Preisgabe des Sylvester 2009

Im Sommer hätte ich noch Probleme gehabt drei Titel für den deutschen Preis zusammenzu bekommen. Nach Essen sind es jetzt jedoch bereits so viele, dass ich ein bisschen schummeln musste… Hier nun die Preisträger:

Den Sylvester für das beste deutschsprachige Spiel in Gold bekommt Chicago Express (Queen Games)
Der Sylvester in Silber geht an Dominion (Hans im Glück)
Der Sylvester in Bronze geht an Stone Age (Hans im Glück)

Der Sylvester in Gold für das beste ausländische Spiel geht an Pandemic (Z-Man Games)

Der Sylvester in Silber geht an Wasabi! (Z-Man Games)

Der Sylvester in Bronze geht an Municipium (Valley Games)

Der Sylvester Förderpreis für das beste unveröffentlicht oder nicht kommerzielle Spiel geht an Zombie in my pocket von Jeremiah Lee

Zur mündlichen Urteilsbegründung: Wo sind eigentlich die ganzen Stimmen zu Chicago Express? Es sieht so aus als hätten die Experten recht, die meinen Wirtschaftsspiele gehen in Deutschland nicht… Chicago Express ist ein lupenreines Wirtschaftsspiel und was für eins! Es ist schnell, es spielt sich mit 2-4 Spielern hervorragend (mehr hab ich noch nicht ausprobiert – zu zweit ist es allerdings sehr verkopft) und der Mechanismus, dass man sich überlegen muss, eine Aktie zu kaufen, nur damit man nicht weniger Geld bekommt erfodert eine sehr interessante Denke. Zudem merkt man dem Spiel an, dass es bis ins i-Tüpfelchen ausdesigned wurde: Jedes Feld, die Anzahl der Loks, die Anzahl der Aktien etc. alles passt perfekt! Ich hoffe auf weitere Karten mit neuen Herausforderungen aber bislang bringt auch so jede Partie etwas neues.

Dominion auf Platz 2? Ja, das Spiel ist wenig interaktiv. Ja, so manche Kombination an Ereigniskarten ist spielerisch wenig interessant. Ja, das Spiel ist eine Mischorgie. Ja, es könnte spielerisch mehr auf dem Tisch passieren. Aber Dominion ist das Brettspieleäquivalent von Popkorn – da fragt auch keiner nach Nährwert oder Geschmack. Die Partien gehen schnell, der Einstieg ist simpel, die Langzeitmotivation durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten hoch. Hatte ich schon erwähnt, dass das Spiel schnell geht? Zack! Noch mal! Diesmal mit Hexe!

Stone Age tut mir fast ein bisschen Leid. Das mit Abstand beste Spiel der ersten Jahreshälfte wird gleich doppelt überholt. Und das nachdem es bereits beim SdJ übergangen und beim DSP von Agricola an die Wand gefahren wurde. So ein Pech! Dabei ist es ein wirklich schönes Taktikspiel, dass allerdings drei Probleme hat: Die Spieldauer ist einen Tick zu lange, die Einstiegshürde für Wenigspieler einen Tick zu hoch (was wohl die SdJ-Weihen verhinderte) und die Spieler schießen sich irgendwann auf eher festgefahrene Strategien ein (was den zweiten Platz beim Sylvester verhinderte). Dennoch ein Spitzenspiel, keine Frage!

Pandemic gibt es mittlerweile auch auf deutsch, keine Frage. Aber ich wollte mich um die Frage rumdrücken, ob ich Pandemic oder Chiacago Express besser finde. Pandemic geht schnell und ist dermaßen herausfordernd, dass man oft und gerne mehrere Partien in Folge spielt. Die Einstiegshürde ist genau richtig (wenn auch das Regelheft etwas zu knapp geraten ist – man vergißt oder übersieht gerne mal die eine oder andere Regel) und damit könnte ich mir vielleicht sogar eine SdJ-Nominierung vorstellen…

Wasabi! ist vielleicht die größte Überraschung auf der Liste. Nun, ich mag nun einmal gut gemachte Legespiele und Wasabi ist ein solches. Nichts spektakuläres, aber perfekt umgesetzt, sowohl was Spielmechanismus als auch thematische Einkleidung betrifft. Ich mag das!

Municipium hat sich in letzter Sekunde gegen Monastery durchgesetzt. Der Grund liegt eher bei letzterem, dass etwas sperrig wirkt als bei ersterem. Doch Municpium ist kein schlechtes Spiel- im Gegenteil! Endlich mal wieder ein guter, anspruchsvoller Knizia, der sogar andere Mechanismen benutzt, als die anderen Knizia-Spiele. Nur schade, dass es hierzulande nur als teurer Import zu haben ist.

Über Zombie in my Pocket habe ich bereits geschrieben.

War 2008 nun ein gutes Jahr? Oder vielleicht gar ein schwaches?

Wie oben angedeutet fand ich die Spiele der ersten Jahreshälfte mit Ausnahme des sehr starken Stone Age generell eher magere, teilweise sogar sehr enttäuschende Kost. Selten habe ich so viele Spiele gespielt, die bei mir komplett durchgefallen sind (z.B. Vineta oder das Zug um Zug Kartenspiel). Dann kam Essen und damit eine Schwemme interessanter Spiele. Zwar keines davon das absolute Spitzen-Oberspiel (Chaigao Express lernte ich erst nach der Messe kennen), aber viel interessantes. Das deutet doch auf ein gutes Jahr hin? Naja, viele Spiele sind zwar interessant und machen auch auf den ersten Blick Spaß, doch wenn man ehrlich zu sich ist, bieten die meisten davon eher durchschnittliche Kost, bieten nicht mehr (aber auch nicht weniger) als andere Spiele derselben Gattung (z.B. alle Rennspiele des Jahrgangs, die ich bislang gespielt habe) oder aber der anfängliche Reiz verfliegt recht schnell (so ging es mir bei Tinners Trail, bei dem sich die Partien doch schon sehr ähneln). Letztlich habe ich nun viele Schachteln im Schrank stehen, die da zwar nicht ohne Grund stehen und die ich nun auch nicht wegwerfen würde, auf die ich aber auch sehr gut würde verzichten können, sollte mich jemand dazu zwingen.

Insgesamt würde ich 2008 als ein eher gutes Jahr einschätzen – Nicht zuletzt auch deswegen weil dieses Jahr endlich mal wieder eine Reihe origineller Spiele erschienen sind (z.B. Climb, Space Alert, Monastery, Dominion, Metropolys), während in den Vorjahren der Fokus eher auf dem sauberen Ausdesignen bekannter und bewährter Prinzipien lag. Allerdings ist die Schere zwischen der Spitzengruppe der sehr guten Spielen und der “zweiten Garde” der OK-Spiele dieses Jahr doch recht weit geöffnet.

ciao

peer

Peer Sylvester

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

4 Gedanken zu „Preisgabe des Sylvester 2009“

  1. Hmm, die Nummer 1 der deutschsprachigen Spiele ist aber nicht wirklich deutsch…

    Beim amerikanischen Verlag Winsome Games erschien 2007 das Spiel “Wabash Cannonball”, was eins zu eins das selbe Spiel wie “Chicago Express” ist.

  2. Ich weiß. Na und? Chicago Express ist die deutsche Ausgabe und deutlich schöner als das Original.
    Wenn überhaupt hätte man anmerlken sollen, dass Pandemic mittlerweile auch ne deutsche Fassung hat und in die andere Kategorie gehört hätte… Und Dominion ist auch die deutsche Ausgabe eines amerikanischen Spieles – Das stört dich nicht?
    🙂

  3. Hi Peer!

    Na ja – deutsches und ausländisches Spiel lässt sich in diesen Fällen gar nicht mehr 100%ig trennen.
    Warum nicht einfach die 5 besten Titel des Jahres? Oder eine Aufsplittung nach Spielarten (2-Spieler, abstrakt, Kartenspiel…) – ist ja deine Entscheidung Peer 😉
    Zu deiner Wertung: Chicago Express ist ohne Zweifel sehr gut, aber ich bin selbst nicht DER Fan von Eisenbahnspielen und kenne einige Leute, die mit dem Thema sogar Probleme haben.
    An Dominion ging dieses Jahr kein Weg vorbei (mich hindert nur die Kartenmischorgie an einem Kauf – dafür ist es in der BSW locker runterzuspielen).

    Mit Wasabi werde ich nicht warm (aber das weißt du ja bereits) und Municipium hätte ich gerne gemocht – vielleicht ändern hier weitere Partien meine Meinung. Das Spielende gefällt mir einfach nicht.

    Mein Fazit zu den Essenneuheiten (auch wenn ich ein paar wichtige noch nicht gespielt habe): Wenig, was dauerhaft auf den Tisch kommt. Die wenigen Kracher gab es vorher bereits (Kohle/Brass, Pandemie/Pandemic). Ein solides, aber auf keinen Fall ein überragendes Spielejahr.

    Viele Grüße und frohes neues Jahr
    Bernd

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