Verlagsvorstellung: GiftTRAP

Nicht wenige Verlage wurden nur gegründet, um ein bestimmtes Spiel zu vermarkten . Einen dieser Verlage stelle ich heute vor: GiftTRAP. Das gleichnamige Spiel bespreche ich weiter unten!

F: Bitte stelle Dich doch unseren Lesern vor!
A: Ich heiße Nick Kellet und bin der Autor von GiftTRAP unserem ersten veröffentlichten Spiel. Ich mache eigentlich Software, hatte aber schon immer einen Hang zu Brettspielen. AlsTeenager traf ich mich sogar einmal mit Mitarbeitern von MB, um denen meine Prototypen vorzustellen. Wer´s nicht glaubt: Ich habe immer noch die Ablehnungsschreiben (datiert auf das Jahr, in dem Trivial Pursuit erschien).
Ich kam auf das Erfinden von Brettspielen zurück als meine Tochter mich fragte: “Wie erntscheidet der Weihnachtsmann, welche Geschenke er wem schenkt?” Ich forschte ein wenig nach und es gab tatsächlich kein Spiel, bei dem es um das Austauschen von Geschenken geht. Das “Wichteln”, also dass geheime beschenken von Arbeitskollegen kommt dem am nächsten, aber das ist ja kein echtes Spiel. Mittlerweile gibt es so ein Internet-Ding bei dem virtuelle Geschenke vergeben werden. Das hilft uns unser Spielkonzept zu erklären.
Insgesamt dauerte es zwei Jahre von der Idee bis zum fertigen Spiel. Aber es hat sich gelohnt: Gifttrap hat mehr als 10 internationale Preise abgeräumt und ist mittlerweile in 8 Sprachen erhältlich – neuerdings auch auf deutsch.
F Na dann erzähle uns doch ein bisschen was über das Spiel!

Gifttrap ist das erste Spiel rund ums Geschenke verschenken. Wir haben die Idee des gegenseitigen Schenkens genommen und daraus ein Spiel gemacht. Zwar sind die Geschenke nur “virtuell” vorhanden, aber die Kommentare und Emotionen sind sehr real.
Als wir das Spiel veröffentlichten hielten wir es eher für ein Spiel für Erwachsene, haben aber bald gemerkt, dass es alle Altersgruppen anspricht. Man kann es sogar mit Kindern spielen und dabei jede Menge Spaß haben.
Unter Erwachsenen ist das schenken eine Art Mysterium – soziale Etikette verbietet es in der Regel ehrliches Feedback zu geben. So ein Spiel kann helfen da ein bisschen Dampf abzulassen – wer hat denn bitte noch keine schlechten Geschenke bekommen? Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass Eines von drei Geschenken unerwünscht waren, also müsste eigentlich jeder jemanden kennen, der einfach nicht gut schenken kann.

Für Kinder ist das eine gänzlich andere Erfahrung, denn die haben meistens noch keine Erfahrung mit dem Schenken. Außerdem können sie ihre Eltern ärgern, z.B. in dem sie Papa eine “Resthaartransplantation” oder “Kurs zur Wutkontrolle” schenken.

Für mich ist das schöne an dem Spiel die Wertung und wie schnell man sich dadurch selbst kennen lernt. Einige Leute sind gute Schenker, weil sie zuhören und andere sind gute Beschenkte, weil sie über sich reden.

Die Moral des Spieles ist: Sei eine gute Person, höre auf deine Freunde und teile deine Passionen. Es ist schon lustig zu sehen, dass einige Freunde keine Punkte fürs schenken bekommen, weil sie ihre Freunde nicht richtig kennen oder dass sie keine Punkte für das beschenkt werden bekommen, weil ihre Freunde sie nicht kennen. Manchmal bekommt man mit Absicht Geschenke, die man nicht mag, zugeschoben, sei es aus Versehen, aus Spaß oder mit Absicht. Wie auch immer, es bringt die Leute zum reden.

F: :Ist das Spiel in Deutschland erhältlich?

A: In Deutschland wird das Spiel durch Heidelberger vertrieben. Es ist bilingual, so dass man kein englisch braucht, um es zu spielen – im Gegenteil man lernt sogar etwas englisch beim spielen (wenn man möchte) :-)

Online kann man das Spiel hier in einer multilingualen Versionen spielen. Wer bei Facebook ist, findet auch dort eine spielbare Applikation.

F: Was habt ihr für die Zukunft geplant?

A: In erster Linie werden Gifttrap in weiteren Sprachen herausbringen. Wir haben auch ein paar Ideen für weitere Spiele und für Erweiterungen für GiftTrap, aber erstmal konzentrieren wir uns auf die aktuelle Version.

F: “Gift” hat ja nun eine etwas andere Bedeutung im deutschen – Wusstet ihr das? Wäre ein anderer Name nicht vielleicht besser gewesen?

A:  Ja, wir wusste, dass “Gift” “Gift” heisst. Wir haben sogar Witze darüber gemacht: Ist das nicht ein Zeichen, dass nicht alle Geschenke gut sind?

Aber unsere Schachtel ist hell und sieht lustig aus, jedenfalls nicht wie ein Giftfläschchen. Letztlich haben wir viel diskutiert, aber der internationale Erfolg von GiftTRAP hat doch eine gewisse Markenwirkung erzeugt, die wir nutzen wollen. Viele internationale Webseiten und Spielepreise nennen GiftTTAP beim Namen und unsere Facebookapplikation heißt ja auch so. Und 2006 kamn wir mit einer Kleinauflage nach Essen, die schnell ausverkauft war, auch darauf lässt sich aufbauen.

Letztlich denken wir dass der Name gerade auch wegen der Doppelbedeutung in Deutschland für Gesprächsstoff sorgt und das ist ja was gute.

Jedenfalls drücken wir die Daumen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

F: Wenn jemand es euch nachtun möchte und sein eigenes Spiel produzieren will, was für Tipps würdest du ihm geben?

A: Wow! Ich glaube ich würde sagen: “Tus nicht!”

Die Veröffentlichung war eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich fühle mich ein bisschen, als würde ich selbst in einem Brettspiel leben; es gab ein paar große Erfolge und eine paar böse Rückschläge.

Frage Dich genau, warum du das Spiel selbst veröffentlichen willst! Teste das Spiel ausführlich und jenseits deiner Bekannten! Frage Rezensenten nach deren Meinung! Denke daran, dass du viel Geld für Produktionskosten, Marketing, Vertrieb etc. benötigst. Du brauchst eine sehr coole Marketingstrategie um überhaupt voranzukommen, sogar wenn du ein sehr cooles, einzigartiges Spiel gemacht hast. Mit 1000 Spielen, die jedes Jahr erscheinen hat es jedes neue Spiel schwer. Und Händler wollen eigentlich nur Marken verkaufen, also musst du versuchen eine Marke zu erzeugen.

Ich persönlich fand es besonders schwierig, weil ich niemanden in der Brettspielindustrie kannte, also lautet mein Rat: Schließe bereits vorab Bekanntschaften und vernetze nicht mit Hilfe des Internets, der Spielemessen und mit örtlichen Spielegruppen.

“Try living the life before you jump in for real.”

F: Danke für das Gespräch!

GiftTRAP liegt mir vor und ich muss sagen: Ein wirklich schönes Party/Einschätzspiel! Die Schachtel sieht von außen graphisch etwas überladen aus, aber ansonsten ist das Material wirklich gelungen: Die Spieler erhalten ihr Spielmaterial in kleinen “Geschenkbeuteln”, die für großen Hallo sorgen, die Spielsteine sind kleine Geschenke und die Geschenkkarten selbst bieten eine wirklich witzige Auswahl (Mein Liebling sind die “Schokoladenbrüste”).

Worum gehts? Es liegen Geschenke aus (immer eines mehr als Spieler teilnehmen) und jeder entscheidet welcher Mitspieler welches Geschenk davon bekommt. Dabei darf allerdings kedes Geschenk nur einmal verschenkt werden – und das macht die Sache knifflig! Liegen nur 2 brauchbare Geschenke aus, muss ich in einem Spiel zu viert einem Mitspieler eine potentielle Graupe abgeben. Aber welche? Ich möchte nicht gerade das Hass-Geschenk erwischen! Denn jeder Spieler bewertet noch geheim 3 Geschenke, die er gerne hätte, mit 1-3 Punkten sowie das eben erwähnte Hass-Geschenk mit vier Minuspunkten. Jetzt wird aufgedeckt und da kommt die geniale Wertungsidee zum tragen: Nicht nur der Schenker bekommt Punkte (1-3 wenns eines der Lieblingsgeschenke war, -4 für das Hassgeschenk und -1 für die indifferenten Präsente), sondern auch der Beschenkte! Dadurch ist man wirklich motiviert ehrlich zu antworten (oder zumindest so, wie man denkt, dass die anderen einen einschätzen). Hier versagen nämlich andere Einschätzspiele bei denen man zur Ehrlichkeit angehalten ist.

Gewonnen hat, wer sowohl als Beschenkter als auch als Schenkender eine bestimmte Punktzahl erreicht hat. Aber der Sieger ist hier nebensächlich (und daher stört auch der kleine Kritikpunkt, dass die Reihenfolge des Auswertens u.U. wentscheidend sein könnte nicht wirklich). Es geht doch im wesentlichen um den Spaß beim Spielen, um die Diskussionen und Sprüche beim Geschenke öffnen, und um das Hallo, das ertönt, wenn jemand sein Hassgeschenk bekommen hat. Das macht Spaß, ist unkompliziert und ist natürlich nichts für Strategen. Es gab mal einen regelrechten Boom von Einschätzspielen (Lifestyle, Therapy, Black Box…), doch in letzter Zeit erschien in dieser Sparte nur Privacy (und das ausgerechnet bei Amigo, die letztes Jahr noch zu mir meinten “Einschätzspiele gehen gar nicht”Tztztz ;-) ). Privacy hat die delikateren Fragen, aber mir gefällt GiftTRAP doch besser: Das Material ist schöner und man sieht wer wie geantwortet hat und kann sich darüber unterhalten. Allerdings sind die Zielgruppen auch etwas unterschiedlich: Privacy dient eher zum kennen lernen, bei GiftTRAP sollte man schon ein bisschen voneinander wissen. Partyspielfreunde dürfen aber bedenkenlos zugreifen!

ciao

peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

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