Mai 20

Verlagsvorstellung Outer Limit Games

Peer Sylvester,  2015      

Wir unterbrechen die Spiel-des-Jahres-Berichterstattung für eine kleine Verlagsvorstellung. Ausnahmsweise kommt einmal ein Verlag zum Zuge, der erst auf dem Weg zur Kickstarterkampagne ist. Aber ich mache sowieso was mir gefällt ­čśë Ausserdem gibt es am Ende die Möglichkeit, einem aufstrebenden Verlag in Essen zu helfen. Also ohne weitere Worte, jetzt das Interview zu Outer Limit Games!

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Outer Limit Games, das bin ich, Mike und mein Vater Stan. Mein Vater hat bereits 1988 das Spiel Hurricane veröffentlicht, das sich in erster Linie in den USA verkauft hat. Vor ein paar Jahren beschloss er, dass er wieder Spiele erfinden möchte und da ich eine sehr künstlerisch veranlagte Person ist, war ich natürlich daran interessiert, ebenfalls mitzumachen. Wir fingen erst einmal eher spaßeshalber mit ein paar Spielen an, und lernten so die Mechanismen moderner Brettspiele. Mir selbst gaben sie Erfahrung beim graphischen Gestalten von Brettspielen. Im September 2013 entschlossen wir uns ernst zu machen┬á und gründeten Outer Limit Games.

Bitte erzählt uns mehr über euer Spiel!

Direkt nach der Verlagsgründung begannen wir an einem Spiel namens Tau Ceti zu arbeiten. Wir haben eine Hintergrundgeschichte für dieses Spiel geschrieben und generell viel Entwicklungszeit reingesteckt, denn das sollte unser erstes ernsthaftes Spiel werden! Nach nun fast 20 Monaten ist Tau Ceti fertig. Es ist ein Science Fiction – 4-X-Miniaturenspiel, dass am 17. Juni auf Kickstarter eingestellt wird. Das Projekt wird EU-freundlich sein und die Spiele werden versandkostenfrei nach Deutschland versandt. Wir versprechen uns viel von dem Spiel und freuen uns, es auf die Brettspielszene loszulassen – denn es ist unser erstes gemeinsames Spiel und eines auf das wir besonders stolz sind!

Das Spiel selbst bietet 5 Raumschiffminiaturen, ein modulares Hexsystem und viele interessante Mechanismen und eine hohe Spieltiefe. Es gibt viele mögliche Strategien und viele unterschiedliche Wege zum Sieg. Der Wiederspielwert ist hoch, da jede Partie komplett unterschiedlich ist. Das Spiel ist auch alleine spielbar, denn wir wissen, dass Solospieler einen großen Teil des Marktes repräsentieren und wir wollen die nicht außen vor lassen. Diese Variante basiert auf künstlicher Intelligenz, die speziell für jeden Charakter im Spiel entwickelt wurde und gezielt auf jede Entscheidung reagiert.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir haben Pläne für zahlreiche Erweiterungen für Tau Ceti und wir haben viele Ideen für jede Menge weitere Spiele. Weder Vater noch ich können uns irgendetwas vorstellen, was wir lieber tun würden als Brettspiele zu erfinden und zu veröffentlichen und so wollen wir das noch eine sehr lange Zeit machen. Wir hoffen der Brettspielszene gefallen unsere Spiele und ermöglichen es uns, das zu tun, was wir lieben. Unser Versprechen an die Fans ist, dass wir qualitativ hochwertige Spiele liefern – sowohl spielmechanisch, als auch ästhetisch ansprechend.

Wird man die Spiele auch nach Kickstarter in Deutschland beziehen? Werdet ihr in Essen sein?

Wenn die Kickstarterkampagne erfolgreich ist, wird das Spiel überall über die Webseite zu beziehen sein. Der Preis ist dann vermutlich aber etwas höher, als wenn man das Spiel via Kickstarter gekauft hat.

Ich weiß noch nicht, ob ich es nach Essen schaffe, aber ich würde sehr gerne. Unabhängig von meiner Person, wird es auf jeden Fall mindestens ein Exemplar zu ausprobieren dort geben und ich suche noch Leute, die Interesse haben, dabei zu helfen. Bitte über meine Webseite kontaktieren!.

Vielen Dank für das Interview!








Mai 18

Zu viele Worte über die heutigen Nominierungen

Peer Sylvester,  2015      

Die Nominierungen sind da! Und Matthaias hat beim Tippen der Kennerspiele besser abgeschnitten und ich bei den normalen Spielen. Was immer das heißt…
Nominiert für das Spiel des Jahres sind:

The Game
Machi Koro
Colt Express

Und für den grauen Pöppel

 

Orleans
Elysium
Broom Service

(Simmsala Bumm und Patchwork sind übrigens auf der Empfehlungsliste – da hatte ich also recht behalten ­čśë )

Was mir sofort auffällt: Beim klassischen Pöppel fehlt ein “klassisches Spiel” – wir haben zwei kleine Spiele (ein Kooperatives, ein Würfelspiel) und ein, naja ich nenne es mal “Gute Laune Spiel”. Mag am Jahrgang gelegen haben, aber da sollte man in der Zukunft ein Auge drauf haben. Wäre schade, wenn zu viel Taktik ein Ausschlusskriterium wird. The Game war das Spiel, was wir alle drei (Jürgen, Matthais und ich) getippt haben und es ist drauf. So toll sind wir von der Spielbar!

Beim grauen Pöppel sind Marco Polo (wohl tatsächlich zu komplex) und Deus “nur” auf der Empfehlungsliste. Broom Service hatte ich (anders als Matthias) gar nicht auf dem Zettel. Jetzt startet der “Wie verhext”-Mechanismus also einen neuen Angriff auf den Pöppel ­čśë
DIE Überraschung ist in meinen Augen Elysium – einmal ist auch hier die Einstiegshürde hoch, da die ganzen Fähigkeiten verinnerlicht werden müssen. Zum anderen hatte ich nach den bisherigen Spielberichten den Eindruck, dass das Spiel ziemlich spaltet. Vor allem ist es kein Spiel, dass man beim ersten Spielen erfasst. Da ist eine Nominierung schon mutig!

Wie immer fehlt dem einen oder anderen ein Spiel, mir fehlt Evolution von Schmidt.

Soweit der Kommentar zu den Spielen, was ist insgesamt von der Liste zu halten?
Die Einzeltitel gehen in Ordnung. Was mir aber wirklich missfällt ist die Ausrichtung des Familienspielpöppels, am niedrigsten Anspruch (Machi Koro hat laut Jury immerhin eine 2, ebenso wie Colt Express). Was Einstiegshürder betrifft, mag das noch in Ordnung gehen, aber irgendwas mit Taktik hätte sich schon finden lassen dürfen, allein damit das Signal an den Handel auch entsprechend ausfällt. So besteht die Gefahr, dass die Anzahl der taktischen Familienspiele weiter runtergefahren wird. Die Schere zwischen Vielspieler- und Familienspiel öffnet sich dann weiter. Das tut dem “Kulturgut Spiel” ncht so gut.

Aber das ist auch eine grundsätzliche Frage: Welche Aufgabe soll die Jury wahrnehmen? Einfach gute Spiele zu nominieren und das geeignetste davon zu prämieren? Also wirklich, ein “Spiel des Jahres” zu küren? Oder soll die Jury mit der Nominierung auch Signale senden und aktiv bestimmte Verlagspolitiken fördern oder kritisieren? Letzteres ist nicht unumstritten, denn es sorgt auch dafür, dass potentiell geeignetere Spiele nicht nominiert werden, um Signale auszusenden. Dem ist die Jury zumindest mit dieser Nominierung aus dem Weg gegegangen (außer es wurden Spiele aufgrund von Regelmängeln nicht nominiert – das sehe ich aber dann kritisch, wenn die Verlage das nicht erfahren….).

So, von den Nominierten zur Grundsatzdiskussion und zurück. Und zurück an die Leser: Was meinen sie? Nicht von den Nominierungen, sondenr zur Frage: Soll die Jury akzentuieren oder nur prämieren? Oder ist diese Nominierung gar eine Akzentuierung?

ciao

peer








Mai 13

Die Jurymitglieder sind in Klausur und damit die auch das richtige nominieren, gebe ich mal wieder ein paar Tipps ab. Keine Ahnung wie beliebt diese Nominierungs-Rate-Spiele beim Leser wirklich sind, ich jedenfalls freue mich aber das ganze Jahr darüber, die zu schreiben (ein Grund, niemals der Jury der beizutreten ­čśë )

Beginnen wir mit dem klassischen Pöppel. Der hat den Vorteil, dass ich die möglichen Kandidaten besser kenne…

Wie hier schon oft geschrieben, halte ich Simsala…Bumm! für einen idealen Kandidaten: Einfache Regeln, relativ schnelles Spiel, aber mit mehr Tiefe, je häufiger man das spielt. Und (Hanabi zum Trotz) originell. Und in allen Besetzungen gut. So war das Spiel bis ca. Nürnberg in meinen Augen auch so ziemlich der einzige Kandidat. Jetzt hat sich das Bild etwas gewandelt, aber ich denke immer noch, dass Simsala…Bumm ein schönes Spiel des Jahres wäre. Ich weiß nur nicht, ob die Jury dasselbe denkt – außerhalb der Spielbar liest man erstaunlich wenig über das Spiel.

Als nächstes ein Dreierpack: The Game und Träcks von Nürnberger Spielkarten und Machi Koro von Kosmos sind allesamt kleine, einfache Spiele. Alle drei sind ausgepackt und können beim Losspielen in 2-3 Sätzen erklärt werden und alle drei sprechen auch Wenigspieler sofort an. Aber: Alle drei sind eben auch nicht sehr tief. Hinter der einfachen Fassaden verbirgt sich kein großes Spiel (anders als bei Simsala…Bumm), daher vermute ich, dass maximal eines der drei nominiert wird und der Rest einen Platz auf der Empfehlungsliste finden dürfte. Aber welches? Ich glaube The Game hat leicht bessere Chancen (trotz Titel und Aufmachung), weil es so süchtig machend ist. Machi Koro könnte es aber genauso werden – Es kann schließlich sein, dass ich The Game nur aufgrund meiner persönlichen Präferenz mehr Chancen einräume. Träcks ist vielleicht nicht originell genug (obwohl es mir besser gefällt als Machi Koro). Aber: Eines der dreien wird es schaffen, da bin ich einigermaßen sicher.

Jetzt kommen wir zu den weniger sicheren Kandidaten – aber was ist schon sicher?

Wenn ich oben schon The Game, Träcks und Machi Koro zusammengefasst habe, dann fasse ich noch einmal zwei Spiele zusammen: Black Fleet und Colt Express. Beides sind reine Fun-Spiele mit tollem Material, hohem Ärger- und ebensolchem Glücksfaktor. Echte Familienspiele eben. Beide könnten nominiert werden, aber nicht beide gleichzeitig – eben weil sie dasselbe Typ Spiel abdecken. Eventuell könnte gegen Colt Express sprechen, dass da geschossen wird, was die Jury nicht so mag. Also ein infinitesimaler Vorteil für Black Fleet.

Bliebe noch Cacao von Abacus, dass auch als Kandidat gehandelt wurde. Nun habe ich Cacao nicht gespielt und muss mich mit Informationen zweiter Hand begnügen… Ich räume Cacao durchaus Chancen ein, aber keine großen. Nach allem was ich gelesen habe, ist es einfach nicht besonders, nicht originell genug. Es wird immer mit Carcassonne verglichen und das ist in meinen Augen eine Bürde. Und ich habe zu oft das Attribut “solide” im Zusammenhang mit dem Spiel gelesen, als dass ich an eine Nominierung glauben würde.

Also mein Tipp: Simsala Bumm, eines der drei kleinen (vermutlich The Game) und eines der Ballerspiele (vielleicht Black Fleet?).

Ist bereits beim Standardpöppel viel Spekulation dabei, schwimme ich beim grauen Kennerpöppel vollständig. Zum einen gibt es einfach zu viele Kandidaten, die ich noch nicht spielen konnte und zum anderen ist es -wie immer – schlicht enorm schwierig einzuschätzen, ob ein bestimmtes Spiel jetzt in den “grauen” Bereich des Kennerspieles fällt, oder doch noch in den traditionellen Pöppel oder in den Bereich jenseits von Gut und Böse, der im Juryland als “zu komplex” bekannt ist.

Aber gut, zwei Kandidaten halte ich fast für gesetzt:

Marco Polo von Hans im Glück könnte allenfalls zu komplex sein – aber ich denke die Komplexität liegt nicht oberhalb von der von Village. Ansonsten: Everybodys Darling in diesem Sommer, also eine klare Nominierung.

Evolution von Schmidt könnte eventuell auch für den normalen Pöppel in Frage kommen – vielleicht landet er letztlich dort, wo es weniger Konkurrenz gibt. Aber das Spiel hätte eine Nominierung (als was auch immer) wirklich verdient: Thematisch, Interaktiv, nicht zu komplex und dennoch nicht trivial. Mit anderen Worten: Ein Kandidat.

Und der dritte Platz? Drei Spiele halte ich für möglich, aber bei keinem bin ich sicher: Orleans könnte am Badhaus scheitern oder als zu komplex gelten. Zu komplex für die Zielgruppe könnte auch das Nations Dice game sein (dass ich aber noch nicht gespielt habe), das erwarte ich aber zumindest auf der Empfehlungsliste, wenn diese nicht gerade extrem kurz ausfällt. Und ob Deus wirklich den Punch hat, um sich gegen die anderen Kandidaten durchzusetzen, weiß ich auch nicht, aber ein möglicher Kandidat wäre es allemal.

Aber vermutlich kommt eh alles anders…

Beim Kinderspiel kenne ich mich nicht genug aus, um Tipps zu wagen, hoffe aber auf eine Nominierung von Absacker.

 

ciao

peer

P.S. Matthias Nagy hat seine unsinnigen Tipps ( ­čśë ) hier gepostet. Jürgen tippt auf Träx, The Game und Rox (von Haba).
Auf der Spielbox raten sie hier. Und die Opinioated Gamers hier.








Mai 10

Die heiße Schlacht am kalten Spiel

Matthias Nagy,  2015      

Ein Tweet in meiner Timeline vor ein paar Wochen hat mich nicht losgelassen. Es geht speziell um diesen hier, in dem steht:

Warum haben alle deutschen Videorezensenten von Spielen ein Video zu #MarcoPolo, aber keins zu #Kanban ?

Meine erste interne Reaktion: Weil es gerade das heiße Ding ist. Hans im Glück ist ein bekannter Verlag, während Schwerkraft eher neu und kaum bekannt ist. Das ist schon mal richtig, aber eigentlich nicht wirklich der Grund, oder? Schließlich gibt es auch Hans im Glück-Spiele, die von den Leuten missachtet werden. Was gibt es also noch für Gründe?

Der nächste, der mir eingefallen ist, ist natürlich logischerweise das Bedürfnis, das Neueste vorzustellen. Zu Nürnberg kommen nicht so viele Spieler-Spiele raus und zu Essen sind es so viele, dass es nicht verwundert, dass es da schon Spiele gibt, die in der Menge untergehen. Bei der dünnen Schicht an Spielen in Nürnberg nimmt natürlich jeder gleich das Coolste. Man sah die Masse an Cacao- und The Game-Vorstellungen. Dennoch ist Helios seinerzeit eher untergegangen und Russian Railroads ist es nicht. Das Argument kann also alleine nicht wirklich ziehen.

Dann ist mir aufgefallen, dass ja Marco Polo eines der Spiele ist, welches auch in der Endrunde der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel gespielt wird. Viele mussten es also spielen, um sich für die selbige vorzubereiten. Aber auch das traf auf Helios letztes Jahr zu. Und vor allem testen die Leute meist in einer Gruppe und nicht mit den Rezensenten. Das alles kann es nicht sein.

Vielleicht ist es tatsächliche eine Frage der Nachfrage. Wenn ich mir ein aktuelles und nachgefragtes Spiel in meinem Blog vorgenommen habe, dann war das halt das heiße Ding, was viele Klicks gebracht hat. Wenn also viele Infos dazu haben wollen, dann ist die Nachfrage hoch genug, dass alle gleich das gute Stück spielen wollen. Und wenn alle im Reigen mitsingen, müsste ich doch auch was bringen, um nicht mit meinem Blog nach hinten zu fallen. Aber was macht Marco Polo so genial, das es gleich alle spielen wollen?

Aber es gibt noch ein anderes Argument. Wer mitbekommen hat, was da zwischen der Fairplay und dem Schwerkraft Verlag letztes Jahr in Essen passiert sein soll (ich war nicht dabei und kann alles nur aus zweiter Hand berichten), der merkt, dass dieser Verlag auch ein bisschen Eigensinn zu haben scheint. Sie wollten wohl der FairPlay kein Exemplar eines Spiels für die Topp10 zum Ausstellen geben. Diese wollte daraufhin das Spiel dann auch nicht erwähnen. Keine Ahnung ob das so stimmt, aber so hat es die Runde gemacht.

Dabei ist für einen kleinen Verlag der Umgang mit Rezensions- und Freiexemplaren auch nicht so einfach wie für die großen Verlage. Die Auflagen sind kleiner und das Budget ist enger. Oft werden Exemplare an die interessierten Blogger nicht kostenlos sondern zum Selbstkostenpreis abgegeben. Umso wichtiger sind eigentlich solche Aktionen, wie die der FairPlay.

Ich kann wie gesagt nicht beurteilen, was da schief gelaufen ist, aber da werden einige Blogger vielleicht gesagt haben, wir lassen die Finger davon. Vielleicht hat der Schwerkraft Verlag auch zu viele Anfragen bekommen und kann diese nicht in einer Form priorisieren, dass es Sinn macht. Oder einige sind einfach abgeschreckt und trauen sich gar nicht mehr anzufragen. Aber ich gleite in weitere Vermutungen ab. Vermutungen die wie ein Teufelskreis wirken. Denn wenn keiner berichtet, wird auch keiner mit-berichten.

Der wichtigste Punkt wird am Ende sein, dass es kleine Verlage im Umgang mit Freiexemplaren immer schwerer haben und deswegen nie dieselbe Visibilität erhalten werden wie etablierte Verlage.








Mai 02

5 Sterne deluxe

Peer Sylvester,  2015      

Über Noten wurde schon viel geschrieben. Auch hier. Und auch in der Spielbox, in dessen Editional harald Schrapers über die “7” schreibt – die 7 ist halt allgegenwertig bei Rezensionen, die eine Zehnerskala verwenden. Die 7 ist die Note für Spiele, die gut sind, aber eben nicht umwerfend. Die Spiele, die irgendwo solide sind. Die Spiele, die ein Spieler, der eine gewisse Vorauswahl vor einem Kauf trifft, am ehesten zu Gesicht bekommen wird. Die Note, die auch auf BGG schon recht oft gezückt wird – das┬á Gros der Spiele hat einen Schnitt mit einer 6 oder einer 7 vor dem Komma.

Das Problem ist nun, dass die Skala zwar einen Bereich von 1-10 umfasst, aber eigentlich interessiert gar nicht der ganze Bereich. Ob ein Spiel nun ganz schlecht, ziemlich schlecht oder ein bisschen schlecht ist, interessiert niemanden. Wenn ein Spiel keinen Spaß macht, braucht man keine Abstufung, dafür, wie wenig Spaß das Spiel jetzt genau macht. Umgekehrt interessiert es vielleicht eher schon, ob z.B. Star Wars Aramada wirklich ne ganze Ecke besser ist als X-Wing (und es sich deshalb lohnt, nochmal eine Hypothek aufzunehmen, um da auch noch mit einzusteiegn) oder ob der Spaß nur anders ist… Ist ein Spiel Außerdordentlich oder sehr gut oder nur “solide, kann man gut mal spielen” ist als Abstufung schlicht interessanter.

Die Lösung liegt aber nicht in einer Verfeinerung von Noten, sondern in einer Vergröberung. Letztlich braucht man nur: Schlecht (Vermeide ich, wenns geht), Mäßig/Geht so / Naja (Nicht so dolle, aber erträglich), Nett (spiele ich mit), Gut (Schlage ich vor) und vielleicht noch Sehr gut für die Creme ┬┤de la creme, also um wirklich herausragende Spiele noch einmal würdigen zu können. Und voli├í – wie sind beim 5-Sterne-Interneteinkaufspauschalbewertungssytem. Und das nicht von ungefähr, denn das hat sich ja durchgesetzt, weil es intuitiv ist und leicht anzuwenden (auch wenn die Mehrheit der Leute eher 1 als 2 Sterne vergeben). Witzigerweise habe ich das System bereits in Prä-Amazon-Zeiten angewand und wurde prompt gefragt, warum man dann nicht gleich Schulnoten vergibt ( statt 5) – Der Grund: 4, 5 und 6 zu differenzieren macht kaum sinn, wann vergibt man insbesondere eine 6 statt einer 5? Wenn das Spiel “broken” ist? Braucht man da wirklich eine Note für? Das ist doch heutzutagen fast schon ein Ausnahmefall…

Jetzt habe ich prinzipiell viel zu viel geschrieben, nur um zu sagen, dass ich am liebsten überall -uns insbesonderes auf BGG – mit dem 5-Sterne-System arbeiten würde…

 

ciao

peer

 

 








Apr 25

Generischer Blogpost

Peer Sylvester,  2015      

Ich habe gerade Heinrich Lehnhardts lesenswerten Artikel über automatische Fussballberichterstattung in der Hamburger Kreisliga gelesen und mich als verantwortungsvoller Abstauber von Rezensionsexemplaren Rezensent gleich gefragt, ob man sowas nicht auch für die Rezensionen hier in der Spielbar bauen könnte. Immerhin könnte man so die Quantität des Outputs enorm steigern, was dem Leser enorm entgegenkommt. Alles für den Leser!┬á Natürlich habe ich gleich eine Idee, wie sowas funktionieren könnte und unser hauseigener Chef-Informatiker geht dann sicherlich sofort daran, den Bot zusammenzuschrauben.

Wenn der erst einmal fertig ist , braucht man dann nur den Namen und den Verlag einzugeben, sowie der Webseite der Regeln (die müssen online sein) und dann darf man noch ankreuzen, ob einem das Spiel gar nicht/sehr/ ein bisschen gefallen hat.

Die Rezi beginnt dann mit “Bei [Titel] von [Verlag] muss man [Text aus “Spielziel” der Anleitung]

Dann kommt eine Materialauflistung (aus der Anleitung) und unter der Überschrift “Spielverlauf” alles was in der Spielanbleitung nach “Aufbau” kommt, aber vor “Spielende und Gewinner”.

Unter Fazit dann : “Mir hat das Spiel [sehr/keinen/ein bischen] Spaß gemacht. Der Zielgruppe wird es gefallen. Ich rate im Zweifelsfall aber dazu das Spiel vor dem Kauf auszuprobieren. Wir danken dem Verlag [Verlag] für die Rezensionsexemplare und hätten gerne noch mehr davon.

Und auch wenn ich den leisen Verdacht habe, dass es diese Programm in irgendeiner Form bereits gibt, denke ich, dass die Spielbar bald die Spieleseite Nummer 1 sein wird!

Wisst ihr eigentlich was noch generisch sind? Arbeitstitel. Wenn man mit einem Spiel anfängt, weiß man noch nicht so richtig, was am Ende unten abfällt, aber zumindest ich gebe Protos erst einmal einen provisorischen Titel, um den dann zu ersetzen, wenn mir etwas besseres einfällt oder wenn sich das Thema ändert oder so. Das ist ein kleines Problem bei den zugehörigen Dateinamen, denn die ändere┬á ich nicht mit und so muss ich nach längerer Bearbeitungspause oft suchen, bis mir einfällt, dass “Juwel von Afrika” mal “Schatzspiel” hieß oder welcher Proto sich hinter “Stefan Feld Spiel 1″ verbirgt. (Wir sind das Volk! hieß übrigens lange “BRD vs DDR”) Schlußendlich macht das Benennen des Protos zwar Spaß (und sorgt manchmal für eine gewisse Richtungsvorgabe beim Entwickeln), aber der Name wird beim Erscheinen doch oft noch einmal verändert.

Insofern ist es überraschend, dass Uli Blennemann den Arbeitstitel des Protos nennt, der 2016 bei Spielworxx erscheinen soll. Aber gut: Der Name “Dice for the Galaxy” gibt schon ein paar Informationen, um was es bei dem Spiel geht und aufmerksame Beobachter können das Spiel auch mit dem letzten Hippodice-Wettberwerb in Verbindung bringen, wo es dann noch mehr Informationen zum Abreifen gibt. Insofern war die Entscheidung den Titel des Protos zu nennen ungewöhnlich, aber nachvollziehbar. Besser jedenfalls, als sich nur für die Kurzmeldung einen neuen, generischen Titel auszudenken, der dann sowieso wieder geändert wird (Ich hätte “Würfel im All” vorgeschlagen, aber mich fragt ja keiner. Außerdem kenne ich das Spiel überhaupt nicht).

Daher überrascht mich mehr noch als Ulis Entscheidung die Reaktion auf Boardgamegeek (runterscrollen): Weil der generische Prototypentitel so ähnlich klingt, wie das in den USA erschienene Race for the galaxy, gibt es eine Menge negative Kommentare, von wegen, das Spiel würde sich an den Erfolg von RttG anhängen oder so. Und das obwohl aus der Meldung von Spielworxx klar hervorgeht, dass es ein Arbeitstitel ist. Und die Autoren in den Kommentaren klargestellt haben, dass der Titel älter ist als Tom Lehmanns Spiel. Und der Titel geändert wird. Aber jetzt hat Spielworxx ja schon unverdiente Aufmerksamkeit von allen bekommen, die Race for the Galaxy wollen, aber keine anderen Spiele mehr kennenlernen wollen oder so. Und die jetzt Sekunden ihres Lebens damit verschwendet haben, einen Satz über ein Spiel zu lesen, dass sie womöglich nicht interessiert.

Anscheinend wäre es besser gewesen, die Meldung wäre gewesen: “Es erscheint ein neues Spiel bei Spielworxx. Den Arbeitstitel nennen wir nicht, damit keiner denkt, es hätte etwas mit einem anderen Spiel zu tun. Über Mechanismus und Thema sagen wir nichts, damit keiner aus den zwei Sätzen Kurzbeschreibung Plagiatsvorwürfe erhebt.”

Keine Ahnung, warum.

ciao
peer








Apr 19

Das endet nicht gut!

Peer Sylvester,  2015      

Im Moment plagt der Heuschnupfen und meine Wohnung ist eine Baustelle. Ich bin also in der richtige Meckerlaune!

Ziel meiner Meckerei sind zwei Spiele, die mir Spaß gemacht haben – bis sie zu Ende waren. Bei beiden Spielen habe ich mich enorm über das Spielende geärgert, das nicht zum restlichen Spiel passen wollte.

Das erste hatte ich bereits erwähnt: Concordia. Hier hat mir das Spiel total Spaß gemacht: Die Züge sind kurz, die Entscheidungen interessant, man fiebert mit, ob man es noch schafft, den Bonus abzugrasen oder die gewünschte Karte zu nehmen und ob vielleicht jemand so nett ist, XY zu werten…. Toll! Und dann kam das Spielende und die Wertung und ich habe ne Menge Punkte und B ein paar mehr und C ein paar weniger und keiner weiß warum. Diese Wertung dauerte nicht nur lange, sie war auch weitestgehend emotional losgelöst vom Spiel. Da Kartenanzahl der jeweiligen Typen mit den entsprechenden Quellen multipliziert werden, man aber anfangs noch nicht weiß, welche Karten man bekommt (und ich habe, glaube ich, kein einziges Mal die Karte ergattern können, auf die ich es abgesehen hatte), geschweige denn, welche Karten die Mitspieler bekommen haben, ist das Ergebnis eine große Wundertüte, die bestenfalls ungefähr der eigenen Einschätzung des Spielverlaufes entspricht.

Nun mag das auch der mangelnden Erfahrung (2 Partien) geschuldet sein, aber das Spielende fühlt sich hier nicht organisch an. Ich habe nichts gegen verschiedene Siegpunktquellen, aber sie sollten klarer zum Spiel gehören. Noch extremer finde ich übrigens Il Principe, bei dem die Wertung noch einmal ein eigenes “Spiel im Spiel” darstellt und dass ich aus diesem Grund nie wieder angefasst habe (Auch Comuni leidet ein bisschen unter diesem “Spiel im Spiel” – Problem kann man doch beim letzten Angriff darauf vertrauen, dass die anderen es schon richten werden – und hat dann entweder mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder gewonnen oder verloren, je nachdem, ob die anderen auch so dachten oder nicht. Das konterkariert aber das Spiel davor).

Das zweite Spiel ist Winter der Toten. Dies ist ein sehr thematisches Spiel mit hohem Glücksfaktor, dass sehr von der Athmosphäre lebt. Spieler versuchen einen Winter nach der Zombieapokalypse zu überleben und auch wenn es viele Details gibt, ist das Grundprinzip angenehm einfach. Es kann einen Verräter geben, aber ansonsten gewinnt man, wenn man den Auftrag des jeweiligem Szenario übersteht und sein eigenes, geheimes Ziel erreicht – das bedeutet meistens bestimmtte Karten zu sammeln, statt diese für die Gemeinschaft zu opfern. Wie gesagt, die Partie war spannend bis zum Schluß, der Glücksfaktor hat mich hier nicht so gestört (wegen der thematischen Einbindung und weil der kooperative Aspekt dafür sorgt, dass niemand allzu sehr benachteiligt wird – mit einer Ausnahme, siehe gleich) und mir gefiel die Athmosphäre. Und dann endete das Spiel und einige hatten gewonnen und einige nicht und das passte überhaupt nicht zum Spielverlauf. Also, Teil des Problems war sicherlich, dass ich mein geheimes Ziel bereits in der zweiten Runde erreichte hatte und mich auf die Rettung der Kolonie konzentrieren konnte. Der Verräter war etwas passiv, aus Angst ausgeschlossen zu werden. Dadurch haben wir fast nur konstruktiv auf die Rettung der Kolonie hingespielt – und das auch geschafft. Und dann haben einige mehr gewonnen als andere und das fühlte sich komisch an. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die thematische Einbindung des Geheimzieles sich eben auf ein bisschen Flavortext der Geheimauftragskarte beschränkt, der bestenfalls bei Spielende allen bekannt gemacht wird. Ein zweites Problem ist in meinen Augen, dass ein Spieler, der seinen letzten Charakter verliert, alle Handkarten verliert. Aufgrund des enormen Glücksfaktors kann man da wenig gegen machen – und wen es kurz vor Spielende trifft, der hat eben Pech gehabt, denn er wird sein Ziel nicht mehr erreichen können. Auch hier passt das Ende imho nicht ganz zum Spiel: Entweder man beschränkt es auf “Wir gewinnen / verlieren zusammen, außer es gewinnt ein Verräter” (was in Ordnung ist- im Vergleich zu Kampfstern Galaktica gefällt mir Winter der Toten erst einmal etwas mehr, da es klarer -und kürzer- ist) oder der Geheimauftrag muss sich mehr wie ein Auftrag anfühlen – was natürlich regeltechnisch schwierger ist. (Disclaimer: Ja, das sind Gedanken nach einer Partie. Aber ich fand das Spielende eben so unbefriedigend, dass ich deswegen nicht weiß, ob ich mir das Spiel kaufen möchte.┬á Und das ist eben ein Problem des Spieles)

Bei beiden Spielen ist der Grund im Prinzip derselbe: Das Spielende passt nicht ganz zum Rest des Spieles. Das ist verständlich, denn gute Enden sind schwierig und viele tolle Ideen mögen Spaß machen, laufen aber nicht auf irgendeine Art auf ein Spielende bzw. eine Wertung hinaus. Besonders deutlich ist das übrigens bei Hattari, dessen Sieg/Endebedingungen überhaupt nicht richtig funktionieren.

Das zweite Problem war bei beiden, dass Spieler nicht wissen, was die anderen wollen und auch kaum eine Möglichkeit haben, die anderen zu behindern (Bei Concordia müsste man sich alle Karten von allen Mitspielern merken – theoretisch möglich, aber ich glaube nicht, dass das wirklich jemand mal macht. Bei Winter der Toten weiß ich nicht was die anderen wollen und kann das prinzipiell auch nicht herausfinden). Das ist nicht nur unbefriedigend, es verschenkt auch ein Spannungselement. Aus diesem Grund fühlt sich die Siegbedingung irgendwie willkürlich an.

Spielenden sin schwer: Sie müssen zum Spiel passen, sollten eine Rückmeldung für weitere Partien geben und den Spieler nicht überfordern. Idealerweise sollte die Wertung zudem möglichst kurz sein. Grund genug sich mit dem Ende des Spieles ebenso intensiv zu beschäftigen, wie mit dem Spiel davor!

ciao

peer








Apr 15

Verlagsvorstellung Calliope Games

Peer Sylvester,  2015      

Normalerweise vermeide ich es hier Kickstarter-Projekte vorzustellen, nicht zuletzt, weil ich nie weiß, ob ich die rechtzeitig fertigstelle. Doch diesmal mache ich eine Ausnahme, denn das Titanen-Projekt ist insofern interessant, als dass es Spieleautoren in den Mittelpunkt stellt. Und auch wenn man kritisch anmerken darf, dass “Titanen” vielleicht etwas hoch gegriffen ist (Von den 13 Autoren kannte ich gerade einmal 10 und wirklich geläufig sind vermutlich bestenfalls 4) und man das Fehlen von Europäern bemängeln könnte, so ist das doch eine positive Entwicklung, die besonderer Erwähnung bedarf!

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Hallo! Ich bin Cassidy Werner und der kleine Wicht der bei Calliope Games für die PR-Arbeit zuständig ist. Wir machen einfache Familienspiele, wie Tsuro, Tsuro of the Sea und Roll for it!

Bitte erzähle uns mehr über Euer Titanen-Projekt!

┬áDie legendären Autoren von Spielen wie Magic: The Gathering, Shadowrun, Smash Up!, Netrunner┬á und anderen machen Familienspiele speziell für uns! Diese Autoren, unter ihnen Richard Garfield, Eric Lang und Jordan Weisman werden┬á eine Serie von Familienspielen speziell für uns kreieren. Diese werden im Laufe der nächsten 3 Jahre ausgeliefert, wobei Unterstützer unserer Kampagnen fast 50% weniger bezahlen, als der normale Käufer im Handel und außerdem an der Entwicklung der Spiele beteiligt sein.

Wie habt ihr die Autoren für dieses Projekt ausgewählt?

Das war mit der schwierigste Part des Projektes – es gibt so viele talentierte Autoren und die Spieleszene ist so eng miteinander verwoben, dass wir mit vielen Autoren auch freundschaftlich verbunden sind. Schließlich haben wir Autoren gewählt, die tolle Spiele machen und die auch eng mit der Brettspielszene verbunden sind

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Wir werden sehen, wohin uns unsere Stretch Goals tragen- wir haben einige Europäische Spieleautoren in den Startlöchern, die wir vorstellen, wenn die Ziele erreicht werden [Anm. d. Ü: Ich nicht ­čśë ] Danach werden wir daran arbeiten unsere Versprechen an unsere Backer bezüglich grandioser Familienspiele zu erfüllen. Das wird eine harte Arbeit und eine Menge Spaß und wir können es kaum erwarten!

In der Projektbeschreibung konzentriert ihr euch auf die Autoren statt auf die Spiele. Das ist recht ungewöhnlich, insbesondere bei Familienspielen. Wie kamt ihr auf diese Idee? Geht es eher darum, die Autoren zu würdigen oder eher sie quasi als Marke als Aushängeschild zu nutzen?

Ein bisschen etwas von beiden. Da wir keine neun halbfertigen Spiele vorstellen konnten (siehe nächste Frage), haben wir uns bei der Kampagne auf die Erfahrung und den Erfolg unserer Autoren konzentriert.

Aber auch ihre Fähigkeiten werden gefeiert; Alle Beteiligten freuen sich darauf ein Familienspiel zu machen, etwas, dass viele von ihnen bislang noch nicht in ihrem Portfolio haben. Die Titan-Serie gibt ihnen eine Gelegenheit ihre besonderen Fähigkeiten auf einen neuen Bereich anzuwenden und zu erweitern.

Sind die Spiele bereits fertig? Wenn ja, kannst Du uns etwas mehr über die Spiele erzählen?

Die Kernmechanismen stehen soweit, aber die Spiele sind noch nicht fertig. Der Grund ist, dass wir unsere Unterstützer an unserem Projekt beteiligen wollen. Sie können uns bei der Themenwahl helfen, Titel auswählen und Mechanismen verbessern. Zusätzlich zu den Autoren sind sie somit ein integraler Bestandteil dieses Projekt – das macht es so spannend und einzigartig!

Details der ersten drei Titanen-Spiele – von Paul Peterson, Richard Garfield, und Jordan & Zach Weismen findet man auf der Kickstarterseite.

So also die Informationen über die drei Spiele sind -wie angedeutet – ebenfalls gering. Das Spiel der “Weismänner” ist ein Versteigerungsspiel, das Spiel von Peterson kann ich aufgrund der paar Sätze nicht wirklich nachvollziehen und Garfields Partyspiel erinnert stark an sein älteres I know what your thinking, das wiederum eine Abwandlung des bekannten Hochzeitsspiel ist, wo das Brautpaar möglichst dieselben Antworten geben muss.

Das Fehlen der Informationen bezüglich der Spiele ist sicherlich der Schwachpunkt der Kampagne. Neun Spiele blind vorzubestellen ist keine leichte Sache – trotz der großen Namen. Auch große Autoren produzieren nicht nur Hits – erinnert sich noch jemand an die “Bestseller Autoren Spiele” von Schmidt (die mit Randolph, Sackson, Kramer, Siegers, Hoffmann und Wittig auch durchaus die damaligen Bestsellerautoren vereinigen konnte)? Da war nicht alles toll… Andererseits könnte es genausogut die Wucht in Tüten werden – man weiß es eben noch nicht.

Ich werde gespannt beobachten!








Apr 11

Der Handel mit dem Handel

Matthias Nagy,  2015      

Heute will ich über die GTS reden. Etwas was euch hoffentlich genauso interessiert wie mich. Und mit GTS meine ich nicht etwa einen Gran Turismo Sport oder so manch andere Autotechnik. Nein es geht um Spiele also bleiben wir bei Spielen. Wobei wir auch nicht über die Game Theory Society┬áreden wollen. Auch wenn das furchtbar spannend wäre und deren nächste Konferenz in 2016 mit Maastricht auch Nahe genug ist, um da vorbeizufahren, wollen wir heute weniger über solche Singe reden.┬áIch will über die GAMA Trade Show┬áreden.
Die GAMA┬áist die┬áGame Manufacturers Association. Eine Gruppierung die die Interessieren der Spielverlage repräsentiert. Das tut sie in den USA inzwischen seit deutlich über 30 Jahren Sie wurde im Zusammenhang mit der Origins┬á1977┬ágegründet, hat aber außer dem Origins Award nicht mehr viel damit zu tun. Ihre Hauptveranstaltung ist die Trade Show, die einmal im Jahr im März in Las Vegas stattfindet. Dafür treffen sich Verlage┬áund┬áDistributeure und laden alle Händler ein sich vor Ort über alles informieren zu lassen. Ein bisschen ist das wie Nürnberg, aber statt zu allem was Spiele betrifft was zu bieten wie Kuscheltiere und Holzspielzeug und Modelleisenbahn und Feuerwerkskörper und etliches anderes geht es hier nur um den Hobbymarkt. Es geht um Brett- und Kartenspiele, um Rollen- und Würfelspiele, um┬áSammelbare┬áSpiele und alles was so einen US Hobby-Laden ausmacht.┬áUnd auch wenn ein paar von den Firmen vor Ort auch auf der Toy Fair in New York ausstellen, die allermeisten tun das nicht. Aber sie präsentieren sich auf der GTS.
Und hier gibt es ein großartiges Paket. Die Händler bekommen von den großen Firmen Präsentationen, was in den nächsten 6-12 Monaten geplant ist. Infos die zwar 2min später dank der Präsentation auf Twitter sind, aber nicht jeder Händler ist auf Twitter. Hier werden Deals geschlossen zwischen Kleinen Verlagen und Vertrieben. Hier werden Deals gemacht zwischen Vertrieben und Händlern und natürlich auch zwischen Verlagen und Händlern. Hier wird über Marketingmaßnahmen geredet, Händler sagen was bei ihnen funktioniert und was nicht und natürlich seit den letzten Jahren auch was alles auf Kickstarter gerade passiert. Und natürlich sind dazwischen auch Produktionsfirmen, die bei Verlagen um Aufträge buhlen. Das sind wichtige Eindrücke und Meetings. Die Messe ist wichtig.
Warum gibt es sowas eigentlich nicht in Europa? Gerade in Deutschland würde es sich doch anbieten auch für den Hobbymarkt sowas zu veranstalten. Doch wer soll das in die Hand nehmen? Als ich auf der UK Games Expo vor 2 Jahren war fand dort eine Präsentation von Esdevium statt und Verlage konnten kommen und ihre Neuheiten den Händlern präsentieren. Das alles fand am Vortag der Expo statt und dauerte auch nur den Tag, aber so konnten die Händler das mit dem Rest der Messe in einem Rutsch nutzen. Für die Stores in UK war das cool.
Aber gibt es eigentlich den Deutschen Hobby-Markt? Natürlich kann ich bei Pegasus etliche kleine Hobby-Läden finden. Aus dem Metier ist der Verlag gewachsen. Auch Heidelberger hat mit seinen Flagshipstores eine große Übersicht dieser Läden auf seiner Seite. Und Heidelberg macht auch einmal im Jahr solch eine Veranstaltung für seine Stores. Aber das ist nur zwischen Heidelberger, seinen Vertragsverlagen und seinen Läden. Keine anderen Verlage, keine anderen Vertriebe. Für Heidelberger gibt es den Vorteil, dass sie die volle Aufmerksamkeit haben. Auf der anderen Seite würde es sich gerade für die Händler lohnen, wenn sie bei solch einem Zusammentreffen gleich mehr rausziehen könnten, und mit anderen Verlagen auch gleich reden könnten.
Vielleicht ist es auch wieder ein Vorteil der USA, dass sie eine Einwohnerzahl in Höhe der Gesamteuropäischen haben, ohne irgendwelche Sprachbarrieren. Was dort in letzter Zeit gewachsen ist, ist beeindruckend. Die Gen Con hat an Größe zugenommen in einem Maße die schon an Essen-Verhältnisse heranreicht, wenn nicht gerade übertrifft. DIE GTS übernimmt Aufgaben, die in Europa auch gebraucht werden. Vielleicht ist es auch das dezentrale Denken, dass wir gerade in Deutschland haben. Wir haben sämtliche Bundesministerien über das gesamte Land verteilt und haben Vergleichsweise jede Aufgabe einem anderen Teil des Landes gegeben. Für Nürnberg wäre der Wegfall der Spielwarenmesse gefühlt schon ein Todesstoß┬á(Ich weiß etwas übertrieben, aber bei den Preisunterschieden für Hotelzimmer in der Messe-Woche und während des Rests des Jahres kommt jeder auf die Idee).
Was mir gedanklich bleibt ist die Liste der Verlage und Händler die Jahr für Jahr sich zu den anderen dazugesellen┬áund die GTS besuchen. Die Wachstumszahlen auch dieser Messe sind beachtlich und dürfen als Selbstläufer gelten. Was den Amerikanern jetzt noch fehlt sind mehr Verlage die so groß sind wie die Deutschen Verlage.







Mrz 28

Politikum Spiel

Peer Sylvester,  2015      

Spiele sind eher unpolitisch und das ist meistens auch gut so. Letzte Woche geisterten gleich drei Gegenbeispiele durch die Medien und auch das ist gut so: Ein Kulturgut darf auch mal politisch sein, darf (und soll) sich auch mal ruhig positionieren.

Als erstes ist einmal Genocon zu nennen. Gencon ist nicht irgendeine Spieleversanstaltung, sondern die größte in den USA und mit 180.000 Besuchern in Essen-Regionen (wobei Gencon eben ein Con ist, keine Messe). Bislang fand die immer in Indianapolis statt. Bislang – denn gestern wurde die “Religious Freedon Bill” unterzeichnet und die erlaubt es, dass gläubige Unternehmer, keine Gleichgeschlechtlichen Paare mehr bedienen muss, wenn dies gegen die religiösen Überzeugungen geht. Allein den letzten Satz zu schreiben, geht mir gegen den Strich und ich denke gerade daran, eine Religion zu gründen, die es mir verbietet, religiöse Fundamentalisten zu bedienen und dann einen Laden in Indiana aufzumachen. Aber das nur nebenbei.

Als Protest gegen dieses Gesetz prüfen die Veranstalter einen Wegzug aus Indianapolis – aber erst 2020 (bis dahin laufen die Verträge mit der Stadt noch). Wirtschaftich wäre das ein herber Schlag gegen die Stadt. Dies ist meines Wissens das bislang erste Mal, dass ein Unternehmen aus der Spieleszene ihre wirtschaftliche Hebel benutzt, um einen Politikwechsel zu erreichen. Da Brettspieler i.A. eher humane Werte (wie eben z.B. den Gleichheitsgrundsatz) vertreten, ist dies ein guter Tag, auch wenn das Gesetz trotz der Drohung unterzeichnet wurde. Ich bin jeden Fall gespannt wie es weitergeht – bis 2020 kann viel passieren (z.B. kann das Gesetz als nicht verfassungskonform wieder einkassiert werden, was ich -nebenbei gesagt – fast erwarte).

Der nächste Politikwechsel ist eher kleinerer Natur und betrifft Days of Wonder. Die haben jetzt entschieden, die Sklaven aus Five Tribes gegen Fakire auszutauschen. Der Grund dürfte erst einmal wirtschaftlicher Natur sein: Viele Leute haben ein Problem damit, mit Sklaven zu handeln und der Wechsel ermöglicht so zumindest potentiell eine etwas höhere Verbreitung.┬á Umgekehrt wird natürlich wieder der Ruf nach übertriebender “Political Correctness” laut. Wie stehe ich zu der Geschichte? Nun, vorweg: Ich glaube dass der PC-Vorwurf gerne erst einmal rausgeworfen wird, um sich nicht mit unangenehmen Fragen befassen zu müssen, gerade auch, was das eigene Verhalten betrifft. Political Correctness hat nach meiner Überzeugung schleichend im Hintergrund eine große Rolle gespielt, was Toleranz in unserer heutigen Gesellschaft betrifft. Umgekehrt halte ich das einfache Weglassen negativer Aspekte in einem Thema auch für problematisch. Es gibt Vorwürfe, dass “Fakire rein, Sklaven raus” eine idealisierte Welt vorgaukelt und die Beschäftigung mit einem ernsten Thema so verhindert. Das kann ich auch nachvollziehen, denke aber, Five Tribes ist dieses Spiel sowieso nicht. Das Spiel ist abstrakt, keine Simulation und es bietet allenfalls eine thematische Einkleidung. Ehrlich gesagt kann ich nicht einmal nachvollziehen, warum Sklaven überhaupt gewählt wurden, da hier ohne Not ein negatives besetztes Element eingeführt wurde. Mich persönlich stören die Sklaven nicht, gerade weil sie generisch sind – aber genau deswegen hätte man sie von Anfang an besser weggelassen. Negative Konnationen ohne Not sind bestenfalls ein Beispiel von “nicht nachgedacht” und schlicht überflüssig. Ihr Ausstausch ist insofern in Ordnung, auch wenn jetzt wohl erst einmal der Streisand-Effekt wirken dürfte…

Das dritte Beispiel ist für mich das stärkste und stammt aus dem Computerbereich: Beim Spiel Rust haben die Spieler keine Wahl, was ihr Aussehen betrifft. Klingt erstmal nicht weiter spektakulär. Aber: Man bekommt ein Aussehen fest zugeteilt, inklusive Ethnizität. Da ist dann plötzlich so viel Sprengsatz dahinter, dass ich spontan “WoW!” ausrief, als ich davon las. In Onlineswelten sind nämlich die meisten Europäisch aussehend, andere Typen sieht man selten. Und tatsächlich gab es in den Foren einige sehr negative Stimmen von Spielern, die z.B. keinen Schwarzen spielen wollen, aber vom Spiel eine entsprechende Hautfarbe (zufällig) zugeteilt bekamen.

DAS ist aber einmal eine Möglichkeit, die ein Spiel hat, die für das Medium einzigartig ist: Multiperspektivität. Spiele (egal ob Brett – Computer – oder Rollenspiele) bieten eben auch die Möglichkeit einmal eine andere Seite kennen zu lernen. Und in diesem Fall heißt das eben auch im Rahmen eines normalen Spieles, einmal zu sehen, wie es als Mitglied einer ethnischen Minderheit sein kann, wenn man z.B. vermeidlich harmlosen Sprüchen ausgesetzt ist. Umgekehrt setzt vielleicht auf Dauer das Denken ein, dass die Hautfarbe vielleicht doch gar nicht wichtig ist (die feste Augenfarbe hat ja auch keine großen Emotionalen Ausbrüche verursacht). Wenn ich oben von wachsender Toleranz in unserer Gesellschaft sprach: Spiele wie Rust haben so das Potential eben gerade ohne Zeigefinger, quasi nebenbei, für differentierteres Denken und damit Toleranz zu sorgen.

Und das erwarte ich von einem Kulturgut auch ein Stückweit.

ciao

peer