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Trends setzen und erkennen

Was wären wir ohne die Jury Spiel des Jahres, wenn es um das auffinden von Trends geht. Manche Trends sind offensichtlich. So wie es die Würfelspiele in diesem Jahr eindeutig sind. Andere Trends sind nicht ganz so offensichtlich. Die Jury hat es aber geschafft eine Gemeinsamkeit bei den drei nominierten Spielen zu finden, welche einem erst nach einigen Partien auffällt: Die Tatsache, dass einem die Spiele erst nach einigen Partien gefallen.

Bei Kingdom Builder ist das ja schon fast Allgemeinwissen. Die Menge der Leute, die das Spiel nach der ersten Runde enttäuscht zur Seite legen ist groß genug. Auf der anderen Seite die Spieler, die dem Spiel noch eine zweite und dritte Chance gegeben haben und inzwischen die Feinheiten des Spiels zu schätzen wissen und es als Favoriten sehen.

Bei Vegas bin ich auf dasselbe Phänomen gestoßen. Ich bin noch nicht derjenige der es mag, aber ich weiß inzwischen die Feinheiten zu schätzen die andere sehen. Vor allem gewinnt das Spiel sehr mit der Variante, welche nur spielbar ist, wenn nicht in voller Besetzung gespielt wird. Diese Variante ist der Clou der aus dem langeiligen Würfelspiel ein bisschen Kopfarbeit macht und das Spiel rausreißt. Ein Element, welches erst nach einigen Runden aufblüht und so das Spiel nach oben zieht. Und da diese Variante Teil der Anleitung ist, wird sie von der Jury mitbewertet.

Bei Eselsbrücke schließlich musste die Jury einige Runden gespielt haben, um auch die Qualität der Regeländerung einschätzen zu können. Aber auch hier habe ich die Erfahrung gemacht, das einige das Spiel nicht mögen, weil sie es falsch spielen. Manche zählen harmlos die Wörter in einem elenden Satz auf, so das es schwer ist einen Zusammenhang zu haben an dem man sich das merken kann. Andere erzählen elend lange Romane die so lang sind, dass es schwer ist sich zu erinnern welche Wörter aus der Geschichte auf den Plättchen waren. Mit Zunehmender Anzahl an Partien wird dies alles leichter Da schafft man schöne drei-vier-fünf-Satz Geschichten welche auch witzig sein können, aber nicht müssen. Und diese bleiben hängen. Und dann macht das Spiel Spaß.

Öfter Spielen ist also der Trend der deutlich macht das in vielen Spielen mehr steckt, wenn sie nur oft genug gespielt werden. Qwirkle hat dies im letzten Jahr anklingen lassen und dieser Jahrgang folgt diesem Plan unweigerlich. Es wird auch deutlich wie oft die Jury ein Spiel spielen muss damit sie den Jahrgang einschätzt. Eine Menge, die die meisten Internet-Bundestrainer bestimmt nicht aufgebracht haben. Welches Spiel auch am Ende den Pöppel tragen darf, es wird es verdient haben.

Und doch bleibt ein Wunsch am Ende offen: Wie wär es mal wieder mit einem Spiel, welches auf Anhieb allen gefällt? Ein 7 Wonders welches auch in die rote Kategorie passt.

Nachtrag: Santa Cruz hat heute den Österreichischen Spielepreis Spiel der Spiele 2012 gewonnen. Ein Dickes Herzlichen Glückwunsch an Marcel-André Casasola Merkle, der ganz im Trend auch ein Spiel gemacht hat, welches noch während der ersten Partie erneut gespielt werden muss um den Spaß zu erkennen. Und es macht Spaß.

Nachtrag 2: Da sowohl Peer als auch ich jetzt mal in den Urlaub fahren, wird nächste Woche kein neuer Artikel online gehen. Man liest sich in zwei Wochen wieder.

Matthias Nagy

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