Nov 27

Verlagsvorstellung Manikmaya Games

Peer Sylvester,  2014      

Meines Wissens waren dieses Jahr zum ersten Mal Verlage aus Indonesien und Malaysia vertreten. Ein positives Zeichen für die weitergehende Internationalisierung der Spieleszene! Ich habe mich mit Eko Nugrohu von Manikmaya Games aus Indonesien unterhalten und daraus den folgenden Text gestrickt:

Manikmaya Games versucht einen Markt für “qualitativ und spielerisch hochwertige” Spiele in Indonesien aufzubauen. Dabei soll das Spielen innerhalb der Familie und im Freundeskreis gefördert werden und “indonesische Werte” werden so verstärkt. Das versuchen sie durch regelmäßige Spieleevents (Playday), bei denen sie auch mit Schulen und Universitäten zusammenarbeiten. Und natürlich durch das Herausbringen von Brettspielen von indonesischen Autoren. Das interessante dabei: Die Themen sollen durch und durch indonesisch sein (also kein Turmbau im italienischen Mittelalter!).
Viele der geziegten Spiele sind noch nicht im Handel. Über die oben verlinkte Webseite können Mat Goceng and Mash Up Monster gekauft und Mahardika vorbestellt werden. Englische Regeln sind vorhanden und auch wenn die Webseite weitestgehend auf indonesisch ist, kann man sich mit den Betreibern auf englisch austauschen.

Bei Mahardika versuchen  4-7 Spieler gemeinsam  den Indonesischen Unabhängigkeitskampf gegen die Niederlande zu gewinnen. Das Spiel ist sehr thematisch, mit viel “Flavortext”. Leider kann ich über die Mechanismen nicht viel sagen – wer sich dafür aber interessiert: Es gibt eine englische Regel.

Mat Goceng war in Essen nach zwei Tagen ausverkauft – und jemand hat sogar die Ausgabe aus der Presseshow gestohlen! Immerhin hatte Eko noch eine Ausgabe da, um sie mir zu zeigen… Das Spiel ist ein witziges Kartenspiel, dass in Jakarta vergangener Tage spielt. Jeder Spieler hat einen geheimen Charakter. Die Charaktere sind indonesische Archetypen und jeder hat etwas andere Siegbedingungen – oft müssen sie bestimmte andere Charaktere schützen oder ausschalten. Die Spieler kämpfen gegeneinander, in dem sie Farbreihen auslegen. Dabei darf man andere Spieler auch um Hilfe bittten – die werden sich diese Bitte vermutlich bezahlen lassen… Ein Spieler, der zu oft verliert, zeigt seine Charakterkarte – und dadurch ändert sich die Spieldynamik, da jetzt Beschützer und Gegner gleichermaßen aus den Schützengräben kriechen müssen.

Bei Mash Up Monster werden Karten verwendet, die jeweils ein Monster zeigen. Der Gag: Immer zwei Karten können durch einen seitlichen Schlitz in der Karte so zusammengeschoben werden, dass ein neues Monster entsteht – Mit der oberen Hälfte des ersten und der unteren Hälfte des zweiten Monsters oder umgekehrt. Ziel ist -je nach Variante – das Bilden bestimmter Monstertypen oder das Verhindern desselben. Nach der kurzen Vorstellung ein Puzzlespiel.

Noch nicht verfügbar, aber in Essen zu sehen war The Festivals, ein Reisespiel mit hoher Interaktion (man kann sich gegenseitig ausblocken), bei dem man seine Kartenhand richtig nutzen muss, um verschiedene Festivals auf verschiedenen Inseln zu besuchen.

Insgesamt bin ich ziemlich beeindruckt von den vier gezeigten Spielen! Natürlich muss man festhalten, dass ich keines wirklich gespielt habe, aber sie sind allesamt eigenständig mit tatsächlich indonesischen Themen und professioneller Ausstattung. Mich würde nicht wundern, wenn wir das eine oder andere in mittelnaher Zukunft bei einem Europäischen Verlag wiedersehen werden!

ciao

peer

 








Nov 23

Das große Quadratische mit dem Geldschuh

Matthias Nagy,  2014      

Erst vor drei Monaten redete ich über die Anwandlungen eines Verlags, bzw. Vertriebs, der damals als großes Stück Days of Wonder sich einverleibt hatte. Und während das schlucken eher als natürlich und völlig logisch rüberkam ist dieser Schritt nun ein größerer. Fantasy Flight Games, die neben Wizards of the Coast unbestreitbar zu den größten Verlagen in den USA gelten dürfen, ist nun auch ein Produktionshaus im Hause Asmodee und wird von diesen komplett geschluckt.

Der Grund der angegeben wird und der zwischen den Zeilen gelesen wird ist dabei sehr logisch. FFG hat die Produktionsexpertise und den Verlag als starkes Element. Asmodee hat den deutlich größeren Zugriff auf den europäischen Markt und die Vertriebsexpertise in Asien. Die Synergien sind sichtbar, vor allem weil Fantasy Flight einen Bereich abdeckt, den andere Verlage bei Asmodee kaum bisher abgedeckt haben. Der Zugriff auf Lizenzen wie Star Wars wird da vielleicht euch mitgespielt haben, wobei ich das als kleineres Argument sehe. Vor allem dürfte Petersen als Gewinner gelten. Nicht nur das er Chef bleibt, sondern er hat sich auch gleich in den Vorstand von Asmodee muteingekauft und alle anderen Teilhaber von Fantasy Flight scheinen raus zu sein.

Diese Nachricht ist mit Sicherheit die größte seitdem Hasbro im Jahre 1999 Wizards of the Coast gekauft hat. Natürlich werden Vergleiche zu diversen Übernahmen in den USA laut, also werfen wir einen Blick auf diese.

  • Hasbro kauft Avalon Hill. Viel ist da nicht passiert Avalon Hill war zu dem Zeitpunkt gefühlt am Ende und der Verkauf bot sich da an. Hasbro sicherte sich den Zugriff auf erfolgreiche Titel. Später wurde das ganze in Wood übergeleitet, aber inzwischen ist die Marke weg vom Fenster. Wood könnte Leute einstellen und versuchen die Marke zu beleben, aber das Interesse scheint gering zu sein. Vielleicht ist es dafür auch schon zu spät.
  • WotC kauft TSR. TSR war der Marktführer im Bereich Rollenspiel, aber durch den Erfolg mit Magic waren sie beflügelt mitzuziehen. Ihre Versuche mit Spellfire und dem teuer zu produzierenden Dragon Dice, waren nicht so erfolgreich wie sie sein müssten. Der Katalog wuchs auf zu viele Produkte und die Belegschaft wurde zu groß. TSR musste schließen und so wurden sie gekauft. Ein logischer Schluss.
  • Blatz kauft Schmidt. Schmidt hatte ich auf der TCG Welle mit ihren Pogs verrannt und ordentlich bluten müssen. Platz kauft den Namen aus der Insolvenymasse und heute ist Schmidt wieder groß und stark. Aber vergleichen kann man das hier eigentlich nicht.
  • Hasbro kauf Wizards of the Coast. WotC war zu dem Zeitpunkt ein großer Fisch. Oder besser gesagt gerade zu diesem aufgestiegen. Der vorderste Grund war eindeutig Pokémon. WotC hatte bis zum erscheinen von Pokémon ordentlich Geld verdient mit Magic. Diese Menge war dann Mitte 1999 immer noch auf dem selben Niveau, nur das es nicht mehr 90% ihres Umsatz ausmachte, sondern nur noch 4%. So groß war Pokémon damals. Es war ein Riesenhit. Hasbro war hier in erster Linie auch an der Lizenz interessiert und so war logischerweise das erste Produkt ein Pokémon Monopoly. Peter Atkinson nutzte die Chance aber sich aus dem Unternehmen rauslaufen zu lassen und mit dem Geld was anderes zu machen. Er war Rollenspieler und WotC hatte bis auf D&D wenig mit Rollenspiel zu tun. Hasbro hat die Firma auch gut alleine gelassen und ich würde behaupten, der Zusammenschluss ist ein vorbildliches Beispiel wie es laufen kann.
  • Ein Vergleich zu Electronic Arts, der auch geäußert wurde ist aber lächerlich. EA scheint oft nur Interesse an den Spielen und nicht an den Entwicklern oder deren Studios zu haben. So das das vielleicht aus, als Hasbro, MB und Parker schluckte, aber die Zeiten sind heute nicht mehr gegeben.

Warum kann Asmodee hier so stark auftreten, wie sie es dieses Jahr nun tun. Asmodee ist selber seit Januar diesen Jahres in Besitz der Gesellschaft Eurazeo. Diese investiert Geld in Firmen und baut diese auf. Teile der Firmen werden dann später wieder für Gewinn abgestoßen, aber scheinbar verlassen sie diese nie zu 100%. EuropCar gehört ihnen zu über 90% und einige andere Firmen wie Desigual, welche alle nichts mit Spielen zu tun haben. Von dem was es an Firmen gibt die mit ihrem Geld verschiedene Sachen anstellen, wie kaufen, zerschlagen und wieder verkaufen, oder einfach nur kaufen und verkaufen, scheint mir diese einen Blick auf eine Zukunft zu legen. Wenn es dafür nötig ist Geld in die Hand zu nehmen, dann passiert es. Und dieses wird da in die Hand genommen, wo ein Vorteil entsteht. Der Kauf von FFG gehört ganz sicher zu diesen.

Es zeigt aber auch das Asmodee noch lange nicht fertig ist, sondern noch weiter wachsen wird. Übernahmekandidaten in anderen Ländern wo Asmodee noch nicht aufgestellt ist dürften bald folgen. Polen, Italien und Spanien an erster Stelle. Asmodee strebt in die Gruppe der großen Firmen neben Hasbro, Mattel, Spinmaster und Ravensburger. Wen sie dabei einholt oder überholt kann ich gar nicht sagen, dazu fehlen mir zu sehr die Blicke auf die Zahlen. Hier will einer zu den großen gehören. Weltweit. Und Asmodee wächst hier ohne Schulden zu machen. Das ist immer eine gute Position. Das Geld dafür ein probates Mittel ist, weiß, jeder der den Aufstieg Hoffenheims in die erste Fußball-Bundesliga miterlebt hat. Ich hatte mich gefragt ob das der Wachstum ist, mit dem Frankreich uns Deutsche gefühlt überholt hat, kann dies aber noch nicht beantworten. Auf der einen Seite ist Asmodee schon länger auf Wachstumskurs und der französische Markt seit einiger Zeit am blühen. Auf der anderen Seite ist Eurazeo auch erst seit Januar bei Asmodee dabei.

Was wird sich nun also ändern? Erstmal nicht viel. So ein Zusammenschluss geht nicht von heute auf morgen und vor allem nicht in einer Form wo alle offenen Fragen schon vorher geklärt wären. So haben sich der Heidelberger Spieleverlag, der FFG in Deutschland seit Anfang an vertritt und Asmodee Deutschland erst diese Woche hingesetzt und miteinander geredet. Vermutlich wird sich am Anfang auch eher auf den Vertrieb auswirken. Marketing und gerade bei FFG auch OP Aktionen kommen im nächsten Schritt. In wie weit hier zusammengearbeitet wird oder Aufgaben neu verteilt werden kann ich nicht ergründen. Eine Frage die dabei im Raum steht ist ob Asmodee die Heidelberger übernehmen wird. Natürlich ist das möglich, aber ich kann mir das nicht vorstellen. Ich sehe die Synergien hier zu wenig. Heidelberger ist in erster Linie ein Vertrieb. Ein Vertrieb wie Asmodee Deutschland es auch ist. Erst in zweiter Linie ist es ein Verlag. Dazu sind die Firmenkulturen gerade bei diesen beiden Kandidaten so unterschiedlich wie ich es mir nur vorstellen kann. Unmöglich wird es nicht sein, aber ich glaube es einfach nicht.

Wie sieht die Landschaft in fünf Jahren aus? Eine gute Frage, von deren Beantwortung ich jedoch Abstand nehme. Vor fünf Jahren habe ich noch in Essen am Stand von Upper Deck gestanden und wir spielten mit dem Gedanken einer größeren Fläche. Im nächsten Jahr waren wir nicht mehr vor Ort und seit zwei Jahren ist Upper Deck Europa tot. Das ganze natürlich auf Grund dummer Verflechtungen, aber wer sagt, dass das anderen Firmen nicht auch passieren kann. Wenn ich raten sollte was in einem Jahr sein sollte, dann glaube ich, das es Asmodee weiter gewachsen ist und Heidelberger immer noch selbstständig da ist. Und wenn Eurazeo in vier Jahren seine Beteiligung an Asmodee von über 80% auf unter 10% runterfahren möchte, dann wird die Lage in der Welt eine andere sein. Das wird dann wieder spannend. Schauen wir erstmal wen Asmodee als nächstes kauft.








Nov 08

Ein Schwung Spiele

Peer Sylvester,  2014      

Nach den grundsätzlichen Betrachtungen der letzten zwei Wochen, wollte ich mal einen Schwung Spiele aus Essen vorstellen. Dabei ist mir bewusst, dass die Spielbar vermutlich die letzte aller Spieleseiten ist, die das tut, aber im Neudeutsch heißt dass dann eben “Slow Journalismus”. Außerdem habe ich mich in vorauseilendem Gehorsam unserem Chefhunnen unterworfen und mich eher auf die abseitigeren Spiele konzentriert.

Ich fasse mich kurz – es sind ja nur meine Eindrücke. Ganz schnell, ganz ungefiltert und ungerecht. Und ich verzichte auf Kinderspiele, Quizspiele und Spiele, die ich vergessen habe. Und auf Wir sind das Volk. Das wäre nicht  fair, den anderen gegenüber (den WSDV ist sowieso das beste)

 Essen 2013: Ein netter Gag: Echte Spiele aus dem letzten Jahr, die Stände sind da, wo sie sein sollen und die Spieler müssen Spiele einkaufen und in ihr Auto lagern. Leider hört der Spaß auf, wenn das Spiel anfängt. Das Spiel ist unübersichtlich und das ständige Suchen und Abgleichen bringt nicht so wahnsinnig viel, weil die wichtigen Dinge außerhalb der Kontrolle der Spieler liegen. Mehr ein Spiel zum haben, als zum spielen.

Yardmaster: Schnelles Handmanagement-Kartenspiel. Im Prinzip unspektakuläres Sammel/Auslegespiel, aber flott gespielt. Eiun “Spiele ich mit meiner Mutter”-Spiel. Graphikstil spricht mich sehr an.

Yardmaster Express: Gleicher Anlegemechanismus, aber diesmal als Draftingspiel. Sehr kurz (5 -10 Minuten) Zu trivial für meinem Geschmack. FunFact: Auch der Erklärbär meinte nach der Partie, dass ihm das “echte” Yardmaster viel besser gefalle.

Kobuyakawa: Poker mit einer Karte. Funktioniert überraschend gut, wenn man mindestens zu viert ist (nicht ganz perfekt in Höchstbesetzung). Pokerähnliche Spiele (mit Glücksfaktor, Bluff und Einsatz etc.) muss man aber natürlich mögen. Empfehlung!

Doodle City: Stadtbau mit Würfeln. Nett, aber nicht trivial. Irgendwo zwischen Quixx und Take it Easy, gefällt mir aber besser als ersteres (aber nicht so gut wie letzteres). Wegem hohen Solitärcharakter eher mit wenigen Spielern gut. Empfehlung!

Find… Die Liebe: Gibt es auch als “Find den Mörder”, aber die Liebe ist cooler und lädt mehr zu Sprüchen ein. Schon alleine, dass ich am Stand sagen konnte: “Einmal die Liebe für 10€!” war den Kauf wert. Das Spiel ist extrem originell und ein nettes Wartespiel. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ichs gut finde, aber ich finde es zumindest interessant. Spielablauf- dauer und Regellänge machen das Spiel aber zum perfekten Geschenk für Nichtspieler.

Secret Moon: Werwolf-ähnliches Spiel ohne Lügen und Bluffen. Wie üblich braucht es zwei Partien, um die Möglichkeiten zu genießen. Kann mit weniger als 7 blöd laufen, wenn ein Team fast komplett aus dem Spiel ist. Davon ab aber eine erfreulich interessante Alternative zu The Resistance. Empfehlung!

Abraca…What?: Hanabi ist toll, aber sehr Logikaufgabenlastig. Abraca…What ist Hanabi als Spiel. Echt spannend, schönes Riskmanagementaspiel mit mehr Einfluss, als es auf den ersten Blick scheint. War auf der Messe zu Recht ausverkauft, aber das kommt wieder. GROSSE Empfehlung!

Night of the grand Octopus: Süsser Kitschlovecraft? Das sprach mich an. Leider ein ziemlich überproduziertes Blind-Biddingspiel ohne wirkliche Kniffe. Um es mit Otto zu sagen: Von solchen Spielen sollte es Hunderte geben. Leider gibt es davon Tausende.

 

Kryptos: Logik-Deduktionsspiel. Nimmt den Grundmechanismus von Da Vinci-Code auf und entwickelt daraus ein sehr viel deduktiveres Logikspiel. Etwas unübersichtlich, aber interessant. Leider offenbarte unsere Testpartie einen offensichtlichen Designschnitzer. Wie sich später herausstellte, fehlte aber eine Re. gel bei der Erklärung, also halte ich mich mit meinem Urteil erstmal zurück.

Nika: Auch hier halte ich mich mit einem Urteil zurück. Das Spiel ist offensichtlich für genau vier Spieler entwickelt, ich habe es aber nur zu zweit gespielt. Da wurde schon deutlich: Es ist abstrakt, bietet viele Möglichkeiten bei geringer Regeltiefe und ich bin auf das Viererspiel gespannt, denn es ist ein Partnerspiel und sowas mag ich.

Astro Jam: Eigentlich ein Logikpuzzle, bei dem jeder nacheinander versuchen muss möglichst effizient seine Karten zu nutzen um Gegenstände von A nach B zu bringen. Ich mag Logikpuzzle, aber hier wurde das Spiel drumrum vergessen. Wer nicht dran ist, dreht Däumchen. Wer dran ist, sieht sich seine Auslage an und löst das Problem mit seinen Karten, wenn es möglich ist und er löst es nicht, wenn nicht. Zu allem Überfluss gibt es auch noch einen großen Glücksfaktor. Das ist kein Spiel, dass ist eine zufallsgesteuerte Durchclick-App als Brettspiel. Nur unübersichtlicher.

Wash Dash: Im Prinzip ein Hektik-Reaktions-Schnell-als-erster-ein-Muster-Nachbauspiel, aber herrlich überproduziert: Man hängt Kleidungsstücke mit echter Wäscheklammer an eine Pappwäscheleine. Wer bei dieser Beschreibung denkt, dass wäre nichts für ihn, hat vermutlich recht. Wer denkt, dass das lustig klingt, auch.

Blocky Mountains: Erinnert mich an diese Klingeldrähte aus Schul- und Strassenfesten, aber anders als die, mag (und kann) ich Blocky Mountains. Nettes Geschicklichkeitsspiel, dass auch meiner Tochter gefällt.

 

Circus Spiel aus Halle 4: Titel und Verlag sind mir entfallen, aber das macht nix, denn es war die größte Graupe, die ich in Essen gespielt habe. Absolut belangloses Sammel- und Ablegespiel bar jeglicher Originalität oder Spielkontrolle. Kickstarter gone bad.

Badgers cant be choosers: Leider hatte der Verlag keinen Stand, man konnte das Spiel nur in der VIP-Lounge auf Einladung spielen (und bis Donnerstag auch kaufen). “Leider”, denn dieses asymmetrische (!) Dachseinsetzspiel spielt sich extrem flott, hat ein straffes Regelwerk und spielt sich immer wieder anders (Zugegeben: Ich konnte nur zwei Partien spielen…). Jeder Zug eine spannende Entscheidung, hohe Interaktivität und ein originelles, starkes Thema. Was will man mehr? GROSSE Empfehlung!

Castle Crush: Man baut ein Schloß mit Bauklötzen und dann lassen die Mitspieler abwechselnd einen Holzklöppel darauf fallen und kassieren Punkte für alles, was abfällt. Mehr muss man nicht sagen, oder? Schönes Funspiel, mir persönlich aber als Absacker mit 40€ zu teuer. Aber auch das kommt wieder.

ciao

peer

P.S. Wer sich wundert, dass ich Badgers can be choosers nicht bereits letzte Woche erwähnt habe, dem sei gesagt: Das liegt daran, dass ich mir das Spiel komplett ausgedacht habe. Ich meine ein Spiel dass es nur in der VIP-Lounge gab? So ein Blödsinn!

 








Nov 02
[attila-products.de]
Die Flut der Neuheiten der noch frisch vergangenen Spielemesse wird noch einige Zeit auf uns einprasseln und bevor man überhaupt eine Chance hatte alle halbwegs relevanten Neuheiten zu sichten, geht es im nächsten Frühjahr ja schon weiter mit der nächsten … Continue reading


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Nov 01

Die Apokalypse findet nicht statt

Peer Sylvester,  2014      

Post-Essen-Analysen müssen natürlich  irgendwie immer negativ sein. So funktioniert kritischer und damit professioneller Journalismus! Entweder waren die Hallen schlecht oder die Toiletten überfüllt oder Verlage sind pleite oder nehmen gar nicht erst an der Spiel teil (so wie Winning Moves 2013 oder White Goblin Games 2014) oder die Amerikaner bevorzugen GenCon oder es gibt viel zu viele Spiele.

Ähm Moment mal – Zu VIELE Spiele? Sollten auf einer Spielemesse nicht viele Spiele vorgestellt werden? Ist das nicht irgendwie der Sinn der Veranstaltung? Matthias hat sich letzte Woche dieser Frage bereits gewidmet. Von mir eine Ergänzung:

Meistens wird die Lage mit dem französischen Comicmarkt verglichen, der in den Neunziger Jahren mehr oder minder impoldiert ist. Der große Unterschied: Es war der FRANZÖSISCHE Comicmarkt. Die Spieleflut ist aber so groß, weil der Markt vor allem international wächst: Erst kamen die Skandinavier und Engländer, dann der Ostblock mit den Tschechen, Polen und Russen (und einigen Baltikstaaten und Rumänien) und Griechenland. Dieses Jahr wuchs Asien stark: Neben den bewreits etablierten Japanern und Koreanern sah man eine Menge Taiwanesen aber auch einen Verlag aus Indonesien und Malaysia. Südafrika habe ich auch entdeckt. Und ich würde mich nicht wundern wenn in den nächsten Jahren noch Verlage aus Mittel- und Südamerika dazukämen. Damit wird die Spieleflut vielleicht (!)  größer, auf jeden Fall aber auch der Absatzmarkt. Sicher, ein Spiel geht schneller unter, umgekehrt erreicht ein erfolgreiches Spieler aber international auch viel schneller 5- und 6stellige Verkaufszahlen. Das Risiko mag steigen, lässt sich aber durch Dinge wie Crowdfunding oder zusammenlegen von Vertriebsstrukturen (siehe Asmodee) und Partnerschaften auch wieder senken.

Um den Spielemarkt mache ich mir daher keine Gedanken!

(Einschub: Wenn man sich die deutschen Verlage ansieht, haben die ihre Spieleanzahl auch gar nicht unbedingt erhöht: Alea und Hans im Glück, aber auch Kosmos und Abaccus bringen in etwa noch genauso viele Spiele auf den Markt wie vor zehn Jahren. Amigo bringt gefühlt eher weniger Spiele heraus. Queen hat schon immer geschwnakt, dieses Jahr war eher Durchschnitt. Pegasus und Asmodee sind allerdings hinzugekommen. Letztere sind aber hauptsächlich ein Dach für französische Verlage).

Diese -willkommende – Diffusität ist auch in meinen Augen der Grund dafür, dass immer wieder das Fehlen eines “Überfliegers” vermisst wird. Ich habe mich letztes Jahr schon mit den Gründen befasst und möchte daher nur ergänzen: Das letzte Spiel, dass bereits auf der Messe als Überflieger gehandelt wurde, warnach meiner Wahrnehmung  7 Wonders. Das war 2010, ist also vier Jahre her. Village, Hanabi, Terra Mystica, Tzolkin, Andor, Love Letter or Robinson Crusoe waren danach alles keine Überflieger. Wenn das stimmt, dann ist das Wort “Überflieger” in meinen Augen bedeutungslos (ich mag nicht alle die genannten Spiele, aber ich denke dass all diese Spiele moderne Klassiker werden – VErkaufszahlenmässig stehen die alle soweit ermittelbar gut da). Und so wird es auch dieses Jahr Spiele geben, die ihren “Überflieger-Status” erst noch nachträglich bekommen. Ein Kandidat wäre z.B. Abraca…What? das -sobald es irgendein Verlag in deutsch macht – garantiert den SdJ-Titel gewinnen wird. (Ja, garantiert. Sowas steht fest. Hat man ja am Titelgewinn von  Splendor gesehen)
Das “Fehlen” eines Überfliegers ist damit ein weiteres Zeichen für die Größe und Diffusitäts unseres Hobbys. Es ist eben keine Nische mehr, deren wichtigeren Vertreter man in vier Tagen locker überschauen, spielen und abhaken kann . Es ist ein international anerkanntes Medium, bei dem niemander mehr alles kennen kann, bei dem jeder das eine oder andere Spiel übersieht. Ist es nicht das was immer gefordert wurde?

ciao
peer








Okt 25

Einspruch, Euer Ehren!

Matthias Nagy,  2014      

Alle Jahre wieder wird über Zahlen geredet und dabei wird immer wieder erneut eine Sicht geäußert, die für mich sehr gestrig ist. Eine Sicht, wie sie noch vor 20 Jahren funktioniert hat und inzwischen nicht mehr haltbar ist. Und wir reden hier nicht über den Kampf der Printmedien gegen Internet-Journalismus. Nein, wir reden von den Neuheiten aus Essen. Wir reden über die Geschäftspolitik der Verlage. Wir reden über den Schrei der Ohnmacht der Alles-Woller.

Es wird wieder über die Zahl gegängelt, dass diese viel zu hoch ist. Es wird darüber gemeckert, dass keiner das alles spielen kann, und dass die Spiele zu wenig Luft zum Atmen haben, weil sie nach einem Jahr wieder aussortiert werden. Dabei werden viele Kleinigkeiten übersehen, denn die eigene Sichtweise wird bedient. Eine Sichtweise in der es logischerweise nötig ist alles zu sichten, alles kennenzulernen und alles beurteilen zu können was auf den Markt kommt. Ein Umstand, der vor 20 Jahren vielleicht noch machbar war, der aber inzwischen weit davon entfernt ist nicht als Utopie bezeichnet zu werden.

Das Rekordjahr

Fangen wir mit den einfachen Zahlen an. 850 Spiele sind laut der Messe Essen auf der Spiel 14 neu vorgestellt worden. Die Spielbox hat ihre eigene Zahl, die ein bisschen abweicht, genauso wie Cliquenabend, BGG und jede andere Seite die versucht da eine Zahl zu zaubern und eine volle Übersicht über alle Neuheiten zu liefern. Und wie viele waren es im letzten Jahr? Vielleicht 800, um eine Zahl zu nennen, die im Raum war. TricTrac Frankreich hatte letztes Jahr 863 gezählt. Spielbox, Cliquenabend und BGG hatten wieder andere Zahlen. Es funktioniert irgendwie gar nicht. Gefühlt war es aber eigentlich nur genauso viel wie letztes Jahr. Da ist keine Steigerung mehr zu sehen. Wozu auch? Wozu sich in der großen Zahl versuchen. Es waren halt viele, verdammt viele.

Versuchen wir es mit anderen Zahlen. BGG hat in seiner Datenbank an Neuerscheinungen für 2013, volle 3800 Einträge. Für 2014 sind es bisher rund 3500. Vielleicht wird die Zahl noch um 300 steigen, denn auch in den kommenden 2 Monaten werden noch Einträge dazukommen, aber ist das wichtig? Diese Zahl zeigt auch eine gewisse Konsistenz. Und sie zeigt noch etwas, was alle anderen Liste gemein haben. Sie zählt alles. Waren es wirklich 850 neue Spiele? Da kam ein Spiel bei einem Verlag raus und der deutsche Vertrieb war auch vor Ort. Bei beiden wurden die Spiele gelistet und zack waren es zwei Spiele statt einem. Hochgerechnet auf die Masse an Spielen die Heidelberger, Pegasus und Asmodee vertreiben und deren Partnerverlage auch Stände hatten, kann die Zahl fast schon gefühlt halbiert werden. Sind wir mal nicht so kritisch, sagen wir es waren nur noch 550 Spiele.

Aber es geht noch weiter. Zum Teil wurden Spiele gelistet, die auch schon letztes Jahr gelistet waren, wie Machi Kori und Das Vermächtnis. Die sind jetzt auf deutsch raus. Das ist für manche Spieler neu, denn sie konnten es vorher nicht spielen, aber für die Akribiker ist das nichts neues. Und dann kommen noch die Erweiterungen mit rein. Dazu zählen große Erweiterungen wie Babel genauso rein, wie die kleinen Goodies, etwa die Haustiere für Brügge. Sind das neue Spiele oder nur Gründe, alte Spiele wieder zu spielen? BGG schließlich führt noch jede Menge weitere Projekte auf, die es nie über den Teich schaffen oder gar in die Veröffentlichungen oder sie sind eh nur Fan-Projekte. Was übrig bleibt sind etwa 300 neue Spiele. Eine Zahl, die weder zu hoch noch zu erdrückend erscheint. Aber immer noch mehr als der Normalsterbliche spielen kann, der gerne alles spielen will.

Der Blick über den Tellerrand: Im Buchgeschäft erscheinen übrigens deutlich mehr Titel im Jahr, dadrunter Wälzer die nicht an einem Tag gelesen sind. Aber auch Fortsetzungen, Neuerscheinungen, Taschenbuch-Ausgaben von vorher nur gebunden Büchern uvm. Und im Musikgeschäft ist es auch nicht viel weniger. In beiden Sparten kenne ich keinen der sagt, dass da zu viel rauskommt. Und genauso wie in diesen Sparten finanzieren sich die Spiele auch gegenseitig quer.

Der Allesspieler

Die nächste falsche Annahme ist, alles spielen zu müssen. Basierend darauf, den Verlagen den Vorwurf zu machen nicht so viel auf den Markt zu werfen, sondern lieber Klassiker zu pflegen, statt nach einem Jahr wieder zu verramschen. Das ist, als würde man die Parteien auffordern nicht mehr Politik für jeden zu machen sondern sich auf ihr Kernthema zu konzentrieren. Was mit der letzten Partei passiert ist, die das getan hat, kann man sehr gut erkennen, sie wurde nicht für voll genommen.

Gerade die großen Verlage sind Vollsortierer. Sie müssen viele Zielgruppen bedienen, um auch als großer Verlag genommen zu werden. Sie bieten auch Perlen an, die vielleicht wirklich nur für 1000 Spieler sind, und diese sind dann zufrieden, wenn sie das Spiel haben. Ein Spiel muss nicht ewiglich bestehen, so wie auch nicht jeder Mensch unsterblich ist. Aber warum für diese Menge produzieren statt mehr für die Masse? Und ich dachte Spiele sind Kulturgut und dazu gehören auch Spiele für die Randgruppen die nur 1000 Stück verkaufen.

Es gibt Spiele für Kinder, Familien, Erwachsene, Freaks, Kenner, Experten, Erzähler und Miniaturbemaler. Es gibt Karten-, Würfel-, Brett-, Rollen- und neuerdings sogar Beutelspiele. Es gibt Spiele mit einfachen, normalen und schweren Regeln. Es gibt thematische, abstrakte, Euro-, Ameritrash- und auch masochistische Spiele. Und diese Aufzählungen waren weit davon entfernt vollständig zu sein. Alleine die Schnittmengen für die Kombinationen aufzuzählen würde zu einer Grafik im fünfdimensionalen Raum führen und den Rahmen einer Essen-Show sprengen. Und jedes Spiel hat seine Berechtigung.

Aber nicht jeder muss alles spielen. Ich weiß, dass mich Wargames, Cosims und inzwischen auch wieder Kinderspiele nicht interessieren. Ich kann sie von meiner Liste streichen. Ich muss mich nicht mit abstrakten Holzspielen beschäftigen, weil ich oft keinen Spaß daran habe. Die 2er-Spiele ignoriere ich auch oft. Und sollte da doch eine Perle dabei sein, so wird man es mir näher bringen und ich kann dann immer noch drauf schauen. Ich habe mich dieses Jahr das erste Mal sehr ausführlich mit den Neuheuten beschäftigt und bin dabei an rund 140 Spiele inkl. Erweiterungen gekommen die einen Blick für mich wert sind. Muss ich alles spielen? Nein!

Der Blick über den Tellerrand: Keiner liest alle Bücher, und keiner hört jede CD da draußen. Es gibt Bücher die nur von einer kleinen Gruppe von Menschen gelesen werden, und es gibt sie in kleinen Auflagen. Gepflegt werden die Bestseller und dennoch bringt jeder Verlag jede Menge neue Bücher raus. Denn wenn etwas gut ist fliegt es nicht raus. Und bei Musikern habe ich auch noch keine Plattenfirma gehört die darauf verzichtet neue Talente zu finden und auf den Markt zu bringen, weil die alten sich schon so gut verkaufen.

Die Pyramide

Es wird immer wieder geäußert das schlechte Spiele verboten gehören, so wie schlechte Werbung verboten gehört. Dabei gilt für manche schon das Gute als Schlecht, denn es ist ja schlechter als das Bessere. Es kann nie alles gut sein, etwas ist immer besser als etwas anderes. Selbst wenn man die jeweils besten 20 Spiele der letzten 10 Jahre nehmen würde, würden da Gurken im Vergleich zu anderen Spielen sein.

In dem Umfeld aufzurufen weniger zu produzieren und sich lieber auf weniges zu konzentrieren, erscheint mir völlig verkehrt. Wenn die Zahl der Spiele, die mich interessieren, sinkt, wirkt es so, als würde der Markt schrumpfen und alle wären einfallslos. Herr Hutter würde darüber klagen, dass der Umsatz zurückgeht und eh wir uns versehen geben Menschen das Hobby auf, weil nichts mehr für sie interessantes dabei ist. Die Menschliche Psyche will immer mehr und immer neuer. Wer neu einsteigt findet nicht nur cooles Neues in unbegrenzter Zahl, sondern kann auch damit leben, dass es alt ist. Das White Album von den Beatles ist immer noch eine Perle. Und die Lizenzgurke ist ein Geldbringer, so wie das Buch zum Film bei Teenagern.

Aber wären wir wo wir sind, wenn wir bei 100 Neuerscheinungen im Jahr geblieben wären? Wie in der Evolution wird die Entwicklung durch die Masse vorangetrieben. Wären die Spiele denn heute so gut, wenn es nicht so viele geben würde, an denen die Verlage und Autoren sich reiben, neue Ideen finden und Verfeinerungen ausmachen könnten? Und ein Blick auf die Masse der unveröffentlichten Spiele oder welche lieber hätten unveröffentlicht bleiben sollen, aber dank Kickstarter leider den Weg in die Produktion gefunden hat, ist da nur ein Teilaspekt. Die Verlage sind schon sehr konservativ. Wer nur 12 Spiele veröffentlicht, obwohl ihm 700 angeboten wurden, hat schon stark gesiebt.

Und was ein Klassiker wird, bestimmt an der Stelle wieder der Markt. Die Zahl der Spieler steigt auch jedes Jahr. Wenn ein Spiel des Jahres nicht nur 300.000 mal verkauft wird, sondern 700.000 mal dann ist das ein deutliches Signal für eine wachsende Käuferschicht. Und mit der wachsenden Käuferschicht kommt auch mehr Verlangen. Es ist wie eine Pyramide. Oben sind die Freaks, die sehr viel spielen und einen Blick auf den Markt haben. Und die Kollegen von der Jury, die alles anspielen müssen. Ganz unten ist das breite Fußvolk, das nur wenig spielt, und dem es egal sein kann, ob es 10, 100, 1000 oder auch eine Millionen neue Spiele gibt. Aber nur durch ständige Veröffentlichungen die oben in den kleinen Trichter geworfen werden, kommen unten die besten Spiele an, aber die halten sich lange. Welche Spiele das sind, hängt sehr stark davon ab wie gut jeder arbeitet. Aber die Chancen steigen, je mehr reingeworfen wird. Sonst hätten wir weiterhin nur Monopoly, Scrabble und ein Leiterspiel. Viele gute Spiele stehen auch in unserer Branche für einen guten Jahrgang.

Der Blick über den Tellerrand: So mancher Bestsellerautor ist gezwungen ein neues Buch jedes Jahr abzuliefern, um im Gespräch zu bleiben. Und eine Band die nach 18 Monaten noch kein neues Album rausgebracht hat, erscheint unwichtig geworden. Nur wenige Bücher und Alben werden Klassiker. Warum sollte ein Verlag auf eine Neuheit verzichten, nur um was voranzutreiben, was es bisher nicht geschafft hat?

Mein Fazit

Statt also über die Menge zu stöhnen, sollten wir alle uns wieder an den Spieltisch setzen und spielen. Ich erfreue mich an dem, was ich spiele. Tut das doch auch alle. Und ich werde bestimmt nicht alles spielen wollen, das kann keiner und das sollte auch (fast) keiner. Hier zu sortieren macht Sinn und wer das nicht kann braucht die Expertise von anderen, wie der Jury, die das in hervorragender Art und Weise seit über 30 Jahren macht. Vielleicht sollten wir mehr Schubladen einbringen. Nicht nur Kinder, Familien, Kenner und Expertenspiele, sondern auch Schubladen, die es für andere einfacher machen. Es gibt mehr als 4 Musikrichtungen, es gibt mehr als 4 Romangruppen.

Aber wer jammert, verpasst die Entwicklung und die ist nicht aufzuhalten. Gestaltet sie lieber mit!

PS: Dieser Artikel ist ein Widerspruch gegen die Ansichten von Michael Weber und Synes Ernst.








Okt 21
[attila-products.de]
Die Messe 2014 ist nun vorbei und vielerorts wird mal wieder über Preise, Promos, vermeindliche Abzocker, schlimme Fehldrucke und wie enttäuschen doch alles ist diskutiert. Das kann zwar auf eine gewisse Art unterhaltsam sein, ist aber etwas was irgendwie jedes … Continue reading


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Okt 17

Essen – in Kurzform

Jürgen Karla,  2014      

Hier schnell der Link auf allgemeine Bilder von der #Spiel14: allgemeine Bilder

Und die Bilder der Neuheitenschau: Neuheitenschau

Sowie der Hinweis, dass wir von der Messe über Twitter berichten:
Jürgen
Peer
Matthias








Okt 12

They blinded me with Science!

Peer Sylvester,  2014      

Darf man eine Woche vor der Messe über etwas anderes schreiben, als über die Messe? Ich hoffe doch, denn da sich drei der letzten vier Artikel mit der Messe beschäftigen, will ich mal über etwas anderes reden… Messepreviews gibt es eh genug.

Ich hatte letzte Woche “The New Science” in der Hand (aber das Spiel kam nicht zum Vollzug) und da ist mir aufgegangen, dass Wissenschaft in Spielen meistens völlig falsch dargestellt wird. Und leider scheint The new Science keine Ausnahme darzustellen…

Wissenschaft ist selten  das Thema (da fallen mir nur eine Handvoll Spiele ein), aber doch sehr oft Teil der Spiele – in vielen Spielen kaufen die Spieler sich Vorteile in Form neuer Technologien. Und die umfassen Erfindungen (wie das Rad) genauso wie Wissenschaftliche Errungenschaften (Mathematik, Chemie oder auch mal spezielleres wie das Heliozentrische Weltbild oder Algebra). Nun mag es für Erfindungen noch angehen, dass man sie sich aussucht (ein Erfinder macht sich eben daran das Problem zu lösen, wie man mit viereckigen Steinen einen Wagen betreibt), aber bei wissenschaftlichen Erkenntnissen, weiss man eben nicht vorher, was herauskommt. Geschweige denn, was es einen für Vorteile bringt (Das Internet wurde ja auch nicht erfunden, damit jemand endlich einmal eine Übersicht hat, welche Spiele in Essen herauskommen. Obwohl… Wer weiß?)

In manchen Spielen steht die Forschung dann noch mehr im Mittelpunkt (wie in New Science) und meistens in der Form, dass man quasi Auftragskarten bearbeitet. So in der Art: Zwei Bunsenbrenner und drei Reagenzgläser und dann hat man einen Kunststoff erfunden und bekommt +3 auf Umweltverschmutzung (oder was auch immer).

Das ist aber absoluter Blödsinn. So funktioniert Wissenschaft in der Regel nicht. Was diese Spiele falsch machen: Man weiß eben nicht, was hinterher rauskommt. Man weiß nicht wozu es gut sein wird. Das ist in der Realität auch gar nicht das Ziel… aber auch in einem Spiel muss man nicht unbedingt wissen, was man bekommt.

In einer guten Umsetzung würde man in einem speziellen Bereich forschen (etwa Metallbearbeitung oder Waffentechnik oder was auch immer) und man wüsste in etwa was man erwarten kann – aber eben nicht genau. Man wüsste in etwa, was man brauchen kann – aber eben nicht genau. Das ist natürlich schwieriger hinzubekommen, inbesondere wenn das Spiel kein reinen Glücksspiel sein soll. Es wäre aber deutlich thematischer und eventuell auch interessanter. Sicherlich muss nicht jedes Spiel 100% thematisch sein – aber es wäre schon schön, wenn ab und an auch die Wissenschaft mal halbwegs realistisch rüberkommt. Und neue Mechanismen können die Spielewelt nur bereichern.

ciao

peer

P.S. Was ich an The new Science absolut albern finde -aber das ist eine spezielle Sache, daher nur nebenbei – ist dass eines der Ziele die “Phlogiston-Theorie” ist. Das war eine falsche Theorie, die das echte Verständnis für den Verbrennungsvorgang jahrelang behindert (ich möchte fast sagen “zurückgeworfen”) hat. Das möchte man nicht erfinden. Es war keine notwendige Zwischenstufe, zum großen Verständnis. Der einzige Grund, warum es drin ist, ist wohl damit die berühmtesten Theorien alle vorkommen. Aber das ist so, als würde ein Wargame den Unterlegenden Siegpunkte geben, dafür dass sie bestimmte Schlachten verlieren (z.B. Agrincourt), nur weil das eben so gelaufen ist, nicht weil es dafür irgendeinen spielerischen Grund gibt. Das ist “Geschichte mit dem Holzhammer” – und kein Thema.

 








Okt 03

Japanisch Essen

Peer Sylvester,  2014      

Zuerst einmal in eigener Sache: Auf der Histogame-Seite gibt es jetzt die Regeln, Vorbestellmöglichkeit und Richards Geleitwort von Wir sind das Volk zu bestaunen. Auf Boardgamegeek gibt es noch einmal ein Designer Diary von mir und Richard widmet sich der Frage was mit dem Saarland und Bremen passiert ist.

Außer Wir sind das Volk kommen noch eins, zwei weitere Spiele in Essen heraus (ich bin besonders auf Michael Schachts neues Eigenverlagsspiel gespannt). Einige davon erscheinen bei Japan Brand. Zu denen habe ich einen guten Draht und daher liegen mir schon ein paar Neuheiten vor. Die will ich hier kurz vorstellen. Aber obacht: Gespielt habe ich nur Isaribi und Rolling Japan!

Isaribi (3-5) ist vom Sail to India Autor Hisashi Hayashi und das merkt man auch: Kleine Regeln – Große Wirkung! Insbesondere darf jeder reihum seinen Zug durchführen oder passen und in seinem Zug darf man seine Aktionspunkte beliebig nutzen. Das führt zu hohen Freiheitsgraden (und witzig: Es gibt halbe Aktionspunkte!). Ich fand die erste Partie durchaus interessant, allerdings litt sie darunter, dass das Spiel nicht für verschiedene Spielerzahlen tariert wurde. Wir waren nur zu dritt, hatten aber das gleiche Meer und den gleichen Fischmarkt zur Verfügung, wie bei einer Fünferpartie. Resultat: Jeder konnte zu Beginn fischen und verkaufen, was das Zeug hielt. Dadurch wurden wir unsagbar reich und konnten unser Boot mehr aufrüsten, als wir es vermutlich in Vollbesetzung hätten tun können. Dadurch fischten wir das Meer bereits früh im Spiel ziemlich leer und subtilere Taktiken waren unnötig. Ich glaube mit mehr Spielern ist es deutlich interessanter… Ich will es auf jeden Fall noch mal in Vollbesetzung probieren, denn die Mechanismen sind interessant.

Gleicher Autor, ganz anderes Spiel: Rolling Japan ist ein Würfel-und-Zahlen-eintragen-Spiel. Gewürfelt wird mit zwei Würfeln, die zufällig aus einem Beutel gezogen werden und eingetragen wird auf einer stilisierten Japankarte in eine Provinz der Würfelfarbe, wobei benachbarte Provinzen keine Zahl haben dürfen, die um mehr als 1 vom Würfelergebnis abweicht. Am Anfang ist das natürlich noch leicht, aber man malt sich fast zwangsläufig in eine Ecke und muss auf passende Zahlen hoffen. Wirklich recht spaßig – ein flottes Würfelspiel eben. Unsere Partie litt etwas daran, dass wir in den ersten Runden nur Extremergebnisse (1 und 6) würfelten, was sich später kaum noch kompensieren ließ. War aber trotzdem nett für das was es sein wollte.

Die anderen Eindrücke nach Regelkunde:

Villannex wirkt auf den ersten Blick wie ein Karten-Entwicklungsspiel: 32 Karten, die alle Gebäude (oder Berufe) zeigen, sowie zwei verschiedene Rohstoffoptionen und eine Siegpunktbedingung. Man zieht ein paar Karten, sucht sich gleichzeitig was aus, spielt die gleichzeitig und wertet und dann ist das Spiel zu Ende. Moment Mal, dann ist das Spiel zu Ende? Jawohl. Man spielt genau 2 Karten aus. Die Wertungen beziehen sich durchaus auch auf die Mitspieler und man sieht zumindest eine Teilauswahl deren Hand, aber dennoch: Ja, das ist alles. Die Erklärung dauert länger als das Spiel. Obs was taugt vermag ich nicht zu sagen.

Colors of Kasane ist eine Mischung aus Bohnanza und Rommé: Man nimmt Karten auf die Hand. Die Hand darf nicht sortiert werden (Wie bei Bohnanza) und dann nutzt man die Karten aus der Hand um damit Aufträge zu erfüllen, also Romme-ähnliche Kombinationen zu erledigen. Recht leichte Regeln, wirklich ansprechenden Spielmaterial. Ein “Werd ich mit meiner Mutter spielen”-Spiel.

See-Know-Buzz ist angeblich ein Ninja-Stichspiel, was ich für eine coole Idee halte. Allerdings ist es weniger ein Stichspiel, sondern eher ein Bluff-spiel, bei dem man versucht, den anderen Schaden zuzufügen und wo man auch Karten für den Gegner spielen kann. Die Regeln sind etwas verwirrend – ich empfehle Eric Martins Preview – und er scheint ähnlich wenig zu wissen, was er vom Spiel halten soll.

Ein Spiel, dass ich nach Regellektüre empfehlen würde ist Secret Moon von Senji Kannai. Ziel war es ein “Werwolf”-ähnliches Spiel zu machen, wo man nicht lügen muss (und auch gar nicht lügen darf). Es ist damit mehr eine Art Deduktionsspiel mit Blufffaktor: Jeder Spieler bekommt eine geheime Identität. Jede Identität gehört zu einem von zwei Teams. Natürlich versucht man, mit seinem Team zu gewinnen. Das heißt, man muss erst einmal herausfinden, wer die gegnerischen  Schlüsselcharaktere sind und gleichzeitig möglichst die Schlüsselcharaktere des eigenen Teams schützen. Das Besondere dabei ist das Redeverbot: Es gibt nur eine Möglichkeit zu kommunizieren und die ist die Aktion “Befragen” – und da gibt es auf eine fest vorformulierte Frage eine (je nach Team und Charakter) vordefinierte Antwort. Ich stelle mir das Spiel sehr interessant vor – gleichzeitig Informationen gewinnen, ohne das eigene Team bloszustellen… Außerdem ist es kurz, aber es hat einige Sicherungen eingebaut, so dass Schnell-Tods á la Loveletter nicht vorkommen. Könnte wieder ein Hit werden.

Edo Yashiki habe ich nicht aufbekommen… Nein ehrlich, die Ziptüte muss man aufreißen und das habe ich mich erst nicht getraut. Aber ich kenne ja die Regeln. Edo ist eine Art “Mini-Mondo”: Jeder bastelt an seiner eigenen Auslage und versucht gleiche Fliesen nebeneinander zu platzieren (jede Karte zeigt 6 Fliesen, so dass gepuzzelt werden muss) – aber nicht zu viele gleiche, dann gibt es dafür wieder nur Null Punkte. Und im Profispiel muss jede Runde sogar ein anderes Muster gewertet werden. Die zu legende Karte suchen aber alle gleichzeitig mit einem beherzten Griff in die Auslage heraus – Hier ist der Mondo-Aspekt. Und “Mini” weil jede Runde nur eine Karte genommen werden darf. Vielleicht könnte man es auch als “Legespielausgabe von Bernd Eisensteins Zack und Pack” bezeichnen.

Nicht von Japan Brand, aber dafür schon gespielt: Sultaniya. Die Rezi ist fertig.

(Ich weise nicht mehr auf jede neue Rezi hin, denn die neuen stehen ja immer rechts hübsch aufgelistet, aber hier passte es ja ganz gut :-) )

ciao

peer