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Verlagsvorstellung Isensee

Der Verlag Florian Isensee Spiele ist sein einigen Jahren ein ständiger Aussteller der Spiel in Essen. Zuerst ist er durch einige optisch sehr schöne (weil ungewöhlich) Kartenspiele aufgefallen, die zudem sehr preisgünstig waren. Ich habe mich einmal mit dem Namensgeber unterhalten.

Bitte stelle uns Deinen Verlag kurz vor!

Verlag: Der Isensee Verlag ist in erster Linie ein Buchverlag, der nichts mit Spielen zu tun hat. Im Buchverlag sind bisher gut 2.000 Titel erschienen.

Der Bereich Spiele firmiert unter Isensee Spiele (www.isensee-spiele.de). Bisher sind 6 Spiele erschienen. Seit 2005 hat der Verlag zu jeder Spiel ein Essen ein neues Spiel präsentiert. Davon sind 5 Kartenspiele, zuletzt erschien ein Brettspiel (Geschenke für den Radscha).

Bitte erzähle uns mehr über Deine Spiele!

Meine Spiele haben bis auf eine Ausnahme eine relativ leichten Zugang, eine kurze Spieldauer und sind familientauglich. Mein Ziel ist es neue Mechanismen auszuprobieren und einzusetzen. Beim letzten Spiel Radscha) ist z.B. ein innovativer Bewegungsmechanismus der Kern des Spiels. Ihm liegen vergleichsweise wenig Regeln zugrunde, und beim Spiel erkennt man die Möglichkeiten und Schwierigkeiten.Eine Ausnahme stellt das Spiel Händler auf dem Forum Romanum dar. Kern des Spiels sind hier die Warenkarten, die zugleich das Geld sind und außerdem Angebot und Nachfrage simulieren. Da hier jede Aktion eines Spielers weit reichende Auswirkungen hat, die nicht sofort durchschaubar sind, ist es eher ein Spiel für Vielspieler.

Expedition zu den alten Mayastätten: Ein schnelles und glücksbetontes Bluffspiel. Im Grundmechanismus legt jeder Spieler verdeckt eine Karte aus seiner Hand, die dann gleichzeitig aufdeckt werden. Mit diesen aufgedeckten Karten müssen die Spieler mal zusammen etwas erreichen oder gehen selbst auf Ruhmpunktejagd. Natürlich versucht jeder Spieler die besten Karten für die eigene Ruhmpunktejagd zu verwenden, aber das klappt leider nicht immer.

Musketier im Auftrag der Königin: Die Spieler (Musketiere) werden verfolgt von den Schergen des Kardinals und müssen dabei einen Wegeabschnitt zurücklegen (Im Spiel 8 Wegekarten). Das Ziel wird nur einer erreichen und somit gewinnen. Im ersten Teil des Spiels versucht jeder Spieler seine Kartenhand zu verbessern, um dann im 2. Abschnitt die Ausscheidungsrunden zu überstehen. In jeder Runde scheidet dann ein Spieler aus.

Ramses – Jagd auf die Reichtümer Ägyptens: Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Museumsdirektoren und planen eine gemeinsame Ägyptenausstellung. Jeder versucht möglichst viele, und möglichst wertvollen Objekte in dieser Ausstellung unterzubringen. Das Spiel endet, wenn die Fläche gefüllt ist und kein Objekt mehr hineinpasst. Vom Mechanismus her erinnert das Spiel an Rommé. Also Karten sammeln und auslegen. Allerdings gibt es mehr Handlungsmöglichkeiten für die Spieler: Überflüssige Karten können sie ihren Mitspielern schenken und diese ebenso zum Kartentausch zwingen.

Händler auf dem Forum Romanum: Ein sehr kniffliges Handelsspiel, bei dem jede Aktion eines Spielers weit reichende Folgen hat, die sich erst nach einige Partien erschließen. Im Mittelpunkt stehen 5 verschiedene Warenkarten (jeweils 12) die multifunktionell sind. Zunächst sind sie natürlich Waren, die man günstig einkaufen und teuer verkaufen sollte. Sie sind aber auch das Geld mit dem die Spieler bezahlen, nur variiert der Preis ständig im Lauf des Spiels. Dann wird über die Warenkarten auch noch das Angebot und die Nachfrage reguliert – also auch der Marktpreis. Wer sich zuerst Luxusgüter im Gesamtwert von 10 Prestigepunkte sichern kann gewinnt das Spiel.

Das Labyrinth des Minotaurus: Ein Spiel mit drei Phasen, die nacheinander komplett zu Ende gespielt werden. Also fast schon drei kleine Spiele, die aufeinander folgen. In der ersten Phase legt man durch den Erwerb von Baukarten den Grundstein für die 2. Phase, außerdem kann man sich einen Wertungsbonus für die 3. Phase verschaffen. Die Kartenverteilung erfolgt über Pöppel, die über die Kartenauslage wandern.In der 2. Phase bauen die Spieler gemeinsam ein Labyrinth, wobei sie Ketten aus eigenen Göttersymbolen bilden, um zu punkten. Beim Bauen versucht man Göttersymbole der Mitspieler zu überbauen, eigene Ketten zu verlängern und sich eine gute Ausgangsposition für die 3. Phase zu schaffen.In der 3. Phase versuchen die Spieler dann möglichst viele Schätze aus dem Labyrinth zu bergen. Dazu laufen sie mit ihren Pöppeln durch das gerade fertig gestellte Labyrinth. Nach jeder Phase gibt es eine Wertung mit leicht ansteigenden Punkten. Die Gesamtsumme der drei Wertungen ergibt den Sieger des Spiels.

Geschenke für den Radscha: Das Besondere an dem Spiel ist der Bewegungsmechanismus. Auf dem variablen Spielplan liegen Markierungssteine in den Spielerfarben. Diese gilt es einerseits einzusammeln, denn man braucht von allen Farben einige und von der eigenen Farbe viele Steine. Diese Markierungssteine sind quasi Wege durch die Wüste. Einmal überquert verschwinden sie im Wüstensand, d.h. ein Spieler sammelt alle überquerten Steine ein. Danach legt er genauso viele Steine allerdings ausschließlich seiner eigenen Farbe aus dem allgemeinen Vorrat wieder auf den Spielplan. Um die Bewegung bezahlen zu können braucht er Spielsteine der eigenen Farbe. Spielsteine anderer Farben werden für das Ertauschen der Geschenke benötigt oder um sich hilfreiche Begleiter zu verschaffen. Wer zuerst mit den Geschenken zurück im Palast des Radscha ist, gewinnt das Spiel.

Was hast Du für die Zukunft geplant?

Auch in 2011 möchte ich auf der Spiel in Essen ein neues Spiel präsentieren und so den Rhythmus von einem Spiel pro Jahr beibehalten. In versuche mich nicht selbst zu kopieren und in jedem Jahr ein vollkommen andersartiges Spiel zu präsentieren.

Hast Du noch einen abschließenden Tipp für andere Kleinverleger?

Eigentlich nur ein Hinweis: Die Spielanleitung ist mit Sicherheit die größte Hürde auf dem Weg vom Prototyp zum fertigen Spiel. Für diese Aufgabe sollte jeder Kleinverleger viel Zeit einplanen und die Anleitung durch Dritte, die das Spiel nicht kennen testen lassen.

Vielen Dank für das Interview!

Bislang habe ich nur das neueste Spiel, Geschenke für den Radscha, gespielt – aber das kann ich auf jeden Fall empfehlen! Es ist auf den ersten Blick ein simples Laufspiel: Man läuft über Wüstenfelder, auf denen Waren liegen und sammelt diese auf. Um mehr als ein Feld weit zu laufen, muss man eigene Waren abgeben. Nach seinem Zug werden eigene Waren aus dem allgemeinen Vorrat benutzt, um die Wüste wieder aufzufüllen. Der Kniff ist nämlich der: Leere Wüstenfelder (also welche ohne Ware) darf man zwar betreten, der Zug endet dort aber. Da eigene Steine als Motor dienen, versucht man also die eigenen Waren dort zu platzieren, wo man sie später einsammeln kann. Der zweite Kniff ist aber, dass die Waren nur benachbart zu bereits liegenden Waren oder zu einem bestimmten Sonderfeld angelegt werden dürfen und dass auf jeden Feld nur eine Ware liegen darf – daher kann man bestimmte Spielplangebiete mit seinen Waren gar nicht erreichen. Dummerweise muss man so ziemlich überall hin: Man muss nämlich zwei Sonderfelder erreichen und dort 4 verschiedene Waren abgeben, um ein “Geschenk” zu kaufen (dafür braucht man die Waren der Gegner). Wer zuerst mit den Geschenken zurückgekehrt ist, hat gewonnen. Aus diesen Regeln – und einigen Sonderkarten, die Vorteile bieten und Waren kosten- ergibt sich bereits ein reizvoller Spielverlauf. Die ersten Züge machen noch nicht viel her, aber spätestest wenn man sich irgendwo in der Wüste ohne eigene Waren wiederfindet oder wenn man zwar ein Geschenkefeld erreicht hat, aber nur eigene Waren im Vorrat hat, weiß man, dass mehr hinter diesem Spiel steckt. Geschenke für den Radscha ist ein Zugoptimierspiel, mit kleinerem Chaosfaktor, denn natürlich durchkreuzen die Mitspieler gerne mal die eigenen Pläne. Es ist recht abstrakt, aber das stört hier nicht, da die Regeln intuitiv sind. Ich habe den Kauf jedenfalls nicht bereut!

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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