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Verlagsvorstellung Hyptic

Die Finnen kommen! Tatsächlich zeichnen sich mehr finnische Verlage für  potentiell interessante Spiele verantwortlich, als je zuvor. Und die Qualität ist auch gestiegen. Vor allem aber bieten finnische Spiele immer etwas besonderes. So auch Tornado Alert! von Hyptic, bei dem die durchschnittliche Siegpunktzahl im Deck zählt! Im folgenden Interview erfährt man mehr:

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Hallo! Ich bin Ilmo Nurminen von Hyptic (Games).Mein Bruder und ich sind die Gründer von Hyptic. Der Hauptzweck unserer Existenz ist die Entwicklung bislang noch ungesehene Brett- und Kartenspiele zu veröffentlichen. Das “ungesehene” bedeutet, dass wir versuchen untypische Mechanismen zu verwenden, so dass unsere Spiele den Spielern etwas neues bieten. Natürlich wird es da Ausnahmen geben, aber die meisten dieser Ausnahmen sind nicht von uns beiden. Wenn also mein Name auf dem Cover stehet, ist die Chance groß, dass tatäschlich etwas völlig neues in der Schachtel steckt.

Ich entwickle Spiele seit zehn Jahren (ich bin 26) und ich zähle die ersten Spielideen, die aus unseren Archiven verschwunden sind nicht mit. Während dieser guten 10 Jahre haben wir gut 40 Spielideen zur Verfügung und die meisten sind im ersten Prototypenstatus. Diese große Sammlung an Spielideen sorgt dafür, dass wir Spielern in Zukunft viel zu bieten haben.

Was sollte man sich von uns merken? Auch wenn Du alles über uns vergisst, denk an unseren Slogan: “Revolutionäre Spielekreationen”, der fasst unser Ziel gut zusammen!

Erzähle uns mehr über Tornado Alert!

Tornado Alert! ist unser erstes veröffentlichtes Spiel. Es ist ein leichtes Kartenspiel für jeden, der Geschwindigkeitselemente in Spielen nicht scheut. Das Ziel in Tornado Alert! ist es,  gute Fotos von einem Sturm zu schießen, möglichst einen Tornado aufs Foto zu bannen. Aber da die Jagd nach Stürmen ein gefährliches Hobby ist (und im Spiel geht es um die Weltmeisterschaft im Sturmjagen) gibt es Risiken. Wer zu viele Risiken eingeht kann von einem Blitz oder einem Tornado erwischt werden. Außerdem gibt es ein paar Sonderkarten, die gut oder schlecht sein können, je nach Situation der Spieler. Wer sich für das Spiel interessiert, dem sein Scott Nicholsons Videopreview empfohlen.

Tornado Alert! hat starke Mechanismen die das Spiel zusammenhalten, während das Thema die nötige Würze besorgt. Das Thema ist die Jagd nach Stürmen und Tornados, denn ich mag Stürme und habe tatsächlich bereits aktiv nach Stürmen gejagd. Ansonsten denke ich, das Spiel ist am besten, wenn es schnell gespielt wird. Am besten spielt man erst einmal ein oder zwei Runden lang drauflos und passt seinen Stil dann entsprechend an. Die Karten im Hauptstapel wecheseln schnell und um das Spiel zu beherrschen bedarf es hoher Konzentration und Geschwindigkeit.  Insofern trinkt man am besten Kaffee oder Energy Drinks beim Spielen…

Ich habe Kommentare gehört, die meinten es wäre eine Art Stichspiel. Ich bin da nicht so sicher, aber wenn man will, so sollte man es sich als ein Spiel mit einem durchgehenden Vollstich vorstellen.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir peilen 1-2 Neuveröffentlichungen für dieses Jahr an. Auch haben wir einige Spiele in der Entwicklung und einige davon werden vielleicht von anderen Verlagen veröffentlicht. Ich kann nicht mehr über unsere Pläne verraten, denn die sind noch nicht spruchreif. Aktuelle Neuigkeiten gibt es auf  www.hyptic.net oder auf unserer Facebookseite.

Hast Du noch ein paar Ratschläge für andere Autoren, die ihre Spiele verlegt haben wollen?

Es ist schwierig allgemeingültige Ratschläge zu geben, aber es gibt ein paar Richtlinien, auf die man achten sollte:

1.) Die Regeln sind das wichtigste an einem Spiel, also sollte man sie sehr ordentlich niederschreiben, bevor man einen Verlag kontaktiert. Graphiken sind nicht wichtig, erhöhen manchmal aber die Chancen – das hängt vom komkreten Verlag ab.

2. Bevor man das Spiel abschickt sollte man den prototyp einigen unbekannten Leuten (oder zumindest Leute, die man nicht gut kennt) geben und denen die Regeln nicht erklären. Lass die Spieler sagen was sie Denken. Stehe daneben, siehe zu und mache dir Notizen. Akzeptiere jedwedes Feedback und berücksichtige es.

3. Wenn das Spiel fertig ist, lege es erst einmal ein paar Wochen beiseite und spiele es dann nochmal. Wenn Du dann das Gefühl hast, es gibt nichts wichtiges mehr zu tun, kann man Verlage ansprechen.

4. Hofe nicht nur das Beste, sondern stecke Arbeit in die Präsentation des Spieles!

Kannst Du uns abschließend noch etwas über die finnische Spieleszene erzählen?

Natürlich. Die Finnische Brettspielszene entwickelt sich seit etwa zehn Jahren. Dennoch denken die meisten Finnen bei Brettspielen an Kinderspiele oder an Quiz (die seit langer Zeit unseren Mark überfluten). Die Gruppe der sogenannten Vielspieler ist klein, aber stetig wachsend und ich glaube auch die allgemeine Bevölkerung bemerkt moderne Brettspiele. Diese Veränderung kann man besonders um Weihnachten herum beobachten; im Weihnachtsgeschäft findet man mittlerweile sehr moderne Spiele, wenn man weiß wo man suchen soll. Auch entstehen mehr und mehr Verlage und das ist auch ein Zeichen für die Erstarkung der Szene. Im letzten Jahr kamen ein Dutzend Spiele von Finnischen Kleinverlagen auf den Markt, mehr als doppelt so viel wie sonst. Für die  Zukunft kann man also mehr und mehr gute Spiele aus Finnland erwarten.

Den größten Einfluß auf die Finnische Szene ist Lautapelit.fi die seit den 90er Jahren in der Szene aktiv sind und seit letztem Jahr auch finnischen Spiele herausbringen. Lautapelit.fi hat viele gute Spiele lokalisiert und vertrieben. Es gibt auch einige wichtige Einzelpersonen wie Mikko Saari, der viel dazu beigetragen hat, Brettspiele in Finnland populärer zu machen. Letztes Jahr haben wir (die finnischen Autoren) die  Board Game Developer’s Association ins Leben gerufen, um Bewegung in die Finnische Brettspielszene zu bekommen. Im Moment ist JussiAutio von Tuonela der Vorsitzende. Die größte Finnische Spieleveranstalung ist Helcon, die jährlich in Helsinki stattfindet.

Vielen Dank für das Interview!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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