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Der Preis ist heiß

Zu Beginn einmal eine Ankündigung in eigener Sache: Ich habe auf Boardgamegeek meine Tauschlisten aktualisiert. Außerdem möchte ich auf diesen Math-Trade hinweisen. Ich tausche gerne, denn dann kann ich mein Budget schonen und werde Spiele los, die ich sowieso nicht spiele und die auch sonst keinen Sammlerwert für mich haben.

Diese Ankündigung nutze ich gleich mal als Einleitung für das aktuelle Thema:
Was soll man eigentlich für so ein Spiel zahlen?
Ich gebe zu: Ich hasse es, wenn ich gefragt werde, wie viel ich bereit bin für ein Spiel zu zahlen. Was für einen Preis soll ich nennen? Meistens kaufe ich mir gebrauchte Spiele nur, wenn ich sie günstig bekomme. Nur in Ausnahmefällen möchte ich ein Spiel so dringend, dass ich ebay-Preise bezahle. Andererseits weiß ich, dass mein Gegenüber natürlich einen angemessenen Preis haben will. Also winke ich meistens ab.
Zudem: Was ist ein angemessener Preis? Bei der „Massengebrauchtware“ haben sich irgendwelche Preise eingependelt. Auch bei Sammlerstücken lässt sich oft eine Größenordnung ermitteln. Aber selbst da ist die Spanne groß: Für ein Magic Realm wurde bei ebay schon 100€ bezahlt, aber (einen Monat später) auch schon nur 35€. Und richtig knifflig wirds bei Exoten, die man praktisch nirgendwo finden. Woher soll ich wissen wieviel „Murder on the orient express“ von Ideal wert ist? Mir ist es sicherlich 20-30€ wert, aber ist das viel oder wenig? Bei den alten Steidl-Spielen ist eigentlich jeder Preis zwischen 5 und 100 Euro irgendwie zu rechtfertigen. Und tatsächlich gehts selbst Händlern nicht anders. In Essen ergaben sich für ein Schmidt-Diplomatie Preisschwankungen von 60 EUR. Ein  Steidl-Spiel war mit 90€ ausgezeichnet, bekommen hätte ich es am Sonntag für 20€. Angebot und Nachfrage funktioniert eben nur, wenn beides in einem gewissen Umfang vorhanden ist. Ein Verzeichnis wie dieses hier wäre schön, aber wer solls machen? Ich hatte schon an eine Online-Datenbank gedacht, wo jeder Preise eintragen kann, die er für gerechtfertigt hält, doch das funktioniert kaum. Zu viele Käufer und Verkäufer würden unrealistische Angaben machen, um den Preis in eine entsprechende Richtung zu ziehen. Einzige mögliche Lösung? Eine Gruppe freiwilliger durchflöht alle Händlerlisten, Spielbox-Kleinanzeigen und Ebay-Angaben und gibt die Preise in eine Datenbank ein. Dann kann man vielleicht auf realistische Preiseinschätzungen kommen (und sowas wird ja durchaus gesucht, wie man an den regelmäßigen Nachfragen „Was ist Spiel XYZ wert?“ sieht). Allerdings kommt es dann auch fast unausweichlich zu Preisinflationen á la Atlantis (MB), das in erster Linie teuer ist, weil es teuer ist. Und Schnäppchen werden seltener (was aber ja auch der Sinn der Sache ist, denn das Ziel ist ja ein realistischer Preis).
Wer übrigens meint, meine Ausführungen seien albern, denn jeder soll einfach das zahlen was er bereit ist und alle sind glücklich, sieht den Punkt nicht: Keiner lässt sich gerne übervorteilen und auch und gerade unter Freunden will man schon irgendwie realistische Hausnummern haben.

Und apropos: Es gibt ja dieses Minenfeld Online-Bestellung vs. Spieleladen. Auch hier gehts im wesentlichen um Preise. Und es wird immer gerne auf die Preiskaputtmacher im Internet geschimpft, wenn ein Spieleladen dicht macht. Die Diskussion will ich kurz an einem Dilemma erläutern:

Angenommen ich möchte Spiel Z kaufen und weil ich ein idealistischer Mensch bin, möchte ich mit meinem Kauf die Spieleszene möglichst viel fördern. Almosen möchte ich aber auch keine geben. Spiel Z kostet bei meinem Spieleladen um die Ecke 50€. Bei meinem Lieblingsversender kostet es 35€. Mein monatliches Budget beträgt 50€ (soweit meine Frau davon weiß ;-) ). D.h. beim Versandhandel könnte ich mir noch ein Spiel Y für 15€ leisten. Damit würde ich zwei Verlage unterstützen und einen Internethändler. Und die Post, aber irgendwas ist ja immer.

Beim Händler könnte ich mir nur ein Spiel leisten, hätte aber einen Spielehändler direkt unterstützt. Nun sollte der nicht unbedingt auf meine Hilfe angewiesen sein (sonst stimmt mit dessem Geschäftskonzept was nicht), aber ich bedanke mich mit meinem Kauf bei ihm natürloch für die persönliche Beratung. Nicht die Beratung von mir, denn ich brauche keine, sondern die Beratung von der weniger informierten Laufkundschaft. Ein Internethändler kann nur an informierte Käuferschichten verkaufen, ein Ladenbesitzer schafft im Optimalfall neue Käuferschichten. Das multipliziert den Effekt und insgesamt werden mehr Spiele verkauft (dann auch wieder von Onlienhändlern), der Spieleszene gehts gut, mehr Spiele werden produziert, höhere Stückzahlen werden abgesetzt, die Preise können gesenkt werden und alles wegen meines Spieles. Ist das nicht toll?

Na gut, ich übertreibe. Aber den Multiplikatoreffekt gibt es wirklich (zumindest bei Spielelädenbesitzern, die ihr Handwerk verstehen). Welchen Preis jeder für diesen Effekt zu zahlen bereit ist (oder ob überhaupt) ist jedem selbst überlassen. Und das ist auch gut so. Um ihn wissen sollte man aber schon

Normalerweise sind wir nicht so die News-Seite, aber für eine Hamburger Veranstaltung mache ich mal eine Ausnahme: Am 06.09 findet der Logencon statt. Hier die Pressemitteilung:

Spiele-Convention in Hamburg! – Am Samstag, dem 6. September
veranstaltet der Spieleverein „Die Loge e.V.“ den LogenCon, eine
Veranstaltung von Spielern für Spieler. Ab 10 Uhr bis in die frühen
Morgenstunden des Sonntags dreht sich im Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer
alles ums Spielen.
Herzstück der Veranstaltung ist ein kostenloser Spieleverleih mit über
100 Brett- und Kartenspielen. Bei Bedarf stehen Spieleerklärer mit
Empfehlungen und Erklärungen zur Verfügung. Daneben stellen bekannte
Spieleverlage und Promoter Neuheiten und Klassiker vor. Wer dann noch
Zeit findet, kann an einem der vielen Turniere – von „Heckmeck am
Bratwurmeck“ bis zur taktischen Risiko-Schlacht – teilnehmen und mit
etwas Glück und Können tolle Preise gewinnen.

Auch in unbekanntere Spieleformen wie Fantasy-Rollenspiel und Tabletop
kann man dort hineinschnuppern. Von „Go“, dem ältesten Brettspiel der
Welt, bis zum aktuellen In-Spiel „Poker“ findet sich auf dem LogenCon
bestimmt für jeden etwas.

Das gesamte Programm sowie weitere Informationen zu einzelnen
Veranstaltungen stehen auf www.logencon.de.

ciao

Peer

Peer Sylvester

2 Kommentare

  • Grundsätzlich hast du Recht, dass das Problem der Spieleläden darin liegt, dass ihre Preise nicht nur ein bisschen über dem Preis von Internethändlern liegen sondern z.T. enorm. Ich habe manchmal Preisunterschiede von 75% feststellen müssen.
    Natürlich gilt nach wie vor „support your local dealer“, aber manchmal ist es einfach hanebüchen, wie die Preisunterschiede sind. Mir ist schon klar, weshalb Spieleläden teurer sind und auch sein dürfen, aber wer Ahnung hat und nicht beraten werden muss, der zieht doch bei derartigen Preisunterschieden nicht mit. Wenn ich mich aber beraten lasse, so bin ich gerne bereit 20-30% mehr zu zahlen, aber keine 75%.