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Alte Spiele rosten

Letzte Woche habe ich zwei alte Spiele gespielt: Höllenhaus (hat gerade eine Neuauflage beschert bekommen, die jetzt aber bereits wieder verramscht wird) und Robin Hood (Laurin).

Höllenhaus hat eine unglaublich schlechte Graphik und auch ein paar kleinere Regelunklarheiten, ist aber ein sehr nettes Spiel. Wir fühlten uns gut unterhalten und das Bestimmen des Kartensatzes ist eine gute Möglichkeit ein thematisch dichtes Szenario auf Zufallskarten aufzubauen. Allerdings hat das Spiel einen kleinen Haken: Es könnte als Jäger eine einträgliche Gewinnstrategie sein, einfach beim Start herumzutänzeln, in der Hoffnung das Objekt zu finden, die Seite zu wechseln und alleine zu gewinnen. Nicht im Sinne des Erfinders, aber sicherlich möglich.

Robin Hood dagegen… Wir spielten ein Szenario und das hat Hinten und Vorne nicht funktioniert. Teilweise lag es sicherlich an einigen Regelunklarheiten, aber so wie das alles in den Regeln steht ist Robin Hood ziemlich unschlagbar. Die beiden Gegner des Mannes in Grün können eigentlich nicht viel mehr machen als in der Gegend herumstehen und hoffen, dass Robin Hood nicht merkt, dass er gar keinen Grund hat was anderes zu tun, als sich verdeckt zu bewegen. Entweder sind die Regeln echt falsch beschrieben oder das Szenario wurde nie getestet.

Warum ich das so ausführlich darlege? Heutzutage findet man solche Spiele eigentlich nur noch bei Kleinverlagen aus In- und Ausland. Die großen Verlage produizieren natrlich auch Graupen, aber die funktionieren wenigstens. Und auch bei Kleinverlagen muss man schon lange Suchen um ein nicht funktionierendes Spiel zu finden. Besonders groß ist der Quantensprung bei Spielregeln. Beide Spiele (Höllenhaus und Robin Hood) haben schlecht aufgebaute Regeln. Robin Hood hat echte Regellücken. Da hat sich wirklich viel getan – Ich denke mit Grauen an die Regel von Britannia (Welt der Spiele) zurück, bei der wichtige Regeln in historischen Anmerkungen versteckt waren. Oder Tricolore, dessen Regeln so vage waren, dass wir uns vorher auf eine ganze Reihe von Interpretationen einigen mussten, bevor wir anfangen konnten, was Doppelkopfartige Züge annahm. Viaduct und Spiel der Nationen haben wir sogar erst nach Artikeln in der Spielbox spielen können (das erste funktioniert schlicht nicht nach den normalen Regeln, das zweite macht auf dem Papier erst mal überhaupt keinen Sinn).

Ich finde es interessant, wenn ich mal wieder irgendwo lese, dass früher die Spiele besser waren. Das früher mehr gewagt wurde. Denn das Gegenteil ist der Fall. Natürlich erinnert man sich – denkt man an die 70er und 80er Jahre – an die zeitlosen Klassiker wie 1830, Dune oder Civilization. An Scotland Yard, Hase & Igel und vielleicht sogar Höllenhaus. Man denkt aber nicht daran, dass auf jedes Rummikubb 10 Spiele vom Schlag eines „Wackelturm“, „Angriff auf den Todesstern“ oder „Digit“ produziert wurden…

Sicher das ist nichts neues, aber so krass vor Augen geführt wie mit Robin Hood wurde es mir nicht.

ciao

peer

P.S. Ich will noch über den Martin Wallace – Fred- Streit schreiben. Aber nicht heute.

Peer Sylvester

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