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10 Tage – Serie

Verlage: Europa-Tour: Schmidt Spiele, 10 Tage durch Deutschland: Ravensburger, alle anderen: Out of the Box
Autor: Alan Moon und Aaron Weisblum
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: 30 Minuten (10 Days in Asia 45-60 Minuten)

Da Ravensburger fast 10 Jahre nach Erscheinen von Europa-Tour endlich wieder einen Deutschen Titel für die weltumspannende 10-Days-Serie nachgereicht hat, bespreche ich hier mal die ganze Serie.

Bei allen Spielen müssen 10 Orte (repräsentiert durch Karten) bereist werden. Dabei wird immer nur eine Karte zur Zeit aufgenommen und der Clou ist: man darf nicht sortieren. Wer umstecken will, muss die Karte erst ablegen, wo sie ein anderer nehmen kann. Normalerweise müssen benachbarte Karten in der eigenen Auslage auch auf dem Spielplan benachbart sein, aber bei jedem dieser Spiele gibt es da Sonderfahrzeuge. Generell halte ich die 10-Days-Serie für ideale Familienspiele, die ich nur jedem Familienspieler empfehlen kann. Dass die Jury Europa-Tour nicht einmal auf die Empfehlungsliste setzte, halte ich für einen der wenigen ganz großen Verfehlungen. Details zum Ablauf gibt es in der Europa-Tour-Rezi, hier sollen nur die Unterschiede der einzelnen Teile näher beleuchtet werden!

Europa-Tour:

Beginnen wir mit dem Vater der Serie. Europatour von Schmidt wurde damals wegen des Spielprinzips gelobt und wegen der Grafik getadelt. Beides zu Recht. Die Graphik ist verspielt, aber durch die vermittelte Unruhe etwas unübersichtlich (und einige Verbindungen werden durch Graphikelemente verdeckt). Spielerisch ist der Urahn aber einer der besten Vertreter der Serie. Neben Flugzeugen, die gleichfarbige Länder verbinden (und die es bei allen Teilen gibt), gibt es zahlreiche Fährverbindungen, die mit Schiffen befahren werden können. Das Resultat ist eine große Flexibilität bei der Planung. In meinen Augen gelang hier die beste Balance zwischen Planungssicherheit und Glücksfaktor.

10 Days in the US

Knapp dahinter aber der erste Titel von Out of the Box. Da die USA ja eher kompakt ist, gibt es keine Schiffe, sondern Autos, die als Joker dienen. Abgesehen davon, dass Autos (wie alle Verkehrsmittel) nicht am Anfang oder am Ende der Reise stehen dürfen, kann man Autos fast immer gebrauchen. Ablegen wird man die auch nur in Ausnahmefällen, was den Glücksfaktor (wegen des Blindziehens) im Vergleich zu Europa-Tour etwas erhöht. Dennoch sind auch die US sehr gut plan- und spielbar. Da das Material bei allen Out of the Box-Spielen sehr kompakt und übersichtlich gehalten ist, eignet es sich hervorragend als Reisespiel für den nächsten Urlaub.

10 Days in Africa

Gleichzeitig erschien aber auch der schwächste Teil der Serie. Dabei hat der Verlag keine Schuld – die Regeln sind dieselben wie in den USA. Das Problem ist die Geographie Afrikas, bei der es sehr viele kleine Staaten am Rande des Kontinents gibt, während in der Mitte große Länder liegen, durch die man durch muss. Zwar gibt es diese Schlüsselstaaten allesamt doppelt, nichtsdestotrotz hängen meist alle Spieler an irgendeinem dieser Durchgangsstaaten fest und warten auf die richtige Karte. Ganz dramatisch ist das nicht, aber der Frustfaktor ist hier am höchsten.

10 Days in Asia

Asien ist der umfangreichste Teil. Denn  Asien reicht hier tatsächlich von Qatar bis Japan – Damit der Glücksfaktor nicht ausufert, haben sich die Autoren zahlreiche Hilfsmittel ausgedacht: Neben den Flugzeugen gibt es Schiffe, die jeweils in einem Ozean patroullieren und mit denen zwei Küstenstaaten verbunden werden können. Eisenbahnen verbinden alle Länder an einer Eisenbahnlinie. Und die großen Staaten wie China, Russland oder Saudi Arabien sind jeweils zweimal im Stapel. Das funktioniert gut, aber Asien verlangt nach mehr Planung als die anderen Teile – denn Flexibilität ist hier alles. Keiner kann sich erlauben auf ein bestimmten Land zu spielen – bei 78 Plättchen ist die Chance das tatsächlich zu ergattern einfach zu klein. Allerdings ist die Spieldauer hier am höchsten. Es ist das einzige Spiel bei dem ich den Stapel tatsächlich durchgespielt habe, ohne dass jemand gewonnen hätte – und das passierte gleich mehrmals! Da diese Reihe ja aber eigentlich eine Filler-Reihe ist, muss man sich gut überlegen, ob die Spieldauer gerechtfertigt ist…

10 Days in the Americas

Die Anzahl der Länder in Nord- und Südamerika ist übersichtlicher, aber die meisten liegen in Mittelamerika, was spielerisch ungünstig ist, da alle Länder nur zwei Nachbarn haben. Und dann sind noch all die karribischen Zwergstaaten! Damit ein Spiel draus wird gibt es Schiffe, die diesmal aber auf ihr Meer beschränkt sind. Das funktioniert durchaus recht gut, aber irgendwie ist es unbefriediegender ständig kleine Miniinseln verbinden zu müssen – 10 Days in the Americas ist geradliniger und weniger zweidimensional. Ganz kann ich den Finger nicht drauflegen, aber generell halte ich diese Reinkarnation für etwas schwächer als die anderen Teile (mit Ausnahme von 10 Days in Africa). Vielleicht liegt es daran, dass sich die Reisen am Ende am stärksten ähneln. die Amerikas bieten einfach zu wenig Spielraum für unterschiedliche Vorgehensweisen, so dass oft jeder einen ähnlichen Plan verfolgt.

10 Tage durch Deutschland

Und schließlich kommen wir zum jüngsten Sproß der Familie. Als ich hörte, dass es wieder einen deutschen Vertreter geben würde, hab ich mich gefreut: Jetzt kann die Jury endlich ihren Fehler wieder gutmachen! Tatsächlich ist der Titel spielerisch weitestgehend gelungen. Die Flugzeuge heißen hier Bahnen und die Autos aus den USA (mit all ihren Nachteilen) heißen hier Busse. Berlin kann mit jedem Flugzeug angeflogen werden, da es ja von Brandenburg umgeben und somit schwer erreichbar ist. Allerdings ist der Titel redaktionell in meinen Augen schwer verunglückt. Das schlimmste ist die Graphik, die knallbunt im “Coolen Wirtschaftslook” herkommt – wer das alte “Business” kennt, hat eine Grundidee – nur ist das hier völlig Fehl am Platze. Das Spiel ist in meinen Augen potthässlich. Vielleicht noch schwerer wiegt aber ein anderer Designschnitzer: Da es nur 16 Bundesländer gibt, mussten irgendwie genügend andere passende Orte gefunden werden. Leider lässt die Auswahl jede Logik vermissen: Mal wurden Städte genommen (und nicht unbedingt nur große wie Berlin, sondern auch Detmold oder Münster) manchmal Gegenden (Weser-Ems, Tübingen), manchmal Bundesländer (Brandenburg), manchmal gar Gewässer (Nordsee, Bodensee). Das verwirrt unnötig (vor allem die Gewässer sind gewöhnungsbedürftig, wenn man die anderen Teile gewohnt ist) und man braucht länger zum Finden der Orte. Vor allem aber fällt der sonst übliche Lerneffekt (“Ach da liegt das!”) weg und die Grenzen wirken willkürlich, was das Spiel weiter abstrahiert Warum wohl Stuttgart größer ist als Schwaben? Solche und ähnliche Fragen stellt man sich ständig bei dem Spiel, das wirkt als hätten mehrere Designer unabhängig voneinander Deutschland in Gebiete geteilt.
Hier hätte man sich auf Gegenden (Ostwesfalen, Lausitz etc.) konzentrieren müssen. Das ist schade, denn spielerisch bewegt es sich ansonsten in etwa auf USA-Niveau. Aber so waren selbst begeisterte 10-Days-Spieler aus meinem Umfeld ernüchtert. So wird das mit der Nominierung vermutlich wieder nix – Chance verspielt!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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