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Verlagsvorstellung: Ludonaute

Mal zur Abwechslung wieder ein französischer Verlag :-)

Auf Ludonaute bin ich aufmerksam geworden, weil die das vielversprechende Offrande/Offerings im Programm haben. Ein paar Zeilen dazu schreib ich später, erst einmal das Interview!

Bitte Stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Ludonaute hat zwei Köpfe: Cédric und Anne-Cécile Lefebvre. Im echten Leben sind wir miteinander verheiratet, Eltern zweier kleiner Töchter, Physiklehrer und natürlich Vielspieler.

Cedric dachte sich schon als kleiner Junger Spiele aus und nach einer Teenagerphase voller Videospiele kam er zurück auf sein Haupthobby: Brettspiele. Das war auch der Zeitpunkt als wir uns kennenlernten und obwohl ich selbst nicht viel in meiner Jugend gespielt habe, wurde ich schnell vom Brettspielfieber erfasst. Bis zum heutigen Tage spielen wir begeistert Tag und Nact: Civilization, Caylus, Antike…So oft wie möglich spielen wir miteinander Zweierspiele wie Lost Cities, RFTG und seit neustem Gosu nach dem Mittagessen und nun spielen wir natürlich auch mit unseren beiden Kindern. Wir mögen alle Arten von Spielen, aber Cedric bevorzugt strategische “Eurogames” und mir geht es mehr um das Thema im Spiel. Auch ist es wichtig zu wissen, dass wir beide Mystic und Fantasy lieben.

Vor 5 Jahren hat Cedric wieder mit dem Spieleerfinden angefangen . Das Ergebnis sind Dutzende von Prototypen auf unseren Regalen; viele werden niemals veröffentlicht werden, aber da sind 2, 3 gute Spiele dabei. Nachdem wir es bei einigen Verlagen versucht haben (einige waren interessiert, uns aber nicht schnell genug) beschlossen wir im März 2009 unser “Offrandes” selbst zu veröffentlichen. Das war (und ist es immer noch) ein großes Risiko, denn wir sind beide in diesem Bereich völlig unerfahren. Wir haben dennoch Ludonaute gegründet und alle Höhen und Tiefen des Verlagswesen ausgelotet. Innerhalb unseren Verlages gibt es eine klare Aufgabenverteilung:

Cedric ist der Spieleautor: Er arbeitet vor allem am Mechanismus. Er ist auch der Graphker und ist für das Layout der Regeln und unserer Webseite zuständig. Ich, Anne-Cécile, bin für das Marketing Werbung und Produktion zuständig. Ich teste auch die Spiele als erstes und arbeite oft am thematischen Hintergrund der Spiele.
Ludonaute selbst ist ein sehr kleiner Verlag. Unser Ziel ist die Veröffentlichung von starken Themen und origineller Graphik. Wir wollen, dass die Spieler durch unsere Spiele durch Raum und Zeit reisen. Wir beginnen mit der Veröffentlichung von Cedrics Spielen, aber wir verschließen uns auch nicht den Spielen anderer Autoren.

Bitte erzähle uns mehr über eure Spiele!

Ich glaube, unsere Spiele sind so,wie wir Spiele mögen: Strategisch, eine Geschichte erzählend und immer unterschiedlich.

Unser erstes Spiel, “Offrandes” wurde im März 2010 veröffentlicht und ist ein Versteigerungsspiel, dass die 3-5 Spieler ins abtike Griechenland führt. Das Ziel des Spieles ist es, den Olympischen Göttern Tieropfer darzubieten. Um die Tieropfer an den richtigen Platz zu bringen, brauchen die Spieler die Hilfe von verschiedenen Charakteren, die sie sich ersteigern müssen.

Offrandes ist ein sehr intensives und strategisches Spiel, gedacht für Spieler, die Versteigerungen mögen, denn die stehen im Zentrum des Spieles. Das Plus bei Offrandes ist die Korruptionsphase, in der die Spieler sich gegenseitig die Charaktere streitig machen und die nie gesicherte Lage auf den Altaren im Tempel.

Unser zweites Spiel “Yggrasil” wird im März 2011 herauskommen. Es wirft die Spieler in die Nordische Götterwelt und sie dürfen Ragnarök nacherleben. Es ist ein koopertaives Spiel, in dem jeder Spieler einen nordischen Gott spielt (Odin, Thor, Freya, Tyr…) Zusammen müssen sie die Feinde von Yggdrasil bekämpfen und diese zum Rückzug aus Asgard zwingen. Die Spieler haben eine große Bandbreite an Aktionen zur Verfügung, müssen aber zusammenarbeiten, um den bösen Mächten zu wiederstehen. Das herausstechende Merkmal ist das clevere Management der Beutel (die Beutel stehen für die Inseln von Midgard, zu denen die Valkyren kommen und die Wikingerseelen bringen). Wir haben versucht das Spiel so eindringlich wie möglich zu gestalten. Es ist für bis zu 6 Spieler und dauert etwa 90 Minuten.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Im Moment endet unsere Zukunft im März :-) Wir sind im Moment vollauf mit der Veröffentlichung von Yggdrasil im kommenden März beschäftigt. Aber natürlich haben wir schon Projekte und Pläne. In unseren Schubladen ist ein Kartenspiel über Höhlenmenschen, ein Familienspiel übers kochen, ein weiteres über Götter… Wir planen nur 1 oder 2 Spiele pro Jahr herauszubringen, denn wir wollen die Spueke zu gut wie möglich machen!

For the moment, our future stops in March ;) We are now completely absorbed by the release of Yggdrasil. But, of course, there is no lack of projects and plans. We have in our cupboard a cardgame about cavemen, a family game about cooking, another game about Gods… We have planned to release 1 or 2 games per year because we want to spent time to make the games as perfect as possible.

Habt ihr abschließend noch Ratschläge für jeden, der ebenfalls Spiele im Eigenverlag herausbringen möchte?

Das erste was ich bei der Veröffentlichung von Offrandes gelernt habe, ist es auf die Erwartungen der Kunden einzugehen. Es ist nicht genug nur ein gutes, schönes Spiel zu veröffentlichen (natürlich ist das wichtig), sondern man muss auch den Markt kennen und mit Vertrieben, Läden, anderen Velagen reden und sich die Ratschläge merken.

Zweitens habe ich gelernt, dass wenn man Erfolg haben möchte, professionell arbeiten muss. Wenn ein Autor selbst veröffentlichen will ist das OK, aber er muss bedenken, dass er viel Arbeit und Zeit in den Verlag stecken muss und am Ende Geld verliert. Er kann dadurch sehr verbittert werden.

Last but not Least muss man seine Spiele auch durch Fremde testen lassen.

Auch möchte ich noch ergänzen, dass ein Verlagsredakteur ein ganz anderer Job ist als ein Spieleautor. Ein Redakteur muss auf wirtschaftliche Punkte achten, viel kommunizieren und andere Leute überzeugen. Fragt euch selbst, ob dass der Job ist, den ihr wirklich wollt!

Vielen Dank für das Interview!


Eigentlich wollte ich meine Ersteindrücke von Offerings (englischer Name von Offrandes) kundtun. Leider habe ich es aufgrund von 130 mittlerweile fast fertig korrigierten Klausuren noch nicht geschafft eine Partie zu spielen. Gekauft habe ich es mir in Essen vor allem aufgrund der guten Kritik von a) Bruno Faidutti und b) einem Mitspieler, der meinte es sei zur Zeit sein Lieblingsspiel “weil man da so schön gemein sein kann!”. Nun, den Eindruck kann ich zumindest aus dem Regelwerk bestätigen – ich freue mich jedenfalls auf meine erste Partie, nach der Regellektüre ist es jedenfalls unter den Top-3 (die anderen beiden sind Antics und Rallyman). Optisch ist das Spiel sehr schön, die Regel ist OK, wenn auch nicht optimal (lässt aber auch keine Fragen offen).

ciao
peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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