG-Rankings. Wer wissen möchte, wie das Ranking System auf BGG funktioniert findet hier eine sehr schöne ausführliche Darstellung (wenn auch in englisch). Kurz gesagt, das System ist nicht perfekt, aber es ist scheinbar das bisher beste. Und dennoch wird weiter über einen Hype gesprochen, wenn gerade die Menge der neueren Spiele angesprochen wird die sich in den Topp 100 rumtreiben. Das kann nur noch mit Hype beschrieben werden. Anders ist es nicht möglich. Da werden Spiele wie Rising Sun bewertet, wo das Spiel nicht nur noch gar nicht erschienen ist, es gibt auch noch gar keine Regeln.

Für mich ist das aber so gar nicht überraschend. Da gibt es einfach zu viele Faktoren. Werfen wir also mal einen Blick auf zwei Tatsachen und wie ich sie mir erkläre. Ob ich recht habe? Keine Ahnung, aber eine Erklärung würde es liefern.

Wertungen für Spiele die noch nicht erschienen sind

In dem Jahr nach Agricola brachte Lookout das grandiose Le Havre raus. In Essen standen alle stundenlang in einer der beiden Schlangen zum Stand, um ein Exemplar des Spiels zu ergattern. Die benachbarten Stände waren davon nicht so angetan. War das ein blindes Vertrauen in den Hype um das nächste große Ding von Uwe Rosenberg? Vermutlich nicht, denn Merkator schaffte nicht dasselbe. Tatsache war eher, dass Uwe Rosenberg ein gründlicher Tester ist. Er hat das Spiel von verdammt vielen Leuten testen lassen und dies in großer Menge auch in der Anleitung dokumentiert. Über Mund-zu-Mund bekamen das immer mehr mit. Das Spiel wurde von den Leuten geliebt. Und so wollten es viele haben als es rauskam.

Auch ein Jamey Stegmaier hat sich Fans aufgebaut. Mit harter Arbeit und viel Kommunikation. Viele Leuten durften sich Scythe anschauen und Spielen bevor es erschien. Es musste ja getestet werden, damit es auch gut wird. Dass diese Spieler dem Spiel dann auch gute Noten geben, ist nicht so verwunderlich, wenn ihnen gefallen hat, was sie gespielt haben. Und das Spiel ist in den Top 10 auf BGG trotz der großen Fehler die beim Kickstarter gemacht wurden, mit einem idiotischen Stretchgoal-System, das das ganze auch hätte implodieren lassen können. Dass Rising Sun getestet wurde, dürfte als sicher gelten. Und das nicht nur von den Leuten in-House.

Viele Spiele der letzten Jahre in den Topp 100

Ist das wirklich ein Wunder, dass gerade moderne Spiele in den oberen Plätzen sind? 67 der Top 100-Spiele sind aus dem Jahr 2010 oder neuer. Das sind zwei Drittel. 33 der Top 50-Spiele sind aus dem Jahr 2012 oder neuer. Auch das sind zwei Drittel. Die Zahlen sprechen da eine spannende Sprache. Aber werfen wir mal einen Blick auf den Markt abseits von BGG.

In den letzten Jahren haben Brettspiele weltweit einen Boom erfahren. Die Messen wachsen und sowohl die Gen Con als auch die Spiel in Essen, als auch die UK Games Expo, die Origins, das Festival des Jeux in Cannes, die Play in Modena, die Comic und Games in Lucca und so viele andere berichten von immer größeren Zahlen. Immer mehr Leute beschäftigen sich mit dem Hobby. Warum das passiert kann nur geraten werden, aber der Will Wheaton mit seiner Tabletop-Show hat bestimmt auch seinen Teil dazu beigetragen. Brettspielen ist etwas geworden, wofür man sich nicht mehr schämen muss. Berühmte Leute aus Film und Fernsehen spielen auch. Das ganze machte deutlich sichtbar Spaß. Viele Spieler sind aus ihren Löchern gekrochen. Andere wurden angesteckt und entdeckten ein Hobby, welches ihnen auch Spaß machte.

Und über die Neuen können wir auf jeden Fall reden. Denn es gibt sehr viele Leute, die haben erst in den letzten fünf Jahren angefangen zu spielen. Die kennen die meisten Spiele vor ihrer Zeit nicht. Die modernen Klassiker wie Catan, Carcassonne, Zug um Zug oder auch Dominion sind ihnen bekannt, aber viele andere Spiele aus der alten Zeit nicht. Sie wissen nicht, was es da alles für tolle Spiele schon vor 10, 20 oder 30 Jahren gab. Da gab es aber auch weniger Spiele und einige sind nicht gut gealtert.

Und so sind die Spiele besser geworden. Mit mehr Spielen ist zwar auch mehr Schund, aber natürlich sind auch immer bessere Spiele auf dem Markt gekommen. Und mit mehr Menschen die Spielen, sind auch immer mehr Anmeldungen auf BGG erfolgt und somit immer mehr Spieler, die ihre Spiele bewerten. Und abgesehen von ein paar Pappenheimer, welche alles mit 1 Punkt bewerten, sorgt das System von BGG dafür, dass oft bewertete Spiele weiter nach oben schwappen, denn ihre Noten sind aussagekräftiger.

Wir könnten also dem Hype die Schuld geben oder der Masse an Spielern, die noch gar nicht wusste, was die alten Spiele alles können. Mir könnte es nicht egaler sein, denn viel wichtiger finde ich, dass es mehr geworden sind. Und mehr Spieler sind immer was Gutes. Es ist auch eine gute Gelegenheit all diesen Spielern die guten Klassiker aus den alten Jahren zu zeigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, diese auch kennenzulernen. Sie müssen dabei nicht mal so alt sein wie die Spiele die Rob Daviau für Restoration Games aus der Gruft holt. Es reicht schon, wenn sie älter als 7 Jahre sind. Lasst uns die #WorthyClassics rausholen und den Spielern beibringen.

Die Nekromantie der Zahlen

Von je her haben die Menschen Zahlen gebraucht um Sachen zu begreifen und einzuordnen. Währungen, Gewichte, Tage, Entfernungen und noch vieles Mehr. Zahlen sind Klasse. Wer die Mathematik liebt kann dieser Verfallen und wer nicht, der hat meist ein Problem mit fast allem wo Mathematik drin ist. Zahlen haben auch früh geholfen uns in einem Context zu sehen. Der Zusammenhang ist wichtig, wird uns im Deutschuntersicht erklärt. Und in Mathe sagen sie einfach das 5 größer als 4 ist. Und während Professoren mit Zahlen selber kaum noch hantieren sondern mehr mit Formeln die Beziehungen dazu hergeben sind die simplen Zahlen für uns normale Menschen nicht wegzudenken.

Zahlen helfen auch im normalen Umgang miteinander. Kinder lernen früh sich selbst kennen und ab dem Moment wo sie begreifen das es nicht nur sie gibt, sondern auch andere Individuen, müssen sie sich selber besser begreifen lernen und tun dies in dem sie sich in einem Verhältnis zu den anderen Befinden. Wer ist der Größte, wer der Kleinste? Wer kann am schnellsten laufen und wer am schnellsten reden? Das alle ist in einer Relation die uns hilft und er Welt zurechtzufinden. Zu wissen wo ich steh hilft dabei immer. Denn dann kann ich auch versuchen das zu ändern. Wer dabei feststellt das er in etwas besonders gut ist und Spaß daran hat, der versucht dies auch weiter zu verbessern mit Training. Ein Bereich in den fast alle Sportler fallen und wo Zahlen nicht nur durch Platzierungen, sondern auch durch Geld ausgedrückt werden.

Die einfachen Zahlen sind auch bei Spielkritiken eine große Hilfe. Während ich auf meinem Blog darauf verzichte und am Ende einfach nur den Daumen sprechen lasse, sind es effektiv aber auch nur Zahlen. Andere haben ein komplizierteres System und Teilen das in 3 (Das-SpielEn.de), 7 (Rezensionen für Millionen), 10 (Spielbox) oder gar 15 (Fairplay) Stufen ein. Welches Prinzip am Ende angelegt wird ist dabei gar nicht entscheidend. Die Noten helfen vielen einzuschätzen ob ein Spiel gut oder schlecht ist. Vor allem, je mehr eine Note abgeben. Manche entwicklen eine Liebe zu gewissen Rezensenten, weil deren Benotung am ehesten dem eigenen Geschmack entspricht. Vielleicht soll eine Note Objektiv Sachen einsortieren, aber das tut sie nicht. Sie kann es auch nie In Wahrheit nie, wie wir es schon in Deutsch gelernt haben. sie existieren in einem Context.

Eine Meldung diese Woche war, dass Joystick ihre Noten ab sofort weglassen und auf reine Textrezensionen setzen. Die Meldung ging zwar rum, aber es wird die meisten nicht interessieren. Wer sich einen Übersicht schaffen will, liest eh oft nicht mehr die Texte sondern nur die Noten. Und im Computerspielbereich gibt es dafür die Seite Metacritic, die die Noten von allen möglichen Bereichen nimmt und diese zusammenfasst. Auf diese Weise kann sie auf einer Metaebene einen Kontext schaffen, der einem hilft die Seite zu finden, die vielleicht am ehesten den eigenen Geschmack trifft. Oder vielleicht reicht es auch zu sehen, wer und wie einfach so welche Punkte vergeben. Für die Meisten könnte das reichen. Das die Seite das auch für Filme und Serien macht ist jetzt nicht so spannend, gibt es doch für diese Bereiche mit Rotten Tomatoes und IMDB und sogar trakt.tv genug andere Seiten die ebenfalls solch einen Service bieten. Nur halt nicht von der Presse sondern oft von den Nutzern selber.

Ich gehöre auch zu denen die statt Noten in der Spielbox lieber Meinungsboxen lesen wollen würden. Dabei wäre das doch so einfach. Einer stellt das Spiel in einer Spalte dar, und der Rest lässt sich darüber aus, was daran gut oder schlecht ist. Eine Note in einen Text zu verwandeln ist spannend und viel hilfreicher um ein Spiel einzuschätzen meiner Meinung nach. Die Fairplay hat solch Einzeiler bei vielen Texten dabei, aber es könnten ruhig fünf Sätze sein. Die Spielbox ist dafür nicht zu haben, außer Tom Felber schreibt, der sich weigert Noten zu geben. Vermutlich bin ich weiterhin ein Teil der Minderheit, doch zum Glück gibt das Internet gibt mir die Freiheit einfache meine Meinung in die Welt zu blasen. BGG gibt einem auch die Möglichkeit dies in Form einer Note festzuhalten und sammelt diese Noten von allen Benutzern und erstellt daraus einen Durchschnittswert. Zusammen mit einer Ansammlung von Durchschnittsnoten um Missbrauch zu verhindern, entsteht dabei ein interessantes Bild, welches aber auch im Context der Masse nur Widerspiegelt, was die Mehrheit der Nutzer gerne spielt. Auch dies lässt sich in einen Context setzen, in dem Geekbuddies genommen werden, die denselben Geschmack haben und dann daran Werte verglichen werden können.

Und da ist es doch nur konsequent, wenn so viele lieber Noten als Text wollen, dass auch in einem Spiel zu machen. Statt also auf irgendwelche Ziele hinzuarbeiten gibt es Siegpunkte. Und alles in Siegpunkte umzuwandeln macht es auch wieder vergleichbar. Keiner muss sich fragen wer besser ist und was wichtiger ist, denn der Autor hat dies schon in Zahlen erfasst und diese für alle in einen Kontext gesetzt. Nur auf einmal kommen die Leute und meckern. Sie reden von Punktsalat und einer traurigen Art das alles irgendwie sich gleich spielt. Dabei ist es doch nur eine Entwicklungskonsequenz. Ob das wirklich die Masse ist oder vielleicht nur die Gruppe die sich mehr Textrezensionen wünscht und zu faul ist auf BGG Noten zu geben kann ich nicht einschätzen. Aber die Masse an Siegpunktespielen zeigt, dass der Bedarf wohl da zu sein scheint und es vielleicht auch wieder nur eine stille Masse ist.

Wie die Problematik zu betrachten ist, hat Peer schon letzte Woche aufgegriffen. Es gibt auch Spiele die aus diesem Bereich ausbrechen. Funkanschlag hat auch einen Siegpunktemechanismus, aber er fühlt sich nicht so an. Selbst Love Letter hat einen ganz einfachen Siegpunkteteil, aber es fühlt sich nicht danach an, denn es werden nur abgeschlossene Spiele gezählt. Und vor allem helfen die Punkte bei einem Solospiel sich wieder mit anderen zu messen. Wer einmal gelesen hat mit welche Strategie in Agricola die meisten Punkte zu machen sind, kann das Messen ergreifen. Sogar Spiele wie Snake Oil und Concept haben ein Siegpunktesystem, aber ich könnte es nicht erklären. Denn wer will kann es weglassen.

Wird es so bleiben, oder schlimmer werden? Mark Rosewater hat für solche Elemente immer einen passenden Spruch von einem Pendel. Heute sind Siegpunkte überall. In Fünf Jahren sind sie vielleicht wieder die Ausnahme und die Spieler freuen sich auf ein Spiel mit solch einem Element. Vielleicht wird es auch noch heftiger und wir werden viel mehr Excel-Tabellen spielen, weil diese auf einmal so genial sind. Wir werden es wohl erst in der Zukunft sehen. Bis dahin schaue ich mir einfach viele Spiele an und freue mich auf den Spaß.

Der Lakmustest mit Fans

Auf der einen Seite die Firmen. Sie lieben Bestseller. Sie lieben sie vor allem wenn sie echte Klassiker werden und nicht nur zwei oder fünf Jahre im Verkaufsregal stehen, sondern gerne auch 10, 15 oder mehr Jahre. Sei es Siedler von Catan, Carcassonne, oder auch Scotland Yard. Je länger sich die Spiele verkaufen, desto mehr Umsatz für die Investition. Erweiterungen sind ein Mittel diesen Erfolg zu verlängern, sofern es einen Anfangserfolg gibt. Und doch sind manche Spiele erfolgreicher im lebensverlängernden Bereich als andere. Erweiterungen alleine reichen halt nicht. Auf der anderen Seite die Spieler. Es gibt nicht nur viele die gerne als Spieleautor mal ihren Namen auf einer Schachtel stehen haben möchten. Etliche haben einfach so Spaß mit einigen Spielen. Für alle großen Kracher gibt es Fan-Erweiterungen im Netz. Auch auf BoardGameGeek.

Dies ist auch ein Indikator für den Erfolg eines Spiels. Star Trek Catan mag überraschend für viele gekommen sein, aber Gero und sein Freund Markus haben schon vor 15 Jahren Siedler in den Weltraum versetzt. Für Carcassonne sind in Windeseile Fan Plättchen im Internet aufgetaucht. Agricola lebt von der Menge an neuen Karten, die die Fans kreieren und der Verlag dann in offizielle Karten presst. Sogar Ursuppe hatte Anfangs sehr viele Fan-Gene erhalten, aber Doris&Frank ist halt nur ein kleiner Verlag und konnten das Produkt nicht in derselben Weise über viele Jahre unterstützen. Aber Ursuppe ist ein anreicherndes Spiel, dass immer noch Spaß macht. Einige Firmen wissen um diese Fans und lassen sie walten und unterstützen diese oder behindern sie zumindest nicht. Etwa Fantasy Flight Games. Für das Herr der Ringe LCG stellt einer die original Druckdateien ins Netz um eigene Karten zu machen, ein Anderer wird fest eingestellt auf Grund der guten Arbeit an seinen Fan-Sets. Nun haben sie auch noch für Ihr Brettspiel Descent ein Tool online gestellt, mit welchem die Fans die selbst erstellten Szenarien schön aussehen zu lassen und teilen können.

Vor Weihnachten hat Kosmos auch einen Schritt in diese Richtung gemacht. Sie haben eine Anleitung online gestellt mit der die Spieler eigene Szenarien für die Legenden von Andor erstellen können. Kosmos versucht hier vielleicht aktiv die Spieler zu animieren. Ich habe noch nicht viel von eigenen Szenarien gesehen, selbst BGG hat nur eine als Datei gelistet, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Entscheidender ist doch das der Verlag dies unterstützt oder zumindest nicht behindert. Eine lobenswerte Vorgehensweise von Kosmos, die mit diesem Spiel schon in einigen Punkten Neuland betreten haben, sei es Anleitung, Vermarktung zu Markteinführung, usw.

Anders sieht es bei einigem aus, was andere Verlage machen. Da werden solche Aktionen abgemahnt. Dies geschieht vor allem aus Angst die eigene IP wird beschädigt oder die Kontrolle wird darüber verloren. Dabei kann dieses Vorgehen selber der IP mehr schädigen.
Fans sind das Beste was einem Spiel passieren kann. Lego hat gelernt loszulassen und die Fans ohne ihre Kontrolle machen zu lassen. Und wer einmal mit AFOLs (http://en.wiktionary.org/wiki/AFOL) zu tun hatte, weiß wie loyal diese Fans sind, und wie sie dem Spiel gut tun. Wer sein Spiel liebt, liebt seine Fans. Netrunner ist nach 15 Jahren wieder auf dem Markt, weil die Fans die Fahne hochgehalten haben und verkauft sich jetzt schneller als der Verlag drucken kann. Für Risk 2210 AD gibt es einen kleinen Verlag der sich darauf konzentriert Fan-Erweiterungen herzustellen.

Und an diesen Fans kann jeder sehen ob es das Spiel geschafft hat.