Ist Linguismus die Intoleranz gegenüber Sprachen?

Was auf der anderen Seite des Teiches passiert, ist derzeit wohl kaum an Widerlichkeit zu überbieten. Die Ernennung eines Parteiischen mit einer Liste an Sexualstrafvorwürfen in einen lebenslangen Job im obersten Richteramt in den USA lässt mich wütend werden. Auch wenn ich sehe, was hier in Deutschland abgeht mit immer offeneren Parolen, die ich nur unter Rassismus zusammenfassen kann, stimmt mich traurig. Die Zahl der Artikel, die versuchen das zu erklären ist unzählig und jeder davon klingt in sich plausibel, auch wenn sich einige davon scheinbar widersprechen. Einzig eine Lösung fehlt.

So ähnlich (wenn auch nicht mit derselben Wut) geht es mir derzeit wieder im Spielebereich. Da kommen Leute aus allen Bereichen und stimmen traurig ein, dass früher alles besser war, dass die Spiele sie alle nicht abholen und sie auf nichts gehyped sind. Ob das so ist, weil sie darauf warten auf etwas gehyped zu werden, was dann wieder nur der böse Hype ist oder weil sie einfach keinen Bock haben, sich durch die Previewliste zu kämpfen und zu schauen, ob da überhaupt was draufsteht, was sie interessieren könnte, ist ein ganz anderer Punkt. Oder sie sind spielemüde und tun alle anderen als Cult of the New-Anhänger ab, als würden sie selber nur jeden Tag Ravioli essen.

Manche resignieren vielleicht auf Grund der Masse schon. Manche sind vielleicht zu schnell reingerutscht und haben sich ausgebrannt. Manche sind vielleicht einfach schon alt und fühlen sich von dem schnellen Wandel überfordert. Manche vermitteln mir aber den Eindruck, sie wollen sich als was Besseres fühlen. Nach dem Motto, seht her, ich bin schon weiter, und ihr seid noch am Anfang. Eine Art Ludoismus.

  • „Ich spiele doch keine Spiele der Art X!“
  • „Für so was Normales ist mir meine Zeit zu schade.“
  • „Noch so ein seelenloser Euro.“

Das fängt schon bei Monopoly an. Ich bin selber kein Freund dieses Spiels, weil ich es echt nicht gut finde, aber dann kommt der liebe Christian an und kann es gut verteidigen, warum es wichtig ist in unserem Hobby. Und er hat recht. Ein Monopoly auf dem Tisch ist besser als gar kein Spiel.

Ich selber habe jahrelang keine Partyspiele gespielt. Es waren gefühlt immer Variationen von Activity. Nichts gegen Activity, aber Spiele wie Codenames, Word Slam, Decrypto oder Time’s Up liegen mir mehr. Aber wenn einer Activity auf den Tisch bringt, dann ist das doch super. Denn er spielt.

Aber niemand muss sich mit Neuheiten beschäftigen, so wie niemand andere dafür abfällig betrachten muss, dass diese es tun. Wer sagt, das interessiert mich nicht, dann bitte. Mich interessiert es. Ich will wissen wie sich Spiele entwickeln. Auch Spiele dürfen schlecht altern und durch bessere ersetzt werden. Auch Spiele dürfen sich in verschiedene Richtungen bewegen. Und oft genug bedarf es ordentlich viel Durchschnittskost, bis das geniale um die Ecke kommt. Wer immer versucht nur das nächste Geniale zu spielen, wird das nächste Geniale nicht sehen, wenn er nicht sieht, was nicht Genial ist.

Bei der Entwicklung der Kinder gibt es einen Punkt wo die Kinder lernen, das bin ich und das sind Andere. Ein Ich-Gefühl gibt es nicht von Geburt an, sondern entwickelt sich erst im Kleinkindalter. Die Kinder lernen dann zu sehen, dass es andere gibt und jeder anders ist. Das dich andere Spiele mehr interessieren, macht dich nicht zu einem besseren Menschen. Auch nicht zu einem Schlechteren, warum also Worte wählen, die das Audrücken. Diese Abgrenzung ist wichtig für die Entwicklung und sollte immer einher gehen mit dem Lernen der Toleranz zu anderen. Dass diese Entwicklung noch nicht aufgehört hat bei manchen Menschen, sieht man in der Spieleszene, und auch in der Bevölkerung.

Autor: Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.