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Wenn man Äpfel mit Äpfeln vergleicht

Wenn ich mit meiner Frau über etwas Spielebezogenes diskutiere dauert dies meist länger, denn manchmal kommen Argumente am nächsten Tag hinzu und dann wird das Thema wieder aufgekocht. An sich ist das nichts Schlimmes und wir versuchen oft nicht den anderen zu überzeugen sondern nur möglichst viele Argumente auszutauschen. Halt mit Nachdruck, denn schließlich denkt doch jeder im Grunde Recht zu haben.

Diese Woche ging die Diskussion um Suburbia. Es ist derzeit unser Lieblingsspiel. Und wie Lieblingsspiele so sind werden sie sehr oft gespielt. An manchen Abenden drei oder viermal hintereinander und an anderen nur einmal, weil die Runde statt 45 Minuten diesmal 2 Stunden gedauert hat. Es kamen halt bestimme Teil nicht und das Spiel verlief völlig anders. Meine Frau meinte zumindest nach einem Abend, dass ihr das Spiel besser gefällt Keyflower.

Besser als Keyflower? Ein Affront wie ich finde. Keyflower ist mein Liebling der großen drei dieses Jahres. Es spielt sich wunderbar zu sechst und die Herausforderungen sind immer wieder neu. Die Spieler zu lesen und sich zu freuen, wenn zwei sich streiten und deswegen verlieren gibt dem Spiel so viel mehr Tiefgang als man meinen könnte nach nur einer Partie.

Also kam mein erstes Argument. Keyflower bedient eine andere Zielgruppe. Es ist eher für den Hard Core Spieler gedacht. Suburbia bedient eher die Taktiker und kann einen Glücksanteil nicht verleugnen. Wenn ein Spiel damit verglichen werden sollte, dann Brügge. Und welches da besser ist wüsste ich nicht mal. Beide machen mir Spaß und beides haben wir oft gespielt. Ihr Gegenargument war das es bei beiden darum geht sich Hexteile zu holen und bei sich einzubauen. Nur mag sie versteigern nicht, so das Suburbia den Vorzug bekommen würde. Ein sehr fades Argument wie ich finde.

Aber es war schon immer schwer Sachen zu vergleichen und ich möchte nicht in der Jury sein und dafür sorgen das am Ende eine Empfehlungsliste repräsentativ für den Jahrgang steht der alles abdeckt. Den Zugang als Muster zu wählen ist eine Methode. Die Spiele-Art eine andere. Ob ich sage das Spiel ist einfach oder ein Würfelspiel sind Kategorien die unterschiedlich einfach zu quantifizieren sind. Gilt Troyes schon als Würfelspiel wie Der große Wurf? Darf ich die beiden denn deswegen vergleichen? Oder sollte ich nur alleine Strategiespiele mit Strategiespielen vergleichen? Aber wie viel Strategie darf drin sein und in wie weit darf ich dann Taktikspiele miteinander vergleichen und vor allem Spiele die zu einem bestimmten Prozentsatz beides liefern?

Am Ende gilt für viele das Bauchgefühl. Ein Gefühl, welches eindeutig sagt, dass nur ein einziges Element zählt: Der Spaß. Das wohl unquantifizierbarste und subjektivste Empfinden von allen. Aber auch hier kennt die Mathematik ein System: Die Fuzzylogik. Es ist nur kein System welches der normale Mensch anwendet. Aber jeder hat es dennoch drauf als Bauchgefühl. Und je mehr Leute ein gutes Bauchgefühl bei einem Spiel haben, je mehr es mögen und Spaß beim Spielen haben, desto besser muss es wohl sein. Alle anderen Vergleiche sind nur der Diskussion wegen.

PS: Wer alles Teil der Masse sein will sollte helfen seinen Spaß kund zu tun. Bei der Wahl zum Deutschen Spielepreis. Einfach anmelden abstimmen und freuen. Je mehr mitmachen, desto schärfer ist das Ergebnis und das kann nur in unser allem Interesse sein.

Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.
Matthias Nagy