Dez 07

Bezahlte Schummeleien

Peer Sylvester,  2014      

Vor einem Monat (ja, wir sind unglaublich aktuell) wurde bekannt, dass der Zug-um-Zug-Weltmeister geschummelt hatte und ihm der Titel deswegen aberkannt wurde. Er selber sagte, er hätte versehentlich Karten aufgenommen, die ihm nicht gehörten. Nun will ich gar nicht über Schuld oder Unschuld spekulieren, schließlich gilt die Unschuldsvermutung auch im Spielesektor. Stattdessen schreibe ich allgemein ein bisschen über das Schummeln bei Turnieren:

Wie es der Zufall will, habe ich kurz nach dem Vorfall das Buch How to cheat at everything von Simon Lovell  gelesen, dass sich unter anderem mit dem Schummeln bei Spielen befasst (das Ziel des Buches ist übrigens Aufklärung, nicht das Heranzüchten neuer Kartenprofis). Eine ganz kurze Zusammenfassung: Wo es um Geld geht, wird früher oder später auch geschummelt.  Geht es um viel Geld, eher früher als später… ;-) Ich möchte das Wissen nutzen, um hier erst einmal einen kleinen Überblick über das Schummeln bei klassischen Spielen geben:

Kartenspiele: Poker & Co sind vermutlich die Spiele, die jeder sofort mit Schummeln assoziiert und tatsächlich gibt Lovell einen großen Überblick, was alles möglich ist: Von gezinkten Karten über das spezielle Mischen und Geben und spicken und sogar das Austauschen ganzer Decks ist alles möglich – und alles wird auch in Turnieren beobachtet.

Backgammon: Backgammon ist nach Poker vermutlich das Spiel, das am häufigsten um Geld gespielt wird und auch das, bei dem Schummeleien sehr oft vorkommen. Schwachpunkt sind hier die Würfel, die gerne gegen Gezinkte Würfel ausgetauscht werden oder die von vornerein paramagnetisch sind und nach belieben “aktiviert” werden können. Aber selbst wenn die Würfel echt sind – Ein geübter Spieler kann die Würfel so werfen, dass sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit so landen, wie der Schummler es will. Das geht übrigens besonders einfach wenn ein Würfelbecher verwendet wird.

Mah-Jongg: Neben dem Austauschen von Steinen fühlen geübte Spieler bereits beim Aufbau wo welcher Stein in der Mauer liegt und auf welche Kombis es sich daher eher lohnt zu spielen (ich kenne übrigens einige Spieler persönlich, die das a) können und b) das nicht als Schummeln ansehen).

Bridge: Neben den Kartentricks (s.o) kommt es hier besonders häufig zu (unerlaubten) Signalen zwischen den Spielern. Laut Lovell ist diese Art des Schummelns auf praktisch jedem Bridgeturnier zu finden (Sogar bei einer Weltmeisterschaft). Unerlaubte Signale können in jedem Partnerspiel auftreten und sind praktisch nicht zu verhindern und -wenn geschickt angestellt – auch nicht zu entdecken.

Schach: Durch das Austauschen/Manipulieren von Spielmaterial kann man in einem Spiel mit absoluter Information nicht schummeln. Man kann sich aber Informationen von außen holen – und das wurde in der Vergangenheit immer wieder getan oder zumindest vermutet (z.B. durch den Jogurt-Code). Insbesondere durch die modernen Computer ist dies zum Problem geworden (siehe z.B. hier). So lange ein mäßiger Schachspieler sich dieses “elektronische Doping” abholt, kann man das durchaus erkennen. Ein guter Schachspieler, der sich an der entscheidenen Stelle aber elektronische Hilfe sucht ist definitiv nicht erkennbar.

Zusammenfassung und Ausblick:

Geschummelt wird überall, wo es um Geld geht. Beim Sport (siehe Doping), bei Computerspielen und auch bei Brett- und Kartenspielen. Gerade jetzt wo durch die Internationalisierung auch die Spieleturniere größer werden und die Preise steigen ist es schlicht naiv zu glauben, dass alles immer fair zugeht. Wie Lovell schreibt, sind Turnierveranstalter selbst bei Poker oder Backgammon überrascht, wenn geschummelt wird – dabei entdeckt man eigentlich nur die wirklich blöden Schummler. Geschickte Spieler setzen das Schummeln nicht dauerhaft ein und sind ohne gezielte Gegenmaßnahmen schlicht nicht zu entdecken, wenn man nicht gezielt nach ihnen sucht. Bei modernen Brettspielen ist das Schummeln im Prinzip sogar noch leichter, denn alle Exemplare eines Siedlers oder eines Zug um Zug sind ja immer gleich ausgestattet- jeder kann sich Karten oder Spielgeld oder Chips o.ä. von zu Hause mitnehmen und dann im Spiel einsetzen, ohne dass man das merkt (dabei müssen die Karten nicht klassisch im Ärmel stecken – können sie aber). Bei klassischen Spielen geht das nicht so ohne weiteres, wenn man nicht vorher weiß, welche Kartendecks/Würfel/Chips verwendet werden.

Soll man jetzt auf Turniere verzichten? Alle Spieler unter Generalverdacht stellen? Haben Spiele ihre Unschuld verloren? Sicher nicht. Aber wenn es um große Preise geht, sollte man zumindest im Endspiel einige Sicherheitsvorkehrungen treffen:

– am besten das ganze Spiel aufzeichnen und/oder live übertragen. Eine laufende Kamera macht das Schummeln nicht unmöglich (geschickte Palmierer sind so schnell, dass man sie kaum sieht), aber deutlich schwieriger. Und vor allem kann man bei einem Verdacht noch einmal gezielt nachsehen.

– Spielmaterial sollte vor und nach einer Partie durchgezählt werden. Damit kann verhindert werden, dass ein Spieler sich mit passenden Karten (o.ä.) von zu Hause ausstattet.

– Würfel müssen immer offen gewürfelt werden, ohne Becher. Karten müssen immer deutlich ausgelegt werden. Auch wenn alle nach Hause wollen: Lieber die Züge deutlich und nachvollziehbar ausführen. Falsche Karten aufnehmen oder zu wenige oder unpassende Karten ausspielen kann ein Schummler nur, wenn es schnell geht (gerade bei Zug um Zug oder Siedler kann ein schneller Spieler “versehentlich” falsche Karten beim bezahlen abgeben (nicht nur, aber auch) und sich so einen kleinen Vorteil verschaffen).

– Bei Spielen, bei denen Signale spielentscheidend sein können, sollte das Publikum ausreichenden Abstand zu den Spielern haben. Das anwesende Publikum sollte die Karten der Spieler nicht sehen können

Diese Maßnahmen können Schummeln nicht komplett verhindern, aber sie können abschreckend wirken. Was immer beim Zug-um-Zug-Turnier passiert ist: Es konnte auch passieren, weil niemand damit rechnete, dass Spieler schummeln (ob versehentlich oder absichtlich). Bei Geld hört die Freundschaft aber leider auf. Für manche sogar die zum Spiel.

ciao

peer

 








Nov 30

Der große Quizspielvergleichstest 2014

Peer Sylvester,  2014      

Ohne große Worte geht es diesmal gleich mit der ersten Rezi los:

Eye Know (Paul Berton und George Sinclair bei Kosmos)

Nach I-Know im letzten Jahr kommt dieses Jahr das Homonym Eye Know heraus. Beides waren aber Lizenzierungen von Brettspielen aus dem Ausland, insofern ist die Namenswahl zwar ungünstig, aber vertretbar.
Wer so flapsig das “Ich” durch ein “Auge” ersetzt, der muss optisch auch was bieten und das tut Kosmos: Sehr edles Design und vor allem sehr schöne Fotoquizkarten, die auch den Kernmechanismus des Spieles bilden (und auch per App mit bewegten Bilder ergänzt werden können).
Der Zugspieler entscheidet sich nämlich für ein Bild und muss erst einmal erkennen, was das Bild zeigt. Daran ist bislang noch niemand gescheitert, denn die Auswahl ist im Allgemeinen groß. Anschließend beantwortet er eine Frage zu dem Ding/Ort/Tier/Person/Wasauchimmer auf dem Bild. Er hat dabei die Auswahl, ob er eine Ja/Nein-Frage, eine Multiple-Choice-Frage oder eine offene Frage (ohne Antwortmöglichkeiten) beantworten möchte und wieviele Chips er setzen möchte. Natürlich verliert er den Einsatz bei er falschen Antwort, sein Gewinn hängt vom gewählten Fragetyp ab – Je größer die Ratewahrscheinlichkeit, desto weniger gibt es zu holen. Bonuspunkte kann man gewinnen, wenn man Bildkarten aus allen vier Wissensgebieten gewinnt oder sich möglichst alle Fragen aus demselben Gebiet auswählt (wobei diese Karten auch in der Auslage liegen müssen, da ist also durchaus auch Zock dabei).

Der große Vorteil dieses Spieles ist, dass es sich echt flott spielt. Man ist nur fünf Mal an der Reihe und das reicht (dank des Chipssystems) völlig aus. Eine Runde ist schnell gespielt, eine Revanche schnell gefordert.
Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad der Fragen nicht wirklich einschätzbar. Ob man eine Pille-Palle-Frage oder die Frage nach der zehnten Stelle von Pi (kein Witz) bekommt, ist reiner Zufall. Auch der Fragetyp gibt keine Hilfe. Oft war die offene Frage die  einfachste , aber längst nicht immer. Die Ja-Nein-Fragen sind meistens tatsächlich 50:50-Entscheidungen und wurden kaum gewählt. Auch die Chipszahl pendelte sich bald ein. Da hätte etwas mehr Konstanz im Schwierigkeitsgrad für mehr Spielkontrolle gesorgt.
Aber dennoch: Gerade wegen der angenehmen Spieldauer das richtige für den Quizspielfix zwischendurch!

(Anmerkung: Ich erinnere mich dunkel an ein Spiel namens Quiz-Cross, bei dem ebenfalls das Fragethema durch ein Foto ausgewählt werden konnte. Schön, dass diese nette Idee wieder aufgegriffen wurde!)

Deutschland: Das Kartenspiel (Günter Burkhardt bei Kosmos)

Deutschland – Das Kartenspiel hat nicht viel mit Finden Sie Minden zu tun! Und das ist gut so (wobei ich FSM mag), denn es macht Spaß und ist originell. So viel schon vorweg!

Jeder Spieler bekommt einen Satz Tippkarten. Damit tippen sie jede Runde, welche der ausliegenden Ortskarten am weitesten südlich, nördlich, östlich bzw. westlich liegt, welche am wenigsten und welche am meisten Einwohner hat. Es ist auch möglich zu tippen, dass eine Stadt keines der geographischen Extreme vorweist, was eine nette Variante ist. Punkte gibt es für richtige Tipps und mehr, wenn man früher getippt hat. Zudem darf man zu jeder Stadt nur einen Tipp abgeben.

Die Legeregeln sind genau auf den Punkt gebracht – Dadurch wird das Spiel spannend, denn dadurch wird risikoreiches Spiel belohnt; Lieber einen riskanteren Tipp, als sich an alle ranhängen, denn für den vierten gibt es eh keine Punkte mehr. Die Regeln sind einfach, das Spiel ist als Kartenspiel preisgünstig und transportabel. Außer dass es vielleicht nicht unbedingt zu zweit spielen sollte und bei vier schon wieder Schluss ist, fallen mir nicht wirklich Kritikpunkte ein: So sollte ein Geographiequiz sein! Zumal der Wiederspielreiz gegeben ist:Da die Karten nur relativ zueinander zählen, kann man sich richtige Antworten nicht merken und man kommt mit verhältnismäßig wenigen Karten aus.

 

Yes or KNow (Inka und Markus Brand bei Ravensburger)

Liebe Ravensburger, wir müssen reden! Was hat euch geritten das Quizspiel eurer neuen Smart Play – Reihe mit dem hässlichsten Cover des Jahres -wenn nicht des Jahrzehntes! – zu schmücken? In einer Zeit wo sich Quizspiele á la I Know, Eye Know oder Bezzerwizzer als gediegene Erwachsenenspiele zu positionieren versuchen, dürften die meisten Kunden die Desktop-Publishing-Gedächtnis-Schachtel keines zweiten Blickes würdigen. Hoffentlich ergeht es Yes or Know da nicht so wie damals Personology

Wer die Schachtel öffnet, findet dort neben viel Standardmaterial ein riesiges Gerüst für das Smartphone (zumindest bei der “Einsteigerbox”. Wer den Halter schon hat, kann die 10€ günstigere Halterlosevariante wählen, dessen Cover aber auch nicht besser aussieht). Denn “Smart Play” heißt hier “Man braucht ein Smartphone zum spielen”. Dieses Smartphone liest mit einer (kostenlosen) App die Spielsituation ab, erklärt bei Bedarf das Spiel und macht den Quizmaster. Das hat Vorteile: Die Fragenvielfalt ist hoch, das Spiel wird einem erklärt und vor allem können auch Kinder und Teens mitspielen, denn für die gibt es Extrafragen und Extrazeit. Und da das für ein smartes Brettspiel zu wenig wäre, gibt es gleich eine ganze Reihe von verschiedenen Spielmodi, die vor allem eines gemeinsam haben: Sie sind zeitbasiert, d.h. man muss einigermaßen schnell spielen.

Quizmaster und Spielemodi errinnern mich sehr an das PS2-Spiel Buzz oder den PC-Klassiker You dont know Jack. Hüben wie drüben leitet ein Moderator mit flotten Sprüchen das Spielgeschehen (bei Yes or KNow aber imho nicht so gelungen cool-witzig wie bei den Vorbildern) und die Spielchen sind alle recht hektisch. Das muss man mögen, denn das Spiel ist stressig. Und es muss sich ein bisschen die Fragen gefallen lassen: Warum ist es ein Brettspiel und kein Tablett-Spiel? Viel haptisches hat man nicht. Das Spiel läugt so zügig, dass man kaum Zeit hat, sich untereinander zu unterhalten oder herumzuwitzeln. Konzentration ist angesagt – Konzentration auf die Stimme aus dem Smartphone. Auf einem Tablett hätte man nicht viel Spielwitz verloren (allenfalls der Platz hätte etwas gefehlt, denn immerhin können hier 6 Leute mitmachen), dafür hätte es die Erkennungsfehler nicht gegeben. Legt man nämlich im Eifer des Gefechts einen Chip etwas schief aufs Feld, wird der oft nicht erkannt und der Spieler bekommt keinen Punkt. Leider scheint es keine Möglichkeit zu geben, diesen Fehler zu korrigieren. Auch meldet die App öfter mal, dass das Spielfeld nicht frei wäre, obgleich es das ist.

Damit leidet die gute Idee doch etwas an einigen Kinderkrankheiten, die (wie gesagt) die Frage aufwerfen, ob das Brettspiel bei diesem Smart Play nicht eher hindert als hilft. Ansonsten ist das Spiel ein durchaus originelles, unterhaltsamens Quizspiel, für stressresistente Fans der Vorlagen.

Quizduell – Das Spiel (ohne Autorennennung bei Ravensburger)

Irgendwie witzig, dass Ravensburger ein Quiz im Programm hat, dass mit Smartphone gespielt werden muss UND die App-lose Umsetzung eines digitalen Appspieles, dass im Original eben auch mit Smartphone (oder Tablet) gespielt werden muss. Irgendwie inkonsequent, oder?  Aber das nur nebenbei…

Das Quizduell ist eine recht gute Umsetzung der App: Reihum ist jeder “Quizmaster” und sucht sich eine von drei Kategorien aus (dabei sind die nicht gewählten ganz aus dem Spiel). Jeder beantwortet dann gleichzeitig dreimal je eine  Multiple-Choice-Frage und punktet bei richtiger Antwort. Es gewinnt der Punktbeste. Aus der App stammen die Fragen, die Möglichkeit der Kategorienwahl, das Zeitlimit für die Antwort (wobei wir immer so deutlich drunter lagen, dass wir die Sanduhr irgendwann ignorierten) und Kärtchen mit denen man seinen Avatar basteln kann. Der hat spielerisch überhaupt keine Auswirkungen und ist ein reines Gimmick.

Hier wurde viel richtig gemacht: Alle beantworten dieselben Fragen, also kann sich keiner beschweren, er hatte Pech. Es gibt drei Schwierigkeitsgrade pro Karte und da diese nach den richtigen Antworten bei der App ausgewählt wurden, sind diese tatsächlich wohl die konsistentesten im ganzen Quizspielbereich. Es wird ein großes Spektrum abgedeckt und die Kategorienwahl  sorgt für einen Hauch Taktik. Für Quizspielpuristen ist das Quizduell damit sehr empfehlenswert.

Was vielleicht etwas fehlt, ist die Originalität. Wer zudem noch spielerische Elemente gerne hat, die etwas über das “Fragen beantworten” hinausgehen, ist hier falsch. Auch mache ich mir Sorgen, dass bei den “Lieblingskategorien” relativ schnell die Karten ausgehen könnten. Und die Punkteleiste ist schlicht eine Fehlkonstruktion. Aber genug gemeckert: Quizduell ist ein gutes, “reines” Quiz!

Hensslers Küchenrallye (Steffen Henssler bei Kosmos)

Nach Stefan Marquardt und Johann Lafer hat jetzt auch Steffen Henssler sein eigenes Quiz bekommen. Dabei hat er angeblich sogar selbst Hand angelegt. Und das glaube ich sogar, denn das Spiel funktioniert im Grund wie Trivial Pursuit: Man würfelt, man setzt herum und beantwortet Fragen und bekommt je nach Feld einen Chip aus der entsprechenden Kategorie (wobei die Frage nichts mit der Kategorie zu tun hat). Immerhin wurde das Spielprinzip verbessert bzw. beschleunigt: Man braucht (je nach Startkarte) nur 5 der 10 Kategorien. Sammelt man etwas, was man nicht braucht, kann man das auf den Henssler-Feldern gegen brauchbareres tauschen. Und statt der “6” zeigt der Würfel den Autoren (Notiz für später: sollte ich auch mal machen) und das erlaubt einem eine einigermaßen freie Felderwahl. Dadurch spielt sich die Küchenrallye flott und ist beendet, bevor es allzu sehr weh tut. Allerdings gilt dennoch:  Wer nicht auf seine Felder kommt, braucht länger. Glück sollte man also schon haben.

Die Fragen sind vom Schwierigkeitsgrad her in meinen Augen genau richtig. Allerdings befassen sich doch eine Menge Fragen mit Hensslers Leben und seinen Sendungen (So grob geschätzt 20%?). Da waren seine Kochkollegen zurückhaltender.

Was schade ist: Das einzige wirklich originelle Gewürz an diesem eher gutbürgerlichen Quiz sind die sogenannten “Ergänzungsfragen” (der Rest ist Multiple Choice) dabei handelt es sich im Prinzip um Wortspiele, z.B. “Welcher Cocktail ist gemeint: Nicht Queens, nicht The Bronx sondern…?” (Manhattan). Schade, dass davon nur recht wenige Fragen drin sind. Naja, es muss ja nicht immer Kaviar sein…

Guinness World Records: Das Spiel (Grzegorz Rejchtman bei Kosmos)

Das folgende ist reine Spekulation: Kosmos hat die Chance günstig eine Lizenz zum Guinness Buch der Rekorde zu bekommen. Der Redaktion fällt aber auf, dass natürlich niemand die Rekorde im Kopf haben kann, ein klassisches Quiz fällt also aus. Dann erinnert sich jemand an Rejchtmans Pi mal Daumen, ein Schätzspiel, dass man 1999 im Programm hatte und einen launigen Mechanismus hatte. Und dann ersetzten sie die Karten des Urspieles durch Karten, die sich auf verrückte Rekorde beziehen.

Wer das Original nicht kennt: Ein Spieler liest vor, der nächste schätzt. Je nachdem wie dicht der Schätzer am echten Wert rankommt bekommt er zwischen 0 und 6 Punkte. Reihum versuchen die anderen Spieler diesen Wert zu übertreffen, wobei diese nur punkten können, wenn sie mehr Punkte bekommen als die Spieler zuvor. Das ist launisch, das macht durchaus Spaß, auch wenn sich die Welt in den letzten 15 Jahren durchaus auch im Quizspielbereich weitergedreht hat.

Bei der Guinness Version wird allerdings nicht mehr geschätzt, da wird nur noch blind geraten. Hatte man vorher zumindest beim Gros der Fragen irgendwie eine Vorstellung, fehlt hier jegliche Bezugsgröße. Nicht umsonst steht im Untertitel “Simply amazing – Einfach unglaublich!” und schätzen Sie mal unglaubliches ein! Ich wüsste nicht einmal die Zehnerpotenz der längsten Einhandpaddelstrecke und bei der Frage, wie viele Traktoren beim entsprechenden Rekord gleichzeitig auf einem Feld waren geht es mir ähnlich. Und nicht nur mir – trotz des netten Schätzsystem machte sich hier stets sehr bald Frust und Banalität breit; wenn man eh ins blaue schießt, strengt man sich nicht mehr an. Die letzte Partie wurde sogar abgebrochen – das kam schon lange nicht mehr bei uns vor (das letzte mal bei Planet Erde).

Blizz Quizz (ohne Autorennennung bei Goliath Toys)

Schnell muss man hier sein: Wer zuerst auf seinem Pad die richtige Antwort hinkritzelt, gewinnt den Punkt! Damit die Reihenfolge klar ist, schreibt man auf einem Pad, dass mittels Federmechanismuses in die Mitte zurückspringt. Der unterste Pad war dann der schnellst. Einfach und Unbestechlich!

Apropos einfach: Die Fragen sind zu einfach. Zwar verspricht die Schachtel, dass man gerne auch aufs Glatteis geführt wird, doch das betrifft in der Praxis nur einen Bruchteil der Fragen. Die meisten sind aus der Kategorie: “Wie heißt der Filmgorilla: King…?” und da entscheidet schlicht der schnellste Schreiber. Selbst mit Kindern funktioniert das nicht, denn die können zwar bei den Fragen mithalten, aber eben nicht beim Schreibtempo.

Die Grundidee hatte durchaus Spaß-Potential. Nur hätten die Fragen mehr auf Verwirrung ausgelegt werden müssen (z.B.: “Was ist das Gegenteil von “nicht innen”?” o.ä.). So muss ich in der Kategorie “Schnellquiz” eher Buzz it /Eiermatsch empfehlen… Blizz Quizz ist doch eher Schnellschreibwettbewerb als Quiz.

Was bleibt: Vier Spiele stufe ich als empfehlenswert ein: Eye Know und Quizduell für Quizspielpuristen (das erste ist origineller, das letztere wirklich ein reiner Wissenswettstreit ohne Glücksfaktor), Yes or kNOw für Fans von You dont know Jack/Buzz it  und Deutschland das Kartenspiel für Fans von Schätzspielen.  Gewinnen kann wie immer nur einer und das ist diesmal das kleinste von allen:

Deutschland – das Kartenspiel von Günter Burkhardt (Kosmos)

Herzlichen Glückwunsch!

Wir danken Kosmos, Ravensburger und Goliath Toys für die freundliche Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

 








Nov 27

Verlagsvorstellung Manikmaya Games

Peer Sylvester,  2014      

Meines Wissens waren dieses Jahr zum ersten Mal Verlage aus Indonesien und Malaysia vertreten. Ein positives Zeichen für die weitergehende Internationalisierung der Spieleszene! Ich habe mich mit Eko Nugrohu von Manikmaya Games aus Indonesien unterhalten und daraus den folgenden Text gestrickt:

Manikmaya Games versucht einen Markt für “qualitativ und spielerisch hochwertige” Spiele in Indonesien aufzubauen. Dabei soll das Spielen innerhalb der Familie und im Freundeskreis gefördert werden und “indonesische Werte” werden so verstärkt. Das versuchen sie durch regelmäßige Spieleevents (Playday), bei denen sie auch mit Schulen und Universitäten zusammenarbeiten. Und natürlich durch das Herausbringen von Brettspielen von indonesischen Autoren. Das interessante dabei: Die Themen sollen durch und durch indonesisch sein (also kein Turmbau im italienischen Mittelalter!).
Viele der geziegten Spiele sind noch nicht im Handel. Über die oben verlinkte Webseite können Mat Goceng and Mash Up Monster gekauft und Mahardika vorbestellt werden. Englische Regeln sind vorhanden und auch wenn die Webseite weitestgehend auf indonesisch ist, kann man sich mit den Betreibern auf englisch austauschen.

Bei Mahardika versuchen  4-7 Spieler gemeinsam  den Indonesischen Unabhängigkeitskampf gegen die Niederlande zu gewinnen. Das Spiel ist sehr thematisch, mit viel “Flavortext”. Leider kann ich über die Mechanismen nicht viel sagen – wer sich dafür aber interessiert: Es gibt eine englische Regel.

Mat Goceng war in Essen nach zwei Tagen ausverkauft – und jemand hat sogar die Ausgabe aus der Presseshow gestohlen! Immerhin hatte Eko noch eine Ausgabe da, um sie mir zu zeigen… Das Spiel ist ein witziges Kartenspiel, dass in Jakarta vergangener Tage spielt. Jeder Spieler hat einen geheimen Charakter. Die Charaktere sind indonesische Archetypen und jeder hat etwas andere Siegbedingungen – oft müssen sie bestimmte andere Charaktere schützen oder ausschalten. Die Spieler kämpfen gegeneinander, in dem sie Farbreihen auslegen. Dabei darf man andere Spieler auch um Hilfe bittten – die werden sich diese Bitte vermutlich bezahlen lassen… Ein Spieler, der zu oft verliert, zeigt seine Charakterkarte – und dadurch ändert sich die Spieldynamik, da jetzt Beschützer und Gegner gleichermaßen aus den Schützengräben kriechen müssen.

Bei Mash Up Monster werden Karten verwendet, die jeweils ein Monster zeigen. Der Gag: Immer zwei Karten können durch einen seitlichen Schlitz in der Karte so zusammengeschoben werden, dass ein neues Monster entsteht – Mit der oberen Hälfte des ersten und der unteren Hälfte des zweiten Monsters oder umgekehrt. Ziel ist -je nach Variante – das Bilden bestimmter Monstertypen oder das Verhindern desselben. Nach der kurzen Vorstellung ein Puzzlespiel.

Noch nicht verfügbar, aber in Essen zu sehen war The Festivals, ein Reisespiel mit hoher Interaktion (man kann sich gegenseitig ausblocken), bei dem man seine Kartenhand richtig nutzen muss, um verschiedene Festivals auf verschiedenen Inseln zu besuchen.

Insgesamt bin ich ziemlich beeindruckt von den vier gezeigten Spielen! Natürlich muss man festhalten, dass ich keines wirklich gespielt habe, aber sie sind allesamt eigenständig mit tatsächlich indonesischen Themen und professioneller Ausstattung. Mich würde nicht wundern, wenn wir das eine oder andere in mittelnaher Zukunft bei einem Europäischen Verlag wiedersehen werden!

ciao

peer

 








Nov 23

Das große Quadratische mit dem Geldschuh

Matthias Nagy,  2014      

Erst vor drei Monaten redete ich über die Anwandlungen eines Verlags, bzw. Vertriebs, der damals als großes Stück Days of Wonder sich einverleibt hatte. Und während das schlucken eher als natürlich und völlig logisch rüberkam ist dieser Schritt nun ein größerer. Fantasy Flight Games, die neben Wizards of the Coast unbestreitbar zu den größten Verlagen in den USA gelten dürfen, ist nun auch ein Produktionshaus im Hause Asmodee und wird von diesen komplett geschluckt.

Der Grund der angegeben wird und der zwischen den Zeilen gelesen wird ist dabei sehr logisch. FFG hat die Produktionsexpertise und den Verlag als starkes Element. Asmodee hat den deutlich größeren Zugriff auf den europäischen Markt und die Vertriebsexpertise in Asien. Die Synergien sind sichtbar, vor allem weil Fantasy Flight einen Bereich abdeckt, den andere Verlage bei Asmodee kaum bisher abgedeckt haben. Der Zugriff auf Lizenzen wie Star Wars wird da vielleicht euch mitgespielt haben, wobei ich das als kleineres Argument sehe. Vor allem dürfte Petersen als Gewinner gelten. Nicht nur das er Chef bleibt, sondern er hat sich auch gleich in den Vorstand von Asmodee muteingekauft und alle anderen Teilhaber von Fantasy Flight scheinen raus zu sein.

Diese Nachricht ist mit Sicherheit die größte seitdem Hasbro im Jahre 1999 Wizards of the Coast gekauft hat. Natürlich werden Vergleiche zu diversen Übernahmen in den USA laut, also werfen wir einen Blick auf diese.

  • Hasbro kauft Avalon Hill. Viel ist da nicht passiert Avalon Hill war zu dem Zeitpunkt gefühlt am Ende und der Verkauf bot sich da an. Hasbro sicherte sich den Zugriff auf erfolgreiche Titel. Später wurde das ganze in Wood übergeleitet, aber inzwischen ist die Marke weg vom Fenster. Wood könnte Leute einstellen und versuchen die Marke zu beleben, aber das Interesse scheint gering zu sein. Vielleicht ist es dafür auch schon zu spät.
  • WotC kauft TSR. TSR war der Marktführer im Bereich Rollenspiel, aber durch den Erfolg mit Magic waren sie beflügelt mitzuziehen. Ihre Versuche mit Spellfire und dem teuer zu produzierenden Dragon Dice, waren nicht so erfolgreich wie sie sein müssten. Der Katalog wuchs auf zu viele Produkte und die Belegschaft wurde zu groß. TSR musste schließen und so wurden sie gekauft. Ein logischer Schluss.
  • Blatz kauft Schmidt. Schmidt hatte ich auf der TCG Welle mit ihren Pogs verrannt und ordentlich bluten müssen. Platz kauft den Namen aus der Insolvenymasse und heute ist Schmidt wieder groß und stark. Aber vergleichen kann man das hier eigentlich nicht.
  • Hasbro kauf Wizards of the Coast. WotC war zu dem Zeitpunkt ein großer Fisch. Oder besser gesagt gerade zu diesem aufgestiegen. Der vorderste Grund war eindeutig Pokémon. WotC hatte bis zum erscheinen von Pokémon ordentlich Geld verdient mit Magic. Diese Menge war dann Mitte 1999 immer noch auf dem selben Niveau, nur das es nicht mehr 90% ihres Umsatz ausmachte, sondern nur noch 4%. So groß war Pokémon damals. Es war ein Riesenhit. Hasbro war hier in erster Linie auch an der Lizenz interessiert und so war logischerweise das erste Produkt ein Pokémon Monopoly. Peter Atkinson nutzte die Chance aber sich aus dem Unternehmen rauslaufen zu lassen und mit dem Geld was anderes zu machen. Er war Rollenspieler und WotC hatte bis auf D&D wenig mit Rollenspiel zu tun. Hasbro hat die Firma auch gut alleine gelassen und ich würde behaupten, der Zusammenschluss ist ein vorbildliches Beispiel wie es laufen kann.
  • Ein Vergleich zu Electronic Arts, der auch geäußert wurde ist aber lächerlich. EA scheint oft nur Interesse an den Spielen und nicht an den Entwicklern oder deren Studios zu haben. So das das vielleicht aus, als Hasbro, MB und Parker schluckte, aber die Zeiten sind heute nicht mehr gegeben.

Warum kann Asmodee hier so stark auftreten, wie sie es dieses Jahr nun tun. Asmodee ist selber seit Januar diesen Jahres in Besitz der Gesellschaft Eurazeo. Diese investiert Geld in Firmen und baut diese auf. Teile der Firmen werden dann später wieder für Gewinn abgestoßen, aber scheinbar verlassen sie diese nie zu 100%. EuropCar gehört ihnen zu über 90% und einige andere Firmen wie Desigual, welche alle nichts mit Spielen zu tun haben. Von dem was es an Firmen gibt die mit ihrem Geld verschiedene Sachen anstellen, wie kaufen, zerschlagen und wieder verkaufen, oder einfach nur kaufen und verkaufen, scheint mir diese einen Blick auf eine Zukunft zu legen. Wenn es dafür nötig ist Geld in die Hand zu nehmen, dann passiert es. Und dieses wird da in die Hand genommen, wo ein Vorteil entsteht. Der Kauf von FFG gehört ganz sicher zu diesen.

Es zeigt aber auch das Asmodee noch lange nicht fertig ist, sondern noch weiter wachsen wird. Übernahmekandidaten in anderen Ländern wo Asmodee noch nicht aufgestellt ist dürften bald folgen. Polen, Italien und Spanien an erster Stelle. Asmodee strebt in die Gruppe der großen Firmen neben Hasbro, Mattel, Spinmaster und Ravensburger. Wen sie dabei einholt oder überholt kann ich gar nicht sagen, dazu fehlen mir zu sehr die Blicke auf die Zahlen. Hier will einer zu den großen gehören. Weltweit. Und Asmodee wächst hier ohne Schulden zu machen. Das ist immer eine gute Position. Das Geld dafür ein probates Mittel ist, weiß, jeder der den Aufstieg Hoffenheims in die erste Fußball-Bundesliga miterlebt hat. Ich hatte mich gefragt ob das der Wachstum ist, mit dem Frankreich uns Deutsche gefühlt überholt hat, kann dies aber noch nicht beantworten. Auf der einen Seite ist Asmodee schon länger auf Wachstumskurs und der französische Markt seit einiger Zeit am blühen. Auf der anderen Seite ist Eurazeo auch erst seit Januar bei Asmodee dabei.

Was wird sich nun also ändern? Erstmal nicht viel. So ein Zusammenschluss geht nicht von heute auf morgen und vor allem nicht in einer Form wo alle offenen Fragen schon vorher geklärt wären. So haben sich der Heidelberger Spieleverlag, der FFG in Deutschland seit Anfang an vertritt und Asmodee Deutschland erst diese Woche hingesetzt und miteinander geredet. Vermutlich wird sich am Anfang auch eher auf den Vertrieb auswirken. Marketing und gerade bei FFG auch OP Aktionen kommen im nächsten Schritt. In wie weit hier zusammengearbeitet wird oder Aufgaben neu verteilt werden kann ich nicht ergründen. Eine Frage die dabei im Raum steht ist ob Asmodee die Heidelberger übernehmen wird. Natürlich ist das möglich, aber ich kann mir das nicht vorstellen. Ich sehe die Synergien hier zu wenig. Heidelberger ist in erster Linie ein Vertrieb. Ein Vertrieb wie Asmodee Deutschland es auch ist. Erst in zweiter Linie ist es ein Verlag. Dazu sind die Firmenkulturen gerade bei diesen beiden Kandidaten so unterschiedlich wie ich es mir nur vorstellen kann. Unmöglich wird es nicht sein, aber ich glaube es einfach nicht.

Wie sieht die Landschaft in fünf Jahren aus? Eine gute Frage, von deren Beantwortung ich jedoch Abstand nehme. Vor fünf Jahren habe ich noch in Essen am Stand von Upper Deck gestanden und wir spielten mit dem Gedanken einer größeren Fläche. Im nächsten Jahr waren wir nicht mehr vor Ort und seit zwei Jahren ist Upper Deck Europa tot. Das ganze natürlich auf Grund dummer Verflechtungen, aber wer sagt, dass das anderen Firmen nicht auch passieren kann. Wenn ich raten sollte was in einem Jahr sein sollte, dann glaube ich, das es Asmodee weiter gewachsen ist und Heidelberger immer noch selbstständig da ist. Und wenn Eurazeo in vier Jahren seine Beteiligung an Asmodee von über 80% auf unter 10% runterfahren möchte, dann wird die Lage in der Welt eine andere sein. Das wird dann wieder spannend. Schauen wir erstmal wen Asmodee als nächstes kauft.








Nov 08

Ein Schwung Spiele

Peer Sylvester,  2014      

Nach den grundsätzlichen Betrachtungen der letzten zwei Wochen, wollte ich mal einen Schwung Spiele aus Essen vorstellen. Dabei ist mir bewusst, dass die Spielbar vermutlich die letzte aller Spieleseiten ist, die das tut, aber im Neudeutsch heißt dass dann eben “Slow Journalismus”. Außerdem habe ich mich in vorauseilendem Gehorsam unserem Chefhunnen unterworfen und mich eher auf die abseitigeren Spiele konzentriert.

Ich fasse mich kurz – es sind ja nur meine Eindrücke. Ganz schnell, ganz ungefiltert und ungerecht. Und ich verzichte auf Kinderspiele, Quizspiele und Spiele, die ich vergessen habe. Und auf Wir sind das Volk. Das wäre nicht  fair, den anderen gegenüber (den WSDV ist sowieso das beste)

 Essen 2013: Ein netter Gag: Echte Spiele aus dem letzten Jahr, die Stände sind da, wo sie sein sollen und die Spieler müssen Spiele einkaufen und in ihr Auto lagern. Leider hört der Spaß auf, wenn das Spiel anfängt. Das Spiel ist unübersichtlich und das ständige Suchen und Abgleichen bringt nicht so wahnsinnig viel, weil die wichtigen Dinge außerhalb der Kontrolle der Spieler liegen. Mehr ein Spiel zum haben, als zum spielen.

Yardmaster: Schnelles Handmanagement-Kartenspiel. Im Prinzip unspektakuläres Sammel/Auslegespiel, aber flott gespielt. Eiun “Spiele ich mit meiner Mutter”-Spiel. Graphikstil spricht mich sehr an.

Yardmaster Express: Gleicher Anlegemechanismus, aber diesmal als Draftingspiel. Sehr kurz (5 -10 Minuten) Zu trivial für meinem Geschmack. FunFact: Auch der Erklärbär meinte nach der Partie, dass ihm das “echte” Yardmaster viel besser gefalle.

Kobuyakawa: Poker mit einer Karte. Funktioniert überraschend gut, wenn man mindestens zu viert ist (nicht ganz perfekt in Höchstbesetzung). Pokerähnliche Spiele (mit Glücksfaktor, Bluff und Einsatz etc.) muss man aber natürlich mögen. Empfehlung!

Doodle City: Stadtbau mit Würfeln. Nett, aber nicht trivial. Irgendwo zwischen Quixx und Take it Easy, gefällt mir aber besser als ersteres (aber nicht so gut wie letzteres). Wegem hohen Solitärcharakter eher mit wenigen Spielern gut. Empfehlung!

Find… Die Liebe: Gibt es auch als “Find den Mörder”, aber die Liebe ist cooler und lädt mehr zu Sprüchen ein. Schon alleine, dass ich am Stand sagen konnte: “Einmal die Liebe für 10€!” war den Kauf wert. Das Spiel ist extrem originell und ein nettes Wartespiel. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ichs gut finde, aber ich finde es zumindest interessant. Spielablauf- dauer und Regellänge machen das Spiel aber zum perfekten Geschenk für Nichtspieler.

Secret Moon: Werwolf-ähnliches Spiel ohne Lügen und Bluffen. Wie üblich braucht es zwei Partien, um die Möglichkeiten zu genießen. Kann mit weniger als 7 blöd laufen, wenn ein Team fast komplett aus dem Spiel ist. Davon ab aber eine erfreulich interessante Alternative zu The Resistance. Empfehlung!

Abraca…What?: Hanabi ist toll, aber sehr Logikaufgabenlastig. Abraca…What ist Hanabi als Spiel. Echt spannend, schönes Riskmanagementaspiel mit mehr Einfluss, als es auf den ersten Blick scheint. War auf der Messe zu Recht ausverkauft, aber das kommt wieder. GROSSE Empfehlung!

Night of the grand Octopus: Süsser Kitschlovecraft? Das sprach mich an. Leider ein ziemlich überproduziertes Blind-Biddingspiel ohne wirkliche Kniffe. Um es mit Otto zu sagen: Von solchen Spielen sollte es Hunderte geben. Leider gibt es davon Tausende.

 

Kryptos: Logik-Deduktionsspiel. Nimmt den Grundmechanismus von Da Vinci-Code auf und entwickelt daraus ein sehr viel deduktiveres Logikspiel. Etwas unübersichtlich, aber interessant. Leider offenbarte unsere Testpartie einen offensichtlichen Designschnitzer. Wie sich später herausstellte, fehlte aber eine Re. gel bei der Erklärung, also halte ich mich mit meinem Urteil erstmal zurück.

Nika: Auch hier halte ich mich mit einem Urteil zurück. Das Spiel ist offensichtlich für genau vier Spieler entwickelt, ich habe es aber nur zu zweit gespielt. Da wurde schon deutlich: Es ist abstrakt, bietet viele Möglichkeiten bei geringer Regeltiefe und ich bin auf das Viererspiel gespannt, denn es ist ein Partnerspiel und sowas mag ich.

Astro Jam: Eigentlich ein Logikpuzzle, bei dem jeder nacheinander versuchen muss möglichst effizient seine Karten zu nutzen um Gegenstände von A nach B zu bringen. Ich mag Logikpuzzle, aber hier wurde das Spiel drumrum vergessen. Wer nicht dran ist, dreht Däumchen. Wer dran ist, sieht sich seine Auslage an und löst das Problem mit seinen Karten, wenn es möglich ist und er löst es nicht, wenn nicht. Zu allem Überfluss gibt es auch noch einen großen Glücksfaktor. Das ist kein Spiel, dass ist eine zufallsgesteuerte Durchclick-App als Brettspiel. Nur unübersichtlicher.

Wash Dash: Im Prinzip ein Hektik-Reaktions-Schnell-als-erster-ein-Muster-Nachbauspiel, aber herrlich überproduziert: Man hängt Kleidungsstücke mit echter Wäscheklammer an eine Pappwäscheleine. Wer bei dieser Beschreibung denkt, dass wäre nichts für ihn, hat vermutlich recht. Wer denkt, dass das lustig klingt, auch.

Blocky Mountains: Erinnert mich an diese Klingeldrähte aus Schul- und Strassenfesten, aber anders als die, mag (und kann) ich Blocky Mountains. Nettes Geschicklichkeitsspiel, dass auch meiner Tochter gefällt.

 

Circus Spiel aus Halle 4: Titel und Verlag sind mir entfallen, aber das macht nix, denn es war die größte Graupe, die ich in Essen gespielt habe. Absolut belangloses Sammel- und Ablegespiel bar jeglicher Originalität oder Spielkontrolle. Kickstarter gone bad.

Badgers cant be choosers: Leider hatte der Verlag keinen Stand, man konnte das Spiel nur in der VIP-Lounge auf Einladung spielen (und bis Donnerstag auch kaufen). “Leider”, denn dieses asymmetrische (!) Dachseinsetzspiel spielt sich extrem flott, hat ein straffes Regelwerk und spielt sich immer wieder anders (Zugegeben: Ich konnte nur zwei Partien spielen…). Jeder Zug eine spannende Entscheidung, hohe Interaktivität und ein originelles, starkes Thema. Was will man mehr? GROSSE Empfehlung!

Castle Crush: Man baut ein Schloß mit Bauklötzen und dann lassen die Mitspieler abwechselnd einen Holzklöppel darauf fallen und kassieren Punkte für alles, was abfällt. Mehr muss man nicht sagen, oder? Schönes Funspiel, mir persönlich aber als Absacker mit 40€ zu teuer. Aber auch das kommt wieder.

ciao

peer

P.S. Wer sich wundert, dass ich Badgers can be choosers nicht bereits letzte Woche erwähnt habe, dem sei gesagt: Das liegt daran, dass ich mir das Spiel komplett ausgedacht habe. Ich meine ein Spiel dass es nur in der VIP-Lounge gab? So ein Blödsinn!

 








Nov 02
[attila-products.de]
Die Flut der Neuheiten der noch frisch vergangenen Spielemesse wird noch einige Zeit auf uns einprasseln und bevor man überhaupt eine Chance hatte alle halbwegs relevanten Neuheiten zu sichten, geht es im nächsten Frühjahr ja schon weiter mit der nächsten … Continue reading


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Nov 01

Die Apokalypse findet nicht statt

Peer Sylvester,  2014      

Post-Essen-Analysen müssen natürlich  irgendwie immer negativ sein. So funktioniert kritischer und damit professioneller Journalismus! Entweder waren die Hallen schlecht oder die Toiletten überfüllt oder Verlage sind pleite oder nehmen gar nicht erst an der Spiel teil (so wie Winning Moves 2013 oder White Goblin Games 2014) oder die Amerikaner bevorzugen GenCon oder es gibt viel zu viele Spiele.

Ähm Moment mal – Zu VIELE Spiele? Sollten auf einer Spielemesse nicht viele Spiele vorgestellt werden? Ist das nicht irgendwie der Sinn der Veranstaltung? Matthias hat sich letzte Woche dieser Frage bereits gewidmet. Von mir eine Ergänzung:

Meistens wird die Lage mit dem französischen Comicmarkt verglichen, der in den Neunziger Jahren mehr oder minder impoldiert ist. Der große Unterschied: Es war der FRANZÖSISCHE Comicmarkt. Die Spieleflut ist aber so groß, weil der Markt vor allem international wächst: Erst kamen die Skandinavier und Engländer, dann der Ostblock mit den Tschechen, Polen und Russen (und einigen Baltikstaaten und Rumänien) und Griechenland. Dieses Jahr wuchs Asien stark: Neben den bewreits etablierten Japanern und Koreanern sah man eine Menge Taiwanesen aber auch einen Verlag aus Indonesien und Malaysia. Südafrika habe ich auch entdeckt. Und ich würde mich nicht wundern wenn in den nächsten Jahren noch Verlage aus Mittel- und Südamerika dazukämen. Damit wird die Spieleflut vielleicht (!)  größer, auf jeden Fall aber auch der Absatzmarkt. Sicher, ein Spiel geht schneller unter, umgekehrt erreicht ein erfolgreiches Spieler aber international auch viel schneller 5- und 6stellige Verkaufszahlen. Das Risiko mag steigen, lässt sich aber durch Dinge wie Crowdfunding oder zusammenlegen von Vertriebsstrukturen (siehe Asmodee) und Partnerschaften auch wieder senken.

Um den Spielemarkt mache ich mir daher keine Gedanken!

(Einschub: Wenn man sich die deutschen Verlage ansieht, haben die ihre Spieleanzahl auch gar nicht unbedingt erhöht: Alea und Hans im Glück, aber auch Kosmos und Abaccus bringen in etwa noch genauso viele Spiele auf den Markt wie vor zehn Jahren. Amigo bringt gefühlt eher weniger Spiele heraus. Queen hat schon immer geschwnakt, dieses Jahr war eher Durchschnitt. Pegasus und Asmodee sind allerdings hinzugekommen. Letztere sind aber hauptsächlich ein Dach für französische Verlage).

Diese -willkommende – Diffusität ist auch in meinen Augen der Grund dafür, dass immer wieder das Fehlen eines “Überfliegers” vermisst wird. Ich habe mich letztes Jahr schon mit den Gründen befasst und möchte daher nur ergänzen: Das letzte Spiel, dass bereits auf der Messe als Überflieger gehandelt wurde, warnach meiner Wahrnehmung  7 Wonders. Das war 2010, ist also vier Jahre her. Village, Hanabi, Terra Mystica, Tzolkin, Andor, Love Letter or Robinson Crusoe waren danach alles keine Überflieger. Wenn das stimmt, dann ist das Wort “Überflieger” in meinen Augen bedeutungslos (ich mag nicht alle die genannten Spiele, aber ich denke dass all diese Spiele moderne Klassiker werden – VErkaufszahlenmässig stehen die alle soweit ermittelbar gut da). Und so wird es auch dieses Jahr Spiele geben, die ihren “Überflieger-Status” erst noch nachträglich bekommen. Ein Kandidat wäre z.B. Abraca…What? das -sobald es irgendein Verlag in deutsch macht – garantiert den SdJ-Titel gewinnen wird. (Ja, garantiert. Sowas steht fest. Hat man ja am Titelgewinn von  Splendor gesehen)
Das “Fehlen” eines Überfliegers ist damit ein weiteres Zeichen für die Größe und Diffusitäts unseres Hobbys. Es ist eben keine Nische mehr, deren wichtigeren Vertreter man in vier Tagen locker überschauen, spielen und abhaken kann . Es ist ein international anerkanntes Medium, bei dem niemander mehr alles kennen kann, bei dem jeder das eine oder andere Spiel übersieht. Ist es nicht das was immer gefordert wurde?

ciao
peer








Okt 25

Einspruch, Euer Ehren!

Matthias Nagy,  2014      

Alle Jahre wieder wird über Zahlen geredet und dabei wird immer wieder erneut eine Sicht geäußert, die für mich sehr gestrig ist. Eine Sicht, wie sie noch vor 20 Jahren funktioniert hat und inzwischen nicht mehr haltbar ist. Und wir reden hier nicht über den Kampf der Printmedien gegen Internet-Journalismus. Nein, wir reden von den Neuheiten aus Essen. Wir reden über die Geschäftspolitik der Verlage. Wir reden über den Schrei der Ohnmacht der Alles-Woller.

Es wird wieder über die Zahl gegängelt, dass diese viel zu hoch ist. Es wird darüber gemeckert, dass keiner das alles spielen kann, und dass die Spiele zu wenig Luft zum Atmen haben, weil sie nach einem Jahr wieder aussortiert werden. Dabei werden viele Kleinigkeiten übersehen, denn die eigene Sichtweise wird bedient. Eine Sichtweise in der es logischerweise nötig ist alles zu sichten, alles kennenzulernen und alles beurteilen zu können was auf den Markt kommt. Ein Umstand, der vor 20 Jahren vielleicht noch machbar war, der aber inzwischen weit davon entfernt ist nicht als Utopie bezeichnet zu werden.

Das Rekordjahr

Fangen wir mit den einfachen Zahlen an. 850 Spiele sind laut der Messe Essen auf der Spiel 14 neu vorgestellt worden. Die Spielbox hat ihre eigene Zahl, die ein bisschen abweicht, genauso wie Cliquenabend, BGG und jede andere Seite die versucht da eine Zahl zu zaubern und eine volle Übersicht über alle Neuheiten zu liefern. Und wie viele waren es im letzten Jahr? Vielleicht 800, um eine Zahl zu nennen, die im Raum war. TricTrac Frankreich hatte letztes Jahr 863 gezählt. Spielbox, Cliquenabend und BGG hatten wieder andere Zahlen. Es funktioniert irgendwie gar nicht. Gefühlt war es aber eigentlich nur genauso viel wie letztes Jahr. Da ist keine Steigerung mehr zu sehen. Wozu auch? Wozu sich in der großen Zahl versuchen. Es waren halt viele, verdammt viele.

Versuchen wir es mit anderen Zahlen. BGG hat in seiner Datenbank an Neuerscheinungen für 2013, volle 3800 Einträge. Für 2014 sind es bisher rund 3500. Vielleicht wird die Zahl noch um 300 steigen, denn auch in den kommenden 2 Monaten werden noch Einträge dazukommen, aber ist das wichtig? Diese Zahl zeigt auch eine gewisse Konsistenz. Und sie zeigt noch etwas, was alle anderen Liste gemein haben. Sie zählt alles. Waren es wirklich 850 neue Spiele? Da kam ein Spiel bei einem Verlag raus und der deutsche Vertrieb war auch vor Ort. Bei beiden wurden die Spiele gelistet und zack waren es zwei Spiele statt einem. Hochgerechnet auf die Masse an Spielen die Heidelberger, Pegasus und Asmodee vertreiben und deren Partnerverlage auch Stände hatten, kann die Zahl fast schon gefühlt halbiert werden. Sind wir mal nicht so kritisch, sagen wir es waren nur noch 550 Spiele.

Aber es geht noch weiter. Zum Teil wurden Spiele gelistet, die auch schon letztes Jahr gelistet waren, wie Machi Kori und Das Vermächtnis. Die sind jetzt auf deutsch raus. Das ist für manche Spieler neu, denn sie konnten es vorher nicht spielen, aber für die Akribiker ist das nichts neues. Und dann kommen noch die Erweiterungen mit rein. Dazu zählen große Erweiterungen wie Babel genauso rein, wie die kleinen Goodies, etwa die Haustiere für Brügge. Sind das neue Spiele oder nur Gründe, alte Spiele wieder zu spielen? BGG schließlich führt noch jede Menge weitere Projekte auf, die es nie über den Teich schaffen oder gar in die Veröffentlichungen oder sie sind eh nur Fan-Projekte. Was übrig bleibt sind etwa 300 neue Spiele. Eine Zahl, die weder zu hoch noch zu erdrückend erscheint. Aber immer noch mehr als der Normalsterbliche spielen kann, der gerne alles spielen will.

Der Blick über den Tellerrand: Im Buchgeschäft erscheinen übrigens deutlich mehr Titel im Jahr, dadrunter Wälzer die nicht an einem Tag gelesen sind. Aber auch Fortsetzungen, Neuerscheinungen, Taschenbuch-Ausgaben von vorher nur gebunden Büchern uvm. Und im Musikgeschäft ist es auch nicht viel weniger. In beiden Sparten kenne ich keinen der sagt, dass da zu viel rauskommt. Und genauso wie in diesen Sparten finanzieren sich die Spiele auch gegenseitig quer.

Der Allesspieler

Die nächste falsche Annahme ist, alles spielen zu müssen. Basierend darauf, den Verlagen den Vorwurf zu machen nicht so viel auf den Markt zu werfen, sondern lieber Klassiker zu pflegen, statt nach einem Jahr wieder zu verramschen. Das ist, als würde man die Parteien auffordern nicht mehr Politik für jeden zu machen sondern sich auf ihr Kernthema zu konzentrieren. Was mit der letzten Partei passiert ist, die das getan hat, kann man sehr gut erkennen, sie wurde nicht für voll genommen.

Gerade die großen Verlage sind Vollsortierer. Sie müssen viele Zielgruppen bedienen, um auch als großer Verlag genommen zu werden. Sie bieten auch Perlen an, die vielleicht wirklich nur für 1000 Spieler sind, und diese sind dann zufrieden, wenn sie das Spiel haben. Ein Spiel muss nicht ewiglich bestehen, so wie auch nicht jeder Mensch unsterblich ist. Aber warum für diese Menge produzieren statt mehr für die Masse? Und ich dachte Spiele sind Kulturgut und dazu gehören auch Spiele für die Randgruppen die nur 1000 Stück verkaufen.

Es gibt Spiele für Kinder, Familien, Erwachsene, Freaks, Kenner, Experten, Erzähler und Miniaturbemaler. Es gibt Karten-, Würfel-, Brett-, Rollen- und neuerdings sogar Beutelspiele. Es gibt Spiele mit einfachen, normalen und schweren Regeln. Es gibt thematische, abstrakte, Euro-, Ameritrash- und auch masochistische Spiele. Und diese Aufzählungen waren weit davon entfernt vollständig zu sein. Alleine die Schnittmengen für die Kombinationen aufzuzählen würde zu einer Grafik im fünfdimensionalen Raum führen und den Rahmen einer Essen-Show sprengen. Und jedes Spiel hat seine Berechtigung.

Aber nicht jeder muss alles spielen. Ich weiß, dass mich Wargames, Cosims und inzwischen auch wieder Kinderspiele nicht interessieren. Ich kann sie von meiner Liste streichen. Ich muss mich nicht mit abstrakten Holzspielen beschäftigen, weil ich oft keinen Spaß daran habe. Die 2er-Spiele ignoriere ich auch oft. Und sollte da doch eine Perle dabei sein, so wird man es mir näher bringen und ich kann dann immer noch drauf schauen. Ich habe mich dieses Jahr das erste Mal sehr ausführlich mit den Neuheuten beschäftigt und bin dabei an rund 140 Spiele inkl. Erweiterungen gekommen die einen Blick für mich wert sind. Muss ich alles spielen? Nein!

Der Blick über den Tellerrand: Keiner liest alle Bücher, und keiner hört jede CD da draußen. Es gibt Bücher die nur von einer kleinen Gruppe von Menschen gelesen werden, und es gibt sie in kleinen Auflagen. Gepflegt werden die Bestseller und dennoch bringt jeder Verlag jede Menge neue Bücher raus. Denn wenn etwas gut ist fliegt es nicht raus. Und bei Musikern habe ich auch noch keine Plattenfirma gehört die darauf verzichtet neue Talente zu finden und auf den Markt zu bringen, weil die alten sich schon so gut verkaufen.

Die Pyramide

Es wird immer wieder geäußert das schlechte Spiele verboten gehören, so wie schlechte Werbung verboten gehört. Dabei gilt für manche schon das Gute als Schlecht, denn es ist ja schlechter als das Bessere. Es kann nie alles gut sein, etwas ist immer besser als etwas anderes. Selbst wenn man die jeweils besten 20 Spiele der letzten 10 Jahre nehmen würde, würden da Gurken im Vergleich zu anderen Spielen sein.

In dem Umfeld aufzurufen weniger zu produzieren und sich lieber auf weniges zu konzentrieren, erscheint mir völlig verkehrt. Wenn die Zahl der Spiele, die mich interessieren, sinkt, wirkt es so, als würde der Markt schrumpfen und alle wären einfallslos. Herr Hutter würde darüber klagen, dass der Umsatz zurückgeht und eh wir uns versehen geben Menschen das Hobby auf, weil nichts mehr für sie interessantes dabei ist. Die Menschliche Psyche will immer mehr und immer neuer. Wer neu einsteigt findet nicht nur cooles Neues in unbegrenzter Zahl, sondern kann auch damit leben, dass es alt ist. Das White Album von den Beatles ist immer noch eine Perle. Und die Lizenzgurke ist ein Geldbringer, so wie das Buch zum Film bei Teenagern.

Aber wären wir wo wir sind, wenn wir bei 100 Neuerscheinungen im Jahr geblieben wären? Wie in der Evolution wird die Entwicklung durch die Masse vorangetrieben. Wären die Spiele denn heute so gut, wenn es nicht so viele geben würde, an denen die Verlage und Autoren sich reiben, neue Ideen finden und Verfeinerungen ausmachen könnten? Und ein Blick auf die Masse der unveröffentlichten Spiele oder welche lieber hätten unveröffentlicht bleiben sollen, aber dank Kickstarter leider den Weg in die Produktion gefunden hat, ist da nur ein Teilaspekt. Die Verlage sind schon sehr konservativ. Wer nur 12 Spiele veröffentlicht, obwohl ihm 700 angeboten wurden, hat schon stark gesiebt.

Und was ein Klassiker wird, bestimmt an der Stelle wieder der Markt. Die Zahl der Spieler steigt auch jedes Jahr. Wenn ein Spiel des Jahres nicht nur 300.000 mal verkauft wird, sondern 700.000 mal dann ist das ein deutliches Signal für eine wachsende Käuferschicht. Und mit der wachsenden Käuferschicht kommt auch mehr Verlangen. Es ist wie eine Pyramide. Oben sind die Freaks, die sehr viel spielen und einen Blick auf den Markt haben. Und die Kollegen von der Jury, die alles anspielen müssen. Ganz unten ist das breite Fußvolk, das nur wenig spielt, und dem es egal sein kann, ob es 10, 100, 1000 oder auch eine Millionen neue Spiele gibt. Aber nur durch ständige Veröffentlichungen die oben in den kleinen Trichter geworfen werden, kommen unten die besten Spiele an, aber die halten sich lange. Welche Spiele das sind, hängt sehr stark davon ab wie gut jeder arbeitet. Aber die Chancen steigen, je mehr reingeworfen wird. Sonst hätten wir weiterhin nur Monopoly, Scrabble und ein Leiterspiel. Viele gute Spiele stehen auch in unserer Branche für einen guten Jahrgang.

Der Blick über den Tellerrand: So mancher Bestsellerautor ist gezwungen ein neues Buch jedes Jahr abzuliefern, um im Gespräch zu bleiben. Und eine Band die nach 18 Monaten noch kein neues Album rausgebracht hat, erscheint unwichtig geworden. Nur wenige Bücher und Alben werden Klassiker. Warum sollte ein Verlag auf eine Neuheit verzichten, nur um was voranzutreiben, was es bisher nicht geschafft hat?

Mein Fazit

Statt also über die Menge zu stöhnen, sollten wir alle uns wieder an den Spieltisch setzen und spielen. Ich erfreue mich an dem, was ich spiele. Tut das doch auch alle. Und ich werde bestimmt nicht alles spielen wollen, das kann keiner und das sollte auch (fast) keiner. Hier zu sortieren macht Sinn und wer das nicht kann braucht die Expertise von anderen, wie der Jury, die das in hervorragender Art und Weise seit über 30 Jahren macht. Vielleicht sollten wir mehr Schubladen einbringen. Nicht nur Kinder, Familien, Kenner und Expertenspiele, sondern auch Schubladen, die es für andere einfacher machen. Es gibt mehr als 4 Musikrichtungen, es gibt mehr als 4 Romangruppen.

Aber wer jammert, verpasst die Entwicklung und die ist nicht aufzuhalten. Gestaltet sie lieber mit!

PS: Dieser Artikel ist ein Widerspruch gegen die Ansichten von Michael Weber und Synes Ernst.








Okt 21
[attila-products.de]
Die Messe 2014 ist nun vorbei und vielerorts wird mal wieder über Preise, Promos, vermeindliche Abzocker, schlimme Fehldrucke und wie enttäuschen doch alles ist diskutiert. Das kann zwar auf eine gewisse Art unterhaltsam sein, ist aber etwas was irgendwie jedes … Continue reading


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Okt 17

Essen – in Kurzform

Jürgen Karla,  2014      

Hier schnell der Link auf allgemeine Bilder von der #Spiel14: allgemeine Bilder

Und die Bilder der Neuheitenschau: Neuheitenschau

Sowie der Hinweis, dass wir von der Messe über Twitter berichten:
Jürgen
Peer
Matthias