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80 Million Wege im Wilden Westen zu spielen

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Über Optionen habe ich schon öfter geschrieben und über Konflikte. Vor allem über innere Konflikte, welche durch eine Wahl entstehen. Ich bin neulich wieder über ein Spiel gestolpert, wo hinten etwa 20 Varianten aufgezählt worden sind. An sich klingt das nicht schlecht, denn ein Spiel kann dann für jeden das sein, das er braucht. In Wahrheit bedeutet es aber, dass ich die alle durchprobieren müsste, um zu wissen, welche mir davon am meisten Spaß macht. Und das diese wichtige Entscheidung nicht von einem qualifizierten Redakteur gemacht wurde, sondern auf den Spieler abgewälzt wird.

Ich hatte mir letzte Woche ein Video angeschaut, welches schon 12 Jahre alt ist. Wer das Video noch nicht geschaut hat oder hier einen kurzen Abriss erwartet: Es geht darum, dass es gut ist aus verschiedenen Angeboten wählen zu können, aber zu viele Optionen zu Nachteilen führen.

Und auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme, was er sagt, so ist es doch so, dass er den Kern anspricht, der unser Leben und auch unser Hobby beeinflusst.

Zu Viele Optionen scheint es auf jeder Ebene zu geben. Fangen wir auf der obersten Ebene an und werkeln wir uns durch alle, die mir in den Sinn kommen, welche unser aller Hobby hier betreffen. Und schreibe dazu mal ein paar Sätze.

    • Die Verlage müssen sich aus den Massen an Einsendungen entscheiden, welche Spiele ihre Aufmerksamkeit verdienen und bearbeitet werden. Hier muss man oft spontan und nach Bauchgefühl hantieren, denn wenn man alle Spiele näher testet, dann wäre keine Zeit mehr die restliche Arbeit zu machen.
    • Die Verlage müssen aus allen Spielen die sie weiter bearbeitet haben auswählen, welche veröffentlicht werden. Auch hier passiert es, dass Verlage ein Spiel zwei Jahre begleiten und es dann doch eine Absage gibt. Jeder Verlag kann nur eine begrenzte Menge an Spielen veröffentlichen. Das ist ein Aspekt, den viele Verlage versuchen zu vermeiden. Nicht immer mit Erfolg, denn manchmal muss halt auch etwas kommen.
    • Die Redaktionen müssen aus allen Variationen, die als Stellschraube an Spielen gedreht werden können, die auswählen, welche im Spiel am Ende landen. Die Verlage müssen entscheiden ob diese Regel oder jene mehr Sinn macht. Ob es eher den Familien oder den Kenner ansprechen soll, ob die Balance eher gegen Zufall oder Kontrolle zielen soll und ob die Spielzeit mit einer weiteren Runde besser wird oder nicht. Auch hier kann man Erwartungen erfüllen oder große Enttäuschungen verursachen.
    • Die Kunden müssen aus allen Spielen, die auf den Markt geworfen werden, die auswählen, welche sie spielen wollen. Da gibt es jedes Jahr mehr Leute die das Handtuch werfen, weil sie von der Masse sich erdrückt fühlen. Das Gefühl alles getestet haben zu müssen oder das Gefühl im Video, die falsche Entscheidung gemacht zu haben und das andere Spiel wäre sinnvoller gewesen. Am sinnvollsten ist es hier seinen Geschmack zu finden und sich Spiele aus dieser Richtung zu nehmen und den Rest auszublenden. Wenn mich Geschicklichkeitsspiele, oder Spiele mit kurzer Dauer nicht interessieren, dann ist das ein Filterkriterium, um die Zahl der spannenden Spiele zu verkleinern.
    • Die Spieler müssen sich am Tisch auf das Spiel einigen, welches als nächstes auf den Tisch kommt. Da vergehen schon etliche Minuten um sich zu einigen und noch mehr um eventuelle Diskussionen ausbrechen zu lassen. Jürgen und Oliver haben da eine einfache Methode gefunden, aber man kann sich auch zu einem konkreten Spiel treffen und alles andere ausblenden.
    • Die Spieler müssen aus allen Optionen, die ihnen ein Spiel bietet, die auswählen, die zum Spielsieg führt. Und hier ist es am schwersten zu helfen. Wer zu AP (Analyse Paralyse) neigt oder wer nach 5 min Rechnen feststellt, dass beide Optionen gleich gut sind und nun anfängt zu rechnen, welche die besseren Folgeentscheidungen bringt, der kann für Unmut am Tisch sorgen, wenn nicht alle so ticken. Hier sollte man überlegen welche Spiele man mit wem spielt oder sich für jeden Spielgeschmack die passenden Leute an den Tisch holen.
    • Am Ende gibt es für Leute auch noch die Entscheidung, welche Spiele bleiben im Regal und welche müssen wieder gehen. Es gibt ein paar, die sich auf eine feste Zahl festgelegt haben oder ein Volumen, was etwa in ein Regal passt. Und alles was davon abweicht muss dazu führen, das was geht. Der Vorteil dieser Möglichkeit ist es auch die Zahl der Optionen beim nächsten Spieleabend zu verringern.

In unserem Hobby propagieren wir sehr gerne Optionen und stellen Entscheidungen, gerade wichtige, als etwas sehr Positives dar. Ich komme noch mit der Masse an den meisten Stellen hin. Aber ich bin vermutlich auch ein verlorener Fall.

Daher als positives Besipiel noch mal ein Hoch auf Soloabenteuerbücher. Die sind voller Entscheidungen, aber es sind doch meist nur 2 oder 3 pro Abschnitt. Das fühlt sich sehr gut an. Wer da mal was kennenlernen möchte, dem kann ich gerne eins empfehlen. Oder auch 100.

Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.
Matthias Nagy

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