Es hat alles so harmlos angefangen: “White Zombie” hat im Spielbox-Forum einen Link auf einen Artikel der Süddeutschen gepostet, bei der es ums Spieleerfinden geht. Aus der Diskussion der Chancen eines Autors (vielleicht sollte ich dazu auch mal was schreiben) heraus kam es wieder zu einer Kritik an der Agentur Projekt Spiel von Christian Beiersdorf. Und plötzlich war der Thread gelöscht und ein anderer, damit zusammenhängender, Thread gesperrt.
Ich wurde nun per Email (von einem an der Diskussion Unbeteiligten) gebeten einmal die Faktenlage im Fall Projekt Spiel zusammenzutragen. Da es wohl Informationsbedarf gibt, versuche ich mal mein Bestes:
Im Juni 2004 begann das neue Verfahren von Ravensburger (Hier die Meldung auf Spielbox.de).
Das sieht im Wesentlichen vor: Wer unangefordert einen Spielevorschlag (ergo einen Prototypen) an Ravensburger schickt, der bekommt eine Rechnung über 65€, erst einmal nicht als Strafgebühr, sondern damit die Agentur von Christian Beiersdorf den Vorschlag prüft. In der ursprünglichen Erklärung gab es zwei Begründungen für dieses Verfahren: Zum einen sollten MÄDN-Klon-Autoren abgeschreckt werden, zum anderen sollte das Prüfen der Vorschläge aus Kostengründen gewissermaßen outgesourced werden, wie es so schön in Neudeutsch heißt.
Dieser Filter bezieht sich dabei explizit nur auf neue Autoren. Wer schon einen guten Draht zur Redaktion von Ravensburger hat, braucht die 65€ nicht zu bezahlen. Ebenso werden auf einigen Autorentreffen (vor allem Göttingen) auch Autoren direkt gebeten, ihre Protos einzuschicken. Auch die zahlen keine 65€.
Was ist in den letzten 6 Jahren passiert?
Zum einen ist die Anzahl der Spielevorschläge, die eingeschickt wird, tatsächlich gesunken (nicht weiter überraschend), laut Süddeutsche auf 300 pro Jahr (von 1500). Gesichert ist, dass bei Ravensburger zumindest bis Mitte 2007 kein einziges Spiel über die Projekt Spiel ihren Weg in den Verlag fand. Wahrscheinlich ist, dass dies immer noch nicht geschehen ist (Es fehlen jegliche Erfolgsmeldungen – auch auf der Seite von Projekt Spiel – Beiersdorf selbst hielt sich zu diesem Thema bedeckt und auch der Blick ins Verlagsprogramm zeigt im wesentlichen Hausautoren, Lizenzausgaben und Neuauflagen).
Projekt Spielhat immerhin einige Spiel in andere Verlage vermitteln können, z.B. zu Huch und zu Spiel + Spass.
Erwähnenswert erscheint mir an dieser Stelle, dass Projekt Spiel nicht nur “Türsteher” von Ravensburger ist, sondern auch unabhängig von Ravensburger als Agentur arbeitet (das macht es für Außenstehende auch etwas schwierig herauszufinden, welche der bei anderen Verlagen erschienenen Spiele tatsächlich über die Ravensburger Pforte bei Projekt Spiel landeten) und auch Spieleprojekte für andere Verklage u.a. auch Werbefirmen betreut.
Die Kritik an Projekt Spiel: Der Hauptkritikpunkt am Ravensburger Vorgehen ist weniger das Neuautoren quasi durch einen Filter müssen, sondern dass sie für diesen Filter bezahlen müssen. Viele Spielfirmen sortieren Einsendungen von Autoren aus, die sie nicht kennen. Einige (z.B. Steve Jackson Games oder Fantasy Flight Games) akzeptieren gar keine externe Einsendungen von Spielevorschlägen und senden alles unbesehen zurück. Ravensburger wälzt einen Teil der Kosten für die Einsendungen aber auf die Autoren ab, lässt diese also quasi für die Redaktionstätigkeit bezahlen. Zudem fungiert das Bezahlen selbst als Filter – das Filtern folgt also keinerlei inhaltlichen Kritierien.
Das Neuautoren einen schlechteren Status haben als bekannte Autoren ist nichts Neues. Das gilt nicht nur in der Spiele- sondern auch in anderen Branchen – man denke nur an die Musikbranche. Doch gerade dort gilt (wie auch bei Models oder Schauspielern), dass das Zahlen eines Beitrages an einen Agenten , bevor man Leistungen erhält, als unseriös gilt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man quasi gezwungen wird, einen Agenten zu benutzen, obwohl man das vielleicht gar nicht will. Agenturen können durchaus bei der Vermittlung von Spielen an Verlagen helfen (auch wenn mir das persönliche Erfahrungen bislang fehlen), aber in der Regel richtet sich der Autor dann direkt an den Agenten, weil er dessen Dienstleistung sucht. Er wird nicht quasi zwangsvermittelt (wobei das Gegenargument natürlich ist, dass Autoren nicht gezwungen sind, ihre Spiele bei Ravensburger unterzubringen). Auch die SAZ hat mittleweile eine ähnliche Stellungsnahme herausgebracht ( Projekt Spiel wird in dem Statement nicht erwähnt, was ich bereits angemerkt habe). (An dieser Stelle noch zwei Anmerkungen: 1. Hat der damalige SAZ-Vorstand die Vorgehensweise bei Ravensburger ausdrücklich begrüßt – dies wurde niemals zurückgenommen, auch wenn es sich mit der anderen Stellungsnahme offensichtlich nicht veträgt. 2. White Castle erlaubt es den Autoren nicht den Vertrag einzusehen, den sie mit dem Vertrag geschlossen haben. Dazu schreibe ich demnächst noch mehr)
Ein drittes Argument: Die 1200 Spielevorschläge, die jetzt weniger eingesendet werden, sind ja nicht weg, sondern nur bei anderen Verlagen gelandet. Es wurde damals befürchtet, dass dies andere Verlage zwingt, ebensolche Verfahren anzuwenden. Auch wenn Pegasus und Hasbro (andere) Agenturen vorgeschaltet haben, ist dies bislang glücklicherweise weitestgehend (noch) nicht geschehen.
Mein Hauptkritikpunkt ist aber: Wenn Projekt Spiel es in sechs Jahren tatsächlich nicht geschafft hat auch nur ein einziges Spiel an Ravensburger (um die geht es ja) zu vermitteln, dann ist das Ravensburger Verfahren schlicht unehrlich. Denn das heißt für mich: Man zahlt 65€ schließlich primär für die Chance bei Ravensburger zu veröffentlichen. Wenn diese Chance nicht exisitert, wofür habe ich dann bezahlt? Da wäre es ehrlicher Spielevorschläge direkt abzulehnen – und die 65€ als Strafgebühr zu bezeichnen (als dass sie wohl auch gesehen wird, im OT-Forum wurde sie jüngst mit der Strafgebühr für zu schnelles Fahren verglichen). Laut erwähnten Artikel werden übrigens nur 15% der Spiele bei Ravensburger vorgestellt – allerdings sind bei den 85% verbleibenden Prozent naturgemäß alle tatsächlich unpassenden Spiele mit enthalten. Aber auch das sollte den Autoren transparenter gemacht werden!
Auf der positiven Seite muss auch erwähnt werden, dass Projekt Spiel für die 65€ auch ausführliche Spielekritiken verspricht. Allerdings bekommt man nicht in allen Fällen einen – Glaubt man der (oben verlinkten) Urmeldung, werden Spielevorschläge wie MÄDN-Klone nicht ausführlich ausdiskutiert. Defacto zahlt man also für die Expertise von Christian Beiersdorf…
Und da möchte ich noch einmal kurz kommentieren:
… und so hilfreich das ist, möchte ich als Autor selbst entscheiden, ob ich das will oder ob mir ein Ablehnungsschreiben reicht. Ein Ablehnungsschreiben von einer Spieleredaktion, die mein Spiel gesehen hat, zumindest…
Qualitativ kann ich diese Expertise nicht beurteilen, weil ich sie nicht aus erster Hand kenne. Ein Autor äußerte sich aber durchaus positiv, wenn er auch einräumte, dass andere Verlage ähnliche Auskünfte kostenfrei angeboten hat (Hier die Quelle (ein lesenswertes Kurzinterview auf der Spieleautorenseite) und hier ein bisschen weiteres Material)
Soweit der Stand, so wie ich ihn sehe. Der Einsatz von Agenturen ist eines der Streitpunkte mit denen sich die Autorenszene näher befassen sollte. Weitere Punkte versuche ich nächste Woche aufzulisten.
ciao
peer
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“Der Einsatz von Agenturen ist eines der Streitpunkte mit denen sich die Autorenszene näher befassen sollte” – Hat eigentlich schon mal eine Fachzeitschrift in ihrer Printausgabe die Kritik an der Agentur zum Thema gemacht (Ich meine als redaktioneller Beitrag, der beide Seiten beleuchtet, nicht eine reine Newsmeldung, dass es die Agentur gibt)?
Hallo Malte! Meines Wissens nicht. Ich glaube Matthias Hardel hat mal was entsprechendes damals in seinem Editional für die Spielbox geschrieben. Mag mich aber täuschen. An einen ganzen Beitrag kann ich mich nicht erinnern.
Natürlich: Saz-News oder Spiel-und-Autor wären eher die passenden Blätter, die beziehe ich aber nicht.
Drei Bemerkungen:
1. Warum eigentlich Kritik an Projekt Spiel, um dann das Ravensburger Verfahren zu meinen? Ich bin freier Dienstleister und profitiere zugegebenermaßen von der Entscheidung des Verlags, Spielvorschläge durch mich prüfen zu lassen, um so Kosten und Resourcen zu sparen. Jeder Autor hat zudem die Möglichkeit, z.B. in Göttingen und Haar auch direkten Kontakt zu Ravensburger Redakteuren aufzunehmen.
2. Warum “Strafgebühr”? Der im Deutschen durchaus verbreitete Begriff “Schutzgebühr” trifft es wohl eher. Zielsetzung war und ist, die früher unglaublich hohe Zahl der kindlichen Mädn-Varianten etc. einzudämmen, um sich auf ernst gemeinte Spielvorschläge konzentrieren zu können. Diese haben dann sehr wohl eine Chance. Auch bei Ravensburger. Viele von Projekt Spiel vorgestellte Vorschläge werden monatelang oder sogar jahrelang dort geprüft, können also so schlecht nicht sein, auch wenn sie dann doch durch irgendein Marketingraster fallen oder im Wettbewerb zu anderen nicht bestehen. Der Autor zahlt bei Projekt Spiel in Bezug auf Ravensburger nur für die Prüfung, nicht für die Vermittlung, bekommt also ggf. sein volles Autorenhonorar.
3. Eine Vermittlung an andere Verlage kommt nur dann in Betracht, wenn Projekt Spiel von dem Spiel überzeugt ist und der Autor bereit ist, einen Agenturvertrag für dieses Spiel abzuschließen. Zu Essen erscheinen z.B. wieder zwei größere Spiele bei anderen Verlagen. Weitere dann in Nürnberg. Diese Chance zur Veröffentlichung inkl. der Optimierung vor der Präsentation nehmen sowohl “Newcomer” als auch schon bekannte Autoren wahr, die sich z.B. so eine zweite Chance für ihr schon ein, zweimal abgelehntes Spiel erhoffen. Und manchmal klappt’s ja auch. Viele Spiele wären ohne Agentur vermutlich nie herausgekommen. Kann sein, dass ich hierzu meine Kommunikation optimieren muss. Auch das wird im Laufe des Jahres noch geschehen.
Hallo,
zu 1: Da hast du natürlich Recht! Ich bitte ausdrücklich um Entschuldigung für meine in diesem Punkt z.T. etwas unsichere Trennung!
zu 2: “Strafgebühr” bezog sich ausdrücklich auf den Fall, dass Spielevorschläge bei Ravensburger tatsächlich keine Chance hätten. Dann läge eine “Strafgebühr” vor, wenn die eine reelle Chance haben, ists eine Schutzgebühr.
zu 3: Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Arbeit einer Agentur und ich sehe die Vorteile durchaus. Ich selbst probiere mit Cloudberry Games eine Mischung aus Agentur aus. In dieser Zusammenfassung ging es mir um den Ravensburger Weg des Vorschaltens einer Agentur.
|: 1. Warum eigentlich Kritik an Projekt Spiel, um dann das
|: Ravensburger Verfahren zu meinen?
Weil Projekt Spiel das Verfahren durchführt, auch das Geld einzieht.
Weil es darum geht durch die Auslagerung von Redaktionsarbeit von festen an freie Mitarbeitern Kosten auf die Autoren abzuwälzen:
|: Ich bin freier Dienstleister und profitiere zugegebenermaßen von der
|: Entscheidung des Verlags, Spielvorschläge durch mich prüfen zu lassen,
|: um so Kosten und Resourcen zu sparen.
Es ist defacto kein Unterschied, ob ein Autor eine Gebühr dafür zahlen muss, dass sich bei Amigo der Redakteur Uwe Mölter das Spiel anschaut oder bei Ravensburger ein externer Dienstleister.
Die Suche nach für die Veröffentlichung geeigneten Spielen ist übliche Redaktionsarbeit, die bisher immer vom Verlag finanziert wurde. Jetzt muss der Autor ‘für die unabhängige Agenturtätigkeit’ zahlen, auch ohne dass eine Vermittlung erfolgt.
|: Jeder Autor hat zudem die Möglichkeit, z.B. in Göttingen und Haar
|: auch direkten Kontakt zu Ravensburger Redakteuren aufzunehmen.
Nicht wirklich jeder. Wenn alle 300 oder 1500 dort auftauchten, würde es nicht funktionieren. Die Spieleautorentreffen sind eine gute Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Aber selbst dort hat man keine Garantie auf direkten kontakt mit den Redakteuren eines bestimmten Verlages. Der Hinweis ist Augenwischerei.
1500 Spielevorschläge pro Jahr sichten war (im Rückblick) sicher kein Pappenstiel. Ich setze mal pauschal jeweils eine Stunde für
– die Regellektüre (und das -verständnis),
– das Anspielen des Prototypen,
– die Beurteilung sowie für
– das sonstige Drumherum (interne und externe Kommunikation) an, dann komme ich so auf zusammen vier Stunden pro Spiel.
Bei 1500 Spielevorschlägen wären das 6000 Stunden = 150 Arbeitswochen = mind. drei voll beschäftigte Redakteure gewesen, die jeweils ein Jahr lang nichts anderes gemacht haben als Spielevorschläge sichten, bewerten und ggf. zurückzuschicken. (Plus die zusätzlich angefallenen Versandkosten!)
Ich habe da ein gewisses Verständnis, wenn ein Verlag nach Alternativen Ausschau hält und in Form der Auslagerung an eine Agentur (verbunden mit einer Bearbeitungs- bzw. Prüfgebühr) auch offensichtlich gefunden hat. Ob das der betroffene Autor nun gutheißen mag, steht sicherlich auf einem anderen Blatt; und ob die Spiele-Autoren-Zunft das gutheißen darf, nochmal auf einem anderen. Das Ziel sollte es jedoch sein, als Autor wie als Interessenvertretung, ernst genommen zu werden. Da kann man nicht immer nur gegen alles sein, sondern muss sich auch ein Stück weit den Verhältnissen oder veränderten Marktsituationen anpassen. Wie gesagt, gutheißen muss man es nicht, aber zumindest so verständnisvoll sein, um die Beweggründe anderer nachvollziehen zu können. Habe ich etwas oder jemand vergessen?
Darum frage ich jetzt mal etwas naiv in die Runde: Wenn zwei sich streiten, freut sich doch meistens ein Dritter, und könnte sich der mal bitte zu Wort melden? (Nein? Manno!)
Günter, eine Frage an dich, die ich durch ernst meine: Was würdest du tun, wenn dein Bambus Verlag jährlich 2.000 Prototypen zugeschickt bekäme? 3 Redakteure einstellen?
Hallo Thygra,
Die Frage ist ja wohl zunächst einmal: Warum bekam Ravensburger so viele Vorschläge zugeschickt, während das bei Bambus nicht der Fall ist?
Ravensburger ist ‘etwas’ größer, veröffentlicht ‘etwas’ mehr Spiele, diese mit einer ‘etwas’ größeren Auflage.
Der Bambus Spieleverlag kommuniziert auf seiner Webseite, das er KEINE Spielevorschläge annimmt, da Bambus vor allem dazu gegründet wurde, Spielevorschläge vom Inhaber zu veröffentlichen. Bambus bekommt trotzdem Spielevorschläge, meist per Email, ganz selten per Post.
Dafür gibt es eine Standardablehnung mit folgendem Text:
===========================================
Hallo,
vielen Dank für deine Anfrage
(als Autor erlaube ich mir mal das kollegiale Du).
Bambus ist jedoch ein sehr kleiner Verlag, in dem ich fast
ausschliesslich meine eigenen Spiele veröffentliche, so dass ich keinen
weiteren Bedarf an Spielevorschlägen haben. Auch ist es für Autoren
meist sinnvoller sich an Verlage mit besseren Vertriebsmöglichkeiten zu
wenden.
Ein paar Tipps zur Kontaktaufnahme zu Verlagen findest du auf der
Spieleautorenseite im Menü Verlagsfragebogen:
http://www.spieleautorenseite.de/verlage/index.html
Außerdem empfiehlt sich die Teilnahme an Spieleautorentreffen und
Spieleautorenwettbewerben:
http://www.bambusspiele.de/links/spieleautoren.htm
Und: teste das Spiel in unterschiedlichen Spielegruppen, mit anderen Testspielern und Autoren, nach Möglichkeit in Wohnortnähe. Gemeinsames Testen und gegenseitiger Erfahrungsaustausch bringt einen oft weiter:
http://www.spielbox.de/sbmain/clublist.php4
http://www.spielbox.de/phorum4/list.php4?f=3
http://www.startspieler.de/burg/test.htm
Viele Grüße und viel Erfolg,
Günter Cornett
=====================================
Ravensburger will ausdrücklich Spielevorschläge in Form von Spontaneinsendungen.
Und durch das Veröffentlichen von Pseudo-Spielen wie dem Ravensburger Sudoku vermittelt dieser Verlag seiner Kundschaft, welch niedriges Niveau ausreicht, um von Ravensburger veröffentlicht zu werden. Wer das schnelle Geld macht, indem er Sudoku auf ne Schachtel schreibt, hat es nicht besser verdient, als mit unsinnigen Spielevorschlägen zugeschüttet zu werden.
Das ist, als wenn jemand im Wald raucht und sich über die Kosten für die Feuerwehreinsätze beschwert. Da braucht es denn immer mehr Feuerwehr, schließlich eine Waldbenutzungsgebühr – nur damit man weiter im Wald rauchen kann.
Ein Verlag wie Ravensburger hat genug Möglichkeiten zu kommunizieren, welche Spiele er haben will und welche nicht, wie ein Anschreiben sinnvollerweise auszusehen hat, welche Fehler ein Autor vermeiden sollte. Teilweise nutzt er diese Möglichkeiten auch (Leitfaden), aber ganz sicher nicht genug. Er wählt die billigste Variante: Abwälzung der Kosten auf die betroffenen Autoren. Ich halte das für schäbig.
[Zur Vorgehensweise eines anderen Verlages: Noch viel schäbiger finde ich es allerdings, wenn die vom Verlag ausgesuchte Agentur mit diesem Verlag einen Vertrag über das Spiel des Autors abschließt, den dieser nicht einmal einsehen darf sondern sich mit einem Extrakt zufrieden geben muss, er aber 40% seiner Einnahmen an die Agentur abgeben muss.]
>|: 1. Warum eigentlich Kritik an Projekt Spiel, um dann das
>|: Ravensburger Verfahren zu meinen?
>
>Weil Projekt Spiel das Verfahren durchführt, auch das Geld einzieht.
>Weil es darum geht durch die Auslagerung von Redaktionsarbeit von
>festen an freie Mitarbeitern Kosten auf die Autoren abzuwälzen:
Aber das ist doch nur ein winziger Teil der eigentlichen
Redaktionsarbeit. Imho sollte jeder Verlag aus purem Eigeninteresse
die Voraussetzungen schaffen, dass sich die Redaktion das machen kann,
wofür sie eigentlich da ist, nämlich Spiele umzusetzen. Sich einen
Ersteindruck von Spielen zu verschaffen, die zu 95% sowieso abgeleht
werden ist einfach weniger wichtig…grade wenn es um eine große Anzahl
Spiele geht.
Dass das Kosten verursacht ist klar, in meinen Augen ist es ebenso klar,
dass die Kosten ab einer gewissen Höhe nicht mehr vom Verlag getragen
werden können.
Sehts mal andersrum: PS kann sich die Zeit nehmen, einem Spiel die Zeit
zu widmen, die es verdient hat. Genau die Zeit, die im normalen
Redaktionsalltag eben oft nicht gefunden werden kann. Wieso wird
eigentlich oft so getan, dass keine Gegenleistung für die
Bearbeitungsgebühr erhoben wird?
>|: Ich bin freier Dienstleister und profitiere zugegebenermaßen von
>|: der Entscheidung des Verlags, Spielvorschläge durch mich prüfen zu
>|: lassen, um so Kosten und Resourcen zu sparen.
>
>Es ist defacto kein Unterschied, ob ein Autor eine Gebühr dafür zahlen
>muss, dass sich bei Amigo der Redakteur Uwe Mölter das Spiel anschaut
>oder bei Ravensburger ein externer Dienstleister.
Für den Verlag ist es selbstverständlich ein Unterschied.
>Die Suche nach für die Veröffentlichung geeigneten Spielen ist übliche
>Redaktionsarbeit, die bisher immer vom Verlag finanziert wurde. Jetzt
>muss der Autor ‘für die unabhängige Agenturtätigkeit’ zahlen, auch ohne
>dass eine Vermittlung erfolgt.
Auch wir erhalten jedes Jahr mehr Spielvorschläge und sind vielleicht
irgendwann nicht mehr willens und/oder in der Lage diese an Abenden und
Wochenenden zu begutachten. Zumindest Ravensburger und Pegasus haben
Konsequenzen gezogen, ich wette mehr werden folgen.
Und dass es nicht immer zu einer Veröffentlichung kommen kann, ist ja
wohl klar, oder? Auch dem naivsten Autor wird es nicht überraschen, dass
sein Spiel bei Ravensburgen abgelehnt wurde. Die Chance wahrgenommen zu
werden wurde jedoch durch seine Zusammenarbeit mit PS gesteigert. Aber
das generell Ungleichgewicht zwischen der Anzahl an Spielvorschlägen und
der Anzahl der gewünschten Neuerscheinungen bleibt natürlich erhalten.
Wer bei Ravensburger veröffentlich werden will, hats eben schwer. DAFÜR
kann PS bestimmt nichts. ;)
Bernd Keller
-Redaktion-
AMIGO Spiel + Freizeit GmbH
P.S.: Hoffentlich klappt die ganze Quoterei ;)
Ich sags gerne noch einmal: Ich sehe eine Problem in der Ehrlichkeit. Von Amigo z.B. habe ich bereits einmal die Auskunft erhalten, dass sie z.Z. keine Prototypen annehmen, wiel sie zu viele haben (später lernte ich dann die Redaktion direkt kennen, aber das ist eine andere Geschichte) – das war eine klare Aussage und ich hab mich an einen anderen Verlag gewandt. Zu sagen: “Hey, wir haben keinen Platz für deinen Prototypen, aber für 65€ hast du vielleicht die Chance, dass es doch noch was wird”, wenn die Chance offenbar sehr gering ist, finde ichs kritischer.
Zu Göttingen: Sicherlich nicht “Augenwischerei”, aber doch etwas übertrieben positiv dargestellt. Bei meinem letzten Göttingenbesuch gabs nur einen Redakteur, der sich wirklich alle Spiele angeschaut hat. Under war ner von Ravensburger. Alle anderen Redakteure musste man ansprechen – wenn man sie denn kannte….
Aus Sicht des Verlages geht es bei der Sichtung von Prototypen nicht darum, dem Autor einen gefallen zu tun. Im Gegenteil: Der Verlag handelt im eigenen Interesse. Er möchte aus der Vielzahl der eingesandten Prototypen diejenigen herausfinden, die brauchbar sind. Das ist eine Arbeit im Interesse des Verlages, keine Leistung für Autoren. Sich diese Verlagsarbeit vom Autor bezahlen zu lassen, ist ein Armutszeugnis für den Verlag.
Anders sieht es aus, wenn der Autor an eine Agentur herantritt, mit der Bitte um Vermittlung. Und hier muss klar unterschieden werden zwischen der Arbeit für den Verlag (Begutachtung von unverlangten Einsendungen) und der für den Autor (Vermittlung von Spielevorschlägen).
Wenn ein Autor an einen Agenten herantritt, mit der Bitte um Vermittlung seines Spiels, dann ist es ok, wenn der Agent dafür einen bestimmten Prozentsatz nimmt um im Interesse des Autors das Spiel verschiedenen Verlagen vorzustellen. Wenn die Agentur das Spiel dabei durch eine entsprechende Spielregelgestaltung dahingehend aufwertet, dass es bessere Vermittlungschancen bei verschiedenen Verlagen hat, dann ist das eine gute sache. In einem solchen handelt die Agentur als Interessenvertreter des Autors. Ob 40% des Honorars für diese Leistung angemessen sind, ist eine andere Frage, ebenso wie die Honorarhöhe generell. Aber es grundsätzlich vom Autor zu honorieren. Dies betrifft Arbeiten wie die Vorstellung von Spielen durch Projekt Spiel bei Amigo.
Bei der Tätigkeit für Ravensburger handelt es sich aber ist Projekt Spiel Interessenvertreter Ravensburgers. Das zeigt sich schon daran, dass 85% der Spiele gar nicht erst Ravensburger vorgestellt werden. Autoren, die sich wegen Vermittlung an Ravensburger wenden, werden an die von Ravensburger ausgesuchte Agentur verwiesen. Es ist nicht Sache des Autors, den Interessenvertreter des Ravensburger Spieleverlages zu finanzieren.
Der Autor wünscht zunächst einmal eine Vermittlung bzw. Vorstellung des Spieles an Ravensburger. Stattdessen bekommt er eine Begutachtung. In 85% der Fälle wird noch nicht einmal ein Vermittlungsversuch gemacht. Das Sortieren ist Redaktionsarbeit.
Das gleiche Problem gibt es übrigens auch im Buchbereich, wo ebenfalls – rein rechnerisch gesehen – nur ein bis zwei Prozent der den Verlagen gemachten Vorschläge veröffentlicht werden. In BoDAktuell (aus 2007) gibt es zur Arbeit von Agenturen folgenden Kommentar:
“Bei der Suche nach einer seriösen Literaturagentur gibt es eigentlich nur eine Regel: Jede Agentur, die Geld direkt vom Autor verlangt, ist unseriös. Eine gute Agentur arbeitet erfolgsorientiert und erwartet erst nach der Vermittlung eines Manuskripts eine Entlohnung. Abzuraten ist auch von Agenturen, die zu einem Vorab-Lektorat raten, das der Autor zahlen soll. Selbstverständlich ist ein Manuskript noch kein perfektes Buch – das ist auch jedem Verlagslektor bewusst, dessen Aufgabe es ist, Perlen zu finden und durch ein gründliches Lektorat daraus ein Buch zu machen.”
http://www.bod.de/fileadmin/bod_de/downloads/gut_zu_wissen/GZW_Literaturagenturen.pdf
Noch etwas:
“Bei den analogen Spielen machte 2009 allein Ravensburger einen Umsatz von mehr als 293 Millionen Euro, 77 Prozent davon mit Spielen, Puzzles und Kreativprodukten. Gewinn insgesamt: 34 Millionen Euro. Ravensburger beschäftigt 1400 Mitarbeiter, darunter Produktmanager, Innovationsmanager, Verpackungsmittelmechaniker. Auch Spiele- Redakteure gibt es, vergleichbar den Lektoren beim Buch – aber keine Autoren. Denn die arbeiten selbständig.”
(Aus dem SZ-Artikel: http://www.sueddeutsche.de/karriere/beruf-spiele-autor-das-ass-im-aermel-1.984945 )
Ravensburger macht also mit analogen Spielen eine Rendite von mehr als 10%.
Da besteht überhaupt kein Kostendruck, Redaktionsarbeit von Autoren bezahlen zu lassen. Sie können mehr Redakteure einstellen. Selbst wenn sie ne halbe Million Euro pro Jahr mehr für Redaktionsarbeit ausgeben würden, würde die Rendite allenfalls im Promillebereich niedriger ausfallen – und das auch nur, wenn die Redakteure ihr Handwerk nicht verstehen.
Hans im Glück ist schließlich auch deshalb erfolgreich, weil sie gemessen an der Zahl ihrer Veröffentlichung relativ viele Redakteure beschäftigen.
[…] This post was mentioned on Twitter by spielbar.com, Wolfgang Friebe. Wolfgang Friebe said: Wenn die Spielbox den Thread löscht, geht er eben hier weiter: Projekt Spiel – Warum der Ärger? http://goo.gl/u4N1 […]
Die Redaktion eines Spieleverlags ist vergleichbar mit dem Wartezimmer in einer Arztpraxis. Dort kann sich auch nur eine bestimmte Menge Patienten in einer bestimmten Zeit aufhalten – und auf Behandlung warten. Oder in Züge passen nur eine durchnummerierte Anzahl Passagiere, dann sind alle Plätze besetzt; der Rest muss stehen oder draußen bleiben.
Man kann es nicht allen (v. a. gleichzeitig) Recht machen und die Aus- und Absage “wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen, bitte kommen Sie später wieder” wäre tatsächlich eine ehrliche. Da stimme ich Peer voll und ganz zu. Allerdings ist diese Ehrlichkeit von allen Verlagen gefragt, denn es kostet zwar den Autor anscheinend kein Geld, wenn er mehrere Monate (oder Jahre) auf eine Reaktion eines Verlages warten muss, aber befriedigend ist das auch nicht gerade.
@Christian: Wie lange sind denn die Wartezeiten, wenn man sich als Autor für eine Einreichung bei Projekt Spiel und die Bezahlung der Prüfgebühr entscheidet? Und um diese Angabe dann besser vergleichen zu können möchte ich ergänzen: bei maximaler Auslastung deiner Kapazitäten. Und gibt es bei dir auch Absagen aus Gründen der “Überfüllung”?
@Günter: Ich finde nicht, dass man einen Literaturagenten, der im Normalfall komplett unabhängig ist, mit den Agenturen, um die es hier geht, und deren Leistungsangebot vergleichen kann. Ich weiß von einem befreundeten Schriftsteller, dass Literaturagenten sehr genau auswählen, wen sie überhaupt vertreten und wessen Manuskripte sie den Verlagen vorstellen. Deine Schlussfolgerung, weil ein seriöser Literaturagent vorab keine Bezahlung verlangt das Gleiche auch für Projekt Spiel & Co. gelten muss, ist m. E. kausal falsch. Denn, der Literaturagent selektiert unter anderen Prämissen und ohne vertragliche Bindung an einen Verlag.
Ganz recht, Gerhard. Wie ich schrieb, kommt es darauf an, zu trennen zwischen Agenturtätigkeit für einen Autoren und Redaktionstätigkeit für den Verlag. Erstere entspricht der des Literaturagenten und der Tätigkeit von Projekt Spiel in Bezug auf andere Verlage als Ravensburger.
Christian Beiersdorf ist in Bezug auf Ravensburger nicht unabhängig. Es sollte derjenige seine Arbeit zahlen, für den er tätig ist. Und in dem Punkt bin ich sogar mit Christian einig: Es ist eine Ravensburger Gebühr. Ravensburger nimmt Geld für Redaktionsarbeit (Prüfung von Spielevorschlägen), auch wenn dieses Geld direkt durch den Dienstleister eingezogen wird.
Zum Vergleich mit dem Wartezimmer: Wenn du dein Verhältnis zum Verlag so definiert, dass du ‘verarztet’ wirst, dass es eine Leistung für dich ist, wenn der Verlag prüft, ob er mit deiner Arbeit Geld machen kann, dann setz dich ins Wartezimmer und zahl dafür.
Ein Autor, der stolz ist auf seine Arbeit, sucht sich einen passenden Verlag und verhandelt auf Augenhöhe. Insofern wirkt die Gebühr als Abschreckung für die Autoren, die ausreichend selbstbewusst sind, ihr Spiel als einen Wert ansehen, den sie anzubieten haben, und sich nicht als hilfesuchender Patient fühlen.
Christian bestätigt diesen Abschreckungseffekt ja auch im Interview auf http://www.reich-der-spiele.com/specials/ProjektSpiel , wo er sagt:
“…dass eine Reihe guter Nachwuchsautoren sich noch scheut, Spiele über Projekt Spiel an Ravensburger zu schicken und somit wegen 65 Euro die Chance nicht nutzt, bei einem erfolgreichen Verlag veröffentlicht zu werden.”
Er verkennt allerdings, dass die Chance von diesen guten Nachwuchsautoren offensichtlich als nicht hoch genug angesehen wird. Angesichts ausbleibender Erfolgsmeldungen (u.a. in der Erfolgsstatistik auf der PS-Webseite) muss man von einer Erfolgsrate von 0 Spielen in 6 Jahren bei insgesamt wohl über 1000 Einsendungen ausgehen.
Wer für eine Vermittlung zahlen soll und dabei rein rechnerisch nur eine 15% Chance darauf hat, dass überhaupt ein konkreter Vermittlungsversuch unternommen wird, geschweige denn eine Vermittlung tatsächlich erfolgt, weiß sein Geld sicher besser anzulegen.
Und wenn es gute Autoren sind, wie Christian schreibt, dürfte auch der Veredelungseffekt der Bearbeitung durch die Agentur eher gering ausfallen. Gute Autoren wissen wie man ein Spiel dem Verlag vorstellt bzw. finden das durch Erfahrungsaustausch mit anderen Autoren heraus.
Autoren, die sich als Verlagspatienten verstehen, kann man natürlich guten Gewissens empfehlen, die Praxisgebühr zu zahlen.
Die Prüfung dauert normalerweise maximal 8 Wochen (steht auch auf meiner Website und in jeder Eingangsbestätigung), meistens geht es schneller.
Ohne ein genereller Befürworter der Prüfgebühr zu sein (denn die könnte ja Ravensburger z. B. unter bestimmten Voraussetzungen auch teilweise oder ganz übernehmen, für Studenten die Hälfte o. Ä.), möchte ich ergänzen, dass bei allen Verlagen, mit denen ich als Autor zu tun hatte, die Einreichung eines Prototypen keineswegs selbstverständlich war. Diese selektieren sehr wohl auf Autorentreffen oder per E-Mail was und in welchem Umfang sie näher begutachten möchten (sprich, ob sie einen Prototypen überhaupt anfordern!).
Daher verstehe ich die Prüfgebühr zunächst als eine – für jedermann – käuflich erwerbbare Berechtigung auf Prüfung.
Rechnerische Vergleiche über die Chance vorgestellt zu werden, bleiben Milchmädchenrechnungen – man kann doch nicht Spielvorschläge auf dem Niveau von Mädn-Varianten mit ernsthaften Spielentwicklungen vergleichen.
Im übrigen werden auch die Werke von namhaften Autoren oft in den Redaktionen noch optimiert. Hier leiste ich auf Basis meiner Erfahrung bei “meinen” Autoren entsprechende und oft wirkungsvolle Vorarbeit. Das ist keine Garantie auf Veröffentlichung aber eine deutliche Chancenverbesserung.
1) Es ist rein organisatorisch nicht möglich, dass sich ein Redakteur in Göttingen alle Spiele anschaut. Dort waren meines Wissens mehr als 150 Autoren, und nicht wenige hatten mehr als 1 Spiel dabei. Wenn ich also mal von 250 Spielen ausgehe und von 8 Stunden Anwesenheit, dann hätte ich im Schnitt gerade mal 2 Minuten pro Spiel zur Verfügung. Wie soll das gehen?
Trotzdem ist es keine Augenwischerei zu behaupten, dass dort JEDER Autor die Möglichkeit hat, einen Redakteur anzusprechen. Es haben nur nicht ALLE Autoren die Möglichkeit, weil die Zeit eben nicht reicht. In diesem Punkt passt Gerhards Vergleich mit dem Wartezimmer oder einem Zug.
2) Wenn es um unverlangte(!) Einsendungen an Verlage geht, passt der Vergleich mit dem Wartezimmer oder Zug allerdings nicht mehr. Es liegt ja nicht unbedingt an der Anzahl der bereits vorliegenden Prototypen, dass ein Verlag weitere Prototypen ablehnt, sondern vielleicht auch an anderen Umständen, wie z. B. der zu erwartenden Qualität.
3) Günter schrieb:
>>>Aus Sicht des Verlages geht es bei der Sichtung von Prototypen nicht darum, dem Autor einen gefallen zu tun. Im Gegenteil: Der Verlag handelt im eigenen Interesse. Er möchte aus der Vielzahl der eingesandten Prototypen diejenigen herausfinden, die brauchbar sind.
Lieber Günter, ich finde es etwas übertrieben, dass du für andere Verlage beurteilst, was in deren Interesse liegt! Wenn es so wäre, wie du behauptest, würden es die Verlage ja selbst machen und nicht auslagern. Glaubst du wirklich, du weißt besser als Ravensburger, was in deren Interesse liegt? Du gehst offenbar davon aus, dass alle Verlage pauschal dieselben Interessen haben. Bitte mach dir klar, dass unterschiedliche Verlage unterschiedliche Interessen haben und somit auch unterschiedliche Entscheidungen treffen. Daraus kannst du nicht folgern, dass ein Verlag etwas tut, was seinem eigenen Interesse widerspricht.
4) Günter schrieb:
>>> Der Autor wünscht zunächst einmal eine Vermittlung bzw. Vorstellung des Spieles an Ravensburger. Stattdessen bekommt er eine Begutachtung.
Das kann man doch nicht voneinander trennen! Ohne Begutachtung geht es nicht, egal ob über eine Agentur oder direkt im Verlag. Ein Prototyp muss begutachtet werden, so oder so. Es macht für die Begutachtung keinen Unterschied, ob der begutachtende Redakteur intern im Verlag arbeitet oder extern beauftragt wird.
Eine Begutachtung ist eine Dienstleistung. Mir ist nach wie vor unklar, Günter, woher du das Selbstverständnis nimmst, dass ein Verlag diese Dienstleistung kostenlos anbieten muss.
5) Der Vergleich zwischen Ravensburger und Hans im Glück hinkt, weil beide Verlage sehr unterschiedliche Philosophien verfolgen.
Diese Prüfung bei anderen Verlagen findet vorgelagert statt. Die Redakteure prüfen den Spielevorschlag aufgrund einer Emailbeschreibung oder direkt am Prototyp, ob sie das Spiel anfordern. Wenn dann schon klar ist, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ins Programm passt, wäre es unsinnig, den Prototypen anzufordern, und unseriös, dafür auch noch Geld zu nehmen, wenn praktisch keine Vermittlungschance besteht.
Diese Vorprüfung gehört zur Redaktionstätigkeit. Für Ravenburger übernimmt PS eine solche Vorprüfung, was man daran erkennen kann, dass nur 15% der Spiele Ravensburger vorgestellt werden. Es ist Unsinn, Spiele zwecks Prüfung anzufordern, wenn schon aufgrund einer Emailbeschreibung erkennbar ist, dass kaum Aussicht auf Vermittlung besteht. Solchen Einsendern eine Berechtigung zu verkaufen, die darin besteht, zu prüfen, ob der Spielevorschlag prüfwürdig ist, ist ein wirklich innovatives Geschäftskonzept. ;)
Thygra schreibt:
|: Günter, eine Frage an dich, die ich durch ernst meine: Was würdest du tun,
|: wenn dein Bambus Verlag jährlich 2.000 Prototypen zugeschickt bekäme?
|: 3 Redakteure einstellen?
|:
|: 5) Der Vergleich zwischen Ravensburger und Hans im Glück hinkt,
|: weil beide Verlage sehr unterschiedliche Philosophien verfolgen.
ROFL
Also ich lege Wert auf die Feststellung, dass Bambus sich in seiner Philosophie und überhaupt wesentlich stärker von Ravensburger unterscheidet als Hans im Glück. :)
|: 3) Günter schrieb:
|: >>>Aus Sicht des Verlages geht es bei der Sichtung von Prototypen nicht
|: darum, dem Autor einen gefallen zu tun. Im Gegenteil: Der Verlag handelt
|: im eigenen Interesse. Er möchte aus der Vielzahl der eingesandten
|: Prototypen diejenigen herausfinden, die brauchbar sind.
|:
|: Lieber Günter, ich finde es etwas übertrieben, dass du für andere Verlage
|: beurteilst, was in deren Interesse liegt!
Ich beurteile es nicht generell sondern nur im Hinblick auf die Frage, weshalb ein Verlag Spielevorschläge prüft. Welches andere Interesse könnte ein Verlag noch haben, Spielevorschläge zu prüfen, wenn nicht, weil er etwas Veröffentlichungswürdiges sucht?
– Geld durch Prüfungsgebühren einnehmen
– gelangweilte Redakteure bespaßen
– Briefträgern Arbeit geben
Sorry, aber mir fällt dazu beim besten Willen nichts Sinnvolles ein.
Warum prüfst du Spielevorschläge, wenn nicht um herauszufinden, ob sie ins Verlagsprogramm passen?
Jemand, der noch nie in einer Redaktion gearbeitet hat, kann nicht wissen (nur ahnen) wie es ist ein Redakteur zu sein. Jemand, der noch nie in einem Verlag gearbeitet hat, kann nicht wissen (nur ahnen) wie es ist ein Verleger zu sein. Jemand, der noch nie in einer Agentur gearbeitet hat, kann nicht wissen (nur ahnen) wie es ist ein Agent zu sein. Und jemand, der noch nie ein “geistiges Kind gezeugt hat” sprich Autor ist, kann nicht wissen (nur ahnen) wie es ist ein Autor zu sein. Wer kann schon alles wissen?
Ist nicht Einfühlungsvermögen meistens hilfreicher als bloßes Wissen? Ich würde niemandem, der meinen Rat sucht etwas pauschal als “das einzig Richtige” empfehlen, aber ich würde versuchen zu verstehen, was das Richtige für ihn sein könnte!
@Günter: Sind nicht alle hier ständig auf der Suche nach Innovationen?
Günter schrieb:
>>>Also ich lege Wert auf die Feststellung, dass Bambus sich in seiner Philosophie und überhaupt wesentlich stärker von Ravensburger unterscheidet als Hans im Glück. :)
Toller Kommentar, völlig an der Sache vorbei. Es ging hier nicht darum, einen Verlag zu finden, der sich möglichst stark von Ravensburger unterscheidet. Es ging darum zu zeigen, dass sich die Philosophie von HiG stark von Rav. unterscheidet.
Wenn du unbedingt Bambus in die Diskussion einbringen möchtest, dann beantworte mir doch bitte noch meine Frage aus Kommentar Nr. 7! :)
Günter schrieb:
>>>Sorry, aber mir fällt dazu beim besten Willen nichts Sinnvolles ein.
Warum prüfst du Spielevorschläge, wenn nicht um herauszufinden, ob sie ins Verlagsprogramm passen?
WENN ich Spielevorschläge prüfe, dann natürlich aus diesem Grund. Aber OB ich Spielevorschläge prüfe, kann aus anderen Gründen anders bewertet werden. Als freier Redakteur für Pegasus kann ich klar sagen, dass es ZUR ZEIT nicht im Interesse von Pegasus liegt, UNVERLANGTE Spielvorschläge zu prüfen. Auf diesem Grund macht Pegasus es im Moment nicht mehr. Das kann sich irgendwann auch wieder ändern, wenn sich die Verlagssituation geändert hat. Aber im Augenblick ist es das Beste für Pegasus, so zu verfahren. Und DU kannst sicher nicht beurteilen, ob das stimmt oder nicht, genauso wenig wie du es für Ravensburger beurteilen kannst.
André Bronswijk (Thygra)
Wie gesagt: Wenn ein Verlag keine unverlangten Spielevorschläge nemen will, ist das völlig in Ordnung – nur sollte er das klar sagen. Ravensburger sagt das nicht klar, wohl auch weil sie natürlich im Zweifelsfall das neue Dominion nicht verpassen wollen. Ich denke das ist der einzige Grund, warum sie nicht einfach den Weg anderer großen (amerikanischer) Verlage gehen und Neuvorschläge komplett ablehnen. Man kann aber nunmal nicht beides haben…
Das Redakteure in Göttingen nicht jedes Spiel ansehen können, ist mir auch klar. Aber es sollte auch klar sein, dass gerade Neulinge keine Erfahrungen haben, Redakteure anzusprechen, bzw. diese überhaupt zu erkennen. Selbst Klaus Teuber hatte da mit Barbarossa Probleme. Deswegen ist der lapidare Hinweis auf Göttingen, was Neulinge betrifft etwas zu vereinfachend in meinen Augen.
Was den Vergleich mit HiG und Ravensburger betrifft: Günter wollte sicherlich lediglich sagen, dass Redaktionsarbeit mit Aufwand sich durchaus lohnen kann. Das Ravensburger einen anderen Ansatz verfolgt ist klar – und letztlich eben genau der Grund für diese Diskussion. Sie machen eigentlich hauptsächlich Auftragsarbeiten, Neuauflagen und “Große Autoren”-Spiele. Sie wollen eigentlich keine “Neulingsspiele” machen. Da sie sich nun aber nicht trauen (vereinfachend ausgedrückt) zu riskieren, den Hit zu verpassen, machen sie einen Kompromiss. Ihnen ist diese Chance aber nicht so viel wert als das sie dafür viel Geld ausgeben wollen würden – und daher muss der Autor zahlen. Und damit zahlt der Autor für die Verlagsphilosophie – ist das gerecht? Kaum.
Zum Glück ändert sich der Markt ja soweit, dass wir Autoren bald fast so viel Auswahl an Verlagen haben, wie die Verlage an Autoren ;-)
Antwort auf Kommentar 23 (Thygra):
Nicht ich bringe Bambus in die Diskussion sondern du.
Deine Frage aus Kommentar 7 habe ich in Kommentar 8 beantwortet.
Ergänzendes findest du in Kommentar 12.
Wenn Bambus so erfolgreich wäre, dass Bambus 2000 Spielevorschläge bekäme, hätte Bambus auch genug Geld, um die Redakteure zu entlohnen. Bambus würde von den 34 Millionen eine halbe Million für zusätzliche Redakteure zur Verfügung stellen. Außerdem würde Bambus in den Spielen darauf hinweisen, dass keine unverlangt eingesandte Spielevorschläge angenommen werden. Dass Spieleautoren standardisierte Spielbeschreibungen über eine Webseite an Ravensburger schicken können. Auf der Webseite steht dann auch, welche Spiele gesucht werden, was ein Autor tun und unterlassen sollte, wo er sich informieren und weiterbilden kann. Eingsandte Prototypen werden zusammen mit diesen Hinweisen ungetestet zurückgesandt.
Also im Prinzip die ausführlichere Version dessen, was Bambus bereits jetzt tut und ich in Kommentar 8 beschrieben habe.
Das Wichtigste aber: Wenn es ein Problem gibt, gleich welcher Art: nach den Gründen suchen und diese nach Möglichkeit abstellen. Auch das habe ich bereits in Kommentar 8 beschrieben.
Prozentual gesehen, bezogen auf Umsatz, Gewinn und Manpower erhält Bambus an Spielevorschlägen ein Vielfaches von dem, was Ravensburger vor Gründung von ProjektSpiel erhielt. Und ja, es ist lästig. Und ja, es hat sich gelohnt, trotz meiner Ablehnungsemails.
Mal ein Vergleich: Ein großes Unternehmen würde sagen, dass es Initiativbewerbungen nur dann anschaue, wenn der Bewerber 65 Euro überweist. Weil zu viele Nichtskönner und Selbstüberschätzer die Waschkörbe füllen. Nachvollziehbar, aber würde man dabei mitspielen? Nein. Weil man unter Umständen schon die Anfahrt zum Vorstellungsgespräch bezahlen muss. Nein, denn es ist für mich ein perfides Spiel mit der Hoffnung jedes einzelnen.
Wenn man keine Zeit zum Sichten der zuvielen Vorschläge hat, dann soll man das sagen und einige wieder zurückschicken. Machen Firmen auch, die sortieren – ob ihrer Hilflosigkeit – bei Bewerberfluten teilweise nach Kriterien wie Umschlagfarbe.
@Peer: Der Autor zahlt nicht für die Verlagsphilosophie, sondern für eine Dienstleistung. Er muss das Angebot ja nicht annehmen. Bernd Keller hatte oben bereits darauf hingewiesen, dass hier fast niemand zur Kenntnis nimmt, was der Autor für die 65,- bekommt. Er bekommt (zumindest nach meinem Kenntnisstand) nicht nur eine simple Ablehnung, sondern eine ausführliche Begutachtung.
Weiterhin fehlt in der Diskussion noch der Hinweis darauf, dass der Autor nicht der einzige ist, der Projekt Spiel bezahlt. Auch Ravensburger bezahlt Projekt Spiel für die Dienstleistung. (Zumindest ist auch das mein Kenntnisstand.) Denn für die gebotene Leistung wären 65 Euro niemals ausreichend. Der Autor zahlt also nicht die ganze Dienstleistung, sondern lediglich eine Art Eigenanteil. (Wie beim Arzt… ;))
Da muss ich dir widersprechen, Peer:
1. Ravensburger sagt doch ganz klar, dass sie sehr wohl an neuen Spielen interessiert sind, das aber der Weg für unverlangte Einsendungen eben über Projekt Spiel geht. Dieser Weg ist übrigens für die Autoren wesentlich besser, als das von dir benannte Verfahren bei Hasbro, Pegasus und vielen amerikanischen Verlagen. Hier muss der Autor neben der Prüfungsgebühr noch zusätzlich 40-50% bei erfolgreicher Vermittlung zahlen. Bei Ravensburger bekommt er das volle Honorar.
2. Ich habe gerade mal die Autoren im aktuellen Ravensburger Katalog durchgezählt. Ich komme auf ca. 14 Autoren bzw. Autorenteams (ohne Klassiker wie Memory, Malefiz etc.), deren Namen weniger bekannt sind. Darunter auch die Autoren des Bestsellers “Make’n’Break”. Egal, wie sie zum Verlag gekommen sind – entscheidend ist immer die Qualität.
Aus der Urmeldung war zu entnehmen, dass er nicht immer eine Begutachtung bekommt. Ob sich das geändet hat, wird nur Christian beantworten können, aber ich nehme mal nicht an, dass der MÄDN-Kloner, um den es zumindest ursprünglich laut Ravensburger geht, tatsächlich eine Begutachtung erhält. Er bekommt also die eigentliche Dienstleistung gar nicht. ER zahlt für die Verlagsphilosophie – dabei ist es unerheblich wieviel Prozent er davon trägt.
Marcs Beispiel ist nicht schlecht gewählt: Man bewirbt sich und hat nur eine Chance, wenn man 65€ bezahlt. Dafür bekommt man dann auch ein ausführliches Ablehnungsschreiben – ich glaube nicht, dass eine solche Firme eine solche Praxis lange beibehalten dürfte… ;-)
@ Marc: In deinem Vergleichsfall ist von Menschen die Rede, im anderen Fall von Konzepten bzw. Spielvorschlägen. Auch wenn das nicht immer so leicht zu trennen ist, kann man das nicht direkt vergleichen. Und darin scheint mir auch ein grundsätzliches Verständnisproblem zu bestehen: Die Autoren wollen im gleichen Atemzug mit ihrem Spiel und dem Verlag, der es veröffentlicht, genannt werden. Das ist durchaus berechtigt, aber das finanzielle Risiko trägt allein der Verlag. Und da habe ich, wie gesagt, Verständnis dafür, wenn nach geeigneten Prüfmethoden und -verfahren gesucht wird. Vielleicht ist nur noch nicht die optimale und alle zufrieden stellende Lösung gefunden worden.
Im Übrigen landen bei Blindbewerbungen diese auch ungesehen im Papierkorb. Hab ich alles erlebt und das bei einem kleinen (!) Unternehmen.
Das ist ja schon fast eine Videokonferenz hier – und bislang auch sehr ziviliiert – danke schön so zwischendurch an alle Beteiligten!
@Christian: Ich nehme auch an, dass die Autoren bei dir die Verträge einsehen können, die sie mit den Verlagen schließen, oder? Insofern agierst du autorenfreundlicher als White Castle.
Aber: Wie du ja schon richtig schriebst: Es geht nicht um die Agenturen per sé sondern um das Verfahren.
Antwort auf Kommentar 28 Christian Beiersdorf
1a) Ja, Ravensburger will Spielevorschläge von neuen Autoren, aber die Kosten für die Sichtung auf die betroffenen Autoren abwälzen. Angesichts Umsatz, Gewinn, Größe des Unternehmens eine peinliche Krämerei für einen der Marktführer.
1b) ja bei der Konkurrenz ist es noch ne Ecke schlimmer. Das stimmt. Und wenn wir Autoren nicht den Anfangen wehren, bzw. weil wir es nicht genug getan haben, besteht die ernste Gefahr, dass es in Zukunft noch schlimmer wird.
2.) Ja, wie kommen die denn zu Ravensburger? Du drückst dich immernoch um die klare Beantwortung der Frage herum, ob es denn überhaupt ein Spiel durch ProjektSpiel zu Ravensburger geschafft hat.
Stattdessen drohst du für kritische Beiträge im Spielboxforum, die u.a. auf diesen Umstand hinweisen, der Spielbox und mir mit juristischem Vorgehen.
Lässt sich eigentlich eine Marke wie Ravensburger noch leichter demontieren als durch solche Methoden?
Jeder Autor erhält bei Projekt Spiel – wie in dem online einsehbaren Agenturvertrag unter § 9 festgehalten – eine Kopie des Vertrags und wird selbstverständlich auch vor einem anstehenden Vertragsabschluss informiert.
Ich habe mich noch nie einer sachlichen Diskussion verschlossen. Gegen Verleumdungen, die mit Ruf und Geschäftsschädigung einhergehen, werde ich aber konsequent und mit allen Mitteln vorgehen.
Günter, Punkt 2 hätte jetzt nicht sein müssen – bislang blieb die Diskussion rein auf der sachlichen Ebene und da sollte sie auch bleiben! Es besteht zudem auch die Gefahr das sich jetzt jeder auf Punkt 2 einschießt, und Punkt 1 ausser acht gelassen wird.
Noch was: Das Autoren über die Prüfgebühr nicht begeistert sind, ist ja völlig logisch und nachzuvollziehen. Wir haben es aber nun mal bei Spielen mit Werken zu tun, bei dem jedes Kind, jeder Mensch, der meint eine Spielidee zu haben, diese gern anbieten möchte. Vorzugsweise bei der bekanntesten Marke. Aber mittlerweile auch zunehmend bei den anderen und kleineren Verlagen – siehe Reaktion Pegasus. Es gibt kein Grundrecht auf Bearbeitung, nicht mal auf Rücksendung von unverlangten Einsendungen. Im Buchbereich landen viele Manuskripte im Papierkorb. Da halte ich dieses Verfahren dann allemal für fairer.
Bei der aktuellen Situation kann man noch sagen, das der Autor für seine 65€ auch eine Dienstleistung erhält: die Begutachtung. Aber es ist ja eben auch davon die Rede, das das auch andere Verlage machen wollen/müssen. Wie sieht es denn dann aus, wenn jeder Verlag sowas vorgeschaltet hat? Man kann doch schon lange nicht mehr von einer Dienstleistung sprechen, wenn man zur zehnten Ablehnung noch eine zehnte Begutachtung erhält und insgesamt schon 650€ gezahlt hat.
Wenn man soweit ist, dann ist es als Neuling schlichtweg nicht mehr zu bezahlen. Man kann ja nicht hunderte Euros in den Sand setzen, nur damit man es mal versucht hat. Viele Gute Spiele werden abgelehnt, weil es entweder einfach noch bessere gab oder sie aktuell nicht ins Programm passen. Und das kann dann auch bei vielen Verlagen passieren.
Von 1500 Einsendungen muß ein Verlag doch nicht alle 1500 Stück mehrere Stunden begutachten. Ich fände es den Autoren gegenüber viel fairer, wenn man erstmal nur eine E-Mail mit eine Beschreibung und den Regeln entgegen nimmt. Eine 5-10 min Beschreibung reicht locker aus, um schon die ganzen Spiele der “MÄDN-Klon”-Kategorie auszuschließen. Ausserdem reicht es aus, um alles rauszusieben, das nicht ins Verlagsprogramm passt. Wenn man anhand einer Beschreibung eine CoSim erkennt und der Verlag sowas nicht macht, dann muß man das doch nicht vier weitere Stunden testen.
Danach dürften die 1500 schon deutlich zusammen geschrumpft sein und vom Rest kann man sich die Regeln durchlesen. Sind die total wirr oder zeigen sie, das das Spiel trotz der Beschreibung witzlos ist, dann hat man immer noch nicht soviel Zeit investiert. Danach kann man von guten Spielen immer noch Protoypen anfordern.
@Florian: So wird es ja meist auch gemacht. Die meisten Verlage lassen sich erst nur die Anleitungen schicken. Und natürlich lassen sich dadurch schon einige Spiele aussieben. Aber vor allem komplexere Spiele kann man selten nur nach einem Regelstudium einschätzen. Und da bleiben immer noch mehr Spiele übrig, als man in einer Redaktion durch Spielen eines Prototypen ausprobieren kann.
Letztendlich kann man diese Diskussion nicht pauschal führen. Man muss die Situation jedes Verlags individuell betrachten. Und darum wird es auch nicht dazu kommen, dass irgendwann alle Verlage dieses Modell fahren. Insofern ist es müßig, sich über diesen theoretischen Fall Gedanken zu machen.
Wobei es mich nicht so stört, wenn ein Manuskript im Papierkorb landet, da ich es sowieso neu ausdrucke, wenn ich es an einen neuen Verlag schicke. (Aber eine Rückmeldung wäre schön, wenn auch nur per Mail, damit ich weiß, dass der Verlag nicht daran interessiert ist.) Prototypen möchte ich nicht andauernd basteln müssen, deshalb wäre es schöner, wenn die wieder zurückkommen.
Vielleicht könnte man auch auf den Informationsseiten erklären, was unter einem Mädn-Klon fällt, am besten an Beispielen.
@der drei: Wenn du vorher beim Verlag nachgefragt hattest und dessen Okay hattest, einen Prototypen einzuschicken, dann hast du natürlich ein Anrecht auf die Rücksendung. Aber wenn du UNVERLANGT einen Prototypen an einen Verlag schickst, dann hast du meines Erachtens kein Anrecht darauf, ihn zurückzuerhalten.
Ich frage immer vorher per Mail an, ob sie daran interessiert sind. :)
Niemand behauptet oder fordert ‘ein Grundrecht auf Bearbeitung’. Wenn unverlangt eingesandte Werke (die keinen wesentlichen Materialwert haben) vernichtet werden, ist das ok. Bei der Kritik geht es – und ich wundere mich darüber, dass das für manche so schwer zu verstehen ist – darum, dass für die Sichtung von Spielevorschlägen eine Gebühr verlangt wird, nicht: dass jeder Spielevorschlag geprüft wird.
Im Fall von Ravensburger liegt – angesichts des Ausbleibens von (Nennung von) Vermittlungserfolgen in den letzten 6 Jahren – die Chance auf eine Veröffentlichung bei Ravensburger rein rechnerisch nahe Null. Dennoch für eine Prüfung, ob das Spiel Ravensburger vorgestellt werden kann, mit einer solch geringen Vermittlungswahrscheinlichkeit eine Gebühr von 65,- zu verlangen fair zu nennen, halte ich für dreist.
Den Wunsch nach Vermittlung eines Spielevorschlags an Ravensburger dazu zu benutzen, eine andere Dienstleistung (Prüfbericht) zu verkaufen, halte ich bei einer so geringen Vermittlungschance nicht für seriös. Christian Beiersdorf kann hier mögliche Missverständnisse locker ausräumen, in dem er möglicherweise erfolgte Vermittlungen einfach benennt.
Und die Behauptung der Geschäftsschädigung möge belegt werden oder unterbleiben. Bisher wurde zwar der Vorwurf gegen mich erhoben, aber mir gegenüber noch nicht einmal konkrete Punkte benannt, es war lediglich von ‘unverschämtes Gerotze – leider typisch Günter’ die Rede. Geschäftsschädigend ist sicherlich eine solche Ausdrucksweise anstelle konkreter Argumente.
Sollte ich irgendwo etwas ungenau oder womöglich inhaltlich falsch wiedergegeben haben, so braucht es schon einen entsprechenden Hinweis. Wenn ich auf Fehler hingewiesen werde oder sie selbst bemerke, korrigiere ich sie selbstverständlich. Das habe ich in der Vergangenheit bereits einige Male getan. Ich erwarte also eine Konkretisierung (gern in Form eines anwaltliches Schreibens, gleichwohl genügt auch eine einfache Email) oder eben eine Rücknahme dieses rufschädigenden Vorwurfs.
PS: Anwaltskosten für die nicht erfoderliche Einschaltung eines Anwalts übernehme ich natürlich nicht.
Ein Vermittlungsversuch: Für den einen ist Rot die Farbe der Liebe, für den anderen die gleiche Farbe ein rotes Tuch.
Nur weil es offensichtlich keine direkte Vermittlung an Ravensburger gegeben hat, heißt das m. E. noch lange nicht, dass das ganze Verfahren unseriös ist. Interessant wäre natürlich schon, wieviele es fast geschafft haben. Ist ja leider ein Problem unserer Gesellschaft, das zweite und dritte Plätze nicht so wohlgelitten sind wie der Gewinn des Meistertitels. Für mich persönlich macht es zumindest einen großen Unterschied, ob es ein dutzend mal fast zu einer Veröffentlichung gereicht hat, weil darüber entscheidet dann ja letztlich Ravensburger und nicht Projekt Spiel.
Ganz subjektiv habe ich den gelöschten Thread im spielbox-Forum, initiiert von “White Zombie” übrigens auch als geschäftsschädigend empfunden. Allerdings nicht allein durch Günter, das war die Summe auch der Beiträge Anderer, allen voran der Initiator, der aber anonym gepostet hat.
Anonymität im Internet ist ein Segen und Fluch zugleich. Ein Segen deswegen, wenn eine kontroverse Meinung nicht ins Private bzw. Berufliche zurückverfolgt werden kann, ein Fluch, wenn dieselbe Meinung eben ruf- oder geschäftsschädigende Auswirkungen hat (oder so empfunden wird). An einer ursprünglich anonymen Diskussion sollte man eigentlich nicht teilnehmen. Das nur zur Moral.
Als SAZ-Mitglied habe ich es bedauert, dass Günter aus der Spiele-Autoren-Zunft ausgeschlossen wurde. Inhaltlich hat(te) er eine Menge zu bieten, auch hier. Im Gegensatz zu ihm, sind viele SAZ-Mitglieder vielleicht zu “leise” und er ist (oder war) einfach manchmal zu “laut”. (Er selbst hat unter seinem derzeit gesperrten spielbox-Profil sinngemäß über sich geschrieben, dass seine diplomatische Ader nicht so gut ausgeprägt sei). Ich wäre im übrigen froh darüber, wenn die Sperre im spielbox-Forum wieder aufgehoben werden würde und der Thread auf die substanziellen Beiträge reduziert wieder öffentlich zugänglich wäre. Denn jede Form von pauschaler Zensur ist auf Dauer schädlich.
Zahlen gibt es schon: nur 15% der Einsendungen an Projekt Spiel werden direkt im Ravensburger Verlag überhaupt vorgestellt. Das ist schon mal eine niedrige Quote, wenn man bedenkt, dass der Autor sich zwecks Vermittlung an ProjektSpiel wendet. Wie oben den BoDAktuell-Artikel zitiert gilt es in der Buchbranche (auf die CB sich ja auch gern bezieht) als unseriös, Geld zu nehmen bevor eine Vermittlung erfolgt.
Der Beitrag von White Zombie bestand aus einem Extrakt des Artikels (auf den Peer auch hier Bezug nimmt). Das war informativ und nachvollziehbar. Insofern hatte die Anonymität für mich nichts Unseriöses. Das wäre es für mich nur, wenn jemand im Schutz der Anonymiät Stimmung machte oder nicht nachweisbare Behauptungen aufstellte.
Wenn die Fakten geschäftsschädigend sind, dann liegt es in diesem Fall an den Fakten, nicht an der Diskussion darüber. Es muss Autoren möglich sein, offen über Praktiken von Agenturen zu diskutieren und ihre Interessen in der Öffentlichkeit wahrzunehmen. Natürlich kann auch die Veröffentlichung wahrer aber vertraulicher Fakten rechtswidrig sein (z.B. Behauptungen einer Firma ging es wirtschaftlich schlecht – aber um dergleichen geht es hier nicht).
Wenn eine Agentur in der Öffentlichkeit für sich wirbt und angibt, Spielevorschläge an Ravensburger zu vermitteln, aber keine Erfolge in ihrer veröffentlichten Erfolgsliste aufweist, dann muss ein Hinweis darauf und eine Diskussion darüber erlaubt sein. Solche Diskussionen durch einen Hinweis auf behauptete Geschäftsschädigung unterbinden und löschen zu lassen, sagt dann auch mehr über die Agentur aus, als jede Kritik es vermag. Ich weiß bis heute nicht, was an meinen Beiträgen geschäftsschädigend sein soll.
Und die wenigen, die sich im nachhinein zum Stil des Threads geäußert hatten, kritisierten CB ob seines unsachlichen Angriffs gegen mich.
Die Sperren im Spielbox-Forum werden sicherlich nicht so bald wieder aufgenommen werden. Der spielbox geht es darum, generell Ruhe zu haben, nicht darum, eine einzelne unliebsame Meinung herauszuhalten. Daher ist die Sperrung beider Kontrahenten nur konsequent und – in dieser Form – zwar betrüblich aber nicht zu beanstanden..
Schade, wenn man nicht lesen kann. Auf den Webseiten von Projekt Spiel und Ravensburger wird klar kommuniziert, dass die 65,- € für die Prüfung des Spielvorschlags sind. Und dass nur positiv bewertete Vorschläge Ravensburger vorgestellt werden. Die Vermittlung an Ravensburger ist im Gegensatz zu anderen Agenturmodellen kostenlos. Ist doch klar und transparent – oder?
Das Argument für diese Gebühr die die Autoren zahlen müssen, ist ja die riesige Masse an Einsendungen und schlechten Spielen bzw. “MÄDN-Klonen”. Ich finde es nachvollziehbar das man dagegen etwas tun will, um seine Kosten zu reduzieren. So straft man aber alle Autoren ab.
Wenn man in erster Linie abschrecken will, damit möglichst viele schlechte Spiele von vornherein wegfallen, dann könnte Ravensburger ja den Autoren die in die engere Auswahl kommen, die Gebühr erstatten. Das sind dann die Autoren die sich Mühe gegeben haben, das Verlagsprogramm studiert haben und auch gute Ideen hatten.
@Christian: Dazu muß ich aber sagen, das gerade dieses Modell schlicht unseriös klingt. Und das jetzt bitte nicht als persönlichen Angriff oder so sehen. Ich habe nicht gegen ihre Person oder “Projekt Spiel”.
Bei Agenturen sind Erfolgprämien und Beteiligungen am Erfolg eben üblich, da nur so 100% gewährleistet ist, das die Agentur überhaupt ein Interesse an der Vermittlung hat. Zahlt man einer Agentur vorher einen festen Betrag und später gar nichts mehr, inwiefern hat da die Agentur denn überhaupt ein Interesse daran, das man Erfolg hat? Kassiert hat man ja schon. Zudem kommt bei Projekt Spiel noch dazu, das man die Möglichkeit hat sein Spiel an andere Verlage vermitteln zu lassen. Nur das man dann 40% des Autorenhonorars im Erfolgsfall zahlen muß.
Wenn Projekt Spiel also ein tolles Spiel entdeckt, dann klingt das alles eher so, als wäre es im Interesse von Projekt Spiel das Ravensburger das Spiel ablehnt, damit sie die Chance bekommen die 40% zu kassieren.
Aber ich nehme mal an, das Projekt Spiel irgendein Interesse daran hat, das Ravensburger Spiele übernimmt. Und das müsste irgendwo auf der Homepage hervor gehen, da es sonst einfach unseriös wirkt.
Christian Beiersdorf in Kommentar 45:
|: Schade, wenn man nicht lesen kann. Auf den Webseiten von Projekt Spiel
|: und Ravensburger wird klar kommuniziert, dass die 65,- € für die Prüfung
|: des Spielvorschlags sind. Und dass nur positiv bewertete Vorschläge
|: Ravensburger vorgestellt werden. Die Vermittlung an Ravensburger ist im
|: Gegensatz zu anderen Agenturmodellen kostenlos. Ist doch klar und
|: transparent – oder?
Jo, klar, transparent und tricky:
Wie die Geschichte vom Mann, der ein Kamel für nur 1 Dinar verkauft,
Allerdings nur an jemanden, der dazu auch die Maus für 1000,- Dinar kauft.
Es würde sich anders verhalten, wenn die Qualitätsprüfung völlig unabhängig von der Vermittlung wäre. Ist sie aber nicht. Die Qualitätsprüfung ist integraler Bestandteil des Vermittlungsvorgangs.
Hallo Florian, glaubst du wirklich, Ravensburger würde sich auf solch unseriöse Konstrukte einlassen? Erstens steht klar auf meiner Website, dass nur ich nur solche zur Prüfung eingereichten Spiele in die Lizenzagentur aufnehme, die von Ravensburger abgelehnt wurden (und bei denen ich Potential sehe). Das ist der klare Deal mit dem Verlag. Das heißt, ich zeige bei Ravensburger ab und zu auch Spiele, von denen ich eigentlich weiß, dass sie dort keine Chance haben – aber man kann ja nie wisssen. Ich habe dann aber das offizielle NEIN, auf dessen Basis ich den Autor fragen kann, ob er einen Agenturvertrag zur Vermittlung an andere Verlage abschließen möchte. Außerdem bekomme ich von Ravensburger eine Erfolgsprämie, wenn sie ein Spiel ins Programm nehmen, dass ich ihnen gebracht habe. Natürlich habe ich auch Autoren, die von vorne herein direkt zur Lizenzagentur kommen – da bin ich dann frei.
15% der eingesandten Spielideen gehen zu Ravensburger … das ist – würde ich mal ungeprüft behaupten – eine bessere Quote als das, was bei uns bis in die Programmkonferenz geht und damit potentiell überhaupt ins Verlagsprogramm wandern kann (denn die Redaktion stellt bei uns nach gründlicher Vorauswahl nur vor, entscheiden tut ein größerer Kreis aus Produktmanagement, Vertrieb, Export und Chef).
Irgendwo kam was von wegen “erst die Spielregel per eMail, bevor der Prototyp sich auf den Weg macht”. Das ist auch nur halb gedacht, denn auch die Spielregel erfordert Zeit zu lesen, die Zeit zum Nachdenken, die Zeit zum Antworten. Meine Erfahrung zeigt dabei, dass sich nur wenige Autoren glücklich schätzen mit einer Antwort von wegen “passt nicht ins Programm” oder ähnlichem, womit das Antworten und zuvor Nachdenken gleich noch einmal ein paar Minuten in Anspruch nimmt. Alles in allem würde ich mal behaupten, dass auch “einfachste” Absagen inkl. Betrachtung und allem anderen eine halbe Stunde einnehmen. Nun kann jeder selbst hochrechnen, was das bedeutet, wenn pro Arbeitstag im Schnitt 2-4 solcher Spielideen reinflattern, zumal es auch eine Menge Autoren gibt, die einen gleich mit mehreren Spielen zu erschlagen versuchen.
Grüße
Christian
Redaktion AMIGO Spiel + Freieit GmbH