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Verlagsvorstellung: Ludorum Games

Ludorum Games haben mit ihren zweiten Spiel zum zweiten Mal den Preis für das beste neue Brettspiel auf der englischen UK Games Expo abgeräumt. Grund genug den Verlag und sein neuestes Spiel Ice Flow in die Spielbar einzuladen!

F: Bitte Stelle Dich doch unseren Lesern kurz vor!

A: Hallo! Ich bin Dean Conrad und bilde zusammen mit Jim Hawkins Ludorum Games. Ludorum Games entstand aus einer Lehrmedienfirma namens Scene Cinema, die Videoprojekte an Schulen in England durchführte. Scene Cinema existiert immer noch, aber 2007 haben wir unseren Fokus auf Brettspiele gerichtet: Ludorum Games erste Veröffentlichung Fagin´s Gang wurde veröffentlicht.

F: Erzähle uns doch ein bisschen über Fagin´s Gang!

A: Fagin´s Gang ist ein wirtschaftliches Strategiespiel, dessen Name sich auf einen der Charaktere in Charlie Dickens´Oliver Twist bezieht. Die Spieler steuern 5 Gassenjungen durch 6 Orte im Victorianischen London. An jedem Ort gibt es Güter zum kaufen oder zum stehlen. Die Güter an einem Ort sind notwendig für Bewegungen zu anderen Orten, so dass Bewegung, Diebstahl, Ein- und Verkauf gut ausbalanziert sein wollen um den größten Vorteil zu erreichen. Der erste Spieler, der 3 Jungen zurück zu Fagin bringt ist Sieger. In naher Zukunft wird eine PC-Version von Fagin´s Gang veröffentlicht, bei der ihr eure Fähigkeiten mit dem Computer messen könnt.

Fagin´s Gang wurde sehr gut von der Szene aufgenommen und wir sind sehr zufrieden – nichtzuletzt weil wír damit den Preis für das beste neue Brettspiel auf der UK Games Expo 2007 gewinnen konnten. Und Dennoch: Als Neuling auf dem Gebiet haben wir natürlich Fehler gemacht, insbesondere was Graphik, Material und Regelheft betrifft. Deutsche Regeln liegen dem Spiel nicht bei, können aber bei uns auf der Webseite runtergeladen werden. Diese Fehler konnten wir bei unserem neuem Spiel Ice  Flow vermeiden.

F: Ja, wenn du es schon ansprichst, dann erzähl doch etwas über Ice Flow! Und wo und wie kann man das Spiel in Deutschland beziehen?

A:  Ice Flow ist ein strategisches Familienspiel mit vielen Eigenschaften, die es auch für den Vielspieler interessant machen. Unser zweites Spiel wurde am 31. Mai 2008 auf der UK Games Expo veröffentlicht und wann dort erneut den Preis für das beste neue Brettspiel! In Ice Flow versuchen die Spieler ihre drei Forscher als erste über Beringstrasse von Alaska nach Sibirien zu bringen. Dazu bedienen sich die Forscher den Eisschollen die dort nach Norden oder Süden treiben, Mit Seilen kann man Packeis erklettern oder angeln. Eisbären gilt es zu vermeiden – oder zu den Mitspielern zu treiben. Ice Flow ist ein großer Spaß! Kinder ab 8 sehen das Spiel in erster Linie als Wettrennen, Vielspieler als strategische Herausforderung. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und ebenso mit dem fantastischen Feedback, das wir bislang erhalten haben.

Ice Flow wird in Deutschland von Heidelberger vertrieben und sollte daher in den einschlägigen Spielegeschäften erhältlich sein. Weitere Details findet man auf unserer Webseite: www.ludorum.co.uk

F: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

A: Wir haben mehr Pläne als Zeit! Ein kleineres Spiel wird wohl in Essen 2008 erscheinen. Das wird ein kleines Familienstrategiespiel mit dem Arbeitstitel Busy Bees (Melissi) sein. Die Zielgruppe ist dieselbe wie bei Ice Flow. Für 2009 ist ein Vielspielerspiel  geplant, das im Moment den schönen Titel Fire! trägt. Außerdem haben wir, wie alle Verlage, eine größere Anzahl an Projekten in verschiedenen Stadien der Entwicklung.

F: Wie würdest du die britische Brettspielszene beschreiben?

A: Die Brettspielszene in Großbritannien ist nicht annähernd so groß wie in Deutschland, aber es gibt Anzeichen der Entwicklung. Das Hauptproblem ist wohl dass die meisten Leute hier die Spiele die wir gerne spielen und veröffentlichen würden schlichtweg nicht kennt. Die Leute hier erwarten dass sie bei einem Spiel würfeln, Karten umdrehen, Fragen beantworten oder etwas blödes darstellen müssen (wie bei Scharade). Sie sind Spiele einfach nicht gewohnt, bei denen sie Taktiken oder Strategien entwickeln müssen oder auch nur können, um zu gewinnen. Wenn ich aber mit Freunden oder Familie Einsteigerspiele wie Packeis am Pol, Mauerbauer, Diamant oder auch Ice Flow spiele sagen sie: “Wow! Ich wusste gar nicht, dass solche Spiele existieren!” Ich bin sicher deine Leser haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Wir müssen einfach mehr Leute dazu bringen gute Spiele zu spielen!

 F: Amen! Man sieht sich also in Essen?

A: Ja, dort werden wir einen kleinen, aber wohlgeformten Messestand haben. Kommt doch alle vorbei und sagt: “Hallo!”

F: Machen wir! Und vielen Dank für das Interview!

 In Deutschland wurde Fagin´s Gang damals eher gemischt aufgenommen: Gelobt wurde das Thema und die netten Ideen, die in dem Spiel stecken. Kritisiert wurde die Optik und dass das Spiel sich unter Umständen ziehen konnte, was die Spieldauer anscheinend über das Niveau hinaus verlängerte, das die Idee zu tragen vermochte.

Zumindest optisch ist Ice Flow auf jeden Fall eine hundertprozentige Verbesserung gegenüber dem Erstlingswerk von Ludorum Games! Schöne Graphik, haptisches Material und Regelhefte in drei Sprachen liegen dem Spiel vor. Selbst bei näherer Betrachtung steht das Spiel in Sachen Material Vertretern größerer Verlage in nichts nach. Leider ist die deutsche Regel nicht ganz vollständig: Zwei Sätze sind irgendwie verloren gegangen: Zum einen muss ein vertriebener Eisbär auf die nächste mögliche Eisscholle in der gewählten Richtung bewegt werden. Zum anderen dürfen Eisschollen sich gegenseitig nicht überholen. Das ist umso bedauerlicher als dass der Spielablauf eigentlich erfrischen einfach und klar ist (nur die Eisbärenregeln scheinen auf den ersten Blick etwas unnötig kompliziert zu sein, stellen sich in der Praxis aber letztlich als logisch heraus).

Spielerisch ist Ice Flow auf mittleren Familienspielniveau angesiedelt und erinnert mich an eine Mischung aus Alaska und dem Videospiel  Frogger: Wer an der Reihe ist bewegt erst einmal eine vorhandene Eisscholle oder zieht eine neue aus dem Vorrat. Anschließend kann er einen seiner Forscher so weit bewegen wie er will und kann. Die Eisschollen haben glatte und gezackte Kanten und eine Bewegung von Scholle zu Scholle über eine glatte Kante ist kostenlos während das überqueren einer gezackten Kante ein Seil kostet. Einzelne Meeresfelder können auch durchschwommen werden, aber das kostet einen Fisch. Die Gegenstände liegen auf den Eisschollen bereit und können am Ende einer Bewegung aufgenommen werden. Behindert wird die Bewegung auch durch Eisbären (die mit Fischen vertrieben werden können) und auch durch die Tragekapazität der Schollen: Nur 2 Forscher passen dort gleichzeitig drauf. Ziel ist es seine drei Forscher als erstes auf die andere Seite zu bugsieren.

Spielerisch liegt die Herausforderung natürlich darin die besten Verbindungen zu erkennen und die Gegenstände optimal zu nutzen. Besonders das Bewegen der Eisschollen erlaubt eine Vielzahl taktischer Möglichkeiten: Man kann die Eisschollen vor den Forscher bewegen um eine Landbrücke zu bauen oder einen Forscher mitsamt Scholle bewegen, um so schneller zum Ziel zu kommen. Natürlich ist es optimal wenn man durch einen Zug gleich mehrere seiner Forscher in Position bringt.

Das Spiel ist erfrischend klar in der Struktur und spielt sich (wenn nicht gerade Grübler am Tisch sitzen) erfreulich flott. Dabei ist zu zweit naturgemäß alles etwas einfacher, so kommt z.B. das Limit von 2 Forschern pro Feld praktisch gar nicht zur Geltung. Hier ist man daher bereits mit etwa 20 Minuten Spieldauer dabei.

Einige kleinere Kritikpunkte gibt es aber auch: Zum einen bleiben benutzte Seile liegen, so dass zumindest mit mehr als 2 Spieler in der zweiten Spielhälfte schnell die Seile im Vorrat ausgehen – die Seile auf den bereits hinter sich gelassenen Eisschollen interessieren niemanden mehr. Dadurch kann es zu einem regelrechten Stau kommen, wenn sich die Spieler blockieren und keine Möglichkeit mehr haben an Gegenstände heranzukommen (Zwar kann ein Seil in 2 Fische umgetauscht werden, umgekehrt kommt man aber nicht mehr an Seile ran, wenn keine ausliegen. Und wenn ein Spieler zurückgeht um Seile zu holen, hilft er den anderen, denn er macht ja seinen Platz auf einer Scholle frei). Das zieht die Spieldauer leider etwas in die Läng und wirkt etwas unbefriedigend. Vielleicht tritt dieser Effekt mit etwas Erfahrung aber nicht mehr auf.

Die gute Nachricht ist: Es gefällt meiner Frau sehr gut und die bezeichnet sich als “Non-Gamer”. Wer also ein gutes Familienspiel sucht wird hier fündig. Vielspieler sollten vorher probespielen.

ciao

Peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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