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Rank my Denk

Autoren: Inka und Markus Brand, Verena Wiechens, Lukas Setzke

Verlag: Noctis

Für 2-8 Personen ab 10 Jahren (mehr in Teams)

Spieldauer: 20-30 Minuten

Der Titel ist maximal beknackt. Aber ist er absichtlich so dämlich oder versehentlich? Um diese Frage dreht sich Rank my Denk. Also nicht direkt um die Frage, ob der Titel dämlich ist (Schade eigentlich), sondern ob die anderen sich absichtlich so doof anstellen oder tatsächlich inkompetent sind. Also die Frage, die sich ambitionierte Spielende in jedem kooperativen Spiel stellen. Oder Chefs in ihrer Firma.

Was im ersteren Fall vermutlich generell mit „Nein“ und im zweiten Fall mit „Die Arbeiterklasse erhebt sich“ beantwortet wird, ist bei diesem Spiel von einem gezogenen Chip abhängig. Da kommen sofort Assoziationen mit Top Ten und Bühne Frei auf, bei denen ebenfalls ein Zahlenrang durch die Performance dargestellt werden soll. Der Unterschied: Während bei den eben genannten die Zahl selbst dargestellt werden soll, ist die Darstellung hier Mittel zum Zweck, um einen Begriff zu vermitteln. Und auch wenn es bei Bühne Frei ein paar Bonuspunkte gab, wenn das Publikum die dargestellte Szene erkennen konnte, ist hier diese Vermittlung essentiell, quasi die Einstiegshürde zur Wertung.

Um mal etwas konkreter zu werden: Alle Mitspielenenden sollen jeweils vier Begriffe vermitteln: Einen durch Pantomime, einer wird gezeichnet, einer erklärt und der letzte wird nur durch Geräusche vermittelt. Mit wie viel Verve, mit wie viel Zug zum Tor, mit wie viel Kraft und didaktischem Geschickt dies geschehen soll, gibt der erwähnte Chip an: Wer eine 5 zieht, gibt alles, bei einer 1 wird der längste mögliche Umweg gewählt oder das Talent vollständig ausgeschaltet. Doch auch mit ausgeschaltetem Talent muss man es noch hinbekommen, dass der Begriff geraten wird, sonst kommt es gar nicht erst zum Raten des Chips und damit in den Punktebereich. Das Dilemma liegt auf der Hand: „Ja, du hast die ganze Zeit nur gepiept, du hattest wohl die 1, aber das nützt nichts, weil wir nicht erkannt haben, dass du damit eine Banane darstellen wolltest!“

Immerhin ein bisschen Auswahl für die Pantomime, aber nicht unbedingt für die Geräuscherunde. Ich wüsste nicht, wie ich eine “Einser-Sirene” machen sollte? Und wenn ich bei der Hundeschule einen niedrigen Chip bei Pantomime hinlege, wird es schwer, dass die geraten wird. Oder?

Sich mit Absicht so zu verstellen, dass die anderen richtig raten, obwohl man große Umwege fährt, ist tatsächlich eine neue Herausforderung, die mir bislang in keinem anderen Spiel begegnet ist. Diese Verknüpfung des Ratens mit einem Handicap ist neu und sorgt für lustige Momente (nicht zuletzt wenn man das Talent der vortragenden Person bei der Diskussion überschätzt). Aber gerade Talent und Schwierigkeitsgrad sorgen für eine gewisse Unsicherheit: Das sieht nicht aus wie ein Pferd, aber wir haben es erkannt. Kann man da noch die Fünf tippen, weil alle wissen, dass Du keine Tiere zeichnen kannst? Oder sollte man bei allem was jenseits der eigenen Fähigkeiten liegt, maximal eine vier raten? Das ist eine philosophische Unschärfe, die das Spiel nicht ganz auflösen kann – zum Teil ist diese Unschärfe gewollt, zum Teil ist es aber auch einfach nur unscharf. Dadurch ergibt sich u.U. ein leichtes Unbehagen beim Spielen in der Magengrube, die nicht gewollt ist. Dabei könnte man das entspannter sehen, denn: Da gezogene Chips (und Begriffe) zwar beliebig verteilt werden können, aber eben zufällig gezogen werden, sind einige Partien schlicht dadurch schwieriger dass mehr Einsen gezogen werden (was das Raten erschwert), während in anderen Partien alle ihr Bestes geben dürfen – was sich beides auf die Quote der tatsächlich erkannten Begriffe und der erzielten Punkte auswirkt. Ergo ist die Punktwertung bei diesem Spiel wirklich noch egaler als bei vergleichbaren Spielen. Der Weg ist hier das Ziel, wie bei den meisten Kommunikationsspielen. So ganz ohne Wertung hätte das Grunddilemma aber auch nicht funktioniert, insofern muss man diesen Nebenaspekt des Spieles einfach aushalten können; Rank my Denk ist ein Partyspiel, bei dem man einfach Partyspielsachen macht und dabei zeigen darf, dass man was gut kann. Und sei es auch nur „Inkompetent sein“.

 

Peer Sylvester
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