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Tom und die Brettspielfabrik

Tom Felber hat Recht mit seinem Artikel. So kann man es kurz zusammenfassen und wer ihn nicht gelesen hat, sollte es gleich mal an dieser Stelle nachholen. Hier der Link

Natürlich liegt er auch Falsch. Also er hat halt nicht zu 100% recht. Aber gehen wir auf die Sachen einzeln ein.

Beginnen wir mit dem logischsten. Solch ein Artikel ist auch immer gut für eine Selbstreflexion. Ich habe natürlich so eine Janus-Position, da ich auf der einen Seite für zwei Verlage Arbeiten übernehme und von einigen als Vertreter dieser Verlage wahrgenommen werde und auf der anderen Seite auch eine Privatperson bin, die eine eigene Meinung hat und diese meist ungefragt, aber immer öfter auch gefragt, in den Äther streut.

Das ist auch eine für mich sehr wichtige Sache. Ich betrachte mich nicht als Journalist oder Kritiker. Ich bilde mir ein, dass ich Sachen kritisch betrachten kann und über dies auch in meinen Blog schreiben darf, aber ich weiß, dass ich dies nur zu einem gewissen Grade machen kann um glaubwürdig zu sein. Deswegen würde ich nie meine Meinung zu den Spielen der von mir betreuten Firmen schreiben solange ich für diese arbeite. Diese Trennung ist für mich selbstverständlich. Und nur durch sie kann ich eine Glaubwürdigkeit erreichen.

Natürlich ist der Grad zwischen Meinung und Kritik auf der einen Seite und PR und Werbung auf der anderen Seite sehr dünn. Deswegen ist es mir auch wichtig, lieber über jedes Spiel, das auf meinen Tisch kommt zu schreiben als mich auf die guten zu konzentrieren. Auch ich schaffe es nicht alles zu spielen und auch ich bin selten der schnellste, aber wenn mir ein Spiel nicht gefällt, dann versuche ich das auch niederzuschreiben. Und im Notfall gegen den Strom zu schwimmen – und Die Legenden von Andor nicht zu empfehlen macht mir nichts aus.

Entscheiden ist die Begründung. Und da wird es schwierig die guten und die schlechten Spiele zu unterscheiden. Wie schon bei der Diskussion zum New Board Game Journalism wird schnell klar, dass es sinnvolle und sinnlose Elemente gibt.

Das Material hat inzwischen so einen hohen Standard, dass es sich nur lohnt darauf einzugehen, wenn er noch höher ist, oder einfach schlecht, wie z.B. bei Papiergeld. Die Regeln sind in den letzten Jahren zwar besser geworden, bleiben aber oft immer noch echt schlecht. Erwähnenswert sind also Regeln die echt gut sind, wie die von Russian Railroads oder einzigartig, wie die von Andor. Was bleibt sind die Mechanismen und das Spielgefühl.

Was ich an den beiden Enden mit harten Fakten belegen kann freut mich und was nicht bleibt schwammig. Etwas, was mir nicht gefällt, aber was ja so gerne auch von Jury-Mitgleidern abgetan wird mit dem einfachen Ausspruch: “Es muss halt Spaß machen.“ Und den kann ich oft nur in meiner Gruppe einfangen. Das alleine macht meine Meinungen oft nicht zu der besten Grundlage, aber hoffentlich zu einer sinnvollen Ergänzung für den Leser.

Aber was sind belegbare Fakten? Da gibt es Leute die den letzten Dreck spielen, solange das Thema stimmt und dieses transportiert wird. Egal ob dazu eine 100-seitige Anleitung beiliegt oder erst ein FAQ-Wälzer von der Webseite heruntergeladen werden muss. Auf der anderen Seite stehen Leute, die der Mechanismus begeistert und die die damit verbundene geistige Herausforderung lieber mögen, egal was das Thema ist oder selbst wenn es keines hat.

Die meisten werden damit kommen, dass es natürlich die richtige Mischung ausmacht. Aber was ist die richtige? Natürlich behauptet hier jeder von sich, die richtige Mischung zu kennen, und sofort sehen zu können welches Verhältnis dieses ausmacht. In Wahrheit ist die richtige Mischung so geheim wie die Coke-Formel oder die Schokoladenrezeptur von Herrn Wonka. Die Jury kann an der Stelle auch nur versuchen einen Konsens zu finden.

Diesen Konsens gibt es jedoch schon nicht mehr, wenn es um die Definition geht, was Kulturgut bedeutet. Wer Brettspiele mit Kino, Fernsehen, Büchern, Theater und auch Computerspielen in eine Reihe stellt (was ich leider auch viel zu häufig mache) verkennt zwei wesentliche Merkmale. Da wäre nicht nur der bedingungslose Konsum im Vergleich zum selber erleben eines Brettspiels, sondern vor allem auch das alleinige Konsumieren im Vergleich zur Interaktion eines Brettspiels. Selbst wenn ich mit einem Freund ins Kino gehe. Wenn ich drin sitze, könnte ich auch alleine sein.

Vielleicht ist das der wahre Erfolg von Monopoly. Nicht nur, dass alle es kennen, wenn auch nicht mit den richtigen Regeln, sondern, dass es einfach konsumiert wird. Es muss nicht nachgedacht werden beim Spielen. Es gibt keine Entscheidungen zu treffen. Würfeln, laufen, kaufen oder zahlen, der Nächste bitte. Aber von solchen Beschäftigungen reden wir ja eigentlich hier nicht.

Es gibt Brettspiele, wo die Spieler alleine vor sich hin grübeln und die Menschen am Tisch so gut wie gar nicht miteinander interagieren. Manche sehen das als schlechte Spiele an, aber die Interaktion findet auf dem Brett statt. Es gibt auch Spieler die nicht nachdenken müssen sondern einfach aus dem Bauch spielen oder wo es auf andere Qualitäten wie Reaktion oder Wissen ankommt. Jedes dieser Elemente kann funktionieren mit den richtigen Spielern. Aber so gut wie kein anderes Kulturgut ist so abhängig von den Freunden. Es gibt Leute, mit denen will ich nicht spielen. Tom Felber hatte das in seiner Spielbox-Kolumne auch schon aufgebracht.

Ein Spiel kann noch so gut sein, wenn es am Tisch versagt. Weil ich es auf einem Spieletreff mit den falschen Leuten am Tisch gespielt habe, ist es doof. Reaktion ist gefordert und alle sind lahme Enten? Durchgefallen. Deduktion ist gefordert und alle sind kaputt und wollen nur den Bauch nutzen? Durchgefallen. Es ist einfacher dem Spiel als den Leuten die Schuld zu geben. Ich liebe Love Letter und habe schon mehr als eine Kopie verschlissen. Aber bei meiner Runde zu Hause musste ich Schläge einstecken, wie ich auf die Idee käme es wäre Spiel des Jahres-würdig. Keiner in meiner normalen Runde mochte es. Keiner. Ich habe es immer mit Fremden unterwegs gespielt. Zum Glück bin ich oft unterwegs. Eigentlich zu oft.

Das alles macht “Spielen als Kulturgut” schwer zu handhaben, das Spiel aber auch zu einem wahren Kulturgut. Es füllt eine Lücke, die alle anderen Güter offen lassen. Unabhängig davon, dass ich viele tolle Menschen durchs Spielen kennengelernt habe und fast alle tollen Erfahrungen auf’s Spielen zurückführen kann, ist es vielleicht zu einzigartig, um von den Unkonvertierten, den Muggeln, den Nichtspielern, den Neulingen oder wie immer wir sie nennen wollen, erkannt zu werden. Die Spiel des Jahres Jury macht hier einiges richtig und die Verkaufszahlen von Qwirkle und Hanabi sprechen eine positive Sprache, dass etwas bewegt wird. Auch, dass die Jury nicht nur einfach einen Preis vergibt sondern das Geld in viele, viele Projekte steckt ist mehr als löblich.

Aber kommen wir zur Qualität. Als Kritiker will man gute Spiele? Es ist nicht die Qualität die das Problem ist, denn die Spielequalität ist in meinen Augen im Gesamten nur nach oben gegangen. Der Anspruch aber auch. Früher kamen 50 Spiele raus und nur 10 waren gut. Heute kommen 500 Spiele raus, aber 100 sind gut. In Zahlen gibt es viel mehr schlechte Spiele, aber auch viel mehr gute. Aber die meisten schlechten kommen auf kaum einen Tisch, außer den der Jury, die alles ansehen muss.

Und Spiele altern. So wie ein Film, der mich 1990 noch begeistert hat, heute eher als schlecht gelten darf, hat auch die Erfahrung an manchem Spiel des Jahres Preisträger eher was zum aussetzen gefunden. Man schaue sich aber an, welche Spiele schon alles gewonnen haben und wie viele davon noch als gut gelten. Die Qualität ist da. Es ist die Welt drumherum die da nicht mithalten kann.

Und während die Jury die Besten rausfinden muss, ist es vermutlich nicht schwer, gute Spiele zu finden, sondern gute Spiele zu finden, die auch für Nichtspieler interessant sind. Spiele die Neulinge mögen können. Spiele die das Kind und die Oma auch verstehen. Einer in meiner Spielegruppe hat als Kind mit einer Oma El Grande sehr oft gespielt und wäre vermutlich nicht der Gerne-Spieler der er heute ist, wenn nicht so ein anspruchsvolles Spiel gewonnen hätte.

Vielleicht ist der Schlüssel, den Spielern da draußen mehr zuzutrauen und sich nicht von Rückschlägen wie z.B. den Verkaufszahlen von Dominion oder Kingdom Builder einschüchtern zu lassen. Die Jury würde es nie zugeben, aber unterbewusst wird da bestimmt bei dem ein oder anderen was anderes ablaufen. Ist Russian Railroads zu hoch für den Kennerpreis? Ist Love Letter ohne Chance weil schon letztes Jahr ein kleines Spiel gewonnen hat? Die Jury kann nicht still vor sich hin leben ohne mit dem Rest der Welt zu agieren, um das Spiel des Jahres zu finden. Dafür sind Spiele zu wenig Konsum und zu viel gesellig.

Was also der Jury fehlt ist ein Feedback-Instrument. Etwas messbares, was ihnen sagt wie gut sie ihre Arbeit machen. Einziges Instrument neben der Menge an negativen E-Mails sind da nur die Verkaufszahlen der Spiele. Solange die Jury da nichts anderes hat, sitzen sie von der Ferne betrachtet im selben Boot oder im gekoppelten Nachbar-Boot aber auf derselben Seite. Beides ist nicht gut. Da ist ein Aufruf nach mehr guten Spielen nur logisch, bevor das Boot kentert. Der Aufruf alleine lässt es wie dasselbe Boot erscheinen.

Ich bin froh zu wissen, dass dieser Eindruck falsch ist, dass die Jury wirklich einfach das beste Spiel finden will. In den vielen Gesprächen, die ich mit den verschiedenen Vertretern hatte, wird das auch immer deutlich. Die Begeisterung des Spielens steht im Vordergrund. Aber bessere Spiele kommen von ganz alleine solange es der Branche gut geht. Und dass es ihr gut geht ist der Eindruck den Messen wie Essen und Neuheitenlisten im vierstelligen Bereich vermitteln.

Etwas womit ich oft kämpfen musste als TCG Betreuer, ist die Tatsache, dass manche Menschen einfach in ihrem Verhalten so schädlich sind, dass die Leute wieder aus dem Laden rennen. Manchmal sind es Spieler, manchmal die Ladenbesitzer und manchmal auch ein ganze Gruppe. Das soziale an Gesellschaftsspielen ist der Flaschenhals. Ich wünsche mir nicht bessere Spiele. Denn diese sind auch zu wenig Selbstzweck, der sie doch eigentlich sein wollen, und der dem Namen anhaftet. Die Verbissenheit, mit der so mancher an die Sache rangeht, nullifiziert viele Bemühungen. Ich wünsche mir bessere Spieler. Spieler die sozial umgehen können und selber lieber spielen und Spaß haben als verbissen zu gewinnen oder andere für’s schlechte Spielen auslachen oder diesen den Spaß nehmen. Aber das kann weder die Jury bewältigen, noch können das die Verlage.

Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.
Matthias Nagy

5 Kommentare

  • Ich glaube du hast völlig recht.
    Was Tom Felber sagen will ist: Die Spiel des Jahres Jury zeichnet nicht unbedingt das beste Spiel eines Jahrgangs aus, sondern vielmehr das Spiel, das am relevantesten erscheint.
    Dominion hat damals den Zeitgeist wie kaum ein anderes Spiel getroffen, auch das mir vermaledeite Kingdom Builder steht für ein liechtes, lockeres Spiel mit dennoch hoher Abwechslung.
    So lässt sich auch der oft beklagte mangelnde Anspruch des SdJ über die Jahre erklären. Denn auch bei Computerspielen gibt es diesen Trend.
    Es reicht eben nicht, dass das Spiel des Jahres nur gut ist. Es muss irgendwie auch ein Gefühl der Beigeisterung und bestenfalls eine gewisse kulturelle Aktualität treffen. Und auch hier gibt es eine Parallele zu anderen Kulturmedien. Denn mit dem Oscar werden auch nicht ausschließlich die besten Filme ausgezeichnet sondern eben auch besonders relevante (siehe 12 Years a Slave dieses Jahr).
    Aber wie bei jeder Form von Kultur und Unterhaltung gibt es trotz allem den persönlichen Geschmack. Schon deshalb muss der Jury zugestanden werden auch mal daneben liegen zu dürfen.

    Und wenn wir ehrlich sind: Für das wirklich beste Spiel des Jahres ist in meinen Augen sowieso der Deutsche Spielepreis zuständig.

  • Heieiei… da sind mir wieder ein paar Rechtschreibfehler in den vorigen Post gerutscht.
    Man möge sie mir verzeihen…

  • Moin,
    danke für diese erfrischende Ergänzung zu Felbers Artikel. Du sprichst mir aus der Seele.
    Meine Erfahrung: man kann jeden mit fast jedem Spiel zum Spielen bringen, es braucht nur die passende Runde und noch viel wichtiger den richtigen Erklärer.

    Hier entsteht an vielen Stellen das Problem, die “Wissenden” (Vielspieler, Supporter, Ladenbesitzer, Redakteure) nehmen sich selber oftmals zu wichtig.
    Ich spiele lieber die gef. 1000ste Partie Pandemie mit einem Nichtspieler, auch wenn ich es einfach nicht mehr mag, und habe dafür das gemeinsame Spieleerlebnis, als unbedingt das nach meiner Meinung bester
    bestes Spiel durchzusetzen.
    Am Ende ist nur wichtig dass ich mein Gegenüber begeistern kann vom Spielen an sich und wenn es nur nen Trash-MauMau war. Denn wenn er sich daran erfreut, erfreue ich mich ebenso und wir haben eine schöne Zeit zusammen – !!! gemeinsam !!!

    Gruß, Ben

  • Naja, wenn es auch ein ‘trash-Mau-Mau’ tut, braucht es ja keine neuen Spiele mehr … :)

    Für diejenigen, denen es egal ist, was sie spielen, braucht es kein ‘Spiel des Jahres’ , keinen ‘Deutschen Spielepreis’, keine Messe. Eine ‘Spielesammlung mit 200 Spielmöglichkeiten’ ist da völlig ausreichend im Sektor Kulturgut Spiel (hüstel). Hauptsache man bringt Leute zum Spielen – egal was sie spielen. Warum eigentlich muss man Menschen zum Brettspielen bringen (so man kein kommerzielles Interesse daran hat); sind diese armen bemitleidenswerten Geschöpfe nicht in der Lage selbst herauszufinden, was ihnen Spaß macht? Wozu dieses Sendungs(nicht)bewußtsein?

    Sorry, natürlich kann man Spaß haben bei Mau-Mau, kann man ‘verlorenen Spaß’ wiederfinden bei Spielen, die man mit ‘echten Spielern’ nie spielen würde, aber mit kleinen Kindern oder Gelegenheitsspielern Spaß machen. Aber das in Konkurrenz zu setzen, mit einem ‘harten Fight’ auf Augenhöhe(!), also ganz unarrogant das Gegenüber als gleichwertigen Partner und Gegner zu akzeptieren anstatt sich ‘gönnerhaft auf seine Ebene herunterzulassen’ – was ist daran verwerflich? Warum soll man keinen Spaß daran haben, dem Mitspieler eine Falle zu stellen, sich an seiner Niederlage und auch an der eigenen zu erfreuen?

    Das Spiel, auch das mit Brett und Karten, lässt beide Haltungen zu und vieles dazwischen. Es bietet für jedes Naturell etwas. Das ist ein großer Vorteil dieses Mediums. ‘Ich wünsche mir andere Spieler’ hat etwas von ‘die Regierung möge sich ein anderes Volk wählen’. Es kommt doch wohl eher darauf an, die richtigen Partner für die eigne Spielweise zu finden, sowie sich auf die Spielweise seiner Mitspieler einzustellen.

    In der einen Runde bin ich gerne lieb und nett, in der anderen hinterlistig oder versuche es zumindest. Klar ist für mich, dass Anfänger – so sie es nicht ablehnen – immer auf die größten Fallen hingewiesen werden, ausreichend Tipps kriegen, um aktiv mitspielen zu können, um das Spiel kennenzulernen.

    Wer sich mit TCG beschäftigt und gerne den großen Zauberer, die giftende Hexe oder den siegreichen Ritter markiert, der sollte nicht nur einen Schwerthieb, sondern auch manchen dummen Spruch abkönnen. Dass man dabei sinnvollerweise darauf achtet, dass Spieler zusammenkommen, die auf einem ähnlichen Level sind, ist auch meiner persönlichen Meinung nach weder Aufgabe der Verlage noch der Spiele sondern des Veranstalters bzw. des TCG-Betreuers(!).

    Wenn denn ‘Betreutes Spielen’ nötig ist. Ich kenne jetzt die Erfahrung von Matthias nicht im Detail. Aber wenn es ein breit angelegentes Verhalten ist, dass man ‘verbissen’ spielt und Siege genüsslich auskostet, dann sind das die ungeschriebenen Spielregeln in diesem Kreis. Das gehört dazu. Wer andere Regeln möchte sucht sich dann seinesgleichen. Der ‘Betreuer’ sollte dann dafür sorgen, dass die richtigen Spieler zueinanderfinden.

    Zugegebenermaßen ist das etwas besserwisserisch formuliert, und ohne Kenntnis der persönlichen Erfahrungen von Matthias, aber so ein Rumhacken auf einen bestimmten – offensichtlich weit verbreiteten – Spielertypus, halte ich auch für unsozial. Das, was Matthias richtigerweise über die Eigenschaften des Spiels schreibt (hier direkte Kommunikation unter den Spielern dort Interaktion nur über die Spielzüge), gilt auf für die unterschiedlichen Spielertypen: Wer sich andere Spiele(r) wünscht, findet diese auch.

    Die Jury muss übrigens nicht die ‘besten’ Spiele herausfinden, sondern geeignete. Geeignet wofür? Neue Spieler zu gewinnen? Wenn es um das Kulturgut Spiel geht, dann doch wohl eher etwas Besonderes auszeichnen, das sich in einem Spiel wiederfindet. Eine gewisse Breitentauglichkeit ist sicherlich Voraussetzung, aber als alleiniges Kriterium ist es unzulänglich. Insofern sind Entscheidungen wie Qwirkle oder Keltis für mich ein Griff ins Klo. Hanabi dagegen hat ganz besondere Qualitäten: Ein – eigentlich massenuntaugliches – abstraktes Logikdenken wird in ein – noch dazu kooperatives – gut funktionierendes und unterhaltsames Spiel umgesetzt. Aufgrund der Erwartungshaltung an diesen Preis wäre für Hanabi vielleicht ein Sonderpreis angemessener gewesen, aber für mich ist diese jury-Entscheidung eine der besseren. Die Frage der Verkaufszahlen sollte da eher keine so große Rolle spielen, sofern die Zielgruppe nicht gerade zu sehr eingeschränkt wird.

    Für mich persönlich ist bei Jury-Entscheidungen wünschenswert, dass die Jury einer breiten Öffentlichkeit zeigt, was das Medium Spiel kann. Dass Spiel auch banal sein kann (und als solches durchaus Spaß machen), muss nicht mehr bewiesen werden. Verlage und Autoren stehen da natürlich auch in der Pflicht, entsprechend zu liefern …