Wachstumsgedanken
Es gibt kaum einen Zweifel daran dass wir Brettspieler es im Moment recht gut haben. Das Hobby wird immer internationaler, es erscheinen jedes Jahr immer mehr Spiele. Es wird immer leichter Spiele von obskuren Verlagen zu beziehen und auch die physische Qualität der Spiele nimmt weiter zu. Selbst Spieleempfehlungen sind leichter zu bekommen. Soweit so gut.
Doch was ist mit den Verlagen?
Zwei Nachrichten kursierten im Nürnberg-Nachhall: Erstens: Simba übernimmt Zoch und zweitens JKLM ist Pleite. Die zweite Nachricht hat mich nicht wirklich überrascht. Das Produktionssystem von JKLM, bei der mit vorbestellten Spielen weitere Spiele produziert wurden erinnerte mich zu sehr an ein Schneeballsystem, als dass ich da wirklich Vertrauen drin gehabt hätte. Außerdem hatte ich das Gefühl, die Jungs produzieren zu viele Spiele für ihre Finanzdecke. Bedauerlich, aber so etwas passiert.
Die andere Nachricht hat mich dagegen etwas mit Sorge erfüllt; Goldsieberspiele hat durch die Übernahme von Simba ja nicht gerade profitiert. Eher hat man den Eindruck Goldsieber ist wenig mehr als ein Hobby, dass von den Simba-Leute so nebenbei betrieben wird. Eine große Rolle spielen die Goldsieber-Spiele jedenfalls nicht -weder in Geschäften noch in Vielspielerkreisen (Norisspiele ist da ein anderer Fall, denn das sind in erster Linie Spiele für eine ganz klare Zielgruppe). Zoch soll die Eigenständigkeit behalten, hoffen wir, dass das auch in Zukunft so bleibt…
Wie geht es also den Verlagen? Natürlich stecke ich nicht drin, habe lediglich mit ein paar Leuten diskutiert. Die Angaben sind also eher ohne Gewähr.
Der Markt ist klar größer geworden: Immer mehr Menschen kaufen Brettspiele, immer mehr Länder importieren Brettspiele, immer mehr Zielgruppen können angesprochen werden (wenn das auch kaum genutzt wird…). Wie oben bereits geschrieben haben Kleinverlage nie dagewesene Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten. Vorbei die Zeiten als ein Kleinverlag 200 handgeknete Spiele in Essen angeboten hat und dann die Restexemplare über Kleinanzeigen anbieten musste.
Die Kehrseite ist aber: Der Markt ist größer geworden. Es gibt sehr viel mehr Spiele (und Verlage). Da ist es sehr viel schwieriger hervorzustechen. Spieler müssen mehr auswählen und da fällt die Wahl entweder auf altbewährtes (Verlage oder Autoren oder Thematiken) oder auf im Internet besprochenes. Ohne Vorankündigung läuft kaum noch was in Essen. Das gilt natürlich besonders für Kleinverlage. Auch nach Essen muss ein Spiel im Gespräch bleiben, was letztlich weitestgehend Glückssache ist. Auch handwerklich und preislich muss ein Spiel jetzt mithalten. Das bedeutet für Kleinverlage, dass sie die neuen Möglichkeiten auch nutzen müssen. Das wiederrum bedeutet größere Auflagen, denn sonst kann der Standard in Preis und Ausstattung nicht gehalten werden. Und das wiederrum bedeutet ein größeres Risiko und eine größere finanzielle Belastung. Zwar können größere Auflagen auch besser abverkauft werden, doch garantiert ist das nicht – schlechte Vermarktung oder negative Kritiken können einen solchen Kleinverlag aus der Bahn werfen. Hinzu kommt, dass die Ansprüche der Spieler auch weiter steigen: Regeln müssen nicht nur eindeutig sein, sondern auch bei Kleinverlagen möglichst mehrsprachig. Der Service darf keine Minute langsamer sein als bei der Konkurrenz. Und das auch bei Kleinverlagen bitteschön! Der Kleinverlagsbonus wird immer geringer und nur noch bei wenigen Verlagen überhaupt gegeben.
Ob unterm Strich die Verlage besser oder schlechter abzuschneiden vermag ich nicht zu beurteilen. Das Geschäft ist allerdings wohl sehr viel brutaler geworden. Alteingessene müssen ihre Methoden überdenken. Neue müssen einen noch besseren Plan haben, wie sie welche Spiele produzieren. Dann klappts auch mit dem Nachbarn Spieleverkauf…
ciao
peer





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