Wie vermutlich jeder, der die Spielenews einigermaßen aufmerksam verfolgt, weiß, hat Days of Wonder einen Wettbewerb ausgerufen. Es geht um eine neue Karte für Zug um Zug und der Hauptpreis ist 10.000$. Meine Frage an mich selbst: Soll ich mitmachen?
Dafür spricht erst einmal, dass ZuZ zu den wenigen Spielen gehört, die meine Frau wirklich gerne spielt und ich daher durchaus Testmöglichkeiten habe (mein größtes Problem ist das Fehlen von Testrunden und von Zeit, um Protos bei Testrunden auszuprobieren. Zumal ich auch gerne fertige Spiele spiele…). Außerdem habe ich bereits eine ganz brauchbare Idee.
Der erste Hinderungsgedanke betrifft die Graphik: Ich kann sowas nicht wirklich und für ZuZ braucht man schon ne gute Karte. Kann nicht irgendjemand schnell einen ZuZ-Mapgenerator programieren? Kann doch nicht so schwer sein! :-)
Eine ganz andere Frage sind die Teilnahmebedingungen. Da sind durchaus ein paar kritische Dinge dabei, mit denen sich jeder, der sich überlegt, teilzunehmen, auseinandersetzen sollte. So gibt es den Hauptpreis und dann vielleicht noch einen zweiten Platz. Eine Teilnahme ist also wie Lottospielen – man sollte nicht wirklich damit rechnen zu gewinnen und daher lohnt sich der Aufwand wohl nur, wenn man sowieso gerne ZuZ spielt und die eigene Karte auch privat nutzen würde.
Kritischer ist schon, dass meine seine Rechte an den Karten aufgibt. Hier ist eine Sache unklar: Gilt das nur für die Dauer des Wettbewerbes? Ich meine, dass wäre verständlich. Akzeptabel auch wenn der Sieger nicht weiter am Verkauf seiner Karte beteiligt sein sollte. Immerhin bekommt er ja die 10.000$. Ein Festgehalt ist im Spielebereich zwar eher unüblich, aber per se nichts verwerfliches. Ob Days of Wonder damit einen guten Schnitt macht, kann ich nicht beurteilen, da ich die durchschnittlichen Verkaufszahlen ihrer Karten nicht kenne. Allerdings sind die (umgerechnet) etwa 7000$ deutlich mehr, als ich bislang insgesamt mit all meinen Veröffentlichungen zusammen verdient habe. Schlecht ist das Angebot also wohl nicht.
Was ist aber mit den Verlierern? Bekommen sie die Rechte nach dem Wettbewerb zurück? Rein technisch könnte DoW die Karten sonst ohne Endgelt verkaufen, wobei ich nicht glaube, dass die das tun (das wäre doch mit einem größeren Imageschaden verbunden und zudem glaube ich nicht, dass das rechtlich wasserdicht wäre). Und wenn man eine ZuZ-Karte auch nirgendwo anders mehr unterbringen könnte, wäre es doch interessant zu wissen, ob eine digitale Veröffentlichung (z.B. auf BGG) möglich wäre. Wäre sonst ja schade um die Arbeit, die man da hineingesteckt hat. Das (und das Problem der Graphik) lässt mich im Moment noch zögern.
Was meint ihr?
Ergänzung: Mir ist noch ein Grund eingefallen, warum Days of Wonders die Rechte behalten will: Man kann ja Ergänzungsregeln angeben. Wenn sie nun in einer zukünftigen Karte eine ähnliche (oder auch dieselbe) Regel einsetzen wollen, könnte es Ärger geben, wenn sich der originale Regelautor meldet – davor wollen sie sich schützen (wobei eine einzelne Regel kaum die nötige Schöpfungshöhe haben dürfte)
ciao
peer
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Du machst den Plan und ich die Illus … und wir 50/50 ;-)
Da ich sowieso nicht glaube zu gewinnen, können wir das gerne so machen ;-)
Immerhin hätte ich dann einen exklusiven ZuZ-Plan von Dir :-P
Tja, diese Bedingungen erinnern doch an die einstige Weltbank-Ausschreibung http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=3&i=6192&t=6192&
Ein Unterschied ist, dass es bei der Weltbank-Ausschreibung um das komplette Spiel ging, hier lediglich um eine Bearbeitung: um andere Spielpläne. Das ist rechtlich insofern interessant, da sie auf der Arbeit des Autors fußen und unwesentliche Bearbeitungen keine eigenen Urheberrechte begründen. Da der Verlag eine große Summe auslobt, ist allerdings davon auszugehen, dass die Bearbeitung zumindest des Siegerspiels mehr als nur unwesentlich ist. Wer ZugumZug-Spielpläne erstellt, hat aber allenfalls ein gemeinsames Urheberrecht mit dem Autor von Zug um Zug, aber sicher kein alleiniges Recht daran.
Varianten(-Wettbewerbe) von anderen Autoren sind zwiespältig, da der Autor damit – zumindest in Deutschland – Urheberrechte teilt, sich u.U. in der Entwicklung eigener Varianten einschränkt. Ich habe seinerzeit mal zu Keltis einen Besser-Spielen-Artikel für die spielbox geschrieben. Da es sich um eine deutliche Veränderung gehandelt hat, nicht bloß um einen kleinen Verbesserungsvorschlag, hatte ich den Autor vorher um Veröffentlichungenehmigung gebeten. Die hatte er mir verweigert, weil er selbst gerade an Varianten arbeitete. Für mich war das eine verständliche Reaktion und ich habe selbstverständlich auf die Veröffentlichung verzichtet.
Wenn jetzt Autor und Verlag einen Variantenwettbewerb starten und auch in deutscher Sprache veröffentlichen, so müssen sie die urheberrechtlichen Konsequenzen tragen. Eine Erklärung des ZugumZug-Autors und ehemaligen SAZ-Vorsitzenden Alan Moon (der lt. Wikipedia auch Director of Games bei Ravensburger USA war) halte ich für wünschenswert.
Die SAZ war zu Zeiten der hierzulande rechtswidrigen Weltbank-Ausschreibung erklärtermaßen für (allerdings wohlwollende) Neutralität in Sachen Eigentumsübertragung an den Veranstalter: http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=3&i=6210&t=6192&
Dass die von mir angestoßen Diskussion damals zu Maßnahmen gegen mich geführt hatte (u.a. unter Beteiligung von Friedemann Friese), die Auseinandersetzungen mit meinem Ausschluss endeten, die SAZ dem aber heute doch nicht mehr ganz so gleichgültig gegenüber zu stehen scheint http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=3&i=9257&t=9246& zeigt, dass die offene Auseinandersetzung ein gutes und richtiges Mittel ist, Denkprozesse in Gang zu setzen …
Danke für die Ausführungen! An die Weltbank musste ich auch denken, aber hier geht es ja tatsächlich “nur” um die Pläne. Da wäre mir der Hauptpreis genug ;-) Ich denke die hohe Summe ist allerdings weniger eine Rechts- als eine Werbemaßnahme des Verlages.