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Kinderkram

Es geht in diesem Post NICHT um das bekannte Vorurteil “Brettspiele sind Kinderkram”. Das wäre von mir kaum ausgewogen zu beleuchten. Nein, ich rede mal ein bisschen über das Spielverhalten einer mir gut bekannten Zweieinhalbjährigen, genauer gesagt meiner Tochter.

Es ist ja so, dass “Brettspielen” noch zu viel gesagt ist bei einer Person dieses Alters. Kinder wollen zwar mit jemanden spielen, spielen aber doch lieber für sich. Sprich: Sie wollen die Eltern (oder andere Spielkameraden) um sich haben, und auch mit denen reden, aber die sollen nun bitte keine Züge machen. Und Regeln sind auch noch uninteressant. Also fängt man mit Puzzlen und Lottos an.

Besonders bewährt haben sich in unserem Haus “Tiere und ihre Kinder” und “Tiere füttern” aus dem Hause Ravensburger (letzteres offiziell erst ab 3, aber nachdem es am Anfang etwas Hilfestellung bedurfte, flutschts jetzt auch alleine). Das sind zwar auch “nur” bessere Puzzles (oder Zuordungsspiele, wenn man genau ist -> Das Essen muss den Tieren zugeordntet werden), aber die thematische Einbindung (besonders von Tiere füttern) sorgt nochmal für ein besonderes Spielerlebnis. So langanhaltend ist die Freude an den Spielen, dass ich einen eigenständigen “dritten Teil” für meine Tochter kreirt habe, der sehr gut ankam (Ich will hier mal nicht zu viel ausplaudern, denn ich habe vor die Idee mal einem Verlag zu zeigen. Wenn auch -wegen der 65€ – leider wohl nicht Ravensburger).

Doch echtes Brettspielen wars natürlich noch nicht. Das ging erst mit “mein allererstes Mitmachspiel” los (ebenfalls Ravensburger). Das bekam sie zu Weihnachten, interessierte sie aber zunächst überhaupt nicht. Irgendwann holte sie es ganz von sich aus heraus und dann spielten wir es fast täglich. Zwar ist die Begeisterung schon wieder etwas abgeflaut, aber es wird immer noch gerne ab und an gespielt. Vor allem aber lernt sie da zum ersten Mal Brettspieltugenden: Würfeln, Passend vorsetzen (und nicht einfach dahin, wo man hin will), die oberste Karte nehmen (und nicht die, die man will – fällt ihr immer noch schwer) und nicht immer nur selbst dran zu sein. Alleine dafür hat sich das Spiel schon gelohnt! Und weil nun alle gespannt sind: Es ist ein kooperatives Würfelspiel mit starken Geschicklichkeits- und Kommunikationselementen. Klingt unheimlich spannend , oder? ;-)

Also: Es wird mit einem Farbwürfel gewürfelt. Die neutrale Maus wird auf das nächste passende Farbfeld gesetzt. Auf drei der 9 Felder gibt es eine Karte, die eine Aufgabe bereit hält wie ein Lied singen oder auf dem Boden herum rollen. Wird die Aufgabe erledigt gibt es einen Siegpunkt (sorry, kanns mir nicht verkneifen) in Form eines Bauteils für ein Stoffzelt. Ist das Zelt fertig, endet das Spiel, was nach ca. 5-10 Minuten der Fall sein dürfte. Was kurz ist, aber für das Alter schon eine gewisse Konzebtrationsleistung bedarf (wir spielen meistens 2 Partien hintereinander, aber eine dritte wird dann krampfig).

Ein anderes Spiel, was wirklich gut funktioniert ist das leider hierzulande nicht erhältliche Go Away Monster! Da ziehen die Kinder abwechselnd Teile aus einem Sack. Ziehen sie ein Möbelstück kommt es in ihr Zimmer (=ihr Tableau). Haben sie das Teil schon, geben sies jemand anderen. Ziehen sie ein Monster, so müssen sie das mit einem “Go away Monster!” wegwerfen, was das schönste am Spiel ist. So schön, dass meine Tochter die Monster auch so gerne wegwirft, ohne zu spielen.

Aber in dem Alter ist die Grenze zwischen Spielzeug und Brettspiel eben fließend. Aber bis “El Grande” auf dem plan steht, vergehen wohl noch ein paar Wochen…

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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