Die fabelhafte Welt der Männer und warum es sich ändern muss

Letztes Jahr, wie eigentlich jedes Jahr, hatte die Jury nach der Bekanntgabe der Nominierten im November und der Gewinner im Juli einiges an Gegenwind erhalten. Die Wahl der Spiele ist unterirdisch. Wieso wird dieses Spiel beachtet und jenes nicht. Diese Diskussion ist so alt und langweilig, dass es gefühlt müßig ist aber gelichzeitig aufzeigt, wie die Außenwirkung der Arbeit immer noch nicht die ist, welche jeder für sich selber möchte. Da könnten wir Journalisten vielleicht auch etwas mehr Erklärung und Aufklärung durch die Nachrichten schieben. Wobei ich nicht mal wüsste, ob es die, die es erklärt bekommen müssten, überhaupt hören wollen. Unsere Zeit ist da sehr merkwürdig.

Sie ist auch sehr merkwürdig, wenn es um die Rechte einzelner oder ganzer Gruppen geht. So musste die Jury sich letztes Jahr auch vorwerfen lassen sie wäre zu männlich. Die aktuelle Jury setzt sich aus 9 Männern und 1 Frau zusammen. Dazu kommt die Kinderspieljury, welches nochmal 3 Frauen und 2 Männer sowie 2 Frauen und 1 Mann im Beirat sind. Aber die Kinderspieljury stimmt ja nicht über den großen roten Pöppel ab, der doch die größte Marktwirkung hat. Ein Blick auf die Entwicklung der Jury zeigt auch eher eine sehr geringe Menge an anderen Frauen die mal den Job hatten.

Warum ist das so? Wenn ich auf einem Spieletreff bin, dann sehe ich da locker 50% Frauen. Wenn ich in meine Spielerunden in Berlin schaue sehe ich locker 50% Frauen. Wenn ich mir aber ansehe wer alles über Spiele schreibt und podcastet und Videobeiträge macht, dann ist die Zahl der Frauen schon deutlich geringer. Und dennoch glaube ich, dass da noch mehr drin ist. Im Beeple-Netzwerk sind wir 4 Frauen und 15 Männer. Immer noch ein Ungleichgewicht.

Und dann war im März die Hippodice Endrunde. Ich war sehr froh wieder eingeladen worden zu sein. Als das Bild der Jury dann gepostet wurde, fragte mich eine aus meiner Spielerunde, warum da nur Männer drauf sind. Ich versuchte Erklärungen zu bringen, aber eigentlich wurmte mich das auch. Es saß. Und nur einen Tag später twittert mich ein Kollege an mit dem Wortlaut:

„Hippodice: Das Foto hat mich betroffen gemacht – alles Männer! Ganz ernsthaft, wenn es der Veranstalter 2019 nicht schafft, 3-4 Frauen in die Jury zu holen, werde ich passen. Es gibt in einigen Verlagen Frauen in Positionen, dazu muss man dann eventuell Bloggerinnen holen.“

Und dann wurde es mir nur noch bewusster. Es gibt tatsächlich einige Frauen aber diese sind oft in anderen Positionen. Bei den Bretterwissern hat es über 40 Folgen gebraucht, bis wir endlich eine Frau als Gast hatten, und die war dann aus dem Marketing. Viele Marketign Abteilungen haben viele Frauen. Und die Kinderspielredaktionen sind voll mit Frauen. Aber die Redaktionen für die Erwachsenenspiele sind doch wieder dann nur voll mit Männern. Interessiert es die Frauen nicht? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe so manche Partie schöner Kenner- und Expertenspiele mit Kolleginnen gespielt, welche sonst nur Kinderspiele betreuen. Sie haben auch ein Spielerleben neben ihrem Job.

Als kleiner 1-Mann Verlag kann ich da nur mich selber aufbieten, aber ich würde all die Verlage, die jedes Jahr eingeladen werden bei der Hippodice-Endrunde mitzumachen, einfach mal bitten eine Frau zu schicken. Der Hippodice könnte dies auch fordern. Ravensburger hatte das 2016 gemacht und das könnten noch mehr Verlage. Ein Kinderspiel ist auch jedes Jahr in der Endrunde dabei, so das da ein geschultes Auge auch nochmal einen anderen Blick drauf hat. Und schließlich eine Bloggerin noch dazuzuholen ist auch ein super Vorschlag. Der Guido war auch mal da, als er nur Blogger war. Und auch die Jury hatte viele Jahre einen hingeschickt. Alles was die Diskussion vor Ort ergänzen kann ist hilfreich.

Am 8. März war Weltfrauentag. Dieser Tag wird seit über 100 Jahren begangen um an die Rechte der Frauen zu appellieren. Man muss mal sehen was wir heutzutage alles als selbstverständlich hinnehmen, aber eigentlich von den Frauen sich erkämpft werden musste. Das Recht zu wählen etwa. Oder das Recht frei einen Beruf nach eigener Wahl auszuführen. Konkreter muss es wohl heißen, für die meisten ist es selbstverständlich. Für andere scheinbar nicht. Und es gibt immer noch Punkte, wo diese Benachteiligung gegenwärtig ist. Und der Kampf noch nicht vorbei. Sei es bei der Entlohnung ode einem Platz im neugegründeten Heimatministerium oder dem Platz in einer Jury wie der Spiel des Jahres oder dem Hippodice.

Autor: Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.

7 Gedanken zu „Die fabelhafte Welt der Männer und warum es sich ändern muss“

  1. Schickt mal ne Frau dahin … wegen Frauenquote … hmm.

    Also wenn jetzt in der Redaktion gefragt wird, wer Lust und Zeit hat, in der Nähe wohnt, sich berufen fühlt, wer freiwillig hinfährt, oder sogar gerne … kommt nicht drauf an. Hallo Frau XY, Sie müssen dahin wegen Frauenquote; also dass Sie es langweilig finden, interessiert nicht … Ischa sehr frauenfreundlich sowas …

    Welche Frau mag sich darum reißen, in dieses Heimatmannisterium zu gehen, wegen Quote oder um es weiblicher zu machen … ? Wäre es nicht eher eine Strafe für die Betroffene?

    Wenn eine Frau in die Endrunden-Jury soll, weil da sicherlich auch ein Kinderspiel ist … heißt das nicht, dass der Autor dieser Zeilen Frauen für besonders geeignet hält … ein geschultes Auge für Kinderspiele zu haben?

    Kann es nicht einfach sein, dass die meisten Brett- und Kartenspiele einfach mehr Männer als Frauen ansprechen (ohne dadurch zum reinen Männerhobby zu werden), wie Fußball beim Sport: Gewinnen wollen, Punkte machen, … dass es Hobbies gibt, die mehr Fähigkeiten und Neigungen des einen (sozialen) Geschlechts ansprechen als des anderen?

    Ist es rein sozial erlerntes Verhalten, wenn – biologisch gesehen – mehr Frauen als Männer Lippenstift benutzen? Ich gehe davon aus, dass geschlechts(a)typisches Verhalten eine mischung aus angeborenen und erlerntem Verhalten ist, ohne die größe der Anteile genau benennen zu können, sicherlich ist das auch nicht bei jedem Menschen gleich.

    Es ist ganz bestimmt falsch, jemanden wegen des Geschlechts aus einem Hobby oder Beruf fernzuhalten, aber die Forderung nach Frauenquote scheint mir im künstlerischen Bereich, bei Redaktionen oder gar in der Autorenschaft doch deplatziert. Es sind Neigungsberufe; ich behaupte mal, man wird nicht Spieleredakteur, um Macht auszuüben, sondern weil man gerne Spiele erschafft. Viele Redakteure haben ja auch Erfahrung als Autor.

    Ich denke, hier macht es der Markt, wobei die Angebotsseite Teil des Kunstsektors ist. Die meisten Autoren sind Männer, denken tendenziell eher “männlich” als “weiblich”, ziehen deshalb als Publikum auch mehr Männer an. Soll es jetzt mehr Spiele geben, die Frauen ansprechen oder interessieren mehr Frauen alks Männer sich einfach nicht für Spiele und tun das, was ihnen lieber liegt?

    Verlage bemühen sich, breite Zielgruppen anzusprechen, im Idealfall sprechen Spiele Männer und Frauen gleichermaßen an; es spricht aber auch nichts dagegen, eine Zielgruppe gezielt anzusprechen – nur setzt man sich dann womöglich dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit aus, weil pink stinkt. Sich auf Spiele zu beschränken, die weder besonders Männer noch besonders Frauen ansprechen, bedeutet aber auch Menschen auszuschließen, die sich von thematisch, spielmechanisch”männlichen” oder “weiblichen” Spielen besonders angesprochen fühlen (unabhängig davon, welches biologische Geschlecht sie haben).

    Schickt mal ne Frau dahin … wegen Frauenquote … halte ich für den Versuch der Lösung eines Problems, bei dem man noch gar nicht so weiß, worin es besteht. Eine Frauenquote ändert nur das Symptom.

    1. Quote? Hast du den Artikel gelesen? Habe ich irgendwo eine Quote gefordert? Ich kenne so manch sehr guten durchdachten Kommentar von dir, aber dir hier zeigt mal wieder das Problem deutlich auf. Nicht lesen zu wollen worum es geht, sonder es mit einem Schlagwort abtun zu wollen.

      Es geht nicht um Quote, sondern um Repräsentanz. Wollen wir dass dieser Beruf für jeden attraktiv ist? Ja. Tut es gut das dafür jeder repräsentiert wird? Absolut. Ist es sinnvoll immer nur Männer zu nehmen, weil es das schon tut, obwohl es auch Frauen gibt die das können? Sowas von Nein. Von meiner Seite muss auch nicht bei Frauen aufhören. Es gibt auch andere Randgruppen die gerne dabei sein dürfen.

      Das Problem ist, dass ganz oft Frauen nicht genommen werden, obwohl sie genauso gut oder öfters auch besser geeignet sind. Aber am Ende werden nur Männer genommen, weil es einfacher ist. Wie im Heimatministerium. Ein Positives Gegenbeispiel ist die aktuelle Regierungsriege in Kanada.

      Wenn du das nicht verstehst, gehörst du zum Problem.

  2. Die Forderung nach stärkerer physischer Präsenz von Frauen in Redaktionen und Gremien ist defacto eine Forderung nach einer Frauenquote, auch wenn du keine exakte Zahl nennst. 1 von 9 Frauen in der Jury ist dir zu wenig. Du möchtestals also eine Repräsentanz von mindestens 2 oder 3 Frauen, wobei letzteres dann schon eine 33%-Frauenquote wäre. Oder verstehe ich dich da falsch? Du unterstellst dabei “dass ganz oft Frauen nicht genommen werden, obwohl sie genauso gut oder öfters auch besser geeignet sind. ” Genau das halte ich in diesem Bereich für nicht belegt.

    Du forderst Verlage auf, mal ne Frau zu Hippodice zu schicken, um Frauen zu repräsentieren? Gibt es denn zu wenig Spiele auf dem Markt, die Frauen ansprechen? Würden Frauen andere Spiele in der Endrunde präferieren? Kommen “Frauenspiele” dort schlechter weg als “Männerspiele”? Wenn dem so ist, ließe sich der Beweis am konkreten Beispiel führen. Welche Endrundenspiele würden im Falle einer weiblichen Jury besser platziert werden und welche schlechter?

    Aber nein, so argumentierst du nicht, sondern damit, dass die Frau ein geschultes Auge auf das Kinderspiel werfen könnte (autsch)!:

    “… ich würde all die Verlage, die jedes Jahr eingeladen werden bei der Hippodice-Endrunde mitzumachen, einfach mal bitten eine Frau zu schicken. Der Hippodice könnte dies auch fordern. Ravensburger hatte das 2016 gemacht und das könnten noch mehr Verlage. Ein Kinderspiel ist auch jedes Jahr in der Endrunde dabei, so das da ein geschultes Auge auch nochmal einen anderen Blick drauf hat. Und schließlich eine Bloggerin noch dazuzuholen ist auch ein super Vorschlag. ”

    Mit deinem Brass über den Begriff “Quote” hast du es vermieden, hier inhaltlich Stellung zu nehmen.

    Es ist durchaus möglich, dass ich mit meiner (überwiegend männlichen) Sichtweise auch Teil eines Problems bin. Aber wenn, dann macht sich das sicherlich nicht daran fest, dass ich in deinen Ausführung eine Forderung nach Frauenquote sehe, sondern wohl eher, dass ich der Meinung bin, dass der Kampf um Siegpunkte doch eher “Männer” (unabhängig von ihrem biologisachen Geschlecht) anspricht. Ich bin mir da nicht wirklich sicher, habe das deshalb als Frage formuliert, um solche Fragen vor dem Stellen von Forderungen überhaupt erstmal zu diskutieren. Aber immerhin sind – wenn wir uns schon an einzelnen Begriffen hochziehen wollen, die jemanden als Teil des Problems identifizieren könnten – FRAUEN für mich keinesfalls eine RANDGRUPPE. :P

    Ich halte Vielfalt auch in Redaktionen und in solchen Gremien für begrüßenswert. Aber wenn jemand schwul, lesbisch, Migrant, Stotterer, Analphabet, Schwabe, Holzfäller, Manager, Leuchturmwärter, obdachlos … ist, ist er oder sie dennoch in erster Linie als IndividualistIn dort, als SpielerIn und nicht als RepräsentIn der “Randgruppe”. Eine solche Sichtweise mag angebracht sein, wenn es um politische Teilhabe geht, aber in einer Redaktion oder der Hippodice-Endrunde fände ich es diskriminierend, MitspielerInnen als RepräsentantInnen ihrer “Randgruppe” zu betrachten.

  3. Also ganz allgemein gesprochen finde ich ja, dass man in einer repräsentativen Demokratie durchaus erwarten kann in wichtigen Ministerien den Versuch der angemessen Repräsentation der Bevölkerung anzustreben. (Dass die Wichtigkeit dieses Ministeriums künstlich aufgeblasen ist und aus blankem Zynismus angestrebt wird, ist ein Streitthema für einen anderen Abend.) Wenn Frauen also in Deutschland keine Minderheit sind (und das kann ich zumindest aus meiner kleinen Erfahrungswelt bestätigen), dann sollten sie auch in Ministerien keine Minderheit darstellen.

    Ich finde es aber sehr heikel, von Neigungen und Veranlagungen zu sprechen, um Unverhältnismäßigkeiten in unserem Hobby zu erklären. Neigungen und Talente spielen beim Einzelnen, nicht jedoch bei einer großen, heterogenen Gruppe eine Rolle. Die Hürde bei Brettspielen ist zumal auch nicht der Wettbewerb, nicht das mathematische Fundament der Spiele oder die Komplexität der Regeln. Die größte Hürde ist und bleibt das soziale Umfeld, in dem diese Spiele gespielt werden. Wenn es nicht gelingt ein Umfeld zu schaffen, in dem auch Menschen mit anderen Identitätsmerkmalen Spaß am Spiel haben, dann sollte man den Grund vielleicht nicht bei den Genen vermuten.

    Repräsentation beim Spielmaterial sollte man in diesem Fall auch besonders hervorheben. Spiele bei denen mit unkommentierter Selbstverständlichkeit Männer wie Frauen, eine breite Auswahl an Ethnotypen usw. gezeigt werden, sagen nämlich deutlich: “Das ist auch was für DICH!”. Mehr noch als “Guckt mal Frauen, bei diesem Spiel könnt ihr waschen, kochen, bügeln und Kinder groß ziehen!” Egal wie viel oder wenig Pink benutzt wird.

    Hier schließt sich dann auch wieder der Bogen. Der Grund weshalb man auch mal proaktiv weibliche Spieler in eine Jury schicken sollte (oder in alle anderen Bereiche der Spielbranche einladen), hat vor allem damit zu tun zu zeigen: hier könntest auch DU stehen! Denn die Leute die das hier machen, sind nicht anders als du. Das ist der wichtige und essentielle Punkt in solchen Fragen.

    Sich hier wegen einer vermeintlichen Quote zu grämen, weil dies z.B. Frauen zu Minderheiten abstempelt, scheint mir verfehlt. Denn augenscheinlich sind ja Frauen in bestimmten Bereichen eine Minderheit. Warum mal nicht was dran ändern? Im schlimmsten Fall haben wir dann eine buntere und vielfältigere Jury mit unterschiedlichen Sichtweisen als vorher. Das ist eine Gefahr, die mir nur sehr wenig Angst macht.

  4. Niemand sagt, dass die Quote Frauen zu Minderheiten abstempelt, ich kritisere lediglich, dass Matthias mich als “Teil des Problems” bezeichnetund gleichzeitig Frauen als Randgruppe.

    Es ist immer heikel, von Neigungen und Veranlagungen zu sprechen, da es sie als Begründung für Rollenzuschreibungen herhalten müssen. Ebenso heikel ist es aber, ihre Existenz völlig zu verleugnen: “Neigungen und Talente spielen beim Einzelnen, nicht jedoch bei einer großen, heterogenen Gruppe eine Rolle. Die Hürde bei Brettspielen ist zumal auch nicht der Wettbewerb, nicht das mathematische Fundament der Spiele oder die Komplexität der Regeln. Die größte Hürde ist und bleibt das soziale Umfeld, in dem diese Spiele gespielt werden. Wenn es nicht gelingt ein Umfeld zu schaffen, in dem auch Menschen mit anderen Identitätsmerkmalen Spaß am Spiel haben, dann sollte man den Grund vielleicht nicht bei den Genen vermuten.”
    Denn das bekommt jetzt etwas Missionarisches: Wenn Frauen etwas nicht tun, was Männer tun, dann nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil sie durch die Umwelt ferngehalten werden. Und jetzt muss die Gesellschaft etwas dafür tun, dass in diesem Hobby, ob Brettspiele oder Fußball, mehr Frauen vertreten sind, damit Frauen auch so glücklich werden wie Männer. Wie willst du solche Thesen belegen?

    1. Re: Minderheiten – Dann verstehe ich nicht warum du es für nötig empfunden hast zu betonen, dass Frauen keine Minderheiten sind. Entweder das wurde durch irgendein Argument in Frage gestellt, oder es fehlte für den Kommentar der logische Zusammenhang.

      Re: Neigungen und Veranlagungen – Einfache Stochastik besagt, dass je größer deine Ausgangsmenge ist, umso geringer fallen einzelne Unterschiede (bzw. Neigungen und Veranlagungen) ins Gewicht. Wenn ich 4 Leute habe, dann macht es einen gewaltigen Unterschied, ob sie eher Brettspiele, Sport oder Autos mögen. Wenn ich 40 Millionen habe, dann ist das irgendwie egal. Es sei denn du willst für eine Art biologische Vorbestimmung argumentieren, die es Frauen stark erschwert Spiele zu genießen. Das kannst du gerne machen. Deine Argumentation fügt sich dann aber in die historische Gruppe an Leuten ein, die zuvor Frauen die Freude an Sexualität, Rationalität und Führungsqualitäten abgestritten haben. Das kann man mit Sicherheit alles sagen. Nur ernst genommen wird man danach nicht mehr.

      Re: Missionarisches – Ich werde mich nicht dazu hinreißen lassen in diesem Kontext meine Aussage über Brettspiele auf alles Mögliche zu erweitern. Ich habe mit Brettspielen, Spielgruppen und Spielern unterschiedlicher Couleur (bzw. “Neigung und Veranlagung”) zu tun gehabt. Wenn es darum geht wie zugänglich das Hobby ist, dann schlägt die Sozialkompetenz der Spieler mit Abstand alles was von Spielseite an den Tisch gebracht werden kann. Das fängt im Kindesalter schon an, wenn man an Hand der Mitspieler entscheidet, welcher Beschäftigung man nachgehen will. Es ist lediglich ein Gebot der Höflichkeit das im Erwachsenenalter nicht mehr so auszudrücken, sondern andere Erklärungen zu nennen. Wir spielen wegen der Menschen mit denen wir spielen, nicht wegen der bedruckten Pappe und Holzfiguren. Wenn jemand behaupten will, dass ihm die Menschen egal sind, dann ist er in der Tat Teil des Problems und das werde ich auch gerne, laut und offen sagen.

      Auch möchte ich mich gegen die Unterstellung verwehren hier würden Männer Frauen bevormunden wollen. Ich argumentiere nicht “für Frauen” oder “im Namen von Frauen”, sondern für Vielfalt und Offenheit. Diese Dinge kommen nicht von alleine zustande. Dafür muss man arbeiten, kämpfen und sich einsetzen. Nur weil man die Arbeit nicht wahrnimmt, heißt das nicht, dass sie nicht passiert. Es ist nämlich nicht der Osterhase, der die Schokolade versteckt. Es sind nicht die Heinzelmännchen, die nachts die Wohnung aufräumen. Es sind auch nicht die Gene, die aus jungen Menschen verantwortungsbewusste, vernünftige und umsichtige Erwachsene machen.

      Vielfalt und Offenheit ist alles Arbeit. Es sollten sich auch mal Brettspieler darum kümmern, dass diese Arbeit getan wird.

  5. “Re: Minderheiten – Dann verstehe ich nicht warum du es für nötig empfunden hast zu betonen, dass Frauen keine Minderheiten sind. Entweder das wurde durch irgendein Argument in Frage gestellt, oder es fehlte für den Kommentar der logische Zusammenhang.”

    Den Begriff Minderheit bringst du hier in die Diskussion. Du bist es doch, der betont, dass Frauen keine Minderheit seien und ich antworte dir lediglich darauf:
    “Niemand sagt, dass die Quote Frauen zu Minderheiten abstempelt, ich kritisere lediglich, dass Matthias mich als “Teil des Problems” bezeichnet und gleichzeitig Frauen als Randgruppe.”
    Der Begriff Randgruppe dagegen wurde von Matthias in die Diskussion gebracht (“… nicht bei Frauen aufhören. Es gibt auch andere Randgruppen …”). Dem entgegne ich, dass Frauen eben keine Randgruppe seien.

    Der logische Zusammenhang sollte dir zumindest beim Nachlesen der Kommentare klar sein.

    “Re: Neigungen und Veranlagungen – Einfache Stochastik besagt, dass je größer deine Ausgangsmenge ist, umso geringer fallen einzelne Unterschiede (bzw. Neigungen und Veranlagungen) ins Gewicht. Wenn ich 4 Leute habe, dann macht es einen gewaltigen Unterschied, ob sie eher Brettspiele, Sport oder Autos mögen. Wenn ich 40 Millionen habe, dann ist das irgendwie egal. Es sei denn du willst für eine Art biologische Vorbestimmung argumentieren, die es Frauen stark erschwert Spiele zu genießen.”

    Nimm als Beispiel die Körpergröße: Männer sind im Schnitt 12cm größer als Frauen. Man kann deswegen nicht zwingend von einer bestimmten Körpergröße auf das Geschlecht schließen oder umgekehrt. Aber in Deutschland ist ein 190cm großer erwachsener Mensch mit großer Wahrscheinlichkeit ein Mann, während ein 150cm großer erwachsener Mensch mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Frau ist. Die Körpergröße ist sowohl erblich als auch umweltbedingt. Der genaue Anteil dürfte schwer feststellbar sein, aber bei objektiv messbaren Kriterien deutlich einfacher als bei möglichen(!) Unterschieden von Neigung oder Talent. Hier einfach zu behaupten ” Einfache Stochastik besagt, dass je größer deine Ausgangsmenge ist, umso geringer fallen einzelne Unterschiede (bzw. Neigungen und Veranlagungen) ins Gewicht.” ist zumindest hinsichtlich der Körpergröße defintiv falsch. Anders als du behauptest, lassen sich keine Schlüsse für kleine Gruppen ziehen, wohl aber Durchschnittswerte für große Gruppen: Nicht Frauen sind kleiner als Männer, sondern Frauen sind tendenziell kleiner als Männer. Soviel generell zur Stochastik.

    Ich glaube auch nicht an “biologische Vorbestimmung”, bin nicht religiös, (vielleicht drückst du dich da nur etwas falsch aus), wohl aber halte ich eine Ungleichverteilung von weniger offensichtlichen Eigenschaften analog zur Körpergröße für möglich.

    Aussagen bezüglich Neigung, Talent, Persönlichkeit, Identität als Mann oder Frau lassen sich viel schwerer belegen als zu körperlichen Merkmalen – völlig unabhängig davon, ob man signifikante Unterschiede bejaht oder verneint. Man kann eben nicht einfach ein Messband anlegen, um eine Zahl herauszubekommen.

    Man sollte aber seine Meinung belegen können. Du begründest deine Meinung mit der Konsequenz, dass Frauen bestimmte Rechte abgesprochen werden, wenn man Unterschiede postuliert. Ich halte es für falsch, einer 190cm großen Frau das Tragen einer entsprechend großen Kleidung zu verwehren, weil die Körpergröße unweiblich sei. Deswegen argumentiere ich aber nicht, dass es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen hinsichtlich Körpergröße gebe, weil man erst durch eine solche Feststellung Frauen klein mache.

    Ich nenne dir jetzt zwei Gründe, warum ich es für möglich halte, dass bestimmte Brettspiele (ganz klar Cosims, in schwächerem Umfang Spiele, die ich mal vereinfachend als “Kampf um Siegpunkte” bezeichne) mehr Männer als Frauen ansprechen.

    1. Stoffe wie Testosteron (in Wechselwirkung mit anderen) beeinflussen nicht nur Aussehen sondern auch (anti-/soziales) Verhalten. Sie wirken bei Männern und Frauen unterschiedlich. Man kann solche Studien in Frage stellen, aber es gibt sie. Wie stark ihre Beweiskraft ist, muss ich offen lassen. Die Tatsache, dass Männer tendenziell aggressiver sind als Frauen, lässt den Schluss zu, dass Männer auch aggressivere Spiele bevorzugen. Dass insbesondere schwere Gewaltkriminalität zu 90% ein männliches Problem ist, kann man natürlich auch ausschließlich auf Umwelteinflüsse zurückführen, wenn man dieser Meinung sein will. Aber es bleibt nur eine Meinung bzw. ein Wunsch. Man sollte dann Belege dafür anführen können, anstatt denunziatorisch zu behaupten “Deine Argumentation fügt sich dann aber in die historische Gruppe an Leuten ein, …” Damit vermeidest du die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem was ich hier konkret schreibe.

    2. Wenn alle Unterschied zwischen Männern und Frauen hinsichtlich Talent und Neigung umweltbedingt sind, wie erklärst du dir dann Transsexualität? Dieses sehr starke Gefühl als Frau mit männlichen Körpermerkmalen ausgestattet zu sein bzw. umgekehrt, ist das auch nur umweltbedingt? Einbildung? Folge von Erziehung und Rollenvorbildern? …?
    Für mich ist Transsexualität ein starker Hinweis darauf, dass geschlechtliche Identität mehr ist als nur anerzogenes Rollenverhalten, sondern ein starkes inneres Gefühl sein kann, das ein Mensch schon bei der Geburt hat. Es ist keinesfalls ein Beleg dafür, dass alle oder fast alle Menschen eines biologischen Geschlechts auch “weiblich” bzw. “männlich” dächten, fühlten, handelten. Aber ich halte es für wahrscheinlich, dass die Ursachen dafür nicht ausschließlich umweltbedingt sind. In welchem Maß hier genetische Faktoren im Zusammenwirken mit Umwelteinflüssen eine Rolle spielen, halte ich für sehr schwer feststellbar. Sie muss nicht bei jedem Menschen gleich sein. Und wie bei der Körpergröße lassen sich auch keine zwingenden Schlüsse bezüglich einzelner Menschen oder kleiner Gruppen ziehen. Es mag aber sehr wohl statistisch feststellbare Tendenzen hinsichtlich der Gesamtbevölkerung geben, dass bei Frauen tendenziell andere Neigungen, Talente etwas stärker vorkommen als bei Männern und es ist eben durchaus möglich, dass dies nicht ausschließlich eine Folge von Umwelteinflüssen ist. Die Existenz von Transsexualität ist auch kein absoluter Beweis, aber doch ein Argument, auf das man eingehen können sollte.

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