Nach 5 Wochen Asien bin ich jetzt zurück mit voller Stelle. Montags ist jetzt passenderweise mein langer Tag, also hoffe ich, dass ich das Blog immer sonntags schon schaffe – sonst kommt es erst am Dienstag. Nur so zur Info.
Während ich hier schreibe mahlen die Mühlen des Gesetzes in zwei Fällen auf eine Art, die für die Szene nicht unwichtig sein dürfte.
Da ist zum einen der Streit zwischen John Bohrer und Michael Wallace über Age of Steam. Im Moment geht es darum, wer die Rechte am Titel des Spieles hält, aber im Gesamtkontext läuft der ganze, unschöne Streit auf die Frage hinaus: Wenn die Redaktion des Verlages ein Spiel verbessert (oder generell verändert), wer hält dann die Rechte an den Veränderungen? Der Verlag, der ja kreative Energie in den Prozess hineingesteckt hat (und im Falle von AoS die entscheidenden Impulse setzte, um aus einem guten Spiel ein sehr gutes zu machen) oder der Autor, ohne dessen Spiel das Ganze natürlich gar nicht möglich gewesen wäre?
Die Rechtslage liegt hier klar zugunsten des Autoren und das schon aus praktischen Gründen: Wer mag schon die Grenze ziehen zwischen Verlagspolitischen Änderungen und spieltechnischen Verbesserungen? Wenn wegen jeder Themen- oder Materialanpassung gleich die Rechte neu verteilt werden, wird das Bild schnell schief. So weit ich Bohrer irgendwie verstehen kann, so wenig Hoffnung sehe ich da für ihn.
Der zweite Streit ist der in der Vergangenheit schon angesprochene zwischen Knizia und dem Humboldt-Verlag wegen des unerlaubten Abdruckes der Würfelspiele. Der Humbold-Verlag argumentiert mit mangelnder Schöpfungshöhe und geht sogar so weit Spielen generell einen Plagiatsschutz abzusprechen. Würde der Verlag recht bekommen wären die Auswirkungen gigantisch: Spiele könnten dann ohne Erlaubnis des Autoren beliebig veröffentlicht werden. Dadurch würden Autoren sich wohl kaum noch an Verlage wenden. Vielleicht würde es anfangs auf ein “Good Trust Agreement” hinauslaufen, aber wenn nur ein Verlag faul spielt herrscht Anarchie.
Aber ich halte dieses Szenario für unwahrscheinlich. Wäre die Schöpfungshöhe der Spiele für zu gering betrachtet (und implizit gehts dann ja auch um die anderen Spiele in dem Buch, die z.T. 4-stellige Verkaufszahlen erreichen. Von 6 nimmt! und Kuhhandel, die in dem ersten Buch als Kartenspielversionen dargeboten werden kaum zu reden), dann würde das zwangsläufig auch andere Branchen betreffen. Kaum ein Bild oder Text aus dem Internet wäre dann noch geschützt, Selbst kleinere Buchverlage wären betroffen (mein Jam Dudel wurde knapp 600mal verkauft, also unter manch einem Spiel dass von Humbold zum Abschuß freigegeben wurde). Von anderen Künstlern (Malern etwa) ganz zu schweigen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Gericht eine solche Büchse der Pandora öffnet.
Andererseits bin ich auch kein Jurist.
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Auf der heiteren Seite des Lebens haben die Österreicher wieder das Spiel der Spiele gewählt. Man gestatte mir, dass ich für diese Meldung etwas weiter aushole und man verzeihe mir das ironische Grinsen.
Ich finde es ja gut, dass die Österreichische Spieleakedemie sich entschlossen hat, einen österreichischen Spielepreis ins Leben zu rufen. Alles was die Szene fördert, ist ja prinzipiell positiv. Ich kann es auch gut verstehen, dass sich der Preis vom deutschen Spiel des Jahres absetzen will. Eine Wiederholung im selben Sprachraum ist sicherlich nicht unbedingt sinnvoll. Und wenn zu einer Abgrenzung das Verteilen mehrere Kategorien gehört, bitteschön! Warum nicht?
In den letzten Jahren macht sich bei mir aber immer mehr etwas, äh, Verwunderung breit. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es in den letzten Jahren mehr darum ging ein Spiel zu wählen, mit dem man sich vom SdJ absetzen kann, als tatsächlich ein Spiel zu küren, dass die österreichische Spieleszene weiterbringt. König Artus als Elektronikspiel ist genauso Anti-SdJ wie Trans-Europa als neues Szenario eines alten Spieles (das zugegebenmaßen an allen Spielepreisen vorbeischrammte und von mir gerne als Film-Fan als “Pulp Fiction der Spieleszene” bezeichnet wird). Außerdem fragt man sich, warum als erstes Spiel der Spiele das Denkspiel “Pueblo” ausgezeichnet wurde und dann im letzten Jahr gegen die SdJ-Jury gewettert wurde, weil diese mit Thurn & Taxis ein angeblich viel zu schwieriges Spiel ausgezeichnet hat. Wie gesagt, Abgrenzung zum SdJ scheint das Hauptmerkmal des Spiel der Spiele zu sein…
Nun wurde dieser Trend …. wie soll ich es ausdrücken? Sagen wir mal … eindrucksvoll fortgesetzt. Es wurde nicht nur eine Neubearbeitung eines alten Spieles ausgezeichnet, sondern eine Variante, die sich als “TV-Merchandising” bezeichnen lässt.
Sicher, Activity ist kein schlechtes Spiel, wenn man Partyspiele mag. Ich habs früher gerne ab und an gespielt, auch wenn es sicherlich keine Originalitätspreise gewinnt (Im Prinzip werden ja nur “Montagsmaler/Pictionary”, “Tabu” und “Charade” miteinander verknüpft) und für mich als Norddeutschen ein paar Sprachbarrieren beinhaltete (mein österreichischer Leser kann mir vielleicht bei der Gelegenheit erklären, was genau eine “Steigentreppe” ist). Allerdings hegen sich bei mir so leise Zweifel, ob das Prinzip wirklich signifikant verbessert wird, wenn man bei der Pantomime auf einem Bein stehen muss oder beim Malen ein rohes Ei im Mund halten muss oder so.
Ich nehme an, die Juroren wollten mal ein Österreichisches Spiel prämieren.
Aber Activity Extrem? Kommt, schon, dass meint ihr nicht ernst, oder?
Activity Extrem? Wirklich? Na schön, wenn ihr meint…
Im Ernst: Wer wird mit dieser Preisvergabe eigentlich gefördert? Das Spiel ist (vermute ich) Österreichs größter spielerischer Exportschlager seit Schnapsen. Es gab zahlreiche Versionen in den 16 Jahren seiner Existenz und die wurde jetzt mit einer einigermaßen erfolgreichen TV-Show gekrönt. Wer soll durch den Preis denn nun noch auf das Spiel aufmerksam gemacht werden? Es ist fast eher wahrscheinlich, dass der Preis durch das Spiel bekannt gemacht wird, als umgekehrt.
Zum Glück, mag man da sagen, gibt es noch die Nebenpreise. Allerdings auch hier bleibt ein fader Beigeschmack: In einem starken Jahrgang wurden 2 Bearbeitungen (Risiko Express und Stratego) und eine Nueauflage (Fürsten von Florenz) ausgezeichnet. Ob das Not tat?
Naja, jeder wie er meint.
ciao
peer
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Moin Peer,
schön, dass du wieder da bist :-) Wie war dein Urlaub?
Ich muss ja sagen, dass ich den Rechtsstreit mit dem Humboldt-Verlag bisher nur mit halbem Interesse verfolgt habe. Die Lage schien mir einfach zu klar. Die Veröffentlichung des Buches ohne Einverständnis der Autoren war rechtswidrig. Fertig. Dass die jetzt aber mit solchen Argumenten versuchen zu kontern, spottet wirklich jeder Beschreibung.
Andreas
Hi Peer,
ja, da hat die Jury meiner Landleute wieder einen besonderen Trumpf aus dem Ärmel geschüttelt. Vor allem, da die dazugehörige Fernsehsendung gerade wegen zu geringem Publikumserfolg eingestellt wurde.
Grundsätzlich finde ich es nicht verkehrt ein Spiel in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen, das durch eine Fernsehsendung gerade größere Aufmerksamkeit erhält.Die Sendung lief doch auf Pro7 und ist somit nicht unbedingt in Österreich zu sehen. Aber Activity ist nun wirklich ein alter bekannter Dauerbrenner.
Die Ziele dieses Preises und dieser Jury bleiben (im Gegensatz zum SdJ) wirklich im Verborgenen – zumindest für dich und mich.
Hi,
Ja, wer der dJ-Jury mangelende Transparanz vorwirft, kennt die Spiel-der-Spiele-Jury nicht…
Und was ist jetzt eine “Steigentreppe”? ;-)