Draften ist, wenn ein Spiel um ein Spiel bereichert wird

Wenn man Draften sagt, kennen die meisten Brettspieler 7 Wonders. Das Aussuchen von Karten und diese dem nächsten Spieler zur Auswahl zu geben ist dabei so einfach und schnell aufgenommen worden, dass es natürlicherweise schon in anderen Spielen aufgenommen wurde. Es gab aber auch schon ein paar Spiele, die vorher einen Draft verwendet hatten. Spiele wie in Fairy Tale, Notre Dame, San Marco oder auch Agricola. Später wurde dies auch in spanenden Versionen variiert wie etwa in Ginkgopolis oder 7 Wonders Duell.

Der Sinn des Draftens ist dabei auf der einen Seite dem Spieler das Glück zu minimieren, welches durch einfaches zuteilen der Karten kommen würde. Auf der anderen Seite sollen aber auch andere Elemente im Spiel dazukommen. Es geht um Kommunikation. Ich erfahre etwas über die Optionen meines Mitspielers, welche er nicht genommen hat und welche er vielleicht genommen hat. Vor allem wenn die Karte nicht sofort gespielt wird wie bei 7 Wonders, sondern erstmal gesammelt bevor diese dann ausgespielt wird.

Für Magic-Spieler ist Draften eine Tätigkeit die in großer Menge den meisten Spielern bekannt ist, seit bei einer der frühen Pro-Tour Events 1996 (zweite oder dritte) dieses Format genommen wurde. Damals mussten es die meisten noch erlernen. Inzwischen kennen es die meisten aus entsprechenden kleinen Turnieren in ihrem Laden und neue Spieler werden schon früh damit konfrontiert. Dabei gibt es bei Magic noch etliche andere Draft Formate, als nur das 7 Wonders-Ähnliche Booster-Draft. Ich will mal ein paar bekanntere Formate hier vorstellen.

Rochester Draft

Dies war mal das anspruchsvollere Format unter den Magic-Spielern. Hier liegen alle Karen eines Päckchens auf dem Tisch. Reihum nimmt sich jeder eine Karte bis jeder einer hat und dann nimmt sich jeder wieder in umgekehrter Reihenfolge eine Karte bis alle weg sind. Die Kommunikation ist hier offen, weil jeder sieht wer welche Karten nimmt. Verbunden mit der Tatsache, zu wissen, wer am Tisch der Gegner ist in der ersten Runde, kommen auch entsprechen Informationen an.

Der Vergleich der am ehesten dazu passt wäre Agricola, bzw Workerplacement Spiele dieser Art. Jeder nimmt sich eine der ausliegenden Aktionen reihum. Action-Drafting würde also auch passen. Die Spielreihenfolge wechselt zwischendurch nicht, sonder läuft einfach weiter rum und die Aktionen sin auch nicht jede Runde neu, sondern werden nur um Optionen ergänzt, aber der Vergleich dürfte schon passen.

Rotisserie Draft

Das ist ein System, wo viel Tischfläche benötigt wird und, was sich aber nicht jeder leisten kann, alle Karten eines Sets/Blocks. Diese liegen liegen exakt einmal aus und dann werden die Karten wie im Rochester Draft verteilt. Dadurch, dass hier die Gewissheit ist, keine Kare wird doppelt auftauchen, liegt der Schwerpunkt nicht auf den Häufigen Karten. Auch zu wissen wie die Decks der Mitspieler sich langsam bilden, fordern ganz andere Entscheidungen.

Auction Draft

Hier werden die Karten aus den Packs zusammengemischt und jeder erhält 100 Münzen zum bieten. Der Startbieter deckt die obersten drei Karten auf und versteigert diese mit einem Startgebot von 0. Reihum dürfen nun alle bieten oder passen, bis einer den Zuschlag erhält. Geld geht immer in die Bank. Dann geht der Startbietermarker einen Spieler nach links und die nächsten drei Karten werden aufgedeckt. Da hier immer auf eine Kombination geboten wird, kommen manchmal spannende Kämpfe um gute Karten auf. Gegen Ende kann es auch passieren, dass mehrere Spieler dann kein Geld mehr haben und hoffen müssen, das die anderen auch kein Geld mehr haben.

In diesem Format existiert auch eine Variante, wo jeder einen Charakter mit eigenen Regeln hat für die Auktion. So erhalten manche mehr oder weniger Geld und dürfen aber nicht über einen bestimmte Summe bieten, oder bekommen einen Rabatt, wenn bestimmte Karten angeboten werden.

Spiel zu zweit

Es gibt aber auch zu zwei den Wunsch zu draften. Das ist bei den großen bekannten Verfahren bisher eher langweilig, auch wenn Tides of Time bewiesen hat, das dies sehr gut funktionieren kann. Das bleibt aber die Ausnahme. Bei diesen Formaten, werden meist die Karten von mehrere Päckchen zusammengemischt und dann versucht das Beste daraus zu machen.

Grid Draft

In diesem System werden immer 9 Karten auf dem Tisch in einem 3 x 3 Raster ausgelegt und ein Spieler nimmt eine Reihe oder Spalte und der andere eine andere Reihe oder Spalte. Die Abschätzung ob es lieber mehr Karten sein sollen, oder weniger, weil der Mitspieler schon die dritte Karte einer Reihe genommen hat, macht einen großen Reiz aus. Umgesetzt wurde so etwas bei Die Säulen der Erde: Duell der Baumeister.

Solomon Draft

Solomon ist bekannt für seine gerechte Teilung von Babys. Wir kennen das als die bekannte Kuchenteilmechanik. Ein Spieler deckt 5 Karten auf und verteilt sie in 2 Stapel, aus denen dann der andere auswählen kann. Hier gibt es öfter mal spannende Entscheidungen, wo gerne sinnvoll 4:1 geteilt wird, und die einzelne Karte immer noch stärker ist als die anderen 4 zusammen. Dynasties baut dies gerade auf vielfältige Weise in ein Spiel ein, aber auch San Marco von Alan Moon zeigte schon solche Strategien in einem Brettspiel.

Winston Draft

Dieser Draft ist tatsächlich der spannendste. Zuerst werden drei Karten verdeckt ausgelegt. Der erste Spieler schaut sich die erste Karte an und entscheidet ob er diese nehmen will. Wenn er diese nimmt, ist er glücklich und sieht die anderen Stapel nicht. Wenn nicht bleibt sie liegen und eine weitere Karte vom Stapel wird dazu gelegt und er darf sich den nächsten Stapel ansehen, bei welchem er wieder entscheiden kann. Sollte er auch den dritten Stapel nicht nehmen, erhält er die oberste Karte vom Nachziehstapel. Dann ist der andere Spieler dran.

Das ist ein Format wo einiges an non-verbaler Kommunikation aufkommt, da man rund die Hälfte der Karten kennt, die der andere Spieler nimmt, aber eben nur die Hälfte. Ein klassisches Gesellschaftsspiel mit solchem einem Draft stell ich mir besonders spannend vor. Wäre aber wohl ein reines 2er-Spiel.

Edit: Den von Thygra erwähnten Point System Draft will ich hier noch nachreichen. Danke an Thygra für die Infos.

es gibt in der Mitte 8 Plätze, welche mit den Kosten 6 bis -1 versehen sind. Jeder Spieler startet 60 Punkten für den gesamten Draft, mit denen er die Karten „bezahlt“. Reihum ist jeder Spieler an der Reihe, eine Karte zu draften. Dazu wird zuerst die oberste Karte des Stapels aufgedeckt und auf den Draftplatz 6 gelegt. Sollte dieser Platz schon mit einer Karte besetzt sein, so wird diese um einen Platz nach unten auf die 5 verschoben. Ist Platz 5 auch besetzt, wird die dort befindliche Karte ebenfalls einen Platz nach unten verschoben usw. Eine Karte wird nur dann verschoben, wenn sie von oben verdrängt wird. Nach dieser Prozedur wird eine Karte gedraftet: Sollte der Platz -1 noch nicht besetzt sein, darf der an der Reihe befindliche Spieler eine Karte draften, er darf aber auch passen. Sobald der Platz -1 besetzt ist, muß jeder Spieler immer eine Karte draften, wenn er an der Reihe ist. Draftet ein Spieler eine Karte auf den Plätzen 6-1, so werden ihm dafür von seinem Punktekonto entsprechend viele Punkte abgezogen. Hat der Spieler nicht mehr genug Punkte auf seinem Konto, so kann er diese Karte nicht nehmen. Die Karte auf Platz 0 ist kostenlos, während durch einen Pick der Karte auf dem Platz -1 dem Spieler wieder ein Punkt zu seinem Konto hinzuaddiert wird.

Spiele die solch ein ähnliches System verwenden sind Fungi und Firenze.

Autor: Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.

5 Gedanken zu „Draften ist, wenn ein Spiel um ein Spiel bereichert wird“

  1. Interessant. Ich kannte den Solomon Draft damals nur mit 8 Karten, nicht mit 5. Ansonsten vermisse ich in deiner Aufzählung den Point System Draft, dessen Prinzip sich bereits in einigen Brettspielen abgewandelt wiederfindet.

  2. Ich habe auch Leute kennengelernt die den Solomon Draft mit verschiedenen Kartenzahlen gespielt haben. Da war von 4 bis 10 alles dabei. Ich finde 5 eine gute Zahl um Masse vs Klasse abzustimmen. Aber hier mit der Zahl herumzuexperimentieren kann nich schaden.

    Den Point System Draft kenn ich tatsächlich nicht. Erzähl mehr!

  3. Ich schick dir eine Email mit den Regeln vom Point System Draft, ich habe jetzt keine Zeit, dies hier zu erläutern. Dann kannst du ja überlegen, ob es dir einen Nachtrag wert ist. ;)

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