spielbar.com

Das Spielbar-Quizspecial

Letztes Jahr habe ich nach Weihnachten ein kleines Quizspecial geschrieben. Da hatte ich in der Einleitung auch meiner Abneigung von Trivial-Pursuit-ähnlichen Würfelorgien kund getan. Das soll hier nicht wiederholt werden.
Aus Verlagssicht sind Quizspiele immer ein gewisses Risiko: Zum einen benötigt man ja Unmengen an Fragekarten. Das ist nicht nur mit einem enormen redaktionären Aufwand verbunden, sondern auch mit Kosten in der Produktion. Gute, stabile Karten sind ein viel größerer Kostenfaktor als man als Verbraucher gemeinhin so denkt (die Karten beim König von Siam machten zusammen mit der Schachtel einen Gutteil der Produktionskosten aus – Bei Friedrich wars wohl noch extremer, auch weil die Karten da eine noch viel höhere Qualität haben mussten). Daher sind Quizspiele oft sehr viel teurer als andere Spiele in vergleichbaren Schachtelgrößen.
Zum anderen gibt es ja das (in meinen Augen) unsägliche Trivial Pursuit. Das ist nunmal das Quizspiel Nr. 1 und dank einiger geschätzer Millionen Ausgaben immer noch das Quiizspiel Nr. 1 auf den meisten Wunschzetteln. Wenn die Käufer auf ein anderen Quizspiel aufmerksam werden sollen, muss sich der Verlag schon was einfallen lassen. Ein Weg sind Lizenzen. So ist vor kurzem ein (ziemlich schlechtes und einfallsloses) Spiel zum Fernsehquiz “Quiztaxi” erschienen.

Aber auch andere Verlage bemühen hin und wieder ihr Glück und kämpfen um die Aufmerksamkeit potentieller Käufer. Da ich aus einer sehr Quizspielbegeisterten Familie entstamme, habe ich es auf mich genommen, drei Kandidaten einmal auf den Telefonjoker zu fühlen!

Die Kontrahenten sind die Essen-Neuheiten Schotts Sammelsurium und Bezzwizzer sowie die letztjährige Essen-Neuheit Personology, das mittlerweile bereits bei Karstadt verramscht wird.
Hier die technischen Daten unserer Streiter:

Name: Schotts Sammelsurium
Autor: Auf der Schachtel steht Ben Schott, doch ich denke dies ist ein Produkt der Kosmos-Redaktion
Verlag: Kosmos
Für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Der Kosmosverlag setzt auf die Zugfähigkeit des gleichnamigen Bestsellers.

Name: Bezzerwizzer
Autor: Jasper Bülow
Verlag: Mattel
Für 2-4 Spieler (oder Teams) ab 12 Jahren
In Dänemark ist Bezzerwizzer angeblich ein Riesenerfolg – kann die Begeisterung “überzwappen”?

Name: Personology
Kein Autor angegeben
Verlag: Amigo
Für 2-4 Spieler ab 8 Jahren
Wie auch Hasbro mit Scene it setzt Amigo auf die DVD – doch anscheinend erfolglos. Ist das Spiel wirklich schlecht oder wars Pech,dass es beim Käufer nicht landen konnte?

Beginnen möchte ich mit dem Streiter für den Kosmosverlag: Schotts Sammelsurium. Es ist das kürzeste und einfachste der drei Spiele und das einzige mit einer Mitspieleranzahl jenseits der 4. Soweit gute Vorraussetzungen, oder?
Schaunmermal…
Erst einmal: Ein richtiges Quiz im engsten Sinne ist Schotts Sammelsurium nicht. Die Fragen sind nämlich kaum beantwortbar, beziehen sie sich doch auf “nutzloses Wissen” aus dem Buch. Daher sind grundsätzlich drei Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Beantwortet werden die Fragen immer gleichzeitig von allen Mitspielern, dienicht gerade die Frage vorlesen und alle die richtig getippt haben dürfen ein Feld vor. Das wars auch schon an Regeln – wie gesagt: Einfach, präzise, auf den Punkt- kein unnötiger Glücksfaktor, kein Schnickschnack – Buch äh Spiel aufmachen und losspielen. Damit hat Schott bei uns gleich punkten können, zumal auch die Ausstattung voll in Ordnung geht. Und Ratespiele sind ja nicht schlecht: Man denke an Anno Domini, Ausgerehnet Buxtehude, Pi mal Daumen
Doch bald schon macht sich Ernüchterung breit: Wissen ist kaum möglich, aber auch begründetes schätzen oder gar logisches Erschließen der Antwort ging nur bedingt: Von etwas 60 Fragen wusste ich 4, drei weitere konnte ich begündet raten. Alle anderen ist wirklich blindes Rumgerate und irgendwann in der zweiten Partie fing ein Mitspieler mit blindem Ziehen der Antwortbuchstaben an – Von da an ging es nur bergab. Schlecht ist das alles nicht, nur eben auch nicht gut. Statt Unterhaltung findet man Beschäftigung, die Karten werden weggearbeitet und Stimmung kommt keine auf. Leider konnte der Charme des Buches nicht auf das Spiel übertragen werden – zwar sind einige Fragen wirklich witzig, doch das Gros sind eher Statistiken oder Bonmots, die kopfnickend hingenommen werden.
Ein Beispiel gefällig (aus dem Kopf, bei den Minuten können sich daher kleine Fehler einschleichen)?
Wie viele Stunden Freizeit haben die Deutschen:
a) 5 Stunden 23 Minuten
b) 4 Stunden 33 Minuten
c) 3 Stunden 43 Minuten ?
Witzig? Kaum. Kann man das Wissen? Kaum. Bestenfalls wählt man nach dem Motto “Die Deutschen habe ja viel Freizeit” den höchsten Wert – hier geht die Rechnung dann auch mal auf, aber ebenso häufig liegt man damit falsch.
Fazit: Wie schon Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod aus demselbe Verlag ist auch Schott ein eher belangloses Anhängsel des Buches, wobei die Fragen naturgemäß bei Schott etwas interessanter sind. Es ist als Quizspiel nicht zu gebrauchen und als Ratespiel muss es sich mit viel witzigeren und besseren Konkurrenten messen lassen, bei dem einfach mehr Stimmung aufkommt. Einziges Highlight ist die einfache Abwicklung der Wertung, die ich mir für andere, ansonsten bessere, Quizspiele wünschen würde.

Zum Beispiel für Personology von Amigo (Wieso müssen diese drei Spiele Namen haben, bei denen man sich ständig vertippt?) , dass sich nicht nur vom Medium her an Scene it orientiert: Auch bei Personology wird beim richtigen Beantworten einer Frage gewürfelt und es gibt Aktionsfelder, bei denen man den Platz mit der Figut hinter einen tauschen darf. Besonders toll sind die Aktionskarten, die man mit dem richtigen Beantworten einer Frage bekommen kann (und so immerhin eine Belohnung darstellen). Darunter ist eine Karte, mit der man die Figur mit dem vor einem tauschen kann. Spielen mehrere Spieler hintereinander so eine Karte auf den vormals Führenden wird der ohne Verschulden nach hinten durchgereicht. Ist ein tolles Gefühl: Am meisten gewusst und dennoch letzter… Aber der ist dann selbst schuld, hat er doch nur Karten gezogen, mit dener er noch einmal würfeln darf…
Mit anderen Worten: Die Regeln sind für die Leute gemacht, die Spaß an einem Quizspiel haben, bei dem die eigene Leistung nichts mit der Beantwortung der Fragen zu tun hat.
Doch das alles läßt sich bei Bedarf mit Hausregeln überbrücken – Wie sind die Fragen denn so? Wie der Name des Spieles andeutet drehen sich alle Fragen um Berühmte Personen. Die richtige Person zu erraten ist das Ziel und es gibt vier Kategorien:
Beim Foto wird ein anfänglich digital verzerrtes Foto laufend entzerrt, bei Karikatur entsteht eine Karikatur auf dem Bildschirm, bei der Frage wird -nunja – eine Frage gestellt und bei Zitat muss ein Zitat erkannt werden. Da letzteres in den meisten Fällen sehr, sehr schwer ist, werden im Laufe der Zeit unten Buchstaben des Namens eingeblendet – Ganz so wie beim Galgenraten. Auch wer keine Ahnung hat, kann hier noch durch gutes Raten auf die richtige Lösung kommen.
Der Zeitfaktor ist bei allen Fragen entscheidend: Wird die Frage in den ersten 5 Sekunden beantwortet (eigentlich nur bei den letztgenannten beiden Kategorien zu schaffen) gibt es die doppelte Punktzahl. In den letzten 5 Sekunden dürfen auch die Mitspieler mitraten. Beides sind gute Regeln, die für Interaktion sorgen und das Medium auch gut nutzen. Sowieso sind die Kategorien gut gewählt und wer gerne VIPs rät liegt mit Personology sicherlich nicht ganz falsch (Zumindest wenn er einen weg findet das Spielbrett und die Aktionskarten zu ignorieren).
Aber: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los ein ungeliebtes Kind von Amigo vor mir zu haben: Nicht nur dass das Spiel bereits 6 Monate nach Erscheinen für ein Zehntel des Urpreises verramscht wurde, nein, auch die redaktionelle Bearbeitung ist so dilletantisch, dass man fast Absicht vermuten muss:
Die Regeln habe ich schon angesprochen. Aber auch das Aussehen: Die Schachtel gehört sicherlich zu den häßlichsten Designs in meiner Spielesammlung. Auch in der Schachtel siehts nicht besser aus: Brett und Karten -allesamt nicht sonderlich schön. Selbst Graphik auf der DVD gehört eher in den Bereich “PC-Spiel in den späten 80er Jahren”. Und so gut die Fragen und Aufgaben dort auch sind: Es haben sich schon einige Merkwürdigkeiten eingeschlichen. So kommt ein Zitat zweimal vor: Einmal bei “Zitat” und einmal bei der Kategorie “Frage” in der Form “Wer sagte : (…)?” Wohl dem der die zweite Frage hatte, wenn das Zitat bereits in derselben Runde abgefragt wurde. Schlußendlich bleibt die Frage warum man sich hier auf maximal 4 Spieler beschränkt hat – mit zusätzlichen Pöppeln kann Personology problemlos auch mit viel mehr Leuten gespielt werden. Gerade angesichts der Party-Spiel ähnlichen Athmosphäre wäre das sehr sinnvoll gewesen.
Fazit: Vom Spielspaß her kann Personology locker mit der Scene it – Reihe mithalten. Vielleicht hat es sogar den Vorteil gegenüber der Hasbro-Reihe, dass die Berühmtheiten aus allen Bereichen stammen und daher mehr Allgemein- als Fachwissen gefragt ist (Bei Scene it gibt es ja Themen wie “Fussball-Weltmeisterschaften” oder “Kino”). Gerade für Familien sicherlich die bessere Wahl. Auch dürfte die Hauptzielgruppe – vermutlich 16-25jährige – auch nicht so an dem Glücks- und Ärgerfaktor stören. Leider schoß sich Amigo mit der Aufmachung und der Umsetzung selbst ins Bein – In der Kaufhausauslage musste Personology gegen das deutlich ansprechendere Scene it verlieren!

Das dritte im Bunde ist dann ein klassisches Quiz: Bezzerwizzer setzt auf die Quizspielfreunde als direkte Zielgruppe. Schachtel und Inhalt sehen sehr gediegen aus – Hier wird der Eindruck vermittelt, etwas sehr edles gekauft zu haben. Das ist bei einem Preis von knapp 50€ sicherlich auch notwendig. Der Preis wird aber auch durch eine enorme Fragenauswahl gerechtfertigt – Mit diesem Spiel ist man einige Zeit beschäftigt!
Und taugen die Regeln was? Wie funktioniert das Spiel?
Wie gesagt, es ist in erster Linie ein klassisches Quizspiel: Einer ist dran und muss eine Frage aus einem Wissensgebiet beantworten. Alternative Antworten gibt es nicht, also Wissen oder Nicht-Wissen ist hier die Frage! Für das richtige Beantworten gibt es Punkte – kein Gewürfel, keine Aktionskarten, kein Überflüssiges Randomisieren der Wertung. Dafür aber ein sehr schöner Mechanismus zum Bestimmen der Punkte: Vor jeder Runde zieht jeder 4 Kategorie-Steine, die anzeigen aus welcher Kategorie eine zu beantwortende Frage stammt. Jeder kann nun selbst entscheiden, welche Kategorie im 4 Punkte, welche 3, welche 2 und welche nur 1 Punkt im Falle einer richtigen Antwort bringt. Das ist clever und macht Spaß und jeder kann seine Stärken selbst einschätzen. Hinzu kommt noch, dass jeder einen Zwap-Stein besitzt, mit dem er einmal in jeder Runde einen eigenen Stein mit dem eines Mitspielers tauschen kann – so könnte ich z.B. die ungeliebte Frage aus dem Bereich Architektur vermeiden und mir stattdessen eine Frage aus dem Bereich Naturwissenschaften holen. Das ist natürlich auch ein schöner Ärgerfaktor: Jetzt muss mein Bruder eine Architekturfrage für 3 Punkte beantworten! Tja, selber Schuld, hätte er mal seinen Zwap-Stein nicht so früh eingesetzt! Dieses Element funktioniert gut und sorgt für den gewissen Pfiff. Zur weiteren Interaktion gibt es noch einen Bezzerwizzer-Stein. Der war bei uns aber nicht unumstritten: Setzt man ihn ein UND ein Mitspieler beantwortet seine Frage falsch, kann ich versuchen, die Frage richtig zu beantworten. Man muss also wetten, dass der andere die Frage nicht weiß, man selbst aber schon. Knifflige Sache! Außerdem ist in den Regeln nicht klar geregelt ob mehrere Bezzerwizzersteine gleichzeitig gespielt werden können und wer im Zweifelsfall den Vorschub erhält. Ein ärgerlicher Punkt, der sicherlich beim Kunden für unnötige Verwirrung sorgen wird! Überhaupt sind die Regeln nicht wirklich gut aufbereitet – für ein Spiel dieser Preisklasse, dass zudem als Quizspiel eine niedrige Einstiegshürde haben sollte eine ärgerliche Sache! Mangelnde Erfahrung der Redaktion mit Brettspielen?

Fazit: Ein sehr ordentliches reines Quizspiel mit ein paar unverbrauchten Ideen und schönem Material – leider nur bis maximal 4 Spieler (wobei Teams mehrerer Spieler in der Regel explizit empfohlen werden) und mit einem hohen Preis als Einstiegshürde.

Und unterm Strich?
Mein Lieblings-Quiz ist und bleibt Wer wird Millionär?, denn alle (bis auf den Vorleser) beantworten dieselbe Frage und es gibt keinen Glücksfaktor und das “Quizspielformat” ist gut umgesetzt. Wer wirklich einen reinen Wissenswettstreit durchführen möchte, ist hier immer noch am besten bedient.
Doch Bezzwizzer ist eine gelungene Alternative, die mit der Kategorienwahl und dem Zwap-Stein zudem eine gesunde Dosis Frische in den Quizspielbereich bringt. Der hohe Preis ist gerechtfertigt, denn der Fragenvorrat hält garantiert lange vor. Ich kann das Mattel-Spiel nur jedem Quizspielfreund empfehlen!

Personology ist eher leichtere Kost für etwas jüngere oder für Leute, die gerne in heiterer Runde raten. Ein durchaus brauchbares Geschenk, aber kein Überflieger. Für Freunde von Scene it und vergleichbaren Spielen durchaus empfehlenswert.

Schotts Sammelsurium kann ich nicht wirklich guten Gewissens empfehlen. Es ist nicht wirklich schlecht, aber es gibt einfach sehr viele deutlich bessere Ratespiele auf dem Markt.

Das Quiz was mit im Jahr 2007 aber am meisten Spaß gemacht hat ist “Buzz – Das Musikquiz” -ein Playstation 2 – Spiel mit vielen witzigen und originellen Ideen. Aber auch bei den Brettspielen kommt der Quizspielmarkt in Bewegung – eine gute Sache. Wer weiß, vielleicht sehen wir hier nächstes Jahr das nächste Quizspielspecial…

ciao
peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

Letzte Artikel von Peer Sylvester (Alle anzeigen)

4 Kommentare

  • Moin Peer,
    ich bin allgemein nicht so der Quizspieler. Spiel des Wissens habe ich früher öfters gespielt, aber irgendwie wiederholten sich die Fragen bald nud man kannte die Antworten schon. Das ist allgemein eine Schwäche bei Quizspielen, finde ich.

    Aber ein Spiel hatte mich vor etlichen Jahren dann doch nochmal überzeugt. Das PC-Spiel You don’t know Jack! Ein Knaller. Die Themenbereiche aberwitzig. Jede Frage ein Zwerchfellkitzler. Aber immer mit Hintergrund. Als kleine Gemeinheit kann man einmal pro Spielrunde einen seiner Mitspieler nageln, wenn man meint, dass der die Antwort nicht weiß. Der muss dann antworten und verliert bei falscher Antwort Punkte. Bei richtiger Antwort verliert aber der Spieler die Punkte, der genagelt hat. Insgesamt urkomisch, einfach genial. Davon sollte es mal eine Brettspielumsetzung geben. Die würde ich mir evtl. sogar kaufen :-)

  • Ich kenne YDKJ und habs früher auch gerne gespielt.. Aber das gleichzeitige Raten mag nicht jeder und den dritten Teil fand ich etwas zu übertrieben.
    Dennoch ein gutes Quizspiel,keine Frage!