Ich glaube Wargamer wissen dass sie gegenüber den Eurogamern in der Minderheit sind. Das ist auch nichts verwerfliches – und darum geht in diesem Post auch – aber mich hat doch überrascht, dass bei einer Geeklist vor kurzem auf Boardgamegeek einige Co-Sim- und Wargamespieler sich lautstark darüber muckierten, dass bei Abstimmungen zwischen Eurogames und ihren Lieblingsspielen die Euros meistens klar gewannen. Sie sprachen von “Bias towards Euogames” und wie langweilig Euros doch sind und dass BGG somit auch immer langweiliger und schlechter werden würde.Ich hab das nicht verstanden, denn dass es mehr Eurogamer als Wargamer und Cosimer gibt, finde ich relativ eindeutig. Und auf einer Seite, wo es um alle Arten von Spielen geht spiegelt sich genau das wieder.
Der Grund meiner Verwunderung liegt aber woanders: Warum waren die betroffenden Wargamer / Cosimer (also die die sich gemeldet haben, ich denke die Mehrheit ist da entspannter) darüber so angesäuert? Und wenn man die Allgemeinheit aller Brettspieler nimmt: Wieso wollen viele Spieler, dass “ihre” Spiele zu den beliebtesten gehören? Dass ihre Spiele den Deutschen Spielepreis oder gar das Spiel des Jahres gewinnen? Warum die Autoren das wollen ist klar, aber warum die Spieler?
Na gut, auf den ersten Blick ist klar: Man möchte natürlich irgendwie recht behalten. Man möchte, dass “seine” Art zu spielen die “richtige” ist. So wie ein Weinkenner weiß welche Weine man trinken muss, möchte ein Spielekenner wissen, welche Spiele man spielen muss. Klingt logisch – sieht man von der Kleinigkeit ab, dass die Qualität von Spielen nicht wirklich objektiv messbar ist.
Aber andererseits… In der Schule war ich meines Wissens der einzige, der Metallica und Slayer gut fand. Hey, das war vor Nirvana und Co und Hardrock/Heavy Metal war damals noch absolut untauglich für die Charts. Hat mich das gestört? Nein! Ich fand das war eher cool. Etwas später hatten meine Schwester und ich regelrechte Diskussionen darüber, wer von uns die abseitigere Musik höre – wobei wir versuchten der alternativere Part zu sein. Heutzutage bin ich da natürlich entspannter und höre was mir gefällt, egal obs in den Charts ist (Owl City) oder nicht (A perfect circle). Mir wäre es jedenfalls nie in den Sinn gekommen, andere Leute zum Spielehobby zu “bekennen”.
Warum ist das bei Spielen nicht so? Nun erst einmal, ein bisschen ist es ja so. Ich bevorzuge unbekanntere und auch etwas abstrusere Spiele, zumindest bei einem Blindkauf. Andererseits interessieren mich auch die klassischen Vielspielerspieler zumindest teilweise – man möchte ja auch mitreden können und einige sind ja auch gut. Aber ich gebe es zu: Gute Kritiken zu Spielen, die mir absolut nicht zusagen irritieren mich, schlechte Kritiken zu meinen Lieblingsspielen ebenso. Vielleicht liegts ein wenig an der Reputation, die man sich als Rezensent aufbauen möchte – wer nie mit mir übereinstimmt, liest mich nicht – aber ich glaube das ist nur ein Nebenschauplatz. Eher schon liegt es daran, dass man Spiele mit anderen spielt und daher einen gemeinsamen Nenner haben muss. Außerdem ist das Internet seit jeher ein Platz für Diskussionen und man möchte eine Diskussion gewinnen – egal obs um Guttenberg oder das Liebliongsspiel geht. Und ein Aspekt ist sicher auch, dass “Mainstream” hier “Monopoly” bedeutet.
ciao
peer
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Ich denke, je mehr man sich mit seinem Geschmack in eine Nische begibt (hier Wargames) desto eher neigt man dazu anderes als schlecht zu bewerten. Ist mir in meiner Jugend auch passiert: nur deutscher Hip Hop (nein, keine Fanta Vier und Gangsta-Rap aus Deutschland gab es damals auch noch nicht), amerikanischer war gefühlt fast automatisch Sellout, was natürlich kompletter Unfug ist/war. Aber einmal eingekesselt in seine Nische ist der Blick eng und dies mag den Druck zur Verteidigung der Nische erhöhen.
Zudem kommt vielleicht auch die leidige E-vs.-U-Diskussion hinzu, zumindest gefühlt für die in deinem Post angesprochenen Wargamer.
Den größten Unterschied macht möglicherweise aus, ob man zur riesigen Gruppe der “passiven” Konsumenten (kaufe ein Spiel und mach irgend was damit- verschenken, irgendwann mal spielen, oder verstauben lassen) oder zur kleinen Gruppe der aktiven “Konsumenten” (teile die eigene Meinung zum Spiel anderen per Voting, Foren Eintrag, Rezi, … mit) gehört. Nach außen direkt sichtbar (heutzutage = Internet) ist eigentlich nur die zweite Gruppe und durch eine Meinungsäußerung kommt man dem Produkt emotional sicherlich deutlich näher- besonders wenn es abweichende Meinungen egal in welche Richtung gibt. Das sind quasi “Angriffe” auf die eigene Meinung, die es zu verteidigen gilt.
Es gibt ja auch genug Autofahrer, die ein Autofahrerleben lang einer Marke treu bleiben- und das sicher mehr aus emotionalen als aus rationalen Gründen. Ich bin mir sicher, dass die Markentreue unter Auto-Freaks um ein Vielfaches höher als unter “einfachen” Auto-Nutzern ist, die nur danach schauen, was am besten geeignet und am billigsten in Anschaffung und Unterhaltung ist. Das gilt in ähnlicher Form sicherlich auch für Spiele Freaks, grade wenns um Fortsetzungsgeschichten oder Lieblingsautoren geht: Ist man erstmal Fan geworden, gibt man diesen Status eigentlich nicht mehr auf.