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Preview: Campus Wahala aus Nigeria

Wer sich für internationale Spiele interessiert, der hat sicherlich schon von Nibcard gehört, dem Nigerianischen Verlag von Kenechukwu Ogbuagu, der ja auch schon auf der digitalen Spiel präsent war (Wenn nicht: Hilko verfolgt das Verlagstreiben bereits seit einigen Jahren). Wer schon immer einmal etwas von dem sympathischen Verlag ausprobieren wollte, aber nicht blind irgendetwas bestellen möchte hat jetzt die Gelegenheit: Es läuft gerade eine Kampagne für das Kartenspiel Campus Walhala auf Kickstarter.

„Aber Peer“, höre ich dich sagen, „Ich bestelle doch immer noch blind, nur woanders!“.

Ja, das ist nicht falsch, aber ich hatte das Glück ein Preview-Exemplar von Campus Wahala zu bekommen und kann meine ersten Eindrücke schildern:

Campus Wahala ist, ganz grob gesagt, ein sogenanntes „Funspiel“; wir spielen, wir lachen, wir beschweren uns, in einer Kneipe, wäre das Spiel nicht fehl am Platze, man kann sich auch Zuschauer vorstellen, die um einen herum stehen und Kommentare abgeben. Es ist eines jener Spiele, bei denen man versucht sich selbst gute Karten zuzuschanzen und den anderen genau diese zu verweigern. Nun gibt es in der hiesigen, Europäischen Spielekultur vor allem zwei Archetypen dieses Genres: Aktionskartenspiele („Take That“ auf englisch), die noch von Touring und 1000KM abgeleitet sind und die etwas moderneren, bei denen eine Kartenreihe manipuliert wird – Guillotine war vielleicht der erste Vertreter, der erfolgreichste womöglich Beasty Bar. Campus Wahala hat einen gänzlich anderen, sehr frischen Ansatz und ist so durchaus für Spielekenner interessant:

Alle haben einen eigenen Ablagesplatz, zu viert und fünft gibt es noch neutrale Plätze (die sogar ihre Position wechseln). Wer dran ist, zieht 5 Karten und platziert diese auf 5 aufeinanderfolgenden Ablageplätzen, beginnend bei sich selbst. Hat ein Ablageplatz 5 Karten, so werden die Punktekarten aus diesem Stapel gesichert, der Platz ist danach wieder leer. Der Witz ist natürlich nun, dass man sich selbst natürlich hohe Punktekarten gibt und den anderen möglichst die Grütze. Doch da man die Karten nun einmal zufälig zieht, kommt man zwangsläufig in die Situation, dass man anderen etwas schenken muss – und natürlich der Person, die den bedröppeltesten Eindruck macht. Doch auch mit der besten Laienschauspielerei wäre das etwas wenig: Das Salz in der Suppe sind die Sonderkarten, die ebenfalls enthalten sind und es erlauben, Plätze zu überspringen oder Karten zu stehlen oder erneut zu nutzen oder vollzumüllen.  Wirklich viele Sonderaktionen (zumindest im Vergleich zu anderen Spielen) sind hier nicht zu lernen und das ist gut so. Die Karten verbreiten tatsächlich Stimmung und sorgen für einige puzzlige Züge. Selbst die „bösen“ Karten sind dabei nicht zu destruktiv angelegt – keiner setzt aus, keiner wird frustriert, Die hohen Karten sind natürlich begehrt, aber jeder wird ein paar von denen sammeln können. Das erst am Ende feststeht, wer eigentlich die fette Beute gemacht, betont das lockere runterspielen.

Ich gebe zu: Wir waren in den ersten Zügen eher skeptisch, ob die Idee trägt. Man ist doch von den Karten abhängig, die man so zieht. Doch im Laufe des Spieles wurde uns das Spiel imemr sympathischer, man freut sich, wenn man Karten gut einsetzt, man hofft und bangt, eine wertvolle „20“ über die Runden zu bringen, während man gönnerhaft dem Nachbarn eine „2“ schenkt. Auf einer Meta-Ebene erfreut es mein Spielerherz, dass ein Afrikanischer Verlag hier seine Afrikanischen Wurzeln zeigt und Mankala als Grundmechanismus für ein solches Funspiel nutzt und somit dem etwas angestaubten Genre der Aktionskartenspiele eine neue Seite abgewinnt.

Produktionstechnisch merkt man zumindest meiner Version an, dass dies jetzt keine Massenproduktion ist: gerade die Regeln könnten klarer sein, für die Ablageplätze wären Karten o.,ä. sinnvoll, so dass diese nicht gänzlich virtuell (oder „unsichtbar“ wie es in der Anleitung heißt) sind und ein leichter Leimgeruch haftet den Karten auch an. Die Graphiken sind nicht üppig, aber umso authentischer. Nibcard produziert eben keine Hochglanzprodukte, sondern Liebhaberspiele, mit denen man nebenbei auch für die Verbreitung des Kulturguts Spielen sorgt. Campus Wahala wäre da in meinen Augen eine sehr gute Möglichkeit!

 

 

Peer Sylvester