spielbar.com

Quizspielvergleichtest 2010

Nach zwei recht oppulenten Jahren, umfasst der diesjährige Test lediglich drei Spiele. Dafür sind keine Standard-Frage-beantworten-und-vorwärts-würfeln-Spiele á la Quiztaxi oder Spiel des Wissens dabei, die sowieso niemand braucht. Und auch wenn sie verstärkt erscheinen: Reine Fragesammlungen sind auch disqualifiziert. Es muss schon ein richtiges Quiz sein :-)
Zum Einstimmen aber erst einmal die Preisträger der vergangenen Jahre:

2007 Bezzerwizzer
2008 Fauna
2009 Die Welt der…-Quizspielreihe

Und jetzt viel Spaß!

Andere Länder, andere Sitten
Autor: Marion Luger
Verlag: Piatnik
Für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Ein Quizspiel mit angegeben Autor ist schon was ungewöhnliches und hier ist auch das Thema ungewöhnlich: Es geht um, naja, um andere Länder und andere Sitten eben :-)
Grundsätzlich liest einer eine Karte vor, auf der etwas ethnologisches steht, wie z.B. „Hier ist das Berühren des Kopfes eines Menschen ohne dessen Erlaubnis streng verpönt“. Nur, dass die Beschreibung auf den Karten sehr viel blumiger (positiv!) und länger (negativ!) ist, als hier dargestellt. Streng genommen liest es sich eher wie ein Auszug aus einem Reiseführer, aber OK. Es ist schon irgendwie stimmungsvoll. Ausserdem muss die Beschreibung ausführlich sein, denn der Vorleser darf sich aussuchen welche Länder er als Antwortalternativen anbietet (die richtige Antwort muss natürlich darunter sein). Dann raten die anderen welches der Länder das richtige ist und wer besonders schnell ist, bekommt noch einen Bonus.
Theoretisch stecken da eine Menge netter Ideen drin. Leider funktioniert das in der Praxis alles nicht so schön, wie es soll. Insbesondere eine Sache ist nicht ganz ausgereift: Eigentlich ist es eine nette Idee, dass der Vorleser die Alternativen festlegt, weil er so ein bisschen bluffen kann und ein bisschen überlegen kann, auf welche Länder die Beschreibung noch zutreffen können (er bekommt Punkte, wenn sich die Spieler mit der Antwort schwertun). Nimmt er die Rolle allerdings zu ernst, kann er in vielen Fällen, einfach alle Länder einer Region als Alternative anbieten. Selbst versierte Könner dürften nicht wissen in welchem Land nun genau die Massai leben. Und wenn Mikronesien die richtige Antwort ist, dürfte man darauf nur zufällig kommen, wenn die Alternativen Samoa, Fidschi, Neuseeland und Polynesien lauten. Ein weiterer Nachteil: Obwohl die Beschreibungen auf den Karten schon recht ausführlich sind, kann es durchaus zu doppelten Antworten kommen – wenn es um z.B. Madegras geht und als Alternative (zu Mexiko) die USA genannt werden, so ist das defacto richtig, denn Madegras wird ja in New Orleans ausgiebig gefeiert. Nichts ist bei einem Quizspiel aber ärgerlicher, als wenn Fragen nicht eindeutig beantwortbar sind – Da ist Streit vorprogrammiert. Aber auch wenn alle nett und kuschlig spielen und „nette“ Alternativen anbieten ist Andere Länder… nicht frei von Problemen: Die Regelung, dass der erste mehr Punkte bekommt ist schlicht schlecht umgesetzt – denn er verliert keine Punkte, wenn er falsch antwortet. Wer also eh keine Ahnung hat, rät lieber blind, als länger nachzudenken. So bekommt er im günstigen Fall einen Bonus und nimmt selbst im schlechtesten Fall den anderen Punkte weg.  Diese Regel wurde bei uns schnell gekippt.
Das Hauptproblem ist aber tatsächlich das Thema. Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen, bin weit gereist und habe auch längere Zeit in einem anderen Kulturkreis gelebt. Dennoch fand ich die Fragen z.T. extrem schwer. Vielleicht konnte ich ein Viertel der Fragen beantworten. Weniger versierte könnten da schnell frustriert werden (Könnten? Hey, Ich war schnell frustriert!). Zudem fehlt etwas die Abwechslung – es sind ja nur Fragen über andere Kulturen drin, also quasi nur ein Wissensbereich und der ist zudem eng abgesteckt.
Das ist auch das Fazit: Wer sich jetzt wirklich sehr für die Thematik begeistern kann, der mag mit dem Spiel seine Freude haben (zumindest wenn er Gleichgesinnt zum Mitspielen parat hat). Aber die technischen Fehler im Mechanismus und die zu einseitige Fragenausrichtung verhindern doch eine breitere Empfehlung

Logo -Das große Spiel der Marken
Kein Autor angegeben
Verlag: Jumbo
Für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Die Schachtel gibt gleich Rätsel auf: Heißt es jetzt „Logo – Das große Spiel der Marken“ oder „Das große Logo-Spiel der Marken“? Na gut, es gibt wichtigeres (ersteres ist übrigens richtig). Es geht entsprechend auch um Marken. Wer jetzt denkt „Das ist ja genauso eingeschränkt wie bei Andere Länder, andere Sitten!“ liegt falsch, denn es geht nicht nur um Bifi und Haribo, sondern auch um Fernsehsender, Autos, Internetdienste, Autos, Modemarken, Autos und vieles mehr. Dabei rangieren die Fragen von Fragen über Werbesprüche oder den Logos selber (lustig) über Produktlinien (Wie viele Bifisorten gibt es?) bis hin zu allgemeinen Fragen (Seit wann gibt es die Firma XYZ“?). Dabei liest -wie üblich – immer ein Spieler vor. Kann der Zugspieler die Frage beantworten, bekommt er die nächste vorgelesen – insgesamt gibt es 4 Fragen pro Karte. Bei einer falsch beantworteten Frage darf der nächste Spieler (oder im Teamspiel das jeweils andere Team) sein Glück versuchen. Beantworten alle Spieler eine Frage falsch (es gibt in der Regel keine Alternativen) oder alle 4 Fragen wurden richtig beantwortet, liest der nächste Spieler vor.
Das Weiterreichen der Fragen sorgt für Interaktivität und Spannung: „Kann der Mitspieler die Frage beantworten? Ich weiß es!“ und mindert das „Die anderen bekommen nur die leichten Fragen“ – Phänomen. Wenn allerdings alle gleich an der ersten Frage scheitern, kommen die anderen Fragen der Karte gar nicht zum Zuge, was etwas schade ist. Die Fragen der Karte beziehen sich übrigens (bis auf ein paar „Allgemeinwissen“-Karten) immer auf ein Produkt oder einen Überbegriff wie „Königliche Marken“.

Auch der Punktemechanismus ist interessant: Die vier Fragen sind jeweils Farbkodiert und wer richtig rät kommt zum nächsten Feld der passenden Farbe. Das ist mal ein großer, mal ein kleiner Schritt – Glücksabhängig, aber nicht auf eine nervige Weise.
Überhaupt bin ich mit Logo sehr zufrieden: Keine spektakulären Ideen – auch das Thema ist jetzt nichts bahnbrechend neues (Kennt noch jemand „Slogan“?) aber alles grundsolide umgesetzt, alles funktioniert wie es soll und das Spiel ist auch, nicht zuletzt durchs Thema, unterhaltend und interessant. Das Material wirkt etwas bieder und die Quizfragen lesen sich zum Teil so, als stammen sie aus den PR-Abteilungen der beteiligten Firmen (Kleiner Tipp: Bei Schätzfragen ist immer die Antwort richtig, bei der die Firma im bestmöglichen Licht steht) und variieren schon in ihrem Schwierigkeitsgrad (über ICQ weiß der Durchschnittsbürger nun einmal weniger als über Smarties), aber das alles stört nicht. Das einzige unausgereifte sind die Fragen, die sich direkt aufs Logo der Marke beziehen – das steht nämlich oft gut sichtbar auf der Rückseite der Karte oder gar auf der Schachtel. Das ist ein etwas unnötiger Fehler, der aber das Spiel nicht schlechter macht.
Empfehlung!

Trivial Pursuit Team
Keine Autorenangabe
Verlag: Hasbro
Für 2 Teams ab 16 Jahren
Trivial Pursuit gehört für mich zum Inbegriff des schlechten Quizspieles. Wer aber meine Rezi gelesen hat weiß, dass Hasbro tatsächlich alle Kritikpunkte in ihrer Teamedition beseitigt hat: Keine ausufernde Spieldauer mehr, da in jeder Partie dieselbe Anzahl von Fragen beantwortet wird. Kein nerviges Würfeln (Bei TP besonders ärgerlich, da man ja nur auf bestimmten Feldern zu Siegpunkten kommt) mehr, dafür eine ausgeklügelte Wertung. Viel Abwechslung durch 6 unterschiedliche Fragetypen. Taktik durch das Aussuchen der Wissenskategorie (Nehmen wir jetzt diese, damit das andere Team uns die Antwort nicht klaut oder lieber jene, bei der wir uns besser auskennen?). Niedige Einstiegshürde durch innovatives Konzept mit vorgefertigten Sätzen. Alles toll! (Die genauen Regeln finden sich in der verlinkten Rezi, weshalb ich hier nicht noch einmal darauf eingehen will).
Einzige Kritikpunkte: Das Material reicht nur für genau 12 Partien. Das ist für die normale Familienrunde ausreichend, für echte Quizspielfreunde aber zu knapp. Zudem finden sich Fragen aus der „Deutschland-Edition“ auch in der thematisch nicht festgelegten Version wieder (die sich komischerweise nicht auf der Hasbro-Homepage findet). Das ist gerade aufgrund der eh geringen Fragenanzahl schon recht ärgerlich. Sicherlich, durch die verschiedenen Fragenmodi ist der redaktionelle Aufwand sicherlich deutlich höher als bei herkömlichen Quizpielen, aber dennoch kann man vom Branchenriesen Hasbro doch mehr erwarten.
Aber das ist eine Lappalie. Trivial Pursuit Team ist für mich (und auch der Rest der Jury) tatsächlich das beste Quizspiel der letzten Jahre. Man merkt, dass hier speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe hingearbeitet wurde. Ich hoffe, dass die Reihe in Zukunft mit Ausbausets unterfüttert wird und ich hoffe, dass andere Verlage sich am Konzept eine Scheibe abschneiden und selbst mal etwas innovativere Produkte auf den Markt werfen (insgesamt sind alle drei hier vorgestellten Quizspiele was das betrifft gute Vorbilder.

Und somit ist es keine Überraschung:

Der Spielbar-Quizspielpreis 2010 geht an

Trivial Pursuit Team

Herzlichen Glückwunsch!

Wir danken Jumbo und Piatnik für die Rezensionsexemplare!

Peer Sylvester

2 Kommentare

Podcast-Episoden