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Interview Genius Games

Einmal will ich die Essen Vorschau verlassen, um etwas ganz originelles tun: Einen Verlag vorstellen, der nicht in Essen sein wird: Genius Games. Das andere originelle an dem Verlag: Sie wollen Spiele für Spieler machen, die auf Naturwissenschaftlichen Prinzipien beruhen. Ich finde das Konzept spannend genug, um eines deren Spiele bei Kickstarter unterstützt zu haben. Ich bin gespannt, ob es gelingt, gute Spiele zu machen, die nicht nach “Lernspiel” riechen, sondern wirklich spassig sind. Doch, warum auch nicht? Bei geschichtlichen Themen geht es ja auch nicht primär darum, den Spieler Geschichte beizubringen! Ich habe mich mit dem Kopf des Verlages, John Coveyou, unterhalten.

Bitte stelle dich und deinen Verlag kurz vor!

Seit ich ein Kind war, bin ich von Naturwissenschaften fasziniert. Ich bin in Missouri in den USA aufgewachsen und mit 17 zur Armee gegangen. Dort wurde ich nur “Professor Coveyou” genannt, weil ich immer MIT-Vorlesungen in Chemie und Biologie auf meinem I-Pod gehört habe. Ich habe dann mein Vordiplom in Umwelt-Biologie gemacht und dann mit Master in Energie, Umwelt und Verfahrenswissenschaften abgeschlossen.

Ich bin zeit meines Lebens ein begeisterter Brettspieler gewesen, aber ich habe mich immer gewundert, warum es so wenige Spiele gibt, die sich mit Naturwissenschaften befassen, im Gegensatz zu z.B. Science Fiction. Daher mache ich jetzt meine eigenen Spiele.

Bitte erzähle uns ein bisschen mehr über deine Spiele!

Unsere Spiele basieren auf harter Naturwissenschaft, wie Biologie, Chemie und Physik.

Unser erstes Spiel, Linkage: A DNA Card game, basiert auf dem Prozess der DNS-Transkription mittels RNS. Ziel der Spieler ist es durch das Anlegen von RNS-Karten einen eigenen RNS-Strang zu basteln, der die DNS kopiert. Dieses Spiel richtet sich eher an jüngere, aber wir haben auch gutes Feedback von Spielern bekommen.

Unser zweites Spiel ist Peptide: A Protein Building Game, in dem die Spieler Aminosäure verbinden, um eine Peptidkette und schließlich ein Protein zu bauen (Anm.: Aminosäuren bilden Peptidketten. Ab einer großen Länge hat man ein Protein)

Unser erstes Chemiespiel heißt Ion A Compound Building Game,ein einfaches Drafting-Spiel, in dem die Spieler versuchen entweder ungeladene Verbindungen zu bauen oder Sets aud Edelgasen zu bilden.

All diese Spiele sind über Kickstarter finanziert und waren dort große Erfolge! Wir sind stolz, dass wir Spiele machen, die Spielern ebenso gefallen wie Naturwissenschaftlich Interessierten und die auch Eltern und Lehrer etwas geben, dass sie mit ihren Kindern spielen können, um denen Naturwissenschaftliche Prinzipien zu vermitteln.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Im Oktober wird unser erstes kooperatives Spiel bei Kickstarter eingestellt. Covalence ist ein Spiel bei dem Plättchen mit  Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff kooperativ zu verschiedenen, geheimen Molekülen zusammengebaut werden sollen.

Wir sind auch ziemlich begeistert von einem Spiel in der Entwicklung, bei dem es um das Überleben auf dem Mars geht. Dieses Spiel wird ein wenig Glück und Zusammenarbeit erfordern. Ich halte dich auf dem Laufenden :-)

Sind eure Spiele auch für Spieler geeignet, die sich nicht für Naturwissenchaften interessieren?

Das ist sogar unser Ziel; Wir wollen Spiele entwickeln, die sowohl Spielern als auch Naturwissenschaftlern gefallen. Wir haben viel Lob für unsere Mischung aus guten Mechanismen und sehr ernsthaftem, wissenschaftlichen Kern bekommen. Der Punkt ist, dass Spieler, die gut spielen wollen, sich mit dem naturwissenschaftlichen Kern vertraut machen müssen – um gut zu spielen muss man die Kernkonzepte verstehen und richtig anwenden.

Nimm zum Beispiel unser Biologie-Spiel Linkage: Es ist ein schnelles Kartenspiel mit einem Mechanismus, der auf der echten DNS Transkription basuert. Sicher, alle Naturwissenschafter werden bei diesem Spiel schon so das große Grinsen kriegen, aber wir denken auch alle anderen werden sich von dem Spaßfaktor in das Spiel hineinziehen lassen und finden daher den naturwissenschaftlichen Hintergrund weniger abschreckend und sogar interessant und vielleicht werden sogar Leute bekehrt, die Naturwissenschaften bislang immer für langweilig gehalten haben.

Wie kann man die Spiele in Deutschland beziehen (wenn man die Kickstarter-Kampagnen verpasst hat)?

Das ist eine Diskussion, die wir zur Zeit mit unserem Vertrieb führen. Leider  haben wir keine Verkaufsstruktur in Deutschland (oder überhaupt außerhalb der USA). Schließlich hat das ganze als ein Hobby angefangen – erst seit ein paar Monaten mache ich das hier hauptberuflich. Im Moment kann man aber auf jeden Fall über unsere Webseite bestellen und per Paypal bezahlen – Wir liefern dann praktisch überallhin!

Vielen Dank für das Interview!

 

Wie gesagt habe ich als Chemiker Ion unterstützt. Gespielt habe ich aber Peptide. Proteinbildungen ist eines meiner chemischen Lieblingsgebiete, aber hier geht es um die Zelle: Jeder versucht möglichst viele Aminosäuren an sein Protein zu bauen und diese dann zu werten. Aminosäuren werden als Tripeptid angebaut, also müssen immer drei passende Aminosäuren abgelegt werden, damit das Protein weitergebaut werden kann. Hat man die Aminosäuren braucht man ein Ribosom um die Aktion durchzuführen. Die Säuren selbst bekommt man mit Hilfe des Zellkernes. Mitochondiren versorgen Zelle (und Spieler) mit Energie, die benötigt wird, um “Aufträge” zu ziehen (dazu barucht man Aminoacyl)… Man sieht der Fachjargon ist sehr präsent und erst einmal gewöhnungsbedürftig. Aber warum eigentlich? Vermutlich hat man sich schon so an “Brauereien” oder “Priester” gewöhnt, dass man nicht merkt, dass das im Prinzip auch nichts anderes ist. Andererseits ist das Thema “Mittelalter” eben bekannter als Zellbiologie. Wer sich damit nicht auskennt, muss erst Vokabeln pauken (lernt aber nebenbei eine Menge).

Spielerisch ist Peptide ein klassisches Kartensammel-und-Aufträge-erfüll-Spiel. Der Grundmechanismus ist originell: Aus einer Auslage wählt man nacheinander zweimal jer eine Aktion aus, beide Aktionen werden dann durchgeführt. Alternativ zu einer Aktion kann auch die Startspielerkarte genommen werden, was natürlich dann gut ist, wenn man den ersten Zugriff auf die Aktionen haben möchte – Der Hintensitzer muss natürlich mit dem vorlieb nehmen, was übrig bleibt. Auch sonst gibt es ein paar Dinge, die das Sammeln von Aminosäuren und das Verbinden zu Proteinen etwas weniger trivial gestalten – so kann Energie für Sonderzüge eingesetzt werden oder um die Auslage neu abzuräumen. Die darf dann aber nicht für die Aktionen fehlen – es schönes Dilemma.

Unterm Strich ist das originellste an Peptide sicherlich das Thema, aber das ist keine Schande. Ganz groß herausragen aus den Sammelspielen tut es ansonsten auch nicht, aber es ist auch kein schlechter Vertreter. Wenn das Thema einen nicht zieht, verpasst man sicherlich nichts. Aber das Spiel hat mit dem Nischenthema und dem grundsoliden Konzept definitv eine Daseinsberechtigung.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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9 Kommentare

  • Freut mich, dass das Spiel noch mehr Leute in Deutschland gefunden hat. Ich habe Als Biologe habe ich Peptide auch gebacken und mir Linkage gleich mitbestellt. Schön mal was darüber zu lesen. Ich spiele selbst immer wieder mit Gedanken um ein Spiel mit Thema Biologie/Leben.
    Ich finde du hast es bei Peptide ziemlich auf den Punkt gebracht. Das Thema ist toll und ich finde es durchaus nett und gelungen aber auch nicht mehr. ich störe mich ein bisschen daran, dass die Aminoacyl-tRNA-Synthetase als Organell bezeichnet wird. Das mag vielleicht etwas kleinlich sein aber wenn ich Leuten die Biologie/Naturwissenschaften näher bringen will dann doch bitte richtig. Spielerisch hätte man sicherlich etwas daran feilen können, 2x die gleich drei RNA-Karten zu sammeln um erst auszuspielen und dann zu scoren hätte man auch thematisch vielleicht anders regeln können. Es kam doch öfter vor, dass der Aminosäurestapel so schnell aufgebraucht und das Spiel damit zu Ende ging ohne das die Spieler großartig Aminosäuren gescored haben.
    Die Idee finde ich aber nach wie vor grandios auch wenn der Durchschnittsspieler/Vielspieler von dem Thema sicherlich abgeschreckt wird, ganz ohne Wissenschaft/wissenschaftlichen Hintergrund lässt sich (in dem Fall) nun mal kein Peptid bilden. Somit sind solche Spiele wohl dem GeekGeek vorbehalten, sprich der Vielspieler der schaut was es gibt und der Naturwissenschaftler auch deswegen komme ich ich mit meinen Gedanken, Spiel zum Thema Biologie nicht so richtig weiter. :)
    Danke für deinen Text!!

  • …was ich eben noch vergessen habe, mit meinem Dissertationsthema kann mein Dad nichts anfangen aber dank Peptide weiß er jetzt was ATP ist. :D

  • Danke für den Kommentar :-)
    Was vielleicht hilft: Dran denken, dass man die zweite Karte der Aminosäurekarte OBEN auf den Stapel drauf kommt – wir hatten die erst aus Gewöhnung runtergeschoben und das Spiel endet dann wirklich früh :-)
    Außerdem -das habe ich vergessen zu schreiben – fehlt eine wichtige Regel: Laut Autor auf BGG ist es nicht erlaubt eine weitere Aminosäure anzulegen, wenn noch eine nicht umgedrehte Karte da liegt.

  • Das haben wir so gespielt mit Aminosäuren wieder oben auf den Stapel legen. Das mit der zweiten Aminosäure anlegen habe ich mich und den Autor auch gefragt (https://boardgamegeek.com/thread/1427614/questions). Es spricht aber laut Regel nichts dagegen Aminosäuren auf die Hand zu nehmen (mehr Aminosäuren auf der Hand, erhöht Wahrscheinlichkeit passende RNA zu finden). Vielleicht hätten weniger Aminoacyl-tRNA-Synthetase-Karten bei den Organellen dabei sein sollen!? Es kann bei der Aktionswahl vorkommen, dass man ein Aminoacyl-tRNA-Synthetase nehmen muss weil Startspieler schon gewechselt und zu wenig ATP um Auslage zu wechseln. Ok, ich bekomme noch 1 ATP wenn ich die Karte abschmeiße aber bei uns haben sich die meisten Spieler dafür entschieden noch eine Aminoacyl-tRNA-Synthetase-Karte zu nehmen um flexibler zu sein.

  • In den Regeln steht “collected but not scored”. Wenn ich mich nicht irre, wird “collected” nie definiert und daher vermute ich, dass einfach “genommen” gemeint ist.
    Wenn nur nicht umgedrehte zählen würden (und ich dachte das auch), dann gibt es ja maximal 1 Minuspunkt, denn mehr als eine Nicht-gewertete Aminosäure kann man nicht haben. Da aber von “Amino Acid CardS” (Plural) die Rede ist, vermute ich, dass auch mehrere Karten möglich sein müssen. Ist natürlich keinesweges sicher, aber die Interpretation macht sinn, da man sonst eben tatsächlich einfach die Hand voll sammelt, insbesondere wenn man sonst vorne liegt.