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Erinnert sich irgendjemand noch an Scarab? Kleiner Tipp: Es war das Erstlingswerk (und meines Wissens einziges Spiel) des Verlages Silberberg Spiele. Und es ist historisch interessant. Denn IIRC war es eines der ersten Spiele, das in Essen damit warb, dass die Auflage limitiert war und dass es keine Zweitauflage geben sollte (Ich mag mich irren, aber so habe ich es in Erinnerung). Das war 2002 und in dem Jahr kam mit Fundstücke (2F) noch ein weiteres „Essen only“-Spiel raus. Die Diskussionen um limitierte Spiele hatten in dem Jahr folgerichtig so etwas wie einen kleinen Höhepunkt erreicht (Zumal es das Jahr nach dem Carccassonne-Fluss war).

Mittlerweile wird zwar immer noch vorbestellt, aber Spiele sind nicht mehr per se beliebt, nur weil sie limitiert sind (Es war zweifelsfrei gute Werbung für Scarab, auch wenn das Spiel letztlich bestenfalls Durchschnitt war). Das hat einen einfachen Grund: Wenn ein Spiel wirklich gut einschlägt, wird es in aller Regel früher oder später von einem anderen Verlag übernommen. Mittlerweile ist die Szene so international geworden, dass sich in der Regel schon ein Verlag findet, der einen „Insidertipp“ wieder verfügbar macht – wenn nicht gerade die Rechtelage vertrackt ist (wie bei einigen AH-Spielen), Lizenzen benötigt werden (Dune) oder die Autoren untereinander zerstritten (Supergang) oder gar nicht bekannt (McMulti) sind. Und wer warten kann, muss sich nicht um die Restexemplare eines Automobile prügeln…

Das haben auch die (Klein-)verlage erkannt: Werbung mit Limitierungen ist selten geworden (übrigens ist jede Auflage limitiert – die Frage ist, ob eine Zweitauflage denkbar ist). Stattdessen gibt es mehr „Give-Aways“ denn je zuvor.

Und jetzt wirds schräg: Die Idee eines Give-Aways ist es in der Regel entweder Werbung für ein Spiel zu machen oder sich bei bestimmten Käufergruppen zu bedanken – z.B. für die Käufer eines Luxusausgabe, für den Kauf von einer bestimmten Menge von Spielen oder für den Besuch bei einer Veranstaltung. Z.B. der der Essener Spielemesse.

Nun sind diese Giveaways meistens spielerisch zwar nicht essentiell, aber dennoch wollen Sammler und Fans des Grundspieles darauf nicht verzichten. Und wollen auch eines haben, auch wenn sie nicht die Luxusausgabe haben, nicht die Menge Spiele abkaufen wollen oder nicht nach Essen fahren. Mit anderen Worten: Sie wollen das Dankeschön haben, ohne das Bitteschön geben zu müssen. Und wenn sie es nicht kriegen, ist der Verlag, der einigen Kunden was schenkt, kundenunfreundlich. Der Umkehrschluss wäre, dass ein Verlag der seinen Kunden nichts schenkt, kundenfreundlicher ist,  als einer, der nicht dafür Sorge trägt, dass ALLE potentiellen Kunden etwas bekommen. Verkehrte Welt!

Die beiden Haupt-Argumente der „Give-Aways-Für alle, sonst gibts Krawalle!“- Fraktion klingen dabei in erster Instanz schlüssig:
1)  Der Verlag weckt Begehrlichkeiten und darf sich daher nicht über Kritik wundern.

2) Es ist Ungerecht, wenn Kunden, die nicht nach Essen fahren können (etwa aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen) benachteiligt werden.

Hier werden aber aus Enttäuschung zwei Denkfehler gemacht:

1.) Die Welt ist nun einmal ungerecht. Jemand der nicht viel Geld hat, kann sich nicht so viele Spiele leisten, wie er möchte, während andere Leute alles bekommen, was sie wollen. Ist das gerecht? Müssen die Verlage dafür sorge tragen, dass alle Spieler, die ihre Spiele wollen, diese auch erwerben können? Müsste man Spiele wie Die Abtei der wandernden Bücher, die nur von einer priviligierten Minderheit bezahlt werden kann, verbieten? Natürlich nicht! Und wenn ich ein Spiel in den USA bestelle, muss ich mehr Porto zahlen, als ein Amerikaner. Manches (z.B. Mindflex) kann ich hierzulande gar nicht bekommen, Das ist nun einmal so. Bedauerlich, aber das ist der Lauf der Welt. Wenn ich meinen Kumpels aus der Autorenrunde Freiexemplare meiner Spiele mitbringe leitet sich daraus kein Anspruch für alle anderen Spieler ab, ebenfalls frei Exemplare zu bekommen (Per vollständiger Induktion kann nun bewiesen werden, dass aus keiner Geschenkemenge jedweder Größe ein Anspruch für den Rest der Bevölkerung abzuleiten ist)

2) Argument 1 läuft darauf hinaus, dass Verlage keine Begehrlichkeiten wecken sollen – das bedeutet aber nichts anderes, als dass es nur die beiden Möglickeiten gibt: a) Keine Giveaways für iregendwen – nicht mal Presseexemplare wie Risk: Black Ops und b) was immer er abgibt muss er an alle tun. Ersteres wäre eine Radikallössung, die wohl nur von missgünstigen Spielern gewollt wäre. Letzteres widerspricht aber gerade der Idee des Give-Aways: Dem Bedanken für etwas. Wenn es eine Skat-Promokarte für Besucher des Uszbekischen Spielefests gibt, so soll ja gerade die Karte einen Anreiz für den Besuch des Festes geben – wenn es die Karte eh gibt, fällt dieser Anreiz flach. Natürlich finde ich es Schade, dass ich eine Karte nicht bekommen kann, aber ich poche auch nicht drauf. Ist mir die Karte wirklich  wichtig, gäbe es ja eine Möglichkeit sie zu bekommen – nämlich hinzufahren. Ist mir das die Karte nicht wert, darf ich mich auch nicht beschweren. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Bekomme ich das Promo-Material ohne die Promo mitzumachen, dann sind diejenigen, die wegen der Karte nach Uzbekistan gereist sind / sich eine teure Luxusausgabe geleistet haben / mit einer Mülltüte überm Kopf nakt durch die Messehallen gelaufen sind zu Recht vergräzt: Sie hätten ihre Leistung nicht erbringen müssen, um die Verlagsleistung zu bekommen. Was solls also?

In diesem Sinne gibt es bei der Spielbar dieses Jahr -wie eigentlich jedes Jahr – keine Promos.

Viel Spaß damit!

ciao

peer

P.S: Die letzte Rezi vor Essen: Saigo no Kane

Peer Sylvester

3 Kommentare

  • Hi Peer,

    Na das sehe ich ganz genauso. Guter Beitrag, weil er des Pudels Kern genau triftt. Ich für meinen Teil habe nix dagegen wenn ich als nicht-Messe-Besucher 50 Euro für den „Fluss“ von Carcassonne auf den eBay-Tisch lege – gut, das ist meine Sache. Ich selbst würde mein „Hart erkämpftes“ Exemplar ja auch nicht für 2 Euro POrto abgeben wollen. So dreht sich die Welt seit tausenden Jahren und so dreht sie sich auch tausende von Jahren weiter – und das ist gut so!

    Als Messebesucher empfinde ich Promo-Aktionen prima und sind für mich durchaus mit ein anreiz zur Messe zu fahren. Und da man sollte denken das die Aussteller interesse daran haben das Besucher zur Messe kommen, gehe ich mal fest davon aus, das es immer Promo-Artikel geben wird. Wenn diese später im Handel oder über den Verlag zu bekommen sind: Schön. Wenn nicht, auch gut.