Die Ludoimpischen Spiele

Mir ist so kurz vor der Zielgerade, der Spiel ’16 in Essen, dieses Jahr aufgefallen, dass es gar nicht so sehr die Zeit vor Ort ist, welche die Arbeit ausmacht, sondern die 12 Monate davor. Die Zeit in der alle Neuheiten geplant, bearbeitet und irgendwie gehandelt werden. Der Vergleich der mir dabei durch den Kopf ging, war einer der sich anbot, weil hier in Berlin vor 2 Wochen der Marathon war.

Die Spiel ist ein Marathon. Genauer gesagt sind die 12 Monate bis zur Spiel der Marathon. Der Sommer ist Kilometer 35, wo die Puste gefühlt etwas nachlässt, und die Spiel selber ist die Zielgerade, wo ich nur noch 4 Tage drauf schaue um das Ergebnis zu erfahren. Man ist erschöpft und trotzdem noch voller Energie. Wie bei Ecstasy. Da ist man auch sofort Tod, kann aber noch 3 Tage durchtanzen.

Wir sind also beim Sport. Und so, wie die Olympiade der Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen darstellt, ist dieses Jahr aber auch die Zeit zwischen Ludoimpischen Spielen. Und ich dachte dann kann ich hier noch ein paar andere Sportarten vorstellen, die vor Ort von vielen ob gewertet oder ungewertet gespielt werden.

Hindernisganglauf – Der Weg durch die Gänge ist voller Leute mit Koffern, Sackkarren, Hubwagen, und so manch anderem Gefährt um die Masse an Spielen abzutransportieren, die andere mühsam hingeschleppt haben. Zum Glück sind es dieses Jahr 6 Hallen und so verteilt sich die Masse deutlich mehr als letztes Jahr, was zu einer Entspannung führen sollte. Mancher wird sich beschweren, dass es leerer sein wird, aber der war halt noch nicht bei der Halle 1 bei der zweiten Sportart.

Schnäppchencatchen – Eingesperrt in einem Käfig werden die Leute durch einen engen Gang gequält, wo sie die günstigsten Spiele ergattern können. Man will früh da sein um manche Schnäppchen zu machen, bevor sie alle sind, aber auch wiederum nochmal spät, wenn die letzten Spiele nochmal günstiger werden. Manche Perlen sieht man leider Jahrelang, für einen pervers niedrigen Preis. Was uns aber gleich zu Kategorie 3 bringt.

Neuheitenjagen – Natürlich will jeder die besten Spiele, aber bei solch einer Masse kann es nicht nur die besten geben. Je weniger man kennt, desto weniger kann man mit den Spielen die man hat unzufrieden sein. Was leider stimmt, wenn der nächsten im Handel ein Monopoly kauft, führt aber auch dazu, dass es welche gibt die sich gegen diese Tatsache währen. Sie studieren ihre Opfer seit Wochen und Monaten um sie dann gleich am ersten Tag alle an ihren jeweiligen Ständen zu erlegen und mitzunehmen. Ich kann selber sagen, wie wenig davon tatsächlich ordentlich behandelt und präpariert wird, und wie viel davon Zu Hause im Schrank anfängt zu modern. Man merkt es nur nicht, weil sie noch eingeschweißt sind.

Es gibt noch viele andere Sportarten in der Nische der Ludoimpischen Spiele, aber ehrlich gesagt so viel Platz habe ich hier auch nicht, ohne auch nur die letzten meiner 23 Leser zu verlieren. Der Vollständigkeithalber erwähnen wir sie aber natürlich. Trendhinterherlaufen, Schlangestehen, Preistiefwurf und gerade immer beliebter Staffel-Verlags-Übernahme.

Frohe Spiele.

Essen Nachgedanken

Peer hat es gefordert. Challenge accepted.
Essen war in diesem Jahr für uns anders. Zunächst einmal zum Organisatorischen: Wie bereits im letzten Jahr sind wir wieder im Hotel Bredeney untergekommen. Wobei ‘wir’ nur eingeschränkt gilt, da meine liebste Gattin der Kinder wegen dann doch abends und morgens gependelt ist. Das Hotel ist prima für alle Messebesucher geeignet, ist allerdings ein typisches Messe-Hotel. Immerhin sind die Wege zu den Hallen sehr kurz und das Frühstück gut. Und abends darf auf der ersten Etage in mehreren Konferenzräumen frei gespielt werden. Besonders gute Eignung hat das Hotel daher in Bezug auf das Kennenlernen neuer Mitspieler.
Dank unserer Aktivitäten für das Libelle-Magazin durften wir auch in diesem Jahr wieder bereits am Mittwoch zur Pressekonferenz kommen. Diese ging in diesem Jahr auch sehr flüssig von statten – auch wenn sich darin für intensive Spieler nicht wirklich große Neuigkeiten verstecken. Interessanter ist da schon da anschließende Neuheitenschau. Diese darf man sich so vorstellen, dass viele Verlage dort einen Tisch für die Präsentation Ihrer Neuheit(en) buchen und die Pressevertreter umherlaufen und alles in Augenschein nehmen. Faszinierend war dabei, dass in diesem Jahr selbst die Fensterbänke belegt waren. (Dazu eine Frage: Im kleinen Neuheitenraum hinten durch rechts lag ganz in der Fensterecke ein ‘erotisches’ Kartenspiel für Zwei – hat da jemand einen Link für mich? Frage für einen Freund.) 😉
Ansonsten ist der Mittwoch auf der Messe völlig unspannend. Viele Verlage bauen noch an ihren Ständen, warten auf ihre Spielelieferung – und verkaufen darf noch niemand. Wer also Ambitionen hegt, diesen Tag unbedingt mal zu erleben, sollte nicht enttäuscht sein ob dem, was dort passiert. Einzig die netten Plaudereien mit vielen Spielern, die vor Vorfreude fast platzen machen den Tag zu einem Erlebnis. Am Mittwochabend im Hotel hatten wir ‘nur’ ein Spiel verfügbar – The Game. Das war aber auch völlig ausreichend. Erst nach fast einem Dutzend Partien sind wir ins Bett gekrochen. Hach, was wäre das für ein tolles und verdientes Spiel des Jahres gewesen.
Am Donnerstag ging dann die Messe so richtig los. Und am Donnerstag haben wir auch schon das absolute Highlight der Messe entdeckt: Die Tische von Rathskellers. Die sind wirklich genial – so genial, dass ich nach unserem Umzug vor einem Jahr fast ein wenig bedauere, dass wir schon mit einem tollen Spieletisch ausgestattet sind. Die haben aber auch tolle Würfeltürme; wir jetzt auch. Ein zweites Highlight war natürlich Matthias’ Adventskalender, der mittlerweile unser Esszimmer verschönert und nach Plünderung als Werkzeugschrank in die Garage gehängt wird. Gespielt haben wir am ersten Tag natürlich auch tatkräftig. Nur gekauft haben wir wenig – und das sollte sich letztlich bis zum Sonntag durchziehen. Faszinierend war übrigens der Blick in die Siedler-Halle. So viel tolle Spielfläche – und dann doch nur am Samstagnachmittag genutzt.
Die Gänge waren am Donnerstag auch noch durchaus angenehm passierbar. Insgesamt gilt das auch für die gesamte Messe. Ich bin mir nicht sicher, ob durch eine leicht veränderte Standplazierung ein besserer Besucherdurchfluss erzielt wurde oder ob die ergänzende Halle 7 zu einer angenehmeren Verteilung geführt hat. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl einer bedrängenden Enge.
Letztlich haben wir dann auch die anderen Messetage so verbracht wie den Donnerstag: Durch die Hallen geschlendert; falls irgendwo ein Plätzchen frei war auch mal gerne etwas gespielt; und ansonsten einfach entdeckt. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass aufgrund akut recht hoher beruflicher Belastung eine Messevorbereitung bei uns quasi ausgefallen ist? Keine Neuheitenlisten, keine Goodie-Listen, keine Raritäten-Listen, keine Vorbestellungen. Herrlich war das. So wie 1997 oder 1998 auf unserer ersten Messe (wir sind bzgl. des Jahres nicht mehr ganz sicher). Kein Abhaken in irgendeiner Datenbank, kein ‘jetzt hier lang, danach dort lang’. Einfach nur: Erkunden, neugierig sein, sich überraschen lassen. Und tolle Spiele haben wir trotzdem entdeckt – auch wenn sich bei uns ganz langsam ein gewisser Sättigungsgrad einstellt. Ab einem gewissen Alter muss man anscheinend keine 200 Spiele mehr von der Messe heimschleppen, um glücklich zu sein. In diesem Jahr waren es gerade einmal 13 Spiele.
Und noch etwas war schön: Da es kein wirkliches Forum mehr gibt, in dem ich mich wohl fühle, ist an den Abenden und morgens direkt deutlich mehr Zeit zum Schlafen, Plaudern, Netzwerken gegeben. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das mal so formuliere…
Das Hotel für das kommende Jahr ist jedenfalls bereits gebucht – und das mit den Neuheitenlisten überlege ich mir vielleicht sogar mal bewusst so zu machen wie 2015.
Für die Zukunft gibt es ja anscheinend erste Gedanken, die Messe um verschiedene Service-Aspekte zu erweitern. Den Lieferdienst für gekaufte Spiele schätzen vermutlich internationale Gäste höher als ich. Den Gedanken, die Messe abends in geeigneter Form zu einem Spieleevent werden zu lassen, finde ich hingegen extrem spannend. Da hätte ich auch viele kreative Ideen, mal schauen, was beim Merz Verlag hier für ein Konzept entwickelt wird. Ich zähl jedenfalls schon die Tage bis zum 13. Oktober 2016, wenn die Pforten wieder öffnen.

Der Handel mit dem Handel

Heute will ich über die GTS reden. Etwas was euch hoffentlich genauso interessiert wie mich. Und mit GTS meine ich nicht etwa einen Gran Turismo Sport oder so manch andere Autotechnik. Nein es geht um Spiele also bleiben wir bei Spielen. Wobei wir auch nicht über die Game Theory Society reden wollen. Auch wenn das furchtbar spannend wäre und deren nächste Konferenz in 2016 mit Maastricht auch Nahe genug ist, um da vorbeizufahren, wollen wir heute weniger über solche Singe reden. Ich will über die GAMA Trade Show reden.
Die GAMA ist die Game Manufacturers Association. Eine Gruppierung die die Interessieren der Spielverlage repräsentiert. Das tut sie in den USA inzwischen seit deutlich über 30 Jahren Sie wurde im Zusammenhang mit der Origins 1977 gegründet, hat aber außer dem Origins Award nicht mehr viel damit zu tun. Ihre Hauptveranstaltung ist die Trade Show, die einmal im Jahr im März in Las Vegas stattfindet. Dafür treffen sich Verlage und Distributeure und laden alle Händler ein sich vor Ort über alles informieren zu lassen. Ein bisschen ist das wie Nürnberg, aber statt zu allem was Spiele betrifft was zu bieten wie Kuscheltiere und Holzspielzeug und Modelleisenbahn und Feuerwerkskörper und etliches anderes geht es hier nur um den Hobbymarkt. Es geht um Brett- und Kartenspiele, um Rollen- und Würfelspiele, um Sammelbare Spiele und alles was so einen US Hobby-Laden ausmacht. Und auch wenn ein paar von den Firmen vor Ort auch auf der Toy Fair in New York ausstellen, die allermeisten tun das nicht. Aber sie präsentieren sich auf der GTS.
Und hier gibt es ein großartiges Paket. Die Händler bekommen von den großen Firmen Präsentationen, was in den nächsten 6-12 Monaten geplant ist. Infos die zwar 2min später dank der Präsentation auf Twitter sind, aber nicht jeder Händler ist auf Twitter. Hier werden Deals geschlossen zwischen Kleinen Verlagen und Vertrieben. Hier werden Deals gemacht zwischen Vertrieben und Händlern und natürlich auch zwischen Verlagen und Händlern. Hier wird über Marketingmaßnahmen geredet, Händler sagen was bei ihnen funktioniert und was nicht und natürlich seit den letzten Jahren auch was alles auf Kickstarter gerade passiert. Und natürlich sind dazwischen auch Produktionsfirmen, die bei Verlagen um Aufträge buhlen. Das sind wichtige Eindrücke und Meetings. Die Messe ist wichtig.
Warum gibt es sowas eigentlich nicht in Europa? Gerade in Deutschland würde es sich doch anbieten auch für den Hobbymarkt sowas zu veranstalten. Doch wer soll das in die Hand nehmen? Als ich auf der UK Games Expo vor 2 Jahren war fand dort eine Präsentation von Esdevium statt und Verlage konnten kommen und ihre Neuheiten den Händlern präsentieren. Das alles fand am Vortag der Expo statt und dauerte auch nur den Tag, aber so konnten die Händler das mit dem Rest der Messe in einem Rutsch nutzen. Für die Stores in UK war das cool.
Aber gibt es eigentlich den Deutschen Hobby-Markt? Natürlich kann ich bei Pegasus etliche kleine Hobby-Läden finden. Aus dem Metier ist der Verlag gewachsen. Auch Heidelberger hat mit seinen Flagshipstores eine große Übersicht dieser Läden auf seiner Seite. Und Heidelberg macht auch einmal im Jahr solch eine Veranstaltung für seine Stores. Aber das ist nur zwischen Heidelberger, seinen Vertragsverlagen und seinen Läden. Keine anderen Verlage, keine anderen Vertriebe. Für Heidelberger gibt es den Vorteil, dass sie die volle Aufmerksamkeit haben. Auf der anderen Seite würde es sich gerade für die Händler lohnen, wenn sie bei solch einem Zusammentreffen gleich mehr rausziehen könnten, und mit anderen Verlagen auch gleich reden könnten.
Vielleicht ist es auch wieder ein Vorteil der USA, dass sie eine Einwohnerzahl in Höhe der Gesamteuropäischen haben, ohne irgendwelche Sprachbarrieren. Was dort in letzter Zeit gewachsen ist, ist beeindruckend. Die Gen Con hat an Größe zugenommen in einem Maße die schon an Essen-Verhältnisse heranreicht, wenn nicht gerade übertrifft. DIE GTS übernimmt Aufgaben, die in Europa auch gebraucht werden. Vielleicht ist es auch das dezentrale Denken, dass wir gerade in Deutschland haben. Wir haben sämtliche Bundesministerien über das gesamte Land verteilt und haben Vergleichsweise jede Aufgabe einem anderen Teil des Landes gegeben. Für Nürnberg wäre der Wegfall der Spielwarenmesse gefühlt schon ein Todesstoß (Ich weiß etwas übertrieben, aber bei den Preisunterschieden für Hotelzimmer in der Messe-Woche und während des Rests des Jahres kommt jeder auf die Idee).
Was mir gedanklich bleibt ist die Liste der Verlage und Händler die Jahr für Jahr sich zu den anderen dazugesellen und die GTS besuchen. Die Wachstumszahlen auch dieser Messe sind beachtlich und dürfen als Selbstläufer gelten. Was den Amerikanern jetzt noch fehlt sind mehr Verlage die so groß sind wie die Deutschen Verlage.

Einspruch, Euer Ehren!

Alle Jahre wieder wird über Zahlen geredet und dabei wird immer wieder erneut eine Sicht geäußert, die für mich sehr gestrig ist. Eine Sicht, wie sie noch vor 20 Jahren funktioniert hat und inzwischen nicht mehr haltbar ist. Und wir reden hier nicht über den Kampf der Printmedien gegen Internet-Journalismus. Nein, wir reden von den Neuheiten aus Essen. Wir reden über die Geschäftspolitik der Verlage. Wir reden über den Schrei der Ohnmacht der Alles-Woller.

Es wird wieder über die Zahl gegängelt, dass diese viel zu hoch ist. Es wird darüber gemeckert, dass keiner das alles spielen kann, und dass die Spiele zu wenig Luft zum Atmen haben, weil sie nach einem Jahr wieder aussortiert werden. Dabei werden viele Kleinigkeiten übersehen, denn die eigene Sichtweise wird bedient. Eine Sichtweise in der es logischerweise nötig ist alles zu sichten, alles kennenzulernen und alles beurteilen zu können was auf den Markt kommt. Ein Umstand, der vor 20 Jahren vielleicht noch machbar war, der aber inzwischen weit davon entfernt ist nicht als Utopie bezeichnet zu werden.

Das Rekordjahr

Fangen wir mit den einfachen Zahlen an. 850 Spiele sind laut der Messe Essen auf der Spiel 14 neu vorgestellt worden. Die Spielbox hat ihre eigene Zahl, die ein bisschen abweicht, genauso wie Cliquenabend, BGG und jede andere Seite die versucht da eine Zahl zu zaubern und eine volle Übersicht über alle Neuheiten zu liefern. Und wie viele waren es im letzten Jahr? Vielleicht 800, um eine Zahl zu nennen, die im Raum war. TricTrac Frankreich hatte letztes Jahr 863 gezählt. Spielbox, Cliquenabend und BGG hatten wieder andere Zahlen. Es funktioniert irgendwie gar nicht. Gefühlt war es aber eigentlich nur genauso viel wie letztes Jahr. Da ist keine Steigerung mehr zu sehen. Wozu auch? Wozu sich in der großen Zahl versuchen. Es waren halt viele, verdammt viele.

Versuchen wir es mit anderen Zahlen. BGG hat in seiner Datenbank an Neuerscheinungen für 2013, volle 3800 Einträge. Für 2014 sind es bisher rund 3500. Vielleicht wird die Zahl noch um 300 steigen, denn auch in den kommenden 2 Monaten werden noch Einträge dazukommen, aber ist das wichtig? Diese Zahl zeigt auch eine gewisse Konsistenz. Und sie zeigt noch etwas, was alle anderen Liste gemein haben. Sie zählt alles. Waren es wirklich 850 neue Spiele? Da kam ein Spiel bei einem Verlag raus und der deutsche Vertrieb war auch vor Ort. Bei beiden wurden die Spiele gelistet und zack waren es zwei Spiele statt einem. Hochgerechnet auf die Masse an Spielen die Heidelberger, Pegasus und Asmodee vertreiben und deren Partnerverlage auch Stände hatten, kann die Zahl fast schon gefühlt halbiert werden. Sind wir mal nicht so kritisch, sagen wir es waren nur noch 550 Spiele.

Aber es geht noch weiter. Zum Teil wurden Spiele gelistet, die auch schon letztes Jahr gelistet waren, wie Machi Kori und Das Vermächtnis. Die sind jetzt auf deutsch raus. Das ist für manche Spieler neu, denn sie konnten es vorher nicht spielen, aber für die Akribiker ist das nichts neues. Und dann kommen noch die Erweiterungen mit rein. Dazu zählen große Erweiterungen wie Babel genauso rein, wie die kleinen Goodies, etwa die Haustiere für Brügge. Sind das neue Spiele oder nur Gründe, alte Spiele wieder zu spielen? BGG schließlich führt noch jede Menge weitere Projekte auf, die es nie über den Teich schaffen oder gar in die Veröffentlichungen oder sie sind eh nur Fan-Projekte. Was übrig bleibt sind etwa 300 neue Spiele. Eine Zahl, die weder zu hoch noch zu erdrückend erscheint. Aber immer noch mehr als der Normalsterbliche spielen kann, der gerne alles spielen will.

Der Blick über den Tellerrand: Im Buchgeschäft erscheinen übrigens deutlich mehr Titel im Jahr, dadrunter Wälzer die nicht an einem Tag gelesen sind. Aber auch Fortsetzungen, Neuerscheinungen, Taschenbuch-Ausgaben von vorher nur gebunden Büchern uvm. Und im Musikgeschäft ist es auch nicht viel weniger. In beiden Sparten kenne ich keinen der sagt, dass da zu viel rauskommt. Und genauso wie in diesen Sparten finanzieren sich die Spiele auch gegenseitig quer.

Der Allesspieler

Die nächste falsche Annahme ist, alles spielen zu müssen. Basierend darauf, den Verlagen den Vorwurf zu machen nicht so viel auf den Markt zu werfen, sondern lieber Klassiker zu pflegen, statt nach einem Jahr wieder zu verramschen. Das ist, als würde man die Parteien auffordern nicht mehr Politik für jeden zu machen sondern sich auf ihr Kernthema zu konzentrieren. Was mit der letzten Partei passiert ist, die das getan hat, kann man sehr gut erkennen, sie wurde nicht für voll genommen.

Gerade die großen Verlage sind Vollsortierer. Sie müssen viele Zielgruppen bedienen, um auch als großer Verlag genommen zu werden. Sie bieten auch Perlen an, die vielleicht wirklich nur für 1000 Spieler sind, und diese sind dann zufrieden, wenn sie das Spiel haben. Ein Spiel muss nicht ewiglich bestehen, so wie auch nicht jeder Mensch unsterblich ist. Aber warum für diese Menge produzieren statt mehr für die Masse? Und ich dachte Spiele sind Kulturgut und dazu gehören auch Spiele für die Randgruppen die nur 1000 Stück verkaufen.

Es gibt Spiele für Kinder, Familien, Erwachsene, Freaks, Kenner, Experten, Erzähler und Miniaturbemaler. Es gibt Karten-, Würfel-, Brett-, Rollen- und neuerdings sogar Beutelspiele. Es gibt Spiele mit einfachen, normalen und schweren Regeln. Es gibt thematische, abstrakte, Euro-, Ameritrash- und auch masochistische Spiele. Und diese Aufzählungen waren weit davon entfernt vollständig zu sein. Alleine die Schnittmengen für die Kombinationen aufzuzählen würde zu einer Grafik im fünfdimensionalen Raum führen und den Rahmen einer Essen-Show sprengen. Und jedes Spiel hat seine Berechtigung.

Aber nicht jeder muss alles spielen. Ich weiß, dass mich Wargames, Cosims und inzwischen auch wieder Kinderspiele nicht interessieren. Ich kann sie von meiner Liste streichen. Ich muss mich nicht mit abstrakten Holzspielen beschäftigen, weil ich oft keinen Spaß daran habe. Die 2er-Spiele ignoriere ich auch oft. Und sollte da doch eine Perle dabei sein, so wird man es mir näher bringen und ich kann dann immer noch drauf schauen. Ich habe mich dieses Jahr das erste Mal sehr ausführlich mit den Neuheuten beschäftigt und bin dabei an rund 140 Spiele inkl. Erweiterungen gekommen die einen Blick für mich wert sind. Muss ich alles spielen? Nein!

Der Blick über den Tellerrand: Keiner liest alle Bücher, und keiner hört jede CD da draußen. Es gibt Bücher die nur von einer kleinen Gruppe von Menschen gelesen werden, und es gibt sie in kleinen Auflagen. Gepflegt werden die Bestseller und dennoch bringt jeder Verlag jede Menge neue Bücher raus. Denn wenn etwas gut ist fliegt es nicht raus. Und bei Musikern habe ich auch noch keine Plattenfirma gehört die darauf verzichtet neue Talente zu finden und auf den Markt zu bringen, weil die alten sich schon so gut verkaufen.

Die Pyramide

Es wird immer wieder geäußert das schlechte Spiele verboten gehören, so wie schlechte Werbung verboten gehört. Dabei gilt für manche schon das Gute als Schlecht, denn es ist ja schlechter als das Bessere. Es kann nie alles gut sein, etwas ist immer besser als etwas anderes. Selbst wenn man die jeweils besten 20 Spiele der letzten 10 Jahre nehmen würde, würden da Gurken im Vergleich zu anderen Spielen sein.

In dem Umfeld aufzurufen weniger zu produzieren und sich lieber auf weniges zu konzentrieren, erscheint mir völlig verkehrt. Wenn die Zahl der Spiele, die mich interessieren, sinkt, wirkt es so, als würde der Markt schrumpfen und alle wären einfallslos. Herr Hutter würde darüber klagen, dass der Umsatz zurückgeht und eh wir uns versehen geben Menschen das Hobby auf, weil nichts mehr für sie interessantes dabei ist. Die Menschliche Psyche will immer mehr und immer neuer. Wer neu einsteigt findet nicht nur cooles Neues in unbegrenzter Zahl, sondern kann auch damit leben, dass es alt ist. Das White Album von den Beatles ist immer noch eine Perle. Und die Lizenzgurke ist ein Geldbringer, so wie das Buch zum Film bei Teenagern.

Aber wären wir wo wir sind, wenn wir bei 100 Neuerscheinungen im Jahr geblieben wären? Wie in der Evolution wird die Entwicklung durch die Masse vorangetrieben. Wären die Spiele denn heute so gut, wenn es nicht so viele geben würde, an denen die Verlage und Autoren sich reiben, neue Ideen finden und Verfeinerungen ausmachen könnten? Und ein Blick auf die Masse der unveröffentlichten Spiele oder welche lieber hätten unveröffentlicht bleiben sollen, aber dank Kickstarter leider den Weg in die Produktion gefunden hat, ist da nur ein Teilaspekt. Die Verlage sind schon sehr konservativ. Wer nur 12 Spiele veröffentlicht, obwohl ihm 700 angeboten wurden, hat schon stark gesiebt.

Und was ein Klassiker wird, bestimmt an der Stelle wieder der Markt. Die Zahl der Spieler steigt auch jedes Jahr. Wenn ein Spiel des Jahres nicht nur 300.000 mal verkauft wird, sondern 700.000 mal dann ist das ein deutliches Signal für eine wachsende Käuferschicht. Und mit der wachsenden Käuferschicht kommt auch mehr Verlangen. Es ist wie eine Pyramide. Oben sind die Freaks, die sehr viel spielen und einen Blick auf den Markt haben. Und die Kollegen von der Jury, die alles anspielen müssen. Ganz unten ist das breite Fußvolk, das nur wenig spielt, und dem es egal sein kann, ob es 10, 100, 1000 oder auch eine Millionen neue Spiele gibt. Aber nur durch ständige Veröffentlichungen die oben in den kleinen Trichter geworfen werden, kommen unten die besten Spiele an, aber die halten sich lange. Welche Spiele das sind, hängt sehr stark davon ab wie gut jeder arbeitet. Aber die Chancen steigen, je mehr reingeworfen wird. Sonst hätten wir weiterhin nur Monopoly, Scrabble und ein Leiterspiel. Viele gute Spiele stehen auch in unserer Branche für einen guten Jahrgang.

Der Blick über den Tellerrand: So mancher Bestsellerautor ist gezwungen ein neues Buch jedes Jahr abzuliefern, um im Gespräch zu bleiben. Und eine Band die nach 18 Monaten noch kein neues Album rausgebracht hat, erscheint unwichtig geworden. Nur wenige Bücher und Alben werden Klassiker. Warum sollte ein Verlag auf eine Neuheit verzichten, nur um was voranzutreiben, was es bisher nicht geschafft hat?

Mein Fazit

Statt also über die Menge zu stöhnen, sollten wir alle uns wieder an den Spieltisch setzen und spielen. Ich erfreue mich an dem, was ich spiele. Tut das doch auch alle. Und ich werde bestimmt nicht alles spielen wollen, das kann keiner und das sollte auch (fast) keiner. Hier zu sortieren macht Sinn und wer das nicht kann braucht die Expertise von anderen, wie der Jury, die das in hervorragender Art und Weise seit über 30 Jahren macht. Vielleicht sollten wir mehr Schubladen einbringen. Nicht nur Kinder, Familien, Kenner und Expertenspiele, sondern auch Schubladen, die es für andere einfacher machen. Es gibt mehr als 4 Musikrichtungen, es gibt mehr als 4 Romangruppen.

Aber wer jammert, verpasst die Entwicklung und die ist nicht aufzuhalten. Gestaltet sie lieber mit!

PS: Dieser Artikel ist ein Widerspruch gegen die Ansichten von Michael Weber und Synes Ernst.

Die goldrunde Messe

Noch zwei Wochen bevor DIE Messe in Essen losgeht. Und während alle überlegen, was sie sich wann wo ansehen (wie auch ich im Rahmen meiner freien Zeit vor Ort), gibt es auch diejenigen, die einfach durch die Hallen schlendern und sich überraschen lassen, was auf sie zukommt. Es gibt die, die sich ansehen was Mainstream ist, und die, die versuchen, das zu finden, was weit ab davon ist, wobei es sich streiten lässt, ob z.B. Japon Brand noch zum Abseits gehört. Die Zeit wird hoffentlich aber für jeden super. Ich bin zumindest noch nie enttäuscht gewesen.

Aber ein Blick nach vorn ist auch immer ein Blick zurück. Da der neue Spielejahrgang mit Essen beginnt, könnte dies also ein Jahresrückblick sein. Ich will jedoch nicht in dieses Jahr zurückblicken, sondern auf das, was einigen in meiner Spielrunde aufgefallen ist als wir zurückgeblickt haben. Wir saßen die Woche beisammen und überlegten, welches Spiel wir als nächsten auf den Tisch bringen könnten. Ich bin dabei vermutlich der genügsamste, weil ich viele Spiele mag und für mich der Jahrgang mal wieder mehr war als nur die 5 Spiele, die ich beim Deutschen Spielepreis wählen darf. Für mich ist es selbstverständlich, dass nicht jeder Jahrgang nur nach oben zeigen kann, sondern das es gute und weniger gute Jahrgänge gibt. Aber auch die weniger guten haben klasse Spiele.

Aber eine Freundin saß bei uns am Tisch und sagt, dass die meisten Spiele nur ganz nett sind. So viele hätte sie nicht als wiederspielenswert empfunden. Wir gehen also durch die Liste der Spiele von Essen 2013 und Nürnberg 2014 und sie sagt bei gerade mal drei Spielen, die sie kennt, dass die wieder auf den Tisch dürfen. Ein erschreckender Jahrgang in ihren Augen. Also gehen wir an den großen Schrank der noch aufzuarbeitenden Spiele. Ein Schrank, der eigentlich deutlich abgebaut werden sollte als ich mir Vorsätze fürs neue Jahr nahm, und an dessen Vorhaben ich restlos gescheitert bin. Das Leben ist grausam.

Wir packten also ein Spiel auf den Tisch, das schon 6 Jahre alt war, aber noch eingeschweißt. Die Regeln wurden schnell gelesen, die Runde wurde angefangen und meine Frau kam sofort in den AP-Modus wo sie über jeden Zug lange überlegte. Diese Perle war also 6 Jahre in meinem Schrank gestaubt, weil ich es nicht geschafft habe alles zu spielen. Vor allem aber auch, weil ich die meisten Spiele noch öfter spielen möchte und dabei manche Spiele zwar gekauft sind, aber doch auf der Strecke bleiben. Und dabei ist mir wieder deutlich bewusst geworden wie groß der kulturelle Unterschied zwischen Brettspielen auf der einen Seite und Büchern und Filmen auf der anderen Seite ist. Die allermeisten Filem werden von den meisten nur 1x gesehen. Die meisten Bücher sogar 0x gelesen. Den Verlagen kann es egal sein, denn gekauft ist gekauft.

Für Spielesammler kann es egal sein. Denn Sammeln hat nichts mit Spielen zu tun, auch wenn es einigen Puristen widerstrebt, dass unser Hobby durchaus mehrere Hobbies sind. So gibt es die Mainstream-Sammler, die Sammler von exotischen Spielen, die Leute, die alte Spiele sammeln, diejenigen, die einfach nur Spielen wollen und natürlich auch die, die einzelne Spiele ergründen wollen, solange sie nur gut genug sind. Genauso gibt es aber Leute denen es ausreicht ein Spiel einmal gespielt zu haben als es wirklich zu ergründen. Es macht sie deswegen nicht zu weniger Spielern.

Und Essen ist DIE Messe für fast alle von ihnen. Da gibt es Spiele für die meisten Geschmäcker und auch die Möglichkeit, diese zu spielen. Auf der Messe und auch im Anschluss in Gaststätten, Hotels Jugendherbergen Zügen und an vielen anderen Orten in der Stadt. Die Messe bietet Wettkämpfe und LARP-Materialien und es gibt sogar Comics und Rollenspiele. Es gibt Presseshows im Hotel nebenan und es gibt eine Podiumsdiskussion. Es gibt Geschäftsgespräche zwischen Verlagen und Verlagen mit Autoren und zwischen Autoren und zwischen jedem mit dem Kunden. Stück für Stück gibt es immer wieder etwas Neues. Natürlich könnte es noch mehr geben: Workshops, Seminare, Vorlesungen, aber hier ist jemand anderes gefragt. Sagt der Messe was ihr auch noch sehen wollt.

Letzte Gedanken vor dem Fest

Noch 4 Tage bis Essen. Zumindest für die meisten. Für mich sind es noch zwei Tage. Dienstag früh um 5 verlasse ich Berlin. Dieses Jahr ist Essen mal wieder anders für mich. Und damit meine ich nicht die neuen Hallen. Statt an einem Stand für alle Fragen offen zu stehen oder nur von Meeting zu Meeting zu tingeln werde ich dieses Mal eine bunte Mischung haben. Vor allem aber werde ich das erste Mal mit Auf- und Abbau auch beschäftigt sein.

Die Masse an Infos mit denen man inzwischen vor der Messe bombardiert wird ist dabei auch offensichtlich stark gestiegen. Vor ein paar Jahren war man für jeden fetzen dankbar und konnte sich entsprechender Aufmerksamkeit sicher sein. Ein Spiel das schon vorher getestet wurde erhielt ordentlich Aufmerksamkeit und war entsprechend in aller Munde. Inzwischen ist das Angebot an Infos so unüberschaubar geworden, dass die Masse auf der Messe dem Ganzen nur noch einen draufsetzt.

Verlage wie Kosmos, Amigo, Ravensburger und Schmidt haben alle Händler schon vorher mit Waren beliefert und betrachten Essen nur noch als zusätzliche Marketing-Aktion. Die richtigen Slots bei den Druckereien haben sichergestellt auch in entsprechender Stückzahl liefern zu können. Die meisten wissen, dass sie nicht im Bereich der Highlights für die Vielspieler agieren. Ein in meinen Augen daher völlig logisches Vorgehen.

Hans im Glück hingegen verhindert aktuell die Veröffentlichung der vollen Regeln für Russian Railroads im Vorfeld so gut es geht. Bestimmt nicht aus Angst, die Leute könnten das neue Spiel nicht mögen, eher aus einer Art Firmenpolitik. Ich kann nicht einschätzen ob es ein sinnvolles Vorgehen ist, da ich aber sicher bin, dass das Spiel klasse ist, mache ich mir wenig sorgen um deren Verkaufszahlen oder die Akzeptanz der Spieler. Beides wird schon stimmen.

Noch ein Unterschied dieses Jahr für mich: Ich werde dieses Jahr kaum nach Goodies schauen, vor allem weil ich kaum Zeit dafür habe. Ich habe auch das Gefühl, dass ich zu viele dieser Kleinigkeiten im Schrank zum verstauben habe. Versteht mich nicht falsch, die Idee der Goodies finde ich immer noch gut und richtig, aber die Informationen dazu sind mir zu verstreut und unübersichtlich. Da sagt etwas in mir, dass ich nicht mehr will. Wenn das Goodie tatsächlich gut und wichtig für ein Spiel ist, werde ich da schon rankommen. Aber das x-te Tier für Zooloretto, das fast dasselbe tut wie die der letzten fünf Jahre ist nur noch Sammlerdrang. Ich will es dennoch, aber ich sterbe nicht, wenn es in der eh schon lückenhaften Sammlung fehlt.

Aber es gibt nicht nur Essen, sondern immer noch den aktuellen Spieltisch. Und der war in letzter Zeit regelmäßig bis Nachts mit Descent belegt. Ich würde gerne Peer und seiner Rezension in der Spielbox die Schuld daran geben, aber in Wahrheit ist es einfach ein gutes Spiel, das mindestens als ausgereiftes und besseres HeroQuest oder WarhammerQuest durchgeht. Die Knights of the Dinner Table wären stolz auf das Gefühl gegen ihren Spielleiter spielen zu können, und ein bisschen ist es schon auch für den Overlord das Gefühl auch gegen die Spieler eine Harte Nuss spielen zu dürfen. Freude inklusive.

Wette verloren, Glück gehabt

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Am Donnerstag war es soweit, die Messe hat Ihre Tore geöffnet. Zuvor waren schon einige Hypes fabriziert und die ein oder andere Sau durch’s Dorf getrieben worden.
Ich konnte dies in diesem Jahr mit einem gewissen Abstand nachverfolgen, da ich aufgrund der beruflichen Einbindung diesmal quasi keine Vorbereitungen treffen konnte. Ich war daher froh über einige Tips für Kickstarter-Aktionen, Vorbestellungen, etc. Einige davon habe ich genutzt, andere nicht.
Eine Möglichkeit zur Vorbestellung, die ich genutzt habe, war bei Fragor Games für die Neuheit Spellbound. Beeindruckende Zahlen sind da vorab durchs Netz gegeistert. Aufgrund einer glücklichen Fügung durfte ich mein Spiel auch schon am Mittwoch in Empfang nehmen. Kurz später kam eine Diskussion über den Verrücktheitsgrad der Szene auf. Es ging um Vor-der-Messe-Regelesen, Akzeptanz des Prototypenstatus einiger Neuheiten und ähnliche Themen. Und es ging um die ewige Jagd nach der Neuheit. Diesen Drang, immer das eine neue, herausragende Spiel im Bestand zu haben.
Und irgendwann war daraus eine Wette geboren. Mein Einsatz: Spellbound.
So habe ich noch am Abend mein Exemplar bei eBay eingestellt. Laufzeit drei Tage (damit ich mir notfalls am Sonntag noch ein weiteres Exemplar auf der Messe hätte kaufen können). Meine These: es gibt tatsächlich Enthusiasten, die bereit sind, für ein unbekanntes Spiel, zu dem marketingwirksam ein paar wenige Infos gestreut wurden, den dreifachen Neupreis zu zahlen. Gesagt getan, 180,- € lautete also die Ansage bei eBay.

Und jetzt ist die Aktion gerade einige Minuten verstrichen. Und ich habe mit meiner These daneben gelegen. Glück gehabt, denn jetzt darf ich mein (!) Spiel endlich auspöppeln. Und sowieso behalten. Und ich kann festhalten, die Szene ist doch nicht so – äh, wie habe ich oben geschrieben? – enthusiastisch, wie ich gedacht habe. Und das ist doch positiv. Dieses Positive hat jedoch auch eine Kehrseite, zeigt sich damit doch, wie klein unser erlauchtes Grüppchen von intensiven Brettspielern doch ist. Eigentlich schade, wenn man sieht, wie glücklich dieser Zeitvertreib doch machen kann.

P.S.: Dass ich von der Ausbildung her Wirtschaftswissenschaftler bin, zeigte sich wenige Sekunden vor Ablauf des Angebots bei eBay. Da kam ein Preisvorschlag über 130,- rein. Da musste ich denn doch schon überlegen. Glücklicherweise zu lange, so dass das Angebot schon abgelaufen war…

41 Tage bis zur Spiel 2012 – Ausgewählte Aktionen

So langsam steigert sich die Nervosität der Spielergemeinde. Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Beginn der größten Spielemesse der Welt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Mehr als 800 Aussteller aus 36 Nationen. Beeindruckend. Und fast schon beängstigend.
Beängstigend, weil man als eingefleischter Brettspieler natürlich nichts verpassen will. Das gilt für Neuheiten von Verlagen, die alleine aufgrund eines Photos des Spielmaterials eine Vorbestellungsflut auslösen. Aber auch für die Sachen, die in den Social Media heiß beworben werden.

Ich selbst bin sehr gespannt auf die ganzen Umsetzungen von Brettspielen für mobile Endgeräte. Die ach so modernen Apps erobern derzeit die Branche. Viele Verlage spüren, dass hier eine große Chance auf ein Stückchen des großen Kuchens “Mobile Games” besteht. Die klassischen Brettspielverlage sehen sich plötzlich in der Situation, mit den Entwicklungsstudios von Computerspielen kooperieren zu können. Noch deutlicher formuliert: Die Computerspielbranche hat Interesse an den Inhalten, die die Brettspielverlage liefern können: Soziale Interaktion, gefördert durch Brettspiele. Ich denke, dass kein größeres Lob für unser Hobby ausgesprochen werden kann, als dieser hochaktuelle Trend. Noch vor einigen Jahren wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, Brettspiele für die Nutzung am Desktop-Rechner umzusetzen (wenige Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, z.B. Die Siedler von Catan). Dafür spielt das gemeinsame Spielerlebnis einfach eine zu starke Rolle in unserem Hobby. Es zeigt aber auch, dass mobile Endgeräte eben diesen “sozialen” Charakter aufweisen, den der Desktop-Rechner nicht hat. Kinder können mit Ihren Eltern gemeinsam auf dem Sofa oder im Garten auch auf dem Endgerät spielen (ohne Massen von Spielekartons verfügbar zu haben). Die Erwachsenen können ihre Spieleabende verlängern indem die Partien am Brett in den digitalen Umgebung eine Revanche erfahren. Ein Trend hat sich bei den “Mobile Boardgames” nach meinem Empfinden schneller durchgesetzt als in der klassischen Branche: Eine fehlerhafte, schwache Umsetzung (Programmierung, künstliche Intelligenz) des Brettspiels wird schnell und deutlich durch den Kunden abgestraft. Sie es in Form negativer Bewertungen in den App Stores oder in der Kommunikation in den Social Media. Kunden erwarten eine grafische und vom Spielerlebnis her perfekte Umsetzung des Spiels. Dies ist ein Trend der – insbesondere wenn ich auf die Ausarbeitung vieler Spielregeln – bei unseren Brettspielen im Karton noch nicht soo stark ist. Hier ist der Kunde im Zweifel dann doch bereit und willens in Foren auf BGG oder der Webseite des Verlags nachzuschauen. Aber ich denke, dass aufgrund der starken Konkurrenzsituation (800 Aussteller, s.o.) auch hier eine Bewegung in den Markt kommt.

Worauf bin ich noch gespannt?
Eine sehr beeindruckende – und spannende – Werbeaktion betreibt aktuell Kosmos für das neue “Die Legenden von Andor”. Wer da noch nicht mitgerätselt hat, kann übrigens immer noch problemlos einsteigen. Ich bin wirklich gespannt, ob sich die hohen Erwartungen, die durch den immensen betriebenen Aufwand geschürt wurden, letztlich bestätigen. Aber ich bin da recht guter Hoffnung.
Nachdem ich nun endlich – aufgrund eines Tips von Attila – ein tolles Hängeregal für die Massen an Kartenspielen gefunden habe (Regaflex) freue ich mich auch auf viele neue Kartenspiele. Bohnanza hat in diesem Jahr seinen 15 Geburtstag gefeiert. Rund um dieses Event werden einige Aktionen durchgeführt. Z.B. eine Versteigerung von Grafiken bei Amigo zugunsten eines guten Zweckes (Freitag und Samstag um 16 Uhr, Stand 11-22).
Eine Premiere steht für uns persönlich in diesem Jahr an. Da erstmals mit Kind (und Kindertrage – mal schauen, wie das wird…) unterwegs, werden wir wohl auch bei Haba vorstellig werden. Haben die überhaupt Mehrstunden-Strategiekracher-Ultraheavy-Spiele im Programm? Nicht? Hmm, gut, dann muss ich mich da wohl umstellen 🙂
Da passt dann auch das diesjährige Thema der Europäischen Spielesammler Gilde ESG. Da geht es um Geschicklichkeitsspiele der letzten 150 Jahre. “Ich bau Dir ein… – Bauspiele” lautet das passende Motto.

Begeisterung für ein bestimmtes Spiel muss schon vorhanden sein, wenn man die wertvolle Zeit auf der Messe für die Teilnahme an einem Turnier verwendet (erst wollte ich “opfert” schreiben). Habe ich seinerzeit mal bei Siedler gemacht. Würde ich heute nicht mehr tun. Nichtsdestotrotz gibt es Angebote an Turnieren: Cuboro, Memory, Dominion, Carcassonne oder Warhammer Invasion sind nur einige Beispiele.

Einer der wichtigsten Punkte der Vorbereitung auf die Messe ist jedoch mit Sicherheit die Bestellung der Eintrittskarte. Das ist problemlos an den bekannten Vorverkaufsstellen möglich. Alle Infos zum Vorverkauf finden sich auch auf der Webseite des Merz Verlages.