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Die Jury tankt super

Statistisch gesehen hat jede neunte Webseite die beiden Titelträger richtig vorrausgesetzt. Die Frage ist nun: Wer sind die anderen acht?

Titelträger sind nämlich Kingdom Builder (Hauptpreis) und Village (Kennerspiel) – Glückwunsch an die Autoren und Verlage!

Bereits vor der Wahl war klar, dass im Falle der Wahl von Kingdom Builder sich die Hälfte des Forums über die vermeintliche Einstiegshürde mockieren wird (hätte Vegas gewonnen, hätte sich die andere Hälfte über das vermeintlich zu seichte Spiel beschwert- und bei Eselsbrücke hätte das gesamte Forum über Partyspiele gelästert).

Doch warum hat die Jury diese Spiele prämiert? Weil diese Spiele die Jury-Abstimmung gewonnen hat. Alle Überlegungen wurden bereits im Vorfeld (beim Nominierungsprozess) geführt. Überlegungen warum das eine und nicht das andere sind daher eher müßig. Ebenso ob das andere Spiel eine bessere Wahl gewesen wäre. Viel interessanter ist die Frage: Was folgt aus der Wahl (außer Diskussionen)? Was nehmen die Verlage für eine „Message“ mit?

Zum einen ist die Botschaft: Auch „normale“ Eurogames können noch den Titel holen. Das war nach dem abstrakten (eher klassischen) Qwirkle und dem Partyspiel Dixit vielleicht tatsächlich eine notwendige Botschaft. Eselsbrücke hätte das Gegenteil ausgesagt, Vegas wäre hier unklar geblieben.  Vor allem aber gewann mit Kingdom Builder das Spiel von den Dreien mit der höchsten Einstiegshürde. Auch das ist eine wichtige Aussage. Gerade durch die Aufteilung in Kennerspiel und „normales“ SdJ wurde der Eindruck erweckt, es würden nur noch Titel mit geringster Einstiegshürde berücksichtigt, schon um sich abzugrenzen. Ein Verdacht, der durch (das imho zu Recht prämierte) Qwirkle bestätigt wurde.  Doch würde das stimmen, wäre Vegas prämiert worden. Vegas wäre kein schlechtes Spiel des Jahres gewesen, aber das Signal, das ausgesendet worden wäre, wäre wohl kontraproduktiv gewesen.

Interessant ist auch, dass fast dasselbe gesagte für Village gilt. Zwar hätte ich K2 den Titel gegönnt (schon wegen des Themas), aber als extrem rundes und vor allem dank thematischer Einbindung auch intuitives Spiel zeigt, dass gute Eurogames mit (verhältnismäßig) starkem Thema auch trotz größerer Regeldichte für einen Titel gut sind.

Ob die Titel wirklich bei der Zielgruppe zünden wird nur die Zeit zeigen. Ob die Titel die „besten“ waren, ob es überhaupt würdige Titel gab, darüber wird jeder eine andere Meinung haben. Die Aussage, die aber durch die Titel gemacht wurde, ist keine schlechte, meine ich.

ciao

peer

P.S. Im Sommer ist hier alles anderes: Ich postete bereits letzten Freitag und jetzt schon wieder. Dafür nächste Woche nicht (bin nicht da). Vielleicht schreibt Matthais, mal sehen.

Peer Sylvester
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2 Kommentare

  • Ich frage mich eher, was die Auszeichnung eines Queen Games für ein Signal für die gesamte Branche, also Produzenten, Händler, Größhändler etc., sein wird?

  • Ich habe die Vertriebspolitik nicht kommentiert weil ich a) ja ein Spiel bei Queen habe und b) es auch nicht kann, da ich zwar viel Hörensagen, aber nur wenig Details kenne.
    Ich weiß aber, dass es bei Amazon und Kaufhof erhältlich ist (und bei Karstatd hatten sie gerade zumindest Fresco, also denke ich auch, dass KB kommen wird).
    Es gab übrigens schon einmal ein Spiel des Jahres, dass nur begrenzt verfügbar war, weil der Verlag keine Rabatte gewähren wollte: Zug um Zug.

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