Von Krieg, Computern und Brettspielen

This war of mine is gerade bei vielen Backern gelandet. Leider nicht bei mir – zum einen fiel die Kickstarterkampagne gerade in die Hauskaufphase und damit in eine Zeit, wo ich sparen musste (nicht dass diese Zeit bereits um wäre – aber ich kann zumindest wieder besser abschätzen, wieviel Geld ich nicht habe). Zum anderen funktionieren solche Storybasierten Spiele in meinen Gruppen besser, wenn sie auf deutsch sind. Zum Glück wird Asmodee wohl eine Deutsche Version herausbringen – Win-Win! Das bedeutet aber natürlich, dass ich This war of mine noch nicht aus eigener Anschauung kenne. Was schade ist, denn es ist ein besonderes Spiel: Es ist eine Umsetzung eines Computerspieles und es ist ein Antikriegsspiel.

Wer hier auch nur sporadisch mitliest, weiß dass mich letztere prinzipiell immer interessieren. Ich finde es gut und wichtig, wenn Spiele auch ernste Themen anpacken. Natürlich dürfen Spiele Spaß machen, natürlich dürfen Spiele unterhalten und müssen nicht tiefgreifend sein. Sie können es aber. Auch die Beschäftigung mit einem (ernsten) Thema kann Spaß machen. Doch das ist gar nicht der Punkt: “Spaß” muss nicht die einzige Emotion sein, die in einem Spiel erlaubt ist. Nicht jeder Film ist Spaß, nicht jedes Buch. Spiele sollen Erfahrungen bieten, die man sonst nicht macht. Und das Hineinschlüpfen in eine bestimmte -auch unbequeme- Rolle ist eine Erfahrung, die es wert ist gemacht zu werden. Jochen Schweizer ist Millionär geworden mit Erfahrungen, die nicht alle “Spaß” machen, in dem Sinne, sondern den Horizont erweitern sollen. Diesen Ansatz vermisse ich in der Spieleszene ein wenig und es ist erfrischend, wenn ein Spiel mal etwas anderes versucht, als nur Spaß zu machen.

Und This war of mine kann sich das erlauben, weil es bereits eine Zielgruppe hat, auf die es zurückgreifen kann: Computerspieler.

Computerspiele haben sich schnell von Brettspielen abgespalten und sind wirtschaftlich eine ganz andere Liga. Aber auch der Independent-Markt boomt mittlerweile (dank einfacher Vertriebsmethoden wie Steam). Während Filmumsetzungen von Computerspielen bislang eher nicht so funktioniert haben, ist der Übergang Computerspiel –> Brettspiel logischer. Und tatsächlich kommen immer wieder zahlreiche Brettspielumsetzungen von bekannten Computerspielen heraus: So z.B. relativ neu MULE oder Masters of Orion und relativ erfolgreich Railroad Tycoon (wobei das in erster Linie eine Steam-Variante war, auf der das Railroadtyoon Labe-aufgedrückt wurde), Doom oder Sid Meyers Civilization (von FantasyFlight). Dabei ist klar, dass vor allem strategische/puzzlige Spiele vernünftig umsetzbar sind. Spiele wie Battle at Kemble´s Cascade zeigen unfreiwillig eindeutig, dass man “Geschicklichkeit” nicht so weiteres mit “Taktik” austauschen kann, ohne dass die Dynamik verloren geht.

Zwei Probleme gilt es bei einer Computerumsetzung zu beachten: 1) Muss sich das Spiel immer fragen lassen, warum man es als Brettspiel spielen sollte. Hauptargument ist normalerweise dass mehrere Spieler gemeinsam direkt interagieren können (was bei Computerspielen niemals ganz gelingt – und ich habe eine Zeitlang viel Counterstrike (auch im Clan) gespielt, weiß also um Möglichkeiten á la Teamspeak) und dass das Spielmaterial eine gewisse Haptik erlaubt. Zumindest eines der beiden muss eine Umsetzung dann aber auch überzeugend bieten – oder einen anderen Grund liefern, warum ich nicht einfach online spiele.
2) Computerspiele leben meistens von Überraschungen und/oder Computergegnern und/oder Verwaltung und all das ist schwer umzusetzen. Eine direkte Umsetzung ist daher meist nicht möglich – Was gut ist! Siehe Punkt 1 – allerdings sollte die Umsetzung nicht gerade den Punkt verlieren, der das Original beliebt machte. Das ist m.E. bei MULE geschehen, wo gerade die Versteigerung, die für mich den Kern des Originals ausmachte, bei der Umsetzung wegfiel. Was blieb war ein Name eines Euros.

This war of mine bietet sehr viel Story und ist -was ich so gehört habe – ein bisschen an Pandemic Legacy orientiert (wenn auch mit Missionen?). Das wäre nicht das schlechteste, zumal das Original durch Story und Athmosphäre bekannt wurde. Und das lässt sich gut auf ein Brettspiel übertragen. Obs gelungen ist, kann ich dann erst Ende des Jahres in Erfahrung bringen…

ciao

peer

Peer Sylvester

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.