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Plagiatswatch: Drunken Sailor / Sunken Sailor

Update: Asmodee DEutschalnd hat sich bei mir zu Wort gemeldet: “Asmodee agiert ausschließlich als Distributor des von Marektoy veröffentlichten Spiels Drunken / Sunken Sailor. Asmodee wird sich bemühen, Kontakt zwischen Marektoy und Oink Games herzustellen.” Ich hoffe es klappt da zumindest einen Kompromiss zu finden – denkbar wäre, dass Marektoy als “Vermittler” bezahlt wird und Jun Susuki als Autor. Sobald ich neues weiß, gibt es ein weiteres Update!

 

Essen eröffnet in wenigen Wochen seine Türen und Verlage kündigen neue Spiele an. So hat Asmodee Drunken Sailor dabei: Ein Spiel bei dem alle Spieler gemeinsam an einem Begriff zeichnen, denn sie alle kennen – alle bis auf einen. Der versucht sich irgendwie durchzuschummeln. Hat jeder zweimal eine durchgehende Linie gezeichnet, zeigen alle Spieler auf Kommando auf denjenigen, von dem sie meinen, dass er den Originalbegriff nicht kannte. Wurde der “Pretender” richtig erkannt, kann er sich quasi retten, wenn er den Begriff errät, den alle zeichnen sollten.

Wem die Beschreibung bekannt vorkommt: Diese Regeln sind bis in kleinste Detail (durchgehende Linie, Jeder zeichnet zweimal) mit Fake Artist goes to New York von Oink Games identisch. Es gibt nur einen Unterschied:  Es gibt dieses Mal keinen Oberbegriff, den alle kennen, denn die zu zeichnenden Begriffe sind bereits fertig in der Schachtel. Man spart sich also den Spielleiter, kann das Spiel dafür aber nur 27 Runden spielen, denn mehr Begriffe gibt es wohl nicht. Die Punktwertung ist identisch mit der aus Fake Artist (in meiner Ausgabe gab es noch keine Punktwertung, in der aktuellen Fassung schon). Natürlich ist die thematische Einkleidung eine andere (statt um einen Künstler, geht es jetzt um betrunkene Seeleute) und das Material ist etwas aufwendiger.

Die Frage ist: Ist die einzige Änderung – Statt eines Spielleiters gibt es jetzt fertige Karten – genug, um von einem eigenständigen Spiel zu sprechen? Kaum. Material und Geschichte berühren die Spieldramaturgie, die “Fabel” nicht. Grundsätzlicher Ablauf ist derselbe, mit der Ausnahme des wegfallenden Spielleiters, desen Rolle jetzt quasi schon vom Werk übernommen wurde. Das ist nicht mehr als eine redaktionelle Bearbeitung des Grundspieles und damit ganz klar ein Plagiat. Rein formaljuristisch wäre die einzige Frage: Ist die Schöpfungshöhe von Fake Artist hoch genug um Urheberrechtsschutz zu genießen? Da bin ich mir unsicher, gerade aufgrund des “Pen&Paper”-Charakters von Fake Artist. Wie hier schon häufiger besprochen sind gerade die kleinen Ideen schwer zu schützen. Auf der anderen Seite hat Fake Artist meines Wissens das Genre der Pretender-Spiele begründet und damit eine ziemlich hohe schöpferische Leistung vollbracht. Ob ein Gericht das aber auch so sieht, mag ich nicht einzuschätzen. Klar ist aber, dass selbst kleine Regeln wie die Punkte 1:1 übernommen wurden. Eine Parallelentwicklung scheidet daher aus.

Drunken Sailor ist die Deutsche Ausgabe von Sunken Sailor des finnischen Spielzeugmachers Marektoy/Competo (Die in der Anleitung angegebene Webadresse von Competo ist falsch), die vor allem für Klask und Bonk bekannt sind – zwei Geschicklichkeitsspiele, die ebenfalls auf anderen Spielen beruhen. Nun beruht Klask auf traditionellen Spiel wie Kicker (Bonk kenne ich nicht, daher weiß ich nicht, wie eng es an Hungry Hippos dran ist), da ist die Sache also kein Problem. Anders hier, wo offensichtlich mit demselben Verve ein Autorenspiel ohne Wissens des Urhebers bearbeitet wurde.  In den USA scheint Buffallo Games (laut BGG) für den Vertrieb zuständig zu sein.

Asmodee hat Drunken Sailor nun für den Deutschen Markt lizensiert, wobei ich vermute, dass die Verantworlichen dort nicht wussten, dass es ein Plagiat ist. Das ist eine blöde Situation auch für sie: Wie geht man mit dem Fall um? Kommerziell dürfte der Impakt gering sein, denn außerhalb unserer Blase kennt kaum einer das Original und achtet auch weniger auf Urheberrechtsproblematiken. Doch für den Ruf und potentiell auch den Umgang mit anderen Lizenznehmern ist ein Plagiat im Verlagsprogramm sicherlich nicht förderlich. Schon aus Eigeninteresse sollte Asmodee sich an Marektoy wenden und entweder auf eine Lizensierung verzichten oder besser noch auf eine Beteiligung von Oink Games drängen. Vielleicht ist ja eine nachträgliche Lizensierung möglich – vermutlich aber nur wenn Asmodee Druck ausübt. Marektoy hat zumindest bislang offenbar keinen Versuch unternommen, Fake Artist zu lizensieren. Wenn ich ein Spiel bei einem Verlag herausbringe, muss ich übrigens immer unterschreiben, dass ich auch der Autor bin und kein Spiel kopiert habe – Ich frage mich, ob Marektoy ähnliches für den Lizenzvertrag unterschrieben hat, denn das wäre dann durchaus juristisch angreifbar.

Oink versucht mit kleinen, pfiffigen Ideen einen Verlag aufzubauen, der international tätig wird. Wenn dessen Spiele nicht lizensiert, sondern plagiiert werden, ist dies auf Dauer nicht möglich. War Insider noch ein Grenzfall oder möglicherweise auch nur schlechte Informationspolitik, ist das hier ein klares Plagiat, wo ein Verlag mit (dank Klask) großer Reichweite und internationalen Kontakten (Marektoy) einen kleineren einfach beiseite schiebt. Und sowas ist nicht nur ärgerlich für die Geschädigten, es höhlt auch den Urheberschutz für Spiele defacto aus.

ciao

peer

(P.S.: Hier ein kurzer Hinweis auf die Schlagwörter an der Seite, die man anklicken kann, um mehr übers Urheberrecht zu erfahren).

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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